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Full text of "Die Kirchengeschichte Böhmens im Allgemeinen und in ihrer besonderen Beziehung auf die jetzige Leitmeritzer Diöcese in der Zeit vor dem erblichen Königthume [microform] : nach den zuverlässigsten, grossentheils handschriftlichen Quellen bearbeitet"

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Die 



Kirchengesciiichte Böhmens 



im Allgemeinen 



und 
in ilxx^er* Tb es ond. ereil Bezielxixng 

auf die jetzige 

Leitmeritzer Diöcese. 



Nach den zuYerlässigsteiij grossentlieils liandscliriftliclien Quellen 

bearbeitet Ton 

P. ANTON PRIND, 

biscliöfl. Notar, k, k. Gymnasial-Diroctor in Egov. 



I. BAND, 

Die Zeit vor dem erblichen Königtimme, 



PEAG, 1864. 

Yerlag von Friedrich Tempsky. 



Die 



KirchengescMchte Böhmens 



im Allgemeinen 



und 

in ihrer besonderen Beziehung auf die jetzige Leitmeritzer Diöcese 

in der 

Zeit vor dem erblidien Köiiiathiime. 



Nach den zuverlässigsten, grossentlieils haudsehriftliclien Quellen bearbeitet 



von 



P. ANTON FRIND, 

bisehöfl. Notai-, k. k. Gymuasial-Director in Eger. 



Motliöl im ßetepltUßiÄöliöE 

„Stl Anna" if S/'>L 

Plan bei Marienbad. 



i 



PBAG, 1864. 

Verlag von Friedrich Tempsky. 







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IJMIVERSITY 

C' CJ ;lCr-,GO 




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Vorrede. 



Im Jahre 1856 feierte die leitmeritzer Diöcese das 
zweihundert jähr ige Jubiläum ihres Bisthums, und im 
Jahre darauf das acht hundertjährige Andenken der 
Stiftung ihres ehemaligen Collegiat- und nunmehrigen Dom- 
capitels; da war es der Wunsch Sr. bischöflichen Gnaden, 
unseres hochwürdigsten Oberhirten Dr. Augustin Bartholo- 
maeus Hille, dass ein so denkwürdiger Zeitpunkt durch die 
Abfassung ehier D i ö c e s a n g e s c h i c h t e verherrlicht werde. 
Der damalige Professor der Theologie und nunmehrige Ca- 
nonicus zu Leitmeritz, Dr. Joseph Ginzel war der geeig- 
netste Mann und aucli bereit, diesen Wunsch zu erfüllen. 

Die, Aufgabe schien Anfangs verhältnissmässig leicht, 
Angesichts der zahlreichen Quellen , die bei Eröifnung der 
interessanten Archive des Bisthums , des Capitels und des 
Consistoriums sich darboten, üeberdies waren die Seel- 
sorger der ganzen Diöcese über Aufforderung des hochwür- 
digsten Consistoriums so freundlich, das Wissenswerthe ihrer 
Gedenkbücher und Archive, — insbesondere das Zeitalter 
der Reformation betreffend — zur Verfügung zu stellen; 
auch das hochwürdigste Domstift zu Budissin eröffnete dem 



VI 

ersten Unternelimer in Gesellschaft des gefertigten Verfas- 
sers bereitwillig seine zalilreiclien auf unsere Diöcese Bezug 
habenden archivarischen Schätze. Da sah sich Herr Prof. 
Dr. Ginzel durch andere wichtigere Arbeiten gedrängt, das 
eben erst begonnene Werk einer anderen Hand zu über- 
lassen. Eigenes Interesse für die iSache und der Wunsch 
Sr. bischöflichen Gnaden bestimmten nun den Gefertigten, 
seine geringe Kraft zur Verfügung zu stellen. 

Bald zeigte sich die Lückenhaftigkeit der hiesigen 
Quellen. In Mitten zahlreicher meist unkritischer und oft 
widersprechender Aufzeichnungen aus früherer Zeit liess sich 
nicht einmal ein richtiger Ueberblick über die älteren Schick- 
sale des leitmeritzer Collegiatstifts gewinnen. Zudem reizte 
der Gedanke, die Geschichte eines ehemaligen zweiten Col- 
legiatcapitels im jetzigen Diöcesanbereiche (zu Melnik), der 
zahlreichen theils verschwundenen und theils noch bestehen- 
den Klöster desselben Gebiets und — wenn möglich — 
selbst der einzelnen Seelsorgspfründen bis in das graueste 
Alterthum zurück zu verfolgen. So musste die Arbeit ein 
erhöhtes Interesse für den Leser und vielleicht auch eine 
spezielle Bedeutung für jeden Diöcesanpriester gewinnen. 

Das führte zu weiteren Forschungen, die der gefertigte 
Verfasser mittelbar in einzelnen Gegenden durch theil- 
nehmende Freunde, und seit October des Jahres 1857 und 
Anfang 1858 persönUch in den interessantesten Archiven 
und Bibliotheken Prags anstellte. Eine reiche Ausbeute für 
seinen Zweck boten die kostbaren alten Manuscripte der 
fürsterzbischöflichen Bibliothek, die freundlichst zur Einsicht 



VII 

gegebenen Register und Acten des Metropolitan-Capitelarchivs, 
die liandscliriftlichen Schätze der k. k. Universitätsbibliothek 
und einige äusserst schätzbare Manuscripte der Kloster- 
bibliotheken von Strahow und S. Thomas. Auch der hoch- 
verdiente Professor der prager Universität, Dr. Constantin 
Höfler bot seine liebevolle Unterstützung durch Darleihung 
einer für den Druck bestimmten Sammlung wichtiger „Monu- 
mente (Urkunden) des Köoigthums in Böhmen^''. Mit solchen 
Schätzen ausgerüstet, und zur Seite die ausgezeichnete alte 
und neue Literatur unseres Vaterlandes nahm der Gefertigte 
sofort seine Arbeit wieder auf. 

Aber da war es um den ursprünglichen Plan einer blos- 
sen Diöc es ange schichte in der engsten Bedeutung die- 
ses Wortes geschehen. Sollte alles einschlägige und zugleich 
wichtige Material verwendet werden, so musste diese Diöce- 
sangeschichte ein annalistisches Quodlibet ohne allen organi- 
schen Zusammenhang werden. Da überdiess ein eingehendes 
Werk über die kirchliche Geschichte Böhmens gänzlich man- 
gelt, so mussten tausend Dinge im Verlaufe einer blossen 
Diöcesangescichte ganz unverständlich bleiben. Auf diese 
Weise entstand der Plan, eine Kirchengeschichte Böhmens 
im Allgemeinen und in ihrer besondern Beziehung auf die 
jetzige Diöcese Leitmeritz zu schreiben. 

L andes - Kirchengeschichte sollte sie sein, in 
soweit sie aus dem bisher möglichen Ueberblicke der Er- 
eignisse sich darstellt, und in soweit ihre Kenntniss allen 
Lesern noththut und insbesondere dem Priester des lieben 
Vaterlandes nicht fehlen soll, — Diöcesangeschichte 



VIII 

aber durch Darbietung alles Details, in welchem das allge- 
meine kirchliche Leben des Landes im engern Bereiche der 
jetzigen leitmeritzer Diöcese zur Erscheinung kam. So lag 
auch die Hoffnung nicht fern, dass durch späteres Hinzu- 
kommen ähnlicher Arbeiten aus den übrigen Diöcesen all- 
mählig eine gründliche und detailirte Kirch engeschichte Böh- 
mens entstehen könnte. Indem der Verfasser die erste Ab- 
theilung seines so entstandenen Werkes hiemit der Oeffent- 
lichkeit übergibt, kann er nicht umhin, die im Verlaufe seiner 
mühevollen Arbeit gewonnene Ueberzeugung auszusprechen : 
dass eine in der angedeuteten Weise zu Stande kommende 
umfassende Kirchengeschichte nicht allein die allgemeine Ge- 
schichte unseres Vaterlandes ergänzen und vielfach berich- 
tigen, sondern auch die Liebe und Anhänglichkeit für den 
ehrwürdigen Glauben unserer ältesten Väter und für die 
heilige katholische Kirche lebhaft entzünden müsste. 

Die vorliegende Schrift ist — einzelne kleinere Ar- 
beiten abgerechnet — ein Erstlingsversuch. Keine besondere 
Zierlichkeit der Sprache und auch keine künstliche Anord- 
nung der Theile werden sie empfehlen. Was einzig für sie 
reden kann, ist — der gute Wille des Verfassers, nach Kräften 
gründlich und wahrhaft zu sein. Möge ihm dieser gute Wille 
die Nachsicht und das Wohlwollen der freundlichen Leser 
gewinnen. — , 

Eger, am 20. August 1863. 

P. Anton Frind. 



ERSTE PERIODE. 



Die €liFli§tiaiii^friing BOhmeiiis. 

I, Zeitraum. 

Die Einfülirung des Cliristentliuins in Bölimen. 

§. 1. Die ersten BekehrungsTersuche. 

1. Die ersten Versuche, unser Vaterland Böhmen für die hei- 
lige Religion Jesu zu gewinnen, reichen bis in das 4. Jahrhundert 
hinauf. Im Jahre 396 wandte sich nämlich Fritigild, Königin der 
damals in Böhmen und Mähren sesshaften Markomannen an den heil. 
Bischof Amhrosius in Mailand, mn Unterricht in der Lehre des 
Christenthums zu erhalten. In der That sandte damals der seelen- 
eifrige Diener Gottes einen zu diesem Zwecke verfassten Katechis- 
mus an die lernbegierige Fürstin, und diese wieder beeilte sich, 
ischon im nächsten Jahre persönlich nach Mailand zu reisen. ^) Lei- 
der fand sie den heiligen Bischof bereits im Grabe. Welche Früchte 
in unserem Vaterlande die Schrift des heiligen Mannes und die er- 
wähnte Reise der Königin getragen haben mag, ist unbekannt. 
Seien sie aber auch noch so reichlich gewesen, so dürfte doch die 
auch über Böhmen sich ergiessende Fluth der Völkerwanderung in 
kurzer Zeit jede Spur derselben vernichtet haben. 

2. An die Stelle der deutschen Markomannen traten innerhalb 
der böhmischen Gränzwälder *) die Öechen. Zwischen ihnen und 
den Deutschen siedelten sich noch die sprachverwandten Main- und 

*) Paulini vita S. Ämbrosii bei Baron ad 396. Palacky Gresch. Böhmens I. 49. 

-) Wie sich weiterhin ergeben wird, gehörten die ausserhalb „der Gränzwälder" 
gelegenen Landstriche, das Gebiet von Eger und das nordböhmische Nie- 
derland, nicht zu Böhmen. 

1 



Rednitzwenden ') an den Gränzen des alten Grabfeldes ^) und Nord- 
gaus, ^) und andere Wendenstämme an der Saale und Elbe an. Zu 
den letztern soll schon um das Jahr Y20 der heilige Bonifacius als 
Glaubensbote gekommen sein und am Zusammenflusse der Elster und 
Pleisse ein Kloster gebaut haben.*) Im Nordgau und Grabfelde, wo 
seit Karl dem Grossen auch die Wenden unter der Verwaltung deut- 
scher Grafen standen,^) wetteiferten wenigstens seit dieser Zeit die' 
Aebte von Fulda als Besitzer bedeutender Landstrecken,") die Bi- 
schöfe von Würzburg, welche im J. 846 bereits 14 unter Karl dem 
Gr. erbaute slawische Kirchen als Geschenk vom Könige Ludwig 
erhielten,') und die Bischöfe von Regensburg als geistliche Ober- 
hirten des Nordgaues, die letzte Hand an das Werk der Ghristia- 
nisirung zu legen. Sicher wurde damals das heutige Egerland, zu 
jener Zeit ein Theil des von Main- und Rednitzwenden bewohnten 
Nordgaues, für das Christenthum gewonnen.^) Von hier und von 
der übrigen wendischen Nachbarschaft musste wohl eine Kunde des 
Ghristenthums auch in die . Gränzgegenden der sprachverwandten 
öechen dringen. 

3. Im eigentlichen Böhmen konnten übrigens auch die wieder- 



^) Genannt in einer Urkunde von 846 in Erben regesia BoJiemiac ei Mora- 

viae p. 11. 
*) Die Landschaft von Fukla bis gegen Eger Ixcran. 

3) Das Gebiet von Eicbstadt und Regensburg bis einsclüiesslicli zum Egerlande. 

4) Schneider Ghron. Lips. IV. 144. Albini Meiss. Merkw. 282. 

5) Laut Urkunde von 846 in Erben reg. p. 11. 
<^) Urkunde v. 16. Febr. 824 in Erben reg. p. 8, 

') Urkunde ebendaselbst p. 11. Diese Kirchen lagen „in terra Sdavontm 
qini vocantur Moinuuindi et Batanzuuinäi.^^ 

^) Das Egerland war vor der Völkerwanderung selbstverständlich deutsch 
und erhielt wohl auch damals schon einige seiner deutschen Ortsnamen. 
Nachher rings von Slawen eingeschlossen, wurde es gewiss auch slawisch 
und zwar wie die weiter westlich gelegene Landschaft der Wohnsitz der 
■Rednitzwenden. Von diesen rühren wohl mehrere slawische Ortsnamen 
her. Da dieses Ländchen noch Jahrhunderte lang zu Deutschland ge- 
hörte, so erfolgte (ohne besondere Gewalt der deutschen Gau- und Mark- 
grafen, wie dies anderwärts viel mehr der Fall war) die Germanisirung 
desselben — hauptsächlich in Folge zahlreicher deutscher Ansiedlungen, 
welche die „Ausreutungen" des Urwalds bevölkerten. Daher stammen 
wieder die vielen „Reut" der Gegend, wie Albenreut, Frauenreut, Voiters- 
reut, Tirschenreut u. s. w. 



holten Kriegszüge Karls des Grossen nicht ohne einige Rückwirkung 
auf die religiösen Verhältnisse des Volkes geblieben sein. Bereits 
im J. 805 musste ein, wenn auch verhältnissmässig kleiner Theil 
der Bewohner Böhmens — wahi'scheinlich im Gebiete Sedlecko (elbog- 
ner Kreis) — der fränkischen Hoheit huldigen, ') während ein anderer 
sich in die undurchdringlichen Wälder zurückzog.*) Neue Kiiegs- 
züge in den Jahren 806 und 807 hatten die Sicherstellung jener 
Huldigung und eines dem ganzen Lande auferlegten Tributes zur 
Folge. ^) Sofort ward sogar ganz Böhmen Seitens der Franken zu 
ihrem Reiche gezählt.'^) Gab es immerhin unter Ludwig dem From- 
men wieder neue Kämpfe, so dauerte doch im Wesentlichen ein 
Verhältniss der Abhängigkeit Böhmens und namentlich der westli- 
chen Gränzgebiete zum christlichen Nachbarlände fort. Was ist da 
wahrscheinlicher, als dass der unvermeidliche Verkehr damals schon 
die Anfänge des Christenthums in diese westlichen Gebiete des 
eigentlichen Böhmens verpflanzte? Diess ist um so mehr anzuneh- 
men, als es auch da von deutscher Seite her nicht an Ausreutun- 
gen der Wälder und Ansiedlungen fehlte.^) 

V 

§. 2. Die Gechentaufe in Regensburg. 

1. Als im Jahre 843 Ludwig der Deutsche König des vom 
fränkischen Reiche getrennten Deutschland geworden war, liess er 
sich es angelegen sein, die Abhängigkeit der ihm zugefallenen Ge- 
genden Böhmens neuerdings und nachhaltig zu sichern. Er fand 
in Em est, dem Markgrafen des Nordgaus, den geeigneten Feld- 
herrn. Damals herrschte im Gebiete von Saaz, welches ") in 5 Bezir- 



') öedlecko hatte seinen Namen von der alten ^upenburg Sedlec, dem heu- 
tigen Zetlitz bei Karlsbad. 

^jDamberger synchron. Gesch. III. 17. 

3) Eginhard ad 807. Cosmas IL 119, Damberger III. 20, 72. Dobner annales 
Hajecii II. 432. 

'^jDie Garta divisionis imperii {PerU III. 198) sagt: Item Hludovicus volii- 
mus, %vt habeat Bajoariam et Garentanos et Beheimos et Ävaros atque 
Sclavos, giii ab orientäli parte Bajoariae sunt. 

5) Unter den nachmaligen Besitzungen des h. Wolfgang, Bischofs von Re- 
gensburg, -wird z. B. Kunigswartha, das heutige Königswart genannt, das 

■ seinen Namen doch keinesfalls schon im Jahre 972 vop einem Könige 
Böhmens, sondern gewiss nur von einem Könige Deutschlands haben konnte. 

'')Nach Cosmas. 

1* 



ken längs der Flüsse „Gutna," „Uzka", „Mza" und „Bracnika", sowie 
im Umkreise von Saaz selbst^) bis gegen Trebnitz (bei Leitmeritz) sich 
erstreckte, als selbstständiger Landesherr ein Bruder des Herzogs Kfe- 
somysl, Namens WTatislaw. Diesem, der die deutsche Hoheit an 
den Gränzen, wenn nicht gar in einigen Gegenden innerhalb seines 
Gebietes gewiss ungern sah, galt der Kampf. Derselbe muss für die 
Deutschen von einigem Erfolge gewesen sein; denn zu Ende des Jahres 
845 erschienen 14 Häuptlinge der Böhmen, wohl aus Wra- 
tislaws Lande, „sammt ihrem Gefolge" bei König Ludwig in 
Regensburg, um hier die h. Taufe zu erbitten. In der Oktav der 
Erscheinung des Herrn (13. Jäner 846) erfolgte wirklich ihre Auf- 
nahme in den Schooss der heiligen Kirche.^) Der damalige Bischof 
Botherich von Kegensburg ward überdiess aufgefördert, „die Öe~ 
eben in der christlichen Religion zu unterweisen." ^) 
Dieses Ereigniss hat eine weit höhere Bedeutung, als jetzt gewöhnlich 
angenommen wird. Es ist die eigentliche Aufnahme un- 
seres Vaterlandes in den Verband der katholischen 
Kirche. Von hier an zählten die kirchlichen Oberen unser Land, 
und zählten unsere Vorältern sich selbst, ohne Unterbrechung durch 
die spätere anderw^eitige Bekehrung des Landesherzogs, zur bischöf- 
lichen Diöcese von Regensburg:*) Beweises genug, dass der erzählte 
Taufakt zu Regensburg für bedeutungsvoller galt, als die nachherige 
Taufe Bofiwojs. In der That setzen auch die nachfolgenden Kämpfe in 
Böhmen das Vorhandensein einer christlichen Partei im Lande voraus. ^) 



1) Mza oder Mze ist entschieden der heutige Miesfluss; Uzka oder üska, jetzt 
Assigj hiess (nach Jireöek „2upy Öech", in Pamätky archaeol. II. 216 und 
221) der bei Postelberg mündende Nebenfluss der Eger; Bracnika oder 
Brocznika dürfte (nach demselben) der heutige Goldbach sein; Gutna war 
wohl ein Flüsschen des nachmaligen Zluticer Dekanats: so dass Wrati- 
slaws Besatz über die spätem Dekanate von Zatec (Saaz), Cadan, ^lutic 
(Luditz) und Tepl sich erstreckte. Das Gebiet von Elbogen (das längs des 
Eger- und Teplflusses sich hinzog) und von Bilin (an der Böla) scheint 
demnach ausgeschlossen gewesen zu sein. Ersteres gehörte eben, wie wir 
bereits wissen, zum deutschen Lande. 

*) ßuodolfi annal. Fuld. bei Pertz I. 364-. Aimonius, Sigebertus Gemblacen- 
üs, Magnum chronicon belgicum etc. cit. Dobner annal. II. 553. 

3) Viguld Hundius ad 846. Aventinus arm. boj. I. 4. 

^) Der nähere Nachweis dessen wird später an geeignetem Orte folgen. (Geist- 
liche Jurisdiction und Bitus in Böhmen.) 

5) Damberger III. 113. 



5 

2. Dem Ereignisse von Eegensburg folgte eine ernste Reaktion 
der heidnischen öechen. Ohne Zweifel erhob Wratislaw von Saaz 
neuerdings die Waffen, zunächst wohl zur Vertreibung der von ihm 
abtrünnigen Grossen. Wirklich finden wir einen solchen „Grrafen 
aus Böhmen (comes ex Boemia)" Namens Thakulf weiterhin 
im Dienste der Deutschen und später als Markgrafen der sorabi- 
schen Mark,^ ) denselben, der bei seinem im J. 861 erfolgten Tode 
„sein an der Gränze Böhmens gelegenesL ändchen Sa- 
rowe" (Sorau in der Mederlausitz) dem Kloster Fulda schenkte.^) 
Mit abwechselndem Glücke stritt man, solange Wratislaw lebte. Er 
starb angeblich 850.^) Noch muthiger führte fortan sein Sohn Wla- 
stislaw die Waffen. Endlich aber gewann doch der tapfere Markgraf 
Ernest als Führer der Deutschen die Oberhand. Als Wlastislaw 855 
im äussersten Osten seines Gebietes die neue feste Stadt Wlastisla- 
wa (bei Trebnitz) baute*) — wich er wohl einem gewaltigen Drän- 
gen von Westen her; und wenn er fortan seine Waffen zur Erwei- 
terung seines Gebietes nach " Prag hinkehrte, band ihn wohl ein 
Friedensvertrag gegenüber dem deutschen Reiche. Thatsächtlich wird 
berichtet, dass im J. 856 „einige Herzoge der Böhmen von 
Neuem dem Könige derDeuts chen sich unterwarfen." ^) 
Dabei scheint es lange Zeit geblieben zu sein, zumal der kriegs- 
lustige Wlastislaw — angeblich 869 — im Streite gegen das Pra- 
ger Herzogthum seine Macht und sein Leben verlor. ^) Nun konnte 
immerhin das Christenthum unter der sorgsamen Pflege der Regens- 
burger Missionäre einigermassen gedeihen. 

3. Der Bekehrungsakt zu Regensburg hat — nach einigen 
späteren leider nur wenig verlässigen Chronisten — ein besonderes 
Interesse für die jetzige leitmeritzer Diöcese. Ohne Angabe älterer 



') Diese war das Gebiet der heutigen Niederlausitz. 

^) Urkunde in Erben regesta, p. 13. — Annales Francof. ad 849. — Dani- 
berger IH. 269. 

3) Hajek, 

^) Gosmas, Pulkawa etc. Heute steht auf dieser Stelle das Dorf Watislaw. 
Ausgrabungen auf einem mit kreisförmigen Wällen umschlossenen Hügel 
zeigen daselbst einen heidnischen Begräbnissplatz. Kaliina, Böhmens 
Opferplätze S. 149. 

S) Annales Francofuldenses ad 856. Diese Herzoge waren Häuptlinge klei- 
nerer Gebiete. 

'^) Gosmas. Hajek. 



6 

Quellen — nennt uns Daniel Weleslawin unter den bekehrten Häupt- 
lingen den Herrn von Cadan, wohl derselben „Kanaburg am Eger- 
flusse", die schon Karl der Grosse im J. 806 belagert hatte.') 
In ähnlicher Weise erwähnt Crugerius-) als Neubekehrten den 
damaligen Gebieter von Bilin. Nebenbei werden noch die Herren 
von Wary (später Karlsbad), Klattau, Pilsen, Tepl und Studinec (?) 
angeführt. — So viel scheint übrigens sicher zu sein, dass der be- 
reits oben erwähnte Graf Thakulf zu jenen Neugetauften gehörte 
und ausserdem derselbe „Herzog Wiztrah", welcher von dieser 
Zeit an unter deutscher Hoheit blieb. ^) Auch ist jedenfalls an- 
zunehmen, dass insbesondere das Gebiet von Cadan, der deutschen 
Nachbarschaft wegen, namentlich von 856 an einige Fortschritte im 
christlichen Bekenntnisse machen musste. 

4. Sei übrigens der Erfolg des Bekehrungsaktes von 846 noch 
so günstig gewesen: das ist dennoch nicht in Abrede zu stellen, 
dass die damaligen Christen in unserem Vaterlande eben nur eine 
von ihren Gegnern politisch verdächtigte und angefeindete, und eben 
deshalb an Zahl und Ansehen keineswegs schnell anwachsende Par- 
tei gewesen sind. Nur, wen die klarste Uiberzeugung drängte, wollte 
in dieser Zeit und unter solchen Verhältnissen ein Kind der heil. 
Kirche werden. Erst wenn die neue Lehre nicht mehr aus dem 
Munde der vermeintlichen Nationalfeinde kam, mochte sie allge- 
meine Geltung im weiten Lande gewinnen. 

§. 3. Die Taufe des Herzogs Boriwoj und ihre nächsten Folgen. 

1, Im benachbarten Mähren war das Christen thum bereits im 
ersten Dezennium des 9. Jahrhunderts heimisch geworden. Als er- 
ster Apostel desselben trat dort — wahrscheinlich schon im J. 805 
— der vordem im Widerspruche mit seinem Metropoliten auf den 
bischöflichen Stuhl von Passau erhobene und eben desshalb in dieser 



i)Dobner annal. IL 475. Palacky Gesch. I. Die Stadt Eadan ist viel jün- 
ger als die Burg gleichen Namens. Jene entstand erst um 1180, Im J. 
1186 schenkte Herzog Friedrich hurgwn novmi Cadan den Johannitern. 

^) Crugerii saeri pulveres. 

2) Damberger Kritikhefte III. 113. Wahrscheinlich war es der Herr von 
Weitra im heutigen Oestcrreich, welcher Ort sammt Umgegend von da an 
für Böhmen verloren ging. 



Würde nicht bestätigte Bischof U r o 1 f auf) und erzielte daselbst 
nicht minder glückliche Erfolge, als in dem benachbarten Panno- 
nien, wo er seine apostolische Thätigkeit bereits im J. 803 begon- 
nen hatte. Er hatte sich das höhe Ziel gestellt, der ehemaligen 
Metropole von Lorch in diesen Gegenden neue Glaubensgebiete und 
bischöfliche Diöcesen zu gewinnen.^) Wir finden ihn im J. 817 in 
voller Thätigkeit „als Bischof in Mähren.^) Im J. 818 hatte 
er eine Zeit lang an dem Bischöfe Beginar von Passau einen apo- 
stolischen Gefährten.'*) Im J. 824 konnte. Papst Eugen IL bereits 
den christlichen Mährenherzog Moymar unter Belobung des bisher 
schon bewiesenen Eifers bitten, dass er (wie auch der avarische 
Fürst Tundun) dem ürolf bei Errichtung neuer Bisthümer behilflich 
sein möge.^) Sofort finden wir in der That einen Eathfredus, Bi- 
schof von Faviana (Wien), einen Methodius, Bischof von Speculum 
Julium (Igiau ? Olmütz ?), einen Älevinus, Bischof von Nitra- 
via (Neutra) und einen Annonus, Bischof von Yetvaria (Alten- 
burg ?).*^) ürolf starb nach Einigen im J. 829, nach Andern im 
J. 836.") Wenn immerhin die von ihm errichteten Bisthümer 
nur von kurzem Bestände waren, ^) so bürgt doch für einen nach- 
haltigen Erfolg der Bemühungen ürolfs, insbesondere für das Da- 
sein eines christlichen Clerus und Volkes in Mähren die Thatsache, 
dass hier fortan förmliche Synoden abgehalten wer- 
den konnten.") 



') Damberger synchr. Gesch. III. 15, 56, 142. Dessen Kritikhefte p. 20, 54. 

2)Dobrowsky mähr. Legende S. 52. 

^) Damberger 1. c. 

4)Ginzel: Cyrill und Methud S. 31. Boßek cod. dipl i^. 11. 

^) Dobrowsky rnälu*. Legende j). 51. 

*') Ebend. 52. Nach Salagi lagen Speculum Julium und Nitravia sicher inner- 
halb des gross-mährischen Reichs. 

') Dobner ann. Haj. TL. 531, Damberger III. 193. 

^)"Wir finden zur Zeit des Fürsten Eastislaw von ihnen keine Erwähnung. 

^) JEpistola episcoporum Bavariensium ad JoannemV. IX. in Ginzels Codex zur 
„Geschichte der Slawenapostel Cyrill und Methud" p. 68 etc.: „Pataviensis 
episcopus, in cujus dioeeed sunt Ulms terrae xwpiüi (Moravi), . . . quando 
voluit et dehuit illuc niülo öbstante intravit et synodalem cum suis et 
etiam ibi inventis conventuvi fregiuentavit, . . . et nullus eiin fadem 
restitit.'^ Es leuchtet- ein, dass das nachfolgende Werk Methuds und 
Oonstantins (Cyrills) nicht die erste Einführung des Christenthums in 
Mähren war. 



8 

2. Mähren gehörte unmittelbar vor 862 unbestritten zur Pas- 
sauer Kircbenprovinz. Als aber in dem genannten Jahre der 
Mährenherzog Rastislaw den Plan fasste, der deutschen Oberhoheit 
sich zu entledigen, wollte er zugleich sein Volk dem Einflüsse 
deutscher Bischöfe und Priester entziehen. Wohl mochten diese 
weniger geeignet sein, das slavische Volk, das bereits „dem Gö- 
tzendienst entsagt hatte, im Lesen und im Gesetze 
vollkommen zu unterrichten:" um so mehr glaubte sichRasti- 
slaw berechtigt, vom damaligen oströmischen Kaiser christliche Lehrer 
slavischer Zunge sich zu erbitten.^) In Folge dessen kamen im J. 
863 die heiügen Brüder Constantin (später erst Cyrillus genannt) 
und Methud, Söhne des Patriziers Leo von Thessalonich, als christ- 
liche Glaubenslehrer nach Mähren, bereisten das, Land nach allen 
Seiten, unterrichteten das Volk und weihten zahlreiche Kirchen.^) 
Im J. 867 gingen sie in Folge päpstlicher Citation nach Rom, um 
dort Rechenschaft von ihrem Wirken abzulegen. Hier starb Con- 
stantin, als er eben unter dem Namen Cyrillus die bischöfliche 
Weihe empfangen hatte (14. Febr. 868),^) Methud dagegen ward 
vom Papste Hadiiau IL in gerechter Würdigung der nationalen Be- 
dürfnisse der Slawen zum Erzbischof von Mähren und Pannonien er- 
hoben mit der Berechtigung, noch zwei Suffraganbischöfe daselbst 
zu bestellen. Als slawischer Metropolit wirkte er nun unter wech- 
selnder Gunst der äusseren Verhältnisse unermüdlich für die feste 
und tiefe Begründung der h. Christuslehre in seiner ausgedehnten 
, Kirchenprovinz. Er vollendete sein heiliges Leben am 6. April 885. 
Die kath. Kirche verehrt ihn und seinen Bruder (Gyrill) als heilige 
Apostel der Slawen.'*) 



*) So erzäUt ausdrücklich, die Pannon. Legende (in G-inzels Codex zu Cyrill 
und Methud) p. 5. Die diesfalls minder genaue mährische Legende (von 
Dohrowsky 1826 S. 17) spricht nur von der Sendung eines christlichen 
Glaubenslehrers überhaupt, und zwar sei geradezu die Sendung Constan- 
tins erbeten worden, dessen Ruhm wegen der Bekehrung der Chasai'en 
(Auffindung der Reliquien des h. Papstes Clemens) zu dem Mährerfürsten 
gedrungen sei. Constantin und Methud bekehrten auf der Reise nach 
Mähren das Volk der Bulgaren. 

2) Dobrowsky mähr. Legende p. 19. 

3) Ginzel Cyrill und Methud S. 48. Vgl. Dobrowsky mähr. Legende S. 9, 25 etc. 

4) Ginzel Geschichte der SiaAvenapostel Cyrill und Methud 32—91. Wider- 
legung der Zweifel Wattenbachs in Betreff des angegebenen Todestages: 
ebend. S. 91. — Item Waitenbach Beiträge zur Geschichte der cliristlichen 
Kirche in Mähren und Böhmen, S, 6 — %!. 



3. Dem. h, Methiid gebührt das Verdienst, den Böhmenher- 
zog Bofiwoj bei dessen Aufenthalte am Hofe des mährischen 
Fürsten Swatophik für das Christenthura gewonnen und feierlich 
getauft zu haben. ^) So wurde endlich der Sieg der christlichen 
Religion über das Heidenthum in Böhmen sicher gestellt; denn 
fortan sollten die frommen Bekenner des h. Glaubens Schutz und 
Hilfe an den Stufen des Thrones finden, und von den Fürsten 
selbst ins Land gerufen durften die begeisterten Missionäre der 
herrlichsten Erfolge ihrer Bemühungen sicher sein. 

Der feierliche Taufakt des Herzogs und seines Geleites von 
30 böhmischen Edlen geschah zu Welehrad am Johannisfeste (24. 
Juni*), wahrscheinlich im J. 879.^) 



•) Ginzel Geschiclite der Slawenapostel, S. 67 u. f. — Christannus. — Cosmas. 
— Dobrowsky mähr. Legende p. 49. Letztere erzälilt: „König Swatopluk 
habe dem Herzog BoHwoj anfangs den Platz „unter dem Tische" (d. i. 
abseits des eigenen Tisches) angewiesen, da es sich nicht zieme, dass ein 
Heide mit dem Christen speise. Methud aber habe dem Boriwoj Yorher- 
gesagt, er und seine Nachfolger würden, wenn er sich taufen liesse, 
mächtiger als alle Könige und Fürsten werden. So- hätten Scham und 
Hoffnung die Bekehrung des Böhmenherzogs bewirkt. 

^) Cosmas, mähr. Legende der h. h. Cyrill und Methud, und Ginzels Codex 
pag. 18. Christannus (vita S. Ludmilae et 8. Wenceslai) sagt: per actis je- 
junioriim ex viore solemniis. Jordanus bemerkt, es sei eine beständige Tra- 
dition, dass es die Vigilia S. Joannis Baptistae war. Ebenso Hajek a. h. a. 
Dalimil c. 23 nennt Welehrad als Taufort. Die Bemerkung des Christannus 
zwingt zur Annahme des Tages nach der Vigilienfaste, also des Festtages 
selbst. Vgl. MS. des Athanasius a S. Josepho in der Prager Univ.-BibL, 
,,Ännales ecclesiastiei regni Boemiae, XL A. 3. Ich zitire hier und w'eiter- 
hin wiederholt die Vita S. Ludmilae et S. Wenceslai von Christannus. 
Dobner {annal. IV. 328) führt zu viele wichtige Gründe an (im Gegensatze 
zu Athanasius a S. Josepho), als dass man nicht überzeugt sein müsste, 
dieser Christannus könne wenigstens nicht der Sohn Boleslaws I. gewesen 
sein. Wahrscheinlich war Christannus ein Zeitgenosse Wladislaws IL und 
dessen Sohnes, des Saizburger Erzbischofs Adalbert. Aber er zeigt sich 
durchgehends sehr gut unterrichtet und schöpft anderseits viele Angaben 
fast wörtlich aus den altern Biographen des h. Wenzel, 

^;Das wichtige Ereigniss geschah jedenfalls nicht vor 868, wie Baibin (Mise. 
Boli.) und Fesinei (Phospli. septic.) glauben; denn die ältesten Chronisten 
redenimmer nur vonMethud allein, so dass das bereits erfolgte Ableben Cyrills 
anzunehmen ist. üeberdiess regierte der mährische Fürst Swatopluk erst seit 
870. Selbstverständlich ist es aber auch nicht nach 885 — dem sichergestell- 
ten Todesjahre des h. Methud — zu setzen, wie nichts desto weniger Cosmas 



10 

4. Bofiwoj .war Christ geworden und. mit ihm zugleich sein 
treues Gefolge. Dem Beispiele des Gatten folgte in Kurzem auch 
die Gattin Ludmila nach und alsbald ebenso ein grosser Theil der 
herzoglichen Verwandtschaft. Nun traten auch die bisher hart be- 
drängten Gläubigen im Lande aus ihrer Verborgenheit hervor, und 
selbst an zahlreichen neuen Bekennern des christlichen Glaubens 
konnte es fürder im Volke nicht fehlen. Abgesehen von den Be- 
mühungen deutscher Missionspriester wirkten ja nunmehr auch 
slawische Glaubensboten in Böhmen ') — an ihrer Spitze Me- 
thuds treuer und frommer Schüler Paul Kaych, der fortan dem neu- 
bekehrten Bofiwoj als Seelenführer zur Seite stand und alsbald zu 
Lewy Hradek bei Prag, dem , Lieblingsaufenthalte des Fürsten, die 



undDobner annehmen. Gegen die Jahre 871 — 873 spricht der Umstand, dass 
damals Methud sich gar nicht in Mähren befand.*) Gegen die Jahre 880 
— 885 redet wieder die sicher gestellte Thatsache, dass damals das Anse- 
hen Methuds am Hofe Swatopluks äusserst gering war, dagegen dieAukto- 
rität des deutschen Bischofs Wiching (von Neutra) in voller Blüthe stand.**) 
In solcher Zeit hielt sich Methud schwerlich am Hofe auf. Es erübrigt 
also nur die Zeit von 874 bis gegen Ende 879, in welchem Jahre Methud 
neuerdings nach Rom abging.***) Wenn das Todesjahr Boriwoj's, wie 
gewöhnlich, auf 890 angesetzt wird, ebenderselbe aber nur ein Alter von 
35 Jahren erreichte,!) so lassen sich die Angaben, dass er bei seiner 
Taufe „in der Blüthe ausgezeichneter Schönheit und ausser- 
ordentlicher Jugend glänzte," ff) und die traditionelle Nachi'icht, 
dass er bald nach seiner Taufe Vater seines dritten Sohnes wurde,tft 
am füglichsten durch Annahme des spätesten Jahres 879 vereinigen, in 
welchem Boriwoj in einem Alter von etwa 24 Jahren stand.f*} 
') Dobrowsky : Mährische Legende : „Bofiwoj sacerdotihus seemn receptis JBoe-. 
miam revertitur.'^ 

*) Vgl. Ginzel S. 55, Not. C, CiL Dümmler Arcliiv XIII. 

*♦) Giiizel S. 84 etc. . 

***) Ebend. S. 70, cit. Breve des Papstes Jolaann VIII. ddo. 14. Juni 87C. 

t) Christannus und Marignola. Die abweichende Behauptuug Hajek's, PeSina's, Balbin's, We- 
leslawins (75 Jahre) führt zu unsinnigen' Consequenzen. Dann wäre Ludmila bei ihrem Tode 
im Jahre 927 bereits 108 Jahre alt, und dennoch ihr ältester Enkel erst ein unmündiger 
Knabe gewesen. Auch konnte bei einem 51jährigen Täuflinge nicht wohl, wie dies doch 
geschah, die ausserordentliche Jugend gerühmt werden. 

tt) Christannus. 
ttt) Hajek, Dubravius, Puöalka etc. 

t*) Vgl. über das Taufjahr Bofiwojs Dr. Ginzels Gyrill und Methud S. 67 etc. Derselbe stimmt 
für 878 oder 879, weil Methud gerade zu dieser Zeit im mährischen Antheile seines Spren- 
gels thätig war. 



11 

erste ausdrücklich bekannte christliche Kirche im Lande zu Ehren 
des h. Clemens einweihte.') 

5. Ein Ereigniss der ernstesten Art schien die neuaufblühende 
Kirche unseres Vaterlandes arg gefährden zu wollen. Ein Auf- 
stand erhob sich wider Bofiwoj, der eilig nach Mähren entfliehen 
musste. An seine Stelle ward von den Empörern ein geAvisser Stoj- 
mir auf den herzoglichen Stuhl erhoben. Eine eigentliche Reaktion 
gegen das Christenthum mag diess wohl kaum gewesen sein; denn 
der neue Landesfürst war ja eben aus Deutschland zurückgekehrt, 
wo er so lange gelebt hatte, dass ihm mittlerweile die Mutterspra- 
che fremd geworden war.^) Somit kann er auch schwerlich mehr 
ein Anhänger des alten böhmischen Götterglaubens geblieben sein. 
Uiberdiess blieb ja die Familie Bofiwojs ganz ungefährdet im 
Lande."'') Nichts destowe^niger aber musste die Entfernung des eifri- 
gen Verfechters der neuen Lehre die Menge der Heiden im Lande 
und insbesondere die in ihrem Erwerbe gefähi'deten Götzenpriester 
von Neuem ermuthigen, während anderseits die Neubekehrten ihren 
frommen Schützer schmerzlich vermissten. Zum grossen Glücke ward 
die Nation des neuen Gebieters sehr bald müde und sie rief ein- 
müthig den christlichen Herzog in sein Land zurück."*) Da ward 
das früliere Unglück eine Quelle des Segens; denn mit Bofiwoj ka- 
men nun wieder neue slawische Glaubensboten aus Mähren her. ^) 
Auch Regensburg sandte nach wie vor eifrige Bekehrer in unser 
Land. Ohne Zwang und darum auch ohne Widerstand wurden als- 
bald Tausende und abermal Tausende füi* den Glauben des Gekreu- 
zigten gewonnen. Dass auch der h. Cyrill damals mit nach Böh- 
men gekommen sei und auch den Leib des h. Clemens mit sich 



') Christannus und Vita S. Ludmüae in bibl. Univ. Prag, cit, Dobn. III. 300. 
Palacky 1. 137. Die ersten KirchenBöhmens, die von Methuds Schülern geweiht 
wurden, tragen den Namen des heiligen Papstes und Martyrs Clemens aus dem 
Grunde, weil diesör Heilige seit der Auffindung seiner Reliquien durch 
den h. Cyrill der erwählte Missionspatron der beiden heiligen Brüder war. 
Seine Reliquien wurden von letztern nach Rom gebracht. Eine zweite 
Clemenskirche entstand alsbald auf dem Wysehrad. 

^) Christannus. 

^jHajek, Dubravius u. A. 

*) Christannus. 

^)Pesina (posph. septic). Letzterer nennt (ohne Quellenangabe) die Namen 
solcher Priester: Joannes, Paulus, Letomil, Gerard, Hostiwod, Prostiwoj. 



12. 

hieher gefülirt habe •), ist in Berücksichtigung seines Todesjahres 
(868) geradezu unmöglich. Gegen die gleichfalls behauptete An- 
wesenheit des h. Method aber, und zumal gegen die Annahme ir- 
gend einer Amtsthätigkeit desselben in Böhmen^) spricht nicht nur 
das Stillschweigen der ältesten Quellen, ^) sondern auch der sichere 
Umstand, dass Böhmen seit 846 entschieden zur Diöcese von Re- 
gensburg gehörte, *) und Method bei der ihm in schmerzlicher Weise 
eben zur Zeit der Taufe Bofiwojs bekannt gewordenen Eifersucht 
der deutschen Bischöfe alle Ursache hatte, jeden Eingriff in fremde 
Diöcesam*echte sorgfältig zu meiden, und — nach dem Schweigen 
der regens^bm^ger Bischöfe neben den lauten Klagen von Salzburg 
und Passau her ^) zu schliessen — in Böhmen auch wirklich vermied. 

§. 4. Der selige Iwan. 

Wir dürfen die in die Zeiten Boiiwojs und Ludmilas fallende 
Lebenslegende unseres ältesten und frömmsten Eremiten nicht mit 
Stillschweigen übergehen. 

Der selige Iw^an ") war ein Sohn des christlichen Kroatenkö- 
nigs') Gestimul, vielleicht desselben Slawenfürsten Gestimul, der 844 
von einem Kriegsheere Ludwigs des Deutschen überwunden unter 
die Oberhoheit seines Besiegers sich hatte beugen müssen.^) Der 
jugendliche Iwan, begeistert von der Lehre Christi und für ein Le- 
ben ungestörter Andacht, verliess seine Heimat und sein Vaterhaus 
und schlug, vergeblich von den Seinen gesucht, als Einsiedler in 
Mtten eines unermesslichen Gebirgswaldes seine Wohnung auf. 



')Pulkava, Hajek und mehrere spätere Autoi'en. 

SjPalacky I. 138. 

^) Mit Ausnalirae der Jüngern Vita S. Ludmilae hihi. Clenientinae. 

*) Von Palacky I. 110 u. 228 selbst zugestanden. 

5) Vgl. Ginzel: Cyrill und Metliud, S. 69, Anmerkung. 

^) Ein lateinisches Manuscript aus dem 15. Jahrhundert, abgedruckt in Dob- 
neri monum. Mst. Boem. TL. 61, nennt ihn bloss „beatiis". Nachfolgende 
Legende ist hauptsächlich aus dieser Quelle geschöpft. 

'')Es ist da nicht an das heutige Kroatien zu denken, sondern an das Kar- 
partenland, -welches noch zur Zeit der Stiftung des Prager Bisthums in 
Crovati et altera Crovati, diesseits und jenseits der Karpaten gelegen, 
zerfiel. (Urkunde Kaisers Heinrich IV. über die Gränzen des Prager 
Bisthums.) 

^)Ännales Prancofuld. a. h. a. 



13 

Zehn Jahre vergingen ihm hier in ungetheilter Gottseligkeit. 
Da sah er einst von Ferne seine Brüder der stillen Zufluchtsstätte 
nahen. Erschrocken wandte er sich zur Flucht und eilte Tag und 
Nacht über Berg und Thal weiter und immer weiter, bis er endlich 
vor jeder ferneren Entdeckung sich sicher glaubte. 

2. So kam Iwan in unser böhmisches Vaterland und erwählte 
eine in Wald und Gestrüpp verborgene Höhle in Mitten hoher 
Berge und seltsam geformter Felsen am Flusse Lodenice zu seiner 
neuen "Wohnstätte. Hier setzte er sein frommes Leben fort. Hier 
aber war es auch, wo Gott eine schwere Anfechtung über ihn 
kommen Hess. Mitten dn seinen heiligen Uebungen sah sich Iwan 
von teuflischen Gestalten umgaukelt, die er vergebens von sich ab- 
zuwehren bemüht war. Der böse Feind schien es darauf anzule- 
gen, dem heiligen Manne das Leben in dieser Einsamkeit zu ver- 
leiden. Fast war das Ziel erreicht. Der täglich sich erneuernde 
Kampf und die geringe Hoffnung auf Ruhe ermüdeten den frommen 
Einsiedler, und er nahm bereits Abschied von seiner Höhle. Aber 
eine himmlische Erscheinung, in welcher Iwan die Gestalt des heil. 
Johannes des Täufers erkannte, hielt ihm das Bild des gekreuzig- 
ten Heilands entgegen und forderte ihn auf, mit dieser Waffe zu 
kämpfen und zu siegen. Iwan folgte dem Rathe und erkämpfte 
sich aufs Neue Ruhe und Frieden in seiner Höhle. 

3. Hier lebte er nun bis in sein höchstes Greisenalter, und 
je länger, desto unermüdeter wurde er in der üebung der Fröm- 
migkeit. Die Welt hatte er längst vergessen, und wenn er ja 
etwas noch lieb hatte in iln-, so war es die zahme Hirschkuh, 
welche seit Jahren das Lager in der stillen Felsenhöhle mit ihm 
theilte. Dieses edle Thier war es, das endlich die Entdeckung 
des heil. Einsiedlers herbeiführte. Seine Fährte verfolgend kam 
einst der Herzog Bofiwoj auf der Jagd zu Iwans stiller Höhle, und 
lernte den heiligen Mann kennen und lieben. Nun konnte der 
greise Einsiedler den Bitten des wiederholt ihn besuchenden Für- 
sten, und zuletzt auch dem Flehen der ebenfalls herbeigeeilten 
frommen Fürstin Ludmila nicht widerstehen. Er musste das fürst- 
liche Paar auf der nahen Burg Tetin heimsuchen und einen Tag 
und eine ganze Nacht demselben wunderbare Lehren von Gott und 
vom Heile der Seele spenden. 

4. Zurückgekehrt verliess er seine Zelle niemals wieder. 



14 . 

Endlich kam seine Todesstunde. Er, der sein Leben lang treu dem 
Herrn gedient hatte, sollte auch einer ganz besonderen Gnade sich 
erfreuen. Ein Engel mahnte im Traume die heil. Ludmila, den 
frommen Priester Paul mit den heiligen Sakramenten und einen 
Diener mit Grabgeräthen zur Höhle des Einsiedlers zu senden. So 
empfing der Sterbende noch zur rechten Zeit den heissersehnten 
Seelentrost. Sein Geist entschwebte in das himmlische Paradies, 
sein Leib aber fand in der einsamen Höhle ein stilles Grab. Bald 
weihte man diese Höhle zu einer Kapelle des heil. Johannes, und 
Andächtige aus allen Gauen fanden am Grabe des seligen Iwan 
Rettung und Hilfe in den Nöthen des Leibes und der Seele. 

§. 5. Die Söhne Bofiwoj's. Die heil. Ludmila. Verfolgung der Christen. 

1. Gross war der Eifer Bofiwojs und seiner frommen Gemah- 
lin, den Christenglauben allerwärts zur Geltung zu bringen; auch 
ist kaum zu zweifeln, dass die zu Welehrad getauften Edlen des 
Landes im Vereine mit den bereits früher Bekehrten einen heiligen 
Wetteifer in der Ausbreitung der himmlischen Wahrheit und in 
Erbauung christlicher Gotteshäuser entwickelten. Dennoch erwarb 
sich Boiiwojs frommer Sohn und Nachfolger Spytihnew L, der 
wenigstens seit seiner Erhebung auf den Herzogsstuhl dem Christen- 
thume mit ganzer Seele huldigte'), den besonderen Ruhm als Er- 
bauer heiliger Gotteshäuser und als Sammler (congre- 
gator) zahlreicher Priester und Kleriker im Lande.^) 
Diesem wieder suchte es sein Bruder und Nachfolger W r a t i- 
slaw, yordem Theilfürst eines besondern Gebietes, gleich zu 
thun, allerdings im Widerspruche mit seiner den Christen abholden 
Gemahlin Drahomira. Wratislaw erbaute die S. Georgskirche in 
Prag als erste Hauptkirche des Landes und gründete bei derselben 
durch Berufung slawischer Priester (angeblich 1 Erzpriester, 4 



') Die Behauptung Hajeks von seiner Taufe gleichzeitig mit Ludmila ist dem 
älteren Berichte der vita S. Wenceslai (cit. Dobn. ann. III. 324) entgegen, 
wonach die Taufe erst nach seinem Regierungsantritte zur Zeit Heinrich 
des Voglers erfolgte. 

-) Christannus (editio Äthan, a S. Josephe p. 47). Insbesondere wird ihm 
die Gründung der Teynkirche zugeschrieben. {Vita S. Wenceslai in Pertz 
Mon. VI. pag. 214.) 



15 

Priester, 2 Diaköne, 2 Subdiakone) eine Art CoUegiatstift. ') Unter 
ihm besuchte bereits ein Bischof persönlich das Böhmerland und die 
Hauptstadt Prag.^) Leider starb der gute Fürst — sowie sein from- 
mer Bruder viel zu früh für unser in der christlichen üeberzeugung 
noch so wenig erstarktes Vaterland. Da war es ein erfreuliches Zeichen 
des Fortschritts im christlichen Bekenntnisse, dass das gesammte 
Volk die Erziehung des jugendlichen Erben Wratislaws der from- 
men Grossmutter Ludmila übergab — mit Hintansetzung der heid- 
nischen Mutter Drahomira.^) 

2. Ludmila, die greise Witwe Bofiwojs, war damals die Freude 
und der Stolz des Landes. „Fromm und sanft in allenDingen, 
freigebig gegen die Armen, unermüdet im Nachtwa- 
chen, andächtig im Gebete, vollkommen in der Liebe, 
herablassend in der Demuth, immer eifrig in Dienst- 
erweisungeri gegen die Diener des Herrn, eine Mutter 
der Waisen, eine Trösterin der Witwen, eine Freun- 
din der Gefangenen und vollendet in allen guten Wer- 
ken""*) war sie die erste herrliche Blume, dem Garten der Heiligen 
unseres Böhmerlandes entsprossen. So erzog sie uns das Vorbild 
aller frommen Fürsten, ebenfalls einen Heiligen und des Vater- 
landes höchsten Stolz, den nachmaligen Herzog Wenzel. Dennoch 
konnte sie die Liebe ihrer herrschsüchtigen Schwiegertochter nicht 
gewinnen. Diese, eine geborne Stodoranerin ^) und erklärte Ge- 
gnerin des Christenthums, konnte schon desshalb der glaubens- 
eifrigen Schwiegermutter nicht hold sein.^) Nunmehr durch selbe 
vermeintlich in ihrem Ansehen und Einflüsse beeinträchtigt, veran- 
lasste sie — vielleicht nur durch ein voreiliges Gebot — die furcht- 
barste Gräuelthat. Zwei böhmische Edle, Tummia und Gommo, ge- 
folgt von wenigen Begleitern, überfielen die fromme Ludmila in 

'] Chronik des Klosters S. Georg von Weitenauer, Manuscript der k. k. Uni- 
versitäts-Bibliotliek, XVI. B. 2 (cit. ArcJiiv: S. Georgii X. X. X, X. §. 36.) 

-) Siehe weiter unten §. 12. n. 2. 

^) Christanniis p. 50. 

*) Ebend. p. 49. 

^) Sie heisst auch eine Luticierin, d. i. Lausitzerin. Jedenfalls entstammte 
sie einem Slawenstamme nördlich von Böhmen, nicht aber von Luditz (früher 
Zlutice) oder aus dem Saazer Lande, das ehedem von seiner Wiesenland- 
schaft Luöaue hiess, 
; ") Cosmas a. a. 894. 



16 

ihrer Einsamkeit zu Tetin und wurden die Mörder der ersten hei- 
ligen Blutzeugin unseres Vaterlandes (15. September 92*7).^) Und 
nun begann eine Zeit schwerer Anfechtung für die jugendliche 
Kirche in' Böhmen. Die Christen, ihrer hohen Schützerin beraubt und 
in schlechtem Ansehen bei der nunraelir unumschränkt herrschenden 
Drahomira, wurden allerwärts von den neu ermuthigten Heiden 
beunruhigt, gekränkt, verfolgt, hin und wieder gemordet. Dem Klerus 
erging es, wo möglich, noch schlimmer. Die Gotteshäuser wurden 
gesperrt und selbst niedergebrannt,^) der heilige Dienst gewaltsam 
gehindert, die Priester — in so weit sie einem schlimmeren Loose 
entgangen waren — aus dem Lande getrieben. Alle Klagen fanden 
taube Ohren vor den jetzt bevorzugten heidnischen Kichtern und 
nicht minder vor dem fürstlichen Throne. Auch an direkten An- 
griffen von höchster Stelle herab fehlte es nicht, so dass selbst 
der junge Herzog Wenzel nur in dunkler Nacht den ihm treuen 
geistlichen Lehrer bei sich empfangen musste, und nur mit 
List dem neuauflebenden heidnischen Opferdienste sich entziehen 
konnte.^) Diese traurige Zeit hatte ein Ende, als endlich der ju- 
gendliche Wenzel selbst die Zügel der Eegierung ergriff. 

§. 6. Der heil. Wenzel. 

1. Als Knabe schon in der ersten christlichen Schule zu Budeö 
von dem frommen Priester Unego*) in den heiligen Wissenschaf- 
ten „wie ein Priester" ^) gebildet, nachher unter den Augen der 



^) Die Passio S. Ludmilae wurde in Böhmen bis ins 13. Jahrhundert am 15. 

September gefeiert und erst 1245 auf den folgenden Tag verlegt. (Do- 

browsky kritische Versuche II. Ludmila und Drahomira S. 45. — Palacky, 

Geschichte Böhmens I. 204. 
2) Weitenauer: Chron. von S. GeoA'g MS. cit. ausser Ohristannus meist spätere 

Quellen. Unter den zerstörten Kirchen werden genannt: S, Georg und 

S. Maria am Teyn. 
3j Hygonis vita 8. Wenceslat, Manuscript der Prager Metropolitancapitel-Bi- 

bliothek, Abschrift in der Universitätsbibliothek. Dass Bischof Hyzo selbst der 

Verfasser gewesen sei, ist nicht nachweisbar ; doch reicht die Schrift bis in 

seine Zeit hinauf. 
"*) So nennt ihn die Vita S. Wenceslai des Hyzo. Ein anderes Manuscript 

(bei Dobner ann. III. 436) nennt ihn Duego. 
^) Vita S. Wene. des Hyzo. — Altslawische Legende vom h. Wenzel (die 

älteste) abgedruckt in Wattenbachs „Slawischer Liturgie in Böhmen", 

S. 234 etc. 



17 

heiligen Grossmutter zum eifrigen Diener Christi herangezogen, 
war Wenzel schon längst ein Vater der Armen und Bedrängten, 
gross in der Demuth, Geduld, Sanftmuth, Liehe und am meisten 
in heiliger Andacht, im treuen Bekenntnisse des Glaubens, — ein 
erhabenes Vorbild seines Volkes.') 

2. Das feindselige Benehmen seiner Mutter gegen das auf- 
sprossende Christenthum im Lande und die Theilnahme derselben 
am Kämpfe der benachbarten Slawen stamme gegen das deutsche 
Keich hatte einen Kriegszug des deutschen Königs Heinrich I., 
und sofort die Verbannung der heidnischen Fürstin und die Erhe- 
bung Wenzels zur Folge. Dem neuen unter Schutz und Pflicht 
des deutschen Reichs gestellten Herzoge war die christliche Reli- 
gion nicht bloss eine Angelegenheit wohlverstandener Politik, son- 
dern auch des Herzens und der ganzen Seele. Er rief die ver- 
triebenen Priester wieder ins Land zurück, stellte die zerstörten 
Kirchen wieder her, und Hess in allen Städten neue Got- 
teshäuser bauen, die er alle persönlich am Feste ihrer Weihe 
zu besuchen pflegte. Prag selbst erhielt vom frommen Sinne des 
Fürsten mit ausdrücklicher Zulassung des Bischofs von 
Regensburgdie neue Hauptkirche zu Ehren des h. Veit, die nach- 
malige Kathedrale des Landes. Auch fremde Geistliche aus Baiern 
und Schwaben strömten auf die Kunde vom christlichen Eifer Wen- 
zels mit heiligen Büchern und Reliquien nach Böhmen her, und der 
Landesvater versorgte sie auf das reichlichste mit allem Bedarfe.^) 
Nicht zufrieden, in Wort und That alles Mögliche zur Beförderung 
des Christenglaubens unter den Freien seines Landes gethan zu 
haben, kaufte er selbst Sklavenkinder, um selbe zu frommen Chri- 
sten heranbilden zu lassen.^) Alle seine Biographen preisen einmü- 
thig seine unbefleckte Keuschheit, die ihn als einen Engel im 
Fleische erscheinen liess, — dessgleichen seine Milde in der Re- 
gierung des Volkes, so dass er die Todesstrafe für die Zeit seines 
Lebens gänzlich aufhob, — seinen gottesdienstlichen Eifer, der ihn 
noch immer dem Priester am Altare dienen und Hostien und Wein 
für den heiligen Dienst bereiten hiess, — seine Liebe gegen die 
Armen, denen er im Dunkel der Nacht ein unerkannter Helfer 

^) Hymiis Vita S. Wenceslai. 

-) Ebend. — Altsla-wische Legende bei Wattenbach und Christannus. 

^) Christannus und die älteren Legendisten. 

2 



18 

ward, — seine wunderbare Sanftmuth, die auch dem erbittertsten 
Feinde nicht zu grollen vermochte. So stand er schon im Leben da als 
ein echter Heiliger Gottes ') und eine (freilich erst von Dalimil 
erwähnte und seitdem vielfach nacherzählte) Sage lässt ihn als 
solchen vor dem Throne des deutschen Königs Heinrich erkannt 
und in Folge dessen mit der Königswürde ausgezeichnet werden. 

3. Nichtdestoweniger gab es viele Missvergnügte im Lande, 
die ebensosehr dem Ueberhandnehmen deutschen Einflusses als der 
angeblich mönchischen Gesinnung ihres Fürsten zürnten. Diese 
schaarten sich insgeheim um den jüngeren Bruder Boleslaw, der in 
der von ihm erbauten Stadt Altbunzlau (Starä Boleslaw) als Vasall 
des älteren Bruders herrschte. Von diesen Verführern berückt und 
von eitler Herrschsucht geblendet, zückte dieser gegen seinen hei- 
ligen Bruder bei Gelegenheit eines vertrauensvollen Besuches (Bo- 
leslaw feierte den Geburtstag eines Sohnes) — und sogar an der 
Pforte des Tempels*) das mörderische Schwert. Da fand er aber 
in dem Angegriffenen den stärkeren Gegner. Nun eilten auf sei- 
nen Kuf seine Knechte herbei und durchbohrten meuchlings die 
Brust des edelsten Fürsten. Auch den treuesten Diener Podiwin 
ereilte bei dieser Gelegenheit der blutige Tod für seinen Herrn. ^) 
So starb Wenzel den Tod der Märtyrer (28. September 935,*) und 

^) AuchSighertns Gemhla^cemi&nenntihnschon, JustUia et sanctitatepraeclariim.^^ 

?)Dass auch Drahomira am Morde betheiligt gewesen sei, lässt sich nach 
älteren Quellen nicht behaupten. Aus dem Exile war sie damals allerdings 
schon längst zurück, und zwar durch Wenzel selbst gerufen. Es ist aber 
Thatsache, dass sie nach der Ermordung ihres Sohnes weinend herbeieilte, 
an das Herz des Entseelten sich warf und den Leichnam ins geistliche 
Haus tragen Hess. Ebenso ist es ausgemacht, dass damals auch ihr selbst 
von den Verschwornen der Tod zugedacht war, und dass sie auf die Nach- 
richt hievon trotz der Erhebung Boleslaws eilig Stadt und Land vei-liess. 
(Aelteste slawische Legende des heil. Wenzel, übei-setzt in Wattenbachs 
„Slawische Liturgie in Böhmen" S. 234. — Christannus. — Palacky L 209.) 

3) So die auf Befehl Otto H. 973 — 983 verfasste Wenzelslegende Gumpolds 
von Mantua, auf die nach Dobrowsky die zu seiner Zeit bekannten Wen- 
zelslegenden zurückzuführen sind. (Vgl. Palacky, Würdigung böhmischer 
Geschichtsschreiber, S. 294.) So auch Christannus. Ebenso stellt auch 
ein Gemälde der Leitmeritzer Domkirche (von Skreta) den Tod des heil. 
Wenzel dar. Die Ermordung durch die Hand Boleslaws selbst ist ge- 
schichtlich unbegründet. 

*)Die synchronistische Zusammenstellung erweiset eben dieses Jahr. Vei'gl. 
Damberger synchr. Gesch. IV, Kritikh. 216. Pertz V. 438, Note. 



19 

besiegelte mit seinem Blute die heilige Ueberzeugung, der er sein 
ganzes Leben gewidmet hatte. Boleslaw aber stieg über die Leiche 
des heiligen Bruders empor auf den Herrscherstuhl. 

§. 7. Die beiden Boleslawe. 

1. Der unglückseligen That folgte zunächst eine schwere Be- 
drängniss für die. Kirche, Böhmens. Dem Namen nach war es eine 
Reaction gegen das unter Wenzels Regierung emporgekommene 
deutsche Wesen im Lande und zugleich gegen die Oberherrschaft 
der Könige von Deutschland: in Wirklichkeit g alt de rKampf Sei- 
tens der zur Herrschaft erhobenen Partei nur zu sehr dem Kle- 
rus und den glaubenseifrigen Christen des Landes. In Prag selbst 
starben gar Viele den Tod der Glaubenstreue in den Fluthen der 
Moldau: „nur Gott kannte ihre Zahl und gesellte sie zu seinen 
Auserwählten".') Auf dem Lande hielten unterschiedliche Hen*en 
treuer zum deutschen Reiche als zu dem neuen blutbefleckten 
Landesfürsten ; andere scheinen auf " eigene Faust völlige Un- 
abhängigkeit angestrebt zu haben. Da gab es denn einen langen 
und schlimmen Kampf, welcher der jungen Pflanzung des Chri- 
stenthums gewiss nichts weniger als günstig war, zumal auch die 
gegen Boleslaw entsandten Heere des deutschen Königs Otto I. 
durch 14 Jahre mit geringem Glücke stritten und mit den ver- 
folgten Deutschen leider auch die meisten christlichen Priester 
aus dem Lande entfliehen mussten. Als endlich um 950 die 
Waffen Otto's L den lang ersehnten Frieden und Böhmens altes 
Verhältniss zum deutschen Reiche Wieder herzustellten vermochten, 
hatte auch Boleslaw die vollständige Unterwerfung aller Gaue des 
Landes beendet — und vielleicht hiedurch nicht weniger als durch 
den Brudermord den Namen des Grausamen sich erworben.-) 

2. Indess hatte Gott seinen heiligen Blutzeugen bereits durch 
zahlreiche Wunder verherrlicht. Was bisher keine Predigt vermocht 
hatte, das bewirkte alsbald der nach allen Richtungen sich ver- 
breitende Ruf des Heiligen. Sofort verlangten auch die bisher Ver- 
härteten zahlreich nach dem Bade der Wiedergeburt, und selbst aus 
dem Brudermörder ward endlich durch die Gnade Gottes — ein reue- 



') Cliristannus, und Gumpolds Legende. 
=) Vgl. Palacky I. 211—214. 

2* 



20 

voller Büsser. ') Es stand nicht bei ihm, dem Gemordeten das 
Lebeil wieder zu geben: darum bereitete er wenigstens dem ver- 
herrlichten Leichname desselben in der neuen Set. Veitskirche zu 
Prag, die er durch einen Stellvertreter des E-egensbur- 
ger Bischofs Tuto weihen liess, ein ehrenreiches Grab.*) Er 
führte fortan auf seinen Münzen neben dem eigenen auch seines heili- 
gen Bruders Bild. ^) Den Sohn (Strachkwas), bei dessen Geburtsfeier 
die unselige That geschehen war, verlobte er dem Kloster zu S. 
Emmeram in Regensburg, auf dass derselbe dort durch ein Leben 
der Gottseligkeit und Selbstverleugnung die Schuld des unglückli- 
chen Vaters sühnen helfe. ^) Daheim erzog er selbst der böh- 
mischen Kirche ausser diesem ersten Ordensbruder auch ' Böhmens 
erste Klosterfrau (Mlada), dem nachbarlichen Polenvolke die erste 
christliche Landesmutter (Dubrawka), dem Vaterlande den frömm- 
sten seiner Fürsten (Boleslaw IL) Er zeigte sich nun um so unzwei- 
felhafter als Gönner und Beförderer des Christenthums in seinem 
Reiche, indem er nach dem Beispiele seines verklärten Bruders meh- 
rere Kirchen baute ^) und für die Stiftung eines eigenen Bisthums 
sich bemühte. ^) Doch in letzterer Beziehung nöthigte ein höherer 
Rathschluss ihn, der bisher dem Könge David in der Sünde und in 
der Busse nachgefolgt war, wie einst David — solch' geistigen Tem- 
pelbau dem durch keine Blutschuld befleckten Sohne zu hinterlassen. 
Boleslaw L starb am 15. Juli 967. Der Sieg des Christenthums w^ar 
im Land entschieden. Entbehrt auch die zuerst von Hajek erzählte 
Sage, dass S. Wenzel als himmlischer Ritter auf dem Felde bei 
Tursko die Heiden in die Flucht geschlagen habe, einer älteren 
historischen Begründung, so ist sie uns dennoch recht lieb und werth 
— als verkörperte Ueberzeugung, dass eben Wenzels Martyrthum 
der Lehre Jesu in ganz Böhmen den Sieg gewonnen habe. 

3. Boleslaw IL, von der Nachwelt stets der Fromme ge- 
nannt, trat ganz in die Fussstapfen des h. Wenzel, nur dadurch 



^) Altslawische Legende bei Wattenbach. 

2) Ebendaselbst. 

3) Dobneri anna?. HI. 630. 

"*) Cosmas. Solche Widmungen unmiindigei' Kindex* sind in jener Zeit und 

auch noch später sehr häufig gewesen. 
5) Hajek. 
*5) Dobn. am. IV. 147 u. 158. Hajek ad ann. 966. 



21 

von diesem verschieden, „dass er, obwohl friedliebend und milde, 
doch auch mit den Waffen vertraut war, in allen Schlachten sieg- 
reich kämpfte und harten Stahl dem glänzenden Golde vorzog/' 
Im Uebrigen aber war er „der christlichste Fürst, der Beschützer 
aller Witwen und Waisen, der Helfer aller Nothleidenden, der frei- 
gebige Gründer sehr vieler Kirchen im Lande." ^) Herrlich er- 
blühte unter seiner Regierung der christliche Glaube in Böhmen. 
Nur Eines fehlte noch: das Volk, „allerdings in der Lehre Jesu 
unterrichtet und von den alten Götzenbildern abgewendet, ent- 
behrte noch eines eigenen Oberhirten und verstand es 
darum noch wenig, die neue Religion auch im Leben zu 
üben."-) Auch das segensreiche Institut des klösterlichen Lebens, 
ebenso ein Ideal christlichen Wandels als eine Schule der Volks- 
erziehung, ging dem Lande ab. Beides sollte Böhmen dem frommen 
Boleslaw verdanken, und hiemit ein interessanter Wendepunkt in 
der Geschichte der böhmischen Kirche eintreten. Der n a ch 
Aussen hin sieggekrönte Glaub-e sollte nun auch die 
Reste des alten Heidenthums in den Herzen unserer 
Väter überwinden. 

§. 8. Das erste Gedeihen des Ghristenthums im Bereiche der jetzigen 

Diöcese von Leitmeritz. 

1. Hundert Jahre waren vergangen, seit Bofiwoj als Erstling 
der böhm. Herzoge zum h. Christusglauben sich bekehrt hatte: hun- 
dert Jahre des steten Kampfes der heiligen Ueberzeugung der Neube- 
kehrten mit dem beleidigten Fanatismus der Heiden. Endlich war 
allerwärts der Untergang des Götzendienstes und der Sieg des 
Kreuzes entschieden. Nur im Verborgenen konnte der alte Aber- 
glaube noch einige Zeit sich ein kümmerliches Dasein fristen und 
im Leben des Volkes mochte noch vielfach die angewohnte Sitte 
einzelnen Anforderungen des Ghristenthums sich entgegen stellen. 
Hier den Sieg der Kirche zu vollenden, blieb die Aufgabe der 
nächsten Zukunft. 

2. In unserer jetzigen Diöcese Leitmeritz gedieh, abgesehen 
von den ersten Anfängen unter Carl dem Grossen und Ludwig dem 



') So Cosmas. Derselbe gibt die Zahl dieser Kirchen auf 20 an. 
^) So Vita 8. Wolfgangi a^. MaUll. p. 986. 



22 

Deutschen, die christliche Lehre wohl am allerMihesten in der 
Landschaft von Melnik, der damaligen Zlupe P§owane (von der 
älteren Burg P§ow ^) so genannt). Dieselbe war gewiss nicht 
■minder umfangreich, als das nachmalige bekannte Dekanat von 
Melnik, und erstreckte sich somit von Elbekostelec an längs der 
Elbe bis Gastorf und nordwärts bis in die Nähe von Böhmisch- 
Leipa.^) Herr dieses Gaues war zu Bofiwojs Zeit der Vater Lud- 
milas, der edle Slawibor. Als Bofiwoj alsbald nach seiner Bekeh- 
rung sein liebes Vaterland Avieder verlassen musste, soll seine bereits 
getaufte Gemahlin ihre Zuflucht bei ihrem Vater in Melnik (wahr- 
scheinlicher wohl in P§ow^) gesucht und auch gefunden haben. 
Ebendaselbst ward sie der Sage nach Mutter ihres dritten Sohnes 
Boleslaw,"*) bei dessen Taufe — wenn nicht vielleicht früher 
schon — Slawibor mit seiner Gattin Lidoslawa ^) und ihrem Sohne 
Hausek, ^) dem Erbauer der Burg Hauska, den christlichen Glauben 
annahmen. Es ist nicht zu zweifeln, dass sofort in der Burg des 
Gaues eine christliche Kirche erbaut wurde. — üeberhaupt ist 
soviel sicher, dass seit der Bekehrung Bofiwojs die ersten Gottes- 
häuser in der Regel in den Burgen der ihm zugethanen Grossen 
des Landes und vor allen in den Hauptorten der unterthänigen 
2upen standen, wo gewiss nur christliche Beamte des christlichen 



') Dieselbe dürfte in der nächsten Nähe der heutigen Stadt Melnik gestanden 
sein, wo jetzt noch der Bach und die Ortschaft Sopky (eigentlich wohl 
Psowkjr) an den alten Namen erinnern. Vgl. Jireöek ^^upy Öech in Pamät- 
ky archeol. II. 267. 

^) Die Dekanate fielen auch nachmals zumeist mit den ^upen zusammen. Im 
J. 1384 zählte das Dekanat Melnik folgende Seelsorgsstationen: Melnik, Ne- 
bu2;el, Zebus, Dauba,, Steti (Wegstädtl), Wysoka, Liboch, Krp, Liblic, 
Wtelno, Chorusic, Radaun, Krusina (Habichtstein?), Destua (Teschen), 
Kanina, Medonos, Chodeö, Öeöelic, Widim, Chlum, Zabor, ßepin, Wsetat, 
Kozly und Hlawno. 

^) Die Stiftungsurkuude des Prager Bisthums von 972 (enthalten in der Be- 
stätigungsurkunde des Kaisers Heinrich IV.) nennt diese Landschaft noch 
immer Psowane. Die Stadt Melnik in der Nähe der Burg Psow entstand 
wohl erst um diese Zeit und nahm sofort die Zupenverwaltung in sich auf, 

*)Dubravius I. 4. Pulkawa. Hajek. 

^)Hajek ad 892. Der Name ist vor Hajek nicht erwähnt. 

^) Hajek ad 878. Die Burg Hauska lag in der Nähe des Pösig. Auch der 
Name des Hausek wird in älteren Schriften nicht erwähnt; doch bleibt es 
möglich, dass Hajek aus verlässigen Lokalsagen schöpfte. 



23 

Fürsten ihren Wohnsitz hatten. Der bei einem solchen Gottes- 
hause bestellte Leutpriester (plebaniis) oder Pfarrer (parochus ') 
bekehrte auf häufig wiederholten Missionsgängen die nähere und 
weitere Umgebung, welche auch desshalb noch ziemlich lange an 
die Mutterkirche des Gaues sich halten musste. Späterhin wurden 
wohl auch auswärts Kirchen gebaut ^), aber immer noch von der 
jetzt zahlreicher gewordenen Priesterschaft der Mutterkirche exkurri- 
rend versehen. Erst als dieses beim Anwachsen der christlichen 
Bevölkerung als minder vortheilhaft sich herausstellte, ging man 
an die Errichtung mehrerer Pfarreien im Gaue ^), die aber sämmtlieh 
der Aufsicht des Seelsorgers im Zlupensitze als Dekans, später 
aber irgend eines andern Pfarrers, der aber vom Zupensitze den 
Dekanstitel führte, unterstellt waren. '*) — ■ In Melnik selbst gab 
es in Folge des erwähnten Umstandes der Priester alsbald so 
viele, dass nachher die Einführung der Regel Chrodegangs unter 
ihnen möglich ward, und so das Kollegiatkapital daselbst entstand. 
Eine der ersten selbstständigen Landkirchen des Gaues — wenn 
nicht unbedingt die erste, war die zu Chocebus (Zebus), welche 
schon im J. 993 dem neuerrichteten Benediktinerkloster Bfewnow 
überantwortet wurde. Wahrscheinlich war sie eine jener 20 Kir- 
chen, welche Boleslaw der Fromme erbaut hatte. ^) 

3. Unter die ersten Anhänger des Christenthums in Böhmen 
gehörte auch der Graf von Libic, der Grossvater des heiligen 



') Der Parochus ist der Verwalter einer TtagoiTCia ~ parocJiia — d. i. der 
Ansiedlung im Gebiete eines Gotteshanses. Der deutsche Name Pfarrei 
und Pfarrer stammt ebendaher. In älterer Zeit ist der Name plebamis 
häufiger. 

'^j Diese Kirchen waren meist von Holz und so klein, dass das Volk dem 
Gottesdienste nur ausserhalb stehend beiwohnen konnte. Chorknaben ver- 
kündeten dem Volke die Verrichtungen des Priesters. Eines möglichen 
Ueberfalls wegen ward es Sitte, dass einige Bewaifnete vor dem Eingange 
Wache hielten, (Vgl. Schmidt: oberlausitzer Kirchengalerie, S. 210.) 

^) Nach dem kanonischen Rechte wurden zur Bildung einer eigenen Seelsorge 
wenigstens 10 christliche Familien erfordert. 

'*)Vgl. Palacky I. 180. und die allgemeine Sitte des christlichen Alterthuras. 
Der Dekanus war dem Wortbegriffe nach der Aufseher von 10 Priestern, 
dies zunächst im Orden der Benedictiner und weiterhin auch im Säkular- 
klerus. 

5) Instrum. erect. Brewnow. Erben regesta, p. 33. 



24 

Adalbert. Die Burg Libic liegt immittelbar jenseits der äussersten 
Südostgränze der jetzigen leitmeritzer Diöcese, — in der Nähe 
von Podebrad. Das im neunten und zehnten Jahrhunderte dazu 
gehörige Gebiet hatte zu Gränzen — im Westen „den Bach Su- 
rina (Surma) und die Burg auf dem Berge Osek in der Nähe des 
Flusses Msa"^) — gegen Süden „Chinow, Dudleby und Netolice 
bis in die Mitte des Waldes," — gegen Osten Leitomischl und 
gegen Norden die Burg Kladsko. ^) So unbestimmt auch diese 
Gränzen theilweise bezeichnet sind, so gehörte doch jedenfalls auch 
ein Theil der jetzigen Diöcese Leitmeritz zum Gebiete von Libic, 
sicher das ganze nachmalige Dekanat Hawran^) (später Nimburg) 
und die Gegenden von Libuii und Liban, die dem alten Dekanate 
von Jicin angehörten.*) Jener Graf von Libic wird als Schwe- 
stermann, und sein Sohn Slawnik als ein Neffe des deutschen Kö- 
nigs Heinrich des Voglers ^) bezeichnet. Er soll zugleich bedeu- 
tende Besitzungen im deutschen Reiche inne gehabt haben und 
als deutscher Graf der Schwiegersohn des vormaligen Sach- 
senherzogs geworden sein. ®) Es ist kaum zu bezweifeln, dass 
er damals schon Christ war; im entgegengesetzten Falle würde 
doch wenigstens seiner christlichen Gemahlin das Verdienst seiner 



*) Ritter Kailina v. Jaethenstein hat in einer Versammlung der hist. Sektion 
in der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (7. Jänner 1841) nach- 
gewiesen: dieser Berg Osek sei der jetzige Berg Hradist beim heutigen Dorfe 
Vosek in der Nähe von Radnitz im Pilsner Kreise. 

^) Cosmas ad 981. Ohne Zweifel sind hier mehrere getrennte Gebiete in 
den bezeichneten Gegenden anzunehmen. 

^) In Hawran (jetzt nur ein Hof) befand sich gewiss auch die älteste Kirche. 

*) Das Dekanat Hawran bildete muthmasslich mit dem von Bydzow die nach- 
herige 2upe Libic, die bald von der neuen ^upeuburg auch den Namen Ha- 
wran erhielt. Das Dekanat von Jiöin ist wohl identisch mit der alten 2upe 
^eleznice, so genannt von der gleichnamigen Burg in der Nähe von Jiöin. 
(Vgl. Jireöek 2upy Öech in den Pamätky archaeol. H. 269. u. 270.) 

5) „Henrid imperatoris jproxinius nepos" bei Anonym, chron. BoJt. apud 
Menken HI. p. 1642,- ebenso bei Chriatannus de Skala, und in der ältesten 
Vita S. Ääalherti cit. Dobn. ann. IV. p. 202. 

") Bonfinius dec. 11. lib. 1. Brotuffius, Baibin etc, cit. bei Bolelucky JR,osa 
hoemica p. 32. Wäre es nicht denkbar, dass derselbe am Ende gar ein 
Descendent des ehemaligen sorabisöhen Markgrafen Thakulf gewesen ist, 
den wir als einen gebornen Böhmen erkannt haben, und der einst eben- 
falls in Deutschland begütert war? 



25 

Bekelirung zugeschrieben werden müssen. Sicher arbeiteten beide 
Gatten, sowie an der cMstliclien Erziehung ihrer Söhne, so auch 
an der Christianisirung ihrer Unterthanen im Gebiete von Libic mit 
so günstigem Erfolge, dass nachmals der erste Biograph ihres heiligen 
Sohnes Adalbert von dieser Gegend rühmen konnte, es habe da 
zur Zeit Slawniks das Christenthum am allerschönsten geblüht.') 

4. Von Altbunzlau aus, wo bereits zur Zeit des heiligen 
Wenzel eine christliche Kirche bestand , ~) musste die christ- 
liche Lehre alsbald in die dazu gehörige, westlich von Melnik 
und östlich von Libic begränzte Landschaft dringen, welche nach- 
mals in die Dekanate und ^upen von B unzlau (Jungbunzlau) und 
Kamenice (später B e 1 a oder Weisswasser) zerfiel. Dennoch erhielt 
sich hier in den von der Mutterkirche entfernteren Gegenden noch 
einige Zeit das alte Heidenthum. Waren doch bei M§eno (am Gal- 
genberge), Sudomör, Kowan, Hradek (bei Skalsko) und Hrobka 
(dem späteren Jungbunzlau) uralte heidnische Opferstätten ^), an 
denen das Volk der Umgegend noch mit vieler Vorliebe hing. 
Hier war es denn auch, wo alsbald jpfö feindselige Reaktion gegen 
das ringsum aufblühende Christeri|^it' sich erhob, so ..dass der 
sonst so milde Herzog Boleslaw^^llP^t^m 973) sich gep^higt sah, 
ein Kriegsheer (angeblich unter Bratfimil von Hrugow^' zu Gun- 
sten der bedrängten Gläubigen einschreiten zu lasseü; Die Heiden 
sollen sich auf den Burgen Stranow und Zamost gesammelt haben, 
alsbald aber in einer Feldschlacht gänzlich unterlegen sein. Auf 
dem Schlachtfelde erbaute der Herzog ebensowohl zum Schutze des 
Ghristenthums als zur Sicherung seiner Regierungsgewalt die Burg 
Jungbunzlau (Mladä Boleslaw), an deren Fusse sofort eine Stadt, 
ebenso wie der frühere Begräbnissplatz, Hrobka*) genannt, sich erhob, 
— ein neuer Mittelpunkt des immer kräftiger sich entfaltenden kirch- 



1) „Inülisfinibus,ubi Christianitatis {'^)pulchemma floruit." ActaSS. ad 23. Api\ 
C. 1. p. 178. cit. Dob. annal. IV. 111. 

2) Das Altbunzlauer Gnaclenbild, das schon der h. Wenzel verehrte, war an- 
geblich aus einem ehemaligen Götzenbilde der h. Ludmila geschnitzt worden. 
(Weitenauer: Chron. S. Georg. MS. „secundum plures scriptores.") 

3) Kaiina von Jaethehstein : Böhmens Opferplätze S. 131, 164, 195, 196. 

^) Nowotny Kronika Ml. Boleslawskä, p. 44. Hajek a. a. 973, Die Stadt 
erhielt den Namen Jungbunzlau erst 1334, als man selbe unmittelbar an 
die Burg verlegt hatte. Nowotny Krön. Ml. Bolesl. p. 47. 



26 

liehen Lebens der Gegend. Zunächst ward damals in der befe- 
stigten Burg eine hölzerne Kirche zu Ehren der Himmelfahrt der 
allerseligsten Jungfrau angelegt als nachmalige Hauptkirche des ge- 
sammten bunzlauer Archidiakonats. ') Wohl auch um dieselbe Zeit 
wurde die Stadt Kamenice (um 1380 schon zerstört) am Pösig- 
berge der Standort der Mutterkirche für die dortige Umgebung.*) 
5. Der noch erübrigende nördliche Theil des jetzigen bunz- 
lauer Kreises, wohl die späterhin bei der Erektion des prager 
Bisthums erwähnte I^upe L e m u z i , ^) verdankt seine Bekehrung 
zum Christenthum der seligenPfibislawa, einer Schwester des 
heil. Wenzel, Herrin der Burg und des weiten Gebietes von Jablona 
oder Gabel. '*) Diese „Schwester des seligen Martyrs war eine 
ehrwürdige Matrone, die von der Wiege an gelernt hatte, ohne 
Klage Christo dem Herrn zu dienen nach den Geboten des Evan- 
geliums. Nachdem sie der Herr von den Pflichten des Ehestan- 
des entbunden hatte, weihte sie sich ungetheilt dem Dienste Gottes 
und in glühender Sehnsucht nach dem heiligen Schleier (des klö- 
sterlichen Lebens) verharrte sie Tag und Nacht in Gebet, Fasten 
und Wachen."^) Von solcher Gesinnung durchdrangen folgte sie 



•) Ebendaselbst S. 161 cit. Kezel p. 4. 

^) Die Seelsorgpfründen des Kamenitzer Dekanats werden wie die der übrigen 
"vveiterbin angeführt werden. 

^) Lemuzi soll eine Burg in dieser Gegend gewesen sein, angeblich auch 
Skaly genannt. Dann könnte es wohl Gross- oder Kleinskal bei Turnau 
gewesen sein. 

^) In der ältesten Legende des h. Wenzel, die alsbald nach dessen Martyr- 
tode geschrieben worden ist, (bei Wattenbach „die slawische Liturgie in 
Böhmen" S. 234 etc.) heisst es : „Er hatte 4 Schwestern, und sie gaben sie 
weg in verschiedene Fürstenthümer und statteten sie aus." — Den Namen 
Piibislawa nennt uns zuerst Christannus. Ihr Wirken in Gabel berichtet 
Hajek a. a. 945 — hier wohl auf Grund einer uralten Sage, die sich auch 
in der dortigen Gegend erhalten hat. Baibin beruft sich auf einen Codex 
pervetustus, dass sie „m pago Jäblon suh monte Krutina''^ begraben lag, 
bis ihr Leichnam 1367 von Carl IV. nach Prag übertragen wurde. {Vgl. 
Chron. Benesii in Dobneri monum. IV. 50.) 

5) Christannus. Die von einer Pribislava erzählte Entwendung einiger Reli- 
quien des h. Wenzel verweist Dobner {anndl. IV. 54 u. 55) auf eine spätere 
Person desselben Namens, die der angebliche Christannus mit der Pribi- 
slava verwechselt hat. Dobner begründete seine Ansicht durch einen Ver- 
gleich des Christannischen Textes mit dem Ottonianischen (der Vita S. Wen- 
ceslai, die auf Befehl des Kaisers Otto von Gumpoldus verfasst wurde.) 



27 

gewiss dem schönen Beispiele ihres verklärten Bruders und er- 
baute ebenso wie dieser so manche christliche Kirche innerhalb 
ihres Gebietes, — am sichersten wohl die älteste Kirche von 
Gabel selbst, die nun für viele Jahrhunderte die Mutterkirche des 
gleichnamigen Dekanates bleiben sollte. Um das Jahr 1000 soll bereis 
in ihr der h. Bruno (Missionsbischof für Preussen) gepredigt haben. ') 
Pfibislawa erbaute auch am Berge Krutina eine Kapelle, in der 
sie selbst unablässig der Andacht oblag und bei welcher sie nach 
Vollendung ihres heiligmässigen Lebens eine stille Grabesstätte 
fand. Die dankbare Nachwelt ehrte dort die Abgeschiedene als 
eine Selige, und so zahlreich strömten ihre andächtigen Verehrer 
herzu, dass nachmals der Wladik (Zupan?) Chotislaus jene Kapelle 
zu einer geräumigen Kirche erweitern musste-). Nächst Gabel 
mögen die nachmaligen Dekanatsitze Turnau und Hradiste (Mün- 
chengrätz) frühzeitig eine kirchliche Bedeutung erlangt haben. 

§. 9. Fortsetzung. 

1. Leitmeritz war der Sage nach^) im J. 771 von Lido- 
mir, dem Sohne KoSals (des traditionellen Erbauers der Burg 
Kostäl) und der Bela (der angeblichen Erbauerin Bilins), ge- 
gründet worden — damals „nahe der Burg Hradec (auf dem 
Domberge) und unterhalb des Dorfes Pokratic," also 
auf dem Platze der jetzigen Vorstadt Zasada. Die Burg Hradec 
war sofort die ^lupenburg*) der „Leitmeritzer Provinz," welche 
letzere um 855 im Süden bis über Trebnitz hin sich erstreckte, ^) 
nach den übrigen Seiten hin aber gewiss nicht minderen Um- 
fang hatte, als das nachmalige Dekanat dieses Namens.^) Als 
l^upane dieses Bezirkes erscheinen der Ueberlieferung nach die 
Wr§owecen, ein böhmisches Herrengeschlecht, wohl von einem 



') Palme: Eückblicke in die Vorzeit des böhmisclien Niederlandes. Manusc. 

'-i) Sommer: Bunzl. Kreis, S. 270 u. 271. 

3)Hajek ad 771. 

^) Die Stiftungsurkunden des Leitmeritzer Kapitels nennen den gegenwärti- 
gen Domberg ausdrücklich das „castrum lAtomericense.^^ 

5) Dies erfahren wir aus Cosmas, wo er die Gri*ündung von Wlatislawa er- 
zählt: hienach erstreckten sich die Gränzen der jirovincia Litomerieensis 
bis ad confinia pageUi SkälJca bei Wlatislawa. 

«) Vgl. §. 23. 



28 

gleichnamigen Orte bei Prag so genannt, das aber — - angeblich schon 
seit 887 — eine neue Familienburg dieses Namens, das heutige 
Wr§owice, bei Laun besass.') Die Stadt Leitmeritz hat ihnen an- 
geblich ihre zweite Gründung zu verdanken. Zu grösserer Sicher- 
heit sollen sie nämlich einen geeigneteren Platz neben dem bishe- 
rigen offenen Burgflecken mit Wallgräben und Mauern umzogen, 
und am nordwestlichen Ende (auf der jetzigen sogenannten Hrade) 
die Burg Hrad*) erbaut haben. Leitmeritz war unter der Regie- 
rung Boleslaws IL jedenfalls schon christlich. Abgesehen davon, 
dass dieser fromme Herrscher eine Menge christlicher Kirchen 
sogar in unbedeutenderen Ortschaften gründete, und am allerwenig- 
sten in der nächst Saaz wichtigsten Zupenburg des Landes das 
Fortbestehen des Heidenthums geduldet haben würde : so ist auch 
erwiesen, dass damals die WrSowecen — die ^upane von Leitme- 
ritz und Saaz — vom h. Adalbert exkommunizirt wurden, was doch 
nothwendig ihr christliches Bekenntniss voraussetzt. Es ist sogar 
anzunehmen, dass Leitmeritz zu jenen Orten des Landes gehörte, 
wo schon der h. Wenzel christliche Gotteshäuser baute, deren 
Weihefeste er alljährig zu besuchen pflegte. ^) Diese Wahrschein- 
lichkeit steigt fast zur Gewissheit, wenn — wie angenommen 
werden darf — dieser Heilige im J. 925 eine Zeit lang zu Leit- 
meritz seinen Wohnsitz hatte, und hier durch den Eindruck seiner 
persönlichen Erscheinung den aufrührerischen Dfislaw besiegte.'^) 
Wo aber die älteste Kirche des Ortes — und der ganzen ^upe — 
gestanden sein mag, lässt sich mit voller Sicherheit nicht sagen. 
Wahrscheinlich ist es, dass sie innerhalb der Burg (Hradec) er- 
richtet ward, und vielleicht nur aus Holz, wie fast überall. Erst 
Herzog Spytihnöw H. erbaute die steinerne Kirche („Basilica") zu 
Ehren des h. Stephan im J. 1057 und stiftete dabei ein Kollegiat- 
kapitel. Wie letzteres gewiss nur den früheren Klerus der Burg zum 



1) Hajek ad a. 887. 

2) Vgl. „Leitmeritz in der Gegenwart und Vorzeit" von Berthold. S. 5 ti. 6. 
^) Vgl. S. 5, auch Hyzonis Vita S. Wenceslai. 

*) Dalimil, der das Ereigniss erzählt, nennt als Schauplatz die herzogliche 
Burg Zitomierz. Doch ist letzterer Name in mehreren Manuscxnpt- Codices 
Dalimils „Litomierz" geschriehen. Schon Dobner {annal. III. 525) ver- 
muthete, dass diese letztere Leseart die richtigere sei, da ein Zitomierz 
als herizogliche Burg nirgends vorfindig ist. 



29 

kanonischen Leben vereinte: so mochte sich wohl auch das neue 
Gotteshaus auf dem Grunde des alten erhoben haben. Die Haupt- 
kirche der eigentlichen Stadt (zu Allerheiligen) entstand erst im J. 1127, 
und die Erbauung derselben aus Stein fällt gar erst in das J. 1207, 
wie später berichtet werden wird. Uebrigens mag sich auch in und 
um Leitmeritz ein Rest des alten Heidenthums noch einige Zeit 
erhalten haben, und zwar um so mehr, als muthmasslich im älte- 
ren Burgflecken selbst — am heutigen S. Adalbertsbrunnen — 
und sicherer noch auf dem benachbarten Berge Doblik bei Cir- 
kowitz, der jetzt noch auf seinem künstlich geebneten Gipfel heid- 
nische Ueberreste aufweist, altheidnische Heiligthümer (auf letzte- 
rem Orte wohl ein Opferplatz des Dibjik oder öernoboh) bestan- 
den. ') Einer noch lebenden Sage zu Folge ist nachher der heil. 
Adalbert auf seiner .ersten Visitationsreise auch nach Leitmeritz 
gekommen und hat da persönlich für die ungetheilte Aufnahme 
des Christenthums sich bemüht. Der Brunnen, wo er nach den 
Mühen des Tages Labung gesucht, habe hinfort seinen Namen er- 
halten, und sei später mit dem Standbilde des Heiligen geziert 
worden. Nebenbei aber ist bekannt, dass die Klugheit der Mis- 
sionäre alte den früheren Götzen geheiligte Quellen in der Eegel 
nach einem Heiligen benannte und dessen Abbildi^ng daselbst an- 
zubringen suchte, ■ — eben so, wie sie auch an abgöttisch verehr- 
ten Riesenbäumen Bilder des Heilands und der seligsten Jungfrau 
befestigte und auf Bergen und Kreuzwegen das Abbild des heil. 
Kreuzes aufrichtete, um so die gewohnte Verehrung des Ortes auf 
den rechten Gegenstand hinzuleiten. ^) Wäre ein Aehnliches in Be- 
treff des S. Adalbertsbrunnen anzunehmen, so fiele wohl die gänz- 
liche Ausrottung der letzten heidnischen Gebräuche — ebenso wie 
in vielen anderen Gegenden — in etwas spätere Zeit und wäre 
dann ein Verdienst der Leitmeritzer Burg-Geistlichkeit, w^elcher 
ohnehin die Vollendung der Bekehrung des Gaues zugeschrieben 
werden muss. 

2. Im Norden des Leitmeritzer Gaues erstreckte sich bis in 
die Mitte des äussersten Gebirgswaldes die alte Provinz Daciane^) 



^) Kaiina: Böhmens Opferplätze, S. 151. 

'i)Vgl. Kaiina, S. 14 u. 15. 

3) So 'Wird sie in der Erektionsurkunde des Prager Bistliums genannt. 



30 

oder Deöi'n (Tetschen), später die Zupe von Leipa genannt. 
Die Mutterkirche des ganzen Gaues bis Kreibitz, Bürgstein und 
Pawlowitz hin war die alte Kirche „Unserer lieben Frau" zu 
Tetschen (Deöin). ') Nach einer alten Lokaltradition stand dieses 
Gotteshaus, sowie auch der alte Burgflecken auf der sogenannten 
„wüsten Stätte." Am 28. September 1059 sollen beide durch eine 
beispiellose Ueberschwemmung gänzlich vernichtet worden sein, 
worauf der damalige 2upan Jakob die neue Stadt mit einer Kirche 
des h. Wenzel (diess zum bleibenden Andenken an den Ungiücks- 
tag) an ihrer jetzigen Stelle erbaut habe. *) Ist dem so, dann ist 
die christliche Lehre sehr früh in diese Gegend gedrungen: es ist 
sogar anzunehmen, dass auch sogar Deöin als einer der wichtigsten 
Zupensitze des Landes schon vom heil. Wenzel ein Gotteshaus er- 
hielt. Dem eben erwähnten 2upan Jakob schreibt die dankbare 
Ueberlieferung auch die Wiedererbauung der Stadt Lipa (Leipa) 
zu, nachdem die alte am entgegengesetzten Ufer der Pulsnitz gele- 
gene Stadt gleichzeitig mit Tetschen durch die Ueberschwemmung 
im J. 1059 zu Grunde gegangen war. ^) Gewiss ist damals auch 
die Kirche zu Leipa erbaut worden, die in späterer Zeit dem ganzen 
Dekanate den Namen gab. Dagegen sollen die äussersten Wohn- 
sitze des Gaues, Kreibitz (Kfipska) und Windischkamnitz (Kame- 
nice slowanskä im Gegensatze zu Kamenice ceskä) in Mitten der 
damaligen Gränzwälder erst in den Zeiten des deutschen Kaisers 
Heinrich IL entstanden sein, — und zwar durch wendische Flücht- 
linge, die dort in verborgenen Thälern für sich und ihren heidni- 
schen Kult eine Zuflucht suchten und fanden vor dem ihre Heimat 
(Lausitz) unterjochenden Heere der Deutschen. ^) Hier fällt daher 
die völlige Christianisirung in etwas spätere Zeit und ward ein 
Verdienst der nächstbenachbarten Geistlichkeit von Böhmisch-Kam- 
nitz, sowie der frommen Grundherren der Gegend, — der muth- 



') Ueber den Umfang der Zupe und des Dekanats Tetsclien-Leipa vgl. §. 23 b. 

2) lUustr. Chronik I. 44. 

3) Kirchenbüchei' von Leipa cit. lUustr. Chron. I. 49, Irriger Weise wird 
derselbe Zupan (da doch nur einer in der Zupa existirte) in Tetschen 
Jakob von Howora und in Leipa Jakob von Berka genannt — an letzterem 
Orte als Pfandinhaber des Leiper Ki'ongebiets. Erblichq, Namen bestanden 
in dieser Zeit noch nicht. 

4) Vgl. Palme: Chronik von Warnsdorf S. 10. 



31 

masslichen Nachkommen der alten erblichen ^iipane von Tetschen, 
der nachmaligen Herren von Michelsberg-(WartenbergJ) 

§. 10. Fortsetzung. 

1. In derSaazer Provinz war, wie bereits erzählt wurde, 
der christliche Glaube schon von 805 an nicht ganz unbekannt ge- 
blieben. Nach dem Falle Wlastislaws (869) gehörte dieses Land 
wieder unmittelbar den Herzogen von Prag, die es fortan als die 
vorzüglichste ^upe des Landes an die ausgezeichnetsten Edlen und 
wiederholt an jüngere Prinzen des fürstlichen Hauses zur Verwaltung 
vergaben. Es ist nicht zu bezweifeln, dass nun die Stadt Saaz als bevor- 
zugter Zupensitz, bald nach der Bekehrung Bor iwojs, sicher aber zur 
Zeit des h. Wenzel, eine christliche Kirche und christliche Priester 
erhielt. Doch ist auch zuzugeben, dass hier nicht minder wie an- 
derwärts die alten heidnischen Opferplätze noch eine Zeit lang 
vielen Zuspruch fanden. Als solche sind durch Ausgrabungen sicher 
gestellt: Zizelic, Leska, Hassenstein, Schönburg (vielleicht Sumbor), 
Burberg und der jetzige Kirchenhügel in Niklasdorf.^) Auch in der 
Nähe vom heutigen Kaaden soll ein heidnischer Tempel, muthmass- 
lich der Zukunftsgöttin Cadania geweiht, gestanden sein, ein be- 
liebter Wallfahrtsort der Heiden, dem wohl die nahe Burg Ur- 
sprung und Namen zu verdanken hatte. ^) Möglich, dass es da 
zu einigen Eeibungen zwischen Heiden und Christen kam, die 
später ein ernstes Einschreiten der weltlichen Macht nöthig 
machten.'*) Aber an eine allgemeine Eingenommenheit der 
Saazer gegen das Christenthum ist wohl kaum zu glauben, zu- 
. mal keiner der wohlunterrichteten Chronisten vor Hajek irgend 
etwas davon zu erzählen wusste, — insbesondere nicht von einer 
Versammlung der heidnischen Häuptlinge des Saazer Gebietes zu 
Laun (936), um da die gemeinschaftlichen Schritte nach der Er- 



•) Kreibitz soll im Jahr 1144 die erste Kirche erhalten haben. (Palme, Rück- 
blicke in die Vorzeit des böhmischen Niederlands. Manuscript.) 

3) Kaiina: Böhmens Opferplätze S. 134, 155, 156, 161. 

3) Ebendaselbst S. 160. Als Stadt erscheint Cadan — wie erwähnt — erst 
um 1180. 

^) Hajek ad 975 erzählt einen Kampf Boleslaws IL gegen die angeblich heid- 
uischon Saazer. 



32 

mordung des h. Wenzel zu berathen, und auch nicht von einer 
Gesandtschaft an Boleslaw, um Mittel zur Unterdrückung der Wun- 
dergerüchte üher den h. Märtyrer anzugeben, und ebenso wenig 
von einer Volksversammlung zu Tursko, wo die himmlische Er- 
scheinung des Heiligen alle Heiden auseinander gejagt habe. Jene 
nachtheilige Meinung stammt gewiss nur von der zufälligen Ver- 
wechslung des Volkes der Luzanen (oder Stodoraner), aus welchem 
Drahomira stammte, mit der ähnlich genannten Einwohnerschaft 
von Saaz. ^ ) Erst als man Ludic (das alte Zlutice) zum Geburts- 
und nachmaligen Zufluchtsorte der heidnischen Fürstin machte, 
musste man sich auch die dahin gehörige Landschaft noch durch- 
aus heidnisch denken. Auch die oft wiederholte Erzählung von 
einem Zuge Boleslaws H. (975) gegen die widerstrebenden Saazer, 
in welchem er die einen zur Annahme des Christenthums ver- 
mocht, die anderen aber ausser Landes verwiesen habe, hat keinen 
andern Ursprung. Sicher ist es vielmehr, dass im J. 936 nach dem 
Tode des h. Wenzel ein Zupan (subregulus) dieser Gegend von dem 
die deutsche Oberhoheit verschmähenden Herzoge Boleslaw abfiel und 
enger an Deutschland sich anschloss. ^) Es ist das wohl derselbe 
Dobromir, Zupan von Saaz, den nach Hajeks Bericht der sieg- 
reiche Boleslaw im J. 939 nach Baiern vertrieb.^) Diese Thatsache 
bestätigt weit eher eine Vorliebe der Saazer für das anfänglich 
von Boleslaw angefeindete Christenthum, als das Gegentheil. '*) 

2. Die Landschaft von Bilin (Bölinsko, die nachmaligen De- 
kanate von Bilin und Aussig und den westlichen Theil des Deka- 
nats von Trebnitz umfassend^) bestand, wenn nicht schon zur 



') Das Saazer Gebiet heisst noch bei der Erektion des Prager Bisthums Lu- 
. öane (Lncsane) und bei Cosmas auch kurzweg Luka. Hajek, dem wir jene 
zweifelhaften Berichte verdanken, baute bei seiner Darstellung lediglich 
auf die Auktorität des wenig älteren Kacek Dobrohorsky. Vgl. Dobneri 
annal HT. 620. Die Wundersage vom Felde bei Tursko wird auch von 
den Böllandisten verworfen. (Ad 28. Sept. §. 10. n. 183.) 

2) Witichindus ad 936.' 

3) Hajek ad 939. — Durch fortgesetzten glücklichen Kampf gelangte damals 
wohl die Provinz Sedlic.e (Zelza, der jetzige Elbogner Kreis) wieder an 
Böhmen zurück. 

■*) Heber den Umfang des Saazer Gebiets vergl. §. 23. 
5) Vgl. §. 28. 



33 

Zeit des envälmteu Wlastislaw (f 869) ') oder bei der Erektion 
des prager Bistliums '% so doch iinzweifelliaft zu Ende des zehnten 
Jahrhunderts als eine selbstständige Provinz Böhmens, ^) und von 
1041 an kennen wir bereits einzelne 2iupane derselben mit Na- 
men.'^) Es unterliegt keinem Zweifel, dass die christliche Lehre 
schon frühzeitig in diese Provinz gedrungen sei. Auch abgesehen 
von dem schon besprochenen Einüusse der Nachbarschaft seit 805, 
und von der Sage, dass ein Graf von Bilin 846 unter den 14 
edlen Täuflingen zu Eegensburg sich befunden habe, konnte unter 
den späteren christlichen Herzogen Böhmens eine damals schon 
blühende Stadt nicht länger heidnisch sein, zumal nicht Bilin, 
wo sich bekannter Weise sogar eine fürstliche Hofburg 
ausser der Zupenburg befand.^) Bilin müsste wenigstens 
zu jenen Städten unseres Vaterlandes gezählt werden, wo der 
h. Wenzel Gotteshäuser anlegte. Doch 'ist ein solches hier je- 
denfalls nur von Holz erbaut worden. Eine steinerne Kirche zu 
Ehren des heil. Petrus erbaute erst der Zupan Mztis, Sohn des 
Boris, im J. 1061. Es ist dies derselbe Mztis, welcher vordem 
den damaligen Prinzen Wratislaw durch Gefangenhaltung der Ge- 
mahlin desselben schwer beleidigt hatte. Jetzt, -als Wratislaw auf 
dem herzoglichen Throne sass, gedachte Mztis seine Gnade wieder 
zu gewinnen, indem er ihn zum Feste der Einweihung der neuer- 
bauteh Peterskirche einlud. Die Feierlichkeit wurde durch den 
Bischof Severus vollzogen — in Gegenwart des Landesfürsten. 
Mztis aber empfing statt der gehofften Aussöhnung die Absetzung 



') Nach Cosmas baute er in confimo provinciaritm Beiina und Lutomerici 
seine neue Stadt Wlastislawa. Dies konnte Cosmas wolil auch vom Stand- 
punkte seiner Zeit aus sagen. 

2) Bei selber wurde Bilin als Gränzprovinz nicht namentlich angeführt. 

^) Die Bestätigungsurkunde des Klosters Brewnow vom J. 993 nennt aus- 
drücklich diese Landschaft. 

^) So 1041 Prkos comes in urbe Belin, 1043 Eppo praefectus Belinensis (bei 
Cosmas). Eppo schenkte im J. 1043 das Dorf Kostelani in Mähren dem 
Kloster „Gella S. Joannis in Moravia", dessgleichen in demselben Jahre 
das Dorf Cebranice, ebenfalls in Mähren, dem Kloster Brewuow, ^Yar also 
ein religionseifriger Herr. (Urkunden in Erbens regesta p. 43 u. 44.) 

S) Cosmas ad 1061. Hiernach stand die Burg des Zupans neben der Kirche 
und war verschieden von der Hofburg, welche wahrscheinlich an der Stelle 
des jetzigen Schlosses stand. 



34 

Yom Amte und konnte sich einem traurigeren Locse mir durch 
eilige Flucht entziehen. Er ward durch Kojata, den Sohn Wsebors 
ersetzt. — Seit der Bekehrung des IZupensitzes kam das Chri- 
stenthum auch in der Umgegend immer mehr in Aufnahme und 
immer mehr verödeten die Stätten des alten Götzendienstes. Gerade 
diese Gegend war an solchen sehr reich gewesen. So zeigt das 
uralte Krupa (Graupen) noch heutzutage Spuren eines heidnischen 
Opfer- und Begräbnissplatzes, — ebenso wie der Schlossberg (Dou- 
brawska hora) bei Teplitz.^) In diese Gegend soll aber schon 
um 970 der h. Wolfgang, Bischof von Regensburg, als Oberhirt 
gekommen sein. Die fromme Ueberlieferung zeigte ehedem ober- 
halb Graupen die in Felsen eingeprägten Fussstapfen des Heili- 
gen.^) Der nächste Umkreis von Bilin verlor wohl eben so früh 
den abergläubischen Götterkult. Noch heute zeigt dort der nahe 
Radelstein unverkennbare Spuren eines uralten Baues von Men- 
schenhand und innerhalb desselben weisen Nachgrabungen einen 
alten heidnischen Opfer- und Begräbnissplatz nach. Mehrere Orte 
der Umgegend, Radowesic, Radcic, Radzin, dürften ihre Namen von 
einem Worte herleiten, das auch der Hauptbestandtheil des Na- 
mens Radelstein war, nämlich Rad oder Radegast, dem vielleicht 
der Radelstein geheiligt war. Ebenso dürften die ' benachbarten 
Ortsnamen Tfebin, Mukow, ^lelenec, Hrobcic (von treba Opfer, 
mula Marter, M Trauer, liröb Grab) auf heidnische Todtenplätze 
deuten.*) Auch zu Böhmisch-Zlatnik zeugten zufällige Nachgra- 
bungen in der Nähe der Pfarrei die Spuren einer alt-heidnischen 
Begräbnissstätte. ^) Mit dem Aufblühen des Christenthums in 
Bilin verwaisten alle diese Stätten des alten Götzendienstes mehr 
und mehr und einige derselben erhielten sofort durch die umsich- 
tigen Glaubensprediger christliche Weihe. Diess scheint — abge- 
sehen von den nachmaligen Pfarorrten Radcic, Radowesic und 
Mukow — insbesondere auf dem Kotinaberge bei Zalany {mlany 
Traurigkeit) der Fall gewesen zu sein, einem unverkennbaren 
Opferplatze der heidnischen Slawen, der nun mit dem Namen wahr- 



lyCosmas ad 1061. 

2) Kallina: Böhmens Opferplälze S. 151 u. 152. 

3) Crugerius ad 81. Oktober. 

4) Kallina: Bölimens Opferplätze S. 148. 
^} Lokalbericht des Herrn Pfarrers Uhl. 



35 

scheinlich aucli eine Kapelle der li. Katharina erhielt') Ein ähn- 
licher Fall zeigt sich bei Osek (Ossegg), wo ein Hügel imfern der 
Riesenbiirg zuversichtlich als heidnischer Opferplatz gedient hat : die 
Kir^'.he zu Ossegg, welche urkundlich schon lange vor der Ankunft 
der Cisterzienser bestand, dürfte die Bestimmung gehabt haben, der 
gewohnten Andacht das rechte Ziel zu zeigen.-) Nächst der Zu- 
penstadt Bilin erhob sich in Kurzem die Stadt Üsti, das heutige 
Aussig an der Elbe zu besonderer Bedeutung. Angeblich schon 
7Y3 von einem gewissen Koten erbaut, und 82Y von RuSiswad 
aus dem Dorfe Buöinky (bei Leipa), dem traditionellen Erbauer 
von Swadow (Schwaden) und seinem Bruder Lahobor, dem Gründer 
von Wietrus (Gross-Priesen) zur Stadt, erweitert, =*) — erhielt sie 
einer alten Tradition nach die erste christliche Kirche im weiten 
Umkreise, die Mutterkirche des gesammten nachmaligen Dekanats 
von Aussig, welches im Laufe der Zeiten sich bis nach Königstein 
im heutigen Sachsen erstreckte. So kam -auch in dieser das alte 
Pleidenthum zum Falle.'*) 

§.11. Fortsetzung. 

1. Im äussersten Norden Böhmens liegt heute das sogenannte 
b ö h m i s ch e N i e d e r 1 a n d, welches die Bezirke von Hains- 
pach, Schlukenau , Rumburg, Reichenberg, Friedland und den nörd- 
lichen Theil des Bezirkes Warnsdorf (die ehemaligen Herrschaften 
Hainspach, Schlukenau, Rumburg, Reichenberg, Friedland, Grafen- 
stein) umfasst. Ein Gebirgszug, der vom Jeschkenberge bei Rei- 
chenberg bis an die Elbe bei Schandau sich hinzieht, — das lau- 
sitzer Gebirge — trennt das in zwei isolirten Zungen nach Sachsen 
hinein sich erstreckende Ländchen von der eigentlichen Grund- 
masse Böhmens. Dieses Gebiet ist einst viel grösser gewesen, 
ja es hat sogar den Schwerpunkt seines ehemaligen Terrains im 
jetzigen Gebiete von Sachsen, Es gehörte dazu die Burgwartei 



^) Kaliina S. 145. Mauerüberreste lassen einen solchen Bau erkennen. Hajelc 
versetzte hielicr irriger Weise sogar ein Nonnenkloster, welches 2izka 
zerstört haben soll. 

') Ebendaselbst S. 150. 

3) Hajek ad 773 ii. 827. 

**) Ueber den Umfang des Dekanats vgl. §. 23. 



36 

H h e n s t e i n bis an clje Elbe und Wesenitz im Westen und 
bis in die Umgegend der alten Burg Syöin (Seitschen) im Norden, 
ausserdem das grosse nachmalige Dekanat von Zittau und alles 
Land östlich von Friedland bis an die schlesiche (damals pol- 
nische) Gränze. Mann nannte dieses Gebiet noch im 13. Jahr- 
hunderte von seiner Lage jenseits des lausitzer Gebirges das Land 
Zagost, d. i. Hinterwaiden. Dieses Gebiet hatte wohl nebst der 
übrigen jetzigen Oberlausitz vor Zeiten unter die Bothmässigkeit 
Böhmens gehört, da noch im J. 861 das Ländchen Sorawe (das 
Gebiet der niederlausitzer Stadt Sorau), welches Graf Thakulf dem 
Kloster Fulda verehrte, als „an der Gränze Böhmens" gelegen, 
bezeichnet wurde.-) Bei Errichtung der Mark Meissen wurde Za- 
gost dahin einverleibt.^) 

2. In dieser Zeit, da innerhalb der böhm. Gränzgebirge der 
christliche Glaube zu sprossen begann, wohnten im Ländchen Zagost 
und im Gebiete von Budisin die slawischen Stämme der Milcener 
undZelpoler. Noch heute erinnern der Berg Cernobog (der schwarze 
Gott) bei Löbau und die Ortschaft Jüterbog (Jitrobog der Morgen- 
oder Lichtgott) an ihre alten heidnischen Heiligthümer.*) Möglich, 
dass schon durch den christlichen Herrn des Gebiets von Sorau, 
den erwähnten Grafen Thakulf, und mehr noch durch die freilich 



') Dieser Umfang von Zagost ergibt sich aus den Gränzvergleichen zwischen 
Zagost und Budisin in den Jahren 1228 u. 1241. (Urkunde bei Erben 
S. 482 etc.) In diesen erscheint unter andern das heutige Einsiedeln bei 
Sebnitz als „locus übi maiisit heremita" , der Sebnitzbach als Lozina, 
der Hochwald mit dem Buchberge bei Wolmsdorf als Bukowä hora, über- 
haupt eine Menge gegenwärtig theils verschwundener, theils noch üblicher, 
theils jetzt verdeutschter slawischer Namen, jedoch inmitten derselben auch 
bereits zahlreiche deutsche Benennungen, als eben so viele Andeutungen 
über die. damalige Bevölkerung von Zagost. Siehe den Anhang. 

3) Urkunde bei Erben regesta 12 u, 13. 

3) Heinrich der Vogler eroberte es um das Jahr 930. 

'*) In diesem Gebiete fand man ehemalige heidnische Opferherde bei Weigs- 
dorf und auf dem Spitzberge bei üderwitz. Heidnische Begräbnissplätze 
entdeckte man in Zittau, bei der Neissbrilcke unweit Hirsehfelde, bei 
Grottau, bei Grossschönau auf dem Eigen, bei Tollenstein. (Palme: Rück- 
blicke in die. Vorzeit des böhm. Niederlandes, MS.; vgl. Peschek: Gesch. 
V. Zittau I. 3, 368: Knothe: Gesch. von Hirschfelde S. 2; Schmidt: Ober- 
laus. Kirchengalerie S. 89, 209, 232. Kallina: Opferplätze. 



37 

nur yörübergeliende Besitzergreifung des sorauer Gebietes von 
Seiten des Klosters Fulda der Ruf des Christenthums auch 
in diese Gegend drang; wahrscheinlicli sogar, dass die Christia- 
nisirung des Umkreises von Gabel auch die angränzenden Gegen- 
den von Zagost berührte: dass aber die h. Ludmila selbst das 
Christenthum in dieser Landschaft befördert und die erste christ- 
liche Kapelle daselbst aii der Neisse (angeblich bei einem Dorfe 
Tachow) erbaut, und dass sogar der h. Methüd diese Kapelle per- 
sönlich eingeweiht habe,^) entbehrt alles positiven Grundes, und 
widerspricht sogar den bereits sicher gestellten historischen That- 
sachen.^) Die völlige Christianisirung dieser Gegenden fällt in 
eine etwas spätere Zeit und ward ein Werk der Bis^chöfe von 
M ei ssen. Urkundlich erstreckte sich die im Jahre 973 errich- 
tete bischöfliche Diöcese von Prag auf dieser Seite „bis in die 
Mitte des Gebirgswaldes,"^) unter welchem eben nur das 
bereits erwähnte lausitzer Gebirge verstanden werden kann. An- 
dererseits lief die schon um 936 festgestellte Gränze.des meissner 
Bisthums vom Ursprünge der Elbe geradeaus zwischen den Land- 
schaften Msen'*) und Böhmen hin, dann über die Elbe hinweg 
längs des Erzgebirges bis an die Quelle der freiberger Mulde. ^) 
Wohl gelangte das Gebiet von Zittau (mit Warnsdorf, Rumburg 
und Schönlinde) späterhin wieder unter die Jurisdiktion des prager 
Bischofs:") dagegen blieb das übrige Zagost nebst Bu- 



') Karpzow : Elirentempel c. 2, S. 25. 

a)Vgl. S. 12. 

3)Cosmas ad 1086. . 

^) Nisen ist der Eibgau von Pirna bis in die Nähe von Meissen, nordöstlich 
von der jetzigen Oberlausitz (damals Gau Budisin) und südwestlich vom 
alten Gau Glomaci begränzt. Vgl. solche bei Calles: Series episcoponim 
Misnens. p. 50, 78, 79 etc. Noch 1346 heisst diese Gegend Arcliidiaconatus 
Nisieensis. Vgl. Matricula jurisdiciionis episcopatus Misnensis ad "134:6 in 
orig. im domstiftlichen Archive zu Budisin und bei Calles, 

5j Calles: Series episcop. -Misn. p. 17. 

^) Wahrscheinlich geschah diess in der Zeit der Einverleibung des Zittauer 
Kreises zum Lande Böhmen, nachdem der Gau Budisin mit Görlitz an 
Brandenburg verloren gegangen war (c. 1260), Zittau soll im J. 1010 
von Chitava, der Gattin des Markgrafen Manfred, und zwar zunächst als 
Kloster angelegt worden sein. Den dort entstandenen Burgflecken, der 
als Hauptort des Dekanats wahrscheinlich älter war als die übrigen Ort- 
schaften der Gegend, erhob erst Premysl Ottocar 11. 1255 zur Stadt. — 



38 

tlisin durch das ganze Mittelalter hindurch und bis 
in die neuere Zeit herab derDiöcese von Meissen 
einverleibt. Auf dem jetzt böhmischen Antheile entstanden 
von dort aus allmälig die zum Dekanate Seidenberg zugewie- 
seneu Pfarreien des friedländer Gebiets : Friedland, Wiese, Kuners- 
dorf, Bertsdorf, Bullendorf, Ullrichsdorf, Bernsdorf, Heinrichsdorf, 
Lusdorf, Raspenan und Ringenhain. Zum Dekanate von Lob au 
zählte die Station Georgswalde, zum Dekanate von H o h e n s t e i n 
(später Sebnitz) wurden die Pfarrorte Schlukenau, Nixdorf, Schö- 
nau, Lobendau, Hainspach und Zeidler gerechnet, letztere beiden 
aber unter der unmittelbaren Jurisdiktion (und Collatur) des jewei- 
ligen Dechants der Kollegiatkirche zu Budisin. In ähnlicher Weise 
gehörten die am meissnischen Abhänge des Erzgebirges gelegenen 
nunmehr böhmischen Pfarrdörfer Moldau und Flöhau zum freiberger 
Jurisdiktionsbezirke des Propstes von Meissen. ') Diess sind also 
die Seelsorgsgemeinden der jetzigen Diöcese Leitmeritz, welche 
die ersten Anfänge ihres kirchlichen Lebens in Meissen zu suchen 
haben. 

3. Im J. 930 erbaute der deutsche König Heinrich der Vogler 
nach vollbrachter Unterwerfung der slawischen Dalemincier in Mitten 
ihres Landes, wo die beiden Gaue Nisen und Glomaci sich be- 
rührten, die feste Burg Meissen und erhob selbe zum Sitze eines 
mächtigen Markgrafen. Von hier aus eroberte der tapfere Fürst 
auch das Gebiet der Milcener und Zelpoler (Zagost und Budisin), 
das seitdem für lange Zeit dem böhmischen Mutterlande entfrem- 
fiet blieb. Sein noch grösserer Sohn Otto trug die siegreichen 
Waffen noch Aveiter in die Länder der nördlicheren Slawen. Er 
that aber noch mehr als dieses: er hinterliess den Besiegten die 
christliche Lehre und gründete zur Pflege derselben mehrere Bis- 
thümer. Für die meissnische Mark erhob sich 948 ~) die b i- 



Görlitz wurde vom böhmisclieii Herzog Sobeslaw I. 1125 als Flecken Dre- 
benau angelegt und nach dessen Brande 1131 als Horelec (Görlitz) zur 
Stadt erhoben. (Grossem: Laus. Merkw. I. 44. 32.) 

^)Matnc. jurisd. Misn. SiA l^iQ nt BUT^ra,. Ein unbedeutend abweichender 
Abdruck bei Calles, p. 365 etc. 

^) Stiftungsbrief hei Calles s&ries episc. Misn. p. 11 ; doch wird seine Aecht- 
heit angefochten. Auch bei Schöttgen: Historie der chursächsischen Stifts- 
stadt Würzen, u. a. 0. 



39 

scliöfliche Kathedrale zu Meissen als sicherer Mittel- 
punkt und nachhaltige Pflanzstätte begeisterterGllau- 
bensp redig er. Sofort ward hier die Religion, die man an den 
Gränzen der Dalemincier dereinst schon aus dem Munde des heil. 
Bonifacius vernommen, und späterhin auch von den karolingischen 
Gränzburgen Magdeburg und Halle aus kennen gelernt hatte, zur 
heiligen Ueberzeugung des gesammten Yolkes, und diess um so 
mehr, als die Bischöfe selbst unermüdlich waren im apostolischen 
Werke der Heidenbekehrung. 

4. Nisih, Zagost und Budisin waren schon das Ziel der Mis- 
siousreisen des ersten meissner Bischofs Burchard. Einst ein 
frommer Klosterbruder in Regensburg, dann der treue Kapellan 
des grossen Kaisers Otto, trug er beiläufig seit 949 den bischöfli- 
chen Hirtenstab. Ausdrücklich rühmen seine Biographen ihm nach, 
dass er den Slawen jenseits des rechten Eibufers die 
Lehre des gekreuzigten Heilands verkündigt habe.') 
Damals (c. 958) entstand auf einem schon 807 angebauten Hügel 
am Ufer der Spree die feste Burg zu Budisin ~) als nachmaliger 
Mittelpunkt des christlichen Bekenntnisses, für das weite Gebiet 
vom Fusse des lausitzer Gebirgs bis an die äussersten Gränzen 
der Niederlausitz. Ohne Zweifel erhob sich alsogleich in der 
neuen Burg unter dem Schutze der christlichen Burggrafen das 
erste christliche Gotteshaus, wenn auch, immerhin unansehnlich 
und aus blossem Holz erbaut. Bischof Burchard starb in Mitten 
seiner apostolischen Thätigkeit am 1. Juli 972.^) 

§. 12. Die geistliche Jurisdiction in Böhmen. 

1. Es wurde bereits (§. 2) erzählt, dass die erste Aufnahme 
unseres Vaterlandes in den Verband der h. Kirche durch die Taufe 
der 14 böhmischen Edeln zu Regensburg im J. 846 erfolgt war, 
ebenso auch, dass damals der Bischof Botherich von Regensburg 
den Auftrag erhielt, das Volk der Cechen in der christli- 
chen Religion zu unterweisen. Die gewissenhafte Ausfüh- 



1) Albinus p. 278. Calles 36—39. 

2) Sintenis: Die Oberlausitz, S. 61 u. 62. 
^) Albinus u. Calles 1. c. 



40 

rung dieser Mission inaclite damals schon Böhmen zu einer Pro- 
vinz der bischöflichen Diöcese von Regensburg. Es war diess auch 
in den Zeiten des h. Methud in der Weise anerkannt, dass im J. 
880, als vom Papste Johann VIII. der Auftrag ergangen war, nebst 
Neutra noch einen zweiten Bischofssitz im grossen Metropolitan- 
sprengel zu gründen,^) es dem grossen Slawenapostel nicht 
einmal in den Sinn kam, dem weiten Lande Böhmen sei- 
nerseits einen eigenen Oberhirten geben zu wollen, 
was doch unfehlbar hätte geschehen müssen, falls unser Vaterland 
zu Methuds Erzdiöcese gerechnet werden durfte. 

2. Die altslawische Legende vom h. Wenzel-) erzählt uns 
eine interessante Thätsache aus der Regierungszeit Wratislaws, 
des Sohnes Boiiwojs. Dieser Fürst „berief einen B i s ch o f 
mit der ganzen Geistlichkeit, und nachdem sie die Li- 
turgie abgesungen hatten in der Kirche der h. Maria, 
nahm der Bischof das Kind (den h. Wenzel), stellte es 
auf die Stufen vor den Altar und segnete es mit den Worten: 
Herr Jesus Christus, ■ segne dieses Kind mit dem Segen, mit wel- 
chem Du alle Gerechten gesegnet hast. Darauf schoren andere 
Fürsten seine Haare." — Es ist diess das erste sicherge- 
stellte Auftreten eines Bischofs in Böhmen. Methud 
war damals längst schon in die Ewigkeit gegangen. Sollte es also etwa 
jener Johannes Bischof von Podiwin (in Mähren) gewesen sein, der 
nach Stfedowsky ^) um 913 in Böhmen sich viele Verdienste um die 
Religion envorben haben soll? Leider wusste vor dem genannten 
Schriftsteller durch so viele Jahrhunderte Niemand etwas von einem 
Bischöfe zu Podiwin und noch weniger von einem Besuche desselben 
in Böhmen. Dagegen ist es ausgemacht, dass im J. 899 der Papst 
Johann IX. einen Erzbischof Namens Johann nebst den zwei Bi- 
schöfen Benedict und Daniel nach Mähren sandte, aber nur, um 
sich als apostolische Legaten durch eigene Anschauung über den 
kirchlichen Zustand des Landes zu unterrichten, und nach gewon- 
nener Ueberzeugung das Nothwendige und Erspriessliche vorzu- 



*) Vgl. den Brief Johann YIII. an Swatopkik d. cl. mense Junio 880 in Gin- 

zels Codex zur Geschiclitfe der Slawenapostel S. 60 etc. 
^) Bei Wattenbach; die sla'svisclae Liturgie in Böhmen, S. 234. 
3) L. V. c. 1. pag. 464. 



41 

kehren. Mit der Eintheilung „Mährens" in einen erzbischöfli- 
chen und 3 bischöfliche Sprengel und der Einsetzung der erfor- 
derlichen Oberhirten war ihre Sendung vollendet.') Böhmen war 
dabei um so weniger einbezogen, als es sich damals geradezu den 
Baiern anschloss, um den Protest der salzburger Kirchenprovinz 
gegen jene Anordnung der päpstlichen Legaten auch noch durch 
einen feindlichen Einfall in Mähren zu unterstützen. Wenige Jahre 
darauf aber wurde Mähren eine Beute der Magyaren und in den 
Untergang des Reiches war auch der Ruin der mährisehen Kirche 
verflochten.^) Wir werden also nicht irren, wenn wir in dem von 
Wratislaw wahrscheinlich um 920 berufenen Bischöfe den Ober- 
hirten von Regensburg sehen. Ein lateinischer Bischof war es un- 
zweifelhaft, da die altslawische Legende bald nach der citirten 
Stelle vom heil. Wenzel rühmt, derselbe habe begonnen, „latei- 
nische Bücher zu verstehen, wie ein guter Bischof 
oder Priester." ^) Für den Bischof von Regensburg spricht aber 
das schon oben Erwähnte und endlich ganz unbestreitbar der wei- 
tere Verlauf der Geschichte. 

3. Der jugendliche Wenzel war mittlerweile zur Herrschaft 
gelangt. Wiederholt wendete er sich nun in kirchlichen Angele- 
genheiten an den Bischof von Regensburg als Oberhir- 
ten Böhmens. Als er mit dem Gedanken umging, seiner verklär- 
ten Grossmutter Ludmila eine würdige Ruhestätte zu bereiten, 
that er es nicht, ohne zuvor „eine Gesandtschaft nach Re- 
gensburg zu senden, um den Bischof jener Stadt, 
dessen Diöcesanen damals die Böhmen waren, dar- 
über zu befragen," und selben zur feierlichen Uebertragung 
der heiligen Ueberreste einzuladen.^) Ebenso ersuchte er denselben 
Bischof, Namens Tuto, die noch ungeweihte Kirche S. Georg zu 
konsekriren, und es geschah seiner Bitte dadurch Genüge, dass 
der erkränkte Oberhirt einen bischöflichen Stellvertreter an seiner 
Statt zur heiligen Weihehandluug entsendete.^) Als der gottbegei- 



') Nachweis bei Ginzel : Geschichte der Slawenapostel, S. 98 u. 99. Vergl. 
Dobner annal III. 443. 

2) Ginzel, S. 101, cit. Gfrörer a. a. 0. U. 385. ^ 

3) Wattenbach: slaw. Liturgie S. 235. 

*) Christanniis de Skala: Vita S. Ludmilae et S. Wenceslai. 

^) Historia translationis S. Luämüae ex MS. Clementino cit. Dob. ann. HI, 



42 

Sterte Fürst daran ging, eine neue Kirclie des h. Veit in seiner 
herzoglichen Burg zu errichten, that er es wieder nicht, ohne 
zuvor die ausdrückliche Erlaubniss des regensburger Bi- 
schofs einzuholen, wobei noch bemerkenswerth ist, dass er sich 
ausdrücklich auch auf das Beispiel seines verstorbenen 
Vaters berief.') 

4. Selbst unter der Herrschaft Boleslaws I. ward die Juris- 
diktion des regensburger Bischofs in vollem Maase anerkannt. 
Als es sich um die Weihe des vollendeten S. Veitsdomes handelte, 
sandte auch dieser den Ausländern nichts weniger als freundliche 
Fürst eine Gesandtschaft nach Regensburg „an den dortigen 
Bischof, indessen Diöcese damals nach denBestimmun- 
gen der kirchlichen Canonen Böhmen gelegen war."-) 
Der damalige Bischof Michael — anfangs noch dem Brudermörder 
zürnend — Hess sich endlich erbitten: er reiste persönlich nach 
Prag, wo er von dem ihm entgegen eilenden Klerus und Volke 
mit Ehren und Frohlocken empfangen ward, und sofort die feier- 
liche Konsekration am 24, September 945 (?) vollzog.^) 

5. Es wurde bereits (§. 10) der alten Sage gedacht, dass 
auch der h. Wolfgang, Bischof von Regensburg, auf seinen apo- 
stolischen Reisen in unser Vaterland gekommen sei. Wichtiger 
als dieses ist die erwiesene Thatsache, dass Böhmen unter An- 
derem auch der uneigennützigen Gesinnung dieses Mannens ein ei- 
genes Bisthum verdankt. Es wird erzählt,^) dass Kaiser Otto IL 
Abgeordnete an den frommen Bischof sandte, „damit dieser ihm 
gestatte gegen Uebergabe einiger Güter in Böhmen 
ein eigenes Bisthum zu errichten." Hoch erfreut ob 
dieser Botschaft berief Wolfgang seine geistlichen Räthe. Als aber 



584. Der Stellvertreter war ein Chorepiscopus des regensburger Biscliofs. 
Im J, 932 erscheinen urkundlicli Dilpertus und Svaterlolius als Re- 
gensburger Chorepiscopi. Einer dieser beiden dürfte der Consecrator der 
Georgskirclie gewesen sein. Ooäex episcopatus Ratishonensis Thomae Ried. 
I. 96, et Index p. 368. 

^) Hyzonis Vita S. Wenceslai, ebenso der ottonianisclie Biograph. 

') Worte des dem Ereignisse sehr nahe stehenden ottonianischen Biographen 
des heil. Wenzel, der freilich Boleslaws Namen nicht ausdrücklich nennt. 
Die G-eschichte der Gesandtschaft des Boleslaw bei Cosmas p. 40. 

3) Cosmas p. 40. 

^) Anonymus idemqtie sodalis S. Wolfgangi BiograpJiiis bei Dobn. ann. IV, 214. 



43 

diese ihm abrietlien, des Kaisers Wunsch zu erfüllen, sprach er: 
„Wir sehen im Boden jenes Landes eine kostbare Perle verborgen, 
die wir nicht gewinnen können, wenn wir nicht unsere Schätze 
dahingehen. Desshalb höret, was ich sage. Freudig opfere ich 
mich selbst und all das Meine auf, damit dort ein Haus des Herrn 
durch die in Glauben gekräftigte kirchliche Gemeinde erbauet werde." 

§. 13. Fortsetzung. 

Es bleibt nach, all' dem Gesagten kein Zweifel übrig, dass 
Böhmen ohne Unterbrechung bis zum Augenblicke der Errichtung 
eines eigenen Bisthums zum bischöflichen Sprengel von Regens- 
burg gehörte. Sonach hat unser Vaterland als seine ersten Ober- 
hirten die nachfolgenden Bischöfe von Regensburg zu verehren. 

ä) Bothorich (Baturicus). Derselbe wird schon 819 als 
Bischof von Regensburg erwähnt.') Im J. 846 taufte er die 14 
böhmischen Edlen und übernahm sofort den weiteren Unterricht 
der Böhmen im christlichen Glauben. 

&) Erchanfried. Dieser, vordem Kaplan des Bischofs Bo- 
thorich, wird von 848 bis 853 in öffentlichen Urkunden als Bischof 
von Regensburg genannt.^) 

G) Embricho (Ambrichus, vielleicht gleichbedeutend mit 
Emmerich) wird zuerst in einer Urkunde v. 864 namentlich ange- 
führt.^) Im J. 872 nahm er an dem Kriegszuge Ludwigs des Deut- 
schen gegen die Mährer thätigen Antheil und entkam damals nur 
mit Noth der allgemeinen Niederlage.^) Er wird noch im J. 889 
genannt.^) Als sein Todesjahr wird das Jahr 891 angegeben. 

d) Aspertus war im J. 889 noch Diakon und. Erzkanzler 
des deutschen Königs Arnulph.^) Er bestieg nach dem Ableben 
Embricho's den bischöflichen Stuhl von Regensburg. 
, e) Tuto, vordem Klosterbruder bei S. Emmeram zu Regens- 
burg, gelangte im J. 894 auf den bischöflichen Stuhl. Er wird 



') Urkunde in Ried: Codex Batisbonensis I, 17, 
3) Ebendaselbst I, 41—44. Vgl. p. 26. 

3) Ebendaselbst I, 49 etc. 

4) Ännales Fuld. ad 872. 
^) Godex Eatisbon. 1,69. 
c) Ebend. I, 70 und 71. 



44 

als ein Mann von grosser Sanftmuth und Frömmigkeit so wie 
auch von ausgezeichnetem Geiste gerühmt.') Wahrscheinlich war 
es dieser Bischof, der um 912 die bereits erzählte Ceremonie der 
Haarabschneidung mit dem herzoglichen Prinzen Wenzel vornahm. 
Sicher ist, dass er nachmals unter der Regierung dieses heiligen 
Fürsten ganz unbeschränkt die Jurisdiktion in Böhmen ausübte. 
In öffentlichen Urkunden geschieht seiner zuletzt im J. 925 Er- 
wähnung.*) Doch starb er erst im J. 930, nachdem er längere 
Zeit als völlig . erblindeter Greis der Aushilfe der Chorbischöfe Dil- 
pertus und Swaterlohus in seinem bischöflichen Amte bedurft hatte. ^) 

/*) Isangrin, der unmittelbare Nachfolger Tutos,. partici- 
pirte an der Provinzialsynode, welche im J. 932 unter dem Vor- 
sitze des Metropoliten von Salzburg zu Dingelfingen abgehalten 
wurde. Als Gegenstand der Verhandlungen wird- der „kirchliche 
Stand" angeführt.*) Gewiss wurde dabei auch Böhmens mitge- 
dacht. Die bekannten öffentlichen Urkunden erwähnen Isangrins 
Namen zum letzten Male im J. 940.^) Sein Tod soll aber erst im 
J. 943 erfolgt sein.^) ' 

g) Günther, Mönch bei S. Emmeram, wurde im J. 944 zum 
Nachfolger Isangrins erwählt, starb aber schon nach 6 Monaten,') 
und es folgte ihm noch in demselben Jahre im bischöflichen Amte 

li) Michael,^) dem — wie bereits berichtet wurde — unser 
Vaterland die Konsekration der S. Veitskirche verdankt. Er wohnte 
— wahrscheinlich auch von Vertretern des böhmischen Klerus be- 
gleitet — im J. 948 der grossen Synode zu Ingelheim bei, bei 
welcher ausdrücklich ausser 34 Bischöfen eine Menge „vom Klerus 
der Diöcesen, von Aebten, Kanonikern und Mönchen" als anwesend 
angeführt wurden. Es wurden da sehr heilsame Gesetze zur För- 
derung des kirchlichen Lebens und zum Schutze des geistlichen 



') Dobü. annal. III, 301, cit, Bucellin. Germ. sacr. I, 44, und Canis. antiqu. 

lect IL . 
^) Codex JRatisbon. I, 95. 

3) Dobn. annal. HI. 585 u. 602. cit. Arnulphus L. 1 u. oben num. 3. 
*) Codex Batisbon. I, 95. 
5) Ebendaselbst I, 96. 
^) Dobn. annal. IV, 49. 
^ Ebendaselbst. 
^) CJiron. ireve Bojar, anonymi Emmeramensis monachi (782 — 1062 bibl. 

üniv. Prag XI, A.) 



45 

Standes erlassen. Insbesondere sollten fortan Laien nicht über 
Kirchen verfügen ohne Bewilligung des Bischofs, nicht die Geistli- 
chen belästigen, und nicht die Opfer auf dem Altäre in Anspruch 
nehmen. ■ Auch wurde bei dieser Gelegenheit die Zahl der 
Feiertage zu Ostern und Pfingsten, und die kirchliche Faste in der 
Bittwoche festgesetzt. Processe, den kirchlichen Dezem betref- 
fend, sollten nicht vor dem weltlichen Gerichte, sondern vor der 
Synode geführt werden. Ehen in verbotenen Graden der Verwandt- 
schaft wurden strengstens verpönt.^) Bischof Michael wohnte auch 
im J. 952 der Synode zu Augsburg bei, vielleicht wieder in Be- 
gleitung böhmischer Geistlicher. Es wurde hier promulgirt, dass 
Geistlichen das Wohnen mit Frauenspersonen, Jagd und Würfel- 
spiel streng verboten und dass ein Beweibter, der eine 
heilige Weihe besitze, seines Amtes zu entsetzen sei. 
Dezimationsstreitigkeiten sollten vor das Forum des 
Bischofs^gehören,'-^) Wir führen diese Bestimmungen aus dem 
Grunde an, weil sie auch für unser Vaterland Böhmen massgebend 
sein mussten. Im J. 958 fand neuerdings eine Synode von 41 Bi- 
schöfen zu Ingelheim statt, an der gewiss auch Bischof Michael 
sich betheiligte. Sicher befand er sich im J. 962 mit Kaiser 
Otto I. auf der Synode zu Kom.^) Er starb im J. 972,'*) und es 
folgte ihm 

i) der h. Wolf gang in der bischöflichen Würde nach. Dieser 
„hellste Stern des Jahrhunderts" ^) stammte aus einer an- 
sehnlichen Familie in Schwaben. Als Jüngling hatte er seine erste 
wissenschaftliche Bildung im Kloster Reichenau und später in 
Würzburg erhalten. Als sein Verwandter Heinrich den erzbischöf- 
lichen Stuhl zu Trier bestieg, ward auch Wolfgang beredet, in 
diese Stadt zu ziehen: doch erwählte er sich unter den angebote- 
nen Schätzen und Ehren — lediglich das Amt eines Lehrers der 
Kleinen, die er sofort ebensowohl in der .Heiligkeit als in der 



') Annalista Saxo ad h. a. Dobn. mmol. IV, 67 cit. Frodoard und die Con- 

ciliarakten bei Lambecius und Conc. Germ. IL 610. 
-) Dobn. ann. IV, 90. cit. Hermann : Contractus et vita S, Udalrici apud Ma» 

billon; Goncil. Germaniae IL p. 622. 
3) Dobn. ann. IV. 117 u. 130. 
■*) Necrol. Fuldense cit. bei Dobn. ann. IV, 203, 
5j Fleury: Jdst. eccl XIII, 522, 



46 

Wissenschaft lieranziibildeii bemüht war. Nach Heinrichs Tode zog 
ihn der heil. Bruno, Erzbischof von Köhi, in seine Nähe. Alle 
"Würden verschmähend, erbat er sich hier die Freiheit, fortan im Klo- 
ster zu Einsiedeln als armer Mönch leben zu dürfen. Doch erhob ihn 
seine hohe Bildung in Kurzem zum Lehrer der dortigen Kloster- 
schule, welche durch ihn einen ausgebreiteten Ruf gewann. Da 
wollte er um 970 seinem Ruhme dadurch entfliehen, dass er als 
Glaubensprediger zu den Magyaren zog. Ein wenig befriedigender 
Erfolg führte ihn von da nach Passau zurück, von wo er wieder 
zurückeilen wollte in seine klösterliche Einsamkeit. Da ereilte 
ihn zu Passau die einstimmige Wahl des Kaisers sowie des 
Klerus und Volkes : — widerstrebend musste er den bischöflichen 
Stuhl zu Regensbnrg besteigen. Wie er hier selbst bis zu 
seinem Tode Kleid und Sitte des armen Klosterbruders be- 
wahrte und unermüdlich war in Werken der Frömmigkeit und 
Selbstverleugnung: so suchte er auch nach Aussen in jeder Weise 
frommen Sinn und christliche Sitte zu fördern. Nach allen Rich- 
tungen seine weite Diöcese durchwandernd, ward er überall der 
Wiederhersteller klösterlicher Zucht und der eifrigste Lehrmeister 
für Klerus und Volk. Eigenen Vortheils gedachte er nie. So 
entsagte er freudig der guten Sache zu Liebe dem Einkommen 
des Klosters S. Emmeram, welches seine Vorfahren bisher genos- 
sen hatten; und um auf Otto L Fürsprache der jugendlichen 
Kirche Böhmens ein nachhaltiges Gedeihen zu sichern, willigte er 
eben so bereit in die Errichtung des prager Bisthums ein. Mitten 
in seinem h. Wirken rief der Todesengel den edelsten und frömm- 
sten Bischof zur himmlischen Vergeltung — am 31. Oktober 994. 
Er starb zu Puppingen in Oesterreich. Den durch zahlreiche 
Wunder Verherrlichten setzte Papst Leo IX. 1052. unter die Zahl 
der Heiligen Gottes.') 

§. 14. Ritus in Böhmen. 

1. Die Frage nach dem ursprünglichen Ritus in Böhmen ge- 
winnt _ eine besondere Wichtigkeit durch den Umstand, dass spä- 
terhin die akatholische Partei in Böhmen ihren Widerwillen 



') Mabill. saec. V. Beneil. 241 etc. Vit. saec, V. Benecl. 812 etc. Martyr. 
Rom. 31. Okt. 



47 

gegen die heil. Kirche (heilweise auf die Behauptung stützte, erst 
Mlada, die Schwester Boleslaws IL, habe den römi- 
schen Ritus in unser Vaterland gebracht, der sofort von 
den auf einem Landtage versammelten Geistlichen und Edeln an- 
genommen worden sei; das Volk aber habe den alten sla- 
wischen Ritus durch alle Jahrhunderte im Stillen 
bewahrt, bis endlich die Imsitische Bewegung denselben wieder 
zur Geltung brachte.') Wenn aber, wde bisher nachgewiesen wurde, 
die Idrchliche Jurisdiktion der Bischöfe von Regensburg vom ersten 
Anfange an unbestritten und ununterbrochen bis zur Errichtung 
eines eigenen Bisthums in Böhmen bestanden hat: so ist eigent- 
lich in Vorhinein kaum ein Zweifel mehr übrig, dass in unserem 
Vaterlande auch der lateinische Ritus der römischen Kirche ur- 
sprünglich und ausschliesslich zu Hause war. Einen andern konnten 
ja die von Regensburg aus jurisdiktionirten Priester nicht ins 
Land bringen, und einen anderen würden die Bischöfe von Regens- 
burg nimmer geduldet haben, da diese gewiss auf ihre Rechte 
nicht w^eniger eifersüchtig waren, als ihr Metropolit zu Salzburg 
und ihr Konprovinziale von Passau in Bezug auf Mähren und 
Pannonien. Am allerwenigsten aber darf es dem heil. Methudius 
zugemuthet werden, dass er ^— der unbestritten heilige Mann — 
ohne eine ähnliche Authorisation, wie er sie bezüglich des mäh- 
risch-pannonischen Sprengeis vom Papste selbst überkommen hatte, 
irgend welche Rechte auf entschieden fremdem Gebiete in Anspruch 
genommen, und somit ein schweres Unrecht gegen einen benach- 
barten Bischof sich erlaubt habe. Zum Ueberflusse ist das 
ruhige Schweigen des regensburger Oberhirten ein 
beredtes Zeugniss gegen einen derartigen Verdacht. 
2. Aus der altslawischen Wenzelslegende,-) die sogar in die 
Zeiten Boleslaws L hinaufreichen soll, erfahren wir ganz genau, 
was für Priester unser Vaterland nach der Taufe Boriwojs .besass. 
Dort wird von dem heiligen Jünglinge Wenzel berichtet, „dass 
er lateinische Bücher zu verstehen begann, sowie ein 
guter Bischof oder Priester." Auch wird gesagt, dass seine 
Grossmutter Ludmila „ihn in slawischer Schrift unterrichten 



') So Paulus Stransky c. 6, num. 4, oline Angabe irgend einer altern Quelle. 
-) Wattenbach: slawische Liturgie in Böhmen, S. 234 etc. 



48 

Hess, wie einen Priester." Demzufolge miisste damals ein 
Priester in Böhmen unbedingt die lateinische Sprache verstehen, 
die ihm doch völlig überflüssig gewesen wäre, wenn der Ritus 
nicht eben, der lateinische war. Obendrein kann es nichts weniger 
als gleichgültig erscheinen, dass die öffentliche Schule, wo der 
heilige Prinz die lateinische Sprache, „wie ein guter Bischof oder 
Priester" erlernte, zu Budec, also mitten im Herzen des Landes 
sich befand, und dass sein dortiger Lehrer ünego wahrscheinlich 
ein Slawe war.') Allerdings musste ein Priester in Böhmen zu- 
gleich auch in der slawischen Sprache gewandt sein und insbeson- 
dere in der slawischen Schrift; jenes um das Wort Gottes frucht- 
bringend zu verkünden, und dieses, um die gewiss schon üblichen 
Perikopen der heiligen Bücher (muthmasslich sogar die vom heil. 
Cyrillus) vorlesen und andere in ihrer Lesung unterrichten zu 
können.^) 

3. Als angeblichen Beweis für das Bestehen des slawischen 
Ritus in Böhmen hat man das alte Kirchenlied „Gospodi po- 
mi.luj ny" angeführt, das in seinen Wortformen kirchenslawisch 
sein soU.^) Dieses Lied hat sich in seiner Gänze sogar bis auf 
die Gegenwart erhalten, während ehedem der Endrefrain desselben, 
das dreimalige Krlei (statt Kyrie eleison) ebenso als allgemeiner 
Freudenruf bei feierlichen Anlässen, sowie als Kampfgeschrei in 
offener Feldschlacht üblich war. Zum eigentlichen kirchlichen 
Ritus hat aber dieses Lied in den ältesten Zeiten eben so wenig 
gehört, wie heute irgend ein anderes Lied, das vom Volke wäh- 
rend des h. Messopfers abgesungen wird. Es könnte also höchstens 



') Beide Umstände führt die vita et jpassio JB. Weneeslai M. (angeblich) von 
Bischof Hyzo ausdrücklich an. 

2) Seltsamer Weise hat Wattenbach (slawische Liturgie in B. S. 224) nur 
die Stelle vom slawischen Unterrichte des heil. Wenzel berücksichtigt 
und versteigt sich in Folge dessen zu der Behauptung: das Bestehen des 
slawischen Ritus in Böhmen wäre sicher gestellt, wenn die Echtheit dieser 
Stelle zugegeben würde. Ihm scheint also in dieser Stelle das gewichtigste 
Argument für die fragliche Sache zu liegen. Am Ende nur desshalb fühlt 
er sich (S. 232) gedrängt, zum Schlüsse die Sache als noch unbewiesen hin- 
zustellen, weil er an jener" Echtheit zweifelt. Wir aber lesen in der an- 
gezogenen altslawischen Legende nur einige Zeilen weiter und kommen 
so gerade zu einem entgegengesetzten Resultate. 

3) Wattenbach 1. c. S. 225. Palacky I, 155. 



49 

für ein ehemaliges Verstänclniss der slawischen Kirchensprache in 
Böhmen Zeugniss geben. Aber konnte dazu nicht schon die ursprüng- 
lich viel nähere Verwandtschaft derselben mit der alt-böhraischen 
Sprache und die wohl zu allen Slawen gedrungene Kenntniss der 
nichtrituellen Schriften des h. Cyrillus, der einzigen slawischen 
christlichen Literatur jener Zeit, genügen? Zudem wissen wir ja, 
dass jenes Lied erst durch den heiligen Adalbert in unser 
Vaterland gekommen ist. Dieser h. Bischof, dem gewiss Niemand 
einen andern, als den lateinischen Ritus zumuthen wird, galt sogar 
ziemlich allgemein als Verfasser des lieblichen Liedes ; ^) wahr- 
scheinlicher aber hat er es bei Gelegenheit seiner ersten Heimkehr 
von Rom aus den südslawischen Ländern mitgebracht,^) wo da- 
mals das Kirchenslawische Volks- und Ritussprache zugleich war. 
Es kann also für die fragliche Sache nicht im Geringsten als Be- 
weis dienen. Ebenso wenig Gewicht hat das angebliche Haupt- 
zeugniss für das ursprüngliche Bestehen des slawischen Ritus in 
Böhmen: der Umstand nämlich, dass späterhin (um 1012) der h. 
Prokop in der cyrillischen Schrift vollkommen unterrichtet 
war. Wir leugnen eben — wie schon erwähnt — nicht im Ge- 
ringsten ein ursprüngliches Verständniss der' (nichtrituellen) Werke 
des Mährenapostels in Böhmen, es musste dies vielmehr für die 
Priesterschaft sehr nützlich und fast unerlässig sein. Aber „cyril- 
lische Schrift" ist für uns nicht gleichbedeutend mit „Allem, 
was zum Gottesdienste nach diesem Ritus gehörte."^) 
Gerade die Thatsache, dass nachher im Kloster Prokops nicht der 
cyrillische (oder besser methudische), sondern der griechisch-sla- 
wische Ritus eingeführt wurde, spricht gegen eine solche Annahme. 
Es gewinnt dadurch die zuerst .von Dobrowsky aufgestellte Mei- 
nung hohe Wahrscheinlichkeit: Prokop habe nämlich die neue Li- 



') So die uralte Tradition, welche dieses Lied das des h. Adalbert nannte. So 
auch Dobner in seinen Annal. IV, 253 und Voigt in seiner Abhandlung 
vom Kirchengesange in Böhmen (Abhandlungen einer Privatgesellschaft in 
Böhmen I, 210) u. a. m. 

*) Vgl. Forsst: Leben des h. Adalbert. Manuskript der Üniversitäts-Bibliothek 
in Prag XI, A, wo erzählt wird, S. Adalbert habe die Erlaubniss aus 
Rom mitg^ebracht, dieses Lied auch in Böhmen zu singen. 

3) An diese ' Gleichheit glaubt Wattenbach: slaw. Ritus in Böhmen, S. 227. 

4 



50 ^ 

turgie zugleich mit den fremden liroatischen Mönchen in das Klo- 
ster Sazawa aufgenommen. 

4. Endlich kann ja gar nicht zugegeben werden, dass die Li- 
turgie des b. Methud ein eigenthümlicher neuer "Ritus war: viel- 
mehr war es entschieden die römische Messe, die seine Priester 
feierten, und das römische Brevier, das man in seiner Diöcese 
betete, und das r ö m i s ch e Ceremoniale, das bei der Ausspenduug 
der hh. Sakramente üblich war, — nur dieses Alles in slawischer 
Sprache. Den heiligen Metropoliten, der in Rom zum Bischöfe 
geweiht, und von Rom .aus für den pannonisch-mährischen Spren- 
gel jurisdiktionirt — allezeit im treuen Anschlüsse an die römische 
Kirche verharrte, hatte zu jener slawischen Neuerung, die noch 
überdiess im J. 880 die vollste Approbation des päpstlichen Stuhles 
erlangte, einerseits die mangelnde lateinische Bildung seiner Geist- 
lichkeit und andererseits die Hoffnung eines besseren Erfolges im heil. 
Werke der Slawenbekehrung gedrängt.^) Seine liturgische Ordnung 
hat sich als römischer Ritus in altslowenischer Sprache 
bis auf die Gegenwart in den glagolitischen Kirchengemeinden der 
römisch-katholischen Diöcesen von Veglia, Zara, Spalato und Se- 
benico erhalten.^) Im alten Mähren aber bestand sie unleugbar 
nur mit und neben der älteren lateinischen Liturgie ; denn that- 
sächlich war Methud^ Suffragan zu Neutra, Bischof Wiching, als Deut- 
scher in seinen liturgischen Verrichtungen ein treuer Anhänger der 
lateinischen Sprache. Ueberdiess war bekanntlich der mährische 
Fürst Swatopluk von allem Anfange her kein Freund der slawischen 
Neuerung, und begünstigte entschieden den lateinischen Klerus."*) 
Somit kann nicht einmal mit Sicherheit behauptet werden, dass 
die im Gefolge Bofiwojs nach Böhmen kommenden slawischen 
Priester der slawischen Liturgie huldigten. Diess eben um so we- 
niger, als dieselben vom Hofe Swatopluks kamen. Endlich wurden 



1) Vgl. Wattenbacli slaw, Liturgie S. 227. Ginzels Geschichte der Slawen- 
apostel, S. 139 etc. 

*) Das Nähere ist in Ginzels Geschichte der Slawenapostel 56—83 historisch 
nachgewiesen. 

3) Ein authentisches Verzeichuiss der glagolitischen Gemeinden von 1857 
bringt Ginzels Geschichte der Slawenapostel im Anhange III. 

*} Vgl. ebendaselbst S. 83 etc. 



51 

nach Methiids Tode im J. 886 alle geistlichen Schüler des grossen 
Slawen apostels, an 200 an der Zahl, durch Militärmacht aus den 
mährischen Landen bis über die Donau geschafft, von wo sie sich 
sämmtlich nach der Bulgare! wandten.^) Fortan war ein Aufkom- 
men der methudischen Liturgie in Böhmen schon gar nicht mehr 
möglich.^) 



II. Zeitraum. 

Die jugendliche Kirche Böhmens im siegreichen Kampfe mit den 
Ueberresten des alten Heidenthmns. 

§.15. Die Errichtung des Bisthums in Prag. 

1. Das Volk der Böhmen „war allerwärts im christlichen 
Glauben unterrichtet und hatte — wenn auch hin und wieder mit 
einiger Lauigkeit — die alten Götzenbilder beseitigt; aber eines 
eigenen Oberhirten entbehrend, hatten sie noch nicht gelernt, die 
neue Lehre auch im Leben zu üben." ^) Noch bewahrte man an 
vielen Orten wenigstens insgeheim eine grosse Anhänglichkeit an 
die falschen Nationalgottheiten, begrub die #Todten gern in den 
früheren heiligen Opferhainen und beging für dieselben die alten 
heidnischen Trauergebräuche.'*) Die Ehe wurde noch vielfach nach 
heidnischer Sitte als eine auflösbare Verbindung angesehen und 
leichtfertig wieder getrennt. Man achtete dabei auch sehr wenig 



*) Ebendaselbst S. 94. cit. vita Glementis c, 11 — 14. 

^} Ign. Job. Hanus bat in seiner Ausgabe des „bulgar. Möncbs Cbrabru" (Ar- 
chiv für Kunde österr. GescMchtsquellen, 23. Bd. 1. Abth.) bewiesen, dass 
Cyrill der Erfinder des heutigen glagolitischen Alphabets war ; sonach war 
also der jetzige glagolitische Ritus gewiss auch der Ritus der beiden Sla- 
wenapostel. (Vgl. ebend. S. 6, 13, 15, 22, 24—30, 35, 39, 44—46.) Das wich- 
tigste Zeugniss, das Hanus anführt, ist das des Cbrabru selbst aus dem 
9. und 10. Jahrhundert, der von Cyrill die Erfindung einer Schrift erzählt, 
die geradezu nur die heutige glagolitische sein kann. (S. 45.) 

3) Vita S. Wölfgangi bei Mabillon p. 986. 

*) Cosmas a. a. 1039. Vgl. diessfalls auch die weiter unten behandelten Sy- 
nodalstatuten der ersten Bischöfe Böhmens. 

4* 



62 

das kirchliche Hinderniss naher Blutverwandtschaft, ') und selbst 
Vielmäniierei und Vielweiberei traten nicht eben selten zu Tage.®) 
Nicht einmal die Geistlichkeit achtete ohne Ausnahme die Tugend 
der Keuschheit^) und gegen alle Verbote der frühem christlichen 
Jahrhunderte'*) gab es Verheiratete und sogar Wiederholtverheira- 
tete in ihrer Mitte. ^) Den christlichen Lehren zum Trotze hielt 
man noch an der grausamen Blutrache fest und verschonte nicht 
einmal die Gotteshäuser mit blutigen Gräueln.'') Die Sklaverei be- 
stand noch immer im Lande ') und zahlreiche Christenkinder waren 
eine verkäufliche Waare in den Händen der Juden. ^) Auch die 
Trunksucht herrschte vielfach unter dem Volke und ward nicht 
selten die Veranlassung zu den traurigsten Verletzungen des christ- 
lichen Gesetzes.^) Alle diese Gebrechen mussten hoch geheilt und 
an ihrer Statt ein Leben im Sinne der heiligen Lehre Jesu zur 
allgemeinen Geltung gebracht werden. 

2. Zu diesem Ende schien vor Allem die Errichtung eines 
eigenen Bisthums im Lande unerlässlich ; denn ein Oberhirt ausser- 
halb des Landes und in weiter Entfernung konnte unmöglich alle 
nöthige Aufsicht üben und die volle Kraft seines Amtes handha- 
ben. Um aber die Errichtung eines eigenen Bisthums zu ermög- 



') Erben reg. p. 33. Wattenbach, Beiträge p. 51. Vgl. die nachfolgenden 
Statuta synoäalia. 

*) Cosmas, Vita 8. Ääalberti: Buxerat Mc ternas uxores, iste quaternas^ foe- 
mina nee solo contenta marifo. 

3) Statuta Synodälia in Höflers GonciUa Pragensia, Einleitung p, VIII & IX. 

*) Ejpiscopi, presbyferi, diaconi aut virgines eligimtur aut vidui, aut Gerte post 
saeerdotium in aeternum pudicL S. Hieron. ad Pammach. Djess war die 
alte kircblicbe Praxis in der Aufnahme zum geistlichen Stande. Im J. 400 
wurde gegen den Bischof Antoninus von Ephesus (also sogar im Oriente) 
unter die Anklagepunkte auch dieser aufgenommen, dass er nach seiner 
Priesterweihe noch immer mit seiner Frau eheligen Umgang gepflogen 
habe. (Buse, Panlinus p. 199.) Die Conciliarbeschlüsse von Elvira 305, 
Neu-Cäsarea 314, Ancyra 314, Toledo, Pavia 1012 gegen die Priestei'ehen 
sind bekannt, 

^) Cosmas, Vita S. Adalb. : „Sacris altaris ministris connuhia muUa." 

^i Vgl. das traurige Ereigniss mit dem Geschlechte der Wrsowecen im J. 995. 

') Vgl. das Leben des h. Wenzel," 

^) Cosmas: Vita S. Adalbevti. 

^) Ebend. Vgl. auch die spätem Statuta Synodälia und die Verordnungen 
des Bischofs Severus. 



53 

liehen, miissten sich die rastlosen Bemühungen des frommen Her- 
zogs Boleslaw 11. mit der edlen Opferwilligkeit der Bischöfe von 
Eegensburg vereinigend) Gleich nach dem Tode Boleslaws I. 
(t 15. Juli 967) brachte Mlada (Maria), die fromme Schwester des 
neuen Herrschers, die Bitten ihres frommen Bruders nach Rom.^) 
Es gab da überaus Vieles zu regeln und zu ordnen. Das neue 
Bisthum sollte eben alle Länder Boleslaws IL umschliessen, also 
ausser dem bisher zu Regensburg zugetheilten Böhmen auch noch 
die nördlichen Gebiete des alten mährisch-pannonischen Sprengeis. 
Ferner war den bischöflichen Mutterkirchen vielfältig Ersatz zu 
leisten für die Kirchen, die sie in den bezeichneten Ländern auf 
eigene Kosten erbaut, für die Pfarreien, die sie fundirt, und für 
Zehent- und andere Rechte, die sie nebst liegenden Gütern da- 
selbst erworben hatten. Endlich sollte die neue Diöcese nicht zur 
Metropolie von Salzburg, wie bisher Regensburg, sondern zum erz- 
bischöflichen Sprengel von Mainz gehören als Ersatz für den 
Verlust, den letzterer soeben durch Errichtung des Erzbisthums' 
Magdeburg erlitten hatte. ^) Die opferwillige Gesinnung aller Be- 
theiligten brachte die Verhandlung schon im J. 972 zum Abschlüsse. 
Bevor Papst Johann XHL aus diesem Leben schied (f 6. Sept. 972) 
konnte er dem edeln Herzoge Böhmens in einem freundlichen 
Schreiben die Erfüllung seines Ansuchens melden *) (die Confirma- 
tion selbst geschah erst durch seinen Nachfolger Benedikt VL), 
und auch der grosse Kaiser Otto konnte noch vor dem Ende seiner 
Tage (t 7. Mai 973) die heilige Stiftung bestätigen. So ward 
das Bisthum in Prag gleichsam ein letztes Vermächt- 



') Gegen das vielseitig behauptete Widerstreben des Regensburger Bischofs 
Michael — angeblich bis zu seinem im Jahre 972 erfolgten Tode — spricht 
die Unmöglichkeit, dass dann das langwierige Geschäft einer Bisthums- 
stiftung noch vor dem 7, Mai 973 (dem Todestage Otto L) geordnet hätte 
werden können, üeberdiess muss die Einwilligung Johann XIII. wenig- 
stens schon in das Jahr 972 gesetzt werden, da dieser Papst schon in dem- 
selben Jahre gestorben ist. 

^) Cosmas. 

^) Damberger: synchr. Gesch. V. 189. 

^) Das Schreiben Johann XIII. an Boleslaw bei Cosmas. Menken scr. III. 
1641. Ännal. Sax. a 967 u. A. Ginzels Geschichte der Slawenapostel 
weist dessen wesentliche Echtheit nach. 



54 

niss der beiden Häupter der Christenheit an unser 
Vaterland.') 

3. Von erstaunlichem Umfange war der neue bischöfliche 
Sprengel. Ausser dem eigentlichen Böhmen mnfasste er im Süd- 
osten nicht allein Mähren, sondern auch die ganze Slowakei im 
nördlichen Ungarn bis an die Donau und das Matragebirge hin; 
dann das heutige Galizien bis an die Flüsse Bug und Stry in der 
Gegend von Lemberg, die Landschaft am Bug hinab bis in die 
heutige Wojwodschaft Podlachien, alles Land von da bis an die Oder 
zwischen Breslau und Glogau, und endlich noch das ganze übrige 
Schlesien am linken Ufer der Oder.*) Es war diess eben der 
Umfang des böhmischen Reiches in jener Zeit. Die nachfolgenden 
Ereignisse haben den Besitz unserer Landesfürsten bedeutend ge- 
schmälert, und die nothwendige Stiftung neuer Bisthümer im 
Norden und Osten unseres Vaterlandes hat allraälig auch die Diö- 
cese von Prag auf Böhmen und die nachmals schlesische Graf- 
schaft Glatz beschränkt. 

4. Grossartig wie der Umfang des Bisthums war auch die 
Dotation des Bischofs, so dass dieser als ein wahrer Fürst 
neben dem Fürsten des Landes förmlichen Hof hielt und eine 
zahlreiche von ihm belehnte Ritterschaft in Krieg und Frieden zu 
seinem Gefolge zählte. Nach Cosmas war Alles, was das Bisthum zu 
seiner Zeit (um 1125) besass, schon- von Boleslaw IL dem h. Adal- 
bert als herzogliche Schenkung — und vielleicht auch zum Theile 
als beigefügtes Familiengut des h. Bischofs, — bestätigt worden. 
In dieser Zeit des Cosmas aber gehörten den Bischöfen unzwei- 
felhaft schon die grossen Besitzungen von Bischofteinitz und Bi- 
schofi'eöic, die von ihnen den Namen erhielten, von Bokycan, Raud- 
nitz und Ziröinewes (in der Nähe von Königinhof). Allmälich kamen 
neue Güterkomplexe dazu, und zwar um Prag, Bürglitz und Zdic, PM- 
bram, Moldauthein, Chynow, Böhmischbrod, Laun, Leitmeritz und 
Teplitz, nebst Gütern in Mähren und Baiern; im Ganzen bis 1421 
neunzehn grosse Herrschaften, ungerechnet die kleineren Güter. 



') Die Bischöfe von Regensburg erhielten als theilweise Entschädigung durch 
Otto IL Vermittlung (vgl. §. 12, n. 5) einige ansehnliche Güter in Böhmen. Als 
solches wird insbesondere Koni gswartvombairischenChronistenKales genannt. 

2) Palacky, Geschichte I. 226. Diesen Umfang bestätigt das Confirmations- 
diplom K. Heinrich IV. vom Jahre 1086 bei Cosmas. Siehe den Anhang. 



55 

Ausserdem gehörte den allgemeinen Kirchengesetzen gemäss auch 
der Zehent von allen Landfrüchten der Diöcese — und zwar ur- 
sprünglich 100 Garben und später 2 Hetzen G-etreide von jedem 
Püugmasse Ackers — ,') und nach der besonderen Sitte unseres 
Landes auch die Abgabe der sogenannten Rauchpfennige zur 
Dotation des prager Bisthums.^) 

5. Die grossen Besitzungen der Bischöfe von Prag hatten 
nicht bloss den Zweck, das Ansehen der geistlichen Oberhirten 
des Landes in den Augen des Volkes und Adels möglichst hoch zu 
stellen ; es ist auch bekannt, dass die Bischöfe nach den allgemeinen 
Gesetzen der Kirche geradezu den grössten Theil ihres Einkom- 
mens dazu benützen sollten und wirklich benützten, um Kirchen 
und Geistlichkeit mit allem Nothwendigen zu versehen und insbe- 
sondere auch füi' die allgemeinen geistlichen Bedürfnisse des Landes 
entsprechend zu sorgen.^) Es lag in der Natur der Sache, dass 
namentlich die unmittelbaren Besitzungen des Bischofs diessfalls 
einer besonderen Fürsorge sich zu erfreuen hatten, und dass in 
Folge dessen gerade hier die grosse Aufgabe dieser Zeit — der 
heilige Kampf gegen die Ueberreste heidnischer Sitten — zu einem 
glücklichen Ende gedieh. Im Uinkreise der jetzigen Diöcese Leit- 
meritz gehörten zu diesen letzteren die nachfolgenden Seelsorgsta- 
tionen. 

a) Gastorf (Hostka), Robic, Wetla (Wettel), Tuhan 

und Blizwedly (Bleiswedel). Diese Orte waren wahrscheinlich 

. bereits zur Zeit der Entstehung des Bisthums Bestandtheile der 

bischöflichen Herrschaft Raudnitz^) und erhielten wohl auch schon 

frühe durch die Fürsorge ihrer hohen Patrone eigene Seelsorger. 



») Tomek, Gesch. Prags. S. 78 u. 79. Palacky III. 2. 219. 

^) Die Rauchpfennige waren von den Seelsorgern bei Gelegenheit der Haus- 
visitation (am Feste Epiphaniae) nach der Zahl der Rauchfänge zu erhe- 
ben und bei Gelegenheit der jährlichen Synodalversammlung an den Bischof 
abzutragen. (Laut Anordnung des Bischofs Ekhard v. J. 1023.) Später 
ging diess Einkommen als Theil der Collecta (Koleda genannt) an die 
Seelsorger und von diesen häufig an die Schullehrer über. 

3) Tomek, Gesch. Prags I. 78 u. 79. Fessler, Gesch. der Kirche p. 270. Die 
meisten der obigen Bareinkünfte wurden alsbald den Seelsorgdotationen 
zugewendet. Vgl. vorige Note. 

4) Hierher gehörte später auch das jetzt verschollene Schloss Helfenburg — 
muthmasslich die jetzige Affenburg (Hrädek) bei Auscha. 



56 

Wenn es begründet ist, von dem Reichthum einer Kirche auf ihr 
Alter zu schliessen, welches allerdings in Ermangelung anderer 
Nachrichten den allmäligen Anwuchs eines bedeutenden Vermö- 
gens am besten erklären kann: so sind Gastorf, Robiö und Wettel 
entschieden die ältesten Landkirchen des nachmaligen leitmeritzer 
Dekanates, indem sie im J. 1384 in der weiten Umgegend den 
höchsten Kirchenzehent mit dem halbjährigen Betrage von je 27 
(Wetla mit 24) böhmischen Groschen zu entrichten hatten. Da- 
mals betheiligte sich Tuhan mit 18 und Bli^wedly mit 9 böhm. 
Groschen.') Gastorf erhielt im J. 1266 durch Vermittlung des da- 
maligen Bischofs Johann IIL*) und Blizwedly im J. 1296 auf Ver- 
wendung des Bischofs Tobias '') die Marktgerechtigkeit. Die oben 
genannten Orte blieben bis zur Husitenzeit im ununterbrochenen 
Besitze der geistlichen Oberhirten unseres Vaterlandes.*) Nur 
Wettel gelangte 1.S.32 durch den Erzbischof Johann IV. in den 
Besitz des von diesem gestifteten Klosters der regulirten Augusti- 
nerchorherren in Raudnitz.^) 

h) Die S. Adalbertskirche in der Vorstadt Zasada zu 
Leitmeritz oberhalb des bereits erwähnten S. Adalbertibrunnens, 
deren selbstständige Seelsorger nebst wenigstens einem Altaristen 
in den Confirmationsbüchern wiederholt erwähnt werden,®) gehörte 
gleichfalls zum Patronate des jeweiligen prager Bischofs, dessen 
Vorfahren wahrscheinlich in unbekannter Zeit dieses Gotteshaus 
zum Andenken ihres heiligen Vorgängers gegründet hatten. Im 
J. 1337 gelangte das Patronat zugleich mit den nahen Ortschaften 
Smolnic (jetzt unbekannt), Hlinna (Hliney), Babin (Babina), 



') Vgl. das Register der Kirchenzehenten, welche 1384 in Folge päpstlichen 
Auftrags an den König Wenzel IV. zur Unterstützung eines projektirten 
Römerzugs zu verabfolgen waren. Balbini Miscell. hisi. Bohem. lib. V. 
p. 9 — 37. Original-Manuscr. in fürst-erzbisch. Bibliothek in Prag. 

^) Sommer: Leitmeritzer Kreis. « 

2) Balb. litt. puMicae, p. 22. 

4) Nach den in der Prager erzbisch. Bibliothek aufbewahrten Confirmations- 
biichern(von 1358 — 1419), den Originalprotokollen aller geistlichen Anstellun- 
gen jener Zeit, übten die Erzbischöfe ihr Patronatsrecht aus: für Gastorf 
in den Jahren 1358, 1361, 1365, 1874 u. 1403; für Robiö 1374, 1419; für 
Tuhaii 1363, 1871, 1377, 1418; für Blizwedly 1404. 

5) Vgl. Palacky: Archiv öesky, I. 503. 

6) 1363, 1366, 1370, 1394, 1402, 1417. 



57 

B f e z i (wahrscheinlich Priesen auf der Domaine Lobositz) und Z b u- 
dow (Pudova) an das neugestiftete Lateranenserkloster zu Baud- 
nitz;') von dem es um 1363 an die Herren von Wartenberg zu 
Tetschen und um 1394 an die Herren von Kamyk auf Pokratic 
überging.^) Dagegen verblieb ein Weinberg (Chlistnowska) bei 
Leitmeritz bis 1424 im Besitze der geistlichen Oberhirten unseres 
Vaterlandes.^) 

c) Poöedelic, jetzt eine Filiale von Koschow, Obora bei 
Laun und Wtelno bei Brüx, beide jetzt noch selbstständige 
Seelsorgstationen sind ebenfalls uralte Patronatpfarren der Bi- 
schöfe von Prag gewesen. Ihr hohes Alter geht aus dem Um- 
stände hervor, dass Poöedelice (damals zum Schlauer Dekanate 
gehörig) im J. 1384 als Halbjalu-szehent den ungewöhnlich hohen 
Betrag von 24, Obora (damals zum Dekanate von Saaz gerechnet) 
die ebenfalls nicht geringe Leistung von 15 und Wtelno (zum Bi- 
liner Dekanate zugehörig) den Betrag von 12 prager Groschen zu 
entrichten hatten.'*) Obora war, zugleich mit dem nahen Orte 
WrSowice, dem Markte Slawetin und der Hälfte des Pfarrortes 
BlSany (Flöha im alten Dekanate Eakonic) erst um 1268 durch 
Tausch in das Eigenthum der prager Bischöfe gelangt.^) Dagegen 
scheinen Pocedelice (mit Weltöz) und Wtelno viel früher schon 
zur bischöflichen Kammer gehört zu haben.*') 

d) Zu den erwähnten Besitzungen des prager Bisthums kam 
1335 noch durch Kauf das Gut Greiersberg oder Suplhora (seit- 
dem auch Bischofsberg genannt) bei Graupen mit den Ortschaften 
Sobechleby (Sobochleben), Marsow (Marschen) und ünöin 
(Hohenstein).') Vordem schon hatte der Bischof Johann IV. in 



') Tomek, Gesch. Prags, I. 409. 

*) Libri confirmationum ad 1363 — 1394, 1394 — 1417. Libri erectionum (die 
Originalstiftungsbücher jener Zeit 1358—1420, 13 Foliomanuscripte des Pra- 
ger Domkapitels) XIII. J. 9. Excerpirt von Baibin Mise. 

^) Derselbe wurde 1424 vom apostasirten Erzbischof Konrad um den Preis 
von 100 Schock an Racek von Kojsic veräussert. (Palacky, Ai'chiv I. 406.) 

*) Register der Kirchenzehenten von 1384 bei Baibin, 

5) Tomek, Gesch. Prags I. 407, cit. eine Urkunde des Prager Domkapitels. 

^) Vgl. ebendaselbst I. 410. Confirmationsakte, wobei die Prager Metropoliten 
als Patrone genannt sind, finden sich in den libns confirmationum für Po- 
öedelice 1411 und 1415, Obora 1415 und für Wtelno 1413. (Libr, conf.) 

') Tomek, Gesch. Prags I. 409. Die Burg Geiersberg (in den husitischen 



5$ 

dieser Gegend das Gut und die PfarrkoUatur Tuch omy§l(Scliönfeld) , 
das Pfarrdorf M o dl any und die jetzt zum Dominium Kulm gehörigen 
Ortschaften L ch öi c (LochtscMtz), Habf i (Habrschie), Hotowic 
(Hottowitz) und Sobödruh (Soborten) besessen, dieses Gebiet 
aber um 1332 dem von ihm gestifteten Kloster Raudnitz einver- 
leibt. Im J. 1337 tauschte derselbe diese Dorfschaften gegen an- 
dere (?) zwischen Leitmeritz und Aussig wieder ein, und vereinigte 
sie mit dem bischöflichen Gute Geiersberg.') Im J. 1384 entrichtete 
Tuchomysl 6 und Modlan 9 böhm. Groschen als halbjährigen Kir- 
chenzehent für die Römerreise Wenzels IV. ^) Dieser verhältniss- 
mässig geringere Beitrag lässt vermuthen, dass beide Pfarrbenefi- 
zien kaum vor die Zeit des bischöflichen Besitzes zurückreichen 
dürften. 

e) Unmittelbar vor der husitischen Bewegung (wie lange 
auch vorher schon, ist nicht zu ermitteln) besassen die Oberhirten' 
Böhmens auch das alte Pfarrdorf Zeröice, das jetzige Zemöin 
auf der Herrschaft Dobrowitz im bunzlauer Kreise, welches der 
Erzbischof Ernest neu wieder auf erbaut hatte, ^) nebst den benach- 
barten Dörfern Kobylniky und Öizowka, letzteres auf der je- 
tzigen Domaine Bfezno. Im J, 1384 zahlte Zeröice die damals 
hohe Summe von 21 b. Groschen als halbjährig^.n Kirchenzehent 
ab.*) Um das J. 1420 verpfändete der Erzbischof Conrad diese 
ganze Besitzung, um 300 Schok an Janek von Jestörb.^) Bei einem 
so bedeutenden Grundbesitze innerhalb der jetzigen Diöcese von Leit- 
meritz hat für diese die Geschichte der Bischöfe von Prag ausser 
dem allgemeinen auch noch ein besonderes lokales Interesse.^) 



Unrulien dem Bisthume entfremdet) ward 1526 durch, eine aus Unvorsich- 
tigkeit entstandene Feuersbrunst eine Ruine, Vgl. Sommer: Leitm. Kr. 
p. 202, der aber irrig die alte Burg Glilumec nennt und ihre früheren 
geistlichen Besitzer nicht kennt. 

*) Ebendaselbst. Nach den Libr. Confi/rmationum üben die Erzbischöfe von 
Prag ihr OoUaturrecht noch 1418 für die Pfarrei Tucliomysl, und 1364, 
1402, 1409, 1413 und 1415 für die Pfarre Modlan aus. 

*) Decemregister bei Baibin, 

3) Balbini Bohemia saneta, §, LVIII. p. 86. 

^) Regist. decimarum. 

5) Palacky Archiv II. 461. Vgl. Üb. eonfirm. ad 1406. 

") Bis 1421 besass das Bisthum 17 grosse Herrschaften in Böhmen, ohne die 
kleineren Güter mitzuzählen: 1. Raudnitz, 2. Hradek (Helfenburg, 1875 ge- 



59 



§. 16. Die Einsetzung des Bischofs Dietmar. 



1. Papst Johann XIII. hatte in seinem an Boleslaw II. ge- 
richteten Sehreiben') „die Kirche der hh. Märtyrer Veit und Wen- 
zel" (welcher letztere hiemit vom päpstlichen Stuhle selbst als 
Heiliger und als Landespatron anerkannt wurde) zur Kathedral- 
Idrche des neuen Bisthums bestimmt, und in Betreff der Person 
des künftigen Bischofs nur die einzige Bedingung gestellt, „nicht 
etwa nach dem Ritus und nach der Sekte des bulgarischen Volkes 
oder der russischen und slawonischen Sprache, sondern vielmehr 
nach Massgabe der Einrichtungen und Anordnungen des apostoli- 
schen Stuhles zu diesem geistlichen Amte einen hervorragenden 
Kleriker der allgemeinen Kirche zu erwählen, welcher der latei- 
nischen Sprache vorzüglich mächtig sei.^} Die Bischofswahl geschah 
sofort in derselben Weise, wie sie seit dem Concile von Nicäa fast 
überall stattfand. Klerus und Volk hatten sich über den Würdig- 
sten zu einigen, dem Landesfürsten stand es frei, dmxh Vorschläge 
oder Bestätigung sich hiebei zu betheiligen, dazu hatten endlÄh 
die Bischöfe der Provinz durch ihren Metropoliten die Zustimmung 
zu geben. ^) Wie um diese Zeit fast allerwärts, so sprach damals 
der Klerus Böhmens zumeist durch seine Prälaten (resp. Mitglieder 
des Domstifts) und das Volk durch die Edeln des Landes: diese 
und jene aber waren gewohnt, sich auf den Landtagen zu treffen, 
wo überdiess auch der ^Landesfürst zugegen war. So wurde die 
Bischofs wähl von selbst eine Angelegenheit des böhm. Landtags. 
Der Gewählte musste darauf das Anrecht auf die weltlichen Besi- 



kauft), 3. Geiei'sberg (s. 1335), 4. Bischofteinitz, 5. Herstein, 6. Rokitzan, 
7. Pribram (s. 1216), 8. ßozmital, 9. Moldautein mit Becliin, 10. Cheyiiow, 
11. Pilgram, 12. Reichenau, IB. Eotli-fi,e6ic, 14. Heralec, 15. Kriwsudo-w, 
16. Stepanow, 17. Böhmisch-Brod. Dazu kamen in Mähren die Herrschaft 
18. Kojetin und in Baiern die Herrschaft 19. Luhe. (Palacky HI. 2. 219.) 

i) Erben reg. p. 29 n. 67. 

^) Ebendaselbst. -- Diese gestellte Bedingung beweist nur die weise Fürsorge 
des Papstes angesichts des kürzlich erfolgten ersten Schismas der Griechen, 
dem auch die slawischen Stämme Ost-Europa's beigetreten waren ; keines- 
wegs aber beweist sie, wie man wollte, eine vorangegangene Geltung des 
slawischen Ritus in Böhmen. In solchem Falle hätten die päpstlichen 
Worte sicher anders gelautet. 

3) Vgl. Alzog, Kircheng. S. 299 etc. 



60 

tzungen des Bisthums durch kaiserliche Belehnung (Investitur) em- 
pfangen, und hiedurch unter die Fürsten des Reiches eingereiht 
werden. Darum verfügte er sich sobald als möglich an den kaiser- 
lichen Hof, der damals bald da, bald dort, nicht selten sogar jen- 
seits der Alpen sich aufhielt. Zuletzt bedurfte er noch der Be- 
stätigung des Metropoliten von Mainz, der zu diesem Zwecke erst 
eine gewissenhafte Prüfung des Wahlaktes vornahm und im gün- 
stigen Falle sofort dem Erwählten die bischöfliche Weihe ertheilte. 
Der neu geweihte Bischof kehrte dann erst nach Böhmen zurück, 
hielt seinen feierlichen Einzug in Prag und wurde in Gegenwart 
des Landesfürsten, der Greistlichkeit, des Adels und des Volkes 
auf den bischöflichen Thron zur Seite des Hauptaltars in der Set. 
Veitskirche geleitet. Der Klerus sang dabei den ambrosianischen 
Lobgesang (Te Deum laudamus), Adel aber und Volk in späterer 
Zeit den etwas entstellten Refrain des nationalen Liedes Gospodi 
pomiluj: Christo keynado und Krle§ (Kyrie eleyson). Es war ein 
Tag allgemeinen Jubels im ganzen Lande.') 
* 2. Zum ersten Bischöfe wurde Dietmar auserkoren, ein from- 
mer deutscher Benediktinermönch aus Magdeburg, ein Mann von gros- 
ser Gelehrsamkeit und Beredsamkeit, bei Fürst und Volk — wohl seit 
längerer Zeit apostolischen Wirkens in Böhmen — beliebt als ein 
vorzüglicher Kenner der slawischen Sprache, und eben hiedurch 
zum neuen hohen Amte ausnehmend geeignet.^) Er empfing die 
Investitur noch vom Kaiser Otto I. am 23. März 973 zu Quedlin- 
burg ^) und die bischöfliche Weihe von seinem Erzbischofe Rupert 
zu Mainz."*) Acht Jahre lang durchwanderte er sofort als Bischof 
das weite Gebiet seiner Diöcese, führte viele Tausende, die bisher 
noch dem Heidenthume angehangen hatten, durch die h. Taufe zum 



') So ist bei Oosmas die luthronisation des Bischofs Dietmar beschrieben. 
Wenn hier schon vom Volksrufe Krle§ erzählt wird, so ist dies wohl ein 
Anachronismus. Vgl. Tomek, Gesch. Prags I. 77 u. 78. 

^) Cosmas ad a. 967. — Crugerius sacr. pulv. ad 2. Jan. 

3) Ännal Quedlinh. a 973. Ännal Sax. a. 973. Otto I, starb noch im selben 
Jahre am 7. Mai. 

•*) So Fabricius IL Sax, in Otton. I. Rupert regierte dem Schematismus der 
Mainzer Diöcese nach von' 970 — 975. "Weleslawin und Pesina (Phospliorus 
septkornis) nennen irrthümlich den Erzbischof Hatto, den Vorgänger Ru- 
perts, Kreibich [memorabilia, MS. bei S. Thomas in Prag) und Andere Ru- 
perts Nachfolger Wiligisis als Consecrator. 



6i 

christlichen Glauben ein und weihte sehr viele Kirchen.') Letztere 
hatte theils der gläubige Landesfürst erbaut (20 an der Zahl), 
theils verdankten sie dem freigebigen Eifer des neuen Oberhirten 
ihre Entstehung.®) An li. Eifer in der Bekämpfung der alten heid- 
nischen Laster und in der Hebung eines echt christlichen Lebens 
wurde er das Vorbild aller folgenden Bischöfe.^) Mit begeisterter 
Rede und wohlbedachter Strenge suchte er sein Volk vorzüglich 
den herrschenden Ausschweifungen in Trunk und Wollust zu ent- 
reissen.'*) Dem Klerus wollte er durch sein eigenes Leben ein 
Vorbild frommen Wandels geben. ^) Seine Zeit war aber zu kurz 
und die Gebrechen im Volke waren zu tief eingewurzelt, als dass 
er eines vollkommenen Gelingens seiner Bestrebungen sich hätte 
rühmen können. Diess beklagte er denn auch auf seinem Sterbe- 
bette unter heissen Thränen.^) Er ging am 2. Jänner 982 im 
Rufe der Heiligkeit in ein besseres Leben hinüber.") 

§.17. Der heilige Ädalbert. 

1. Wenige Wochen nach Dietmars Tode, am 19. Februar 
982, versammelte sich das verwaiste Volk (Priester und Laien) 
um seinen Fürsten in LeY.7 Hradec®) und mit einstimmigem Jubel 
ward hier als Nachfolger im bischöflichen Amte ein „Landsmann 
begrüsst, dessen Adel, Reichthum, Wirken und Leben ganz vor- 
züglich mit der neuen Ehrenstellung harmonirten".") Es war Ädal- 
bert, der Sohn Slawniks, des oben'") erwähnten Grafen von Libic, 
und der frommen Gemahlin Stfezislawa. Sein Geburtsname war 
Wojtöch (Vincentius. ") In seiner Kindheit bereits von schwerer 



') Cosmas. 

3) Vgl. §. 7. n. 3, und §. 15. n. 5. 

3) Kreibich 1. c. 

4) Vgl. später seine Klage auf dem Stez'bebette. 

5) Kreibich 1, c. 

^) Vgl. Primus S. Adcäberti biographus, apud Mabill. c, I. p. 851. Er schrieb 
sein Werk schon zur Zeit des Kaisers Otto III. und auf Befehl desselben. 
'') Cosmas und Aeneas Sylvius. Pertz XI. 536. 
^) Cosmas. 

^) Primus biographm S. Adalberti. 
'0) Vgl. §. 8. n. 2. 
'•) Vincentius nennt ihn ein bei Dobn. annal IV. 111 citirter Codex von M, 



62 

Krankheit auf dem Altare der seligsten Jungfrau (zu Libic ?) wun- 
derbar geheilt,') war er durch ein frommes Gelübde der Eltern 
dem geistlichen Stande und dem besonderen Dienste der h. Gottes- 
mutter geweiht worden.^) Um 962 wurde er als Kind von dem 
aus Eussland heimkehrenden Missionsbischpfe Adalbert gefirmt. Von 
972 an verlebte er 9 Jahre als Schüler der Wissenschaften in 
Magdeburg,^) wo er unter der Leitung des Philosophen Obtricus 
ausgezeichnete Fortschritte machte. „Diese ganze Zeit hindurch 
ahmte er in keiner Weise diejenigen nach, welche Uebles thaten, 
und folgte eben so wenig dem Bathe derer, die auf Unnützes und 
Knabenhaftes sich verlegten. In ihm erblühte die Gerechtigkeit 
seines Vaters und in seiner jugendlichen Brust erglänzte das treue Ab- 
bild der Frömmigkeit seiner Mutter.'"*) Hier erwählte er den geist- 
lichen Stand und empfing mit dem Kleide des Klerikers den neuen 
Namen Adalbert.^) Im J. 980 kehrte er als Subdiacon ins Vaterland 
zurück ^) und stand 982, damals wohl schon als Priester, bei dem 
Sterbebette des frommen Bischofs, dessen Nachfolger er werden sollte. 
2. Seine Investitur und Weihe als Bischof ward durch den 
Umstand verzögert, dass zur Zeit der Erwählung Kaiser und Erz- 
bischof eben in Krieg mit den Saracenen verwickelt im südlichen 
Italien weilten. Erst am 3. Juni 983 empfing er endlich zu Verona 
Ring und Stab aus den Händen des Kaisers Otto H. und ebenda- 
selbst am 29. Juni die bischöfliche Weihe") vom Mainzer Metro- 



Cassino und ein altes Manuscript von S. Gaecilia, deren beider die Acta 
sanctorum ad 23. April gedenken. Dobner übersetzt den Namen Woytech 
mit „Trost des Heeres". 

') Primus hiograpTms 8. AdaTberü. 

'^) Alter hiographus. 

^) Alter Nograplius. 

*) Primus Mographus, 

5) So Palacky I. 234 Der zweite Biograph des Heiligen und Cosmas (Vita 
S. AdaTberti) erzählen dagegen von einer aus Irrthum geschehenen zweiten 
Firmung, in welcher Woytech den neuen Namen empfangen habe. Die 
Böhmen 'nannten ihren nachmaligen Bischof noch immer mit dem alten 
slawischen Namen, während bei den Deutschen der bekanntere Name 
Adalbert üblich wurde. So kam es, dass man weiterhin den letzteren für 
eine Uebersetzung des ersteren hielt. 

^) Cosmas. 

') Tomek I. 650 nennt den 3. und 11. Juni 982; Palacky I. 235 richtiger 
den 3. und 29. Juni 983, den Weihetag setzt der zweite Biograph ausdrück- 
lich auf das Fest der hh. Petrus und Paulus. 



63 

politen Wiligisis — ein Heiliger von einem Heiligen am Feste der 
heiligen Apostelfürsten. 

Ais Bischof zeigte sich Adalbert vor Allem als eifrigen Be- 
förderer des Christenthums. Er widerrieth dem glaubenseifrigen 
Herzog Boleslaw H., länger noch Gewalt zu brauchen gegen die 
Anhänger des Heidenthums : lieber möge die gänzliche Bekehrung 
derselben der ausschliesslichen Sorge des Bischofs überlassen wer- 
den. ') Nach dem Vorbilde Dietmars alle Gaue des weiten Vater- 
landes durchwandernd, war er unermüdlich in der Verkündigung 
des göttlichen Worts. Hierbei suchte er bald durch Unterricht 
und Beispiel und bald durch kluge Strenge den vielfach verkom- 
menen Klerus zu sich empor zu heben. Mit heiligem Eifer kämpfte 
er gegen die heidnische Barbarei der Vielweiberei und gegen das 
herrschende Laster der Unzucht. ^) Die üblichen Ehen unter nahen 
Verwandten suchte er mit aller Macht zu verhindern und abzu- 
stellen. ^) Auch gegen die allgemeine Trunksucht kehrte er mit 
Muth seine geistlichen Waifen.*) Den Verkauf christlicher Sklaven 
suchte er wenigstens durch Auslösung derselben mit seiner eigenen 
Habe zu verringern. '^) Er selbst suchte keine andern Genüsse als die 
der Tugend und Andacht, der Wohlthätigkeit und Frömmigkeit. 
Je höher er stand, desto mehr befliss er sich der Demuth; je 
reicher an irdischen Gütern, desto eifriger war er in der Entbeh- 
rung und Selbstabtödtung. Stets speisten 12 Arme mit ihm, und allen 
Kranken, von denen er Kunde erhielt, brachte er persönlich Trost 
und Hilfe: So suchte er Allen Alles zu werden und Alle vereint 
zum Heile zu leiten.^) 



1) Hajek a. a. 973. 

2) Cosmas, Vita S. Ädalberti. 
^) Erben, regesta, p. 33. 

*) Ebendaselbst. — In der Mitte des 13. Jahrhunderts schrieb die allgemein 
herrschende Sage dem h. Adalbert die über alle Bürger, welche 
sich mit Bierbrauerei befassten,' in grauer Vorzeit verhängte 
Excomraunication zu. König Wenzel I. reichte in Rom um deren 
Aufhebung ein. Durch eine Bulle Innocenz IV. ddo. Lugduni III. nonas 
Decembris, wurde der Abt Clemens von Brewnow beauftragt, diese Ex- 
communication zu relaxiren. Dobn. annal, IV. MQ wnüi Monumenta Boem. 
VI: 19. 

^) Cosmas. 

6) Ebend. Palacky I. 237. 



3. Zu seinem grossen Schmerze entsprach der Erfolg seinen 
Bemühungen viel zu wenig. Da ward er endlich misstrauisch auf 
seine Ki-aft. Es drängte ihn, den Hirtenstab in eine Hand zu legen, 
die er für kräftiger hielt, am liebsten in die des Benedictinermönchs 
Christian (Strachkwas), der als Bruder des regierenden Herzogs 
bei Volk und Adel ein grösseres Ansehen und mehr Einfluss haben 
könnte. Obgleich dieser die Annahme von sich abwehrte, ') so eilte 
doch Adalbert nach Rom, um dort zu den Füssen des Vaters der 
Christenheit die Enthebung vom bischöflichen Amte zu erflehen. 
Er erlangte wohl, was er so sehnlich wünschte; denn sofort wollte 
er nach Jerusalem pilgern, um am Grabe des Erlösers einzig nur 
der Andacht zu leben. Doch statt dessen nahm er auf den Rath 
des frommen Abtes von Monte Cassino das Kleid des h. Benedict. 
Als demüthiger Klosterbruder lebte er nuii im Ordenshause seines 
Rathgebers und begab sich später, da er sich hier noch als Bischof 
behandelt glaubte, zu den Basilianern nach Valleluca und endlich 
nach Rom ins Kloster des h. Alexius, wo er zuerst als Novize den 
niedrigsten klösterlichen Arbeiten sich unterzog und alsbald alle 
Brüder an Strenge und Frömmigkeit überbot.^) 

4. Indess hatte Gott unser Vaterland mit Pest und Hungers- 
noth schwer heimgesucht.'^) Fürst und Volk sahen die Trübsal als 
eine wohlverdiente Züchtigung für die früheren Kränkungen des h. 
Bischofs an und sehnten sich nach seiner Rückkehr. Desshalb ver- 
wendeten sie sich zuerst an den Metropoliten Wiligisis zu Mainz 
und nachher mit dessen Rath und Hilfe im J. 992 nach Rom. Da 
erhielt Adalbert vom Papste selbst den Befehl, in sein Bisthum 
wieder zurückzukehren, indem die Böhmen ihm genauen Gehorsam 
versprachen. Ohne Säumen fügte er sich dem Gebote — doch ohne 
selbst dem klösterlichen Kleide wieder zu entsagen. Er nahm viel- 
mehr zwölf Ordenssöhne des h. Benedict mit sich ins Vaterland, *) 
als Genossen seiner Frömmigkeit, als Erstlinge eines künftigen Or- 
densstandes und als vorzügliche Werkzeuge zur völligen Umwand- 
lung seines Volkes. Auf dem Wege in sein Vaterland zog er — 



') Cosmas und ÄnnaUsta Saxo. 

'-') Cosmas. Palacky 239. Die Ablegung der Klostergelübde geschah am 17. 
April 990 nach Palacky 1. c, — am 2. April 991 nach Erben regesta p. 33. 

3) Cosmas. 

4) Palacky I. 240. 



65 

als päpstlicher Legat — predigend und taufend durch das Land der 
Ungarn und hatte selbst die Freude, dem h. Stephan das h. Sakra- 
ment der Wiedergeburt zu spenden. ') Noch im J. 993 zog er end- 
lich in Prag ein, mit lautem Jubel und mit Freudenthränen vom 
Volke und von seinem Fürsten empfangen. ^) Vor dem versammelten 
Adel des Landes verkündete der Herzog Boleslaw das Recht des 
Bischofs, nach Anordnung der heiligen Gesetze alle unerlaubten 
Ehen zu trennen, den kirchlichen Dezem zu erheben und, wo es 
zweckmässig erscheine, neue Gotteshäuser zu erbauen. ^) 

5. Leider kam ungeachtet der besten Vorsätze und der hei- 
ligsten Versprechungen die böse Unsitte unserer Ahnen nur zu bald 
wieder zum Vorschein. Diessmal war es die fürchterliche Blut- 
rache, die aller christlichen Unterweisung zum Trotze Land und 
Heiligthum entweihte. Die ehebrecherische Gattin eines Wrsowe- 
cen hatte, verfolgt von ihrem blutdürstigen Gemahle und seinen 
Brüdern, eine Zufluchtsstätte im Kloster S. Georg gesucht. Dort 
schützte sie das Asylrecht der Kirche und sicherte ihr ein gerech- 
tes Urtheil. Aber die wüthenden Verfolger schmähten und höhnten 
den Bischof und mordeten die Verfolgte. Da sah sich Adalbert 
genöthigt, den Bann der Kirche über die Frevler zu sprechen, und 
zum zweiten Male pilgerte er nach Rom, um dort mit Erlaubniss 
des Papstes seine Tage in klösterlicher Einsamkeit zu beschliessen 
(995). Während daheim die gebannten Wrgowecen Rache dürstend 
in einem von ihnen erregten Bürgerkriege die 4 Brüder des heil. 
Bischofs sammt Weibern und Kindern in Libic ermordeten,'^) be- 
klagte und beweinte Adalbert in der Stille seines Klosters die arge 
Verblendung seines Vaterlandes. 



') Damberger, synchron. Gescliiclite V. 421. So auch Dubravius und der 
zweite Biograph des h. Adalbert. Palacky I. 236 setzt (nach Dlugoss Mst. 
Pol.) die Eeise nach Ungarn ins Jahr 984 und macht sie zu einem Abstecher 
bei Gelegenheit einer in der Slowakei von Adalbert gehaltenen bischöfli- 
chen^Visitation. Für das Jahr 993 spricht .aber, abgesehen vom zweiten Bio- 
graphen des Heiligen, auch der Umstand, dass Geisa in diesem Jahre seinem 
Sohne als Nachfolger huldigen liess, und dass auch Stephans Vermählung 
mit Gisela in dieselbe Zeit fällt. Prinzen, die nicht schon als Kinder ge- 
tauft waren, empfingen damals die Taufe meist bei solchen Gelegenheiten. 

^) Cosmas. , - 

3) Erben regesta p. 33 und Wattenbach p. 51 ex codice S, Crucis. 

4) Tomek, Gesch. Prags I. 115. Palacky I. 243. 

5 



66 

6. Unbekannt mit dem traurigen Ende seines Hauses, entscliloss 
sich, der Heilige' noch einmal zur Rückkehr. Yon neuem drängte 
der Erzbischof von Mainz zu diesem Entschlüsse ; Kaiser Otto HL, 
der eben bei seinem Aufenthalte in Rom den zum Prior seines 
Klosters erwählten Adalbert liebgewonnen hatte, vereinte damit 
seine Bitten; von allen Seiten bestürmt, sprach endlich auch Papst 
Gregor V. den Befehl zur Rückkehr aus, — diessmal aber zugleich 
mit der Erlaubniss, dass Adalbert fortan sein Leben der Bekeh- 
rung der Heiden weihen dürfe, wenn die Böhmen ihm keinen Ge- 
horsam schenken würden. So folgte nun Adalbert zuerst seinem 
kaiserlichen Freunde nach Mainz, Mit Entsetzen hörte er dort die 
fürchterliche That der Wrsowecen. Da entsagte er seinem Vater- 
lande — um fortan mit einigeh treuen Gefährten unter den heid- 
nischen Preussen als Apostel des Evangeliums zu wirken. Dort 
sollte er den Tod eines Blutzeugen Christi finden. Nachdem . er 
auf der Durchreise durch Polen Manches für die Befestigung des 
Christenthums gewirkt, w^eilte er in der Gegend von Danzig und 
belehrte und taufte daselbst zahlreiche Haufen des Volkes. Als er 
aber übers Meer an die Küste von Samland sich begab, wurde er 
bereits von den barbarischen Bewohnern bedroht und misshandelt. 
Zuletzt ward er auf dem Götzenfelde von Romowe von wüthenden 
Haufen überfallen, gebunden, noch stehend und betend mit Wurf- 
spiessen durchbohrt, endlich mit zahllosen Wunden getödtet. (23. 
April 997.) Sein unzertrennlicher Bruder Radim (S. Gaudentius ') 
und der Pi'iester Benedikt brachten die Kunde dieses Martyrthums 
zu dem Herzoge von Polen, der sofort den kostbaren Schatz des 
h. Leichnams um theueren Preis von den Heiden erkaufte und 
ehrenvoll in seiner Hauptstadt Gnesen begrub.") 

7. Gott verherrlichte seinen h. Blutzeugen alsogleich durch 
zahlreiche Wunder. Schon im J. 1000 wallfahrtete Kaiser Otto HL 



') Eadim — des li. Adalbert Bruder von Geburt, Ordensregel und Missions- 
beruf — wurde nach seinem Bruder Missionsbiscliof für Polen (polnische 
Schriftsteller nennen ihn irrig bereits Erzbischof zu Gnesen) und weihte 
diesem Berufe sein ganzes übriges Leben. Er wurde in Gnesen begraben 
und als Heiliger verehrt. Im Jahre 1040 wurde sein heiliger Leib zugleich 
mit dem des h. Adalbert nach Prag übertragen und im Dome in der Ka- 
pelle der hh. Gosmas und Damiau beigesetzt. ^ 

'-i) Palacky I. 244 u. 245. 



6T 

zu seinem Grabe, und erbaute noch im selben Jahre eine Kirche 
in Aachen ') und im folgenden eine zweite zu Rom ^) zu Ehren 
seines von allen Zeitgenossen als heilig gepriesenen Freundes. Die 
Völker Polens und Böhmens verehrten ihn als ihren Landespatron. 
An ihn sollte fortan eine — jetzt wenig verstandene — Sitte erin- 
nern, die von Polen ausgehend, bald in allen Ländern Aufnahme 
fand, wo unser Heilige gewirkt hatte. In Polen soll nämlich schon 
Herzog Mösko nach Anhörung einer christlichen Predigt befohlen 
haben, am nächsten Sonntage (dem 4. in der Faste) die alten 
Götzenbilder zu zerschlagen und die Trümmer in Sümpfe imd Ge- 
wässer zu werfen. Das sei denn auch wirklich geschehen, und zur 
Zeit des Aufenthalts des h. Adalbert mag auf dessen Drängen noch 
die letzte Hand ans Werk gelegt worden sein. Seitdem bereiteten 
die polnischen und böhmischen Kinder alljährig aus Stroh und 
Fetzen ein Zerrbild der alten Götzen, trugen es aus den Ort- 
schaften unter dem Rufe: Wir tragen den Todten hinaus, und 
warfen es schliesslich ins Wasser. Der Sonntag, an welchem diess 
geschah, heisst deshalb noch vielfach der Todtensonntag.^) 

8. Es lag in der Natur der Sache, dass die bischöfliche 
Wirksamkeit des h. Adalbert auch die jetzige Diöcese von Leit- 
meritz nahe berühren musste. Sicher darf so manches der älte- 
sten Gotteshäuser dieser Gegend unter jenen gesucht werden, die 
der Heilige an so vielen Orten, wo er es für erspriesslich hielt, 
aus eigenen Mitteln erbaute.*) Ohne Zweifel geschah diess be- 
sonders auf den Gütern seiner Familie um Libic (im nachmaligen 
Dekanate Hawran) und auf den schon erwähnten bischöflichen 
Gütern. Der alten Tradition, dass er schon auf seiner ersten Vi- 
sitationsreise auch nach Leitmeritz kam und daselbst nach den 
apostolischen Bemühungen des Tages an dem fortan nach ihm be- 
nannten Adalbertibrunnen Labung fand, haben wir bereits oben er- 
wähnt.^) Seine Nachfolger auf dem bischöflichen Stuhle verewigten 



') Chronica Aquisgran. 

-) Dobn. annal IV, 463. 

3) Cureus cit. bei Bolelucky: Bosa Boemica p. 407 u. 407. In Böhmen ist 
der 5. Fastensonntag der sogenannte Todtensonntag. Die geschilderte ur- 
alte Sitte ist jetzt vielfach im Ersterben. 

•*) Siehe N. 4 Schluss. 

5) Vgl. §. 9. 

5* 



68 

später sein Andenken an diesem Orte durch die Erbaiumg einer 
Kirche zu Ehren des heil. Adalbert. ') Leider war es auch wieder 
das Gebiet unserer jetzigen Diöcese, und namentlich die Gegend 
von Leitmeritz und Saaz, welche eine Zeit lang den Unsegen jenes 
Fluches trug, den der h. Bischof über ihre Herren, die Wrsowecen, 
aussprechen musste. Es war eben eine traurige Zeit des Kampfes 
zweier widerstreitender' Elemente — des Heidenthums in seiner 
letzten Jü-aft und des Christenthums in seinem Erblühen. 

§. 18. Thiddag, Ekhard und Hyzö. 

1 . . Während d er zweimaligen Abwesenheit des h. Adalbert in Rom 
hatte der meissnische Bischof Volcold (Volkhold) die nothw endigsten 
Functionen in der böhmischen Diöcese versehen.^) Nach Adalberts 
völliger Entsagung sollte nun des Herzogs Bruder Christian (Strach- 
kwas), der bereits sechzigjährige Mönch von S. Emmeram ^) den 
bischöflichen Stuhl besteigen. Kaum anders als mit Widerstreben 
nahm der Greis eine Würde an, gegen die er bereits früher sich 
gesträubt hatte. "*) Da starb er nach erlangter kaiserlicher Inve- 
stitur — plötzlich vom Schlage gerührt zu Mainz (f 998), als er 
eben zum Bischof geweiht werclen sollte.^) 

2. Nun wurde einstimmig ein frommer Mönch von Neu-Cor- 
vey, Namens Thiddag (Deodatus, Bohdal) zum Bischöfe erwählt, 
der im J- 995 durch seine ausgezeichnete Heilkunde das Leben 
Boleslaws H. gerettet und seitdem in Böhmen weilend die allge- 
meine Liebe sich erworben hatte.") Er empfing am 7. Juli 998 
zu Mainz die bischöfliche Weihe,") „Er war ein würdiger Nachfol- 
ger Adalberts, jungfräulich an Keuschheit, golden in seinen Sitten, 



1) Siehe §. 15. 5. b. 

2) Ditmar und annal. Saxo. 

^] In Regeusburg. ^ 

4) Damberger V. 528. 

^) Palacky I, 246. P. verwirft mit Recht das harte Urtheil des Cosmas, der 
das „arri2ntur atrod daevionio" wahrscheinlich für ein Gottcsurtheil ge- 
halten hat, 

«) Ditmar, I. 7. p. 414. 

'') So erzählt Cosmas. (Vgl. Palacky.) , Nach Fabricius (orig. Sax. fol. 228) 
ward er vom Erzbischof Wiligis in Prag geweihet. Diese weit si)ätere 
Nachricht ist minder glaubwürdig. 



69 

noch kostbarer in seinen Werken. Er trat ganz in die Fussstapfen 
seines heiligen Vorgcängers; streitend gegen die Laster des Volkes 
ward er ein Martyr, zwar nicht dem Leibe nach, wohl aber in 
seinem Herzen".') Leider starb schon im ersten Jahre seiner bi- 
schöflichen Verwaltung in Boleslaw IL sein krtäftigster Schützer 
und edelster Freund, (f 7. Febr. 999.) Auch für die jugendliche 
Kirche des Vaterlandes starb der fromme — wenn auch zuletzt 
etwas schwache Fürst viel zu früh. Ihm folgte „zu Böhmens Un- 
glück der unwürdigste Mann, der je das Scepter geführt hat . . . ., 

Boleslaw III , ein gemeiner Wüstling, schwach, misstrauisch, 

geizig, grausam und rachsüchtig".^) Ein Wütherich gegen seine 
eigenen Brüder, ein Tyrann gegen Alle — brachte er in Kurzem 
(im Sommer 1002) das ganze Land zur verzweifelten Empörung. 
Die Wräowecen (von Saaz und Leitmeritz) stellten sich an die 
Spitze. Boleslaw III. ward aus Böhmen verjagt und Wladiwoj von 
Polen, der Sohn der böhmischen Doubrawka auf den Thron erho- 
ben. Indess waren schon im J. 1000 die Gebiete von Kjakau, 
Schlesien, Mähren und Slowakei für -Böhmen verloren gegangen, — 
um sofort grossentheils auch der Diöcese von Prag entfremdet zu 
werden. Polen und Ungarn beeilten sich, eigene bischöfliche Sitze 
in den neuerworbenen Provinzen zu gründen. ■ Noch im J. 1000 
entstanden so die Bisthümer zu Breslau und Krakau, während Bi- 
schof Thiddag nicht einmal in Böhmen selbst ein Plätzchen finden 
konnte, um sein Leben vor der misstrauischen Wuth des unnatür- 
lichen Tyrannen zu schützen.^) Hatte Wladiwojs Erhebung unse- 
rem Vaterlande einige Ruhe gebracht, so stürzte es sein Tod (1003) 
aufs Neue in schreckliche Wirren. Jaromir, der Bruder des ver- 
jagten Tyrannen muss in Kurzem diesem selbst wieder weichen. 
Aber auch der wiedererhobene Boleslaw IH. wird auf allgemeines 
Verlangen noch im selben Jahre (1003) vom polnischen Herzoge 
Boleslaw Chrobry verjagt, der sofort selbst den böhmischen Thron 
besteigt. Doch diesen verdrängt wieder (1004) der deutsche Kaiser 
Heinrich IL, mit dessen Hilfe Jaromir zum zweitenmal den Herr- 
scherstab ergreift, — um nach einiger Zeit (i012) neuerdings dem 



') Cosmäs. 
3) Palacky I. 248. 

3) Wiederholt vertrieben lebte er am Hofe des meissuischen Markgrafen 
Ekhard. Ditmar VII. 414. Vgl. Fabric. {orig. Saxon.) 



70 

jüngsten Bruder üdalrich zu unterliegen, und entmannt und später 
auch noch geblendet zu Llssa sein trauriges Leben zu beschlies- 
sen.') Solche Verhältnisse mussten auch dem eifrigsten Bischöfe 
die Hände binden. Weit mehr, als sein Wort und Beispiel auf- 
bauen konnte, riss da die Barbarei des Bürgerkrieges wieder ein. 
Darum lebte Bischof Thiddag als ein „Martyr im Herzen" •) und 
starb mit allem Schmerze eines unglücklichen Vaters am 10. Juni 
1017. — 

3. Bei der neuen Bischofswahl wünschte der Fürst seinen 
Kaplan Pfibislaw, das Volk den durch Gelehrsamkeit berühmten 
Horäo von Budec, der Klerus aber den deutschen, jedoch der sla- 
wischen Sprache kundigen Propst Ekhard. Letzterer trug endlich 
den Sieg davon. Er war ein Verwandter des deutschen Kaisers 
Heinrich IL ^) und Ordensbruder des h. Benedikt, als welcher er ehe- 
dem eine Zeit lang im neuerrichteten Kloster zu Bi'ewnow gelebt 
hatte.*) Um 996 war er bereits Abt des Benediktinerstiftes zu 
Naumburg, welche Würde er 23 Jahre lang bekleidet haben soll.^) 
Wahrscheinlich war er eben erst zur Propstei des Domkapitels in 
Prag -berufen worden, **) als ihn die Wahl zur bischöflichen Würde 
traf. Er empfing die kaiserliche Investitur im Oktober zu Merse- 
burg und ebendaselbst auch vom anwesenden mainzer Erzbischofe 
Erkenbald am 8. selben Monats die bischöfliche Consecration.") Er 
erwarb sich in seinem bischöflichen Amte den Nachruhm, dass er 
der beredteste Verkündiger des göttlichen Wortes, mild gegen die 
Armen, sanft und gut gegen die Niedrigen, muthig aber gegen die 
Grossen gewesen sei.^) Gerade das letztere Lob lässt vermuthen. 



») Vgl. Palacky I. -254—265. 

^) Cosmas. 

^) Dobner cmnal. V. 102 citirt hiefür eine kaiserliche Urkunde von 100.4. 

Vgl. auch Palacky I. 265 und Tomek I. 650. 
*) Ziegelbauer, hist. inonast Bfevnov, p. 112. Er beruft sich auf alte Manu- 

scripte von Brewnow. 
5) Dobner annal. V. 102. 
^) Aehnliches geschah öfters auch bei andern Kapiteln. Als Propst ^yird 

Ekhard von Pesina (Phosjphorus, septlcornis) und in einem Manuscripte des 

Prager Canonicus Bubna (Canon capituli Prag, im Prager Kapitelarchive) 

angeführt. 
^) Dies weist Dobner nach in annal, V. 102. 
^j Cosmas. 



71 

dass auch er in der Bekämpfung der sittlichen Gebrechen des 
Landes in die Fussstapfen des h. Adalbert getreten ist. Seinen geist- 
lichen Eifer beweist auch die angeblich im J. 1023 an den gesamm- 
ten Klerus erlassene Verordnung, dass fortan „jeder Landgeistliche 
wenigstens einmal im Jahre an einem bestimmten Tage in Prag 
sich einfinden müsse, um über sein Seelsorgsamt und die ihm an- 
vertraute Heerde Rechenschaft zu geben.') So richtete er also 
auch in unserem Vaterlande das alte kirchliche Institut der Diö- 
cesansynode ein als das bewährteste Mittel des Bischofs, eindring- 
lich auf den gesammten Klerus und durch diesen auf das Volk zu 
wirken. Ueberdiess ist es das Verdienst Ekhards, dass er die bis- 
herige Decemabgabe an den Klerus regelte. Fortan sollte von je- 
dem Joch Feldes ein Mass Weizen und ein Metzen Haber an den 
Seelsorger abgeführt werden.-) Der vierte Theil dieser Abgabe 
gehörte der Ortsgeistlichkeit, ein zweiter Viertheil dem Bischöfe, 
ein dritter den Armen; der vierte sollte zur Erhaltung des Got- 
teshauses verwendet werden.^) Der ausgezeichnete Bischof starb 
leider schon am 8. August 1023, vom Fürsten, Volk und Klerus 
mit vielen Thränen beweint.^) Auch Kaiser Heinrich war tief er- 
schüttert über seinen Verlust.^) 

4. Noch in demselben Jahre folgte Hyzo in der bischöflichen 
Würde nach. Man hält ihn für einen Eingebornen unseres Vater- 
landes, angeblich derselben edlen Familie der Buzowicen entspros- 
sen, die nachher in den Linien der Herren von Waldek, Schellen- 
berg und Hasenburg (mit dem gemeinsamen Wappenzeichen des 



') Hajek a. a. 1023. 

^) Cosmas. Hajek, Dieses alte Mass v/ar ein cylindrisches Gefäss im Breiten- 
durchmesser a Handflächen und in der Höhe 5 Handflächen und 2 Finger- 
breiten messend, an der Rückseite mit dem herzoglichen und bischöflichen 
Siegel versehen. (Hajek ad 1022.) Hajek sagt, dass jeder Ackersmann 
seinem Priester diesen Decem abzuliefern hatte. Nach Cosmas geschah 
dies an den Bischof. In der Sache ist beides dasselbe. Der Priester 
sammelte eben diese Abgabe im Namen des Bischofs, dem die Anordnung 
der weiteren Vertheilung derselben zustand. 

3) So das älteste Pönitentiale Böhmens (vor 1150) in Höflers ConeUia Pra- 
gensia p. VHI (nach Cod. Bibl. Univ. HI. F. 6. f. 231). 

"*) Cosmas, — Hajek a. a. 1024. 

•'•) Ghron. Quedlinburg, apud Meibom. IIL 295. 



72 

Eberkopfes) zu hoher Berühmtheit gelangte.') Er hatte einst der 
frommen Ordensfamilie der Benediktiner zu Bi-ewnow angehört^) 
und war unter seinem bischöflichen Vorgcängcr zur Propsteiwürde 
im prager Domkapitel ^) erhoben worden. Ein Greis von seltener 
Schönheit, edel von Geschlecht aber noch viel edler in seinem 
Leben,'*) ausgezeichnet in der Kenntniss der heiligen. Schriften/) — 
lenkte er, ohne es zu wollen, bei der neuen Bischofswahl aller 
Augen und Herzen auf sich. Er empfing am 29. Dezember 1023 
die bischöfliche Weihe zu Bamberg von seinem dort weilenden 
Metropoliten") Aribo. Er ist wohl die Seelengüte selbst gewesen; 
denn ohne einen Akt der Strenge zu erwähnen, rühmt unser älte- 
ster Chronist") ihm nach, dass er täglich 40 Arme speiste, wobei 
er persönlich die Tischgebete sprach und selbst die nöthige Bedie- 
nung leistete, dass auch Niemand so bekannt im eigenen Hause 
sein kann, als dieser Bischof es in den Häusern der Kranken und 
der Gefangenen war. So starb er, „von Allen nicht anders, als 
wie ein Vater beweint," am 30. Jäner 1030.^) — 

§. 19. Bischof Severus. 

1. Wir begegnen nun wieder einem heiligen Manne unter den 
Nachfolgern eines Heiligen. Es ist Severus, dessen Andenken 
das alte Martyrologium der prager Kirche mit den Worten be- 
wahrt: „Tertio calendas Julii ordinatio sancti Severi episcopi 
sexti Pragensis ecclesiae." (Am 29. Juni die Bischofsweihe des 



') Tcsina Phosph. p. 605, Biibiia Canon capituH Prag. MS. mit Berücksichti- 
gung der Erörterungen Palacky's über altböhraisclie Adelshäuser II. 2. S. 10. 
Cosnias nennt ihn einfach: nobilis genere. 

~) Ziegelbauer: hist. vionast, Bremiov, p. 112; er beruft sich auf alte Manu- 
scripte des Klosters. 

3) Als solcher erscheint er in Bubna's Canon cap. Prag. MS. und in Peäina's 
Phosph. p. 605. 

*) Cosraas. 

5)Hajek ad a. 1024. 

6) Dobner annal. V. 127. 

') Cosmas. 

^) Ebendaselbst. Pesina hielt ihn für den Verfasser der schon öfters citirten 
lieblichen Legende des h. Wenzel. - Dieselbe befindet sich in einem grossen 
Pergament-Codex der Prager Kapitelbibliothek, und in einer Abschrift (von 
"W. Duchowsky 1763) in der k. k. Universitätsbibliothek zu Prag. 



73 

heiligen Severus, sechsten Bischofs der Kirche zu Prag.) Einer 
edlen Familie Böhmens entsprossen, ') ausgezeichnet durch zierliche 
Gewandtheit und eben so eifrige als treue Dienstfertigkeit, war er 
als junger Kleriker im fürstlichen Gefolge — eine seltene Erschei- 
nung — der Liebling des Fürsten sowohl, wie des gesammten 
Hofes. Damals verschmähte er es nicht, ausnahmsweise einmal 
den herzoglichen Leibkoch zu machen, indem er auf der Jagd einen 
Eberschweif auf das künstlichste für seinen Fürsten bereitete, um 
dafür das scherzhafte Lob entgegenzunehmen: für solch ein köstli- 
ches Gericht sei er eines Bisthums werth.^) Später soll er dage- 
gen das Mönchskleid genommen und im Kloster zu Bi;ewnow ein 
Leben der Frömmigkeit begonnen haben. ^) Zuletzt war er, wie 
seine beiden Vorgänger, in das Domkapitel zu Prag eingetreten 
und hatte daselbst die Würde des Propstes erlangt.*) Der fort- 
dauernden Gunst des Herzogs Udalrich, und dem allgemeinen 
Rubme, dass er der erste sei in alleii geistlichen Pflichten, ^) ver- 
dankte er nach Hyzos Tode seine Erhebung auf den bischöflichen 
Stuhl. Schon im Anfange des Jahres 1030 gewählt, erlangte er 
doch wegen des damaligen Zerwürfnisses Udalrichs mit Kaiser 
Konrad 11. erst am 29. Juni 1031 die kaiserliche Investitur und 
die bischöfliche Weihe.®) Als Bischof Hess er es in keiner Weise 
an Fleiss und Eifer mangeln, um die ihm anvertraute Diöcese zu 
ausgezeichneter Blüthe zu bringen.*) Desshalb ging er vor Allem 
an die Fortsetzung des Kampfes, den schon Bischof Dietmar be- 
gonnen hatte. Die noch immer nicht völlig überwundenen altheid- 
nischen Unsitten fanden in ihm einen energischen Gegner.®) Dabei 
zeigte er sich selbst als Freund der Andacht und Selbstabtödtüng, 
indem er unter Anderem im J. 1036 bei einem gewaltigen Erdbe- 
ben, welches Häuser und Thürme niederriss, nicht blos eine allge- 



') Paprocius — irregeführt durch den böhmischen Namen Sebir — nennt ihn 

einen Berkowsky von Sebirowa. 
*j Cosmas a. h. a. Marignola p. 268. 
3) Ziegelbauer, hisi. monast. Brevnov. p. 112. 
*) Pesina : Phosph, und Bubna : canon cap. Prag. 
^) Cosmas. 

*') Cosmas. Marignola. Dobner annal V. 178, 
') Anonymus apud Menken, tom. 3. 
^) Dies beweisen seine späteren Gesetze. 



74 

meine Faste zur Versöhnung des göttlichen Zornes ausschrieb, son- 
dern auch selbst aller Speise und alles Trankes sich enthielt und 
unablässig auf dem Boden liegend unter heissen Thränen die Er- 
barmung des Himmels anflehte.') 

2. Im Jahre 1037 am 9. November verschied Herzog Ulrich, 
der stete Gönner unseres Bischofs. Der noch lebende blinde Ja- 
romir führte selbst unter allgemeiner Rührung den Sohn des Ver- 
storbenen, Bretislaw, den böhmischen Achilles, auf den Herzogstuhl. 
Dieser hatte vordem — übermüthig genug — aus einem Kloster 
in Schweinfurt in der Person der dort in Erziehung befindlichen 
Schwester des Markgrafen Otto sich eine Gemahlin geraubt. Küh- 
nen Muthes hatte er Mähren von den Polen zurückerobert und den 
Titel eines Herzogs daselbst angenommen. Eigenmächtig hatte er 
im Bunde mit Kaiser Konrad den ungarischen König Stephan be- 
kriegt. Zuletzt hatte er, flüchtig vor seinem Vater, an der Spitze 
eines deutschen Heeres die Wiederaufnahme ins Vaterland sich 
erzwungen.-) Da konnte es wohl nicht fehlen, dass Bischof Seve- 
rus als Günstling und treuer Anhänger des Vaters Udalrich nicht 
eben ein Liebling des Sohnes ward. Bi^^etislaw brachte die kühn- 
sten Pläne, vereint mit dem tapfersten Muthe, mit auf den Her- 
zogstuhl. Böhmens alte Grösse, das riesige Reich der beiden er- 
sten Boleslawe, wollte er wieder erneuern. Auch die Unabhängig- 
keit von Deutschland wollte er sich erstreiten. In zwei Feldzügen 
(1038 und 1039) eroberte er das polnische Reich. Der kostbare 
Schmuck der Kirchen des Landes wanderte nach Böhmen. Da 
ward auch der Leib des heil. Adalbert unserem Lande wiederge- 
geben. Bischof Severus, der mit seinen Mannen am Zuge hatte 
theilnehmen müssen, liess das wilde Kriegsvolk vor der Erhebung 
des heiligen Leichnams drei Tage lang fasten und Busse thun. 
Zugleich nahm der Herzog, diessmal im Einverständnisse mit dem 
Bischöfe und auf Einrathung desselben die Gelegenheit wahr, in 
feierlicher Weise einige Gesetze zur endlichen Abstellung altheid- 
nischer Missbräuche zu verkünden und von allen Anwesenden be- 
schwören zu lassen. Darauf ward unter Psalmengesang das Grabmal 
des Heiligen geöö'net, süsser Wohlgeruch duftete Allen entgegen, meh- 



') Hajek a. h. a. 

») Vgl. Palacky I. 270-277. 



75 

rere Kranke wurden plötzlich gesund. Der Leichnam ward völlig un- 
versehrt gefunden, und zugleich mit den Leibern des seligen Gau-- 
dentius, ersten Erzbischofs von Gnesen (Adalberts Bruder Kadim) 
und der heiligen Märtyrer des Benediktinerordens Benedikt mit 
den Brüdern (Matthäus, Isaak, Johannes und Christinus) mit gros- 
sem Pomp an der Spitze des Heeres nach Prag übertragen.') (Fest 
der Uebertragung des h. Adalbert und Benedikts mit den Brüdern 
am 25. August.) 

3. Die in Gnesen so feierlich beschworeren Gesetze, kraft 
welcher endlich der Kampf der jugendlichen Kirche Böhmens mit 
den Ueberresten des alten Heidenthums beendigt werden sollte, 
sind folgende: 

a) Die Ehen, welche bisher wie Anstalten der Unzucht und 
ähnlich den wilden Thieren gehalten wurden, sollen jetzt nach den 
Bestimmungen der heil. Kirchengesetze gesetzlich, einfach und un- 
auflöslich sein, so, dass der Mann mit einem Weibe, und das Weib 
mit einem Manne zufrieden lebe. W^enn aber das Weib den Manu 
oder der Mann das Weib verachten, und unter ihnen ein Streit 
bis zur Scheidung ausbrechen sollte, so soll derjenige Theil von 
beiden, welcher zur früheren rechtmässigen Verbindung nicht zu- 
rückkehren will, zwar nicht nach der frühern Sitte des Landes 
zur Sklaverei verdammt, sondern vielmehr kraft dieser unverän- 
derlichen Anordnung ohne Unterschied der Person nach Ungarn 
verbannt werden und in keiner Weise ihm erlaubt sein, sich los- 
zukaufen oder ins Vaterland zurückzukehren. Wer dagegen han- 
delt, der sei im Banne. 

b) Dasselbe Urtheil soll jene unkeuschen Jungfrauen und 
Witwen treffen, welche überwiesen werden, dass sie ihren guten 
Namen verloren und die Keuschheit verletzt, oder in Unzucht em- 
pfangen haben. Wenn aber ein Ehe-Weib sich beklagt, dass ihre 
Liebe nicht erwiedert und dass sie vielmehr von ihrem Manne 
roh behandelt und geschlagen werde: so werde unter ihnen ein 
Gottesgericht gehalten,^) und wer als schuldig unter ihnen erschei- 
nen wird, der möge die Strafe erleiden. 



') Cosmas. 

^) Gottesgerichte waren noch lange Zeit bei den Gerichten in allen Ländern 

das vorzüglichste Beweismittel. Auch sie waren eigentlich ein üeberrest 

des früheren Heidenthums. 



76 

c) So sollen auch diejenigen, welche eines Mordes geziehen 
werden, vom Erzpriester dem Grafen (Zlupan) der Stadt gemeldet 
werden. Der Graf soll sie vor sich rufen und die Widerspensti- 
gen in den Kerker werfen, bis sie entweder Busse thun, oder, 
wenn sie läugnen, durch Feuer- oder Wasserprobe (Gottesgericht) 
geprüft w^erden, ob sie schuldig sind. Bruder- und Vatermörder 
aber, sowie, wer einen Priester getödtet, oder eine ähnliche Blut- 
schuld auf sich geladen bat, die soll der Erzpriester dem Grafen 
oder Herzog anzeigen, welcher sie an Händen und Leibe gebrand- 
markt aus dem Lande verbannen wird, damit sie gleich Kain, ruhe- 
und heimatlos die Erde durchirren. 

d) Es sei im Banne, wer ein Schankhaus, welches die Wurzel 
alles üebels, der Ausgangsort der Diebstähle, der Todschläge, Ehe- 
brüche und aller übrigen Sünden ist, errichtet und ein bereits er- 
richtetes erwirbt. Der Schankwirth, der dieses Gesetz verletzt, 
soll auf dem mittelsten Markte an einen Pfahl gebunden und bis 
zur Ermüdung des Schergen geschlagen und seines Haupthaares 
verlustig werden. Seine Getränke sollen keineswegs konfiscirt, 
sondern auf die Erde ausgegossen werden, damit Niemand mit dem 
fluchwürdigen Trünke sich beflecke. Wer als Trinker ergriffen 
wird, soll nicht früher aus dem Kerker entlassen werden, als bis 
er 300 Groschen in, den herzoglichen Schatz erlegt hat. 

e) Märkte dürfen an Tagen des Herrn durchaus nicht gehal- 
ten werden. Wenn Jemand an Sonn- und Festtagen bei irgend 
einer kneclitlichen Arbeit angetroffen wird, so soll die Arbeit und 
das dabei befindliche Vieh vom Erzpriester hinweggenommen und 
überdiess der Betrag von 300 Groschen in den Schatz des Herzogs 
erlegt werden. 

f) So sollen auch diejenigen, welche es wagen, ihre Todten 
in Feldern und Wäldern zu begraben, dem Erzdiakon ein Rind und 
in den herzoglichen Schatz 300 Groschen zahlen, den Todten aber 
neuerdings auf dem Begräbnissplatze der Gläubigen beerdigen.') 

4. Wir dürfen nicht zweifeln, dass diese Gesetze unter so er- 
greifenden Umständen gegeben, so feierlich beschworen, und ebenso 
von dem strengen Fürsten wie von dem eifrigen Bischöfe auf das 
Pünktlichste vollzogen, einen erfreulichen Umschlag in den reli- 



^) Cosmas. 



77 

giös-sittlichen Zuständen unseres Vaterlandes hervorgebracht haben. 
Was Dietmar als unerfüllt in der Todesstunde beklagt, was den h. 
Adalbert zum Martyr gemacht hatte, um was alle ihre bisherigen 
Nachfolger so ernstlich bemüht gewesen waren : das schien nun 
endlich in der Hauptsache erreicht. Der siegreiche Kampf des 
Christenthums mit den Resten des alten Heidenthuras war in der 
Mehrheit des Volkes zu Ende gediehen. Nur insgeheim opferten 
noch, hin und wieder einige Bauern hinter dem Rücken ihrer 
christlichen Priester den alten „Diasen," beteten zu ihren alten 
Hausgötzen (Skfety), begruben ihre Todten in den altheiligen Hai- 
nen, feierten Trauerfeste (Tryzny) über ihren Gräbern und wand- 
ten sich zu den Nordslawen in Rethra und Arkona um geheime 
Belehrung in ihrem Aberglauben. ') Diesem letzten Unwesen machte 
um das J. 1106 der eifrige Herzog Bretislaw H. im Vereine mit 
dem Bischöfe Herrmann ein Ende. — 

§. 20. Fortsetzung. 
1. Für den Bischof Severus folgte nun eine Zeit der schwer- 
sten Verlegenheiten und der grössten Bedrängnisse. Des Helden- 
herzogs kühne Bestrebungen für Böhmens Grösse und Selbststän- 
digkeit, in der Heimat mit Jubel begrüsst, anderwärts aber desto 
unliebsamer aufgenommen, waren die Quelle derselben. Wie einst 
Rastislaw von Mähren seine Befreiungspläne vorerst durch Herstel- 
lung kirchlicher Selbstständigkeit eingeleitet hatte: so jetzt auch 
Bretislaw. Er wollte das Bisthum in Prag zum Erzbisthum erhe- 
ben, und so die hergebrachte Abhängigkeit Böhmens vom Metro- 
politen in Mainz beseitigen. Eifrige Unterhandlungen wurden be- 
reits in Rom gepflogen, — ohne Wissen und Willen des Erzbischofs 
Bardo.') Welche schiefe Stellung unseres Bischofs Severus, der 
nicht wagen durfte, die Pläne des ungestümen Herrschers zu durch- 
kreuzen! Aber Bretislaw schien noch viel weiter gejien zu wollen. 
Als er im J. 1039 den Bau des Klosters Sazawa vollendet hatte, 
führte er dort slawische Mönche aus den ruthenischen Gegen- 
den Ungarns mit griechisch- slawischem Ritus ein.^) Da 



'j Palacky I. 336, cit. Adami Bremensis Jiist eccl. p. 37. 

-) Palacky I. 278 Note. Cit. Annalist. Saxo p. 477. 

'^1 Giuzel: Gesch. der Slaweuapostel, S. 139. cit. Kopitar. Dass der neue 



78 

es sich um eine damals noch nicht dem Schisma verfallene, von 
der Kirche geduldete liturgische Ausnahme zu Gunsten eines 
einzigen Klosters zu handeln schien, glaubte wohl Bischof Severus 
seine Einwilligung geben zu müssen, um nicht das traurige Aer- 
gerniss eines gänzlichen Zerfalles mit seinem heftigen Fürsten her- 
aufzubeschwören. Aber — wie einst Rastislaw — so mochte wohl 
auch unser böhmische Achilles die Einführung der slawischen 
Sprache in die Feier des Gottesdienstes als ein besonders dienli- 
ches Mittel für seine politischen Pläne erachten,') und es lag sehr 
nahe, dass er desshalb bei der Neuerung in Sazawa nicht stehen 
bleiben werde. Grund genug, um die Besorgnisse des mainzer Me- 
tropoliten noch zu steigern, und dadurch die Verlegenheit des Bi- 
schofs Severus zu vermehren. 

2. Nun hatte Bfetislaw eben auch die Eroberung Polens 
vollendet. Die Klagen der vertriebenen Witwe Mecislaws IL bei 
Kaiser Heinrich III. und die Klagen des Volkes wegen Verletzung 
und Plünderung der Kirchen bei Papst Benedikt IX. in Rom schie- 
nen der Welt über Bfetislaws Pläne die Augen zu öffnen. Auch 
Severus war als Theilnehmer im Kampfe und wegen der Hinweg- 
nahme der Reliquien des heil. Adalbert und anderer Heiligen schwer 
beinzichtigt. Nur mit Mühe vermochte Bi-etislaw vorläufig noch 
den Frieden mit Heinrich III. zu erhalten, welcher — einer der 
grössten Regenten der Geschichte — ganz der rechte Mann war, 
uni das Gedeihen der für Deutschland so gefährlichen Entwiü-fe 
des böhmischen Helden zu hindern.-) Indess musste eine böh- 
nnsche Gesandtschaft durch ein reumüthiges Geständniss und durch 
Betheuenmg ernstlicher Busse die Verzeihung des Papstes gewüi- 
nen. Dieselbe erfolgte auch in der That unter der Bedingung: 
dass Herzog und Bischof als Busswerk gemeinschaftlich an einem 
geeigneten Orte ein Kloster erbauen, dasselbe mit allen kirchli- 
chen Erfordernissen hinreichend versehen, und erprobte geistliche 
Personen daselbst einsetzen, welche für alle Zeit Gott dem Herrn 
zur Sühne und zum Heile der lebenden und abgestorbenen Christ- 



Ritus der graecoslawische war, beweisen die 1855 von Prof. Gonst. Höfler 
aufgefundenen glagolitischen Fragmente, die nach dem Urtheile Öafariks 
Bestandtheile von liturgischen Büchern nach griecliischem Ritus sind. 

') Ginzel, ebendaselbst. 

-) Palacliy I. 281 und 279. 



79 

gläubigen eifrig dienen.') In Folge dessen entstand das noch heute 
bestellende Kollegiatstift zu Alt-Bunzlau. Von der Errichtung 
eines Erzbisthums in Böhmen war nun keine Rede mehr. 

3. Unterdessen war an Heinrichs Forderung, die geraubten 
polnischen Silberschätze innerhalb eines bestimmten Termins auf 
Heller und Pfennig zu ersetzen,*) die längere Erhaltung des Frie- 
den gescheitert. Im August 1040 standen zwei deutsche Heere an 
Böhmens Grenzen, das eine unter dem Kaiser in Baiern, das andere 
in Meissen unter Anführung des Erzbischofs von Mainz. Welche Lage 
für Severus: auf der einen Seite der ungestüme, misstrauische 
Landesfürst, auf der andern der Träger der kaiserlichen Krone, 
welcher er bei seiner Investitur den Eid beständiger Treue gelei- 
stet hat,"') und der strenge Metropolit, welcher mit ihm nach Sy- 
nodalrecht vorzugehen droht!'') Die Expedition des Kaisers schei- 
terte durch eine Niederlage am 23. August 1040 am Fusse des 
Böhmerwaldes. Da musste auch das bereits bis Brüx vorgedrun- 
gene Meissnische Heer den Rückweg suchen. Glücklicher war der 
zweite Feldzug im nächsten Jahre. Am 8. September 1041 wehte 
auf dem nachmaligen Zizka-ßerge bei Prag das deutsche Banner. 
Da floh Severus insgeheim in das kaiserliche Lager, um mit in- 
ständigen Bitten denjenigen zu überwinden, der als Sieger bereits 
vor den Thoren stand. Bretislaw musste Frieden schliessen und 
alle seine kühnen Pläne aufgeben. Aber schwer war seine Rache 
gegen jene im Lande, welche dazu mitgewirkt hatten. So fiel der 
zu den Deutschen übergegangene Graf Prkos von Bilin unter dem 
Schwerte des Henkers.^) Der Bischof Severus konnte sich nur da- 
durch retten, dass er bis in das J. 1042 am Hofe des Kaisers 
verweilte. Der letztere selbst leitete endlich in diesem Jahre bei 
Bfetislaws Anwesenheit in Regensburg die Wiederversöhnung ein. 
Da kehrte Severus ins Vaterland zurück, leider zu seinem Un- 
glücke. Er fand da Ketten und Kerker.'^) Doch wurde er endlich 
— wohl auf Verwendung des Kaisers selbst — wieder befreit und 



1) Cosnias. 

-) Cosmas ad a. 1040. 

3) Vgl. Dobner annal. 5. 265, und Gerlacus, Monitm. Boem. 1. 126. 

•*) Annalista Saxo, a. h. a. 

5) Palacky I. 286 ii. 287. 

") Cosmas. 



80 

der kräftigen Fürsorge für seine Diöcese wiedergegeben. Bis zu 
Bf etislaws Tode scheint wieder ein erträgliches Verhältniss zwischen 
dem weltlichen und dem geistlichen Oberhaupte bestanden zu 
haben. In dieser Zeit betheiligte sich Severus an den Synoden zu 
Pavia und Sutri (1047) zur Beseitigung eines traurigen Schismas; 
mehr als wahrscheinlich auch an der Synode zu Mainz (1049), wo 
es sich in Gegenwart des Kaisers und des Papstes um die Abstel- 
lung aller Simonie und der ungesetzlichen Priesterehen handelte '■> 
endlich wieder bei einer Synode zu Mainz (1054), wo auf Verwen- 
dung und Bitte der Römer der Bischof Gebhard von Eichstädt 
zum Papste gewählt wurde.') Herzog Bfetislaw aber benützte 
diese Zeit zu edlen Idrchenfreundlichen Werken. Im J. 1048 ver- 
mehrte er die Stiftung des Benediktinerpriorats zu Raigern bei 
Brunn (Raihrad) und erwirkte dessen Erhebung zu einem selbst- 
ständigen Kloster. In gleicher Weise vergrösserte er darauf die 
Besitzungen der Klöster Bi^ewnow, Ostrow und Sazawa.") Er starb 
am 10. Jäner 1055. 

4. Unter Bi'etislaws Sohne Spytihnew II. kehrte Sever's gol- 
dene Zeit zurück. Dieser ,, Vater des Klerus" gab — gewiss mit 
Zuthun des Bischofs — dem Vaterlande die völlige Einheit in der 
Liturgie zurück, indem er die seit Aufgebung der ehrgeizigen 
Pläne Bi'-etislaws nutzlos gewordene slawische Liturgie des 
Klosters Sazawa durch Entlassung der ruthenischen Mönche 
und Aufnahme einer Kolonie von Bi-ewnow wieder beseitigte. Wohl 
bewog ihn hiezu auch der Umstand, dass der griechische Ritus, 
dem jene slawische Liturgie erwiesener Massen folgte, seit etlichen 
Jahren (1054) zugleich mit der griechischen Kirche schismatisch 
geworden war.^) Fromm und eifrig im Dienste des Herrn verrich- 
tete Spytihnew die kirchlichen Andachten inmitten seines Klerus 
mit einer Pünktlichkeit, die Allen zum Muster dienen konnte. Er 
stiftete im J. 1057 das neue Kollegiatstift in Leitmeritz zu Ehren 
des h. Martyrs Stephan, das im Laufe der Zeiten zu einem Bis- 
tllum sich gestalten sollte. Im J. 1060 legte er auch den Grund zu 
einer neuen Domkirche in Prag an der Stelle der alten vom h. Wenzel 



1) Vgl. Dobner annal V. 290, 291, 302, 323. 
-) Urkunden in Erben reg. 45, 44, 47 und 50. 
^) Ghi'on. Sasmiense I. 97. 



81 

erbauten, deren Umfang dem Bedarfe nicht mehr genügen konnte. ') 
Die Vollendung derselben erlebte er nicht; er starb am 28. Januar 
1061. Mit dem alten Dome war gleichsam auch die alte Zeit der 
böhmischen Kirche verschwunden; mit der neuen S. Veitskirche, 
und mit dem neuen Herrscher sollten neue Interessen und neue 
Bewegungen auch die Kirche Böhmens in Anspruch nehmen. 

Severus überlebte den kirchenfreundlichsten Fürsten nur we- 
nige Jahre. Er starb — als ein Heiliger verehrt — am 9. De- 
zember 1067 % nachdem er noch im Jahre 1063 seine Einwilli- 
gung zur Errichtung eines eigenen Bisthums in Olmütz und zur 
Beschränkung der bischöflichen Jurisdiction von Prag auf die Grän- 
zen des eigentlichen Böhmens gegeben hatte. ^) Hiedurch war für 
die Zukunft eine desto kräftigere Entfaltung des kirchlichen Le- 
bens ermöglicht. 

§. 21. Die Theilnahme der meissnischen Bischöfe am siegreichen Kampfe 
gegen das Heidenthum im Norden Böhmens. 

1. Der Kampf gegen die Ueberreste altheidnischer Sitte in Böh- 
men und die endliche Ueberwindung derselben war die grosse Auf- 
gabe dieses Zeitraums gewesen. Wie allerwärts, so hatten die Bi- 
schöfe Prags im Vereine mit den glaubenseifrigen Landesfürsten 
diese Aufgabe auch in jenen Gegenden der Diöcese, die jetzt den 
leitmeritzer Sprengel bilden, mit glücklichem Erfolge gelöst. 

Dasselbe Werk war aber auch im aus s ersten Norden des 
Landes, in den zur meissn^er Diöcese gehörigen Gebie- 
ten zu vollbringen gewesen. Hier nun hatten die Oberhirten von 
M e is s e n ebenfalls redlich ihre Pflicht gethan, — eine um so schwe- 
rere Pflicht, als es hier zugleich einen harten Kampf gegen tiefge- 
wurzelte nationale Antipathien galt. ~ 

2. Auf den ersten Slawenbekehrer im Gebiete von Budisin, 
Lausitz und Zagost war Volcold nachgefolgt (972 — 993), der 
Freund und Gesinnungsgenosse des h. Wiligisis von Mainz, der 



1) Palacky I. 295-297. 

2) Cosmas a. h. a. • : 

3) Dobner annal. V. 379. — Augustinus Olomucensis. — Cosmas gibt dage- 
gen das Jahr 1067 an. 

6 



82 

eifrige Reformator seiner Geistlichkeit. Als Glaubensbote in den 
Norden seines Sprengeis zu ziehen hinderten diesen leider die 
damaligen Aufstände aller Wenden (981 und 982), die allerdings 
zunächst gegen die Bedrückungen ihrer deutschen Gebieter gerich- 
tet waren, aber zugleich auch zu argen Kämpfen gegen die von 
Deutschland gekommenen christlichen Institutionen des Landes aus- 
arteten. Yielleicht gingen da die Früchte der Bemühungen 
des seligen Burchard in trauriger Weise zu Grunde. Eine glück- 
lichere Zeit erlebte der nächste Nachfolger Eido (Egidius, 993 — 
1015). Ein neuer Aufstand der Wenden, den der Widerwille gegen 
die fremden Sieger hervorgerufen, hatte im J. 995 ein für die deut- 
schen Waffen glückliches Ende gefunden. Da zog Eido, der ehe- 
malige Klosterbruder von Magdeburg, persönlich als Glaubensapostel 
nach Zagost und Budisin, und gewann durch Wort und Beispiel 
der Lehre Christi neuerdings zahlreiche Bekenner. ') Wenn es 
begründet ist, dass eben in der Stadt Budisin im J. 999 eine stei- 
nerne Kirche — wohl an der Stelle einer zerstörten hölzernen aus 
früherer Zeit — vollendet ward^), so ist unzweifelhaft Bischof 
Eido der Consecrator derselben gewesen. Er starb schon im Jahre 
1015 im Rufe der Heiligkeit. ^) Die neue Kirche in Budisin aber 
blieb der Mittelpunkt des christlichen Bekenntnisses der gesammten 
Gegend. Unter Bischof Eido kam der Tradition nach auch der 
heilige Bruno (Graf von Querfurt, Missionserzbischof für Preussen) 
in die Gegend von Budisin und predigte da in der „Kapelle zu 
Jüterbok", — angeblich auch in Gabel (c. 1000).*) Dennoch war 
das alte Heidenthum in den Gauen Budisin und Zagost nicht völlig 
besiegt. Es kräftigte sich noch einmal an dem Hasse gegen die 
Fremden, als der christliche Polenherzog Boleslav Chrobry in den 
Jahren 1003 und 1007 dieser Gegenden sich bemächtigte. Auch 
der deutsche König Heinrich IL, der Heilige, fand als neuer Herr 
dieser Landschaft die Gemüther Vieler in heftiger Erbitterung, nicht 
nur gegen die fremde Macht, sondern auch gegen den christlichen 



') Fabricius annal. Misn. 

^) Es war diess dieselbe Kirche, welclie 1215 als alt und finster abgerissen 

wurde, Sie stand an der Stelle des jetzigen Chors des S. Peterdoms. Ygl. 

Sintenis: die Oberlausitz, S. 64. 
3) Ditmarus et annälista Saxo bei Galles senes episc. Misn. p. 55. 
^) Palme: Kückblicke in die Vorzeit des böhm. Niederlandes. MS. 



83 

Glauben., Er musste mit dem Schwerte die Widerspänstigen be- 
drängen (1015). ') Da flohen die Unbeugsamsten vor der Ueber- 
macht des Königs in die dichten Wälder an der Gränze von Zagost 
und Böhmen, wo sie wohl noch eine Zeit lang in stiller Verbor- 
genheit ihre hergebrachten Ueberlieferungen bewahrten, endlich aber 
dennoch durch den friedlichen Einfluss der böhmischen Nachbar- 
schaft für die heilige Kirche gewonnen wurden. Die Sage bezeichnet 
die heutigen Ortschaften: Kreibitz und Windisch-Kamnitz in Böh- 
men, Oderwitz und Eubau in der Oberlausitz als ehemalige Nie- 
derlassungen jener flüchtigen Wenden,^) Dieser aber waren am 
Ende doch nur verhältnissmässig wenige gewesen. Die grosse 
Mehrheit in der wendischen Heimat wollte dagegen mit dem 
Segen des Friedens das Heil des Christenthums empfangen. Gewiss 
thaten sofort die meissnischen Bischöfe Eilward (Eduard 1015 — 
1023),Hugbert(Wipert, 102.3— 1024), und Theo dorich (1024— 
1046 ^) ihr Möglichstes, um das äussere Bekenntniss der Menge 
zur heiligen Ueberzeugung des Herzens zu gestalten. Dennoch folgte 
noch eine und zwar die letzte Keaktion. Alle Slawen, die zwischen 
der Elbe und Oder wohnten und grossentheils durch mehr als 70 
Jahre das Christenthum bekannt hatten, erneuerten im Jahre 1035 
den Kampf gegen die Deutschen und brachten ihrer nationalen 
Antipathie schon wieder den christlichen Glauben zum Opfer.*) 
Da bedurfte es einer abermaligen Unterwerfung und eines neuen 
Apostels. 

3. Die neuen Bischöfe Meinhard (1046 — 1051), Reiner 
(Reginhard, 1051 — 1060), der Vollender des S. Afraklosters in Meis- 
sen, und Gräfte, der ehemalige Propst von Goslar (1060 — 1066 ^) 
Hessen es wohl an heiligem Eifer für den Unterricht der Wen- 
den nicht fehlen : aber sie alle übertraf ihr Nachfolger, der grosse 
Wendenapostel, der heilige Benno(1066 — tl6Junill06). 
Dieser besuchte alljährig die einzelnen Städte und Dörfer seiner 
ausgedehnten Diöcese. Besonders den Landschaften Zagost und 



1) Chron. MamfeU. 239. 
3) Vergl. Seite 30. 

3) Calles series e^iscoporum Misnensium. 55 — 64. 
*) HelmoU. L. I. ■— Chron. Slav. c. 16. 
5) Calles series ejpiscop. Misn. 65 — 73. 

6* 



84 

Budisin widmete er seine oberhirtliclie Sorgfalt.- Es gelang ihm, 
den Götterkult in den alten h. Hainen zu beseitigen, die den Göt- 
tern geheiligten Bäume auszurotten, die heidnische Sitte, in Wäl- 
dern und Feldern die Todten zu begraben, gänzlich aufzuheben, — 
alles dieses durch die Kraft seines gotterleuchteten Wortes und 
seines wahrhaft heiligen Lebens. ') Von höchster Bedeutung musste 
es sein, dass er in diesen Gegenden als zeitweiligen Ruhesitz die 
Burg Gödau ^) erwarb, wo fortan Bezela, die fromme Mutter 
des. heiligen Bischofs, die letzten Jahre ihres Lebens in Werken 
der Gottseligkeit verlebte. Eine fromme Sage erzählte einst, als 
Gödau noch katholisch war, dass dasselbst die gottselige Witwe 
täglich, selbst in der härtesten Winterzeit die Kirche besucht und 
hiebei den sie begleitenden Kaplan wiederholt aufgefordert habe, 
in ihre erwärmten Fussstapfen zu treten. Hier fand sie auch ihre 
letzte Ruhestätte, nachdem sie all ihr Eigenthum der bischöflichen 
Kirche von Meissen testirt hatte. ^) Es leuchtet ein, dass die 
Umgegend von Gödau, die sofort den Meissner Bischöfen als Ei- 
genthum gehörte, und wo vielleicht schon in dieser Zeit die bischöfliche 
Stadt Bischofswerde emporblühte, auch einer besonderen Fürsorge von 
Seiten des h. Benno sich erfreute. So konnte es nicht fehlen, dass 
der christliche Glaube insbesondere auch in dem jetzt böhmischen 
Theile von Zagost, insoweit derselbe damals bereits bevölkert war, 
endlich bleibende Wurzeln fasste und in Kurzem die edelsten 
Früchte eines echtchristlichen Lebens trug. 



^) Cosmas de Bfetislav IL 

^) Emser cit. bei Oalles p. 78. Aehnliche Kuhesitze hatte Benno zu Bresnic 
(Priesnitz bei Dresden), wo noch lange Zeit eine königliche Burg und ein 
bischöfliches Lustschloss bestand (Huhn Lex. v. Deutschland). 

') De S, Bennone variorum scripta bei Menken scrip. II. p. 1856 etc. 



85 



Die MrcMiclieii "Verhältnisse und Institutionen in der Zeit des 
Kampfes der Kirclie mit dem unterliegendeli Heidentimme. 

(972—1067.) 
§. 22. Der Säcularclerus der Di'dcese. 

1. Aus den Seelsorgen der einzelnen ^upenburgen, wie wir 
solche zur Zeit der Einführung des Christenthums in Böhmen ken- 
nen lernten, waren unter den ersteh Bischöfen bereits eben so 
viele Archipresbyterate geworden, deren Gränzen wohl von 
den spätem Dekanaten zur Zeit Karls IV. nicht bedeutend ver- 
schieden waren. Nachweisbar ist diese Einrichtung im Jahre 1039 
eine längst bestehende gewesen, da die damals am Grabe des heil. 
Adalbert beschworenen Gesetze ausdrücklich die Existenz eines 
Erzpriesters neben den einzelnen ^upenvorstehern voraussetzen. ') 
Hiemit war aber auch das gleichzeitige Bestehen untergeordneter 
Landseelsorgen (Pfarreien, plebaniae) bedingt. 

Den Titel eines Ar chipresbyt er s (Erzpriesters) hatte ur- 
sprünglich in der katholischen Kirche nur der der Weihe nach äl- 
teste Priester am Sitze des Bischofs geführt, dem es in Verhinde- 
rung des Letzteren zustand, die gottesdienstlichen Hauptfunktionen 
zu verrichten. Seit dem fünften und sechsten Jahrhunderte treffen wir 
bereits in vielen Diöcesen ß u r a 1-E r z p r i e s t e r, deren Hauptaufgabe 
es war, die Landgeistlichen eines gewissen Bezirkes zu beaufsich- 
tigen und deren Vergehen zur Kenntniss der bischöflichen Behörde 
zu bringen. In der Karolingischen Zeit ist dieses Institut bereits 
allgemein, und deshalb kaum zu bezweifeln, dass auch die Bischöfe 
von Regensburg wenigstens einen solchen Erzpriester in Böhmen 
angestellt hatten.^) In dieser Zeit bekamen auch die Archipres- 



1) Tgl. §. 19. N. 3. c, a, e. 

~) Ein solcher war vielleicht der in dem fragmentum praebendancm etc. ec- 

desiae S. Georgii (Dohner. mommi. VI. 342) im Jahre 912 ausdrücklich 

erwähnte ArcJiipresbyter Vlita bei S. Georg in Prag. 



86 

byterate, analog einer älmliclien Einrichtung bei den Benediktiner- 
Conventen und vielleicht auch von der gewöhnlichen Anzahl der 
untergebenen Seelsorgstationen, schon den Namen D e k a n a t e. Von 
nun an, und also auch zu der eben geschilderten Zeit in unserem 
Vaterlande, hatte der Erzpriester die Geistlichen seines Bezirkes 
zu beaufsichtigen, kleinere Streitigkeiten derselben zu richten, die 
Verordnungen des Bischofs in Vollzug zu setzen, die Ordinanden 
seines Sprengeis dem Bischöfe zur Weihe vorzuführen und am er- 
sten Tage eines jeden Monats mit der ihm unterstehenden Geist- 
lichkeit eine Pastoralkonferenz abzuhalten, deren Zweck haupt- 
sächlich die gegenseitige Fortbildung und der Austausch gemein- 
samer Erfahrungen und Gedanken sein sollte.') 

Ursprünglich wohnten, wie aus den Severischen Gesetzen er- 
sichtlich ist, die Erzpriester oder Dekane in den Zupensitzen. Spä- 
ter zogen sie wohl in die bedeutendste Stadt des Bezirks, wo zu- 
gleich die Cuda (das herzogliche Gericht) seinen Sitz nahm. Aus 
dieser Zeit mag die Benennung der meisten Dekanate stammen. 
Späterhin ernannte der Bischof irgend einen Seelsorger des Bezirks, 
der aber desswegen seine Station nicht verlassen musste, zum Erz- 
priester oder Dekan.^) 

2. lieber den Erzpriestern eines gewissen Umkreises stand in 
der ebenerwähnten Zeit ein Archidiaconus (Erzdiakon, Erz- 
dechant). Ursprünglich befand sich in einer Diöcese nur ein ein- 
ziger Archidiakon und zwar am Sitze des Bischofs, wo er den 
Unterricht und die Erziehung der jungen Kleriker leitete, die 
Aufsicht über die Diakonen und alle niederen Kirchendiener führte, 
und vorzüglich die Unterstützung und Verpflegung der Armen be- 
sorgte. Das letztere Geschäft machte ihn alsbald zum Verwalter 
der bischöflichen Einkünfte und in Folge dessen auch zum Gehilffen 
des Bischofs in Sachen der allgemeinen Administration und Ju^r^s- 
diktion. Man nannte ihn das Auge und die Hand des Bi- 
schofs. Seit dem 8. Jahrhunderte Avurden grössere Diöcesen 
schon in mehrere Archidiakonate getheilt, denen eben so viele 
Itural-Archidiakone nebst dem Archidiakon der Kathedrale 



') Vergl. Benedikt Weite Kirclienlex. 1. Band, 407 uad 408. 
-) Laut der Lihvi confirmaüonum. In diesen werden häufig Pfarrer als De- 
kane genannt, die keineswegs im alten Dekanatssitze wohnten. 



8Y 

vorgesetzt waren. In dieser Zeit und bis in's zwölfte Jahrhundert 
visitirten und straften sie fast unabhängig die Pfarrer und Erzprie- 
ster (Dekane), legten ihnen Abgaben auf, durften excommuniciren 
und Suspendiren, und hielten sogar mit dem Klerus ihres Spren- 
geis kleine Synoden. ^) 

.3. Im zwölften Jahrhunderte werden im Umkreise Böhmens 
dreizehn Archidiakonate erwähnt, welche wahrscheinlich 
auch schon unter den ersten Bischöfen bestanden. Ihre Titularsitze 
waren : Prag, Kauf im, Bechin, Bischof-Teinitz (Tyn Hor§ow), Pilsen, 
Saaz, Leitmeritz, Bunzlau, Königgrätz (Hradec), Eokytzau, Eaudnitz, 
Ziröinöwes (nördlich von Königgrätz) und Leitomischl. Eaudnitz 
undEokytzan wurden später dem Archidiakonate von Prag, letzte- 
res auch theilweise dem zu Pilsen, Ziröinewes aber dem Archi- 
diakonate von Königgrätz einverleibt. Dafür erscheint nachweis- 
bar seit 1216 das Archidiakonat von Bilin. ^) 

Soweit die urkundlichen Nachweise zurückreichen (c. 1160), 
waren die Archidiakonatswürden sammt den dazu gewidmeten Ein- 
künften einzelnen nicht präbendirten Domherren des prager Dom- 
kapitels zugetheilt, die als solche stabil in Prag wohnten und nur 
zeitweilig ihre Archidiakonate bereisten. Im 13. und 14. Jahrhun- 
derte und beziehungsweise auch in früherer Zeit bestand: 

a) das Archidiakonat von Prag aus den Dekanaten 
Prag, Beneäov, foöan, Ofechov (Karlsteiner Gebiet), Podbrdy (un- 
ter dem Brdywalde, Gegend von Beraun), Eakonitz, Schlan, fop 
(Georgsberg, Gegend von Eaudnitz), Chlumin und Brandeis. 

h) Das Archidiakonat von Kaui^im aus den Dekana- 
ten: Kaufim, Brod (Deutschbrod), ßeöic, Koliii und Stöpanov. 

c) Das Archidiakonat von Bechin aus den Dekanaten : 
Bechin, Moldau (Gegend von Nechwalic), Chynov, Dudleby (Teind- 
les), Wolyii, Bozeü (Gegend von Eozmital) und Prachin. 

d) Das Archidiakonat von Pilsen aus den Dekanaten: 
Pilsen, Eokytzan und Klattau. 

e) Das Archidiakonat von Bischofteinitz bestand 
nur aus dem einzigen gleichnamigen Dekanate. 

f) Das Archidiakonat von Königgrätz (Hradec) mit 



J) Weite Kirchenlex. I., 405, 406. 
^) Tomek, Gesch. Prags. I. 84, 



88 

den Dekanaten : Königgrätz, Jiöin, Bydzov, Kladsko (Grafschaft Glaz), 
Dobru§ka, Königinhof (früher Dekanat ^iröinöves), Kosteletz und 
Braunau. 

g) Das Archidiakonat Leitomischl (Litomyäl) mit 
den Dekanaten Litomy§l, Hohenmauth (auch Dek. Wratislaw), Chru- 
dim, Landskron und Policka. 

h) Das Archidiakonat Leitmeritz aus den Dekana- 
ten : Leitmeritz, Trebnitz und Leipa. 

i) Das Archidiakonat von Jung-Bunzlau aus den 
Dekanaten Jungbunzlau, Melnik, Havran (später Dek. Nimburg), 
Kainenec (später Dek. Weisswasser), Turnau, Gabel und Zittau. 

li) Das Archidiakonat von Saaz aus den Dekanaten: 
Saaz, Elbogen (Sedlic), 2lutic (Luditz), Kadan und Tepl. 

l) Das Archidiakonat von Bilin aus den Dekanaten: 
Bilin und Aussig. 

Ausserdem gehörte das Gebiet von Eger bis in die neue 
Zeit zur Diöcese von Regensburg und die §.11 erwähnten Gränz- 
gebiete der jetzigen Diöcese von Leitmeritz zum Bisthume Meissen. ') 

§. 23. Die alten Seelsorgspfriinden der' jetzigen Diöcese von Leitmeritz. 

Wir zählen nun von den seit den ältesten Zeiten bis in die 
Mitte, des 14. Jahrhunderts entstandenen Landseelsorgen diejenigen 
auf, welche sich im Umkreise der jetzigen Diöcese Leitmeritz be- 
fanden. Insofern die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts 
ersichtliche Dotation derselben ein Massstab ihres Alters ist, er- 
scheinen sie nach der Reihenfolge ihrer Stiftungszeit geordnet. ^) 
In den allerseltensten Fällen ist ein bestimmtes Jahr der Entste- 
hung sicher zu stellen. Doch ist anzunehmen, das s nahezu 
das erste Drittel der Pfründen eines Dekanats bis in 
die Zeit des 11. Jahrhunderts zurückreichen dürfte. 
1. Im Leltiiieritzer Ärchicliakonate, und zwar: 
a) Im Dekanate Leitmeritz (Litomöfice) befanden sich 



'} ISTacIi dem Eegistrum decimarum bei Baibin Miscell. Dec. 1. Hb. V. u. Pa- 
lacky, Dejiny I. 2. pHloha D. 

^) Die eingescbaltenen Ziffern bedeuten den im J. 1B84 mit päpstl. Bewilligung 
von den einzelnen Kirchen an König Wenzel abgegebenen halbjährigen 
Zehent in böhmischen Groschen. Seh. bedeutet Schock böhm. Groschen. 



89 

die Beneficien: Die Pfarrei Allerheiligen in Leitmeritz (1 Seh. 9 
gr.), die Archidiakonatspfründe f (45 gr.) '), die Pfarreien Hoätka f 
(Gastorf 27), Robeö t (Robitsch 2Y), ^itenic f (Schüttenitz 24), 
Wetla t (Wettel 24), Hrii§ovan f (24), Libegic (24), Strazi§tö 
(Strasnitz 24), Biökovice f (Pischkowitz 21), Usk (Auscha 21), 
Tuhaüf (18), Cerniöeves (Cernöwes bei Wettel 15), Ti-ebiiSinf 
(Triebsch 13), Levinf (12), Maleäovf (Maischen 12), S. Laurenz 
in Leitmeritz (9), S. Adalbert in Leitmeritz f (9), Sobönicef (9), 
Bli^vedlf (Bleiswedel 9), ^ernosekf (Gross-Tschernosek 9), Libo- 
chovan (9), Prackovice f (Praskowitz 9), Stebno (Stehen 9), ICf esic f 
(9), S. Stephan in Leitmeritz f (6), Kaplan ei S. Nicolaus amEado- 
byl (6), Zubrnicef (Saubernitz 6), ProboStovf (Proboscht 6), Pra- 
chovaf (ehemals bei Hruschowan 6), Kostelec (Weisskirchen bei 
Konoged6), S. Johann in Leitmeritz f (4), Mlikojedy (4), S. Georg 
in Leitmeritz (3), Mukafov (Munkern 3), Cirkovic (3), Kaplanei S. 
Peter in Leitmeritz f (3), Kaplanei S. Wenzel in Leitmeritz (3), 
Launky (Launken bei Wettel). ^) 

Es ist beachtenswerth, dass fast 2 Dritttheile der Pfründen 
dieses Dekanats geistliche Kollatoren und somit wahrscheinlicli 
auch geistliche Gründer hatten. 

i) Im Dekanate Leipa: Leipa mit der Filiale Dobronov 
oder Dobern (1 Seh.) % Dööin (Tetschen, der ältere Zlupensitz, 30 
gr.), :^andov (Sandau 24), Kravary oder Radausov (Grabern f 18), 
Nebuzan oder Neboöady (Neschwitz 17), Holany (Hohlen 15), Be- 
ne§ov (Bensen 12), Drmy oder Stwolenky (Drumf 12), Mnichov 
(ein jetzt verschwundenes Dorf um Quitkau und Töschen, 9), *) 
Jedlka oder Hewlice (Höflitz 9), Jezwe (Neustadtl 9), Stadt Kame- 
nic (Böhm. Kamnitz 9), Pawlovice (Pablowitz 6), Kvitkov (Quitkau 
6), Richnov (Reichen 6), Libechov (Libich 6), Slup (Bürgstein 6), 



') Die mit f bezeichneten Pfründen hatten geistliche KoUatox-en, welche im 
Verlaufe der Geschichte genannt werden sollen. 

■■^) Ausser diesen gehörten auch noch die jetzt zur Prager Erzdiöcese gehö - 
rigen Pfarreien Poöaply f (9) und Chodzovice bei Raudnitz f (9) zum leit- 
meritzer Dekanate, 

^) Dobern Avurde 1392 eine selbstständige Pfarrei. Lib. Confir. ad 1392 
und 1410. 

*) Die Pfarrer von Quitkau u. Töschen werden in den Lib. conf. als Nach- 
barn von Mnichow genannt. 



90 ^ 

Palic (Politz t 6), Drchlava (Dürchel 6), Wolfardsdorf oder Wöl- 
fartice (Wolfersdorf 6), Arnoldsdorf oder Arnoldice (Arnsdorf 4), 
Skalice oder Langenau (3), Windiscli-Kamenice (Windischkamnitz 
3), Marquardsdorf oder Markwartice (Markersdorf 3), Ticlilovice 
(Tichlowitz 3) '), Cvikava (Zwickau 3), Rosendorf (3), Günthersdorf 
(3), Bertlioldsdorf (ein jetzt unbekanntes Pfarrdorf bei Algersdorf) 
3), Kifibska (Kreibitz 3), Hostikovice (Hospitz bei Hohlen 3), Mer- 
bordsdorf oder Merboltice (Mertendorf 3), Wernersdorf oder Wer- 
nefice (Wernstadt 3), Conradsdorf oder Kunratice (Kunnersdorf 2), 
Mergentlial (Mafenice? — ). . 

c) Im Dekanate Trebnitz: Die Pfarreien: Tfebenice f 
(Trebnitz 40),*) Brozanf (1 Soll.), LibocboYice (46 gr.), Dlaäko- 
vice (30), Chodzovt (30), Solany (Solan 27), Kozly f (Kosel 24), 
Sii-ejovice t (Schirscliowitz 21), Klepy (21), Kfesin (21), Tfebiw- 
lice f (Tfiblic 21), Lovosicef (Lobositz 18), Merunice (18), Wele- 
minf (18), Liböeves (Liebschhausen 18), Sutom (16), fiisutyf 
(15), Chotösovf (12), Baugovicef (12), Duban (9), Roböice (Hrob- 
schitz 9), Dolanek f (9), Zelkovice (9), Nedvödice (Nedweditscli 8), 
Cizkovice (6), Slatinaf (6), Miroäovice (4), Mrzlice (Mersclilitz 4), 
Chauö (Kauzf 3), Lipa, Mokov. 

2. Im Biliiier Archidiacoiiate, und zwar: 
a) Im Decanate Bilin: Bilinf (48), die Archidiakonats- 
pfründe f (45), Most f (Brüx 42), Duchcov (Dux 24), Rvenice (See- 
stadtl 18), Teplice zu S. Johann f (18) , Becov (Hochpetsch 18), 
Teplice bei S. Maria (18), Zlatnik (Böhm. Schladnig 12), Wtelno f 
(12), Radovesice (12), Kopie f (9), Jifetinf (Georgenthal 9), Neu- 
dorf oder Novosedly (9), Luzice (Luschitz 9), Hradi§tef (Ratsch 
9), Kostomlaty (Kostenblatt 9), Zabrusany (Sobrusan 9), Öau§ 
(Tschausch 6), Slatinice (Deutsch Zladnig 6), Jenik (Janigg 6), 
Radöicef (Maria Ratschitz 6), Libkovicef (Liquitz 6), Nesvöticef 
(jetzt unbekannt 6), Holetice (Holtschitz 6), Zidovice t (Seidowitz 
6), Kfemyz (6), die Klosterpfarre in Svetecf (Schwaatz 6), Dorf 
Svetec t (6), Altosek f (6), Litvinov (Oberleitensdorf 3), Bohusu- 



') Um 1360 nach Lib. Confirm. eine selbststänclige Pfarrei, 1384 Fihale von 
Neschwitz. (Begisir. decim.) Neuerdings selbstständig 1412 und 1413. 
Lih. Confirm. 

^) Blieb als Klosterpfarre im Einkommen zurück, da die Schenkungen meist 
dem Kloster selbst zufielen. 



91 

dov (in der Gegend von Kulm und Mariaschein, 3), ') Ugezd Je- 
niSuv (Ugest, H. Osek, 3), ^elenice (Selnitz 3), S. Stephan (? 3), 
Albrechtice (Olbersdorf 2), Daubravice f (ehemals am Fusse des 
Schlossberges bei Teplitz gelegen, — ), Kliny (mons S. Wenceslai, 
Göhrn — ), Novosedlice (Weisskirchlitz — ). 

h) Im Decanate Aussig: Üsti (Aussig 1 Seh.), Trmice 
(Türmitz 24), Krupa (Graupen 18), S. Adalbert in Aussig (18), 
Chabafovice (Karbitz 18), Chvojno (Böhmischkahn 13), Svadovf 
(Schwaden 12), Rtin (Hrtine 12), Öachov oder ^^echlovice (Tschochau 
10), Rudniky f (Raudnik 10), Waltifov (Waltirsche 9;, Modlan f 
(9), Brozanf (Prosanken 9), Chlumec (Kulm 9), Zim (Schima 9), 
TuchomyM f (Schönfeld 6), WSebofice (Schöbritz 6) , Skoratice 
(Gartitz 6), Boiislav f (Boreslau 6), Mojzif (Mosern 6), Jilove 
(Eulau 4), Kolcz (? 4), Arnoltice oder Arnoldsdorf (Arnsdorf 3), 
Rozbölesy (Rosawitz 3), Zezice (Sesitz 3), Bukovf (Böhmisch- 
Bockau 3), Schönborn (1), Peterswalde (0) , Königswald oder Li- 
buchec (0), Lipovä oder Spenersdorf (Spansdorf — ), Cernina 
oder Ludgersdorf (Leukersdorf — ), Habartice (Ebersdorf — ), Ko- 
monin (Deutsch - Kahn — ), Naklefov (Nollendorf — ), Pfedlice 
(Predlitz — ). 

Ausserdem gehörten zu diesem Dekanate noch die jetzt säch- 
sischen Ortschaften: Königstein (4), Strupin (Struppen 4), Kotlava 
(Gottleube 4), Rynarec oder Reinhardsdorf (4), Heinrichsdorf 
(Hermsdorf 4), Markvartice oder Marquartsdorf (Markersbach — ), 
01e§na (Oelsen) und Rosenthal ( — ). 

3. Im Saazer Archidiakoiiate, und zwar: 
a) Im Decanate Saaz: Zatec (Saaz), die Archidiakonats- 
pfründe f (2 Seh.), die beständige Yikarie zu Saaz f ^) (36 gr.), die 
Pfarrei Launy (Laun 2 Seh.), die Pfarreien Opoöno (Opotschna 36), 
Welika wes (Grossdorf, jetzt Michelsdorf 33), Dobromörice f (30), 
Brlohf (Bierloch oder Brdloch 30), Hawran (30), Hfivicef (27), 
Libiäice (Liebeschitz 27) , Wriitek f (Rudig 21), Oöihov f 
(Gross-Otschehau 18), Podbofanyf (Podersam 18), Neöemice (Ne- 



*) Wir werden die Entstellung dieses Ortes unter Herzog Sobeslav I. 1125 

erwälinen. 
*) Die eigentliclie Dekanatspfründe blieb als dem Mutterkloster Strahov 

incorporirte Pfarre im Einkommen zurück. 



92 

tsclienitz 18), S. Jakob in Saazf (18), Oboraf (15), Lene^ice f 
(15), Cernöice (15), Minie (15), ^abokliky f (Scbaboglück 15), S. 
Martin in Saaz (15), Skupice (15), Eadiöeves (Raitschewes 15), 
Blazim (Ploscha 15), Strana (Strähn 15), Hradigtö (Hraidisch 12), 
Holedeöf (HöUeditz 12),' Zlovedice (Lobotitz 12), Libödice (Liebo- 
titz 12), Sobösulty (Sobiesack 12), Wolevöice f (Wolepscliitz 12), 
Biiskovicef (Puscbwitz 12), Hofeticef (Horatitz 12), Mecholupy 
(Miediolup 12), Pgoyt (Scliaab 12), Strupöice (Triipscliitz 12), 
lü-yry (Kriegern 12), S. Andreas innerhalb des Klosters zu Postel- 
berg f (10), Knezice (KnescMtz 9), Eanna (9), Cetoliby (Zittolib 
9), Lipenec t (Lippenz 9), Su§any (Zuscha 9) Nahasice (9), S. Ni- 
colaus in Saaz (8), Bitozeves (Wittoses 8), Letov (Ledau 7), Li- 
boöany f (Libotschan 7), Pnetluky f (Netluk 6), 2elec (Seltsch 6), 
Liboficef (Liboritz 6), Hrugovany (Hruschowan 6), Wysoöanyf 
(Wischezahn 6), Mory (Mohr 5), Ökrlef (Skyrl 5), Wgestudy 
(Schössl 5) , Bf ezno male (Kleinpriesen 5) , Sir em f (Zyrau 4) , 
Stankovicef (4), W^echlapy (jetzt unbekannt, 3), Selmice (ehemals 
bei Opoöno 3), Dobriöany (Dobritschan 0), S. Magdalena vor Saaz 
(0), S. Michael in Saaz (0), Bfezany (Pressern, — ), Kostelec (un- 
bekant, — ), Mlinare (ehemals bei Saaz, — ), Ober-Roöov ( — ), 
^idovice. * 

h. Im Dekanate Caaden: Caaden oder Kadanf (mit der 
deutschen Ordenskommende vereint). ') Komotau oder Chomutov f (1 
Seh.), MaStov t (Maschau, 42), Bf ezno (Priesen, 18),Dolany(Dehlau, 
18), Pfisecnice (Pfesnice, Pressnitz 18), Ptadonice (18), Caehovice 
(Tsehachwitz 18), Udlice (Eidlitz 15), Dru§kovice f (Drauschkowitz 
15), Klasterec f (Klösterle 15), Wilemovice (Willomitz 15), Podlesice 
(Podletitz 15), Pfiöaply f (Pritschapel 15), Turec f (Turtsch 12), Kra- 
lup mit Kurbice (Körbitz 12), Zahofany (Sehries 12), Tusmicef 
(Tuschmitz 9), Wintifov (Winteritz 9), Jirkov (Görkau 9), Kfimov t 
(Chrima 9), l^elina f (Seelau 6), Mikulovice f (Mklasdorf 5), Pru- 
nef ov t (Brunnersdorf 3), Blatno f (Platten 3), Woc f (Wotsch 3), 
Bystfice f (Wistritz 3), Slatina (jetzt unbekannnt, 3), Bolebof ode^' 
Gottfriedsdorf mit Bernav (Göttersdorf 3), Mladöjovf (einst bei 
der noch bestehenden S. Stephanskirche in der Nähe von Köttowitz, 
3), Uho^tany (Atschau 3), Chotebudice f (Köttowitz 3), Okunov 



1) Lib. eonfirm. a. a. 1401 etc. 



93 

(Okenau 3), KaÖice (Redscliitz 2), Rednice (Redenitz 2), Laucliov 
Laucha 1), Schloss Pir§en§tem (Purstem 0), Wolyne (Wohlau 0), 
Lomazice (Lametitz 0), Kojetice (O)^ ScMoss Hassenstein (0), Ot- 
vice (üdwitz 0), Schloss Schumburk (Schönburg 0). ') 

§. 24. Fortsetzung. 

4. Im Biinzlaiier Archidiakoiiate, ii. zwar: 
a. Im Dekanate Bunzlau: DieArchidiakonatspfrtinde f (1 
Seh. 18 gr.), MladäBoleslaw (Jmigbunzlaii) zu S. Johann Bapt. f 
mit der dortigen Kommende vereint), Plasy (24), Kosmonosy (24), 
Raygice (24), Osojnice (21), Zeröice f (21), Semöice (19), Lustenice 
(18), Syöin (18), Struhy (18), Studenka (18), Michalovice (18), 
Bfezno (18), Stara (15), Bakov (15), Tynecf (12), Dobroviceves 
(Dobrovice 12), Stakory (12), Debf (3), Mladä (2), Jablkynice (1), 
S. Veit in Bunzlau f (?), Zamosti (?). — -) 

h. Im Dekanate Gabel: Jablona (Gabel 15) ^) Mimon 
(Niems 30 gr.), BrniStö (Brims 9), Wartenberg (9), Swebofice (Schwa- 
bitz 6) , Zakupy (Reichstadt 6), Seifertsdorf oder Vratislavice (5), 
Kfizany (Kriesdorf 3), Osecna (Oschitz 3), Dubnice (Hennersdorf, 
2), Brenna (Brenn 1), Dittrichsdorf (die ehemalige Lage unbe- 
kannt, 1), Rinoltice (Ringelshain 1). 

c. Im Dekanate Melnik: Melnik f (1 Seh.), Nebuzel f (30), 
Chöebus t ( Zebus 25), Duba (Dauba 24), Steti (Wegstädtl 24), Wysoka 
(21),Libechovt(Liboch 18),Krpy(15),Liblice(l5),Wtelno(15), Cho- 
ruzicet (12), Radujen (Radaun 12), Krugina (Habichtstein? 12), De- 
stna (löschen 12), Kanina f (9), Medonosy (9), Chodec (6), Ce- 
öelice (5), Widim (3), Chlum (3), Zaboi-yf (3), Repinf (3).^*) 

d. Im Dekanate Turn au: Turnov (Turnau 6),^) Hrustice 



ij Der einst noch zum Kaadner Dekanate gehörige Pfarrort ^cTar (Saar) ge- 
hört jetzt zur Prager Diözese. 

2) Der ehemalige Pfarrort Predmerice (mit 12 Gr. Z.), jetzt zur prager Erz- 
diözese gehörig, unterstand gleichfalls diesem Dekanate. 

3) Blieb wegen des Klosters daselbst im Einkommen 'zurück. 

"*) Hieher gehörten auch die jetzt zur Prager Erzdiözese gehörigen Orte 
Hlawno kostelni (21), Wsetaty (24) und Kozly (12). 

^) Durch die nachmalige Klosterstiftung blieb dieses Beneficium im Einkom- 
men zurück. 



94 

(12), Diibf (Böhm. Aicha — ), Prepefe (12), Jenigovice (12), 
Laukovf (12), Hodkovice (Liebenau, 12), Semily (12), Roprechtice 
(6) Letaf^ovice f (6), Sezemice (6), Pfeslavice (6), Bzi (6), Wlasti- 
borice (6), Drzkov f (6), Boskov (6), Cbocnejovice (5), Wysoke (4), 
Brod (3), Olesna f (3), Nudvojovice (3), Laukova (2), Jablonec f -(Ga- 
blontz 0), RychnoYt (Reicbenau 0). 

e. Im Decanate Münchengrätz (Hradi§te):Hradi§te (20) ') 
Boseö (30), W^^en (21), Sobotka (18), Markvartice (18), Wge- 
borsko (18), Soleö (15), Mukafovf (9), Jablonec (9), Neprivöce (9), 
Samsina (9), Mladejov (8), Mohelnicef (6), Osek (6), LiboSovice 
(6), Wlöipole (6), Ritonice (6), Wyskef (6) Bfezinaf (6), Hlavice 
(6), Bausov (3), Swetlaf (0), Schloss Kost (?), Kfizenec (?). 

/".Im Decanate Kamenec: Kamenec *), Schloss Bezdez 
t (Pösig, 3 Seh.), Bezno (30 gr.), Mäeno (30), Bela f (Weisswasser) ^) 
Kuriwody (Libera civitas, Freistadt, Hühnerwasser, 24), Chotetov 
(24), Wtelna an der Iserf (22), Kovan (21), Skalsko (18), Brodec 
(18), Kadlinf (18), Gross-Slivno (15), Katusice (12), Bezdedice 
(Klein-Pösig 12), Strenice (12), Kruh (12), Okny (12), Cejky (9), 
Öista (6), Winecf (6), Klein-Slivno (5), Lobeö (3), Unter-Krupa 
(3), BofejoY (3), Sudomii' (3), Meöizif (0), Doksy (Hirschberg — ) % 

g. Im Decanate Havran: Havran ^), Lysaf (2 Seh), 
Nimburg (1 Seh.), Ro^dialovice (48), Welelib (36), Kostomlaty (30), 
Wykleky (22), Jesenikf (21), Krinec (18), Wäejany (18), Lauöeu 



') Ist durch, die folgende Klosterstiftung im Einkommen zurückgeblieben. 

2) Die Stadt dieses Namens dürfte einst in der Nähe von Mi§eno (bei Libo- 
wis) gestanden sein, wo heute noch die Volkssage von einer dortigen al- 
ten Stadt erzählt, welche durch die Pest der Einwohner beraubt" und 
in Kriegszeiten zerstört worden sein soll. Jedenfalls war die Stadt Ka- 
menec schon im 13. Jahrhunderte nicht mehr vorhanden. Vielleicht wurde 
gleich nach ihrer Zerstörung die neue Öudenstadt Bela (Weisswasser) ent- 
weder angelegt, oder wenigstens das Gericht dahin übertragen. — 

^) Bela erscheint im Dezemregister von 1384 als Pfarrei darum nicht, weil 
diese Pfründe damals längst schon in ein Kloster umgewandelt wax*. 

*) Zu diesem Dekanate gehörten einst auch die jetzt zum prager Erzbisthume 
zugetheilten alten Pfründen :- Altbunzlau f ( — ), Alt-Benatek (30), Skorkov 
(15), Zdetinf (10) u. Drazice (9). — . Neubenatek ward als Klosterseel- 
sorge nicht mit eingezählt. 

5) Die Öudenstadt dieses Namens bestand schon im 14. Jahrhunderte nicht 
mehr. An ihrer Stelle steht j etzt die Einschiebt Havransko. 



95 

(15), Psinice (15), Bosin (12), Umyslovice (12), Mcelyf (12), Zi- 
toYlice (9), Budimöfice (5), Haiiska (Hospital — jetzt unbekaunt 

- 0). ') 

5. Kleine Theile von mehreren alten Dekanaten sind 
der jetzigen leitmeritzer Diözese einverleibt: 

a. Vom Decanate Luditz (Zlutice) des Saazer Archidia- 
konats die Pfarreien: Widhostice (30), Nepomygl (Pomeisel 15), und 
Stebno (Steben 15). "^ 

h. Vom Decanate Zittau (^itava) des Bimzlauer Archi- 
diakonats: Hradek (Grottau 20), Chrastava (Kratzau 7), Romberg 
(Rumburg 6), Heinrichsdorf (Weisskirchen 6), Wetzeiswalde (Wetz- 
walde 6), Schönlinde (pulchra tilia, 4), Wernoldsdorf (Warnsdorf, 
3), Liberec oder Reichenberg (2), Rochlice (Röchlitz 2), Wittich 
(1), Rokytnik (Unter-Kratzau — ) und ÜUrichsdorf (UUersdorf — )."*) 

c. Vom Decanate Jiöin (Gitschin) des königgrätzer Ar- 
chidiakonats : Libun (21), Tyn nad Rovenskem (15), Ober Aujezd 
(9), Nieder Aujezd (9), Ole^nice (3). ^) 



') Ausserdem gehörten auch zu diesem Dekanate die dermalen nicht zur Di- 
özese Leitmeritz zugetheilten alten Pfarrorte,: Libic kamena (54), Po- 
debrad (51), Wrbice (B6), Ctineves (36), Katholisch-Libic (?) f (30), Dy- 
mokury (30), Oskobrhy (18), u. Patek als Filiale von Podebrad (9). 

~) Sämmtliche Beneficien dieses Dekanates: Manetin(l Seh.,) Zlutice (45 gr.,) 
Chyäe (30,) Widhostic (30,) Rabenstein u. Stvolny (26,) Stedrä (24,) Andre 
(18), Stebno (15), Nepomysl (15), Nahorecice (15), Libyne (15), Brazec (15), 
Sldtaly (15), Krasov (12), KreöoT (12), Komarov (12), Kozlov (12), Puchov 
(12), Moöidlice (12), Novosedly (12), Dnpov (12), PHbenice (12), Neötiny 
(12), Strhai-e (12), Waleö (12), Straziste (9), Brlozec (9), Lukawa (9), Blatnä 
(9), Lubenec (9), Kobyle (9), Tis (9), Lnky (9), BrMn (9), Stredka (9), 
OstroY (8), Radoäovice (7), Bukovina (3), Lochotin (3), Sachsenburg (2). 

3) Die vollständige Reihe der jetzt meist in Sachsen gelegenen Beneficien 
dieses Dekanats : Zittau f (— ), Oderwitz (28), Grottau (20,) Friedersdorf (18), 
Ostritz (18), Seitendorf (18), Herwigsdorf (15), Hennersdorf, später als 
Filiale zu Rumburg (14), Reichenau (13), Ruppersdorf (12), Witchendorf 
(12) , Bertsdorf (12), Hennersdorf (10), Grossschönau (9,) Königshain (9), 
Heinewalde (7), Kratzau (7,) "Weisskirchen (6), Seifersdorf (6), Rumburg (6), 
Grünau, Wetzwalde (6), Spitzkunnersdorf (6), Schönlinde (4), Eubau (3), 
Warnsdorf (3), Türchau (3), Waltersdorf (2), Reichenberg, Röchlitz, Vogts- 
dorf (2), Kleinschönau (1), Wittich 1), Hirschfelde (?), Unterkratzau und 
UUersdorf. — 

*) Die vollständige Reihe: Jiöin (44), Bechary (36), Drahoraz (36), Nemojöeves 



96 

ä. Vom Dekanate Schlan (Slany) des Archidiakonats 
Prag: Poöedelicef (24), Winafice (24), Chlumöany (15), Kystra (12) 
und Orasice (6). ') 

e. Vom Dekanate Rakonic (Rakovnik) des prager Ar- 
chidiakonats: Jesenice (Jeclmitz, 30), ^ihlef (Scliöles, 18), Blzany 
(Flöhau, 15), Bilence (Wilenz, als Filiale v. Jesenik, 9), Cernoc 
(Grossöernitz , 9), Strojetice (9), Podbofany f (Podersanken 6), 
SoböcUeby f (Oberklee, 6), Bestno (Wiessen, 6), ChmeliStna (Cbme- 
leschen 3). ^) 

f) Die jetzt" nach Leitmeritz zugewiesenen Antheile der meiss- 



27, Konecchlumi (21), Libun (21), Eobausy (18), Neupaka (15), Kostelec 
(15), Lomnice (15), Tyn (15), Zliw (15), Jilemnice (15), Chyjice (12), 2e- 
leznice (12), Bystrice (12), Welis (12), Nieder Aujezd (9), Ober Aujezd 
Ulibice (9), Nadslav (8), Ubislavice (6), Udmice (6), Eadim (6), Cboteö 
(6), Mlazovice (6), Luzany , (6), Ostrozno (6), Nieder Brenna (6), OberBre- 
nna (6), Libstat (6), Roztoky (4), Pecka (4), Cista (4), Smricno (4), Zebin -(4), 
Dolany (3), Noväves (3), Alt Paka (3), Kalua (3), Olesnice (3), Ponikle (0), 
Belohrad (?Albea, 0), OleSna (0), Stepanice (0), Bysice — , Cbomuticky 
— , Brada — , Kopidlno — . 

1) Die vollständige Reihe : Kostelec (2 Scb.,) Budin (1 ScK,) StocliOY (39), fied- 
host (35), Srbec(30), Hradiste (30, ehedem bei Smeöno), Druzec und ^ilina(30), 
Pchery (30), Pocedelice (24), Winarice (24), Smeöno (24), Telce (21), Dolin 
(21,) Zvolineves (21), Radunice (21), Kralovice (20), Slavetin (20), Zlonice 
(18), Paleöl8, Öernochov (18), Wrani(18),DrinoY(18),Peruc (18), ^elenice 
(18), Tui-any (18), Kladno (18), Horesovice (18), Klobuk (18), Wrbno (18), 
Chlumcauy (15), KwiHce (15,) Klein Palec (15), Busceves (15), Tynec (15), 
Prelic (15), .Jeöovice (15), Pozden (15),fiisuty (15), Gross Lidice (15), Mestce 

(15), Wrapice (12), Klein Lidice (12), Neprobilice (12), Schlan (12), 
Straseci (12), Kystra (12), Smolnice (12), Mury (9), Malikovice (9), Ujezdec 
(7), Knovice (6), Lukov (6), Orasice (6), Trstice (6), Kornhaus — . 

2) Die vollständige Reihe : Zbeöno (2 Seh.), Rakovnik (1 Seh. 12 gr.)? Kaunov 
(1 Seh.), Potvorov (35), Slabce (32), Senomaty (30), ^ebnice (80), Jesenik (30), 
Kozlany (26), Nesuchyne (25), Kralovice (24), Oraöov (24), Hwozd (24), Cista 
(21), Dekov (21), Milicov (18), Zihle (18), Lisany (18), Koleäovice (18), Li- 
byne (17), Dolany (17), Wäehrd (15), üjezd (15), Blzany (15), Mutejovice 
(15), Belec mit Bratronice (15), fiehly (15), Krchleby (15), Ostrovce (12), 
Oleäna (12), Nezabudiee (12), Herrndorf (10), Luzna (9), Bilence (9), Cer- 
noc (9,) Strojetic (9), Weclov (9), Wsesulov (9), Skryje (8), Sobechleby (6), 
Podbörany (6), Bestno (6), Rausinov (6), Skrivan (6), Horosedly (6), Öanov 



nischen Dekanate: Sebnitz, Löbau, Budisin, Seidenberg und Frei- 
berg wurden bereits §.11 näher bezeiclmet. ') 



§. 25. Die Hofgeistlichkeit. 

1. Seit die Fürsten unseres Vaterlandes zum Christenthume 
sich bekehrt hatten, unterhielten sie an ihrem Hofe mehrere Prie- 
ster, deren ursprünglicher Beruf es war, für die geistlichen Be- 
dürfnisse ihres Herrn und seines Hofhaltes Sorge zu tragen. Da 
für ihr geistliches Amt eine eigene Kapelle in der fürstlichen Burg 
erbaut wurde, so erhielten sie von dieser den Namen GapeUani 
des Herzogs und hiessen endlich auch in übertragenem Sinne und 
kollektiv die h e r z o g 1 i c h e C a p e 1 1 e. Wir haben schon zur ZeitBo- 
fiwojs einen solchen Kapellan in der Person des Paul Kaych ken- 
nen gelernt. Diese Hofkapläne hatten selbstverständlich ihren 
Herrn auch in den Krieg zu begleiten. Einzelne derselben trugen 
bei solcher Gelegenheit die Waffen des h. Landespatrons Wences- 
laus dem Heere voran, Panzer, Helm und Speer, an welch' letzte- 
rem späterhin die 1125 aus der Kirche zu Wrbiöan (kauf im er 
Kreises) erhobene Fahne des h. Adalbert ^) befestigt war. Andere 
ermahnten zur Tapferkeit im Streite unter dem Schutze der hei- 
ligen Landespatrone. ^) 

2. Diese herzogliche Kapelle vermehrte sich bedeutend, als 
die Beziehungen unseres Vaterlandes mit der nahen und fernen 
christlichen Nachbarschaft sich erweiterten. Zu den nun nothwen- 
digen und oft wiederkehrenden Botschaften, insbesondere an den 
kaiserlichen und päpstlichen Hof, und zur Vernehmung der an den 
Herzog selbst entsendeten fremden Gesandten bedurfte man vor 
Allem verlässiger Männer von entsprechender Geschicklichkeit und 
ausreichender Sprachenkenntniss. Wo anders aber hätte man solche 
damals linden können, als in den Eeihen der Klerisei? Dazu kam 



(6), Mestec (3), Climelistna (3), CliHstov bei Slabce — , Kraucova --, Pa- 

nosi Ujezd — Knezewes. 
') Das Verzeichniss der in der jetzigen Präger, Königgräzer u. Budweiser 

Diözese gelegenen alten Seelsorgspfründen — mit Ausnahme der blslier 

schon einbezogenen Dekanate — folgt im Anhang. 
^) Palacky I. 395. 
^) Cosmas a. a. 1126. Tomek Gesch. Prags I. 111. 



98 

sehr bald auch die in gleichem Schritt mit der neuen christlichen 
Kultur immer vollkommener werdende innere Staatsregierung, welche 
häufig die Ausfertigung landesfürstlicher Urkunden und nicht sel- 
ten auch einen gediegenen rechtsverständigen Beirath nothwendig 
machte. Auch in diesem Stücke war man in der ersten Zeit ein- 
zig an den Klerus angewiesen. Man zog deshalb die geeigneten 
Persönlichkeiten in grösserer Anzahl zur landesfüi'stlichen Kapelle, 
wo sie nun grossen Theils als scrihae (Schreiber), und notarii 
puUici (Urkundenverfasser) zu fungiren hatten. An der Spitze 
dieser geistlichen Beamten stand fortan der oberste Kanzler 
(supremus cancellarms), dem zur Beihilfe ein Unterkanzler (stib- 
cancellarius) beigegeben war. Diese sowie auch die mit der 
eigentlichen Hofseelsorge betrauten Hofkapläne erhielten für ihre 
Verdienste alsbald einträgliche kirchliche Pfründen und aus ihrer 
Mitte wurde auch zumeist der Bischof gewählt.') Ein in jener 
Zeit sehr verbreiteter Missbrauch war es, dass solche Pfründen- 
besitzer häufig auch ferner noch am herzoglichen Hofe und' im 
fürstlichen Dienste blieben, so dass ihr kirchliches Amt dabei fast 
ganz vernachlässigt worden wäre, wenn sie nicht wenigstens zur 
Wahrung desselben sogenannte Vicarii (Stellvertreter, Vikare) be- 
stellt hätten. 

3. Je weiterhin, desto mehr entfaltete sich in unserm Vater- 
lande das Institut der Hofkapläne. Ebenso wie der Herzog, hatte 
alsbald auch die Herzogin und der Bischof eine eigene Hofka- 
pelle, *) allmälich mit allen Titeln und Abstufungen des herzog- 
lichen Hofes. Hiezu kamen in Kurzem auch noch eine Menge 
Titular-Hofl^apläne, welche nicht bloss vom Landesfürsten, sondern 
— erweislich im 13. Jahrhunderte — auch vom Papste ernannt 
wurden. Diese Auszeichnung traf häufig verdiente Landgeistliche, 
welche nichtsdestoweniger ihre Beneficien beibehielten, — nicht 
selten aber mit landesfürstlicher und päpstlicher „Provision" (Vor- 
bestimmung) für die nächste in Erledigung kommende höhere 
Pfründe. ^) Auch die blossen Titel Notarii, BomicelU (Hausgenos- 



•) Vgl. Tomek Gesch. Prags I, 110. 
3) Ebendaselbst I. 112. 

3) Der Papst gab solchen die sogenannten provisorias (Uteras), addressirt 
an irgend ein Domkapitel mit dem Auftrage, bei einer der nächsten Ka- 



99 

sen) und fiäeles Secretarii (treue Geheimschreiber) wurden in sol- 
cher Weise vom Landesfürsten an einzelne Priester ausserhalb des 
eigentlichen Hoflialts verliehen. ^) 

§. 26. Die Klöster und Kapitel aus dieser Zeit. 

1. Wir übergehen die Entstehung des Mönchswesens über- 
haupt; auch sei es blos im Vorübergehen gesagt, dass dieses im 
Abendlande vom 5. Jahrhunderte an durch den heiligen Benedict 
den gewaltigen Aufschwung erfahren hatte, nicht blos eine üibungs- 
schule des Christenthums nach Innen, sondern auch eine Pflanz- 
und Pflegeschule desselben nach Aussen zu werden. In beständi- 
ger Trennung von der äusseren Welt, in demüthiger Unterwerfung 
unter den Willen des geistlichen Obern, und wie ohne eigenen 
Willen, so ohne eigene Habe, trieb der fromme Ordensmann des 
h. Benedict in strenger Ordnung und beständiger Selbstkasteiung 
sein Tageswerk, das Ora und Lahora (bete und arbeite). Den 
sieben kanonischen Stunden des Gebetes und den frommen Uibun- 
gen der Betrachtung und heiligen Lesung waren nützliche Handar- 
beit, Studium, künstlerische Thätigkeit und vorzüglich die mühe- 
volle Anfertigung der noch jetzt von uns bewunderten kostbaren 
Abschriften heiliger und klassischer Werke in schöner Wechsel- 
folge angereiht. So lebten die frommen Brüder in grösster Fru- 
galität (Fleischspeisen waren nur löanken und Schwachen gestat- 
tet) aller Welt zum erbaulichen Beispiele. Darneben besorgten 
sie in eigenen Schulen (Klosterschden) den Unterricht der Kleinen 
im Lesen, Schreiben, Keclmen und Singen, und ebenso die Weiter- 
bildung der heranwachsenden Jugend in den freien Künsten und 
Wissenschaften. Je zehn Brüder standen unter einem Dekan, die 
ganze Genossenschaft verehrte den „Abt" {Ahhas) als ihren geist- 
lichen Vater, dem für die innere Leitung der „Prior" und für die 
ökonomischen Geschäfte der „Propst" (Praeposikis) zur Seite 



pitelwählen auf die Inhaber Bedacht zu nehmen. (Das registmm Uferaniyn 
receptionis in canonicos ecclesiae Pragensis, Manusc, der Kapitelbibl. in 
Prag, enthält eine Menge Beispiele aus den Jahren 1378 — 1389). 
^) Ein sehr interessantes Manuskriptwerk des Prof. Dr. Oonst. Höfler: „Hi- 
storische Monumente über das Königthum in Böhmen" — bringt mehrere 
Beispiele solcher Titular-Ernennungen. 

7* 



100 

stand. Wer solchem klösterlichen Leben freiwillig sich weihen 
wollte, imisste anfangs ein und in späterer Zeit gar fünf Jahre als 
Novitius (Neuling, Novize) zur Probe im Kloster leben, damit es 
sich herausstelle, ob der Kandidat dem Orden und der Orden dem 
Kandidaten gefalle. Darneben aber gab es auch zarte Knaben, 
die nicht selten schon als Säuglinge von ihren Eltern dem Klo- 
sterleben geweiht wurden. ^ ) Diese wurden im Kloster selbst mit 
aller Sorgfalt für das Ordensleben erzogen. Falls die Eltern für 
sie das Gelübde abgelegt hatten, durften sie nie mehr in die Welt 
zurücktreten. Ihr Erbtheil fiel dem Kloster zu; jedoch durften sich 
die Eltern auf ihre Lebenszeit dessen Nutzniessung vorbehalten. 
Auch diese dem Kloster geweihten Zöglinge (OUati) unterzogen 
sich nachher dem Noviziate. Der Entschluss des Novizen, im Or- 
den zu leben und die förmliche Aufnahme in die Zahl der Brüder 
besiegelte das feierliche Gelübde oder die sogenannte Profes s^^rö- 
fessio) auf die Ordensregel. Da diese Eegel auch für weibliche 
Vereine sich eignete, so konnte es nicht fehlen, dass es in Kur- 
zem auch B e n e d i c t i n e r i n n e n in zahlreichen Klöstern gab, fromme 
Frauen, welche durch ein heiliges Gelübde sich verpflichteten, nach 
der Regel des h. Benedict unter einer Aebtis sin (Ahhatissa) uwöl 
unter der geistlichen Führung des Benedictineror- 
dens zu leben. 

2. Nach dem Vorbilde der BenedictinerklÖster entstanden seit 
dem 8ten Jahrhunderte auch geschlossene Vereine von Weltgeist- 
lichen, die nach einer strengen Eegel lebten, die D o m- und C o 1- 
legiat stifte. Ihr erster Begründer Avar der fromme Bischof 
Chrodegang von Metz (742 — Y66). Dieser übertrug einfach die 
Regel des h. Benedict in seinen bischöflichen Haushalt, (c. 755.) 
Die geistlichen Brüder lebten in einem gemeinsamen Hause (clau- 
strum, Kloster) und der Reihe nach besorgte einer von ihnen den 
gemeinsamen Tisch. Stundengebet und Betrachtung, geistliche Lesung, 
Studium und Unterricht waren die Beschäftigung des Tages. Auch 
die auswärtigen Geistlichen hatten wenigstens an Sonn- u. Festta- 
gen nach beendigtem öffentlichen Gottesdienste im geistlichen Hause 
zu erscheinen, wo sie ihren Platz am gemeinsamen Tische fanden 
und dann den frommen Uibungen des Tages sich anschlössen. 



') So Boleslaws des I. Sohn Strachlnvas (Christian). 



101 

Weibern und Laien war der Zutritt durcliaus verboten. Die geist- 
lichen Brüder, welche nach einer solchen Regel (Canon) ohne 
besondere Gelübde lebten, hiessen Canonici. Von dem Gebrauche, 
täglich nach abgesungener Prim in einem eigens dazu bestimmten 
Saale nebst einem Abschnitte der h. Schrift auch noch ein Ka- 
pitel aus der Hausregel vorzulesen, hiessen sie alsbald auch Capi- 
Marcs und die ganze Körperschaft „das Kapitel." An die Stelle 
des Abtes trat hier in der Leitung des Vereines der Bischof oder 
an dessen Statt der Archidiaconus (Primicerius). Später besorgte auch 
hier die ökonomischen Geschäfte ein Praepositus (Propst), die innere 
Disciplin aber ein Decanus (Dechant). Der geistliche Bruder, wel- 
cher die Domschule als Pflanzstätte des künftigen Klerus zu lei- 
ten hatte, ward Scholasticus, der Leiter des Choralgesanges Cantor 
genannt. Die Aufsicht über die Gebäude (besonders der Kirche) 
besorgte der Custos, die werthvollen Kirchensachen bewahrte der 
Thesaurarius (Schatzmeister) oder Sacrista. ^) 

3. Wie diese Einrichtung allmälig an allen bischöflichen 
Domkirchen eingeführt wurde und dadurch die Domkapitel ent- 
standen: so fand sie auch alsbald Anwendung bei jenen Landkir- 
chen, an welchen ein zahlreicher Seelsorgslderus angestellt war. 
Häufig aus eigenem Antriebe, noch öfter aber auf Anordnung des 
Bischofs und auf Grund frommer Stiftungen von Seiten der Fürsten 
und anderer Wohlthäter entstanden hier geistliche Vereine (Gollegia) 
unter derselben Piegel Chrodegangs. Diess ist der Anfang der so- 
genannten Collegiatstifte oder Collegiatkapite 1. Hier 
repräsentirte der Propst den geistlichen Vater. Ein Dechant 
wurde häufig erst viel später eingesetzt, nachdem das vermehrte 
Einkommen der Körperschaft eine weitere Vermehrung der Mit- 
glieder möglich machte. 

4. In unser Vaterland kam der Orden des h. Benedict be- 
reits zu einer Zeit, wo die eigenthümlichen Lehenverhältnisse der 
germanischen Staaten schon so manche Abweichung von der stren- 
gen Regel herbeigeführt hatten. Man hatte die Klöster aller Or- 
ten mit bedeutenden Ländereien dotirt, welche anfangs unbebaut, 
durch Fleiss und Geschick der Mönche in Kurzem zu blühenden 



*) Di\ Grinzel: Die kanonische Lebensweise der Geistlichen. (Regensburg 1851.) 
S. 24—32. Regula Chroäeganrji episcojyi ebendaselbst S. 109 — 140. 



102 

Gauen mit zalilreiclien Dorf Schäften u. Weilern sich gestalteten. 
Zahlreiche Kirchen erhoben sich im Umkreise des Stiftes '), die 
nun der Seelsorger bedurften. Das drängte die Vorsteher, die ur- 
sprüngliche Sitte zu verlassen, nach welcher nur ausnahmsweise 
ein oder einige Brüder des Klosters der Priesterweihe theilhaftig 
wurden, um grade nur die geistlichen Bedürfnisse des Hauses zu 
bestreiten. Jetzt ward es zur Regel, die Mehrzahl Priester im Or- 
den zu haben. So lange es anging, besorgten diese in Exkursionen 
vom Kloster aus die Seelsorgen des Umkreises, immerhin schon 
eine Lockerung der alten Strenge, die den Mönch ausschliesslich nur 
innerhalb seines Klosters leben liess. Allmälich aber wurde es 
auch nothwendig, einige Priester behufs der Seelsorge zu exponi- 
ren. Doch geschah diess in erster Zeit nur in der Weise, dass 
diese zum wenigsten ein Kollegium von 3 Brüdern bilden und un- 
ter einem eigenen Praepositus (Propst) ihr klösterliches Leben in 
einem gemeinsamen Hause fortsetzen mussten. So enstanden die 
klösterlichen Propsteien. Anderseits wurden nun die Kloster- 
äbte durch den umfangreichen Besitz den mächtigsten weltlichen 
Herren gleichgestellt, während sie diese noch in feiner Sitte und 
wissenschaftlicher Bildung weit übertrafen. Kein Wunder also, 
wenn sofort die Landesfürsten solche Klostervorsteher an ihre Höfe 
zogen und mit Ehren und Auszeichnungen überhäuften. Für die 
Klöster selbst ward diess eine weitere Gelegenheit, die strenge 
Disciplin des Hauses noch mehr zu lockern, während auf der an- 
dern Seite die bedeutenden Einkünfte dem Wohlleben die Thore 
zu öffnen begannen. — 

5. In den Stiftungen Chrodegangs lag dagegen schon von al- 
lem Anfang her ein Keim des späteren Verfalles. Hier war den 
Kanonikern der Besitz eines Privateigenthums gestattet geblieben. 
Diess führte sehr bald zur Auflösung des gemeinsamen Lebens. 
Zumal als diese Stifte zu Versorgungsanstalten der nachgebornen 
Söhne des Adels wurden, glaubte man den einzelnen Kanonikern 
einen eigenen Haushalt und eigene sogenannte Praebenden (Pfrün- 
den) aus dem Stiftungseigenthmne einräumen zu müssen. Nur für 
gewisse fortdauernd gemeinsame Bedürfnisse wurden einzelne Stif- 



1) Das Kloster St. Galleu hatte beispielsweise 400 Pfarrkirclien in seinem 
Landgebiete. 



103 

tungsantlieile als sogenannte Obedientiae ') für die gesammte Kör- 
perschaft zurückbehalten. Seitdem wurde es auch zur Regel, dass 
die Kanoniker mit den niederen Weihen sich begnügten, durch die 
sie für den Genuss ihrer Pfründen befähigt blieben, ohne eben die 
Möglichkeit aufzugeben, glücklichen Falls im Weltleben sich noch 
viel besser zu versorgen. Selbst an verheirateten Kanonikern sollte 
es mit der Zeit nicht fehlen. 

In unser Vaterland wurden die Dom- und Collegiatkapitel noch 
mit ihrer ursprünglichen Eegel verpflanzt, die aber hier wie ander- 
wärts in kürzester Zeit den angedeuteten Neuerungen sich fügen 
musste. 

§.27. Das Gollegiatstift und das Kloster der Benedictinerinnen zu St. Georg. 

1, Schon im J. 912 hatte Herzog Wratislaw I. den Grund zu 
der Kirche S. Georg gelegt, in welcher nachmals der Leichnam 
der h. Ludmila eine ehrenvolle Ruhestätte fand. Gleichzeitig hatte 
er dabei ein Collegium von Geistlichen gestiftet, welche den hei- 
ligen Dienst daselbst versehen sollten. Es waren diess, wie bereits 
erwähnt wurde^), 1 Erzpriester ^), 4 Priester'*), 2 Diakonen und 
2 Subdiakonen. Dieses Collegium führte von allem Anfange an ein 
gemeinsames Leben nach der Regel Chrodegangs und wurde so 
das älteste Gollegiatstift in Böhmen. Die Mitglieder dieses Stiftes 
führten auch hinfort den Namen Canonici. Eines Dekans und Prop- 
stes bei St. Georg wird nicht erwähnt. Bei dem Umstände, dass 
nach der Errichtung des Nonnenklosters bei St. Georg diesem Ka- 
pitel nur die untergeordnete Rolle der Conventsseelsorge zufiel, 



*) Obedientia d. i. Gehorsam. So liiessen gewisse Güter desslialb, weil der 
Mitgenuss derselben vom kanonischen Gehorsam (von der treuen Erfüllung 
der Pflichten des Kanonikers) abhing. Wer nicht beim Kapitel wohnte, 
oder wer den kanonischen Hören sich entzog, \sairde von der Theilnahme 
ausgeschlossen. 

3) §. 5. S. 14 und 15. 

^) Ein von Hamraerschmidt Tiist. monast. St. G-eorgli zitirtes altes Manusc, 
nennt als die ersten Erzpriester, die Avahrscheinlich die Stellvertreter des 
Regensburger Bischofs für ganz Böhmen waren, Wlita u. Mylata. 

^) Als erste Priester bei St. Georg werden ebendaselbst genannt Byelka, 
öas und Hmylen. 



104 

scheint auch meist nur ein oder der andere Canonicus mit den Di- 
akonen und Subdiakonen daselbst gewohnt zu haben. Die übrigen 
finden wir zugleich als Mitglieder anderer Kapitel und selbst auch als 
Landseelsorger untergebracht. ') Als Präbenden des Kapitels werden 
genannt ; Holus (Holowaus) mit Wein- und Ackerzehenten in Gross- 
Owenec und Zinsungen in Otwojec; Knezewes mit Zehenten in Si- 
fejovice und von 3 Häusern in Leitmeritz; Statiwnice; Pi^lep mit 
dem halben Zehenten in Chorausek und Gross-Owenec; Bohenice 
mit Ackerzehenten in Lichucewes. Ueberdiess gab es noch zwei 
Diakonatspfründen, bestehend aus Zinsungen zu Postfizin, Jungfer- 
Bfezan und Boranowice und einem Grundstücke in Ochwojec, und 
zwei Sub diakonatspfründen mit Gründen und Zehenten in Daudlebec 
und Hlupohlaw, später dafür in Brezan, Boranowice, Opatowic und 
Wrutic. 2) 

2. Neben dem Collegiatstifte erhob sich um . 970 das erste 
Kloster des Benediktinerordens in uuserm Vaterlande. Mlada, die 
fromme Schwester Boleslaws II. hatte in Rom nebst der Errichtung 
eines eigenen Bisthums für Böhmen auch noch die Erlaubniss er- 
wirkt, als erste böhmische Ordensschwester einige fromme Genos- 
sinnen um sich zu versammeln und ein Ordenshaus für selbe er- 
bauen zu dürfen. So wurde sie die erste Aebtissin von St. Georg. 
Grossartig w^ar die Dotation, welche zum Theile schon die edle 
Stifterin, mehr aber noch der religionseifrige Bruder und seine 
Naclif olger dem ersten und ältesten Kloster Böhmens zuwendeten. 
Es gehörten alsbald 129 verschiedene Dorfschaften, die einen ganz, 
die andern theil weise dazu. Ein so umfangreicher Besitz bot eben 
so sehr die Mittel als die Gelegenheit, einen guten Theil zur völ- 
ligen Christianisirung und zur geistigen Hebung des Vaterlandes 
beizutragen. Das Kloster S. Georg hat diess redlich gethan und 
dadurch eben so segensreich nach Aussen als nach Innen gewirkt. 

3. Eine Urkunde von 1228 ^) nennt uns alle Besitzungen des 
Klosters in der Ordnung der 2upen, in denen sie gelegen waren. 
Die meisten derselben befanden sich im Umkreise von Prag. An- 



Vgl. Hammersch. p. 7 — 10. 

^) Vgl. Hammersch. ebencl. u. Megi&t. decim. v. 1384. vgl. Erben regest. 336 

u. 337. Tomek Gesell, Prags I. 510. 
3) Erden regesta 386. . 



105 

clere lagen in den ^upen von Leitmeritz, Melnik, Hawran, Netolic 
(Bechyn), Praeliin, Pilsen und Bozen. Uns interessiren zumeist die 
Ortscliaften innerhalb der jetzigen Diöcese von Leitmeritz, welche 
ohne Zweifel ihre erste kirchliche Entwicklung dem Kloster zu St. 
Georg zu verdanken haben. 

a. Vor Allen wendet sich da unser Auge nach dem Umkreise 
von Trebnitz in der leitmeritzer 2;upe. Hier blühte Trebnitz 
selbst unter der Fürsorge der frommen Ordensoberinnen frühzei- 
tig zur Stadt und zum Dekanatssitze heran. Nicht zu ferne davon 
empfingen Sii'ejovice (Schirschowitz bei Tschischkowitz) und 
Welemin schon in früher Zeit — durch Vermittlung der klöster- 
lichen Grundobrigkeit eigene Seelsorgen. Im J. 1384 gehörten 
diese drei Pfründen entschieden zu den besten und darum wohl 
auch ältesten des Decanats. ') Ausser diesen alten Pfarrorten ge- 
hörten vom Anfange an noch mehrere Orte der Umgegend zu dem- 
selben klösterlichen Güterkomplexe. Es waren Chodovlice und 
Hlupohlav, das heutige Chodolitz und Oppolau, beide auf dem 
Dominium Tschischkowitz, Boztesice, das heutige Postitz auf 
dem Dominium Priessnitz und Schöbritz, Polep auf dem jetzigen 
Dominium Enzowan, ') P o d 1 e s i n , jetzt Padloschin bei Türmitz, 
Chwalowic, ehemals in der Nähe von Sutom gelegen, Borec, 
das jetzige Boretz auf dem Dominium Lobositz, und Wransko, 
wahrscheinlich das heutige Prolin auf der Herrschaft Bilin. Uiber- 
diess gehörten in dieser Gegend dem Kloster ursprünglich auch 
noch der neunte Theil des Markteinkommehs und des Elbzolles in 
Aussig und in Leitmeritz.^) Li späterer Zeit erwarb das 
Kloster zu diesen Besitzungen auch noch das Dorf üjezdec, "*) 
jetzt Grossaujezd bei Pischkowitz, und zwar vom deutschen Or- 
den, in dessen Eigenthum es zugleich mit Pischkowitz und einigen 
andern Ortschaften im Jahre 1219 gelangt war. ^) Unter den spä- 
tem Gütern von St. Georg, vielleicht erst von diesem gegründet, 



J) Ygl. §. 23. 1. c. 

*) Diess wurde schon vor 1262 vertausclxt für eine entspreckencle Besitzung 

in der pracliiner Zupe. Vgl. Tomek Gescli. Prags I. 508. 
3) Urkunde Erben regesia 336 und 337. 
^) Dasselbe ward dem Kloster 1487 durcli Verpfändung au Hynek vonWald- 

stein entzogen. Palacky Archiv cesJcy I. 505. 
5J JErben regesta 376. 



106 

ersclieiut auch das Dorf Kololeö auf dem heutigen Gute Tscliiscli- 
kowitz. ') — Nebst diesen eigenen Besitzungen des Klosters lagen 
in derselben Gegend auch noch einige der erwähnten Präbenden 
des KoUegiatkapitels, welches dem Kloster St. Georg zur Seelen- 
leitung beigeordnet war. 

h. In der ehemaligen Zupe und dem alten Decanate von 
Melnik besass das Kloster St. Georg wahrscheinlich von allem An- 
fange her die Pfarrorte Nebu^ely und Chorusice, von denen 
der erstere nach Massgabe des im Jahre 1384 sichergestellten 
Pfründenvermögens nächst Melnik und wohl zugleich mit Chcebuz 
(Zebus) die älteste Kirche des ganzen Decanats besass, letzterer 
aber (Choruäice) nach der Zeit ein beliebter Sommeraufenthalt der 
Aebtissiu und einiger geistlichen Sch"\vestern wurde, die nach der 
Sitte jener Zeit in dem klosterähnlich angelegten Herrschaftsge- 
bäude unter Beobachtung der h. Eegel zeitweilig wohnen durften. 
Der eben genannte auch noch anderwärts zu erwähnende Umstand 
hat Veranlassung gegeben, dass hin und wieder das ehemalige 
Bestehen eines Frauenklosters in Choruäic angenommen worden 
ist, von welchem aber eine sichere historische Spur gar nicht 
gefunden werden kann. ^) Ausserdem gehörten derselben geistli- 
chen Obrigkeit die in derselben Gegend gelegenen Ortschaften 
Gross-Aujezd, Wrutice und Chorauäky auf der jetzigen 
Herrschaft Melnik, ferner Ninechow auf der D omaine Liblic und 
der neunte Theil des Markteinkommens in Melnik. '^j Nebstbei 
lagen in diesem Komplexe auch die bereits erwähnten An theile der 
Kapitelpräbenden (GhorouSek, Wrutice). 



') Dieser Ort wurde erst 1436 samt Trebnic, Gliodovlic, Hlupolalav, Welemin 
und Sirejovic durch Verpfändung (für 1000 Scli.) an Johann Kaplif von 
Sulewic, dessen Erbsitz Sulewic u. Kostal in der näciisten Nähe lag, ent- 
fremdet. Hammerschmidt hist. monasterii Si. Georgii p. 86 und 87. 

-) Die urkundlichen Libri confirmationum berichten dagegen eine Pfarrprä- 
sentation für Chornsic durch die Aebtissin Anna von St. Georg im J, 
1419, Für Nebuzely erscheinen solche Präsentationen 1399 und 1409; 
in letzterem Jahre ward der nachmals so berühmte prager Ganonicus An- 
dreas Broda als Pfarrer in Nebuzely durch die Aebtissin Anna präsen- 
tirt. Libr. confirm. — Der Kirche in Chorusic schenkte 1405. 1. Juli 
Johann Schebek von Gross-Sliwno einen Jahreszins von 45 böhm. Groschen. 
Lih. Erect, XHI. M. 1. 

3) Urkunde Erben regesfa p, 336 und 337. 



lOY 

c. In der ^upe und im alten Decanate von Hawran besass 
das Kloster die Dörfer Winafec und Kobylnik auf dem heu- 
tigen Dominium Dobrawitz, ferner das jetzt unbekannte Dorf Knö- 
nic (und in dem derzeit zur prager Diöcese gewiesenen Antheile 
das alte reiche Pfarrdorf Libic nebst den Orten Osek, Oldris, Od- 
i^epes und Sädowi). '} • 

Noch gehörte in frühester Zeit zu dem genannten Kloster der 
Zehent vom ganzen Dorfe Celejovice auf dem Dominium Kost 
und Rakow im bunzlauer Kreise, und von 4 Höfen im alten Pfarr- 
orte Blzany, dem heutigen Flöhau im saazer Kreise;*) ausser- 
dem der neunte Theil vom Markteinkommen in der Stadt S a a z. ^) 
Auch erscheint es weiterhin als Grund- und Patronatsherrschaft 
des in demselben Kreise gelegenen Pfarrdorfes Hofetice, des 
heutigen Horatitz. "*) 

Aus all' dem Erwähnten ist ersichtlich, dass die Stiftung und 
der Bestand des ersten Nonnenklosters in Böhmen auch flu* das 
Gebiet unserer jetzigen Diöcese Leitmeritz eine hohe Bedeu- 
tung hat. 

4. Die anderweitigen Güter des St. Georgklosters waren: im 
Piakonitzer Kreise Tynec, Statenic, Suchydol, Kamyk, Lichiicewes, 
Nutomic, Hradek, Husinec, Rez, Okof, Knezewes, Zelunic, Knowic, 
Holowaus, Wrbno, Tauzetin, Otwojic, zwei Owenec, Bojmitz, Motol, 
KoSif, LubeSow, Chrasfan, Horelic, IRehel, Stradonic, Bratronic; 
im Kaufimer Kreise Brnek, Neratowic, Jungfer - Brezan, Örnkow, 
DuSnik, Swemyslic, Bofanowic, Stiizkow, Sestlic, Böchowic, Kfi- 
wäwes, liepöic, Radejowic, Olsnic, Uhfinowes, Psai-, Zabehlic, 
Karlin, Opolel, Knenic; in dem Berauner Kreise Borek, Krnian 
Solopisk, Daublebetz, Dusnik, zwei Mokropes, Let, Otmik, Boh, 
Bnecic, Läz ; in dem Pilsner Kreise Lukow, Newid', Bujesil, Liblin • 
in der Zlupe von Netolic Bawörowic, Karlowic, Malesic, Ctimi- 
rowo-Wesce, Radöic, Pohofowic, Strunkowic; in der Zupe von 
Prachin Welenow, [Krsic, Rewnetic, Zamlyüan, Wlckowic, Muka- 
i;ow, Bratronic, Pazejow, Sewitinsko, Cejkowic; in der, Zupe von 



>) Urkunde Erben 336 und 337. 

'-^j Ebendaselbst. 

3) Hammei-sclimidt 1. c. p. 68 ex bulla Gregorü IX.. dd. 1283. 

*) Libri Confirm. ad a. 1386 und 1410 berichten Präsentationsakte. 



108 

Pilsen (pilsner und klattauer Kr.): Tauss, Jiwan, Ptenin, Otesic, 
Benowic, Horek, Nowäkowic, ^izenkowic, Tynec , Daudlebec, 
Obytec, Bnisic; in der 2;upe von Bozeii (Pracli. ii. Ber. Kr.) Hra- 
di§t, Za horou, Pole, Podruhli, Husinec, Drahynic, Luskowic, Stö- 
zow, Eeteö. Ueberdiess gehörten dem Kloster eine Menge Ze- 
ll entorte. ') 



§. 28. Das Benedictinerkloster Brewnow oder St. largareth. 

1. Das erste Männerkloster nach der Regel des h. Benedict 
war in Böhmen das Kloster St. Margareth in Brewnow nächst 
Prag. Die Stiftung desselben war das Lieblingswerk des h. Adal- 
bert nach seiner ersten Eückkehr von Rom im Jahre 993. Er 
hatte, wie bereits erzählt wurde, in Rom selbst das Ordenskleid 
genommen. Um die fromme Gemeinschaft, die er damals lieben 
gelernt, daheim nicht darben zu müssen, mehr aber noch, 
um dem Vaterlande eine Pflanzschule frommer Zucht und heiliger 
Wissenschaft zu eröffnen, brachte er zwölf Ordenssöhne aus dem 
Kloster des h. Alexius und Bonifacius zu Rom mit sich nach Böh- 
men zurück. Gross waren ohne Zweifel die eigenen Opfer, die er 
nun für die Gründung des neuen Ordenshauses brachte; eben so 
gross war aber auch die Freigebigkeit, w^omit sich der edle Fürst 
Boleslaw IL bei der Dotirung der neuen Stiftung betheiligte. So 
konnte schon am 14. Januar 993 die feierliche Einweihung des 
neuen Klosters und seines Gotteshauses erfolgen. ^) Späterhin tra- 
ten die Nachfolger der beiden Gründer in die Fussstapfen der 
frommen Vorfahren und auch der erwachende Wohlthätigkeitssinn 
der Gläubigen legte im Laufe der Zeiten reiche Spenden auf den 
Altar des allbeliebten Klosters nieder. Sie thaten es Alle in der 
frommen Meinung, eben hiedurch ein Scherflein den eigenen ge- 
ringen Verdiensten für die Ewigkeit zuzulegen und dadurch „das 
Heil ihrer Seele" zu fördern. ^) So erblühte Bf ewnow als erstes zu- 
gleich auch zum reichsten Ordenshause unseres Vaterlandes, und 



') Vgl. Tomck G. P. I. 93. 
») Ebendaselbst 93. 

^j Diese Intention ist in iiUen Stiftungs- und Sclienkungsl'riefen jener Zeit 
ausdrücklicTi angegeben. 



109 

allmälig entstanden von da aus mehrere Propsteien, wie zu 
Eaylirad (Raigern) in Mähren, Braun au, Polic (bei Braunau), 
Nezamysl und Kostelec in Böhmen und zu Wahlstadt in 
Schlesien, von denen die ersteren weiterhin zu förmlichen Klöstern sich 
emporschwangen. ^) Die frommen Ordenssöhne suchten ihrerseits 
nicht allein durch Gebet und frommes Beispiel, sondern auch durch 
klösterliche Kunst und Wissenschaft und vor Allem durch gewis- 
senhafte Förderung des kirchlichen Lebens in Böhmen überhaupt 
und insbesondere in ihrem eigenen Landgebiete .den besten Dank 
an unser Vaterland abzutragen. 

2. Für unser jetziges Diöcesangebiet hat Brewnow eine grosse 
Bedeutung gewonnen, nicht nur als Mutterkloster für andere klö- 
sterliche Institute, die unserer Gegend unmittelbar angehörten, son- 
dern auch durch einige Besitzungen, welche dasselbe hier erwor- 
ben, und durch die besondere geistliche Fürsorge, welche es die- 
sen gewiss durch alle Zeiten zugewendet hat. 

a. Li der alten 2upe von Melnik erhielt das Kloster schon 
zur Zeit seiner Stiftung emen werthvollen Besitz, und zwar vor 
Allem das schon damals (993) bestandene Pfarrdorf Chcebuz, 
das heutige Zebus „mit einer Kirche, zwei Höfen nebst hinrei- 
chendem Lande und dem Berge Ostrow". -) Wahrscheinlich war 
die erwähnte Kirche eine von jenen zwanzig, welche der fromme 
Herzog Boleslaw vorher erbaut hatte, ohne Zweifel die Mutterkirche 
vieler andern im Umkreise. Am 27. September 1341 ward die- 
selbe vom damaligen prager Bischöfe Johann IV. dem Kloster 
derart incorporirt, dass hinfort das Pfründeneinkommen „zum An- 
kaufe von Fischen der Gastfreundschaft willen" dem Kloster selbst 
anheimfallen sollte, welches aber dagegen verpflichtet wurde, fortan 
einen Vicarius (Stellvertreter des Pfarrers) in Chcebuz zu erhal- 
ten. ^) Im Jahre 1384 konnte diese Kirche zu dem bedeutenden 
Zehentbetrage von 25 böhmischen Groschen für ein halbes Jahr 
sich bekennen. ^) 

h. In der Zupe von Leitmeritz erhielt Brewnow ebenfalls schon 



') Ziegelbauei' hist. mon. Brenn. 176. 

2) Urkunde Erben regesta p. 33 und 34. 

3) Ziegelbauer hist. mon. Brevnov )}. 268., Tomek G. Pr. I. 477. 
'*) Begistrum decimarum 1384, 



110 

bei Gelegenheit seiner Stiftung das Dorf Hrdly, mit den dorti- 
gen „Ansiedlern, Waldungen, Sümpfen und dem ganzen Egerflusse 
bis zudessenMündungindie Elbe".') Dieses Hrdly ist heute noch 
mit seinem schönen Schlossgebäude der Amtsort des bfewnoAver 
Gutes Hrdly, in dessen Umkreis dermalen die theils von Hrdly 
aus erst gegründeten, theils allmälich erworbenen Ortschaften 
Pocai^ly mit einer wohl bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen- 
den Pfarrei, dann Trawcice (Drabschitz), Zadusniky und An- 
theile von den ebenfalls sehr alten Pfarrorten BauSovice (Bau- 
schowitz) und Dolanek einbezogen sind.^) Von allem Anfang an 
gehörte auch das Dorf und der Hof Wlence „mit allem Zuge- 
hör", das heutige Altlenzel auf dem Dominium Ploschkowitz, zum 
Kloster Bi^ewnow. Nebstdem hatte auch die ganze ^upe-Leitme- 
ritz zugleich mit den Zupen von Tetschen (später Leipa) und 
Bilin die sogenannten Rauchpfennige an jenes Kloster zu 
entrichten, ^) Diese Zuweisung an das Kloster Brewnow geschah 
unzweifelhaft durch den Bischof Adalbert, welcher das Bisthum 
auf andere Weise zu entschädigen wusste. Noch in den Jahren 
1301 und 1341 bestätigten die Bischöfe Gregor und Johann dem 
Kloster Brewnow den Bezug dieser Rauchpfennige.*) Ausserdem 
hatte dieses Stift schon ursprünglich im jetzigen leitraeritzer 
Diöcesangebiete den zehnten Theil vom Markt- und Zupengerichts- 
einkommen in Leitmeritz, und wie von allen damaligen Gränz- 
zöllen in Böhmen, so auch von dem zu Chlumec, dem heutigen 
Kulm, den siebenten Theil und ebensoviel auch von den Eib- 
zöllen in Leitmeritz und A u s s i g zugewiesen erhalten. ^) Uiber- 
dies mag auch die bedeutende Schenkung des Grafen Eppo von 
Bilin (1043) als eine uns näher interessirende angesehen werden, 
obgleich ihr Gegenstand der Bezirk von Sebranic bei Zwittau in 
Mähren gewesen ist.^) 

Anderweitige Besitzungen im Jahre 993 werden noch ge- 



1) Urk. Erben regesta 33 u. 34-. 

2) Heutzutage gehört hier nur das linke Egerufer zur Leitmeritzer Diöcese 
und sonach von den erwähnten Ortschaften nur Bausowice. 

'^) Urkunde wie oben. 

4) Tomek Gesch. Pr. I. 477. 

^) Urkunde wie oben (Erben 33 und 34). 

^) Herz. Bestätigungsurkunde Erben reg. 43. 



111 

iiaiint: Bfewnow mit Umgegend, Welezlawin und Luboc mit 
Waldung, Ruzyn, ein Theil , von Kuromirtwice, 2 Mühlen an der 
Moldau bei Prag, Wrane und Skocliowic, der Zelient von Radotyn, 
in Rybnik und Poi^iö (letztere jetzt Theile von Prag), ein 
Theil von Liböic, Oyppernic, Nömcice (piisner lü-.), Tfebestowic, 
Mracenic (kauf. Kr.), Abgaben von der prager Burg, von der piis- 
ner Ziupe, von den Landeszöllen in Domazlic und Kralup, von dem 
Marktgelde in Schlan, Pilsen, Kauiim und Chrudim. Alsbald ver- 
mehrten sich diese Besitzungen durch neue Erwerbungen, nament- 
lich in den Gegenden von Horazdowitz, Eakonitz und Prachin. ') 



§. 29. Das Kloster Ostrow. Das Kloster Sazawa und der heilige Pro- 
kop. Die Anfänge des Klosters Münchengrätz. 

1. Als zweite Stiftung für die geistlichen Söhne des h. Be- 
nedict ist das Kloster Ostrow {InsuJa, Insel, weil auf einer Insel 
der Moldau am Einflüsse der Sazawa gelegen) anzusehen. Es ver- 
dankte seinen Ursprung dem religiösen Eifer und der Freigebig- 
keit Boleslaw's des Frommen um das Jahr 999, ~) und war nicht 
sowohl eine Tochteranstalt Bfewnow's, als vielmehr des bairischen 
Klosters Altaich (Altaha), aus welchem der erste Abt Lambert vom 
Stifter selbst berufen wurde. ^) Für das Gebiet der jetzigen 
Diöcese Leitmeritz hat dieses Kloster lediglich durch seinen all- 
gemeinen Einfluss auf die Hebung des christlichen Lebens im 
Lande eine Bedeutung : die Besitzungen haben — mit Ausnahme 



') Ebendaselbst Vgl. Tomek I. 93 u ff. Es werden genannt: 30 Unteitha- 
nen in Prag, Bristwi und Wikan (kaur. Kr.), Budehostic und Theile von 
Nutomic, ^elirovic und Zliöin (rak. Kr.) Smilovic, Kwasejovic und Theile 
von Zduchowic, Podmokl und Krepenic (her. Kr.), ein Theil von Rakovic 
(prach. Kr.), zwei Hydcic, Hajna, Nezamyslic, Krajnic, Skodra, Dwokotlok, 
2iwohybic, Zichowic Psar, Krawolusic, Wolisowic, Stankowic, Theile von 
Anjezdec, Domoraz, Kalenic (prach. Kr.), Chylic (elbog. Kr.) und der Zoll 
in Breznic. 

^) Hajek versetzt die Stiftung ins Jahr 978. Doch hat Bonaventura Pitter in 
seinem St. Gunthems p. 148 etc. die obige abweichende Behauptung 
nachgewiesen. 

3) Die zweifelhafte Stiftungsui-kunde (?) bei Erben regesta p. 36. 



112 

der vorübergehenden Erwerbung eines Grundstückes von 3 Pflug- 
maass Ackers in Libocliowic, das um 1205 von der edlen Ma- 
trone Dobrowest dem Kloster geschenkt wurde, unsere Gegenden 
nicht berührt. ') Dasselbe gilt auch von den P r o p s t e i e n , die im 
Laufe der Zeiten von Ostrow aus gegründet wurden. Die berühm- 
teste derselben war St. Iwan an der Höhle des h. Iwan, die durch 
eine Schenkung des Herzogs Bretislaw I. um 1040 entstanden war, ^) 
und nach der husitischen Bewegung, in der sie den Mönchen 
von Ostrow eine sichere Zuflucht geboten hatte, durch Hilfe eines 
Herrn von Hasenburg zu einem förmlichen Kloster erhoben wurde. ^) 
Ausserdem wird schon in den ältesten Zeiten auch Z a t o n bei Kru- 
mau als Propstei von Ostrow angeführt, zu deren Gründung eben- 
falls eine Schenkung Bfetislaws I. Veranlassung geboten hatte. '^) 
Ebenso besass das Kloster eine Propstei zu Schlau, avo im J. 
1410 neben dem Propste, der zugleich Pfarrer war, noch acht Or- 
denspriester lebten.^) 

2. Eine grössere Bedeutung für uns, wenn auch nicht durch 
einen Landbesitz innerhalb unseres Gebietes, so doch durch die 
zeitweilige Eigeuthümlichkeit einer neuen Liturgie hat das Kloster 
Sazawa. Als ersten Gründer desselben, damals aber noch im be- 
scheidensten Umfange, verehren wir den h. Prokop. 

Dieser — aus Chotaun bei Kaufim gebürtig — hatte einst 
zu jenen Priestern unseres Vaterlandes gehört, denen es nur schwer 
gelingen wollte, allen Uiberresten heidnischer Sitte zu entsagen. 



') Vgl. die Bestätigungsurkuiide dd. 1205 bei Erben reg. 222. Jenes Grund- 
stück in Libodiowic besass Ostrow wenigstens um 1400 nicht mebr. An- 
derweitige Besitzungen: Theile von Trebenic, Otrocynewes, Weliz, Kolo- 
wrat, Wrysowic, Crynuc, Turscy, Chornutowic, Tuklek (Hawran), Bratre- 
now, Sedlec, Borenowic, Maskowic, NetwoHc, Hrusic, üscic (?), Pntim, 
Pokatic, die ganzen Dörfet Mezun, Horutic, Postupic, Pristupira und die Kir- 
chenpatronate von Krusina, St. Jakob in Domazlic, die Fähre an der SazaAva 
und einige Antheile an den ^upeneinkünften. (Vgl. Erben 222.) 

2) Urkunde bei Erben reg. 50. 

3) Dobner annal. V. 116. Die Behauptung des Crugerius, Pesina und Ziegel- 
bauer, dass St. Iwan von 1020 an als Kloster bestanden habe, ist unhi- 
storisch. Cruger aä 16. Jan. Pesina PJiosphonis septicornis p. 126. Ziegel- 
bauer hist. mon. Brevnov p. 199. 

^) Urkunde bei Erben reg. p. 60. 
5) Lib. JErect. IX. G. 4. 



113 

Er ^ar beweibt gewesen. Aber er liatte endlicli den weltliclien 
Banden sich entrissen: von den Seinen hinweg und all sein Hab 
und Gut verlassend war er in eine waldige Einöde an der Sazawa 
gezogen, um dort als Einsiedler einzig nur für Gott und für das 
eigene Seelenheil zu leben. Sein frommer Eifer machte ihn aber 
bald, erst in der Nähe und dann in weiteren Kreisen bekannt. Fortan 
wallten zu seiner Höhle ganze Schaaren von Pilgern, die der Für- 
bitte, des Trostes oder der Lehre bedurften. Auch der Herzog 
Udalrich zählte zu seinen Verehrern. Da baute endlich Prokop 
von den ihm gebrachten Almosen eine Kapelle und ein Klösterlein, 
und sammelte um sich einige Brüder für ein stilles Leben nach 
der Eegel des h. Benedict. Er selbst wollte unter diesen nichts 
anderes, als der Diener Aller sein (1032). Diess war der erste 
Anfang des Klosters Sazawa. ') 

Mittlerweile war Bfetislaw I. zur Herrschaft in Böhmen ge- 
langt. Wir kennen seinen Plan, die ursprüngliche Grösse des böh- 
mischen Reiches wieder herzustellen und auch die kirchliche Un- 
abhängigkeit desselben herbeizuführen. So dachte er an die Ein- 
führung eines eigenen slawischen Ritus in Böhmen, und erkor — 
wenigstens im stillschweigenden Einverständnissemit dem Bischöfe 
Severin — das Kloster Sazawa zur Pflanzschule desselben. Er 
baute es prachtvoll aus und dotirte es reichlich (1039).*) Alsdann 
berief er griechisch-slawische Mönche aus dem Lande der Ruthe- 
nen, welche den Gottesdienst nach griechischem Ritus in slawischer 
Zunge verrichteten, ^) und bewog den h. Prokop, die Würde des 
Abtes in der neuen Klostergemeinde zu übernehmen. Bfetislaw's 
kühner Plan endete mit seiner Niederlage im J. 1041, imd somit 
verlor die neue liturgische Colonie in Sazawa ihre Bedeutung für 
das Land. Desto schöner aber erglänzte von Tag zu Tag die Hei- 



') Chronic, monachi Sasav. 

^) Ursprüngliche Besitzungen: der Fluss Sazawa von Milobuz bis zur Höhle 
Zakolnika mit den anliegenden Aeckern, Wiesen, Waldung und Zugehör 
und das Dorf Zkramnik. (Erben reg. 47, Cosmas.) 
3) Dass es diese und nicht die römisch-slawische Liturgie des h. Methud war, 
ist jetzt unzAYeifelhaft. Vgl. Ginzel Gesch. der Slawenapostel p. 140 cit. 
Safarik u. Höfler (glagolitische Fragmente). Die Nachschrift des Sasavo- 
Eviautinum Evangelium ed. Hanka. 

8 



114 

ligkeit des Abtes Prokop. Stark in der Selbstverleugnung, gross 
in der Nächstenliebe, eifrig in jeder Tugend, unübertrefflich in sei- 
ner Demuth, war er der Gegenstand der Liebe und Verehrung Al- 
ler. Er starb als ein Heiliger am 25. März 1053. ') Bald folgte 
ihm auch sein herzoglicher Gönner in die Ewigkeit. (10 Jan. 1055.) 
So gross immerhin die slawischen Sympathien seines Nachfolgers 
Spytihnew IL waren, sowenig Billigung fand bei diesem überaus 
frommen Regenten die liturgische Neuerung in Sazawa. Schon 1056 
mussten die slawischen Mönche das Kloster wieder verlassen und 
eine Colonie lateinischer Klosterbrüder von Bi^ewnow zog in die 
Stiftung des h. Prokop ein. Als Propstei von Sazawa erscheint nach- 
mals Z b i s w ^) im Caslauer Kreise. 

3. Angeblich schon 1054 gründete Hermann von Ralsko ein 
BenedictinerklosterinderNähe des heutigen Münchengrätz, das 
er mit Mönchen von Tornach bevölkerte. ^) Vielleicht war diese 
Stiftung damals nur eine unansehnliche Propstei. Sie sollte aber 
nachher zu grosser Bedeutung gelangen, als ein neuer Hermann v. 
Ralsko sie 90 Jahre später dem neuen Orden der Cisterzieuser 
übergab. 



§. 30. Das Domstift St. Veit in Prag. 

1. Gleichzeitig mit der Errichtung des Bisthums war auch 
die sämmtliche sehr zahlreiche Geistlichkeit bei der St. Veits- 
kirche, vielleicht sogar in der ganzen Burg und in dem Burg- 
Üecken Prags, zu einem Domkapitel vereinigt worden, '^) welches 
einem vom Bischöfe eingesetzten Vorsteher oder Propste (praepo- 
situs) unterstand. ^) Es wurde bereits erwähnt, dass unser Vater- 



') Cliron. monaehi Samviensis. 

-) Lib confirm. MS, ad 26. üct. 1377. 

•') Paprocky, und lUustr. Chronik IL 161. 

'*) Der erste Biograph des h. Adalbert setzt das Bestehen von prager Dom- 
herren (canonici) zur Zeit des h. Adalbert voraus, ohne diesen als Stifter 
zu nennen. 

5) Der h. Adalbert ernanute zu dieser Würde seinen vertrauten Freund 
und Rathgeber Welich (Villieo). 



115 

laiicl das Institut Chrodegaiigs im Zustande des beginnen- 
den Verfalles empfing. In der That erfahren wir, dass bis zur 
zweiten Hälfte des eilften Jahrhunderts — also in der ganzen 
bisher geschilderten Periode — das gemeinsame Leben der pra- 
ger Capitularen nichts weniger als ein streng geregeltes war. Nach 
dem Berichte unseres ältesten sachkundigen Chronisten ') waren damals 
die Domgeistlichen nur dem Namen nach Canonici: zumeist unge- 
bildet und ungelehrt, verrichteten sie den Chordienst sogar in 
weltlicher Kleidung. Erst mit der neuen Periode begann für die- 
ses Domkapitel eine neue bessere Zeit. Nichtsdestoweniger war 
auch jetzt schon das Domstift, beziehungsweise die damit verbun- 
dene Dom schule, die Pflanzstätte der böhmischen Seelsorgs- 
geistlichkeit. 

2. Die ausgedehnten Capitel-Güter, deren Erwerbung nach 
Zeit und Art nicht allseitig erweisbar ist, lagen zum Theile auch 
in unserer jetzigen Diöcese Leitmeritz, und es ist mit allem 
Rechte anzunehmen, dass ebendaselbst — abgesehen von dem all- 
gemeinen Segen eines derartigen Instituts — ein massgebender 
Einfluss des Capitels auf die Gestaltung der religiösen Verhält- 
nisse nicht fehlen konnte. 

Mit urkundlicher Sicherheit lassen sich im Umfange der 
jetzigen Diöcese Leitmeritz die nachstehenden Besitzungen nennen : 

a. Im saazer Kreise vor Allem der Pfarrort Psow, das heu- 
tige Schaab nächst Podersam. Dieser Ort war einer der ältesten 
Obedienz-Orte ^) des Domstifts. Im Jahre 1186 ging derselbe durch 
einen Gütertausch an den Orden der Johanniter über ^) und end- 
lich um 1400 aus dem zeitweiligen Privatbesitze des Johann Ste- 
nic, Grossmeisters der Kreuzherren mit dem rothen Sterne, in das 
Eigenthum des letzteren Ordens. "*) Später als Psow erscheint der 
Pfarrort Oöehow, das jetzige Gross-Otschehau , als Präbende ^) 



') Cosmas. 

2) Vgl. S. 103. 

3) Tomek G. Pr. I. 83. — Urkunde in Erlen reges fa p. 175. 
'•) Vgl. Sommer Saazer Kreis, S. 291. 

^j Vgl. Seite 102. 



8^ 



116 

eines von Bischof Johann im Jahre 1305 gestifteten Domherrn.^) 
Der von hier im Jahre 1384 entrichtete Halbjahrszehent von 18 
böhm. Groschen (von P§ow 12) bürgt für ein erhebliches Alter der 
hiesigen Kirche. ^) In dieser Gegend lagen auch die Präbenden- 
güter Libeäowice, das heutige Lischwitz auf dem Gute Libo- 
ritz, Wrbice^), das heutige Fürwitz auf der Herrschaft Peters- 
burg, Dötan^), wahrscheinlich das heutige Gödesin auf der Do- 
maine Weitentrebetitsch ^) und um 1305 auch Wetru§ic, das 
jetzige Wedruschitz, und Sedöic, das jetzige Scheditz auf dem 
Gute Schönhof. ^) üiberdiess war auch das Dorf Krty (mit Aus- 
nahme eines der Kirche in Tis gehörigen Hofes), das heutige 
Gerten auf der Herrschaft Petersburg, im Jahre 1227 durch testa- 
mentarische Schenkung von Seiten des Brüxer Grafen Koj ata, des 
noch oft zu nennenden Wohlthäters mehrerer kirchlichen Institute 
Böhmens, in den Besitz des prager Domstifts übergegangen. ') Im 



1) Tomek G. P. 423 und 424. Unter den Präbenden von 1384 ersclieint die- 
ser Ort bereits nicht mehr. 

2) Begist. decimarwn bei Baibin. 

3) Wrbice bildet 1384 mit Kojetice (?) eine Präbende von 1 Seh. 15 Gr 
Halbjahrszehent. 

*) Dieses heisst bei Pesina irrthümlich Dieöiny m districtu Litoniericensi, 
wenn er damit nicht etvp^a Deöany (das heutige Jetschan bei Triblitz) 
meint, das aber dem Kloster Doxan gehörte. Vgl. Erben reg. p. 325. 

5) Dieser Besitz ward dem Kapitel erst am St. Thomastage 1420 entfremdet 
durch Verpfändung von Seiten des Kaisers Sigismund an die Brüder Hein- 
rich und Bohunek von §primberg um den Preis von 200 Seh. Palacky 
Archiv I. 509. 

'^) Tomek G. P. I. 423, wo aber statt Sedcic Ledcic gesetzt ist, angeblich 
im saazer Kreise, obgleich in letzterem kein' Ledöic zu finden ist. 
Nach Pesina Phosph p. 684 gehörte aber auch ein Sedcic dem Kapitel, 
das nun allerdings nicht fern von Wetrusic liegt. Das dort zugleich ange- 
führte Ledöice möchte ich für das im rakonitzer Kreise halten. (Jebrigens 
war jenes Sedcic zur Zeit des Königs Johann bereits in den Besitz der 
Pamihe Sekyrka übergegangen, welche sich fortan von Sedcic nannte (die 
jetzigen Grafen von Wrsowec). Lib. erect. XII. G. 8. XIII. G. 1., 
XIII. J. 3.) — Der Umstand, dass diese Familie um 1390 noch an- 
dere von Pesina angegebene Capitelgüter in der Kähe besass, scheint für 
die Identität des erstem Orts zu sprechen. (Lib. erect. ibidem.) 

') Urk. bei Erb. reg. p. 332. Vgl. Tomek G. Pr. I. 176. 



117 

Jahre 1 389 wird auch ein dorn stiftlicher Lehensmann (Wacho von 
Wrany) zu Hriwice auf der jetzigen Domaine Neuschloss ge- 
nannt. ^) Die Pfarrpfründe daselbst zahlte im Jahre 1384 einen 
halbjährigen Zehent von 27 Groschen. ^) Im Jahre 1341 schenkte 
König Johann dem Domstifte den Zehent vom Bergbaue in B f e s- 
nic^) und zugleich von allen Silbergruben in Böhmen. 

h. Im bunzlauer Kreise besass das Capitel von unbekannter 
Zeit her den alten Pfarrort Möely im Dekanate Hawrau (jetzt 
zum Gute Detenic gehörig). Dieser Ort war eine eigene Capitel- 
präbende, welche sich 1384 mit 42 Groschen am Halbjahrszehent 
betheiligte. ^) Urkundlich übten hier die prager Capitularen in 
den Jahren 1366, 1368, 1390, 1398 und 1402 das Collaturrecht 
aus. ^) Auch ein Theil des Dorfes Sowinice, jedenfalls im bunz- 
lauer Kreise gelegen, erscheint als Besitzung des Capitels; nur 
ist ungewiss, ob diess der Ort desselben Namens auf dem heuti- 
gen Dominium Kfinec oder der ebenso genannte Ort auf der jetzi- 
gen Herrschaft Swijan gewesen ist./) Uiberdiess bezog das Dom- 
stift noch gewisse Zehnten in der alten Zupe von Melnik, um 
welche es im Jahre 1260 einen Streit mit dem Bischöfe Johann III. 
führte, ') 

c. Im leitmeritzer Kreise, und zwar im alten Dekanate von 
Trebnitz gehörte dem Domstifte das alte Pfarrdorf fi,isuty ®), das 



1) Lib. erect. XII. C. 6. 

2j Begist. decini. 

3) Diplom, regis Joh. cit. in Dobn. mon. JBoh. tom. IV. 10. 

*) Begist. decim. 

5) Namentlich werden als CoUatoren genannt: 1368 der Gapiteldekan, 1390 
Wenzel von Genczenstein zugleich Canonikus am Wysehrad, 1398 der Ca- 
nonikus Andreas von Gewißka und 1402 der Gustos am prager Dom und 
zugleich Scholasticus am Wysehrad Franz Gewiöka. Lib. confirm. a. h. a. 

'') Dieses Sowinice wurde am 27. Dezember 1420 durch Kaiser Sigismnnd an 
Wenzel ven Walowic verpfändet. Palacky Archiv I. 546. 

') Tomek G. P. 425. cit. eine Ui-kiinde des Domcapitels. 

^) Für die Identität dieses ßisnty bürgt der Umstand, dass der andere Pfarr- 
ort gleichen Namens bei Schlan in den Confirmationsbüchern ausdrücklich 
als CoUatur des Klosters zum h. Geist in Prag genannt wird. Die gegen- 
theilige Angabe Heber's (Böhmens Burgen VII. 68), nach welcher das Dorf 
Äisuty bei Schlan dem Capitel gehört habe, scheint, wie einige andere 



118 

heutige Rissiit bei Merunitz, das bis zum Jahre 1384 ein so an- 
sehnliches Kirchenvermögen erwarb, class es damals mit dem be- 
deutenden Halbjahrsbetrage von 15 böhm. Groschen am allgemeinen 
Kirchenzehent sich betheiligen konnte. ') Erweislich übte daselbst 
das prager Capitel noch in den Jahren 1364, 1404, 1405 und 
1418 das Collaturrecht aus. -) Im Jahre 1364 erscheint ein Je§ek 
von JKisuty als Lehensmann des prager Doracapitels und übt als 
solcher das Collaturrecht in der Pfarre zu Liböewes (Liebsch- 
hausen) aus. ^) Muthmasslich gehörte also auch dieses uralte 
Pfarrdorf, das im Jahre 1384 schon 18 prager Groschen halbjäh- 
rigen Kirchenzehent zahlte, dem Capitel zu Prag. '*) Im Jahre 
1390 wird Pesik von Minie als Collator genannt. ^) Derselbe stif- 
tete 1396 2Y. Juli 2 Vikaristen an dieser Kirche. ^) Im Jahre 
1411 erst werden die Herren von Hasenburg als Collatoren eines 
Altarbeneficiums angeführt. ') Uibrigens besass auch das Colle- 
giatstift Wysehrad von 1068 an einen Zinsbauer und einen Klei- 
derwäscher in Liböewes. ^) Das Dorf Risuty ging 143-7 (am 
Sonntage vor St. Katharina) sammt dem Dorfe Lahost"), dem 
heutigen Loosch auf dem Dominium Dux, durch kaiserliche Ver- 



desselben Verfassers , auf einer Verwechslung gleicher Ortsnamen zu 
beruhen. 

') Eegistrwn deeimarum bei Baibin. 

~) Namentlich erscheinen als Collatoren: 1364 der Dechant Wratiwoj, 1404 
und 1405 die Canonici Blasius und Lupus, letzterer auch Dechant von 
Allerheiligen ; 1418 der berühmte Canonicus Andreas von Broda, den 
wir bereits als Pfarrer von Nebu^el kennen gelernt haben. {Lib. confirm. 
a. h. a.) 

•*j Lib. confirm. 

^) Begist. deeimarum. 

^) Lib. confirm. 

'^) Lib. ereet. XI. N. 9. Seine Söhne Christoph und Wlcelc v. Minie und Pesik 
v. Hoi-etic erscheinen noch 1401 und 1416 als Wohlthäter der Kirche in 
Libcewes. 

7) L. Gonf. VI. u. VII. 

^j Erben reg. 11. 

^j Dieser Ort erscheint bei Pesina irrig unter dem Namen Lahowice. Das 
wirkliche Lahowice, am Einflüsse der Beraun in die Moldau, gehörte den 
Klöstern Ostrowund Kladrub, und ein zweites Dorf dieses Namens bej 
Liebschliausen dem leitmeritzer Capitel. Vgl. Erben reg. 36, 89, 53. 



119 

pfändung an Jakob von Wrsesowic und dessen Erben über. ' ) In 
derselben Gegend gehörte dem Domstifte von jeher auch der noch 
viel ältere Pfarrort Kozly, das heutige Kosel auf dem gleich- 
namigen Gute.-)' Dieses Dorf muss wohl eine der ersten christ- 
lichen Kirchen des ganzen Dekanats — ^Yahrscheinlich durch das 
Domstift selbst — erhalten haben, da dieselbe im Jahre 1384 so- 
gar bis zu einer halbjährigen Zehentleistung von 24 böhm. Gro- 
schen sich erschwingen konnte. ^) 

3. Als anderweitige Pr ab enden des Capitels von St. Veit 
werden im Zehentregister des Jahres 1384 folgende genannt *): 
Krö (36 gr.), Beluk (17 gr.), Libeznice (54 gr.), Hofany (43 gr.), 
Jesenice (48 gr.), Postonice (54 gr.), Wysocany (38 gr.), Horne- 
tice (2 Seh.), Zemechy (30 gr.), Piacetice (1 Seh.), Kbel (45 gr.), 
Pi-ilepy mit Bukol (42 gr.), Tfeboratice (21 gr.), Zlonice (26 gr.), 
Chrast (30 gr.), Solenice und Trapcice (48 gr.), Ujezdec (36 gr.), 
Kojetice mit dem bereits erwähnten Wrbice (1 Seh. 15 gr.), Ctine- 
ves (36 gr.), Studeö mit Stf edokluky (2 Seh,), Holowice (3 Seh.), 
die zweite Präbende in Jesenice (24 gr.), Nehwizdy (45 gr.), 
Horka (18 Seh. 16 gr.), Kobilis (1 Seh.), Pocetice mit Babenice 
(20 Seh. 38 gr.) , . Zlonin (30 gr.) , die zweite Präbende in 
Kbel (42 gr.), Wrbec bei Mseno, rak. Kr. (17 gr.) und Postrizin 
(II gr.). Hiebei waren die Besitzungen der Propstei, des Dom- 
dekanats, der Domscholasterie und des Archidiakonats (von Prag), 
sowie die der übrigen Archidiakonate, endlich die der Kirche selbst 
noch nicht mit eingerechnet. Auf den Propst entfielen damals 12 
Schock, auf den Deehant nur 36 Groschen, auf den Scholasticus 
1 Schock, auf den Archidiakon 2 Schock, auf die 65 Beneficiaten 
der Domkirche zusammen 21 Schock und 57 böhmische Groschen 
Halbjahrszehent. 



1) Palacky Archiv II. 453. 
") Sommer: Leitm. Kreis S. 03. 
3) Ucgist. decini. bei Baibin. 
*) BegisL dedm. 1384. Dio beigesetzte halbjälirige Zelieiitleistung ist ein 

Massstab des Gcsammteinkommons. Näheres über die Verbältnisse des 

Domklcrus in einem spätem Abschnitte. 



120 



§. 31. Fortsetzung. 

1. Der fleissige Sammler der liistorischen Merkwürdigkeiten 
des St. Veitsdoms, Thomas Pesiiia von Cechorod ^), hat uns ein 
alphabetisches Verzeichniss der angeblichen ehemaligen Besitzun- 
gen des prager Capitels zusammengestellt. Derselbe nennt da 
nicht weniger als 262 verschiedene Orte der verschiedenen Kreise 
Böhmens und fügt schliesslich noch die Bemerkung bei, dass er 
die Namen vieler anderen nicht mehr anzugeben vermöge. Diess 
Verzeichniss strotzt aber \on Unrichtigkeiten. Einmal fehlt schon 
mehr als die Hälfte der verhältnissmässig wenigen urkundlich 
sicher gestellten Capitel-Besitzungen in jenem Verzeichnisse, und 
einige der angegebenen sind mit ungenauen Namen bezeichnet. 
Dann aber werden die unterschiedlichsten geistlichen Besitzungen, 
namentlich viele erzbischöfliche, in die Zahl mit einbezogen. End- 
lich werden alle jene Ortschaften kurzweg als Capitelgüter ange- 
führt, wo doch dem Stifte lediglich ein oder das andere Grund- 
stück, oder gar nur ein fundirter Jahreszehent oder etwa eine zu 
Dienstleistungen verpflichtete Familie angehörte. Diess voraus- 
geschickt, nennen wir nachgehends diejenigen Orte innerhalb der 
jetzigen Diöcesangränzen von Leitmeritz, welche ausser den oben 
sichergestellten ehedem ein Eigenthum des prager Domstifts gewe- 
sen sein sollen. 

2. Die vorzüglichsten derselben lagen 

a. im alten Archidiakouate von Saaz. Vor allen ist da der 
alte Pfarrort ^labokliky (Schabogiück) zu nennen, der im Jahre 
1384 schon die erhebliche Summe von 15 böhm. Groschen als halb- 
jährigen Kirchenzehent entrichtete. ~) Seit den Zeiten des Königs 
Johann hatte dieser Ort zugleich mit dem von Pesina ebenfalls 
als Capitelgut genannten benachbarten Dorf e Cejkowice (Tsche- 
kowitz) die nahen Herren Sekyrka von Sedcic, welch' letzteren 



') Phosjphorus sepücornis. Pragae 1673, pag. 684 und 685. 
*) JRegistrum decimarum bei Baibin. ; 



121 

Ort wir bereits als früheres Capiteldorf kennen lernten, zu Be- 
sitzern. ') Ausserdem werden von Pesina noch erwähnt: die Dör- 
fer Duböany auf dem jetzigen Gute Dobritschan, Käme na 
wo da, das heuitige Stenwasser auf der Domaine gleichen Namens, 
L e w n i c e, das heutige Lewanitz auf der Herrschaft Postelberg ^), 
Nechranice, das jetzige Dorf Negranitz auf dem Dominium 
Hagensdorf, Kwenice, wahrscheinlich das jetzige Ferbentz, und 
Wigkow, beide bei Postelberg, Zbra§in, das dermalige Praschin 
bei Laun, und Strkowice auf dem heutigen Gute desselben Na- 
mens. ^) 

&. Im Bereiche des ehemaligen Archidiakonates von Leitme- 
ritz und Bilin werden angeführt: vor allen das Pfarrdorf Tf e- 
biwlice, jetzt Tfiblitz genannt, welches im Jahre 1384 als eine 
der ältesten Stationen des Dekanates den sehr bedeutenden Halb- 
jahrs-Kirchenzehent von 21 böhm. Groschen entrichtete. '^) Hier 
aber erscheinen sicher vom J. 1370 an eigene Herren von Tfebiwlice 
als weltliche Grundherrschaft, so dass ein Capitelbesitz daselbst 
in frühere Zeit versetzt werden müsste. ^) Vielleicht beschränkte 



•) Libri erect. XII G. 8, XTII G. I., XIII J. 3. Lihri eonfirm. atl 1360, 
1413, 1416 und 1417. — Ein Heinrich von Sedcic erscheint 1393 in einer 
Angelegenheit, welche den Kirchenzehent von Libetic betrifft, als Schieds- 
richter. Derselbe schenkte am 27. Mai 1396 der Kirche zu Zabokliky 30 
Seh. Zinsen zur bessern Dotirung des Pfarrers. (Ebend.) Erst um das Jahr 
1500 gelangte Sedcic mit Zabokliky und Cejlfowice (damals mit Kralowa 
Lhota) an die Saazer Stadtgemeinde. (Heber Böhmens Burgen YII. 147.) 

*) Vielleicht ist hier auch eine Verwechslung mit Lewinice geschehen, einer 
alten Besitzung des Klosters Brewnow in der Grafschaft Glatz. (Vgl. Erben 
reg. 443 ad a. 1238. 

3) Möglicher Weise irrte sich hier Pesina mit dem Dorfe Strunkowice im 
prachiner Kreise, welches heute noch dem Propste des prager Kapitels an- 
gehört. 

^) Regist, decimarum bei Baibin. — Die in Sommers Topographie S. 77 mit- 
getheilte Sage vom Ursprünge des Ortes zwischen 1444 und 1504 wider- 
spricht der erwähnten urkundlichen Thatsache und vielen andern sicheren 
Nachrichten des 14. Jahrhund ei'ts. 

^) Libri confirm. Genannt werden daselbst: 1370 die Brüder von Trebiwlice 
nebst Milebor von ^elkowic und Jarek von Solan, — 1404 und 1405 Fi'itz, 
Bures und Johann 'von Trebiwlice mit Kunes von Solan als CoUatoren. 
Nach den Libris ErecHonum : 1397 Zdenko von Kostelec und die Nonne 



122 

sich ein solcher Besitz überhaupt auf gewisse Zehentbezüge. 
Ausserdem nennt uns Pesina noch ein Chutnewes, welches nur 
das jetzige Kuttendorf bei Libeschitz sein könnte, ferner Choto- 
m e 1- i c e , das heutige Kuttomirsch auf der Herrschaft Lobositz, 
Jii-etin, wohl den alten Pfarrort dieses Namens, das heutige 
Obergeorgenthal '), Wodolice auf dem Dominium Liebschhausen, 
und Pistany bei Leitmeritz. Nebstbei zieht er auch die erzbi- 
schöflichen Besitzungen dieser Gegend, Wtelno (bei Brüx), 
Geiersberg, Sobechleby (Sobochleben) , Marschow (Mar- 
schen), Hotowice (Hottowitz), Tuhan-), Obora und Wr§o- 
wice, und ebenso das zur leitmeritzer Propstei gehörige Dorf 
Slatina und den zum Kloster Bfewnow zustcändigen Ort Wlence 
(Mlinec) in die Reihe der hiesigen Capitelgüter. 

c. Im Umfange des alten Archidiakonats Bunzlau werden 
namhaft gemacht: das sehr alte Pfarrdorf Libechow (Liboch), 
welches 1384 mit 18 b. Groschen am allgemeinen Kirchenzehent 
sich betheiligen konnte. ^) Urkundlich ist nur bekannt, dass im 
J. 1395 die Stiftungsbezüge für ein von den Mansionaren der pra- 
ger Domkirche abzuhaltendes Jahresgedächtniss auf diesem Libe- 
chow hafteten, ^) Möglich, dass dieser Umstand zu der Annahme 
führte, der Ort selbst habe dem Domstifte zugehört. Erweislich 
erscheinen wenigstens im Anfange des 15. Jahrhunderts die Berka 
von Duba auf Auscha als Grnndherren und Collatoren in Libe- 



Sophie von Semic als Stifter eines Jahrgedäclitnisses, 1400 Johanna von 
Trebi^Ylice als Stifterin zweier Jahi'gecläcMnisse durch Schenkung eines 
Hauses sammt Garten und Aeckern, 1405 die Brüder Rudiger und Erhard 
von Skalka als Kirchenwohlthäter. Erect. XIT. J, 10., XIII. E. 2, VIII. 0. 6. 

') Urkundlich erscheint hier wenigstens um 1400 die Familie von Koldic als 
Grundobrigkeit. Anna von Koldic erbaute 1409 abseits von der bisheri- 
gen Marienkirche eine neue zu Ehren des h. Nikolaus (Niedergeorgonthal) 
und erwirkte ddo. 14. April 1409 auch die Erhebung der letztern zur 
Pfarrkirche. Lib. Erect. IX. D. 1. Lib, confirm. ad 1409. 

~) Hier konnte auch eine Verwechslung mit dem noch jetzt zum Capitcl ge- 
hörigen Dorfe Tuchyne im frühern berauner Kreise geschehen sein. 

3) Regisfnim decimarwni. 

'*) Dobncr de Mansionariis. Das Anniversarium galt den Eltern des Libc- 
chower Pfarrers Johann. 



123 

cliow. ') Auch der alte Pfarrort Kadi in (im ehemaligen Dekanate 
Kamenec) soll eine Besitzung des Domcapitels gewesen sein; je- 
doch waren hier die Freiherren von Berka auf Hauska wenigstens 
um das Jahr 1400 Grundherren und Collatoren. ~) Im J. 1384 
zählte Kadlin mit einer Zehentleistung von 18 böhm. Groschen 
bereits zu den besten und wohl auch ältesten Pfründen des De- 
kanats. ^) Erst im J. 1445 gelangte das hiesige Pfarrpatronat 
durch Verleihung von Seiten des Chwal Berka auf Hühnerwasser 
an das Augustinerkloster zu Biela (Weisswasser. '*) — Auch R a- 
dujen {Badaun teutonica in der Nähe der alten Deutschherren- 
kommende ßepin) wird als Capitelgut angeführt. Dieser Ort be- 
sass eine ziemlich alte Pfarrkirche, welche 1384 sich mit 12 böhm. 
Groschen am Kirchenzehent betheiligte. ^) In dieser Zeit hatte es 
den deutschen Orden als Grundobrigkeit und hiess desshalb auch 
Badaun teutonica. Nebstbei nennt uns der oft erwähnte alte Ge- 
schichtsschreiber des prager Domstifts als weitere Besitzungen des- 
selben die Dörfer Wselisy auf der Domaine gleiches Namens, 
Mlazice bei Melnik und Winartice, vielleicht richtiger das 
jetzige Winafice auf der Herrschaft Dobrowic. Auch das erzbi- 
schöfliche Pfarrdorf Zercice wird unter Einem den hiesigen Ca- 
pitelbesitzungen beigezählt. 

d. Noch werden in demselben Verzeichnisse mehrere Ort- 
schaften genannt, deren Namen wohl auch innerhalb unserer 
Diöcese, aber eben so gut auch in andern Theilen Böhmens vor- 
gefunden werden. Als solche mögen hier die folgenden genannt 
werden: Charvatice, Chvojenec (Klein - Kahn ?), Horka, 
Lipeii, Minie, Moravany, Okruhly (Scheibendorf bei 
Niems?), Podol, Pnetluky (Netluk?), Rohosec, Radaun, 
Ötebno (Stehen?), TfemoSnice, Wrbka, i^idovice, Za- 
lesly und Zahaji. ^) 



'j Libri confirm. a. h. a. Genannt werden: 1414 Ileinricli von Duba auf 

Auscha, und 1418 Ales von Duba auf Di-azic (und Auscba). 
'/ Libri confmn. Genannt wird 1414 Heinrich Berka in Huska. 
^) Begist. deeimarum. 
4) Libri Elect XIII. Y. 19. 
^) Begistr. decimar. 
^) Ausser den angeführten Orten nennt Pesina (Phosp. 684 und 685): Bisice, 



124 



]. 32. Das Goilegiatstift SS. Gosmas und Damian zu Ältbunzlau. 



1. Es wurde bereits oben ^) erzählt, dass der Herzog Bre- 
tislaw I. und der Bischof Severus für die angemasste Uebertragung 
der Reliquien des, heil. Adalbert von Gnesen nach Prag und für 



Bikos,- Blaliotice, Bratronice, Bukole, Butovice (1256 für Zbraslav), Berko- 
vice, Becvarek, Biskupice , Boliiinovice , Budce, B arcliovice , Boreö, Bane, 
Beluk, Bukova, Bohuslavice, Brezany, Brzokol, Brandeis bei Sclilan, Bozi- 
linevice, Bi-ezova bei Beraun. (Uebergangen: Belvice, Bedricliovice, Brez- 
nice male.) — Ein Theil von Ctinoves, Calirov, Cacliow, Öernilow, Chirsin, 
Öanka, Chlistovice, Clileby, Cbvatlina, Chudeöin, Chrastov, Ohlistpvice. 
(Uebergangen Öista, Öizovka.) — Draskovice, Drzice, Drchkov, Duby, Da- 
minoves. (Uebergangen Dwrzkov, Dedibaby, Dusniky, Detineky, Detan.) — ' 
Jesenice, Jence, Jirno, Jeröonice, Jirenec. (Uebergangen Jasena.) — KH- 
vausy, Kvic, Koturov, Kameny Aujezd, Kovarovice, Krivany, Koricany, 
Klein-Kucharek, Kostelec bei Pilsen, Kbel bei Prosylr, Ki'eöhor bei Kolin, 
Krabeice, Krocihlav, Konöice, Kopist, Konice bei Brod, Knistice, Krivice, 
Krivany, Kutrovice, Kobilniky, Krc. (Uebergangen Kozolupy, Kobilisy, 
Kaisperk.) — Lbota, Liboc, Libeznice, Ledcice, Lasice, Lesnice, Lazan- 
ky, Libßov, Litovice, Liboclioviöky bei Okoi', Lisolay in Scharka, Libko- 
vice, Loket (Kaurim) Lesany, Lniste bei ^ebrak. (Uebergangen Lahost.) 
~ Malesice, Malikovice, Milce, Martineves bei Budin, Modrany, Myslin, 
Miletice bei Wehvar, Mikovice, Miskovice, Mirovice, Mokry, Mokropsy, 
Mokrusov. (Uebergangen Mlyn, Malesov, Moldauthein, Richnow.) — Ne- 
liwizd, Newlekov, Neumerice, Nedwez, Nedwedice, Netis, Netrebice, Ne- 
radice, Netrevice, Nezetice. (Uebergangen Nizebohy.) — Odolena Woda, 
Osusiu, Owöary, Onomysle, Omeklas, Omozin, Otwojice. (Uebergangen 
Onomysk.) — Polelu'ad, Poliöany, Pabenice, Pohorice, Pchery, Pnovice? 
Ptic, Postrizin, Poricany, Prebog , Plesnice, Prusce, Podlusky, Predonin, 
Pribisov, Peciu, Poöeradec, Pasovice, Popovice, Popovißky. (Uebergangen 
Prestupy.) — Eadlice, Rostok, Repice, Radosovice, Rovna, Ranna, Risice, 
Üivice, Roclianov. (Uebergangen Rozmital, Rudice.) — Slavosov, Sterbo- 
lioly, Sedlec, Öitar, Sobin, Svinar, Steblavy, Stredokluky, Slupice, Sale- 
tice, Sulice, Sukdol, Srbice , Stocbov, Statewnice, Swidna, Senice, Stu- 
padla. (Uebergangen Swetic, Svojetin, Saky.) — Trebotov, Tymakov, Tu- 
choraz, Tmany, Tusec, Turkovice, Ti-isnovice. (Uebergangen Tuchlovice.) 
— Uhercice, Ujezdec bei Bikos, ein Theil von Wlasim, Welikawes, Wse- 
radice, Weska, WranoAv, Wtelno, Wesce , Walenec, Wseliromy. (Ueber- 
gangen Winetice, Wsestudy, AVeltrus, Wrbcany.) — Zwolinewes, Zlo- 
nice, Zlatnik, Zerpice, Zemecli, ^ebrovice, Zariby, Zbinice, Zalirivec, Zir- 
cice, Zruc, Zypec, Zatwor, Zahorany. 
1) Seite 78. 



125 

die ihnen zur Last gelegte Beeinträclitigimg der polnischen Kirchen 
nur unter der Bedingung die Verzeihung des apostolischen Stuhles 
erhielten, wenn dieselben als Busswerk geeigneten Orts ein Gottes- 
haus mit einem Kloster erbauen, dasselbe mit allem Erforderlichen 
hinreichend versehen und erprobte geistliche Personen daselbst 
einsetzen würden, welche für alle Zeit zur Versöhnung Gottes und 
zum Heile der lebenden und abgestorbenen Christgläubigen daselbst 
im heiligen Dienste leben sollten. ') Aus diesem Grunde nun 
stifteten die beiden hohen Büsser das CoUegiatstift Altb unz- 
lau. ^) An die Stelle der alten Kirche SS. Cosmas und Damian, 
in welcher der Leib des h. Wenzel einst drei Jahre lang geruht 
hatte, wurde ein neues Gotteshaus erbaut und zugleich dem heili- 
ligen Landespatrone Wenzel gewidmet. Am 18. Mai 1045 ward 
die neue Kirche feierlich vom Bischof Severus consecrirt.^) Die Ein- 
führung der Kanoniker, welche hier unter der Leitung eines Propstes 
und eines Dechants den kirchlichen Dienst versehen sollten, scheint 
erst um 1052 erfolgt zu sein, da der Stiftungsbrief erst aus dieser 
Zeit datirt ist.'^) Die freigebigen Stifter versorgten sie reichlich mit 
Landbesitz und wiesenihnenzins- und dienstpflichtige Leute in Menge 
zu. Ausser den nöthigen Ackersleuten, Hofdienern, Hausknechten, 
Aufwärtern, Kirchenwächtern, Glöcknern, Fischern, Gerbern, Schu- 



') Cosmas. 

2) Dom- und Gollegiatstifte galten ihrer Regel wegen als eine Ai-t von Klö- 
stern. Es kamen auch häufig Fälle vor, class solche Stifter ohne weitere 
Umstände wirkliche Klöster wurden und zwar dadurch, dass an die Stelle 
der Chorherren regulirte Canoniker berufen wurden. Dies geschah z. B. 
in Klostenieuburg. 

3) Cosmas, Pulkava, Weleslawia nennen das Jahr 1046, Pubitschka IE. 335 
weiset nach, dass es 1045 geschah. Die älteren Chronisten nennen die 
neue Kirche durchwegs eine zu Ehren des h. Wenzel geweihte. Da aber 
das Capitel stets SS. Cosmas und Damian hiess, so ist wahrscheinlicher, 
dass der Name S. Wenzel nur den Namen der frühern Patrone beigefügt 
wurde, wie dies erweislich auch mit dem S. Veitsdome in Prag geschah. 
Weleslawin und Andere nennen als Conseci-ationstag den 20. Mai. 

4) Bei Erben regesta p. 47. u. BaTbini epitome lih. III. p. 191. Bohner an- 
nal. V. 310. Nach Palacky (im Anhange zu JErlen reg. p. 624) ist dieser 
Stiftungsbrief von zweifelhafter Aechtheit und soll derselbe nicht vor dem 
Ende des 12. Jahrhunderts abgefasst sein. 



126 



Stern, Peclisiedern, Schäfern, Müllern und Schmieden fehlte es so- 
gar nicht an einem Schildarbeiter, Bildhauer, Goldschmied, Drechs- 
ler und Zuckerbäcker. 

2. Im Umkreise der jetzigen Diöcese von Leitmeritz wurden 
dem Stifte schon ursprünglich der Maierhof und das alte Pfarr- 
dorf Lysa '), die jetzige Stadt gleichen Namens und die Dorf- 
schaften D e t e n i c e und M 1 i k a f i im jetzigen Bunzlauer Kreise 
zugewiesen, erstere heute noch der Amtsort eines gleichnamigen 
Gutes, letztere aber dermalen völlig unbekannt. Ueberdiess hatte 
es eine Abgabe an Honig zu beziehen von den Ortschaften Rauny 
(vielleicht dem heutigen Raudny auf dem Gute B. Aicha oder dem 
Dorfe Raudne auf dem Gute Turnau und Skal), von Libinic (?), 
Losen ic (?), Osek (vermuthlich dem alten Pfarrorte dieses Na- 
mens auf der Herrschaft Kost ^) und Wlkowa (auf dem Gute 
Laucin). Auch besass es zur Kirchenwache verpflichtete Unter- 
thanen in dem alten Pfarrdorf e Bezno ^) und in den Ortschaften 
Wlkowa und Dobrowice. Aus den Städten Saaz und Jung- 
bunzlau bezog es den zehnten Theil von allem herzoglichen Ge- 
richtseinkommen; ebenso von allen Grundstücken, die zu beiden 
Städten gehörten, den Zehnten an Garben und an Gross- und 
Kleinvieh; auch von allen in Erbpacht gegebenen Besitzungen 



') Dieser Hof hatte vorher dem Grafen Mutis gehört. Um 1355 finden wir 
hier die Kaiserin Anna als Grundherrin, Avelche die hiesige PfarrcoUatur 
dem neuen S. Carlskloster in Prag übertrug, worauf die Kii'che in Lysa 
durch Urkunden der Kaiserin, des Kaisers, des Papstes und des Erzbi- 
schofs für immer dem Kloster incorporirt wurde. (Lib, Erect. III. P. 1. 
(dd. 1387, ibid. III. H. 3, XII. B. 2.) Diese Kirche war damals ent- 
schieden die reichste des ganzen Archidiakonats, indem sie 1384 2 Seh. 
zum halbjährigen Kirchenzehent beisteuern konnte. [Begist. decimarum.) 

-) Diese um 1360 sicher unter der Collatur der Herren von Wartenberg auf 
Kost stehende Pfarrkirche zahlte 1384 nur 6 böhm. Groschen zum Kir- 
chenzehent, ist also wohl Jüngern Ursprungs. {Begistnmi dedmarimi. — 
Libri confirm. ad 1360, 1363, 1379 und 1380.) 

^) Bezno hatte eine der ältesten Kirchen des Dekanats Kamenec, indem selbe 
1384 mit 30 Gr. am Kirchensjehent sich betheiligte. Im Jahre 1369 er- 
scheint ein Bohunko von Libis als Grundherr und Kirchenwohlthäter. 
(Begist. decimarum. —■ Libr. Erect. I. K. 6. dd. 1369 und 1371. — Lib. 
confirm. 1373. 1399.) 



127 

derselben Städte den zehnten Tlieil des erzeugten Honigs und 
der üblichen Friedenssteuer. 

Nebst diesen ursprünglichen besass Altbunzlau erweislich in 
späterer Zeit noch einige andere Güter im Bereiche der jetzigen 
leitmeritzer Diöcese. Zu diesen gehörte Maleso w, das heutige 
Maischen bei Gastorf, ein uraltes Ffarrdorf, das der selige Hroz- 
nata, Stifter der Klöster Tepl und Choteschau schon 1197 seinem 
Kaplane Holofernes geschenkt hatte. ') Wann und wie es an das 
Collegiatstift zu Altbunzlau gekommen sein mag, ist nicht wohl zu 
ermitteln. Sicher aber übte daselbst um 1360 der altbunzlauer 
Propst als Grundherr das Collaturrecht aus. ") Im J. 1384 ent- 
richtete Malesow 12 b. Groschen als halbjährigen Kirchenzehent. ^) 
Ausserdem gehörte noch das Dorf Wlköinöwes, wahr- 
scheinlich das jetzige Dorf Wolfschlinge auf dem Gute Schwaden, 
und ein Ort unbekannter Lage, Namens Klein-Wolenec '*), der- 
selben Grundobrigkeit. 

3. Im Jahre 1384 werden folgende anderweitige Präbenden 
des Capitels als zehentpiiichtig aufgezählt ^): Owcary (1 S.); Po- 
powice (34 gr.); eine zweite Präbende in Popowice (34 gr.); eine 
dritte ebendaselbst (21 gr.); Howofewice (21 gr.); Nedomice (1 S.)5 
Susna mit einem Antheile von Ohaf (14 gr.); Konöice (30 gr.); 
Hlawna nebst einem zweiten Hlawna und Antheilen in Ohaf, Kon- 
öice und Dusna (18 gr.) ; die Präbende Ohaf mit einem Antheile 
von Koncice (20 gr.); eine zweite Präbende in Hlawna mit einem 



') Die Schenkungen Ilroznatas betrafen grosseutlieils diese Gegend. (Hrusciio- 
wan, Prachowa, Drnni, Proboscht, Ploschkowitz, Schwaden, Skalice, Kezly 
u. s. ^Y.) Dies und der Umstand, dass ein anderes Malesow (Stadt und 
Burg im caslauer lü-eise) wohl schon seit 1143 zum Kloster Sedlec ge- 
hörte, ein drittes (im klattauer Kreise) jetzt zerstörtes Dorf aber nie als 
Pi'arrort genannt ist, spricht für die Identität dieses Malesow, 

~) Libr. confirm. ad 25. Mai 1361. Collator : Propst Zawis von ßaöiuewes. 

•*) Mefjistr. äecimarum. 

'*) Wikcinewes und Wolenec maly wurden zugleich mit dem Dorfe Wratkow 
(casl. Ki\?) im Jahre 1436 durch Verpfändung Seitens des Kaisers Sigmund 
dem Stifte entfremdet. (Palacky xirchiv I. 517, 540, II. 179.) 

■'») Iie<jisb. decim. Diese Präbenden umfassen auch die Pfründen aller Kleriker 
in Altbunzlau, da letztere nicht besonders genannt werden. 



128 



Antheile in 0ha? (28 gr.) ; eine dritte Präbende in Hlawna (9 gr.) ; 
Bylichow (30 gr.); Howofewice (21 gr.); zwei Präbenden in DuSna 
(15 und 18 gr.) und zwei Präbenden in Susna (15 und 18 gr.). ') 



§. 33. Das Collegiatstift S. Stephan in Leitmeritz. 

1. Die Geschichte hat dem frommen Herzoge Spytihnew IL 
den Ehrennamen Vater des Klerus gegeben und durch alle 
Jahrhunderte bewahrt: die Vorsehung aber hat das schönste Mo- 
nument seiner freigebigen Religiosität in allen Stürmen der Ver- 
gangenheit bewahrt und einer ruhmvollen Gegenwart überliefert — 
das Oapitel bei S. Stephan in Leitmeritz, dessen letzter 
Propst imJ. 1656 der erste Bischof der leitme itzer Diöcese gewor- 
den ist. Spytihnew IL stiftete dasselbe im J. 1057 „zum Heile 
seiner Seele" für den heiligen Dienst an der neuen „ ehr- 
würdigen Kirche, die er ebendaselbst zur Ehre Christi, 
der seligsten Jungfrau Maria, des Erstlingsmartyrs 
Stephanus und anderer Heiligen erbaut hatte. ^) 

2. Burg und Stadt Leitmeritz^) mussin dieser Zeit wieder 
unter der landesfürstlichen Gewalt gewesen sein; diess deuten die 
mannigfachen Rechte an, welche Spytihnew seiner neuen Stiftung 



') Als anderweitige Besitzungen M^erclen genannt: Popovice, Prisnin, Zapy, 
Drevcice, Drisech, Unterthanen in Kresenic, Lubosin, Pocllesin, Obodi, 
Posti'izin, Znoöice, Bezenec, Maslovic, Letecek, Lubacic, Syiitic, der Ze- 
hent von Caslau und Grörlitz, eine Abgabe von 2izelic; in Mähren der 
Zebent von Eokicau, Znaim, BechoAV und von den Brückenzöllen der 
Tliaja, Abgaben in Olmütz, Prerau, Spitignew, Godonin, Bracislaw, Stra- 
honin, Brunn, Pustimir, — und die Dörfer Blatinic, Pregnic, Nalucbi, Va- 
nolusi, Na wranie, Dolni, Surgust (Zlup), Mikulcic, Prusy, Troskotowic, 
Drinowic, Pulin, Na gradku, Bechamir, Bantik, Plesitic, Masowic, Sanow. 
{Erben reg. 47 u. 48.) 

2j Worte des Stiftungsinstruments nach der Ottokarischen Confirmationsur- 
kunde im leitmeritzer Kapitelarchiv. Die Ansicht dieser alten Kirche bie- 
tet das Titelbild nach einem alten Gemälde. 

3) „Castrum Lüomericense^^ heisst in dem bestätigten Stiftungsinstrumente 
der jetzige Domhügel, wo die alte Collegiatkirche an der Stelle der jetzi- 
gen Domkirche sich erhob, Vgl, auch §. 9. n. 1. 



129 

sofort auch innerhalb der Stadt einräumte. Seit dem Tode des li. 
Adalbert war das mit dem Fluche der Kirche beladene hiesige Grafen- 
geschlecht der Wrsowecen dem schrecklichsten Lose anheimgefallen. 
Wohl war einer derselben um das J. 1000 sogar Schwiegersohn 
Boleslaw's des Grausamen geworden, und auch die übrigen hatten 
ein hohes Ansehen am Hofe des unwürdigsten Fürsten errungen. 
Aber gerade sie hatten im J. 1002 an der Spitze der Empörung 
gestanden, welche einen polnischen Prinzen auf den böhmischen 
Thron erhob. Kaum war daher der vertriebene Boleslaw im Jahre 
1003 wieder zur Herrschaft gelangt, so rächte er sich furchtbar 
an seinen falschen Freunden. In der Nacht des Faschingdienstags 
erdolchte er mit eigener Hand seinen Schwiegersohn und liess auch 
die Gehasstesten der übrigen durch seine Diener ermorden (10. 
Februar 1003). Muthmasslich ist damals das Privateigenthum 
der geächteten Familie in und um Leitmeritz an die laudes- 
filrstliche Kammer gefallen. ') So finden wir nun im Jahre 1057 
den kirchenfreundlichsten Fürsten als alleinigen Herrn von Leit- 
meritz und zahlreichen Orten im Umkreise. So war es ihm auch 
leicht, seine schönste Stiftung durch reiche Einkünfte in dei' näch- 
sten Nähe zu versorgen. 

3. Bevor wir die Dotation des für uns so Avichtigen Coile- 
giatstifts näher beleuchten, thut es Noth, der beiden Urkunden 
etwas ausführlicher zu gedenken, welche uns über jene Aufschluss 
geben sollen. Die entschieden echte von beiden ist ein Bestäti- 
gungsbrief des Königs Pi'-emysl Ottokar I. vom J. 1218, der noch 
jetzt im Original im leitmeritzer Capitelarchiv vorliegt. Derselbe 
beruft sich ausdrücklich auf den damals vorgelegten ersten Stif- 
tungsbrief des Herzogs Spytihnew, welcher aber in Folge hohen 
Alters bereits vermodert gewesen sei. *) Eben deshalb aber will 
der ottokarische Brief ausdrücklich den Wortlaut des Origi- 
nals erneuern, „damit nicht etwa durch Vergessenheit 



') Am Ende des 11, Jahrliimderts finden wir die Nachkommen der Unglück- 
lichen wieder auf einige Zeit im Besitze der leitmeritzer (und saazei') 
Grafenwürde, aber nur um selbe schon im Jahre 1096 von Neuem und 
endlich im Jahre 1108 durch den blutigsten Untergang für immer zu ver- 
lieren. Vgl. Palacky Gesch. Böhm. I. 342—348 und 360—363. 

^ „Ex sui vetustitate jam putridum." 

9 



130 

die Güter jener Kirche entfremdet werden möchten." ') 
Wir besitzen also in dieser ottokaiischen Bestätigungsurkunde zu- 
gleich den ächten Text des ursprünglichen Stiftmigsinstrumentes '■*) 
und somit auch eine sehr genaue Kenntniss der ältesten Stamm- 
besitzuugen unseres Kapitels. 

Nebst der ottokarischen Urkunde besitzen wir noch ein angeb- 
lich ursprüngliches Stiftungsinstrument des Herzogs Spytihnew, 
dessen Inhalt aber von dem im Bestätigungsbriefe citirten Wort- 
laute der Form nach gänzlich und auch dem Inhalte nach vielfach 
abweicht. Diese zweite Urkunde war im J. 1825 noch im Origi- 
nale im leitmeritzer Capitelarchive vorhanden, ist aber von da 
bis zum J. 1834 auf bisher nicht ermittelte Weise abhanden ge- 
kommen. Uebrigens hat uns der gelehrte Dobner ^) ein Facsimile 
desselben aufbewahrt, sowie auch anderseits eine genaue Abschrift 
des bekannten Geschichtsforschers P. Athanasius a S. Josepho mit 
beigegebenen kritischen Noten im bischöflichen Archive zu Leit- 
meritz, und eine angeblich collationirte zweite Abschrift in der 
prager Universitätsbibliothek *) vorhanden ist. Nach dem Facsimile 
Dobners ist der nicht ganz vollständige Wortlaut in Erbens Re- 
gesten ^) abgedruckt, Diess Actenstück ist ohne Zweifel unächt, 
weil ja das echte Original schon im J. 1218 ganz modrig war und 
einer Erneuerung in der ottokarischen Urkunde bedurfte, daher 
nicht wohl bis zum J. 1825 in vollkommen leserlichem Zustande 
sich erhalten konnte. Dazu kommt noch die Abweichung von dem 



') „Fecimus renovari et sigillorum nostrorum inipressione confirmari, in 
nullo antiqui privilegii, quocl tale est, tenore mutato." 

2) Nur eine einzige Stelle ersclieint mangelhaft. Es werden nämlich nur 13 
dem Kapitel vollständig gehörige Ortschaften namentlich angeführt, ob- 
gleich kurz vorher die Schenkung von 14 solchen Ortschaften erwähnt 
wird. Es ist aber wahrscheinlich, dass die Auslassung des einen Namens 
mit Vorsatz geschah, weil vielleicht der betreffende Ort zur Zeit der 
Ausstellung des ottokarischen Briefes nicht mehr im Besitze des Kapitels 
sich befand. 

3) Annal. V. 325. 

4) M. S. I. D. 2. • 

5) P. 51. 



131 

Wortlaute des ottokarischen Instrumentes. ') Es scheint das 
angeblich spytihnewische Instrument eben nichts mehr und nichts 
weniger zu sein, als eine ziemlich treuherzige vermeintliche Wie- 
derherstellung des ursprünglichen Stiftungsbriefes und zwar aus 
einer Zeit, wo weder der letztere noch die ottokarische Bestäti- 
gung beim Kapitel vorfindig war. Solche Zeiten konnte es in 
Böhmen wohl öfters gegeben haben, etwa nach dem Tode Pi^emysl 
Ottokars IL, nach dem Tode Wenzels III., in den hussitischen und 
in den lutherischen Tagen. Da flohen die Capitularen mit ihren 
schriftlichen Schätzen von ihren Sitzen und nahmen mit der Zeit 
irgend eine Landpfarre an. In Folge dessen hatten dann die Ca- 
pitelvorsteher gar viele Mühe in ruhigerer Zeit die nach allen 
Seiten hin verschleppten Urkunden wieder zusammenzubringen. ^) 
Oft mussten sie sich wohl auch damit begnügen, den Inhalt der 
verlorenen Dokumente nach den Aussagen verlässiger Gedenkmän- 
ner neu aufzuzeichnen. 

Muthmasslich ist so die angebliche spytihnewische Urkunde im 
14. Jahrhunderte entstanden. Nichts desto weniger ist sie für unsere 
Sache von einiger Bedeutung. Sie hebt manchen Zweifel in der 
Lesung der ursprünglichen Ortsnamen, und indem sie auf Grund 
der lebendigen Tradition einer späteren Zeit entstanden ist, nennt 
sie uns auch manche Besitzung, welche das Kapitel erst nach Pfe- 
mysl Ottokar I. erworben und zu oder unmittelbar vor der Zeit 
ihrer Abfassung noch besessen hat. 

4. Ein bestimmtes Stiftungsjahr nennt weder das eine noch 
das andere Dokument. Der Umstand aber, dass in den bis ins 
14. Jahrhundert zurückreichenden Akten des Capitels immer das 
Jahr 1057 als Jahr der Stiftung angenommen ist ^) und die stetige 
mündliche Tradition des Capitels selbst nöthigen auch uns zur 
Annahme des Jahres 105Y. *) 



') Vgl. Palacky iu Öasopis ßesk. Museum. X. 1836. p. 323—346. 

^) Dies beweisen mehrere Akten des prager erzbischöflicheu und des leitm. 

bischöfl. Archivs. 
3) Nach dem M. S. des Laurentius Slavik, Domdechants zuLeitmeritz (1777): 

Observatio historica in pervetustum diploma Spitignei II. (Im leitm. Capi- 

telarchive.) 
^) Dobner annal. V. 351, gestützt auf Neplacho, nimmt das Jahr 1058, Pu- 

9* 



132 

1. Die Besitzungen und Einkünfte des neuen Collegiatstifts 
waren wahrhaft grossartig. Der fromme Stifter beabsichtigte 
eben nichts Geringeres, als die religiöse Familie des neuen 
Gotteshauses von allen zeitlichen Sorgen zubefreien 
und in ihrer Art zu fürstlichem Ansehen zu erheben. ') 

Wir nennen vor Allen jene Orte, welche nach Angabe des 
ottokarischen Briefes dem Capitel zur Gänze angehören sollten. 

a. Das uralte Pfarrdorf Ki'esic, welches heute noch zum 
Eigenthume des Bisthums, beziehungsweise der Propstei gehört. ~) 
Seit der völligen Abtheilung der Präbenden war dieses Dorf dem 
Propste zugetheilt, jedoch so, dass nebstbei noch zwei Kanoniker 
zur Gänze und ein dritter zum Theile ihre Präb enden einkünfte von 
hier bezogen. Diese Präbenden waren im J. 1384 so bedeutend, 
dass jede derselben mit 21 b. Groschen am halbjährigen Kirchen- 
zehent sich betheiligen musste. Die Pfarrpfründe in Ki^^esic ent- 
richtete damals zu dem gleichen Zwecke 9 b. Groschen. ^) Es ist 
nicht zu zweifeln, dass die letztere ihre Entstehung der opferwilli- 
gen Frömmigkeit der Capitularpröpste verdankte, welche auch je- 
derzeit das CoUaturrecht über dieselbe ausübten. *) Im J. 1412 
wurde auch der grössere Theil der Einkünfte des Propstei- Vicari- 
sten in M-eäic fundirt. ^) Im J. 1437 gelangte der Ort zeitweilig 
durch kaiserliche Verpfändung in den Besitz der Stadt Leitmeritz. ") 

h. Auch das Dorf (villa) Zasada"), dermalen eine Vorstadt 
von Leitmeritz, ursprünglich aber wahrscheinlich der eigentliche 



bitsclita's Chronik aber ohne Angabe eines Grundes gar 1059 an. Ne- 
IDlachos Angabe dürfte auf die Consecration der Capitelkirche zu bezie- 
hen sein, 
') Dies sagt das in der ottok. Urkunde citirte Instrument des Stifters. 

2) Die Urkunden nennen es Cresici. Nebenbei sei hier erwähnt, dass bei 
Errichtung des Bisthums zuLeitmeritz der damalige Propst Rud. Schiein itz 
Bischof wurde und für sich und seine Nachfolger das Pi'opsteieinkommen 
als bischöHiche Dotation beibehielt, gegen dem, dass er und seine Nach- 
folger dafür sorgen würden, die Propstei von Neuem zu stiften. 

3) JRegistr. decimarum. 

4) Libri confirm. ad 1391, 1402, 1415. 
5} Libri confirm, 31. Aug. 1412. 

«^j Palacky Archiv I. 501. 

'^) Nach beiden citirten Urkunden. 



133 



Biirgflecken, wurde eine Besitzung des Collegiatstifts. Hier erhob 
sich — in unbekannter Zeit — die Pfarrkirche zu Ehren des h. 
Ädalbert unter bischöflicher Collatur. ') Auch befanden sich da- 
selbst später mehrere Kesidenzhäuser der Capitularen. ^) 

c. Das Dorf P r a s k o w i c e in der Nähe von Leitmeritz. ^) 
Als das Capitel im J. 1319 »Schritte zur Wiedererwerbung mehre- 
rer in der vorhergegangenen unruhigen Zeit verlorenen Güter that, 
gehörte wohl auch Praskowitz bereits zu diesen letzteren, da in 
den vom J. 1358 an laufenden Confirmatiousbüchern eines Colla- 
turrechtes des Capitels für^ diesen Ort nicht mehr gedacht wird. 
Derselbe war — in unbestimmbarer Zeit — in den Besitz des Klo- 
sters der Benediktinerinnen zu Teplitz übergegangen, welches er- 
weislich in den Jahren 1416 und 1417 Seelsorger für die Kirche 
allda präsentirte. *) Diese Pfarrkirche selbst gehörte im J. 1384 
wohl zu den Jüngern des leitmeritzer Dekanats, indem sie sich da- 
mals nur mit 4 b. Groschen am allgemeinen Kirchenzehent bethei- 
ligen konnte. ^) 

ä. Der Pfarrort Slatina in der Nähe vonLibochowitz.^) Im 
J. 1319 wurde derselbe vom Propste Ädalbert mit Bewilligung des 
Capitels emphyteutisch, jedoch unter Vorbehalt gewisser Jahres- 
zinsen, veräussert, um mit dem Erlöse andere verloren gegangene 



i) Vgl. §. 15. 11. 5. 6. 

^) Nach Akten des Bischofs Schleinitz im bischöfl. Archive. 

3) Die ottok. Urkuucle nennt es Ptachichi, was sicher Prachichi zu lesen 
ist. Das spytigneische Instrument nach der Leseart des P. Athanasius a 
S. Josephe (MS. des bischöfl. Archivs) und der collationirteu Abschrift der 
Prager Universität (I. D. 2) nennt es Pracici. Nach Dobners Facsimile des 
an dieser Stelle mutilirten Originals heisst es Praci . . . nach der Leseart 
Erbens (regesta p. 51) erscheint esalsPran... . Letzterer (Erben regest ap- 
774) aber bezeichnet "wieder anderwärts als hier gemeintes Capitelgut ein 
Dorf Ptacici, angeblich gleichbedeutend mit Ptacice, welcher Name aber 
nirgends vorfindig ist. Da diese Grüter sonst ohne Ausnahme in der Ge- 
gend von Leitmeritz lagen, so ist dasselbe auch von obigem Orte anzunehmen. 
Dann aber ist es unter den noch bestehenden oder ehedem bestande- 
nen, insofern selbe bekannt sind, nur das jetzige Praskowic. 

*) Lihr. confmn. a. h. a. 

5) Begistmm dedmarum. 

*^) Dieser Ort wird nur im ottokarischen Instrumente genannt. 



134 

Capitelgüter wieder einzulösen. ') Dennoch verblieb das Collatur- 
reclit über die Pfarrkircke daselbst, welche 1384 den Beitrag von 
6 Groschen zum halbjährigen Kirchenzehent leistete ^), nach wie 
vor dem leitmeritzer Propste, der davon noch in den Jahren 1391, 
1405 u. 1408 Gebrauch machte. ^) 

e. Der alte Pfarrort Chauö, die jetzige Filiale Kauz bei 
Selnic. *) Derselbe blieb fortan bis zur Verpfändung (durch K. 
Sigismund au Jakob von Wi^esowic) im Jahre 1437 ^) ununter- 
brochen im Besitze des Stiftes, und zwar seit der Trennung der 
Präbenden als Antheil des Propstes, der erweislich noch im Jahre 
1402 sein Präsentationsrecht in der Besetzung des hiesigen 
Pfarrbeneficiums ausübte. *') Nebenbei erscheinen allerdings im 
Jahre 1363 „Die Bürger vonBrüx" als CoUatoren eines Altaristen- 
beneficiums daselbst, ") und 1381 ein Hinko von Kowzlak als 
Stifter eines beständigen Jahreszinses von 1 Schock und 6 böhm. 
Groschen, ^) Da aber diese Kirche nichts desto weniger im Jahre 
1384 nur 3 b. Groschen zum halbjährigen Kirchendecem beitragen 
konnte, ^) so scheint sie immerhin eine der Jüngern in der Ge- 
gend gewesen zu sein. Später schenkten neue Wohlthäter, und zwar 
1386 Ulrich von Dobi'iö, und 1392 Mixo (Nikolaus) von Ujezd je 
ein Schock jährlicher Zinsungen zu diesem Gotteshause. '") Alle 
diese Herren scheinen Lehensträger des jeweiligen Propstes zu 
Leitmeritz gewesen zu sein. 



') Originalurkunde im leitni. Capitelarchive dd. IV. uonas Decembris 1319. — 
So erklärt siclis von selbst, warum die später abgefasste angebliche Stif- 
tungsiirkunde von dieser Besitzung nichts mehr weiss. — 

^) Begisirum deeimanmi. 

3) Lib. conf%rm. ad h. a. 

■*) Im Ottokarischen Instrumente heisst dieses Dorf Huchi, im spytigneischen 
Huesci. — Erben (regesta 737) bezeichnet diese Namen als Ghuö. 

5) Palacky Archiv II. 453. 

") Lib. confirm. ad h. a. 

') Ebendaselbst ad h. a. Altaristen wurden von Kirchenwohlthätern über- 
haupt und nicht bloss von den Patronen gestiftet. 

8) Libi: Erect. XII. F. 2. 

") Begistricm decimarmn. 

lOj Lib. Erect. XII. A. 11. u. D. 14. 



135 

/. Nebst den bisher erwähnten 5 alten Pfarrorten nennt uns 
die ottokarische Urkunde noch folgende Dorfschaften, welche ur- 
sprünglich zur Gänze') dem Capitel gehörten: Pirne (Pirney), 
wahrscheinlich ein ehemals zwischen Leitmeritz und Trebautitz 
gelegenes Dörfchen am Fusse der Berghöhe, die heute noch den 
Kamen Pirney führt und zu den bischöflichen Besitzungen gehört ; -) 
Trebesici das jetzt noch bischöfl. Dorf Ti-ebautic ; ^) Eepcici, 
das heute noch zum Bisthume gehörige Dorf Ober - Ilepsch ; *) T i n e z, 
das dermalen zur Domdechantei gehörige Dorf Älttein, von wel- 
chem das ganze Gut den Namen Teinic führt ^); Zedlze, w^ohl 
das heutige Selz (Sedlec) auf dem Gute Enzowan, das aber nur 
kurze Zeit dem Stifte verblieb;*^) Dubech, wahrscheinlich das 
jetzige Dubitz bei Türmitz, ") welches erst im Jahre 1436 durch 
kaiserliche Verpfändung an Johann Kaplif von Sulewic der 
Propsteipräbende entzogen wurde '^); Lubessovichi, das jetzige 
Liebschitz (Libesice) bei Kauz auf der Herrschaft Bilin, welches 
ebenfalls erst im Jahre 1437 zugleich mit Kauz durch eine gleiche 
Verpfändung aus dem Eigenthume der leitmeritzer Propste! in 
den Besitz des Jakob von Wfesowic überging;") endlich Popovo 



'} Die ottokarische Urkunde neant sie „integras villas" zum Unterschiede 
von solchen Ortschaften, wo nur einzelne Ministerialen dem Capitel ziige- 
hörten. Schon dies spricht dafür, dass unter villae nicht Höfe , sondern 
Dörfer gemeint sind. Ueberdies bestätigen unzähligei Beispiele aus la- 
teinischen Urkunden des Mittelalters, dass villa stets eine Dorfschaft, 
dagegen pagus einen Gau und curia einen Hof bedeute. 

~) In der spytig. Urkunde : Prrna. 

3) In der spytig. Urkunde: Trebessici. 

*) In der spytig. Urkunde: Reptici. Dieses Dorf wurde 1470 unter dem Na- 
men Repöice als Besitz der Propstei an einen leitmeritzer Bürger ver- 
pfändet und 1472 an einen Herrn v. Kopist veräussert, 1490 aber wieder 
erworben. (Acten im Capitelarchive.) 

5) In der spytig. Urkunde Tince. 

6) Dieses wird in der spytigneischen Urkunde nicht mehr genannt, war also 
zur Zeit der Abfassung derselben längst abhanden gekommen. 

') Das spytig. Instrument nennt es abweichend Dubessevici. 
^) Dubec — zugleich mit den Gütern des Klosters St. Georg in dieser Ge- 
gend verpfändet um 1000 Seh. Palacky Archiv 1.502. 
^j Palacky Archiv II. 453. Obgleich Lubessovichi (im spytig. Dokumente Lu- 



136 

(oder nach dem spytigneischen Dokumente Ponovi), ein jetzt un- 
bekannter Ort, wenn es nicht etwa die ehemalige Burg Panna auf 
dem an Kfeschitz anstossenden Gute Zahoi-an ist, 

2. Es ist zu erinnern, dass die ottokarische Urkunde aus- 
drücklich 14 ganze Dorfschaften aufzählen will, die dem Capitel 
von Spytihnew geschenkt worden sind, deren jedoch nur 13 nament- 
lich anführt. Dafür nennt uns das angeblich spytigneische Dokument 
mit Ueibergehung von ölatina und Zedlce ') vier neue Ortschaften, 
welche erst später in den Besitz des Capitels gelangt sind, vielleicht 
mit Ausnahme eines einzigen, welches eben das in der ottokari- 
schen Urkunde ausgelassene vierzehnte Capiteldorf der ersten 
Zeit sein dürfte. 

a) Ich nenne vorerst Bausovice, das alte Pfarrdorf in 
der Nähe von Leitmeritz, welches wahrscheinlich von einem 
ehemaligen Besitzer, Namens Bohu§, den Namen (Bohusowice, Buso- 
wice) erhalten haben dürfte. Schon im Jahre 1226 gelangte ein 
Theil dieses Dorfes durch Kaufvertrag von Seiten eines ge- 
wissen Bruno, dem Sohne Bleks an das Kloster üoxan % während 
der andere Theil sich weiterhin im Besitze des Klosters Bi^ewnow 
findet. Nichts desto weniger erhielt sich hier eben noch ein klei- 
nes Besitzthum der leitmeritzer Capitularen sicher bis 1384, wo 
dasselbe ausdrücklich als Theil einer besondern Capitelpräbende 
(zugleich mit einem Einkommen von K f e s i c und C e r n o w e s) 
genannt wird. Diese Präbende zahlte damals 21 böhmische Groschen 
als Halbjahrszehent ab. Die Pfarrkirche in Bauäowice, deren 
Collatur dem Kloster Doxan zustand, entrichtete zu dieser Zeit zu 
gleichem Zwecke 12 böhmische Groschen und war somit sicher 
eine der altern in der Gegend. ^) Die in der spytigneischen Ur- 



bessevici) auch der gewöhuliclie ältere Name von Libocliowitz ist, so ist 
doch nur jenes Libesice damit gemeint, da dieses letztere erweislich im- 
mer bis 1437, ersteres aber wahrscheinlich gar nie dem Capitel angehörte. 

1) Das erstere war in dieser Zeit emphytentisch vertheilt, das andere wohl 
bereits gänzlich entfremdet. 

^) Mika: Das ruhmwürdige Doxan. S. 43. 

^) Jßegist. decimarwn. — Wir kommen später bei Gelegenheit der Stiftungs- 
geschichte von Doxan noch einmal auf diesen Ort zu sprechen. 



137 

künde weiter nocli erwähnten Besitzungen des Collegiatstiftes 
sind: Malsow, das lieiite noch zum Domdekanate gehörige Dorf 
Malitschen , — B r e z a, das heutige Dorf Presey auf dem Do- 
minium Schwaden — und der alte Pfarrort Hocsow, das jetzige 
Chodzow auf dem Dominium Wrsowice. 

h. Dieser Pfarrort Cho dz ow , der im Jahre 1384 bereits die sehr 
bedeutende Summe von 30 böhmischen Groschen als halbjährigen 
Kirchenzehent entrichtete , und daher gewiss zu den ältesten der 
Gegend gehörte, war wenigstens von 1358 an nicht mehr im 
Besitze des leitmeritzer Capitels, da in den von 1358 bis 1419 
laufenden prager Confirmationsbüchern eines hiesigen Collaturrechts 
des leitmeritzer Capitels nicht gedacht wird. Vielmehr finden wir im 
Jahre 1370 einen Johann und einen Heinrich von Chodzow als 
Patrone des Pfarrbeneficiums. ') Die Erben des ersteren werden noch 
im Jahre 1395, und unter diesen der erwähnte Heinrich noch 
1415 in öffentlichen Acten genannt. ~) Es ist leicht möglich, dass 
dieses Chodzow eben der 14te ursprünglich zum leitmeritzer 
Capitel gehörige Besitzort gewesen und vielleicht schon um 1218 
in andere Hände gekommen war, so dass die ottokarische Urkunde 
einen Grund hatte, selben nicht mehr zu erwähnen. 



§. 35. Fortsetzung. 

1. Ausser den jetzt genannten vollständigen Ortschaften wurden 
dem Capitel auch noch sehr viele Antheile anderer Dörfer 
und unterschiedliche B ezüge an Geld und Naturalien, 
sowie auch eine Menge unterthäniger Dienstmannen 
mit ihren Familien von dem edlen Stifter zugewiesen. 

a. Bei der Stadt Leitmeritz selbst gehörten dem Capitel 
zwei Weinberge mit den dafür nöthigen leibeigenen Winzern 
und dreissig leibeigenen Arbeiterinen. Nebstbei waren hier dem 
Capitel hundert Stück Zugvieh (Stuten nach der spytig. Urkunde) 



') Libri Gonfirm. ad h. a. 

2) Palacky Archiv I. 401, IL 354 und III. 483. 



138 

mit den erforderlichen Weideplätzen, hundert Schafe, dreissig Kühe, 
siebenzig Schweine, und von der Stuten - Heerde alljährig jedem Ca- 
nonicus ein Füllen zur Bestreitung seines Anzuges zuge^yiesen. ') In 
späterer Zeit wird hier „ein Wald vor der Stadt nebst anstos- 
senden Aeckern und einem Weinbergsabhange" als ein Capitelbesitz 
genannt.') Einer jener Weinberge hiess im Jahre 1403 „Mazana" 
(wohl die jetzige „Mastna hora"). Ein gewisser Theil an Aeckeni un- 
terhalb dieses Weinberges bis zum Thale „Bazele" ward damals 
dem Vikar des Propstes zugewiesen. •'') 

h. Inder ^upe von Leitmeritz erhielt das Capitel in 12 
verschiedenen Dörfern zinspflichtige Bauern, und in 11 andern 
„die einem fürstlichen Haushalte geziemenden Dienstleute." *) In 
Zasada, der jetzigen Vorstadt von Leitmeritz, Avurden ihm Glöck- 
ner, Winzer, Schuster, Kürschner, Gerber, Wagner, Schmiede, Hei- 
zer und eine Menge anderer Ansiedler als Dienstleute zugewiesen. 
Insbesondere gehörten dem Kapitel auch „die Fischer unter- 
halb der Leitmeritz er Burg." DieWohnmigen derselben 
bilden heute noch den bischöflichen Dominica! -Ort Fischerei. 
Ebenso wurden in Pokratice (Pokratitz) 3 und in Zitenice 
(Schüttenitz) 1 Winzer sammt ihren Grundstücken dem Collegiatstifte 
geschenlit . ^) Hieraus entstand sofort die Obedienz in Pokra- 
titzund Schüttenitz, welche miter andern im Jahre 1411 
ausdrücklich erwähnt wird. ^) Im Jahre 1586 wurde diese durch 
den Propst Wolfgang mittelst Ankauf eines neuen Gutes entweder 



^) So beide TJrkuEden. 

^) Spytign. Urkunde. 

^) Urkunde im leitmeritzer Capitelarcliive. 

^) Ottok. Ui'kunde. Diese Dienstleute (ministeriales =: näpravmci) waren 
meist Handwerker und Bedienstete, welche damals die grosse Masse der 
böhmisclien Stadtbewohner ausmachten, auch wohl in benachbarten Dorf- 
schaften angesiedelt waren, jederzeit aber zur Dienstleistung bei der lan- 
desfürstlichen Burg und Öuda zugewiesen waren. Solche Ministerialen Avaren 
für ihre Dienste mit landesfürstlichen Gründen ausgestattet: in Folge des- 
sen wurden sie — obwohl persönlich frei — vom Landesfürsten beliebig 
an andere Dienstherren überlassen. (Vgl. Palacky II, S. 30.) 

5j Beide Urkunden. 

c) Lib. Erect. YIIL 0. 2. 



139 

vermehrt oder zu einem Theile wieder hergestellt') Selbst bis 
zum heutigen Tage besitzt das Bisthum, beziehungsweise die 
Propstei zu Leitmeritz einen Antheil der Dörfer Pokratitz und 
Schüttenitz. üiberdies erscheinen in dieser Gegend als Wohnsitze 
der Capitelministerialen noch die Ortschaften: Secrpi-), jetzt 
unbekannt (1 Dienstmann), B o z s k o ^), vielleicht eine im soge- 
nannten Thale Boschke zwischen Trnowan und Leitmeritz be- 
standene, jetzt verschwundene Ansiedlung (1- Wagner), Ti'ebautic 
bei Leitmeritz (2 Bauern), Trnowan ebendaselbst (1 Schmied), 
Nuönic*) und Lukow^), beide auf der jetzigen Herrschaft Lie- 
beschitz (je 1 Dienstmann), Böhmisch- Kopist und B r n i a n ^) 
auf dem Gute Doxan (dort 1 Feldwirth und hier ein Pferdezüchter), 
Eadujen bei Gastorf') und Auscha^) (je 1 Bauer), St ranne 
wahrscheinlich Stran^) auf dem Dominium Drum (1 Bauer), Pi- 
Stany^**), Zernoseky, Libochowany, Zalesly, Tluöeii ''), 
Prosmyky, sämmtlich heute noch bei Lobositz (je 1 Bauer, 
nur in Libochowan 1 Fischer und in Tineen ein Feldwirth oder 
Gärtner), Wy skow '^) jetzt zur Herrschaft Postelberg gehörig 
(1 Bauer), Lukowice, das jetzige Lukawec auf dem domdechant- 
lichen Gute Teinitz (1 Schuster), Dlaskowice (2 Bauern) und 
endlich Chotösow auf der Herrschaft Libochowitz (1 Feldwirth). 



') Protocollum praeposüoriim LitomMS. der erzbiscli. Bibliothek in Prag. 
^) Dieses wird nur in der spytign. Urkunde genannt. 'Erben pag. 52 liest es 

Stcrrpi und bezeichnet es pag. 787 als gleichbedeutend mit Strpy. 
^) Na-bosclii im ottokarischen und Na hoste im spytign. Dokumente. Erben 

reg. 714 erklärt es als Bozsko. 
"*) Nuchnicih im ottok. und Nucnicih im spytign. Dokumente. (Erb. reg. 762.) 
^) Lukove im ottok., Luchove im spyt. D. 

^) Brennarim ottok., Bremass im spyt. D. Erbe 715bezeichnet es als Brnany. 
"^j Kaduyne im ottok., Radvine im spyt. D. 

^) Uskri im ottok., Usti im spyt. D. Erben reg. 795 erklärt es als Üsti. 
^) Na ztranen im ottok., Gastranen im spyt. D. Erben reg. 786 erklärt es 

als Stranne. 

10) Peschas als Lokativ im ottok., und Palceass im spyt. D. Erben reg. 767 
bestimmt es als Pisfany. 

11) Natlcni nach dem ottok., Na diem nach dem spytig. D. Erben 791 be- 
zeichnet es als Tlucen (im Lokativ). 

i'^) Na vulkonine im ottok. und spytign., Na Wisskouve im spyt. D. nach Er- 
bens Leseart p. 52. 



140 

c. In der ^Zlupe von Bilin erhielt das Stift die Hälfte der 
jetzt unbekannten Dörfer Kostelec, K o n o j e d und T r i b r u s k o ') und 
ebensoviel von Dubräwice, einem ehemals am Fusse des 
Schlossberges bei Teplitz gelegenen Pfarrdorfe, dessen wir später 
wieder gedenken werden, — desgleichen in Aussig einen dienst- 
pflichtigen Bauer und einen Fischer, ebenso einen Bauer in 
Kopist bei Brüx, und einen Bienenzüchter za Tr now any '^j, 
dem heutigen Turn bei Teplitz. ^) 

ä. In der alten bunzlauer Zupe gewann das Capitel 
ünterthanen in den Ortschaften C h o t e t o w, dem jetzigen Kuttenthal 
auf der Herrschaft Brandeis (1 Schmied), in D f i s y *) in derselben Ge- 
gend, jetzt deniDekan des altbunzlauer Capitels gehörig (1 Feldwirth), 
und in B z en, wahrscheinlich dem heutigen Bosin auf der Herrschaft 
Kriijtec. (1 Koch mit einer Feldwirthschaft.) Der letztere Ort (Bo§in) 
erscheint früh als eigene Pfarre, welche 1384 den Betrag von 12 
böhmischen Groschen zum halbjährigen Kirchenzehent beisteuerte.^) 
Als CoUatoren erscheinen dort um diese Zeit eigene Herren von 
Bo§in und später die Herren von Bozdalovie und Lomnic , eine 
Linie der Wartenberger. ^) 

e. In der alten l^upe von Saaz hatte das leitmeritzer 
CoUegiatstift noch ünterthanen in C h o t e § o w ') dem heutigen 
Chotieschau auf derHerrschaft Petersburg (1 Dienstmann), Lesky^) 
jetzt Lischka auf dem Dominium Lienz und Lust (1 Bienenzüch- 



') Oder sollten et^?a diese 3 Orte irriger Weise in die Biliner ^upe verlegt 
sein und in Wirklichkeit eben nur das Kostelec, Konoged und Triebsch 
bei x\usclia bedeuten? 

^) Der Lokativ Trnovaz in der ottok., Trnoss in der spyt. nach Athanasius und 
Trnovass nach Erbens Leseart. 

3) Beide Dokumente setzen die Zahl der dem Capitel gehörigen Bauern in 
dieser i^upe auf 12 an. 

*) In den Urkunden der Lokativ Brizak. 

^) JRegist. decimarum. 

6) Lib. Gonfirm. ad 1362, 1377, 1379, 1389, 1397, 1413. 

') Hotsove im ottok., Hotetoveim spytig. D. 

^) Locativ Lescah im ottok, und Lesskah im spytig. D. Vgl. Erben 747. 



141 

ter), und Lubno 0^ 'vielleicht dem jetzigen Liiban (Hlubang) auf 
dem Gute Schönliof (1 B£iuer). Im alten Bezirke von Bozen (süd- 
lich von Pfibram) erhielt endlich das Capitel noch je einen Dienst- 
mann in Drazovice und in 2ivoho§t. ^) 

Alle bisher genannten ünterthanen hatten den gesetzlichen 
Zehent an das CoUegiatstift zu entrichten. ^) 

Nach dem spytigneischen Dokumente waren insbesondere die 
in den Zupen von Buuzlau und Saaz wohnhaften Bauern zur Lie- 
ferung desselben Honigs an das Capitel verpflichtet, den sie vor- 
dem an den herzoglichen Hof selbst abgeführt hatten. Anderseits 
aber waren nach dem ottokarischen Dokumente alle dem Kapitel 
zugewiesenen Dienstmannen von allen Künsten und Gewerben mit 
Weibern, Söhnen und Töchtern angehalten, ihren betreflenden Dienst 
nach Wochen beim Capitel persönlich zu versehen. 

2. Ausser diesem Allen hatte Spytihnew IL seiner neuen 
Stiftung auch noch mehrere Eegalien zugewiesen. 

a. Hiezu gehörte zunächst der grösste Theil des Elbe- Zolls in 
Leitmeritz selbst. Die Einheimischen sollten von dem Salze und allen 
andern messbaren Artikeln, die sie auf der Elbe verführten, für ein klei- 
nes Schiff überhaupt 15 Groschen, und für ein grosses 2 alte Motzen 
der messbaren Waaren an das Capitel abgeben. Fremde dagegen 
mussten von einem grossen Schiff 2 grosse Motzen und von 
einem kleinen so viele Groschen abliefern, als es Metzen geladen 
hatte. ^) Später ward die Abgabe der Fremden auch Eegel für 
die Einheimischen. ^) Von allen übrigen Erträgnissen des landes- 
fürstlichen Eibzolls sollte dem Capitel die Hälfte anheimfallen. ^) 
Ganz derselbe Zoll musste auch bei zug&frorner Elbe von allem, 



*) Im ottok. D. Tubne, im spytig. Lubue. Erben erklärt es als Lubno p. 750. 

2) Die ottok. nennt die Orte Drazovici und Sivolioschi, die spytigneische aber 
Drasovici und Sivogossici. 

3) Ottok. Urkunde. 

4) Ottok. Urkunde. 

^) Spytign. Urkunde. 

'°) Zu diesen Erträgnissen zälilen die Stiftungsurkunden die Abgaben: Ho- 
mutone, Odchodne, Gostine, Gernecne, Sitne, Otroce. Athanasius a S. Jo- 
sephe interpretirt sie als Vorspanns-, Abfahrts-, Fremden-, Topf-, Ge- 
treide- und Knechtzins. 



142 

was zum Kauf oder Verkauf den Fluss passirte, an das Capitel 
abgeführt werden. ' ) Später wird auch noch eines besondern 
Wehrgeldes gedacht, welches das Stift von allen Schiffen an der 
ersten Wehre unterhalb der Stadt zu erheben hatte. -) 

h. In derselben Weise erhielt das Capitel — wohl etwas 
später — ^) den Bezug mehrerer bisher landesfürstlicher Einkünfte 
des leitmeritzer^upengerichtes, und zwar der allgemeinen Sam- 
nielgelder, der Verkaufs- und der Gerichtstaxen, der soge- 
nannten Mordsteuer und des üblichen Confiscations-, Vo- 
gel- und Schimpfg eldes.*) Dagegen besass es schon ursprüng- 
lich den Ertrag der Uib erfuhr bei Aussig und den zehnten Theil 
des Gränzzolls bei Kulm, ^) welcher letztere später auf den ach- 
ten Theil erhöht worden zu sein scheint. ") 



•) Beide Urkunden. 

^) Spytign. Urkunde. 

^) Erst die vermeintliche Spytigneische Urkunde macht davon Erwähnung. 

*) Das spytign. Instrument nennt diese Bezüge: Venditiones, eigentlich Ver- 
äusserungen, hier die dabei zu zahlende Taxe; Swod, eigentlich die 
Einführung, hier die bei der Zuweisung eines Grundeigenthums zu ent- 
richtende Steuer; Grlava, eigentlich ,,der Kopf", hier die Mord- oder 
Strafsteuer (von 20 Groschen), welche damals jeder Bauer einer ^upe er- 
legen musste, in welcher ein Mord vorgefallen war, ohne dass der Thä- 
ter entdeckt werden konnte (vgl. Urkunden bei Ziegelbauer bist. mon. 
Brevnov. p. 250 und 279); Narok, eigentlich die peremptorische Vorla- 
dung vor Gericht, hier aber die Geldstrafe geringerer und das eingezo- 
gene Vermögen grösserer Verbrecher gegen fremdes Eigenthum (vgl. ^eine 
Urkunde Ottokar's I. ddo. 1222 26. Aug. bei Erben reg. pag. 306 und 
307). Nedoperne, eigentlich noch nicht ganz befiederte Vögel, hier das 
bei Gericht zu zahlende Strafgeld für die Entwendung solcher aus ihren 
Nestern (vgl, das älteste Stadtrecht der alten Stadt Prag cit. im MS. des 
P, Äthan, a S. Josepho über den spytig. Stiftungsbrief); Grrdost, eigent- 
lich Anmassung, Verachtung eines Andern, hier das dafür bei Gericht zu 
zahlende Sühngeld. (Vgl. ebendaselbst.) Palacky (II. 38) hält S v o d für 
das gerichtliche Verfahren jener Zeit gegen Diebe, 

5) Ottok. Urkunde. 

^) Spytign. Urkunde. Dieser sehr alte Ort Kulm besass frühzeitig schon eine 
eigene Pfarrkirche, welche im Jahre 1384 bereits den erheblichen Halb- 
jahrszehent von 9 böhm. Groschen entrichten konnte. Als Oollatoren des 
Pfarrbeneficiums erscheinen — soweit die prager Confirmationsbücher zu- 



143 

c. Zu den späteren Besitzungen des CoUegiatstifts sind auch 
die zum Schlüsse der Spytigneischen Urkunde nachgeschriebenen 
Schenkungen zu rechnen, deren fromme Verleiher ebendaselbst 
ausdrücklich genannt werden; Es sind dies: Ein Morgen Landes 
(circuitus, aujezd) bei Caslau, vom Grafen Hroznata, wohl dem 
Stifter von Tepl und Choteschau, also uradaö J. 1200 geschenkt/) 
— ein Landbesitz in Lahowice auf dem jetzigen Dominium 
Liebschhausen, vom Herzoge und zugleich Bischöfe Heinrich, also 
um das J. 1185 dem Capitel gewidmet, — ein ähnlicher Landbesitz 
in Pokutice, dem heutigen Pokotitz auf der jetzigen Herrschaft 
Hagensdorf im saazer Kreise, geschenkt von einem gewissen Wil- 
helm, — ebenso ein Landbesitz in P 1 o § k o w i c e, dem jetzigen kai- 
serlich- ferdinandäischen Landsitze bei Leitmeritz, verehrt von 
einem gewissen Paul, — und endlich ein Landbesitz mit zwei un- 
terthänigen Dienstmännern in Dolanek beiDoxan, von einem ge- 
wissen Wlach dem Capitel einverleibt. ^) 

d. Ausser den in beiden Stiftungsurkunden aufgezählten Be- 
sitzungen erwarb das leitmeritzer Capitel in etwas späterer Zeit 
(um 1368), wohl als Erbe nach dem Propste Johann von Kamyk, 
den Pfarrort Zubernice, mit dem nahen Orte Lestina, die 
heutigen bischöflichen Orte Saubernitz und Leschtine. ^) Zubernice 
besass damals eine Pfarrkirche, die wenigstens im J. 1384 eben 
nicht mehr zu den allerjüngsten gehörte, indem sie zu dieser Zeit 
schon 6 böhmische Groschen als halbjährigen Kirchenzehent ab- 



rückreichen — die Grimdherren von Tetschen. (Vgl. Begist decim. — Libr. 
Gonf. ad 1361, 1363, 1411.) 

') Die Urkunde nennt diesen Besitz circuitus Cesslav. Nach Erlen reg. p. 
722 ist dies Öaslav. 

^) Die Urkunde nennt die Orte in der Localform; Lagovicih, Pocudicih, 
Plosskovicih und Doleass. 

3) Laut der Libri confirmationum übte der Propst Johann von Kamyk am 
10. April 1363 das Präsentatio nsrecht für Zubernice in Gemeinschaft 
mit seinem Bruder Heinrich von Kamyk aus, so dass der betref- 
fende Ort wohl als Familienbesitz gelten muss. Weiterhin erscheint da- 
gegen im Jahre 1368 der neue Propst Heinrich von Hakenbrnnn als all- 
einiger CoUator, sowie auch spätere Akten bis 1437 den jeweiligen Propst 
als Eigenthümer von Zubernice und Lestina nennen. 



144 

führte. ') Im J. 1437 (28. September) wurde der Besitz von Zuber- 
nice und Leätina durcb den Kaiser Sigismund an Heinrich von 
Waldstein verpfändet. ^) Dasselbe geschah damals auch mit 6 dem 
Capitel unterthänigen Dienstmannen in Zahofan, deren Erwer- 
bung unbekannt ist. ^) — ■ In den Dezemregistern des Jahres 1384 
erscheinen schliesslich noch als vorhusitische Besitzungen des leit- 
meritzer Capitels: ein Präbendenantheil im Dorfe Cernewes 
bei Wettel, wo jedenfalls schon sehr früh eine eigene Pfarrkirche 
bestand, die 1384 schon als eine der bestdotirten Kirchen des De- 
kanats den seltenen Halbjahrszehent von 15 böhmischen Groschen 
entrichten musste, — ferner der Meierhof Chysnowbei Leitmeritz, 
der damals für 3 Präb enden das Einkommen lieferte, deren eine 
21, und die beiden andern je 12 böhmische Groschen zum Kir- 
chenzehent des Jahres 1384 beisteuerten, — endlich noch eine Ca- 
pitelpräbende in Lista (vielleicht Lisa im bunzl. Kreise?), welche 
im J. 1384 mit 21 böhmischen Groschen die halbjährige Zehent- 
leistung abtrug. *) Uiber die Erwerbung dieser Besitzungen lässt sich 
etwas Gewisses nicht angeben. Dasselbe gilt auch von einem Wald 
bei Toöna (berauner Kr.?), in dessen Besitze „die Diener der 
Kirche von St. Stephan in Leitmeritz" im J. 1390 erscheinen, 
ebenso auch von einem Jahreszinse im Betrage von 6 Seh. böhmi- 
scher Groschen, welche die Grundherren von Pokratitz im J. 1381 
an dieselben Geistlichen bei St. Stephan zu entrichten hatten.^) Im 
J. 1409 schenkte Mcolaus Preller von Gurim (Kaurim) „der Kirche 
zu St. Stephan" noch einen Weinberg. ^) Auf die besondern Be- 
sitzungen der leitmeritzer Capiteldekanie und die nachhusitischen 
Erwerbungen des Capitels kommen wir später zu sprechen. 

e. Zur bleibenden Sicherung des Eigenthums unseres Colle- 
giatstifts war schliesslich vom Stifter selbst ein schwerer Fluch 
über alle künftigen Verletzer desselben ausgesprochen und der 
Stiftungsurkunde einverleibt worden, mit den Worten: „Wenn Je- 



^) Begistrum decimarum. 

2) Palacky Archiv I. 505, 

3) Ebendaselbst. 

4) lAb. Erect. XII. C. 16. 

^) Urkunde im leitm. Capitelarcliive. 
6) Lih. Erect. VIII. H. 8. 



145 

maud von allen diesen (Besitzungen) auf Anratlien des Teufels ir- 
gend etwas vermindern sollte, so möge derselbe in Gemeinschaft 
mit- eben demselben (Ratbgeber) die eAvigen Strafen in alle Ewig- 
keit erleiden. Amen." ' ) 



§. 36. Fortsetzuug. 

1. Das Collaturrecht zur Propstei dös leitmeritzer 
Capitels war von dem frommen Stifter dem jeweiligen Landesfür- 
sten vorbehalten worden. Während dies von allem Anfange her 
durch die Auswahl der Personen selbst angedeutet wird, bezeugen 
dies in etwas späterer Zeit ausdrücldich die noch vorfindigeu Ur- 
kunden. So präsentirte nach dem unbestreitbaren Zeugnisse der 
offiziellen prager Confirmationsbücher in der ganzen Periode der- 
selben (1358 — 1419) immer der böhmische König zu jener Pfründe, 
und bei einer Confirmation im J. 1358 sagen diese Confirmations- 
bücher sogar ausdrücklich: „Patron ist der Kaiser (bezie- 
hungsweise der König) selbst."^) — • Die füi- die ebenso ansehn- 
liche als einträgliche Würde ausersehenen Männer gehörten fast 
durchgängig — wenn nicht vielleicht ohne Ausnahme — dem Col- 
legium der landesfürstlichen Hofkapläne und Notare an. Bald aus 
den edelsten Familien des Landes entsprossen, bald durch Gelehr- 
samkeit und Gewandtheit in politischen Geschäften ausgezeichnet 
waren sie unbezweifelt die Zierde und der Stolz der Klerisei des 
Vaterlandes. Zur propsteilichen Würde erhoben blieben sie — nach 
dem Zeugnisse fast unzähliger Urkunden ^) — nichts desto weniger 
im landesherrlichen Dienste und bekleideten sogar wiederholt die 
einflussreichste Würde des obersten Kanzlers. Der durch die Ca- 
nonen der Kirche gebotenen Piesidenzpflicht wurde eben nur auf 
das Allernothdürftigste dadurch genügt, dass sie in der Regel die 
höchsten Feste der Kirche und ihres Stiftes an der ihnen anver- 
trauten Capitelkirche feierten, im Uebrigen aber die Leitung des 



') Beide Stiftungsurkimdeii. 

2) Libri Confirm. ad a. 1358, 1363, 1396, 1401, 1407. 

3) Vgl. unter Andern Erben regesta von 1057 — 1253. 

10 



146 

geistlichen Collegiums einem sogenannten Vizepropste und später 
dem Dekane und Yizedekane, die Besorgung der gestifteten kirchli- 
chen Funktionen hingegen einem von ihnen dotirten Vikare über- 
liessen. ') 

Die Geschichte der einzelnen Pröpste mag füglicher erst im 
nächsten Abschnitte beginnen. 

2. lieber die Aufnahme der Capitularen in das leitmeritzer 
Collegiatstift fehlen eingehende Nachrichten; es ist aber anzuneh- 
men, dass sie von der Aufnahme in das Prager Capitel', das heute 
noch ein Pieceptionsbuch aus dem 14. Jahrhunderte besitzt, ^) nicht 
wesentlich verschieden war. — Da ein derartiges Stift ursprünglich 
eben nur die Einrichtung und häufig auch den Namen eines Klo- 
sters hatte: so besass ein Canonicus als solcher auch keinen be- 
sonderen Ehrenvorrang, und die Aufnahme in das Collegium er- 
folgte nach Massgabe der Unterhaltsmittel des Stiftes, so oft ir- 
gend ein geeigneter Kleriker der niedern oder höheren Weihen sie 
ansprach, durch die freie canonische Wahl der Stiftsbrüder. Der 
Eintritt hochadeliger Kleriker mit besondern Nebeneinkünften führte 
allmälig zur Lockerung des gemeinsamen Lebens und endlich zur 
Trennung des Capitelvermögens in einzelne Präbenden mit einzigem 
Vorbehalt einiger sogenannten Obedienzen, deren Ertrag der Com- 
munität verblieb. ^) Hatten die leitmeritzer Canoniker zur Zeit 
der Stiftung und auch etwas später noch in völliger Gemeinschaft 
des Besitzes in einem Hause — wahrscheinlich in der nachmaligen 
Propstei — beisammen gelebt, wie dies der Stiftungsbrief andeu- 
tet "*), so bezogen sie nun ihre besonderen Wohnungen, deren ei- 



') Diese Praxis ist aus den späteren Urkunden ersichtlicli. Uebrigens be- 
stand sie in jener Zeit an allen Dom- und Collegiatcapiteln. Der leitme- 
ritzer Propstei-Yikar hatte sein fundirtes Einkommen in Kresic. (Vgl. 
§. 35 n. 1.) 

^) Begistrum Canonicorwn Pragensium (1378—1390). MS. der prager Capi- 
telbibliothek. Eine genaue Abschrift hievon im leitm. bischöfl. Archive. 

3) Daraus wurden die sogenannten Präsenzgelder für die Theilnahme am 
gemeinschaftlichen Chorgebete, gemeinschaftliche Leistungen des Capitels 
nach Aussen hin und insbesondere die Naturalbezüge der einzelnen Ca- 
noniker bestritten. (Vgl. §. 26. 5.) 

■^j Damals hatte ihnen der Propst gewiss in ähnlicher Weise den Unterhalt 



14Y 

nige nach der Zeit in der Vorstadt Zasada ausdrücklich erwähnt 
werden. Die bedeutenden Einkünfte der Präbenden machten so- 
fort die Competenz der Jüngern Söhne des Landesadels zur Kegel, 
und die daran geknüpften vortrefflichen Aussichten auf hohe Stel- 
lungen in Kirche imd Staat verliehen nun auch den Landcapi- 
tularen einen vielbeneideten Ehrenrang, obgleich diesen die gleichzei- 
tige Verwaltung einflussreicher kirchlicher Aemter nicht in dem 
Masse, wie den Capitularen des bischöflichen Doms zu Statten 
kam. Wegen der Unentschiedenheit, ob in der Kirche oder im 
Staate die gewünschte Beförderung ihnen werde zu Theile werden, 
zogen solche Capitularen in der Eegel es vor, bis zum Austrag der 
Sache nur die niederen Weihen oder höchstens etwa das Subdia- 
konat zu empfangen, und zwar um so mehr, als sie hiemit ein ge- 
ringeres Mass von Pflichten zu übernehmen hatten. Zur Besor- 
gung des nothwendigen Gottesdienstes wurden in Folge dessen be- 
sondere Priester (ministri ecclesiae S. Stephani) und ein eigener 
Pfarrer angestellt, die Scämmtlich nicht in das Collegium der eigent- 
lichen Capitularen gehörten. ') — Zu dieser Zeit, wo die Auf- 
nahme in das Capitel schon als eine hohe Ehre galt, wurde die 
canonische Wahl der Canoniker von Aussen her stark beeinflusst. 
■ Nicht genug, dass adelige Herren ihre Söhne unmittelbar und durch 
den Landesfürsten zur Wahl empfahlen: man wendete sich auch 



zu liefern, wie dies stiftungsgemäss im Capitel zu Wysehrad geschah. Hier 
gab der Propst zu diesem Zwecke jede Woche 1 junge Kuh, 12 Hühner, 
6 Ferkel, 1 Eimer Meth von 17 Maass und ebensoviel Bier mit Freistel- 
lung dessen, was er darüber geben >vollte. Zur Winterszeit sollte er statt 
der jungen Kuh 2 dreijährige Schweine geben. Ausserdem sollten die 
Canonici zur Fastenzeit jede Woche 80 Groschen für Fische und zur 
Sommerszeit halb so viel ei'halten, ausser wenn ein grösserer Feiertag 
auf einen Freitag fiele. — Vgl. Tomek G. Pr. I. 88. — In Leitmeritz war 
durch die Stiftung ausdrücklich der dritte Theil der Einkünfte vom Elb- 
zoUe in Leitmeritz, vom GränzzoUe zu Kulm, von der Ue herfuhr in Aussig 
und von den Naturallieferungen an Honig dem Collegium der Canoniker 
mit Ausschluss des Propstes zugewiesen. 
1) Dieser Pfarrer und jene Ministri werden in den Akten des Capitels öfters 
genannt. Das Collaturrecht der Pfarrei besass der Propst. Vgl. Lib. 
confirin. 

10* 



148 

imzälilige Male nach Rom um einen Provisions- oder Gnaden- 
brief (literae provisionis imd l. gratiosae) des Papstes selbst zu 
erlangen. ') In Folge dessen ward die canonisclie Wahl in sehr 
vielen Fällen ganz illusorisch. Vielleicht war es wieder die Menge 
der so Empfohlenen, die eine andere neue Massregel in Uebung 
brachte. Man wählte sofort bei einer Apertur mehrere neue Ca- 
pitularen, bald in der Weise, dass etwa zwei Gewählte in die Prä- 
bende sich theilten, bald wieder so, dass nur der eine das ganze 
Einkommen bezog, die andern hingegen in ihren früheren Stellun- 
gen und Beneficien bis auf eine weitere Erledigung verblieben. So 
entstanden die Medii praehendati und die Non praebendati^ deren 
auch im leitmeritzer Capitel, sovvie anderwärts, gedacht wird. 

3. Die ursprüngliche Anzahl der leitmeritzer Canoniker ist 
nicht wohl zu ermitteln. Im J. 1384, wo die Besitzungen des Stif- 
tes eher ab- als zugenommen hatten, nennen uns die Dezemre- 
gister mit Einschluss des Propstes und des gestifteten Dekans aus- 
drücklich 12 Capitularen. Damals wurden folgende separirte Prä- 
benden als zehentpflichtig aufgeführt : Die Propstei mit halbjährigen 
6 Schock böhmischen Groschen, die Dekanie mit 39 böhm. Gro- 
schen, zwei halbe (nicht besonders bezeichnete) Präbenden, die eine 
mit 9 und die andere mit 2 (soll wohl heissen 12) b. Groschen, 
die erste Präbende zu Chisnow mit 21 b. Groschen, die zweite und 
dritte ebendaselbst mit je 12 b. Groschen, die Präbende in Bau- 
^owic, Kfesicund Cernowes mit 21 b. Groschen, 2 ganze Präben- 
den in Kfesic, jede mit 21 b. Groschen, eine Präbende in Lisa 
ebenfalls mit 21 b. Groschen, endlich eine letzte nicht besonders 
bezeichnete Präbende ohne Zehentieistung. ^) 

4. Wir besitzen noch 2 uralte Insiegel des leitmeritzer Dom- 
stifts, Das eine ältere ist oval und zeigt den h. Stephanus in einer 
gen Himmel schwebenden Stellung, über dem Haupte einen Ge- 
genstand, der wahrscheinlich die dem Capitel gehörige Reliquie 
des Armes des h. Erstlingsmartyrs bedeuten soll. Die Umschrift 
lautet: „ S. (igilUim) S(an)C(t)L Stephani Lutomiricensis^^ . Das zweite 
Siegel zeigt den verklärten Heiligen, wie ihn zwei Engel mit der 



1) Vgl. §. 25. 3. 

^) Begistrum decimarwn. 



149 

Heiligeiiglorie bekränzen. Die ümsdirift lautet: ,ß(igillum) ca- 
pitiiU Luthomericen(sis) ecle(siae) sancM Stephcmi,'''' und eine Schrift 
innerhalb dieser Umschrift: ,,Prothomart (pr) S. StejyJiamis" . 



§. 37. Das Gollegiatstift S. Peter in Melnik. 

1. Auch die Gebnrtsstadt der heiligen Ludmila "wurde früh- 
zeitig durch die Gründung eines Collegiatstifts ausgezeichnet. Von 
den älteren örtlichen Traditionen wird Hroznata Graf von 
Melnik, der um das J. 1020 aus dem irdischen Leben abgeschie- 
den sein soll, als Gründer des Stiftes bezeichnet. ' ) Nach Andern 
soll gar schon die Herzogin Emma, Witwe Boleslaws IL die 
Stifterin gewesen sein, ^) dieselbe, welche im J. 1006 im Rufe der 
Heiligkeit wahrscheinlich zu Melnik, dem nachmals gewöhnlichen 
Wohnsitze der verwitweten Herzoginnen, gestorben ist. ^) Noch An- 
dere setzen offenbar irrig die Gründung um das Jahr 1088 an und 
bezeichnen den damaligen Bischof Gebhard als einen besonderen 
Förderer der neuen Stiftung. *) Da ehi Fundationsinstrument bis 
jetzt nicht ausfindig gemacht werden konnte, so lässt sich in die- 
ser Sache kaum etwas Sicheres behaupten. Das Wahrscheinlichste 
dürfte aber sein, dass das in Melnik schon frühzeitig wohnhafte 
Priestercollegium entweder aus eigenem Antriebe oder auf höhe- 
res Geheiss die Lebensweise des h. Chrodegang annahm, und dass 
die reichliche Dotation des so entstandenen Capitels in gleichnicäs- 
siger Weise der Familie des ^upans von Melnik, sowie den daselbst 
wohnhaften herzoglichen Witwen, und nicht minder auch den geist- 
lichen Oberhirten des Landes zu verdanken war. Die Zeit der 
ersten Einrichtung des Capitels fällt jedenfalls vor das Jahr 1086, 
wo wir zum erstenmale einem Propste von Melnik begegnen, und 
zwar dem gelehrten Severus, welchem unser ältester Chronist Cosmas 
das erste Buch seiner Chronik gewidmet hat. ^) 



^) Vgl. Sommer's und Sclialler's Topographien. 

3) Palacky I. 330. 

3) Vgl. Marignola. Auch Dobner V. 24, 

*) Illustr. Chronik .von Böhmen. I, 6. 

^) Cosmas. 



150 

Die alte Collegiatkirche trägt jetzt den Namen SS. Peter und 
Paul. Ursprünglich aber und bis zu seinem Untergange hiess das 
Collegiatcapitel nur St. Peter. Dies beweist das alte Insiegel 
der Propstei aus der Zeit des Propstes Zbinko von Hasenburg 
(c. 1390—140.3). Es zeigt uns den li. Petrus in sitzender Stel- 
lung, in der Eechten die Schlüssel und in der Linken das Evan- 
gelienbuch haltend. Hiemit ist noch das damalige Wappen der 
Herren Zajic von Hasenburg verbunden. Die Inschrift lautet: 
Sigillum Capituli Melnicensis. ') 

2. In Ermanglung eines Stiftungsinstruments und irgend einer 
spätem Confirmationsurkunde sind wir genöthigt, die ehemaligen 
Besitzungen des Melniker Capitels lediglich aus mannigfachen Ur- 
kunden der vorhusitischen Zeit zusammen zu suchen, ohne dadurch 
die Ueberzeugung gewinnen zu können, dass so alle Güter dessel- 
ben zu unserer Kenntniss gelangen werden. 

a. Im J. 1233 verkauften der Propst und die Capitularen 
von Melnik die ihnen bisher gehörigen Dörfer Tizowa und Per na 
wegen allzu grosser Entfernung an das Kloster Kladrau. ^) Da nun 
letzteres Kloster im J. 1239 zu Tizowa in der Grafschaft Glatz ein 
Geschenk von 2 Feldmass Acker entgegen nimmt ^), so ist in 
obigem Verkaufe wohl dieses Dorf und in Folge dessen mit dem 
gleichzeitig verkauften Orte Perna wohl auch der einzige Ort die- 
ses Namens in Böhmen, nämlich Perna auf dem Dominium Bran- 
deis im königgrätzer Kreise gemeint. Von dem Erlöse der verkauf- 
ten Ortschaften wurden nun im J. 1233 unter Eüiem zwei näher 
gelegene Dörfer Namens Babice und Cernewes für das Capitel 
angekauft. *) Sehr wahrscheinlich ist ersteres das heutige Gross- 
Babice auf der Doraaine Uhfinewes im früheren kaufimer Kreise, 
letzteres aber wohl mit Sicherheit das bereits erwähnte Dorf Cer- 



') Die Beschreibung dieses Siegels in Ltb. Erect. Xll. J. 15. 

2) Urkunde : Erhen regesta p. 383. Hier lieisst der eine Ort Prinua, in der 

spätem Confirmationsurkunde des Königs Wenzel ddo. 13. Dezember 

1233 aber Pirna. Ygl. Erben r^cj. p. 386. 
^) Urkunde : Erben reg. p. 453. 
*) Erben ebendaselbst. Hier lieisst der zweite Ort.Crimnnvez, dagegen aber 

in der schon citirten Confirmationsurkunde richtiger Chernnevez. 



151 

newes bei Wettel im leitmeritzer Kreise, dermalen noch zum Gute 
Brozan geliörig, das wir alsbald als Besitzung des melniker Prop- 
stes kennen lernen werden. In diesem Cernöwes besass — wie 
erzählt wurde — auch das leitmeritzer Capitel im J. 1384 einen 
Präbendenantheil. ') 

1). Im Jahre 1243 -) verkauften in ähnlicher Weise der Propst 
und das Capitel zu Melnik an das Kloster der Prämonstratense- 
rinnen zu Chotesow im pilsner Kreise einen ansehnlichen Güter- 
complex in jener Gegend, der vielleicht vom Stifter des genannten 
Klosters, Hroznata Grafen zu Melnik, dem Collegiatstifte seiner 
Vaterstadt geschenkt worden war. Vom Ertrage dieses Verkaufes 
sollten die „zum Nutzen der Kirche (in Melnik) contrahirten Schul- 
den, welche aus dem beweglichen Besitze derselben nicht gedeckt 
werden konnten," bezahlt werden. Der veräusserte Besitz bestand 
aus dem Berge und Walde Wrabina mit seinem ganzen Zubehör, 
und aus den Dorfschaften Ö er notin, T uro wund einem zweiten 
C er notin. Der Verkaufspreis betrug 300 Mark feinen Silbers.^) 
Das eine Dorf öernotin gehört heute noch zum Dominium Cho- 
teschau, und nicht fern davon ist das jetzige Städtchen Cernoäin 
ohne Zweifel das ehemalige „andere Cernotin." Als das ehemalige 
Dorf Turov wird die dermalige Waldstrecke Terny bei Choteschau 
bezeichnet. *) Der Berg und Wald Wrabina lag ebendaselbst. 

c. Im Jahre 1290 kaufte Propst Ulrich vom leitmeritzer Stadt- 
richter Conrad eine Mühle mit 4 Gängen an der Elbe gegenüber 
der Stadt Leitmeritz. König Wenzel IL bewilligte auf die Bitte 



') Vgl.^§. 34. 

^) Eingeleitet und von König Wenzel bewilligt war das folgende Verkaufs- 

geschäft schon im Jahre 1238. (Urkunde Erhen reg. p. 435) Beendigt ward 

es erst im Jahre 1243. 
3) Urkunde : Archiv des prager Capitels B. I. IL 5. und Erlen reg. 519. Die 

Schreibweise lautet hier — Avie damals gewöhnlich — ■ Ghirnotin, Turovo 

et aliud Ghirnotin. Die Confirmationsurkunde von 1247 (Erben p. 553) 

nennt sie Ghrinotin, Thurov et aliud Chrinotin cum silva Vrabina. Die 

Leseart Öernotin nach Erben p. 722. 
**) Köpl: Das ehemalige Prämonstratenser-Chorfrauen-Stift Chotieschau. S. 9. 

Hier wird statt Turov der Name Tarnov genannt. 



152 

des • inelniker Capitels die Befreiung dieser Mühle von allen Zinsen, 
Steuern und Herrendiensten. ') 

d. Im Jahre 1321 wurde vom Propste Heinrich (Berka) im 
Einverständnisse mit dem Capitel der Hof TfemoSna im pilsner 
Kreise nebst einem z^Yeiten ungenannten in der nächsten Nähe von 
Pilsen an die Inwohner der gleichnamigen Orte emphyteutisch ge- 
gen sichere Jahreszinsen überlassen. ~) Das Dorf Tfemosna blieb 
nichts desto weniger nach wie vor dem Capitelpropste unterthänig 
und Avard nachher in den Jahren 1415 und 1420 wiederholt durch 
Kaiser Sigismund verpfändet. ^) 

e. Im J. 1327 erlangte derselbe Propst Heinrich Berka vom 
Könige Johann die Wiedererstattung des Dorfes Chfenowice, 
welches eine Zeit lang dem melniker Capitel entzogen gewesen 
war. ^) Es ist nicht wohl zu ermitteln, welche der jetzt noch be- 
stehenden Ortschaften dieses Namens (im früheren öaslauer und 
zw^ei im budweiser Kreise) hiemit gemeint sein mag. 



§. 38. Fortsetzung. 

f. Die wichtigste Besitzung des Collegiatstiftes und insbe- 
sondere des Propstes war ohne ZAveifel das uralte Pfarrdorf Bro- 
zan (Brozany) an der Eger. Die melniker Pröpste führten sogar 
zuweilen den Namen „Pröpste von Brozan." ^) Die Pfarrkirche da- 
selbst war im J. 1384 nebst Leipa entschieden die reichste Land- 



') Eist. Monumente des Königthums in Böhmen. MS. des H. Prof. Höfler in 
Prag. (Urkunden.) 

~) Extractus ex diversis in arcliivo arcliiei^isc. Prag, existentibus relationibus 
circa statum ac proventus .beneflciorum in dioecesi Litoraericensi. MS. des 
leitm. biscliöfl. Archivs pag. 4. Der Hof zu Tremosna bestand aus 32 
Hufen Landes, von denen jede fortan alljährlich eine Mark Silber nebst 
4 Hühnern und 20 Eiern an das Capitel zu entrichten hatte. (Urkunde im 
bischöfl. Archive.) 

3) Palacky Archiv H. 448. und 449. 

'*) Bubna catalogus capituli Prag. MS. des prager Capitelarchivs, 

5j Unter diesem Namen verliert er 1420 die Besitzung Kladrubec durch 
Verpfändung. (Palacky Archiv II. 450.) 



153 

pfründe des ausgedcliuten leitmei-itzer Archidiakoiiats, indem sie 
damals 1 Schock bölmi. Groschen als halbjährigen Beitrag zum all- 
gemeinen Kirchenzehent entrichtete. ' ) Dieser Umstand lässt auf 
ein sehr hohes Alter des Beneficiums schliessen. Die Collatur stand 
in der von den prager Confirmationsbüchern umfassten Periode 
völlig unzweifelhaft den melniker Pröpsten zu. ^) Wie fast alle 
Besitzungen des Melniker Stiftes, so ist auch Brezan in der Zeit 
der traurigen Husitenkriege in fremde Hände gelangt. 

g. Im Jahre 1371. am 6. März wurde vom damaligen Propste 
Johann im Einverständnisse mit dem Capitel ein Besitzthum des 
Collegiums, bestehend in einem Walde und mehreren Acker- 
gründen, im p i 1 s n e r Kreise gelegen, verpachtet. ^) 

h. Im J. 1378 im Monate Juli übte der damalige Propst Jo- 
hann das Collaturrecht über das Pfarrbeneficium zu Komarow 
bei Pardubitz aus. *) Somit gehörte dieser Ort wahrscheinlich zu 
den Besitzungen der melniker Propstei. 

i. Im J, 1384 wird im damaligen Dezemregister eine mel- 
niker Capitelpräbende zu Hoston ice angeführt, und mit 
einem halbjährigen Dezembetrage von 24 böhmischen Groschen 
besteuert. ^) Diese Präbende ist wahrscheinlich identisch mit dem 
Maierhofe in „Hostiwice," welcher um das Jahr 1410 von dem mel- 
niker Canonicus Miran an einen prager Bürger in bleibenden Pacht 
gegeben, ®) und wohl in Folge dessen bei Gelegenheit der nach- 
folgenden husitischen Unruhen dem Capitel ganz entfremdet wurde. 



') Begistrum deeimarwn. 

-) Lib. confirm. Im Jahre 1367. 25. April präsentirt der Propst Johann, im 
Jahre 1415 der Propst Constantin. Ausdrücklich genannte Pfarrer der näch- 
sten Nachbarschaft erscheinen als Installatoren. Irrig versetzt also Heber (Böh- 
mens Burgen III. 420) hieher ein Rittergeschlecht von Brozan, dessen letz- 
ter Sprosse 1417 dieses Gut dem Kloster Teplitz hinterlassen habe. Dem 
Kloster Teplitz gehörte erweislich das zweite Brozany (das heutige Pro- 
sanken bei Teplitz), wo es schon 1866 das Collaturrecht ausübte. Die 
erwähnten Herren von Brozan waren nur Lehensleute des Klosters. 

3) Lib. Erect. I. K. 6, IL E. 5. 

'*) Lib. Confirm. ad h. a. 

^) Begistrum decimariim. 

«) Palacky Archiv II. 461. 



154 

Bezeiclmen die beiden erwähnten Namen einen und denselben Ort, 
so dürfte wohl die Leseart Hostonice vorzuziehen sein, und wir 
hätten dann jene alte Präbende in dem heutigen Hostinice (oder 
Hostiniice) bei Brozan zu suchen, welch' letzterer Ort zugleich mit 
dem benachbarten Cernewes ohnehin auch zum melniker Capitel 
gehörte. ') 

j. Zu derselben Zeit wird auch eine melniker Präbende zu 
Kramole c genannt, welche ebenfalls mit 24 böhm. Groschen am 
halbjährigen Kirchenzeh ent sich zu betheiligen hatte. ') Es ist diess 
gewiss das heutige Dorf Kramolsko oder Chramostek auf der fürst- 
lich lobko witzischen Herrschaft Melnik. 

Je. Eine weitere Capitelpräbende mit einer halbjährigen Ze- 
hentleistung von 21 böhmischen Groschen befand sich im Jahre 
1384 zu Ilausowic,undebendaselbst sowie in dem Orte Wlina- 
wes die Bestand theile von zwei anderen Präbenden, deren jede 20 
böhmische Groschen als Halbjahrszeh ent entrichtete. ^) Der eine 
dieser Präbendentheile in Piausowic bestand urkundlich aus 2 Wie- 
sen und einem Jahreszinse von 4 Schock böhm. Groschen. ^) Dieses 
Eausowic ist unzweifelhaft das jetzige gleichnamige Dorf bei Mel- 
nik, wovon ein Theil noch heute zum Dominium der königl. Leib- 
gedingstadt Melnik gehört, und wo nach einem anderen Zeugnisse ^) 
schon in der Zeit des Königs Wenzel IL vier erbliche Wirthschaf- 
ten, eine Mühle und eine Wiese dem melniker Capitel gehörten. 
Das genannte Wlinawes ist das heutige Wlinewes (Weisskirchen) 
auf der fürstlich lobkowitzischen Herrschaft Melnik. 

l. Im Jahre 1391 lY. Februar widmete Hinko von Radec dem 
Capitel zu Melnik einen Wald in Chlum als Stiftung für die 



'3 Ein Hostiwice liegt 'nur im eliemaligeii rakouitzer Kreise; war aber ein 
alter Pfarrort, wo Melnik erwiesener Massen kein Collaturreclit besass. 

^) llegistnmi deciniarum. Baibin liest den Namen Gramolcz. 

'^) Ebendaselbst. Der erstere Name lautet da Russovic (irrig gelesen Russonic). 

4) Lib, Erect XIII. C. 9. 

^) Extractus ex diversis in a'rcl ivo arclipp. Prag, existentibus relationibus. 
MS. des leitm. bisch. Archivs Fol. 3. Es wird daselbst ein Originale von 
der Königin Elisabetli, König "Wenzel, Bischof Gregor und Propst Ulrich 
von Melnik zitirt. 



155 

Seelen seiner Gattin und des ehemaligen melniker Propstes Johann 
von Landstein. ') Dieses Chlum ist wahrscheinlich der jetzige 
gleichnamige Ort bei Turnau, wo sich auch zugleich ein Dorf Eadeö 
findet. 

m. Im Jahre 1397 am 11. Juli veräusserte der Propst Zbinko 
von Hasenburg um den Preis von 150 Schock prager Groschen 
an Sulko von Chlistowa einen bis dahin dem Capitel zuständigen 
Jahreszins von 11 pr. Groschen im „entlegenen Dorfe Babice", 
und verwendete den Erlös zur Stiftung zweier Capläne an der Col- 
legiat-Kirche zu Melnik. ^) Der erwähnte Ort war wahrschein- 
lich das heutige Pobitz bei Tepl. Obige Caplanstiftung kam in 
der Weise zu Stande, dass für das aus dem Verkaufe des babicer 
Jahreszinses gelöste Geld ein Grundbesitz zu Eochov angekauft 
wurde, bestehend aus 2 Feldmaass Aeckern nebst Wiesen und 
Hutweiden. ^) Offenbar handelte es sich, um die Erwerbung eines 
„näheren" Besitzes, und somit wird das bei Brozan in der nächsten 
Nähe anderer melniker Capitelgüter gelegene Dorf dieses Namens 
als Ort der neuen Erwerbung anzunehmen sein. "*) 

n. Am 7. September 1407 übte der melniker Propst Conrad, 
und neuerdings am 20. April 1411 der Propst Constantin das Collatur- 
recht über die Pfarrpfründe in Srbec aus.^) Im Jahre 1436 wurde 
dieses „der Melniker Propstei" gehörige Dorf durch Kaiser Sigis- 
mund an Johann Kapier von Sulewic verpfändet. ^) Das einzige 
alte Pfarrdorf dieses Namens, auch noch Srbice genannt, liegt 
heute auf dem Dominium Chudenice im frühern klattauer Kreise. 
Ehedem gehörte es zum Archidiakonate von Bischofteinitz (Tyn 
Horsow)und zahlte im Jahre 1384 als eine der ältesten Pfründen 
der Gegend 19 böhmische Groschen als halbjährigen Kirchen- 
zehent. ^) 

1) Lib. Erect. IV. T. 1. 

») Lih. Erect. XII. J. 15. 

3) Ebendaselbst. 

'^j Balbiu las eleu Ort als Bochow, offenbar irrig, da der einzige Ort dieses 

Namens ebenso entfernt wie Babice — im pilsner Kreise liegt, 
^) Lib. Gonfirm. ad li. a. 
^) Paiacky Archiv I. 502. 
') Begist. decim. 



156 

0. Am 22. December 1418 präseiitirte der melniker Propst 
Gonstantiii als solcher einen neuen Pfarrer zur Pfarrpfründe in 
Hnewkow, ') Offenbar gehörte also auch dieses wahrscheinlich 
auf der Domäne Blatna im frühern prachiner Kreise gelegene 
Pfarrdorf zum Besitze des melniker Capitels, und zwar nach der 
ausdrücklichen Bezeichnung in den Confirmationsbüchern als soge- 
nannte Obedienz. Näheres ist von diesem Orte nicht bekannt. 
Ob auch die alte Pfarre Ki-ecowice im früheren berauner Kreise 
zur melniker Collatur gehörte, lässt sich nur vermuthen, da unterm 
6. December 1401 dem dortigen Pfarrer die Verpflichtung aufer- 
legt wurde, die jährlichen Exequien für den ehemaligen melniker 
Propst Johann von Landstein abzuhalten. ^) 

p. Am 24. August 1414 empfing das melniker Capitel als 
Nachlass des Propstes Zdislaus vom Allerheiligen- Capitel in Prag 
einen beständigen Jahreszins von 2 Schock und eine Geldschen- 
kung von 20 Schock als Stiftung für ein Jahrgedächtniss. ^) 

c[. Im Jahre 1420 verpfändete Kaiser Sigismund das dem 
„Propste zu Brozan'' gehörige Dorf Kladrubec (im frühern pra- 
chiner Kreise) an Friedrich und Johann von Kolowrat. *) Es ist 
also auch dieses zu den alten Besitzungen des melniker Capitels 
zu zählen. 

r. Ohne nähere Angabe der Quellen werden noch als alte 
Capitelgüter angeführt: ^) 

Luzec und Kritov, wo die Canoniker besondere Höfe und 
Eesidenzen gehabt haben sollen. Vielleicht sind dies zwei der 
in Balbins Decemregister vom J. 1384 ohne nähere Bezeichnung 
gebliebenen Landpräbenden. Ersteres dürfte das jetzige Augustinergut 
Luzec im frühern rakonitzer Kreise sein. Die Lage des zweiten 
ist unbekannt. 

Im Dorfe Byk bei Melnik besass das Capitel 6'/^ erbliche 
Feldwirthschaften. Ebenso gehörten ihm die ebendaselbst gelegenen 



^) Lih. Gonfhvm- 

2) Lib. Erecf. XIII. J. 5. 

'■^) Lib. Erect. X. C. 4. 

4) Palacky Archiv II. 450. 

5) Extractus ex diversis in arcliivo archpp. Prag, existentibus relationibus. 
MS. des leitmeritzer bischöflichen Archivs. Fol. 1 — 5. 



157 

Dorfschaften Wrutice, das durch testamentarischen Nach- 
lass erworbene Ugezd samt 6 Schock jährlichen Zinsungen, ferner 
Borek, Skuhrov, Blaty, Mlazice mid Zabof ') „mit allen 
Rechten, Zehenten und der Abgabe eines Metzens Waizen von je- 
dem Mühlgange von Wrutice längs des Ufers bis zur Elbe unter- 
halb Melnik." ^) 

üeberdies bezog das Capitel von allen der Stadt Melnik 
gehörigen Feldern ein bestimmtes Mass an Waizen und Hafer, 
von 7 Feldwirthschaften in Korin ^), „welches der Königin ge- 
hörte", den gesammten Zehent an Körnern und den halben Zehent 
an Hausthieren, und vom Dorfe Choteö einen testamentarisch 
legirten Jahreszins von 3 Schock böhm. Groschen, „und noch vieles 
Andere, welches im Verlaufe der frühern ketzerischen Jahre der- 
artig der melniker Kirche entfremdet worden ist, dass gar nichts 
davon mehr übrig geblieben ist.'"*) 



§.39. Fortsetzimg. 

1. Fassen wir die eben angeführten Besitzungen, die kaum 
noch den ganzen Umfang des melniker Stiftsgebietes ausmachen, 
ins Auge : so lässt sich wohl annehmen, dass die Anzahl der Ca- 
noniker zu Melnik kaum viel geringer gewesen sein dürfte als an 
den grössten Capiteln des Landes. Urkundliche Unterschriften zei- 
gen uns allerdings z. B. im Jahre 1233 nur 6 '), und im Jahre 
1403 gar nur 5 Capitularen neben dem Propste. '^) Richtiger ist 
aber ihre Aufzählung in einer Urkunde des Jahres 1371 '), wo 



') In letzterem Orte kann Melnik nur Theilbesitzer gewesen sein. Das Col- 
laturrecht der dortigen Pfründe stand wenigstens in den Jahren 1361 und 
1372 dem Cliorherrenstifte in Raudnitz zu. {Libr. Confirm.) 

3) Es sind hier die am Klokotschbache gelegenen Mühlen gemeint. 

3) Soll wohl Kokoi'in heissen. 

4) Extr. ex div. relat. MS. 

5) Erben regesta p. 383. 

6) Lib. Erect. 

^) Lib. Erect. 1. K. 6. 



158 

ausdrücklich acht residirende Domherren genannt werden, und noch 
bestimmter die Angabe der Zehentregister des Jahres 1384, wo 
wir sogar die Präbenden der einzehien näher kennen lernen. ') 
Nebst der Propstei, welche damals 1 Schock und 45 Groschen 
zum halbjährigen Kirchenzehent steuerte, finden wir da eine Prä- 
bende in Hostinice mit der Zehentpflicht von 24 Groschen, eine 
zweite in Kramolec mit gleicher Zehentleistung, eine dritte in 
Ptausinic und Wlinewes mit 20 Groschen Zehent, eine vierte in 
denselben beiden Orten mit gleicher Zehentpflicht, eine fünfte in 
Eausinic (ausschliesslich) mit 21 Groschen Zehentleistung, endlich 
noch 3 andere in ungenannten Orten. Als zehnter Präbendat wird 
der Pfarrer in Melnik angeführt, der unter der Collatur des Prop- 
stes stand und von seinem bedeutenden Beneficium halbjährlich 1 
Schok böhm. Groschen zum Kirchenzehent zahlte. — Die Aufnahme 
ins Capitel fand jedenfalls in derselben Weise Statt, wie wir sie 
bereits beim leitmeritzer Collegiatstifte kennen gelernt haben. 

2. Das Patronatsrecht über die Propstei hatte unbezweifelt 
der Landesfürst. Diess beweist neben der in den Confirmations- 
büchern aufgezeichneten Praxis die im Jahre 1175 vom Kaiser 
Friedrich I. an den Herzog Sobeslaw gestellte Forderung, die Prop- 
stei einem seiner (des Kaisers) Verwandten zu verleihen. -) Die 
Pröpste wurden ebenfalls in der Regel aus dem Kreise der landes- 
herrlichen Hofgeistlichen genommen und blieben auch nach wie 
vor meist in der unmittelbaren Nähe des regierenden Fürsten. 
Die Mehrzahl derselben gehörten den edelsten Familien des Lan- 
des, einige sogar selbst der Herrscherfamilie an: alle ohne Aus- 
nahme spielten wenigstens durch Gelehrsamkeit und politische 
Geschicklichkeit eine hervorragende Rolle in der Regierungsge- 
schichte unseres Vaterlandes. ^) Die Geschichte der einzelnen 
Pröpste von Melnik gehört dem nächsten Zeitabschnitte an. 



') Begistruvi decimarum. 
^) Erben regesta p. 155 und 156. 

3) Vgl. die Unterschriften fast- unzähliger öffentlicher Urkunden in Erbens 
regesta und anderwärts. 



159 



§. 40. Die Metropolitan-Gewalt über Böhmen. 

1. Es wurde bereits erwähnt, dass unser Vaterland bei der 
Errichtung des prager Bistliums dem erzbishöflichen Sprengel 
von Mainz zugetheilt worden war. Die Oberhirten von Mainz übten 
sofort wirklich die in den canonischen Gesetzen vorgezeichnete 
kirchliche Obergewalt über unsere Bischöfe aus. Sie beschieden 
die vom böhmischen Klerus im Einverstcändnisse mit dem Fürsten 
und den versammelten Ständen zur bischöflichen Würde erwählten 
Kleriker vor sich, und untersuchten auf idas Strengste die Gesetz- 
mässigkeit der geschehenen Wahl. 

War letztere sicher gestellt, so erfolgte unmittelbar die bi- 
schöfliche Consecration durch die Metropoliten selbst, in dessen 
Hände der neue Bischof alsdann den canonischen Obedienzeid ab- 
legte. ') Der Geweihte blieb hinfort der Jurisdiction des Erzbi- 
schofs in der Art untergeordnet, dass letzterer die Aufsicht über 
sein Leben und Wirken führte, Beschwerden der Gläubigen und 
der Kleriker gegen ihn annahm und in erster Instanz entschied, 
als höherer Richter über die am bischöflichen Gerichte verhandelten 
Streitsachen erkannte, die Versäumnisse in den bischöflichen Amts- 
handlungen nachholte, die nicht rechtzeitig besetzten Kirchenämter 
im Wege des Devolutionsrechtes verlieh ~) und zeitweilig selbst die 
Diöcese seines Suffragans visitirte. 

2. Fast noch massgebender als der erwähnte unmittelbare 
war der mittelbare Einfluss des mainzer Metropoliten auf die kirch- 
lichen Verhältnisse unseres Vaterlandes. Er übte denselben durch 
die von ihm berufene und geleitete Provinzialsynode. Die 



'] Unsere Chronisten weichen nur in der Bezeichnung der Namen der be- 
treifenden Erzbischöfe, nicht im Mindesten aber in der Darstellung der 
obigen Thatsachen ab. Vgl. Cosmas, Dobneri annales, Pubitschka, Pesina 
und die MMSS. von Coelestin Blumenberg, Bubna (catalogus capitoli Prag.) 
undKreibich (raemoräbilia). Vgl. auch Tomek Gesch. Prags I. 216 und 403. 

~) Wetzer & Weite Kirchenlexikon III. 699. 



160 

kirchlichen Gesetze dieser Zeit forderten, dass eine solche Synode 
wenigstens einmal im Jahre in jeder Kirchenprovinz abgehalten 
werde.') Dabei hatten damals schon an der Seite des Erzbischofs 
alle seine Siiffraganbischöfe und alle mit einer ähnlichen Juris- 
diction bekleideten Prälaten des Sprengeis und überdiess auch die 
hiezu besonders angewiesenen exemten Kirchenfürsten der Umge- 
gend zu erscheinen, — diese alle als Träger der an die Kirche 
übertragenen göttlichen Gewalt. An der Seite dieser hatten die 
Abgeordneten der Capitel die practische Weisheit, die beigezogenen 
Theologen die kirchliche Wissenschaft und die eingeladenen Klo- 
steräbte das Streben nach höherer christlicher Vollkommenheit zu 
vertreten. Indem so der versammelte Episcopat die Erfahrung, die 
Wissenschaft und die Frömmigkeit gleichmässig zu ßathe zog, 
übte er hier vor Allem seine Lehr- und Regierungsgewalt. D as zu 
den feierlichen Sitzungen beigezogene Volk repräsentirte die hö- 
rende Kirche. ^) Als unabweisliche Aufgabe lag der so versam- 
melten Provinzialsynode ob, die kirchlichen Glaubenslehren zu be- 
sprechen, die Streitigkeiten kirchlicher Personen in höherer Instanz 
zu schlichten, Appellationen der von ihrem Bischöfe excommunicirten 
Kleriker und Laien entgegen zu nehmen, die Gebrechen des Le- 
bens der Geistlichen und Gläubigen durch heilsame Statuten zu 
heilen, und überhaupt Alles zu ordnen, was einer Ordnung in die- 
sem Wege bedurfte. ^) Die Beschlüsse wurden dem römischen Stuhle 
zur Bestätigung vorgelegt. ^) 

3. Diese Art, Provinzialconcile abzuhalten, konnte dort streng- 
stens eingehalten werden, wo die Theilnehmer desselben lediglich 
Träger kirchlicher Würden waren. Im deutschen Eeiche aber, wo 
letztere zugleich zu den angesehensten Reichsfürsten zählten, stellte 



') Conc. Nicaen. IL av. 787. Die sogenannten apostolischen Canonen hatten 
die zweimalige Abhaltung verlangt. Fessler : Provinzialconcil S. 44 und f. 

2)Fessler: Prov. Concil S. 131. 

3) Ebendaselbst, dt. canones ajjost., Conc. Nicaen. I (325), Cone. Äntiochen. 
(341), Conc. Calcedon. (451), Conc. Nicaen. *II. (787.) 

'*) Schannat: Concilia Germaniae tom. II. pag. 703 liefert eine Menge Bei- 
spiele. Vgl. auch Fessler 1. c. S. 158 und Binterim Frager Geschichte 
der deutschen Concilien I. 229—236. 



161 

sich — wie vordem auch im fräukischen Reiche, — eine erhebliche 
Abweichung von der ursprünglichen Form jener kirchlichen Zusam- 
menkünfte heraus. Hier befanden sich die Metropoliten und Bi- 
schöfe sehr oft im Gefolge des Kaisers oder fanden sich wenig- 
stens einmal im Jahre bald auf dem allgemeinen Reichstage und 
bald wieder auf einer Particular - Fürstenversammlung zusammen, 
die der Kaiser eben in allgemeinen Angelegenheiten des Reichs oder 
in besondern einer einzelnen Provinz zu versammeln pflegte. Da 
bot sich nun von selbst die beste Gelegenheit dar, ohne neue Be- 
schwerden unter Einem auch die vorgeschriebenen kirchlichen Sy- 
noden abzuhalten, die nun nach Verschiedenheit der Versammelten 
bald zu einer Provinzialsynode und bald wieder zu einem förm- 
lichen Reichsconcile sich gestalteten. Hiebei waren nicht selten 
auch die im Orte eben anwesenden weltlichen Fürsten und noch 
öfter der Kaiser selbst zugegen, deren Rath und Wünsche die Bi- 
schöfe willig hörten und beachteten. Die meisten jetzt noch näher 
bekannten deutschen Synoden dieser Zeit waren Versammlungen 
solcher Art. ') Eigenthümlich musste sich hiebei die Stellung des 
prager Bischofs gestalten. In Folge kaiserlicher Investitur war er 
Reichsfürst, wie andere Bischöfe des Reichs; aber als Bischof im 
Lande eines ziemlich unabhängigen Vasallen des Reichs, der ge.rade 
in dieser Zeit sehr oft gegen die kaiserliche Obergewalt sich sträubte, 
war er nur zu oft gehindert, an den Berathungen der Reichsbi- 
schöfe Antheil zu nehmen. D esshalb finden wir ihn in den noch 
erhaltenen Synodalberichten dieser Periode selten erwähnt. Nichts 
desto weniger aber mussten die Beschlüsse der Provincialconcilien 
des mainzer Metropolitansprengeis auch für ihn und seine Diözese 
massgebend sein. 



§. 41. Die Metropoliten dieser Zeit und ihre näher bekannte Wirksamkeit 

für Böhmen. 

1. Erzbischof Ruodbert (Rupert 970 — 975) brachte die Er- 
richtung des böhmischen Bisthums und dessen Einverleibung in 



^) Vgl. Schannat: co7icüia Germaniae Tora. I & II. 

11 



162 

die mainzer Metropolie zum Abschlüsse und consecrirte unsern 
ersten Bischof Dietmar. ') Aus seiner kurzen Eegierungszeit ist 
uns weder ein anderweitiger Jurisdictionsact in unserem Vater- 
lande, noch ein mittelbarer Einfluss durch neue Synodalgesetze 
bekannt. Er starb am 13. Jänner 975. ^) 

2.1hm folgte der heilige Wiligisis. (975— 1011 f 23. Febr.) 
Aus niedrigem Stande entsprossen ^) war er in Folge seiner aus- 
gezeichneten Eigenschaften zuerst Domherr zu Hildesheim und 
von da oberster Kanzler des Kaisers Otto IL geworden. Seine 
grossen Verdienste um Kaiser und Reich machten ihn zum Nach- 
folger Ruodberts. *) Als Erzbischof nahm er durch ein ganzes 
Menschenalter den grössten Einfluss auf die Geschicke Europas. 
Er blieb Ottos IL treuer Rathgeber bis zu dessen Tode. (983.) Er 
überwachte die Jugend Ottos III., er verwaltete bis zu dessen Mün- 
digkeit die Regierung des Reiches, er geleitete den jungen Kaiser 
zur Krönung nach Rom und führte (996) in der Person des kai- 
serlichen Hoflianzlers Bruno, des tauglichsten und tüchtigsten 
Mannes jener Zeit, den ersten deutschen Papst Gregor V. auf 
den Stuhl Petri. Er war es auch, der nach Ottos III. Tode die 
Kaiserkrone auf das Haupt Heinrichs IL brachte. Aber auch sein 
kirchliches Amt verwaltete er mit Eifer und Einsicht. Namentlich 
überwachte er aufs Strengste das kirchliche Leben und führte pflicht- 
vergessene Priester mit unerbittlichem Ernste und ohne Ansehen 
der Person zu ihrer Pflicht zurück. Dabei leuchtete er Allen 
durch sein Beispiel voran. Die Kirche verehrte ihn alsbald seiner 
seltenen Tugenden wegen als einen Heiligen. ^) 



1) Vgl. S. 69. 

^) Euler: Erzb. Willigis von Mainz, Programm von Schulpforta 1860. 

*) Spätere Biographen machen ihn zum Sohne eines Wagners und leiten von 
diesem Umstände das Mainzer Wappen (ein Rad) her. Wappen ent- 
standen aber erst in Folge der Kreuzzüge. Obendrein scheint das Mainzer 
Wappen ursprünghch ein Kreuz mit Heiligenschein gewesen zu sein. 

^) Papst Benedict VII. stellte ihm die Bestätigungsurkunde bereits im März 
975 aus. (Euler^S. 19.) 

5) Euler 1. c, weist alle diese Züge des grossen Mannes urkundlich nach. Vgl. 
auch Hirschel: Gesch. der Stadt und des Bisthums Mainz S. 35 etc.— und 
Latomi catalogus archiepiscoporum Mogunt. bei Menken script. rer, germ. 
III. 477 etc. 



163 

Dieser ausgezeichnetste unter den Erzbiscliöfen von Mainz 
weihte uns im J. 983 den h. Adalbert zum Bischöfe und bewirkte 
in den Jahren 992 und 995 auf die Bitte unserer Vorältern die 
Heimkehr des h. Oberhirten aus Rom. ') Im J. 998 consecrirte 
er in der Person des frommen Thiddag einen neuen Bischof für 
unser Vaterland. ^) 

Aus seiner Zeit sind uns eine Menge theils Reichsconcile 
theils Provinzial-Synoden bekannt, denen er an der Spitze seiner 
Suffraganen beiwohnte. Hieher gehören die Provinzialsynode zu 
Mainz am 28. April 976 ^), der Convent zu Truttmann (977), die 
Synode zu Ingelheim (979), der Convent zu Andernach (987), 
die Synoden zu Halberstadt (991), zu Gaudersheim (995) und 
neuerdings zu Gaudersheim (1000), zu Poelde am Harz und zu 
Frankfurt (1001), zu Arneburg und zu Truttmann (1005), zu 
Frankfurt (1006 und 1007), zu Poelde (1007) und zu Werla (1008). *) 
Von hervorragender Wichtigkeit — auch für unser Vaterland — 
war aber insbesondere die in Gegenwart des Kaisers Heinrich IL 
abgehaltene Synode zu Arneburg im J. 1005. Daselbst wur- 
den nämlich drei wichtige Synodalgesetze beschlossen; Ehe- 
schliessungen in verbotenen Graden und Zeiten sollten streng- 
stens gehindert, der Verkauf christlicher Sklaven an heid- 
nische Herren völlig eingestellt und weltliche Grosse, welche der 
öifentlichen Gerechtigkeit Hohn sprechen, mit der kirchlichen Ex- 
communication bestraft werden. ^) Kicht minder belangreich war 
auch die in demselben Jahre abgehaltene Synode zu Truttmann, 
wo das kirchliche Fastengebot in Betreff der Vigilienfaste für ganz 
Deutschland (und somit auch für Böhmen) dahin bestimmt wurde, 
dass an den Vortagen der Feste des h. Johannes des Täufers, der 
hh. Apostel Petrus und Paulus, des h. Laurentius und Allerheiligen 
bei blossem Brod, Salz und Wasser zu fasten sei; in den 



'} Vgl. §. 17 n. 4 & 6. 

2) Vgl. §. 18. n. 2. 

3) Guden cod. dijplom. I. dt. bei Etiler p. 32 etc. Hier -wurdea genaue Sta- 
tuten der Aschaffenburger Stiftsschule festgestellt. 

4) Schannat: Concilia Germaniae tom.II. p. 658, 659,668, 669, 674, tora. III. 
p. 18, 21, 22, 27, 31, 33, 36, 38, 40. 

5j Ebendaselbst II. p, 27. cit. Eckbart tom. I. scriptorum, Cbronogr. Saxo 
pag. 404., Lietmari Cbronicon. 

11* 



164 

Vigilien der Himmelfahrt Mariens aber imd der übrigen Apostel- 
feste nach Art der üblichen vierzigtägigen Faste. In letzterer Art sollten 
hinfort auch die Quatemberfasten gehalten werden, üiberdiess 
sollte auch der Freitag vor Weihnachten ein strenger Fasttag 
bei blossem Brod, Salz und Wasser sein. ') Nebstbei bestand wohl 
damals in Böhmen noch das frühere regensburger Fastenstatut, 
welches noch überdiess den Klerikern an allen Mittwochen und 
Freitagen des ganzen Jahres die Enthaltung vom Weine gebot, — 
nur mit Ausnahme der Zeit von Ostern bis Pfingsten, und von 
Weihnachten bis Epiphaniä, ferner der Festtage der seligsten 
Jungfrau, der hh. Apostel, der heiligen Michael, Johannes und 
Martin. Zu andern Zeiten sollte einzig nur zu Gunsten der Kran- 
ken, Reisenden, im Kriege Befindlichen und etwaiger Gäste eine 
Dispens eintreten. ^) 

3. Dem heiligen Wiligisis folgte der vormalige Abt von 
Fulda, Erkenbold in der Metropolitanwürde nach. (1011 — 1021.) 
Dieser erwarb sich den besondern Ruhm eines eifrigen \^erfechters 
der kirchlichen Ehegesetze. ^} Er weihte im J. 1017 für unser 
Vaterland einen neuen Bischof in der Person des ehemaligen 
naumburger Propstes Ekhard. '*) Er betheiligte sich an der Spitze 
seiner Suffraganen an den Synoden zu Bamberg und Koblenz (1012), 
zu Mainz (1012 und 1018) und zu Frieslar (1020). Insoweit die 
dort gefassten Beschlüsse uns noch bekannt sind ^) , hatten sie für 
Böhmen keine besondere Bedeutung. 

4. Der Erzbischof Ar ibo (1021 — 16. April 1031) war ebenso 
berühmt wegen seiner persönlichen Frömmigkeit als wegen seines 
oberhirtlichen Seeleneifers. ") Ihm verdankte der böhmische Bischof 
Hyzo die bischöfliche Consecration. ') 

Aus seiner Zeit sind uns eine Menge Synoden bekannt, an 
denen er sich mit seinen Suffraganen betheiligte. Wir nennen hier 



') Ebendas. III. p. 31. cit. Dietmarus ex eclit. Leibnitii tom. I. p. 380. Kran- 

zius Saxoniae lib. IV. Cap. 35. — 
-) Ebendas. III. p. 692. : Canones concilii Risbaclieiisis a. 799, — 
3)Latomi: Catalogus archiepiscoporum Mogunt. bei Meiiken Scriptores III. 

481. — Hirsche! Gesch. der Stadt und des Bisth. Mainz S. 39, 
*) Vgl. ö. 70. 

5) Schannat. tom. III. 42, 43, 51, 52. 

6) Vgl, Hirschel S. 39. 
')Tg]. S.^72. 



165 

die Synode zu Graona (1022), die Provinzialconcilien zu Seli- 
genstadt (1022) und zu Höclist (1023), die Reichssynode zu Mainz 
(1024), die Synoden zu Frankfurt und Geislar (1027), zu Poelde 
und zu Paderborn (1029). ') Von höchster Bedeutung für das kirch- 
liche Leben der mainzer Metropolie und somit auch für Böhmen 
war die Provinzialsynode zu Selig enstadt am 11. August 
1022. Unser damaliger Bischof Ekhard wird zwar unter den 
Theilnehmern nicht ausdrücklich genannt: der Umstand aber, dass 
derselbe noch am S. Wenzelsfeste dieses Jahres eine Diözesansy- 
node in Prag abhielt und überdiess die anerkannte Tragweite eines 
jeden Provinzialconcils bürgen für die Annahme der seligenstädter 
Beschlüsse in Böhmen. Vor Allem war es wieder das Fasten- 
gebot, welches daselbst eine genauere Regelung erfuhr. Neuer- 
dings wurde die Abhaltimg jener Vigilienfasten eingeschärft, 
welche bereits die Synode zu Truttmann (1005) angeordnet hatte. ^) 
Die bisher schwankende Zeit der Quatemberf asten wurde fest 
bestimmt. Fortan sollte die erste derselben am ersten Mittwoch 
des Monats März beginnen.- Die zweite sollte im Monate Juni 
gehalten werden, und zwar anfangend am zweiten, dritten oder 
vierten Mittwoch desselben, je nachdem der erste Juni entweder 
auf einen der ersten Wochentage, oder aber auf Donnerstag, oder 
endlich auf einen der beiden letzten Wochentage fallen möchte. 
Nur in dem Falle, als dann etwa die Vigilie des Pfingstfestes zu- 
gleich ein Quatemberfasttag werden müsste, sollte die Quatemb er- 
faste in die folgende Pfingstwoche verlegt werden. Die dritte Qua- 
temberfaste sollte in die dritte Woche im September verlegt wer- 
den, wenn der erste September auf einen der ersten Tage der 
Woche (bis Mittwoch) treffen würde, in jedem andern Falle aber 
erst in die vierte Woche des Monats. Endlich sollte die vierte 
Quatemberfaste unmittelbar in der Woche vor der Weihnachtsvi- 
gilie gehalten werden.^) Unter Einem wurden auch die verbo- 
tenen Zeiten für Eheschliessungen festgesetzt, und zwar wurden 
als solche die Zeit des Advents bis zur Oktav der Erscheinung 
des Herrn, die Zeit von Septuagesima bis Ostern, die Fasttage 



*) Schannat III. 55 etc. 

2) Statuta syn. Seligenst. bei Schannat III. p. 55 etc. Artic. 1. 

3) Statuta syn. Seligenst. Art. 2. 



166 

vor dem Feste des li. Johann, sowie die kirchlichen Fasttage über- 
haupt und die Nächte vor hohen Festtagen bezeichnet. *) Den 
Priestern wurde unter Andern eingeschärft, des Tages nicht 
mehr, als drei heilige Messen zu lesen. ^) Die Kirchenbusse 
einer besondern vierzigtägigen Faste bei Wasser und Brod (carina) 
sollte von den Beichtvätern nicht in kleinere Fasten vertheilt und 
auch nicht gestattet werden, dass der Büsser innerhalb einer der- 
artigen Busszeit seinen Aufenthaltsort wechsle, oder gar zur Um- 
gehung der heimatlichen Busse einfach nach Kom pilgere, um 
dort die päpstliche Absolution zu suchen. Letzteres sollte nur 
nach Verrichtung der heimatlichen Busse und dann auch nur mit 
einem Geleitschreiben des Bischofs geschehen. ^) Die Kirchenbusse 
einer zeitweiligen Ausschliessung vom Gottesdienste sollte nicht 
ohne besondere Erlaubniss des Bischofs wieder behoben werden. *) 
Die herkömmliche Sitte des Gottesgerichtes sollte auch fer- 
nerhin in sonst unlösbaren ehe gerichtlichen Klagfällen beibehalten 
werden. ^) — Diese Verordnungen werfen ein interessantes Licht 
auf das damalige kirchliche Leben auch in unserem 
Vaterlande. 

5. Dem eifrigen Aribo folgt der heilige Bardo nach, der 
ehemalige Abt zu Werden und zu Heresfeld (1031 — 1051). Dieser 
erwarb sich ausser dem Rufe seiner Heiligkeit noch den Ehren- 
namen des Chrysostomus seiner Zeit. ^) Er weihte unserem Va- 
terlande den ausgezeichneten Bischof Severus. ■ Leider sah er sich 
später auch genöthigt, allen Ernstes den Separations-Bestrebungen 
des böhmischen Herzogs Bfetislaw I. entgegenzutreten und be 
dieser Gelegenheit den allzu nachgiebigen Bischof empfindlich zu- 
rechtzuweisen. ') Er hielt im J. 1041 mit seinen Suffraganen eine 
Synode zu Münster, an welcher unser Bischof Severus wegen 
der damaligen traurigen Kämpfe seines Landesfürsten nicht theil- 



OEbendas. Art. 3 & 11. 
*) Ebendas. Art. 5. 

3) Ebendas. Art. 16. 17. 18.. 

4) Ebend. art. 19. 

5) Ebend. Art. 7. 13. 

^) Latomi Gatdlogus und Hirscbel 1. c. — 
') Vgl. S. 79 etc. 



16Y 

nahm. Ohne Zweifel wurden eben hier die gegen Severiis einzu- 
haltenden Massregeln berathen. Näheres ist uns jedoch nicht be- 
kannt. *) Im J. 1049 betheiligte sich Bardo mit mehreren seiner 
Suffragane an dem unter dem Vorsitze des JPapstes Leo IX. er- 
öifneten Concile zu Mainz, wo eben Bardo selbst und sofort der 
jeweilige Metropolit von Mainz zum apostolischen Legaten erklärt 
und mehrere Gesetze zum Besten der Kirche, insbesondere gegen 
die noch häufig auftauchenden Gebrechen der Priest er ehe und 
der Simonie verkündigt wurden. ^) 

6. Erzbischof Leopold (1051 — 1059), vordem Propst von 
Bamberg, wohnte im J. 1053 einer ebenfalls von Papst Leo IX. 
zu Worms versammelten Synode bei. Ebenso betheiligte er sich 
noch in demselben Jahre an der Reichssynode zu Bamberg und im 
J. 1054 an der Erwählung des Papstes Victor IL zu Mainz. ^) Für 
unser Böhmen wird uns aus seiner Wirkungszeit etwas Belangrei- 
ches nicht berichtet. Die bewegteren Ereignisse im Leben seines 
Nachfolgers Siegfried (1060—1084) gehören bereits der nächsten 
Periode an. 



§. 42. Die Diözesansynoden dieser Zeit. 

1. Die Diözesansynode war von jeher die eigentliche Lehr- 
und Zuchtschule des Bischofs, der wesentlich kirchliche Akt, wo 
der Oberhirt in Mitten seiner Priester nach vorhergegangener Be- 
rathung die ihm von Gott gegebene Gesetzgebungs- und Regie- 
rungsgewalt feierlich ausübte. *) 

Nach den alten kirchlichen Vorschriften sollte der Bischof 
zu diesem Zwecke einmal im Jahre seine Geistlichkeit um sich 
versammeln. ^) In unserer Periode hatte er ausser seinem eigenen 



ij Schannat III. 110. 

2) Scliannat III. 112. 

3) Ebeudas. HI. 119. 124. 

*) Fesslei': Provincialconcil, S. 16, cit. Binterim pragm. Geschichte der deu- 
tschen Concile, Philipps Diözesansynode. 

^1 Nachweisbar galt dies schon im 3. Jahrhunderte als allgemeiner Brauch, 
seit dem 6. Jahrhunderte aber bereits als bestimmtes Gesetz. Vgl. Fess- 
1er S. 42 etc. 



168 

Domcapitel noch die Vertreter der Collegiatcapitel, die Vorstelier 
der Ordenshäiiser und die Seelsorgsi^riester der ganzen Diözese zu 
berufen. In der Versammlung musste ihm Eechenschaft abgelegt 
werden über die Führung des geistlichen Lehr- und Hirtenamtes; 
hier wurden die Beschlüsse der allgemeinen Concilien und der 
Frovinzialsynoden zur Darnachachtung verkündet; hier wurden die 
besonderen Anordnungen zum Heile der Diözese erlassen; hier 
wurde endlich, wo es Noth that, offenes Gericht über die durch 
kirchliche Gesetze verpönten Vergehungen der Kleriker und Laien 
abgehalten. ') Insbesondere mussten die eigens erwählten und be- 
eideten Synodalzeugen aus dem Laienstande dabei aussagen, was 
von den Laien in jedem Jahre öffentlich gegen Gott und die 
christliche Religion geschehen war und wessen etwa die allgemeine 
Meinung den Einzelnen beschuldigte. In Folge dessen wurde der 
Angeklagte vorgeladen, sich zu vertheidigen, die Kirchenbusse zu 
leisten oder er verfiel den Strafen nach Gewohnheit des Landes. ^) 
Die entscheidende Stimme in der Synode stand allein dem Bischöfe 
zu; doch hörte er zuvor in den sogenannten Congregationen die 
Meinungen, Auskünfte, Bitten und Wünsche seiner Geistlichkeit. 
Die Entscheidungen erfolgten in feierlichen Sessionen unter Zu- 
lassung des Volkes. Die Dauer einer solchen Synode erstreckte 
sich in der Regel nicht über 3 oder 4 Tage. ^) 

2. In unserem Vaterlande wurden solche Diözesansynoden der 
kirchlichen Ordnung gemäss ohne allen Zweifel schon seit der Er- 
richtung des prager Bisthums regelmässig abgehalten. Wenn wir 
aus der Sitte des zwölften Jahrhunderts einen giltigen Rückschluss 
auf unsere älteste Periode uns erlauben dürfen, so fand die Ver- 
sammlung immer am Feste des heiligen Wenzel in Prag selbst 
statt, und es nahmen daran auch alle Edlen des Landes berathen- 
den Antheil. ^) Eine ausdrückliche Erwähnung der regelmässigen 
Abhaltung dieser kirchlichen Versammlungen finden wir, bei der 
Mangelhaftigkeit der älteren Quellen, nach der Chronik Hajek's 



') Fessler 1. c. 

2) Höfler Concilia Pragensia p. XVIII. 

^) Fessler 1. c. p. 41 etc. p. 59 etc. 

*) Gontiii. Cosmae ad ann. 1134 erzählt es als herkömmliche Sitte, dass 

damals am S. Wenzelsfeste „alle Edlen Böhmens, Geistliche sowohl als 

Weltliche," in Prag zusammengekommen seien. 



169 

erst unter unserm vierten Bischöfe Ekhard im Jahre 1023. Der- 
selbe soll nämlich die Verordnung erlassen (oder erneuert ?) haben, 
„dass jeder Landgeistliche wenigstens einmal im Jahre an einem 
festgesetzten Tage sich in Prag einfinden müsse, um da Rechen- 
schaft über die ihm anvertraute Heerde abzulegen." ') Unter Ei- 
nem sollten die Seelsorger bei dieser Gelegenheit die herkömmli- 
chen Rauchg roschen (äenarii fimiales) an den Bischof abführen, 
eine Abgabe, die ihren Namen wahrscheinlich von der Gelegenheit 
ihrer Erhebung erhielt, nämlich von dem ehemals üblichen Um- 
gange des Seelsorgers am h. Dreikönigsfeste, wo er die Wohnun- 
gen der einzelnen Familien unter Gebet, Besprengung mit Weih- 
wasser und Be räucherung mit Weihrauch einsegnete und die- 
sen Act durch Anschreibung der Anfangsbuchstaben der Namen 
der 3 Weisen gleichsam bestätigte. ^) — Einer weiteren Diözesan- 
synode wird bis in die Mitte des eilften Jahrhunderts nicht aus- 
drücklich erwähnt, gewiss nur desshalb, weil solche Versammlun- 
gen nichts weniger als etwas Ausserordentliches waren und darum 
einer besondern Erwähnung kaum bedurften. Erst dann, wenn ihre 
Berathungen massgebend in die öffentlichen Verhältnisse des Lan- 
des eingriffen, wie diess späterhin vielfach der Fall war, mussten 
unsere alten Chronisten von ihnen nähere Kenntniss nehmen. 

3. Wenn auch bis jetzt eine nähere Angabe aller einzelnen 
Diözesansynoden der ältesten Zeit und ihrer Beschlüsse kaum mög- 
lich ist ^) : so wissen wir doch von den Synodalbeschlüssen über- 
haupt grade genug, um das kirchliche Leben der ersten zwei christ- 
lichen Jahrhunderte unseres Vaterlandes würdigen zu können. Zu- 
nächst scheint unser Vaterland in dieser Zeit von allen häreti- 
schen Anfechtungen ganz frei geblieben zu sein; von solchen 
findet sich nämlich weder in den damaligen Beschlüsseij der 
mainzer Provinzialconcile noch in allen einheimischen Anordnungen 
eine Spur. Desto mehr hatten unsere Diözesansyüoden gegen die 
sittlichen Gebrechen unseres Volkes zu streiten und wir 



1) Hajek ad a. 1023. 

^j Noch bis in die Gegenwart herab bestand in sehr vielen Gegenden die 
an die Schullehrer üb eingegangene Sitte des Dreikönigsganges, und die dar- 
auf beruhende Abgabe (Coleda) der sogenannten Rauchheller. 

8) Höfler hat in der Einleitung seines Werkes: Concilia Pragensia 1862 
zuerst einige ausführliche Synodal-Statuta dieser Zeit veröffentlicht. 



170 

irren nicht, wenn wir eben diese Synoden als das vorzüglichste 
Mittel ansehen, durch welches unsere ersten Bischöfe in dieser 
Richtung dem Christenthume die volle Geltung erkämpften. Die 
diessfälligen Bemühungen Dietmars, des h. Adalbert, Thiddags und 
Ekhards wurden bereits namhaft gemacht. In ihre Zeit fallen 
wohl auch di-e strengen Synodalgesetze') gegen die Unkeusch- 
heit im Lande ^), gegen die Ehen in nächster Verwandt- 
schaft bis zum fünften Grade herab ^), gegen die ünmässig- 
keit in Essen und Trinken^), gegen alle abergläubischen 
Gebräuche und insbesondere gegen heidnische Todtenfeierlich- 
keiten. ^) Auch die Ausspendung der heiligen Sakramente wurde 
durch solche Synodaldekrete geordnet. Die Taufe musste durch 
dreimaliges Untertauchen im Taufbrunnen geschehen, und durfte 
ausser im Nothfalle nur an den Samstagen vor Ostern und Pfing- 
sten verrichtet werden. ^) Die heilige Messe durfte nur nüchtern 
und an consecrirten Orten, und nie ohne Alba, Fanon ') und Ca- 
sula gefeiert werden; auch sollte jeder Gläubige nur den Gottes- 
dienst seines eigenen Seelsorgers besuchen, und an den 3 höchsten 
Festen des Jahres das h. Sakrament der B u s s e empfangen. *) Die 
heilige Communion wurde unter der Formel: Corpus et sanguis 
Domini nostri Jesu Christi proßciat tibi in vitam mternam'-'- ge- 
spendet, und es wurde hiebei die in den consecrirten Kelch ge- 
tauchte heilige Hostie gereicht. Jeder Gläubige sollte die h. 
Communion dreimal im Jahre — zu Weihnachten, Ostern und 
Pfingsten — empfangen. ^) 

') Bei Höfler, Einl. zu Concilia Pragensia. 

*) Auf diessfällige Sünden waren Kirclienbussen von 3 Tagen bis zu 15 
Jahren gesetzt. (Ebend. p. IX.) 

^) Die Ehe eines Weibes mit zwei Brüdern und eines Mannes mit 2 Schwö 
Stern wurde mit lebenslänglicher Excommunication bestraft. (Ebend. VIII. 
vgl. XIV.) 

4) Hieher gehörten auch die Verbote gewisser Speisen: des Blutes, der er . 
stickten oder gefallenen Thiere, der durch solche verunreinigten Flüssig- 
keiten und a. (Ebend. XL) 

5j Ebend. XVI. & XVH. 

6) Ebend. XQL & XV. 

') Fanon ist ein damals üblicher Name für den Manipel. Vgl. Wetzer & 
Weite Kirchenlex. VI. 215. 

8j Höfler Conc. XIV. XV. 

^^j Ebend. IX. Diese Sitte wurde im 12. Jahrhunderte im ganzen Abendlande 



171 

4. Als öffentliche kirchliche Feste waren angeordnet : Das 
Weihnachtsfest, die Feste S. Stephan, S. Johann Evangelist, Un- 
schuldige Kinder, Oktav der Geburt Christi, Erscheinung des Herrn, 
Maria Keinigung, der heilige Samstag, Ostern, die 3 Bitttage, Christi 
Himmelfahrt, Pfingsten, Johann der Täufer, die 12 Aposteltage, 
Maria Himmelfahrt, S.Michael und das Kirchweihfest des Ortes J) 
Die kirchliche Faste wurde strengstens eingeschärft, und zwar 
ebensowohl die vierzigtägige, als alle übrigen kirchlichen Fasttage -), 
welche die Provinzialsynode von Seligenstadt angeordnet hatte. In 
diesem Stücke zeigt sich sogar in jener Zeit ein besonderer Eifer, 
der die kirchlichen Anordnungen in seiner Art noch verschärfte. ^) 
Insbesondere geschah diess bezüglich der vierzigtägigen Faste. So 
wohnte Spytihnöw IL die ganze Fastenzeit hindurch im prager Ca- 
pitelhause oder im Kloster zu Brewnow. Mit geistlichen Kleidern 
angethan saug er hier täglich vor der Frühmesse die üblichen 
Psalmen mit ausgebreiteten Händen oder knieend. Nüchtern bis 
zur Mittagszeit befasste er sich ausschliesslich mit geistlichen 
Dingen, erst nach der massigen Mahlzeit durfte man ihm mit welt- 
lichen Geschäften nahen. Von der ersten Abendstunde bis zur 
ersten Morgenstunde hielt er strenges Stillschweigen und kürzte 
selbst die nächtliche Ruhe mit Wachen und Gebet. *) Wie die 
Sitte der nächsten Zeit zeigen wird, stand ein derartiges Beispiel 
durchaus nicht vereinzelt da. — Die Geistlichkeit wurde zum 



allgemein und bildete gleiclisam den Übergang zur allgemeinen Annahme 
der Comraunion unter Einer Gestalt im 13. Jahrhunderte. Letztere war 
stets dogmatisch zulässig, jedoch in den ersten Jahrhunderten nur aus- 
nahmsweise (bei Kindern, Kranken, Verfolgten, Reisenden, Einsiedlern) 
üblich. Alsbald aber arbeiteten fromme Scheu, locale Armuth und gegen- 
seitige Furcht (insbesondere in Pestzeiten) gleichmässig an der Ausdeh- 
nung dieser Art zu communiciren, die alsbald gegen Irrlehrer in Schutz 
genommen werden musste und so endlich zur Regel wurde. 

') Ebend. XHI. 

') Als Busse für einen gebrochenen Fasttag war ein 40tägiges Fasten bei 
Wasser und Brod, und als Busse für die Verachtung der vierzigtägigen 
Faste ein Jahr Kirchenbusse angeordnet. (Ebend. XII.) 

^) Das Fasten an Sonntagen musste sogar besonders verboten und mit einer 

einwöchentlichen Kirchenbusse belegt werden. (Ebend. XII.) 
4) Vgl. Tomek. G. Pr.' 106. 



112 

strengsten kirchlichen Leben und zur gewissenhaften Persolvirung 
des Breviergebets (auch in den betreffenden Nachtstunden) ange- 
wiesen.') — Noch sei einiger eigenthümlicher Gebote jener Zeit ge- 
dacht. Streng verboten war der Genuss aller unreinen Speisen. 
Unrein war Alles, was mit unkeuschen Gegenständen, mit Blut 
und Excrementen von Menschen und Thieren und mit Abgestor- 
benen in Berührung gekommen war, auch Alles, was von wilden 
Thieren und< Hunden gebissen und zerrissen worden war, ebenso 
alles Erstickte. — Jeder Gläubige musste verhalten werden, das 
Gebet des Herrn und das apostolische Glaubensbekenntniss sowohl 
in der Mutter- als in der lateinischen Sprache zu erlernen. — 
Jeder Priester sollte einen Kleriker oder Scholaren bei sich ha- 
ben, der die Episteln und Lectionen lese, bei der Messe respon- 
dire und mit ihm die Psalmen singe. — Die Functionen bei Tau- 
fen und Leichen sollten unentgeltlich sein. — Das Weihwasser 
sollte alle Sonntage erneut werden. — Den Katechumenen sollte 
zur österlichen Zeit statt der Communion nur Salz und Wasser 
gereicht werden.*) 

5. Alle Uibertretungen mussten durch lange Kirchen- 
bussen gesühnt werden, die oft nur für eine einzige Sünde bis zu 
15 Jahren und selbst auf Lebenszeit sich erstreckte. ^) Die gänz- 
liche oder theilweise Lossprechung von diesen Kirchenbussen, die 
zugleich die wirkliche Sülmung der noch erübrigenden zeitlichen 
Strafen in sich schloss — der kirchliche Ab las s — wurde 
nur den Confessis et communicaUs *) (denen, die gebeichtet und 
kommunizirt hatten) gegen anderweitige bestimmte Busswerke er- 
theilt, — und zwar in dieser Zeit zumeist nur in Rom selbst, 
wohin der Büsser mit einem Geleitschreiben des Bischofs pilgern 
musste.^) Als höchste Strafe wurde die Excommunication 
verhängt. ^) Bei den kirchlichen Untersuchungen dieser Zeit be- 



1) Eöfler cone. jPrag. XI— XV. 

2) Ebend. XI— XV. 

3) Siehe die obigen Noten. 

*) So lautet der Eingang aller Ablassdecrete. 

^) Erben regest, p. 55 enthalten ein solches Geleitschreib eu des Bischofs 

Severus. 
^) S, die Statuten des Severus, 



173 

gegnen wir noch vielfach den Gottesgerichten.*) Die kirch- 
lichen Anordnungen dieser Zeit schliessen in würdiger Weise mit 
den bereits erwähnten Statuten des Bischofs Severus ab.-) 



§. 43. Die Schulen. 

Mit der Einführung des Christenthnms musste nothwendig 
auch das Institut der christlichen Schule unserem Vaterlande zu 
Theile werden. Von jeher hat die katholische Kirche den ihr ge- 
wordenen Auftrag ihres Stifters im weitesten Sinne erfasst und be- 
folgt: sie ward die Lehrerin der Welt, nicht bloss in Sachen 
des Heiles, sondern auch im irdischen W^issen. Als unser Vater- 
land seine Kinder der h. Kirche zuführte, war es anderwärts be- 
reits allgemeine Sitte, dass die Priester in Flecken und Dörfern 
für die kleinen Kinder der Gläubigen Schule hielten, ohne Bezah- 
lung dafür zu nehmen. ^) Ja dieselben hielten sich bereits an vie- 
len Orten geistliche oder weltliche Lehrgehülfen, welchen sie eine 
anständige Versorgung im geistlichen Hause verabreichten, — ge- 
wöhnlich dieselben Männer, welche bereits den kirchlichen Dienst 
des Messners und Organisten versahen. 

Es kann uns demnach nicht befremden, alsbald ausdrückliche 
Erwähnungen von blühenden Schulen bei den wichtigeren Gottes- 
häusern unseres Vaterlandes zu finden. Eine solche Schule treffen 
wir noch vor Errichtung des Bisthums bei der Kirche am Tein, 
im Schlosse zu Tetin, zu Budeö und in den vorzüglichen Orten 
des Landes. *) Alle dieselben übertraf damals an Bedeutung die 



•j Ebendaselbst. 

») S. §. 19. 

3) Yerordnung des Bischofs Theodulf von Orleans vom J. 885. Verordnung 
der Synode von Mainz vom J. 813, Verordnung des Königs Pipin v. J. 
762, — Verordnungen Karls des Grossen etc. Die diessfälHgen könig- 
lichen Verordnungen (capitularia) waren nur Veröffentlichungen der ge- 
legenheitlich der jährlichen Reichstage von den eben versammelten Bi- 
schöfen gefassten Synodalbeschlüsse. — Vgl. meinen Aufsatz über die 
Christi. Volksschule im Jahrbuche für Eltern und Erzieher 1855. S. 56—79. 

'*) Raphael Ungar; Gedanken von dem Zustande der Schulen und der lat. 
Literatur in Böhmen vor Errichtung der hohen Schule in Prag. S. 33 & 42. 



1Y4 

Schule in Biideö, welche Spytihnew I. zugleich mit der dortigen 
Kirche errichtet hatte und wo der h. Wenzel von seinem Lehrer 
Unego eine Bildung in der lateinischen und slawischen Literatur 
„gleich einem Priester" empfangen konnte. ^) Auch noch in späterer 
Zeit behauptete diese Schule einen hohen Ruhm und das böhmische 
Volk war hochherzig genug, im Jahre 1017 den durch hohe Ge- 
lehrsamkeit berühmten geistlichen Lehrer Horso von Budeö für die 
„bischöfliche Würde zu empfehlen. *) Es unterliegt kaum einem 
Zweifel, dass gleichzeitig mit Budec auch Leitmeritz, Melnik, Bilin, 
Saaz, Tetschen und andere alte Zupensitze im Umkreise der jetzi- 
gen Diözese von Leitmeritz ähnliche Schulen erhielten. Viele der- 
selben gingen in ihren Bemühungen ebenso wie die zu Budeö weit 
über die ersten Anfangsgründe des Wissens hinaus. 

2. Die Stiftung des Bisthums in Prag nöthigte zur Erweite- 
rung des Schulwesens. Nach den Capitularen Karls des Grossen, 
die durch die herrschende Metropolitanverfassung nachgehends auch 
Böhmen berührten, „mussten in jedem Bisthume (und in jedem 
Kloster) Schulen errichtet werden, in welchen die Söhne der Freien 
sowohl als der Leibeigenen die Sprachlehre, Ton- und Rechenkunst 
erlernen sollten." ^) Auch musste ja dem Bischöfe viel daran ge- 
legen sein, eine wissenschaftlich gebildete Klerisei unter seiner ei- 
genen Aufsicht heranbilden zu lassen. Der heilige Chrodegang von 
Metz hatte seine derartige Domschule dem von ihm ins Leben 
gerufenen Domcapitel, beziehungsweise dem Canonicus Scholasticus 
anvertraut. Seinem Beispiele folgten alle Bischöfe, — auch bereits 
der erste Bischof von Prag. Die am prager Capitel zu allen Zei- 
ten bestandene Würde des Scholasticus und die öftere ausdrück- 
liche Erwähnung der dort befindlichen Schülerschaft ist eine genü- 
gende Bürgschaft dafür. *) In ähnlicher Weise entstanden sofort 
ähnliche Schulen auch bei den Collegiatcap iteln des Landes, zu- 
nächst in Altbunzlau, Leitmeritz, Melnik und am Wy§ehrad. Da 
das prager Bisthum zur mainzer Metropolie gehörte, so ist wohl 



Vgl. S. 47 und 48. Faust. Prochaska: de lib. art. in Boh. fatis 50 etc. 

2) Hajek ad a. 1018. 

3) Cap. V. 788 bei Ungar 1. c. p. 31 u. 32. 

*) Ygl. Oosmas ad a. 1074. Cont. Cosmae ad a. 1248. Neplacho in Dobn. 
monum. IV. p. 111. etc. 



1Y5 



anzunehmen, class auch in den böhmischen Domschulen die vom 
Erzbischofe Wilegisis im J. 9Y6 zu Mainz eingeführte Schulordnung 
angenommen wurde.') Nach dieser wohnten die „canonischen 
Schüler" ohne Ausnahme im Hause des Scholasticus, der an seiner 
Seite noch einen Hülfslehrer (secundarius) und einen Schaffner ha- 
ben sollte. Diese Schüler wurden von eigens dazu bestimmten Prä- 
benden mit Kost und Kleidung versehen und leisteten dafür ent- 
sprechende Dienste beim kirchlichen Gesänge. Ohne Erlaubniss 
des Scholasticus durfte kein Schüler „unterrichtet und bestraft wer- 
den." Ausser den „canonischen Schülern" konnten immerhin auch 
Externisten dem Unterrichte beiwohnen. Der Scholasticus sollte 
in der Würde der nächste nach dem Dechant des Capitels und 
nöthigen Falls dessen Stellvertreter sein. Fremde Kleriker, die als 
Reisende die Stadt besuchten, sollten unter seiner Jurisdiction 
stehen. Zu seiner weitern Ausbildung durfte er allein sogar drei 
und mehrere Jahre lang vom Capitel ferne sein. ^) Selbstver- 
ständlich erstreckte sich der Unterricht über Alles, was dem Kle- 
riker und künftigen Priester zu wissen unentbehrlich war. 

3. Mit den Benedi ctinermönchen mussten nothwendig auch 
ihre Schulen nach Böhmen verpflanzt werden, und in ihren neuen 
Klöstern konnten sie nicht allzulange zurückbleiben hinter dem Lobe, 
das schon der unbekannte Biograph ' des Paderborner Bischofs 
Meinwerk, ein Schriftsteller des 11. Jahrhunderts den Schulen ihrer 
Klöster in Deutschland spendete. Dieser schreibt nämlich zunächst 
von ihrer Schule zu Paderborn : „Es blühten da Uibungen in vielen 
Arten der Wissenschaften und gutgeartete Knaben und Jünglinge 
wurden nach einer regelmässigen Lehrart unermüdet unterrichtet. 
Es gab da Tonkünstler, es zeichneten sich Dialektiker aus, Lehrer 
der Redekunst und vortreffliche Grammatiker. Die Lehrer der freien 
Künste bearbeiteten das Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) ; 
auch widmeten sie ihren ganzen Fleiss dem Quadrivimn (Rechen- 
kunst, Geometrie, Tonkunst, Sternkunde). Horaz w^ar da im Schwünge 
und der grosse Virgil, Crispus Salustius und der feine Statius. 



') Diese Scliulorclnung wurde auf einer Provinzialsynode zu Mainz am 28. 
April 976 beschlossen. 

3) Ungar 1. c. p. 24—28. 



176 

In der Schrift aber und in der Malerei (der Bücher) spricht ihrem 
Fleisse die Erfahrung vielfältiges Lob." ') Dass übrigens die böh- 
mischen Klöster des Ordens solche Schulen wirklich ebenfalls be- 
sassen, dafür bürgt ausser ihrer Regel auch noch die nachfolgeude 
Geschichte. Ihrem Beispiele folgten alsbald alle andern Ordens- 
vereine, die nach ihnen in unser Vaterland kamen. Während die 
eifrigen Mönche die männliche Jugend zur Wissenschaft leiteten, 
thaten auch die frommen Klosterfrauen ihr Möglichstes für eine 
erspriessliche Erziehung der Jungfrauen zumal aus den edleren 
Geschlechtern des Landes. 

4. Obgleich das Institut der Schule in unserem Vaterlande 
unter der sorgsamen Pflege der Kirche schon in dieser Zeit be- 
stens gedieh: so drängte doch der edle Wissensdurst so manchen 
einheimischen Jüngling in die Fremde, um dort zu den Füssen 
weltberühmter Lehrer eine noch tiefere Weisheit zu lernen. Schon 
der h. Adalbert weilte zu diesem Zwecke in seiner Jugend zu Mag- 
deburg. Seinem Beispiele folgten alsbald die Söhne des herzog- 
lichen Hauses und der besten Familien des Landes, Eben am 
Schlüsse der von uns geschilderten Zeit treffen wir den Prinzen 
Jaromir mit seinem Jugendfreunde, unserem ältesten Chronisten 
Cosmas, als Schüler an der berühmten Schule zu Lüttich. *) Die 
Gelehrsamkeit stand bereits hoch in Ehren. Bereits erschwang sich 
nur derjenige, welcher unter Allen der Gebildetste war, zu den 
höchsten Aemtern in der Kirche und im Staate. 



1) Ebendaselbst S. 43. 

*) Cosmas ad a. 1055, 1061, 1125. Illustr. Chronik von Böhmen I. 11. 



ZWEITE PERIODE, 



I. Zeitraum. 

Die Theilnahme des christlichen Böhmens an der kirchlichen Eefor- 

mation. 1068—1200. 

§. 44. Der Geist der neuen Zeit. 

1. Wir treten in einen neuen Zeitraum ein. Die Einführung 
der christlichen Lehre im Lande und im Leben der Böhmen ist 
bis auf wenige Üiberreste des alten Aberglaubens, die alsbald auch 
noch verschwinden, völlig vollendet. Unser Vaterland steht nun 
ebenbürtig unter den zahlreichen Gliedern des christlichen Staaten- 
kreises. Nothwendig wird es desshalb von der grossen Bewegung 
miterfasst, die eben damals mit wunderbarer Kraft alle Theile der 
christlichen Welt ergriff: es war diess eine Bew^egung zum Bessern, 
zum Idealen. 

Die Kirche Christi trauerte seit einiger Zeit tief über den 
unkirchlichen Geist ihrer Diener. Das Kaufen geistlicher Pfründen 
um Geld und Geldes werth {Simonie) und ein gänzliches Hintan- 
setzen des priesterlichen Cölibats waren die grossen Uibel, die 
damals die Mehrzahl des Klerus befleckten. Es war so geivorden 
in Folge der eigenthümlichen Verhältnisse früherer Zeit und des 
argen Missbrauchs, der sich derselben bemächtigt hatte. Die Do- 
tation geistlicher Aemter mit Grundbesitz hatte die Geistlichen 
fast durchgängig zu Lehensträgern weltlicher Herren gemacht, und 
diese hatten eben desshalb die Einführung jener ins geistliche Amt 

12 



178 

sich angeeignet. {Investitur.) Das war besonders in einer Zeit ge- 
schehen, da die päpstliche Gewalt zum Spielballe sich bekämpfender 
Parteien erniedrigt wenig nach Aussen zu wirken vermochte. Seit- 
dem aber gelangten nicht selten die Untauglichsten und Unwür- 
digsten, sogar Leute ohne alle geistliche Bildung zu den hohen und 
höchsten geistlichen Ehren, und diess zumeist durch schnöden 
Kauf. (Simonie.) Kein Wunder, dass nun selbst Beweibte in die 
kirchlichen Aemter sich eindrängten, ohne hiemit nach alter Sitte 
dem ehelichen Leben zu entsagen, während andere ganz offen dem 
sündhaften Concuhinate huldigten. Kein Wunder, wenn unter sol- 
chen Obern die alte kirchliche Zucht und Sitte sowohl im Säcu- 
lar- als im Klosterklerus immer weniger Beachtung fand. Kein 
Wunder auch, wenn bei dem täglich wachsenden Verderben der 
Geistlichkeit auch Rohheit und Laster aller Art in die Heerde der 
Gläubigen drangen. Dieses und nur dieses ist das finstere Mittel- 
alter, eine Zulassung der Vorsehung, um mitten unter den grössten 
menschlichen Gebrechen die Göttlichkeit der katholischen Kirche 
desto unwiderleglicher zu bewähren. 

2. Erhaben über diesen Gebrechen stand der grösste Mann 
jener Zeit, Gregor VIL, der Heilige. Zum Nachfolger des h. Pe- 
trus bestellt hielt er es für die Aufgabe seines Lebens und seines 
Amtes, eine Beformation des Klerus und der gesammten Christen- 
heit einzuleiten. ') Dazu galt es aber vor Allem, jene zwei all- 
gewaltigen Bande zu zerreissen, die den Klerus an die Welt, und 
die Bischöfe an die Fürsten fesselten, die Priesterehe und die 
durch Simonie befleckte weltliche Investitur. Das abgeschlossene 
enthaltsame Leben sollte bessere Priester bilden, und die freie ca- 
nonische Wahl geeignetere Oberhirten bestellen: diese und jene 
sollten dann vereint an der Veredlung der Christenheit arbeiten. 
Wo möglich sollte so allmälig das schönste Idear verwirklicht 
werden : nicht mehr die einzelnen Gläubigen bloss, und nicht mehr 
bloss die einzelnen Familien, ja auch selbst nicht mehr die ein- 
zelnen Staaten bloss sollten nach Innen und Aussen christlich sein ; 
sondern alle Reiche insgesammt sollten wie liebende Geschwister 
in eine grosse christliche StaatenfamiUe sich vereinen. Innerhalb 



') Epist. Gregorii VII. (I. 27. 28. 30, II. 1.45. III. 15. IV. 28 V. 5, 7. 10. 15. 
VII. 10. 23. VIII. 9. IX. 21 etc. 



179 

dieser sollte Pries terthmn und Köiiigthum einig sein und nach 
Einem streben, nach dem Frieden der Welt. ') Zu diesem Zwecke 
sollte über diese Familie die h. Kirche als gemeinsame Mutter 
Aller herrschen, und alle Glieder, auch Kaiser und Könige sollten 
ihrem Gebote als gute Christenldnder Folge leisten. ^) So sollte 
damals schon die Verheissung des göttlichen Stifters von einer 
Heerde und e i n e m Hirten sich erfüllen. Für wahr, ein hohes Ideal, 
würdig, das Zeitalter der Ideale — das helle Mittelalter — zu er- 
öffnen. Dem hohen Gedanken Gregors, den auch seine Nachfolger 
treu bewahrten, stellte sich erst in Heinrich IV. die rohe Gewalt, 
und später in dem grossen Hohenstaufen Friedrich I. ein anderes 
Ideal, das einer kaiserlichen Universalmonarchie, entgegen. Da 
rieben im langen Streite die entgegenstrebenden Pläne sich auf. 
Das aber war der Gewinn der neuen Zeit : die Freiheit der Kirche 
war gesichert, die Reformation war gelungen, die Menschheit hatte 
sich für Ideen begeistern gelernt. 

3. Die Hülle ist gebrochen: schöner als je entfaltet sich nun 
das segensvolle Leben der Kirche. Der christliche Heldensinn de- 
müthigt im Osten, Süden und Norden die kirchenfeindlichen Hei- 
den und bahnt dem h. Glauben nach allen Seiten hin neue Wege. 
Die christliche Frömmigkeit ruft neue Ordensvereine ins jugend- 
frische Leben und baut ihnen allerwärts die Stätten eines gottge- 
fälligen und weltbegiückenden Wirkens. Die christliche Wohlthä- 
tigkeit bietet allen Leidenden und Bedrängten nahe und fern eine 
ersehnte Zuflucht. Die christliche Wissenschaft gründet sich in 
zahlreichen Universitäten ihre sicheren Asyle. Die christliche 
Kunst strebt in wamdervoUen Domen himmelan. Selbst das gemeine 
Leben will durch Genossenschaften aller Art sich veredeln. So wird 
die neue Zeit zur Glanzperiode des Mittelalters. 

Unser Vaterland folgt Schritt für Schritt dem Geiste der 
neuen Zeit, erst widerstrebend, dann freudig und voll Hingebung. 
Wir betrachten hier zunächst die Zeit bis über die Mitte des 13. 
Jahrhunderts; es ist die Zeit der inneren Reformation unseres 
Vaterlandes, der allmälige Uibergang zu seinem goldenen Zeitalter. 



^)E%>ist. I. 24. 60. Vm. 21. 
2) E:pist. I. 19. 

12 



180 



§.45. Bischof Gebhard (Jaromir). 

1. Am 9. Dezember 106Y war der greise Bischof Severiis 
im Rufe der Heiligkeit aus diesem Leben geschieden. Schon in 
den Tagen des Herzogs Bfetislaw war die Nachfolge auf dem bi- 
schöflichen Stuhle dem jungen Prinzen Jaromir zugedacht und vom 
herzoglichen Vater zugesagt worden. Desshalb hatte dieser die 
eutsprechendan geistlichen Kenntnisse sich angeeignet, zuletzt an 
der damals hochberühmten Schule zu Lüttich, ohne aber eine ent- 
schiedene Neigung für den geistlichen Stand gewinnen zu können. 
Nach wie vor wollten ihm Waffen, Jagd und Spiel besser gefallen 
als Talar und Brevier. So erreichte ihn die Kunde vom frühzei- 
tigen Tode seines auf den Vater gefolgten ältesten Bruders Spy- 
^ihnew H. (f 28. Jan. 1061), und er beeilte sich sofort in die Hei- 
mat zu kommen, um bei der in Aussicht stehenden Länderverthei- 
lung statt des anzuhoffenden Bisthums lieber ein Theilfürstenthum 
zu gewinnen. Doch fügte er sich dem Zureden des älteren Bruders 
und nunmehrigen Herzogs Wratislaw IL und Hess sich nun sogar 
zur Versicherung seines Eintritts in den geistlichen Stand die Dia- 
konatsweihe ertheilen. Leider aber vergass er diese nur allzubald, 
üeberwältigt von dem alten Hange nach Waffen und Freiheit ent- 
floh er mit etlichen Freunden nach Polen und scheute sich sogar 
nicht, dort seine abenteuerliche Kriegslust durch Theilnahme an 
einem Kriege gegen sein eigenes Vaterland zu befriedigen.') Da 
starb eben der Bischof Severus. Kein Wunder, dass unter solchen 
Umständen Klerus und Fürst an nichts weniger, als an die Erhe- 
bung Jaromirs auf den Bischofsstuhl dachten. Der Wahllandtag 
wurde in Mitten des Heerlagers bei Dobenin (vielleicht Döberle 
bei Trautenau) gehalten, wo man eben zum Kampfe gegen die Po- 
len versammelt war. Hier rief Wratislaw den Propst Lanzo von 
Leitmeritz an seine Seite, allen bekannt als hochgebildet und in 
Sitte und Leben würdig der bischöflichen Ehre. Der Herzog fand 
kaum ein Ende des Lobes für diesen ausgezeichneten Priester, und 



'} Vgl. Palacky I. 298. 



181 

reichte ihm sodann — die Üebereinstimmung Aller voraussetzend — 
eigenhändig Ring und Stab, das erste Beispiel einer bischöflichen 
Investitur in Böhmen ohne Intervention des Kaisers. Doch da er- 
hoben sich die Freunde Jaromirs: vor Allen der Graf Kojata mid 
der Zapan Smil von Saaz, und mit ihnen die jüngeren Brüder des 
Herzogs, denen Alles an der Gewinnung eines bischöflichen Bun- 
desgenossen in der Opposition gegen ihren herzoglichen Bruder 
gelegen war. Man mahnte schreiend an die Zusage Bfetislaws, ver- 
lästerte den Lanzo als Fremdling und rief zu den Waffen. Wirk- 
lich liess sich die Mehrzahl der anwesenden Krieger durch die fa- 
natischen Reden der Unzufriedenen hinreissen und zog mit ihnen 
in ein festes Lager bei Opocno. Der Bürgerkrieg schien unver- 
meidlich. Da gab Wratislaw seinen Entschluss auf, — und Jaromir 
bestieg sofort den Bischofsitz unter dem Namen Gebhard. Am 30. 
Juni 1068 erhielt derselbe vom Kaiser Heinrich IV. zu Mainz die 
Investitur, und am 6. Juli vom mainzer Erzbischofe Siegfried die 

priesterliche und darauf die bischöfliche Weihe. ') 

2. Es begann eine traurige Zeit für unser Vaterland. Der 

nur allzu \veltlich gesinnte neue Bischof, in Streit und Feindschaft 
erhoben, ward nimmer dem Frieden hold. Ein Dorn im Auge war 
ihm schon gleich nach seinem Amtsantritte das neue, von seinem 
Vater 1063 errichtete mährische Bisthum zu Olmütz, in w^elchem 
er eben so sehr eine Beschränkung seiner Gewalt als eine Ver- 
kürzung seiner Einkünfte erblickte. Er klagte desshalb schon 1068 
gegen die herzogliche Kammer und gegen das neue Bisthum beim 
h. Stuhle in Rom, und als er von dort statt der gewünschten Hülfe 
ernste Ermahnungen erhielt ^), zog er gar mit bewaffnetem Gefolge 
nach Olmütz, und vergass sich soweit, seinen bischöflichen Gegner 
zu schmähen und körperlich zu misshandeln. Da sandte Herzog Wra- 
tislaw an Papst Alexander "IL den deutschen Priester Hagen zur 
Klage; und als dieser, wohl nicht ohne Wissen des Bischofs, von 
Räubern misshandelt und zur Rückkehr genöthigt wurde, schickte 
er eine zweite Gesandtschaft mit um so dringlicherer Beschwerde 
dahin. Indess hatte auch das Capitel von Olmütz seine Relation 



'J Cosmas etc. Vgl. Palacky I. 304 etc. Tomek G. P. I. 1 26. 
^) Vgl. Brief Alexanders II. dd. 1071 bei Erben regesta p. 58. 



182 

über das Vorgefallene nach Eom gesendet. ') In Folge dessen kam 
ein päpstlicher Legat, Namens Rudolph, mit voller Gewalt zu rich- 
ten und zu strafen, nach Prag, ^) und dieser sprach auf einer Syn- 
ode der geistlichen und weltlichem Grossen des Landes, auf der 
aber Gebhard unter Berufung auf seinen Metropoliten zu erschei- 
nen sich weigerte, den Kirchenbann gegen den unfriedlichen Bi- 
schof aus. ^) Als aber sofort der Klerus des Landes, noch viel 
fach in die Bande der Priesterehe verstrickt, und eben desshalb 
ein nach allen Seiten durchgreifendes Einschreiten des päpstlichen 
Legaten fürchtend, die Stolen zerriss, die Altäre entblösste und 
alle gottesdienstlichen Handlungen einstellte, ward die Strafe in 
die blosse Suspension vom bischöflichen Amte und Einstellung der 
bischöflichen Einkünfte gemildert. Gebhard floh ins Ausland. Der 
Bischof von Olmütz administrirte das prager Bisthum, Herzog 
Wratislaw hatte bereits die bischöflichen Besitzungen in Verwahrung 
genommen. *) 

Vergebens beklagte sich der mainzer Metropolit Siegfried 
über angebliche Umgehung seiner Metropolitanrechte bei dem (am 
22. Apr. 1073) neu erwählten Papste Gregor VII. ^) und bedrohte 
selbst den Herzog mit dem Banne. Er erlangte durch wiederholte 
Klagen nichts Weiteres, als einen ernsten Verweis des für sein hei- 
liges Amt begeisterten Vaters der Christenheit. °) Indess wurden 
zwei neue Legaten (Bernhard und Gregor ') nach Böhmen gesendet, 



') Vgl. Palacky I. SOG— 308. Akten in Erben regesta num, 139 und 140 
pag. 58. 

") Nacli Palacky I. 308 ist cliess der erste päpstliche Legat gewesen, dessen 
die bölim. Gescliichte erwähnt. Doch sagt späterhin Gregor VII. in einem 
Briefe an Herzog Wratislaw (dd. 8. Juli 1073, bei Erben pag. 58) aus- 
drücklich: es seien solche Legaten bisher nur selten in jene Gegenden 
gesendet worden, so dass einige alldort solche Sendung für etwas neues 
halten. 

3) Vgl. Palacky I. 308. 

*) Tomek Gesch. Prags I. 102. Joh. Marign. in monum. Boh. II. 273. 

5j Klage bei Erben reg. p. 60.- 

<^) Schreiben Gregors d. d. 18. März 1074. Erben reg. p. 62. Regesta Gregorii 

VII. in Palacky's „ital. Reise'' L epist. 60. 
7j Genannt im Schreiben Gregors an Wratislaw. Erben reg. p. 59. 



183 

tlieils zur Anbahnung einer Reformation des Klerus, theils um den 
Bischof neuerdings vor ihren Eichterstuhl zu rufen oder ihn nach 
Rom vorzuladen unter Androhung „des Schwertes des apostoli- 
schen Zornes bis zu seiner Vernichtung." ') Da unterwarf sich 
endlich der stolze Gebhard und entschloss sich, beim päpstlichen 
Stuhle selbst ein mildes Gericht zu suchen. Zum Zwecke der Reise 
wies ihm nun der Herzog auf Verlangen des Papstes die bischöf- 
lichen Einkünfte wieder zu ■■^) und Gebhard erschien am 13. April 
1074 demüthig vor der in der Salvatorskirche zu Rom versam- 
melten Synode. Dort bekannte er seine Schuld, unterzog sich der 
auferlegten Busse und kehrte dann ausgesöhnt mit der Kirche in 
seine Diöcese zurück. ^) Bischof Gebhard war durch die ernsten 
Erfahrungen der ersten Jahre seines bischöflichen Wirkens wenig 
gebessert worden. Nach wie vor liebte er den Streit. In Böhmen 
begann er alsbald seine vermeintlichen Gegner am Hofe seines her- 
zoglichen Bruders zu excommuniciren ; in Mähren usurpirte er die 
Güter des Bischofs von Olmütz. Neue Klagen von beiden Seiten 
zogen ihm noch im J. 1074 neue Zurechtweisungen des Papstes 
zu. *) Erst auf einer zweiten Synode zu Rom (2. März 1075) kam 
eine Th eilung der in Mähren gelegenen bischöflichen Güter und hie- 
durch der Friede zwischen Gebhard und dem olmützer Bischöfe 
zu Stande. 



§. 46. Die Theilnahme am Investiturstreite. 

]. Seit längerer Zeit schon hatten eifrige Päpste gegen die 
traurigen Gebrechen des Klerus geeifert. So hatte bereits Clemens IL 



') Brief Gregors an Herzog WratislaAv dcl. 8. Juli 1073 ; Regesta pp. Gre- 

gorii VII; in Palacky's ,,ital. Reise" I. epist, 17. 
') Briefe Gregors an Wratislaw und Gebhard, dd. 31. Jan. 1074, Erben 

reg. p. 61., — Regest. Gregorii VII. I. epist. 44. 
3) Brief Gregors an W. dd. 16. April 1074 meldet diese Aussöhnung und 

fordert die volle Restitution in die bischöfl. Eiulcimfte. Regesta Gregorii 

VlI. I. epist. 78. 
^) Epist. Gregorii VII. ad Gehhardum, Wratislmm et Joannem Olomuc. bei 

Erben reg. 64 & 65. 



184 

1047 auf einer Synode zu Rom die Simonie mit schweren Stra- 
fen bedroht, war aber bald darauf eine Beute des Todes geworden. ^) 
Nicht minder hatte Leo IX. (1048—1054) durch persönliche Eeisen, 
Missionen und Nationalconcilien gegen die Sittenlosigkeit und Si- 
monie des Klerus gestritten. ^) Auch Nicolaus IL hatte auf einer 
römischen Synode (1059) die schärfsten Verordnungen gegen die- 
selben Vergehen erlassen. ^) Zuletzt noch hatte auch Alexander IL 
durch eifrige Legaten allerorts eine gründliche Reformation der 
Geistlichkeit angestrebt. ^) 

2. Seit Leo IX. war es immer ein und derselbe grosse Geist 
gewesen, der die Nachfolger Petri zu so ernstem Vorgehen drängte : 
der demüthige, fromme, gottbegeisterte Cardinal Hildebrand. Endlich 
bestieg dieser selbst im J. 1073 den päpstlichen Stuhl. Nebst dem 
guten Willen seiner Vorgänger brachte er die eiserne Kraft mit 
in sein hohes Amt. So erneute er schon im J. 1074 die alten 
Cölibatsgesetze. Darauf verkündete 1075 eine Synode zu Rom der 
ganzen Welt: kein Kleriker könne sofort irgend eine geistliche 
Weihe und irgend ein geistliches Amt durch Simonie erlangen; 
keiner dürfe läugerhin ein so erlangtes Amt fortbehalten; kein 
unenthaltsamer Kleriker solle fortan einen Dienst des Altares ver- 
walten, und keiner, der nicht die strengste EhelosigJceit angelobe, 
dürfte hinfort zu einem solchen Dienste gelangen; niemand solle 
irgend ein geistliches Amt aus der Hand eines Laien (durch In- 
vestitur) annehmen, und wer eines so annehme, solle abgesetzt, 
und welcher Laie eines ertheile, solle aus der Kirchengemeinschaft 
ausgeschlossen werden; das christliche Volk solle keine geistlichen 
Functionen von Priestern annehmen, welche diese den Beschlüssen 
der heiligsten und ältesten Concilien entsprechenden Verordnungen 
übertreten. ^) Strenge Untersuchungen in Nähe und Ferne und un- 
nachsichtliche kirchliche Strafen folgten den Verordnungen auf dem 



') Vgl.. Alzog Kirclieng. S. 442. 

^) Vgl. ebend. S. 443; ebenso Voigt's Hilclebrancl S. 16. (cit. Wibertus vit, 

Leoiiis IT. c, 3.) 
3j Vgl. Alzog. S. 446. Die Beschlüsse s. in Coleti S. S. ConciHa XII. 50. 
4) Vgl. Alzog S. 448. Voigt 124, 176. 180, Palacky I. 308. Baron, annal. a. 

1076., Lanfranc. canon. epist. IV. in Oolleti coli. conc. XII. 202. 
5j Voigt Hildebrand S. 306, Alzog S. 517. Mansi coli conc. XX. 403 etc. 



185 

Fusse nach. So erfolgte der traurige Conflict mit dem deutschen 
Könige Heinrich IV. 

3. Me hatte ein Fürst die Simonie in ärgerlicherer Weise be- 
trieben, als eben jener durch Sittenlosigkeit , Grausamkeit, Cha- 
rakterlosigkeit und unkirchliche Gesinnung so traurig berühmte 
Heinrich. Nun drängten ihn die grossentheils von ihm erhobenen, 
jetzt aber mit Absetzung bedrohten Bischöfe und Aebte seines 
Reiches zum offenen Widerstände gegen den Papst. Als letzterer 
im Jänner 1076 wegen fortgesetzter Simonie und Investitur mit kirch- 
lichen Strafen drohte, antwortete Heinrich mit der unerhörten Scene 
einer Papstentsetzung auf einer Aftersynode zu Worms (24. Jan. 
1076). Da folgte die Strafe des Bannes. Mit der Absetzung in 
Deutschland bedroht (auf der Fürsten-Versammlung zu Tribur im 
Okt. 1076) löste der König wohl diesen Bann durch eine freiwil- 
lige Kirchenbusse zu Canossa, verhinderte aber den von den Für- 
sten gleichfalls geforderten auf einem deutschen Fürstentage zu 
fällenden päpstlichen Schiedsspruch betreffs unzähliger Klagen durch 
neue Feindseligkeiten gegen seine vermeintlichen Widersacher. Da 
erfolgte seine Absetzung von Seiten der deutschen Fürsten und 
die Wahl Rudolphs von Schwaben. (Nov. 1077.) Heinrich und sein 
Anhang dagegen eröffneten den Bürgerkrieg in Deutschland, und 
als Gregor endlich nach langem Abwarten für Rudolph sich ent- 
schied und den Heinrich neuerdings in Bann erklärte, schritten 
sie zur Wahl eines Gegenpapstes (Clemens III. 1080) und trugen, 
siegreich in Deutschland, ihre Waffen selbst nach Italien. (1081.) 
Rom fiel in ihre Hände (1083. 2. Juni). Clemens ward in die h. 
Stadt mit Gewalt eingeführt, Heinrich von diesem zum Kaiser ge- 
krönt, der h. Gregor starb in der Verbannung zu Salona am 25. 
Mai 1085. 

4. Noch 37 Jahre dauerte der traurige Kampf. Gregors Nach- 
folger traten mit Kraft und Ausdauer für die Verordnungen ihres 
grossen Vorfahren ein. Indess erlitt Heinrich IV. die erschütternde 
Strafe seines gleichsam vatermörderischen Treibens. Bekämpft, be- 
siegt, gefangen, entthront, fast mit Füssen getreten von seinem ei- 
genen Sohne Heinrich V. starb er im J. 1106 — unausgesöhnt mit 
der Kirche. Heinrich V. erneuerte noch zweimal den unglückse- 
ligen Streit mit Rom, sah sich aber endlich im J. 1122 genöthigt, 
in einem Concordate zu Worms die freie canonische Wahl zu geist- 



186 

liehen Aemtern zu gestatten, und die kaiserliche Investitur auf die 
Uiberreichung des Scepters an die Gewählten zu beschränken. Hie- 
mit hatte die Idee des h. Gregor gesiegt und war die Möglichkeit 
einer Reformation gesichert. 

§. 47. Fortsetzung. 

1. Unter den Anhängern Heinrichs IV. der mächtigste und 
zugleich der treueste war unser Herzog Wratislaw. Vordem war 
er ein treuer Verehrer des päpstlichen Stuhles gewesen, und war 
ebendesshalb 1073 mit dem ungewöhnlichen Ehrenschmucke der 
bischöflichen Mitra für sich und seine Erben beschenkt worden. ') 
Jetzt aber hatten ihn wahrscheinlich die Vorstellungen eines min- 
der kirchlich gesinnten Theiles des Klerus im Lande irre gemacht; 
mehr noch zog ihn die eben erhaltene Schenkung Meissens und 
der wendischen Ostmark (Lausitz), die er beide erst erobern sollte, zu 
Heinrich hin; am meisten drängte ihn das Verlangen, auch noch die 
Königskrone und die völlige Unabhängigkeit seines Reiches zu ge- 
winnen, ^) Um diesen Preis opferte er die Freundschaft mit Rom. 
Auch Bischof Gebhard war in Folge der vorhergegangenen Ereig- 
nisse dem Papste Gregor viel zu wenig zugethan, um jetzt nicht 
ebenfalls in die Reihe der erbitterten Gegner desselben zu treten. 
Uiberdiess hoffte auch er vom Anschluss an den gewaltthätigen 
Kaiser einen bedeutenden Gewinn, nämlich die gänzliche Aufhebung 
des ihm so sehr verhassten Bisthums in Olmütz. So wurden die 
beiden feindseligen Brüder zum erstenmale Freunde; eben dadurch 
aber verfiel unser Vaterland zum erstenmale in ein kirchliches 
Schisma. Dasselbe erhielt einen geeigneten Ausdruck in der er- 
neuten Begünstigung und Wiedereinführung der slawischen (g r i e- 
c h i s c h - s 1 a w i s c h e n) L i t u r g i e im Kloster S azawa. Diese hatte 
Wratislaw wohl als Prinz schon lieb gewonnen; um so theuerer 
waren ihm zur Zeit Spytihnews IL die verbannten slawischen Mönche 
als Mitgenosseu seines Exils geworden. Desshalb führte er als 
Herzog beide nach Böhmen zurück, und bemühte sich gewiss wie- 



i) ürkde. dd. 17. Dec. 1073 bei Erben p. 59. 
"} Vgl. Palacky I. 312—314. 



187 

derholt, und zuletzt im Jahre 1079 um ihre Anerkeiiiiuug von Sei- 
ten Roms. Freilich vergeblich, da die Päpste innerhalb ihres noch 
unbestrittenen Jurisdictionskreises nicht wohl dieselbe griechische 
Liturgie neu einführen lassen konnten, die soeben vor 2 Jahrze- 
henden durch den Abfall der gesammten griechischen Kirche 
scliismatisch geworden war. (1054.) So erklärte sich wohl von selbst 
das strenge Verbot Gregors VII. (2. Jäner 1080.) Wratislaw kehrte 
sich jetzt nicht mehr daran. Er behielt dem Papste zum Trotze 
seine slawischen Mönche , ohne aber ihre Liturgie im Lande 
weiter zu verbreiten. 

2. Vergeblich waren alle Ermahnungen des Papstes, den Um- 
gang mit Excommunicirten zu meiden. ') Wratislaw leistete dem 
gebannten Kaiser tapfere Kriegshilfe, erst in Deutschland gegen 
die Partei Rudolphs von Schwaben, und von 1081 an auch in Ita- 
lien gegen die Freunde Gregors, Böhmische Schaaren unter Wi- 
precht von Groitsch betheiligten sich 1082 sogar an der Belagerung 
Roms, und halfen die h. Stadt am 2. Juni 1083 gewaltsam erstür- 
men, leider nicht, ohne den Vorwurf arger Grausamkeit auf sich 
zu laden. Auch weiter noch und bis zur siegreichen Heimkehr 
Heinrichs nach Deutschland (1086) hielten die Krieger Wratislaws 
in den italienischen Kämpfen tapfer Stand. Dafür nun erlangte 
unser Herzog auf einer Fürstensynode zu Mainz (Ende April 1086) 
den lang gehofften Lohn, — den Königstitel und die Königskrone. 
Letztere setzte auf kaiserlichen Befehl der Erbischof Engelbert von 
Trier am 15. Juni desselben Jahres im Dom zu Prag auf Wrati- 
slaws Haupt. ^) Auch unser Bischof Gebhard, der ebenfalls die dem 
Bisthume eigenen Kriegsleute an die Seite Heinrichs gestellt hatte, 
erlangte das Ziel seines langen ungestümen Sehnens. Schon am 1 1. Juni 
1077 war er als der verlässigste von den geistlichen Freunden des 
Kaisers zum Kanzler des deutschen Reiches erhoben worden, eine 
Beförderung, die eben so sehr seinem Ehrgeize schmeichelte, als 
sie Gelegenheit zu neuen Verdiensten bot. Als nun sein Bruder 
die Königswürde empfing, ward er selbst gleichzeitig durch die 
Aufhebung des ihm so verhassten olmützer Bisthums und durch 



') E:pisi. Gregorii ad Wratislaum bei Erben 70. 
3j Vgl. Palacky I. 318 & 319 und A. ra. 



188 

die Wiederherstellung der ursprüngliclien Gränzen und Besitzungen 
seines Bisthums zufrieden, gestellt. Kaiser und Gegenpapst ver- 
bürgten ihm die neue Errungenschaft. ^) So standen die beiden 
Brüder auf dem Gipfel ihrer Wünsche; aber das unglückliche Va- 
terland trug zum erstenmale den Fluch des Abfalls vom wahren 
Oberhaupte der Kirche. 

3. Wratislaw wandte sich zuerst wieder dem rechtmässigen 
Papste zu (1088), jedoch ohne hiemit der Freundschaft mit Hein- 
rich gänzlich zu entsagen. Ursache dessen war schon die Weige- 
rung des Gegenpapstes, den vom Kaiser erhaltenen Königstitel 
sofort zu bestätigen. Um so günstigere Aufnahme fanden nun 
noch die beredten Ermahnungen des vorlängst aus Meissen ver- 
triebenen heiligen Bischofs Benno, der damals am Hofe Wratislaws 
sich aufhielt. So erfolgte die Versöhnung mit dem rechtmässigen 
Papste Victor IIL, — selbst um den Preis der von diesem gefor- 
derten Wiederaufrichtung des unerlaubter Weise aufgehobenen Bis- 
thums zu Olmütz. Eben diess aber entzweite in unserem Va- 
terlande Fürst und Bischof von Neuem. Letzteren zumal hatte 
schon lange die Zumutlmng verletzt, dem königlichen Bruder bei 
Gelegenheit öffentlicher Feierlichkeiten die Krone aufs Haupt zu 
setzen. Jetzt zum Aeussersten getrieben belegte er den König und 
sein Haus mit dem Interdicte. ^) In Folge dessen sollte den Be- 
troifenen aller Gottesdienst verwehrt, der Empfang aller Sacra- 
mente mit einziger Ausnahme des Todesfalls verweigert, und das 
kirchliche Begräbniss nur Geistlichen, Bettlern und Kindern bis 
zum 2. Jahre gestattet sein. Das ernste Schweigen der Glocken 
und die Art der Kleidertracht und Lebensweise sollten eine Zeit 
allgemeiner Busse und Trauer verkünden. Ob diesem bischöflichen 
Interdicte in unserem Vaterlande damals allgemeine Folge gegeben 
ward, ist sehr zu bezweifeln. Wahrscheinlich fand Wratislaw da- 
mals als Anhänger des rechten Papstes Priester genug im Lande, 
die das strenge Verbot des schismatischen Bischofs nicht achteten. 
Sicher ist, dass Gebhard sofort Böhmen verliess, in der Absicht, 
um sich zu seinem schismatischen Papste Clemens III, zu begeben. ^) 



'jScliannatj conciUa Germ. IIL 202, Urkunde bei Erben 73 & 74. Baibin u. Ä, 
3)Sandel 245. 
^} Cosmas. 



189 

Da fand er unterwegs am ungarischen Königshofe den Tod — ebenso 
im Exile, wie der von ihm verleugnete Papst Gregor. (26. Juni 
1089.^) Doch folgte ihm der Nachruhm ins Grab, dass er durch 
die ganze Zeit seiner geistlichen Regierung allezeit ein Freund der 
Armen gewesen sei. Insbesondere habe er in der h. Faste neben 
den strengen üibungen jener Zeit täglich vor und nach dem Psal- 
mengebete die vor der Kirche versammelten Presshaften mit Al- 
mosen betheilt und überdiess 40 Arme an einer öffentlichen Tafel 
gespeist. Ebenso habe er dürftige Kleriker die ganze h. Zeit hin- 
durch an seinen bischöflichen Hof gezogen. Auch habe er verord- 
net, dass nach seinem Tode noch die tägliche Speisung der 40 
Armen und eine zweimalige Bekleidung derselben alljährlich ein- 
gehalten werden sollte. ^) 

4. In anderer Weise, als Gebhard, und zwar früher noch, 
als sein kaiserlicher Freund, sollte auch Wratislaw für die Theil- 
nahme am unnatürlichen Kampfe gegen Gregor die zeitliche Strafe 
der gekränkten Vaterwürde fühlen. Der eigene Sohn Bfetislaw, 
beleidigt durch die offene Bevorzugung des königlichen Günstlings 
Zderad, vergriff sich zuerst an diesem und sammelte dann ein 
Heer zum Kampfe gegen den eigenen Vater. (1089.) Zwar folgte 
eine Scheinversöhnung ; aber gleich darauf zog der erbitterte Sohn 
zu Königgrätz alle Unzufriedenen des Landes an sich, um den 
Kampf desto mächtiger wieder aufzunehmen. Da vermittelte ein 
jüngerer Bruder Wratislaws eine neue Versöhnung und bewahrte 
dadurch das Vaterland vor dem Fluche eines vatermörderischen 
Krieges. Bretislaw zog sofort, der Verzeihung des Vaters miss- 
trauend, mit seinen Anhängern nach Ungarn. ^) Erst als Wra- 
tislaw am 14. Jäner 1092 auf einer Jagd durch einen unglückli- 
chen Sturz vom Pferde sein vielbewegtes Leben geendet hatte, 
kehrte Bfetislaw nach Böhmen zurück und nahm — nur als Her- 
zog — Besitz vom väterlichen Throne. 

Wratislaw hatte sich den Ehrennamen eines Wohlthäters der 



') Vgl. Palacky I. 321. 

2) Cosmas. Dieser Chronist zeigt sich als den "wärmsten Verehrer des Bi- 
schofs Gebhard. 
^) Vgl. Palacky 1. 325—328. 



190 

Kirchen, sowohl daheim als in der Fremde verdient. Am meisten 
rechtfertigte diesen Ruf die Stiftimg des CoUegiatstiftes Wysehrad, 
dessen wir später an geeigneter Stelle ausführlich gedenken werden. 

§. 48. Bischof Cosmas. 

1. Schon am 4. März 1090 war Cosmas von Klerus, Volk 
und Fürsten zum Nachfolger Gebhards erwählt worden, ähnlich 
seinem Vorgänger in der Mildthätigkeit gegen die Leidenden, dessen 
Gegensatz aber durch Demuth, Geduld und Versöhnlichkeit. ') Zwei 
Umstände vereinigten sich dennoch, die Weihe eines so würdigen 
Bischofs zu verzögern und dadurch unserem Vaterlande neue Ver- 
legenheiten zu bereiten. Noch hatte König Wratislaw die Wahl 
geleitet: da sollte nun der Gewählte allerdings dem rechtmässigen 
Papste Urban II. gehorchen, aber doch auch von Kaiser Heinrich 
IV. die vordem übliche Investitur erwerben. Letzteres nun verzögerte 
sich bis zum 4. Jäner 1092, an welchem Tage Cosmas zu Mantua Eing 
und Stab empfing. Da starb schon 10 Tage darauf König Wrati- 
slaw und sein Nachfolger Bfetislaw wandte sich wieder der Partei 
des Gegenpapstes Clemens zu. So war Böhmen neuerdings dem 
unglückseligen Schisma verfallen, und es war nicht zu wundern, 
dass nun der am rechtmässigen Papste hangende Metropolit von 
Mainz (Rudhart) unserem Cosmas die bischöfliche Weihe versagte. 
Böhmen aber entbehrte mit Schmerz so vieler dringenden Functionen 
eines Oberhirten. So nur war es möglich, dass ein unbekannter 
Abenteurer, der sich Bischof Ruprecht von Cavaillon (im südlichen 
Frankreich) nannte und angeblich von einer Wallfahrt aus dem 
gelobten Lande heimkehrte, allerwärts in unserem Vaterlande als 
ein höchst willkommener Gast begrüsst wurde und auf Verlangen 
Chrisam weihte, Kirchen consecrirte, Priester ordinirte und alle 
denkbaren Pontificalakte] verrichtete. Plötzlich aber war der bi- 
schöfliche Gast aus dem Lande verschwunden, und nun erst stellte 
sich sein Gebahren als ein frevelhafter Betrug heraus. Da mochte 
der Erzbischof von Mainz mit der Weihe unseres Cosmas nun nicht 
länger mehr zögern. Sie geschah au feiner Generalsynode des deut- 



'} Cosmas, 



191 

sehen Reichs am 12. März 1094.') Um den Betrug des falschen 
Ruprecht zu sühnen, ward verordnet: Alles solle nichtig sein, was 
er gethan, die Kirchen seien von Neuem zu consecriren, die Ge- 
tauften zwar nicht förmlich wiederzutaufen, wohl aber mit Chrisam 
neuerdings zu firmen ^), das Chrisam sei neu zu weihen, die Or- 
dinirten zwar nicht wieder zu ordiniren, doch aber unter die Or- 
dinanden zu stellen und durch blosse Auflegung der bischöflichen 
Hände mit der Segnung der Priesterweihe zu betheilen. ^) 

2. Bisschof Cosmas soll der Begründer der fortan üblichen 
jährlichen kirchlichen Hausvisitation gewesen sein. *) Sie war das 
Mittel und blieb das Denkmal der letzten und vollständigen Aus- 
rottung aller Uiberreste altheidnischer Gebräuche. Sicher ist, dass 
eben unter Bischof Cosmas der strenge Herzog Bretislaw IL dem 
Beispiele des h. Benno in Meissen folgend die noch übrigen heid- 
nischen Haine und Bäume völlig ausrottete, alle abergläubischen 
heidnischen Gebräuche und das herkömmliche Begraben in Wäl- 
dern und Feldern vollends einstellte, und Zauberer und Zeichen- 
deuter aus dem Lande verwies." ^) Bis hieher und nicht weiter 
opferten hin und wieder einige Bauern ins Geheim den Diasen, 
beteten zu ihren alten Hausgötzen (Skrety), und feierten aber- 
gläubische Todteiifeste (Tryzny) über den abgelegenen Gräbern der 
Ihrigen. Bis hieher und nicht weiter fand der alte Götzen cuU noch 
einige Nahrung von Rethra und Arcona, den heiligen Orten der 
Nordslawen her. ^) Da soll nun unser Bischof Cosmas das Seine 
zu solchen Erfolgen beigetragen haben, indem er[die Einrichtung ge- 
troffen habe, dass die Seelsorger jährlich einmal unter Absingung 
kirchlicher Hymnen die Wohnungen ihrer Kirchkinder besuchen 
und dort das h. Reliquienkreuz zum Kusse reichen mussten. Wer 
den Kuss verweigerte, sollte als Heide der Obrigkeit angezeigt wer- 
den. ^) Dieser Umzug fiel in die h. Weihnachtszeit, und wurde die 



') Marignolae chron. ad h. a. Vgl. Palacky I. 326 & 327, 337 & 338. 
^) Also fand damals die Firmung noch unmittelbar nach der Taufe statt. 
^) Marignola & Palacky 1. c. 

4) Paprocii Biäochus p. 94. & Bcdhini Epitome rer. Boh. 

5) Marginator Cosmae L. III. ad ann. 11Ö6. 
^) Adam Bremensis hist. eccl. Palacky I. 336. 



192 

Veranlassung des vorläufig bereits erwähnten Dreikönigsumganges 
aller folgenden Jahrhunderte.^) 

3. Ein beklagenswerthes Ereigniss trübte die letzten Lebens- 
jahre des Bischofs Cosmas. Damals hatte eben die Periode der 
Kreuzziige begonnen, jener zweihundertjährigen Heldenkämpfe hoch- 
begeisterter Christen des Abendlandes gegen die Christusfeindlichen 
Heiden, deren wir geeigneten Orts ausführlicher gedenken wollen. 
Im Jahre 1096 hatten mehr als eine Million Avillige Streiter in 
allen Ländern des Westens sich erhoben, um sofort den ersehnten 
Kampf zu beginnen. Leider waren die ersten Schaaren derselben 
ohne einsichtige Führer, aber um so reicher an blindem Eifer. 
Ein Schwärm solcher kam 1096 durch unser Vaterland. Hier hiel- 
ten sie die friedlichen Juden Prags für die ersten Feinde, die man 
vernichten müsse. Vergeblich suchte der greise Bischof die un- 
bändigen Eiferer zu besänftigen. Sie Hessen den armen Verfolgten 
nur die Wahl zwischen Taufe und Tod, und fragten nichts darnach, 
wie unchristlich es sei, in solcher Weise Christen zu machen. 
Kein Wunder, dass die gewaltsam Getauften nach dem Abzüge 
ihrer Bedränger wieder zu ihrem alten Glauben zurückkehren 
wollten, und dass die Eeicheren, um diess sicherer zu bewerkstel- 
ligen, sich anschickten, das Land zu verlassen. Da führte die 
erste Gewaltthat zu einer zweiten. Herzog Bf-etislaw liess den 
Wanderlustigen alle Barschaft abnehmen : nur arm, wie sie gekommen, 
sollten sie wieder von dannen ziehen. ^) 

4. Cosmas erlebte noch den Untergang der slaivischen Li- 
turgie im Kloster Sazawa. Nach dem Tode Wratislaws war der 
heftigste Zwiespalt unter den Bewohnern des Slawenklosters ent- 
brannt. Jahre lang hatte eine Partei der dortigen Mönche den 
Herzog Bretislaw mit den widersprechendsten Klagen und Beschul- 
digungen gegen den sonst in Beredsamkeit und Kunst ausgezeich- 
neten Abt Bozetech behelligt. Da entschloss sich der Herzog im 
Einverständnisse mit den Grossen des Landes zu Ende des Jahres 
1096, den streitsüchtigen Mönchen und ihrer Liturgie den Abschied 
zu geben. Schon am 3. Jäner 109Y zog eine lateinisch-liturgirende 
Kolonie aus Brewnow im Kloster Sazawa ein. Da wurden im un- 



') Vgl. §. 15. S. 55 Note 2. 
3) Vgl. Palacky I, 343. 



193 

gestümen Eifer des Reformireiis leider auch die gewiss werthvollen 
glagolitisch-slawischen Kirchenbücher vernichtet. ^) Die vertriebenen 
slawischen Mönche irrten sofort in der Fremde umher. Nur einige 
■wenige kamen reuig in ihr Kloster zurück und erlangten, ob- 
wohl unfähig zur Verrichtung des lateinischen Gottesdienstes und 
Chorgesanges, barmherzige Aufnahme und Verpflegung bis an ihr 
Ende. *) Bischof Cosmas starb am 10 Dezember 1098. ^) 

§. 49. Bischof Hermann. 

1. Auf Cosmas folgte nach langer Zeit wieder ein Deutscher 
im bischöflichen Amte, einer aus der Zahl der Hofkapläne des 
verstorbenen Königs Wratislaw, "•) den wohl die nahen Beziehungen 
Böhmens zu Heinrich IV. ins Land geführt hatten : Hermann, ge- 
bürtig von Utrecht, ^) ein Verwandter des heiligen Bischofs und 
Märtyrers Lambert ^)^ jetzt eben Canonicus von Prag imd Propst von 
Altbunzlau. ') Diesen hatte vor Allem der tapfere Wiprecht von 
Groitsch ^) empfohlen als einen Mann, „der immer standhaft dem 
(verstorbenen) Könige gedient, stets verlässig im Amte, treu in der 



1) Chron. Sazaviense ad a. 1097. Wenige zerstreute Reste jener Bücher fand 
1855 Prof. Const. Höfler, und es konnte daraus der Beweis hergestellt 
werden, dass der Ritus in Sazawa der graecoslawische mit glagolitischen 
Büchern gewesen sei. Ein anderes altslawisches Bruchstück, angeblich 
vom h. Prokop selbst, und zwar mit cyrillischer Schrift geschrieben, das 
sich nachmals im Besitze des Klosters Emmaus befand, und daselbst ei- 
nem Jüngern slawischen (glagolitischen) Evangeliencodex beigebunden 
wurde (dem n achmaligen französischen Krönung&codex zu Rheims, heraus- 
gegeben von Hanka), scheint wo anders her zu stammen und dürfte auch 
einer andern spätei'n Hand, als der des h. Prokop zuzuschreiben sein. Diess 
glaubte schon Kopitar (Proleg. c. 7 zu Silvestre's Evangelia slav.) Ebenso 
Miklosich und A. Vergl. auch Dr. Ginzel Slawenapostel S. 149 — 151 An- 
merkung, 

2) Vgl. Dr. ainzel ibid. 145 & 146. -- Chron. Sazav. ad a. 1097. 
3] Cosmas u. Andere. 

'*) Cosmas (Brief des Wiprecht von Groitsch an Bretislaw). Nach Dobnef annal. 

VI. 151 und Cosmas ad a. 1124. 
5) Nach Dobner Annal. VI. 151 u. Cosmas ad 1124. 
^) Marignolae Chron. edit: Dobn. mon. IL 275. 
') Bubna cätalog. capituli Prag. 
*) Wiprecht war durch seine Verdienste in Italien SchwiegerSQhn Wratislaws 

und Markgraf von Meissen und Lausitz geworden. 

13 



194 

Durcliführung der ihm aufgetragenen Gesandtschaften, keusch, nüch- 
tern, demüthig und bescheiden, nicht heftig, nicht ehrgeizig, nicht 
stolz, und was die erste Zierde eines Klerikers sei, vorzüglich ge- 
lehrt, und soweit überhaupt menschliche Einsicht reicht, bekannt 
als gut und vollkommen bis ins Kleinste, w^enn nicht etwa das Ein- 
zige ihm zum Nachtheile gereichen möchte, dass er — ein Fremder 
ist."') Diess letztere ward bei so ausgezeichneten Eigenschaften 
gern übersehen. Hermann wurde am letzten Februar 1099 ein- 
stimmig erwählt. Leider führten ihn die Verhältnisse jener Jahre 
sofort, dem Schisma in die Arme. Der Herzog, damals auf Hein- 
richs IV. Seite stehend, wünschte die so streng verpönte kaiser- 
liche Investitur und begleitete zu diesem Ende den neuen Bischof 
persönlich nach Eegensburg (April 1099). Doch war Hermann da- 
mals der Weihe nach erst Diakon. Darum bewarb er sich nach 
seiner Investitur zunächst um die Priesterweihe, die er in Gemein- 
schaft mit unserem Chronisten Cosmas in Gran vom dortigen Erz- 
bischofe Seraphin erhielt (11. Juni 1099). **) Die bischöfliche Con- 
secration konnte er, w'eil vom excommunicirten Kaiser investirt, 
nicht vom rechtmässigen Metropoliten Rudhart empfangen, zumal 
dieser eben damals als treuer Anhänger des rechtmässigen Papstes 
in Verbannung lebte. ^) So weihte ihn der gegenpäpstliche Legat 
Rupert am 8. April 1100 zu Mainz."*) Bretislaw überlebte diesen 
Act nur kurze Zeit. Er starb am 21. Dezember desselben Jahres 
in Folge eines Mordanfalls in den Waldungen von Bürglitz. Die 
Geschichte rühmt ihn als ersten Stifter der Kirche und vielleicht 
auch des Klosters (damals der Benedictiner) zu Leitomysl. ^) 

2. Bis hieher hatte das Erbfolgegesetz Bf etislaws I. gegolten : 
der älteste aller Pf emysliden folgte immer in der Herzogswürde 
über das gesammte Land. Nun aber hatte der zweite Bf etislaw 
diese Ordnung widerrechtlich umgestossen, und das Vaterland war 
sofort durch ein Menschenalter allen Schrecken des Bürgerkrieges 



Brief Wiprechts bei Cosmas. . 

2) Vgl. Palacky I. 345 und Andere. 

3) Job. Latomi catal. archiep. Mogunt. apud Menben Scriptores rer. germ. 
III. 491 und a. a. 0. 

^) Cösiftäs. ]?alacky I. 345. 
5) Dobner annal. VI. 41—45. 



195 

preisgegeben. Leider war vor Allen nnser Bischof Hermann schwach 
genug gewesen, dem Wunsche seines herzoglichen Gönners zu will- 
fahren: jetzt nach dessen Tode rief er gar selbst den unrechtmäs- 
sigen neuen Herzog, den nächsten Bruder Bfetislaws, Boi'iwoj H.^ 
ins Land und führte ihn — allerdings im Einverständnisse mit 
den Grossen des Landes — auf den Thron (1101). Er stand auch 
mit aller Macht fest zu ihm im folgenden Kampfe. Aber im J. 1107 
unterlag Bofiwoj seinem mehr berechtigten Gegner Swatopluk. Um 
den Preis von 10.000 Mark Silbers opferte auch der neue Kaiser 
Heinrich V. den letzten Freund seines unglücklichen Vaters. Da 
folgte nun für Bischof Hermann die Strafe des gethanen Unrechts. 
Erst flüchtig in Bamberg bei seinem h. Freunde Otto, dann — ^wohl 
nach demüthigenden Verhandlungen — heimgekehrt musste er es 
erleben, wie der neue Herzog zur Bezahlung des Kaisers Alles 
zusammenraffte, was in den Kirchen und auf den Altären an Gold 
und Silber glänzte. Zudem musste er noch aus dem Kirchenschatze 
70 Mark feinen Goldes beisteuern. Da seufzte das weite Land 
über die neue Bedrängniss, die so zu dem noch immer fortdauern- 
den Schisma sich gesellte. Aber bald sollte es über noch Schlim- 
meres erschrecken. Am 27. Oktober 1108 begann Swatopluk die 
blutige Ausrottung des mächtigen und zahlreichen Geschlechtes 
der Wrsowecen, die damals insbesondere über die ausgedehnten 
Zupanien von Leitmeritz und Saaz geboten. Nahe an 3000 Edle 
des Landes sollen bei dieser Gelegenheit dem grausamsten Tode 
verfallen sein. Da sank am 21. September 1109 der gewaltthätige 
Fürst selbst durch. Mörderhand. Von Neuem begann nun der Kampf 
um den Herzogsstuhl. Drei Brüder führen gegen einander das blu- 
tige Schwert, Wladislawl. wird (24. Dezbr. 1109) erst von Bori- 
woj IL, der nun wieder aus der Fremde heimgekehrt ist, verdrängt, 
in Kurzem aber durch den Kaiser wieder erhoben (1110), jedoch 
gegen Uiberlassung des Saazer Gebiets an den jüngsten Bruder 
Sobeslaw. Bald entbrennt wieder zwischen diesen beiden der Kampf, 
der mit Sobeslaws Entsetzung endet (1113). Im J. 1117" gelingt 
dem Bischöfe Hermann die Aussöhnung Wladislaws und Boiiwojs, 
so dass beide eine Zeit in Edelmuth wetteifern, indem jener dem 
Throne entsagt, dieser aber das nördliche Böhmen bis an die Elbe 
dem Bruder aufnöthigt. Aber im J. 1120 stehen sie schon wieder 

13* 



196 

kämpfend einander gegenüber. Da siegt endlich Wladislaw I. und 
behauptet das Beich bis an sein Ende (1125. ') 

3. In diesem traurigen Bürgerkriege war es kein Wunder, 
dass die sittlichen und kirchlichen Zustände Böhmens sich recht 
düster . gestalteten. „Alle Zügel des Stolzes, der Bosheit, der Hin- 
terlist, der Ungerechtigkeit und aller Laster wurden gelockert." ^) 
Da mussten denn wohl auch die Besitzungen der Kirche, auch ab- 
gesehen von der allgemeinen Plünderung unter Swatopluk, manches 
harte Unrecht dulden, und der sonst so brave Bischof konnte kaum 
anders, als „zusehen, schweigen und ertragen." ^) Aber auch in 
der Geistlichkeit konnte es zu solcher Zeit, wo Alles verwilderte, 
nicht besser werden. Das machte denn dem Bischöfe Hermann die 
letzten Stunden so schwer. Offen und unter heissen Thränen be- 
klagte er da die Schuld, die er an diesen Zuständen trage, viel- 
leicht auch das traurige Schisma, in dem er sein Leben verbracht 
hatte. ^) Das mochte ihn noch einigermassen trösten, dass er trotz 
der schlimmen Jahre doch die Stiftung einiger grossartiger kirch- 
licher Institute erlebt hatte. Es waren diess das Kloster Kladrau 
(1108 zumeist von Swatopluk gegründet), das CoUegiatstift Sadska 
(lllY durch Bofiwoj IL), das Kloster Wilimow (1120 durch den 
Grafen Wilhelm von Sulzbach, einen Verwandten der Gemahlin Wla- 
dislaws I.) und wohl auch das Kloster Postelberg (c. 1121). Hermann 
starb am 17. September 1122. ') 

§. 50. Bischof Meinharl. 

1. Nach dem Tode Hermanns bestieg wieder ein Deutscher 
den bischöflichen Stuhl Böhmens, Mein hart von Bamberg, wohl 
ein ehemaliger Mönch des Klosters zu Bamberg, wo er nachmals 
sein Jahrgedächtniss durch Ankauf des Dorfes Königsfeld stiftete, 
jedenfalls ein besonderer Freund des dortigen h. Bischofs Otto, *) 



') Vgl. Palacky I. 344—387. u. Andere. 

2) Bischof Hermanns Klage auf dem Sterbebette bei Cosmas. 

3) Ebendaselbst. 

■*) Diess verschweigt natürlich der in Hermanns Schuld mitverwickelte Cosmas. 
5j Vgl. Cosmas ad. a. 1122. Dpbner annal. VI. 155. Auf die erwähnten Stif- 
tungen kommen wir später ausführlicher zurück. 
^J Conradus Ursberg ad a. 1124. Vgl. Dobner annal. 173. 



197 

nun aber seit längerer Zeit der vertraute Kaplan unseres Herzogs 
Wladislaw und durch diesen Canonicus zu Prag und Propst des 
Collegiatcapitels von Altbunzlau. ') Er soll nach Erledigung des 
bischöflichen Stuhls von seinem herzoglichen Gönner ohne alle 
Wahl gegen die herkömmliche Sitte und Ordnung einfach zum 
Bischof ernannt worden sein; erst in Folge der Klagen von Seiten 
des Klerus und der Edlen des Landes habe Wladislaw die Erwäh- 
lung seines Lieblings durch Uiberredung durchgesetzt.^) Jedenfalls 
lassen die nachfolgenden Anfechtungen des Bischofs eine Unregel- 
mässigkeit seiner Erhebung vermuthen. Diese aber müssen unbe- 
deutend genug gewesen sein, so dass der mainzer Metropolit Adal- 
bert nach gepflogener Prüfung die Wahl bestätigen und dem Er- 
wählten die bischöfliche Weihe ertheilen konnte (1122), In dem- 
selben Jahre hatte übrigens das Concordat zu Worms (23. Septem- 
ber, also noch vor der Wahl Meinharts) den langen Streit der 
deutschen Kaiser mit der Kirche durch die Bestimmung geendet, 
dass fortan die Wahl der Bischöfe dem Klerus allein anheimge- 
stellt sei, dem Kaiser aber die Belehnung mit den Eegalien zu- 
kommen solle. Vielleicht bestand die Unregelmässigkeit bei der 
Erwählung Meinharts, ebenso wie bei der seines Nachfolgers, le- 
diglich in dem noch nicht beseitigten Einflüsse der Laien. ^) 

2. Herzog Wladislaw starb am 23. Mai 1125, nachdem er 
sich durch die fromme Vermittlung des Bischofs (und des heil. 
Otto von Bamberg) auf dem Sterbebette mit seinem aus der Ver- 
bannung zurückgekehrten Bruder Sobeslaw ausgesöhnt hatte. '^) Die- 
ser folgte nun in der Regierung nach, — ■ leider durch eine neue 
Verletzung des früheren Erbfolgegesetzes. Ebendesshalb ward unser 
Vaterland neuerdings in traurige Kämpfe verwickelt, in denen aber 
die Liebe des Volkes seinen aus der Schule des Unglücks her- 
vorgegangenen ausgezeichneten Fürsten kräftig vertheidigte. Damals 
sah die Ebene bei Kulm (im leitmeritzer Kreise) den schönsten der 
Siege. Kaiser Lothar und Herzog Otto von Olmütz kamen aus 
Meissen mit einem mächtigen Heere gezogen. Soböslaw rückte 



1} Kreibich tria memorabilia. MS. 
^) llajek ad h. a. 
3) Ygl. Palacky I. 388 u. 389. 
^) Cosmas ad a. 1125. 



198 

ihnen entgegen, voran die eben aufgefundene Fahne des h. Adal- 
bert auf dem Speere des h. Wenzel getragen. In jener Ebene 
trafen sich die kampflustigen Schaaren : es galt nach dem Aus- 
spruche Soböslaws, das Gottesgericht (bohusud) der offenen Feld- 
schlacht über Recht und Unrecht entscheiden zu lassen. Da fiel 
Otto von Olmütz im Kampfe, Lothar erlitt eine gänzliche Nieder- 
lage der Seinen und musste um Frieden bitten (18. Februar 1126). 
Der edle Sieger aber krönte seinen Sieg durch ein Freundschafts- 
bündniss mit dem Besiegten. ') Die spätere Zeit fand am Sieges- 
platze eine Kirche und Pfarre, — wohl auch einen Ort — Namens 
Bohusüdov (Gottesgerichtsort). Wahrscheinlich hatte der dankbare 
Sieger dieselben zum Gedächtniss des glorreichen Tages gegrün- 
det. ^) — Doch war durch jenen Sieg die Ruhe des Landes noch 
lange nicht gesichert. Soböslaw sah sich weiterhin noch genöthigt, 
die wiederholten Auflehnungen seiner unzufriedenen Vettern da- 
durch zu bändigen, dass er den Prinzen Bfetislaw (Sohn Bfeti- 
slaws IL) erst in Dohna, dann in Jaromöf und endlich im Schlosse 
zu Tetschen gefangen setzte und (1130) sogar blenden Hess. 
Ebenso musste er die Vettern Conrad IL von Znaim (1128) und 
Wratislaw von Brunn (1129) durch Kerker und Verbannung unschäd- 
lich machen.^) Bei einem neuen Aufstande im J. 1130 kam sogar auch 
Bischof Meinhart, der gewiss nichts anderes, als die Befreiung des 
jungen Bfetislaw wollte, in schweren Verdacht. 

3. Meinhart kehrte eben aus Jerusalem heim, wohin seit dem 
Jahre 1122 so viele böhmische Edlen als fromme Pilger gezogen 
waren. ^) Da empfing ihn im Vaterlande die schwere Anklage, Mit- 
anstifter der eben unterdrückten Verschwörung gewesen zu sein. 
Der Schein sprach gegen ihn; denn auf der bischöflichen Burg zu 



Contin. Gosmae a. a. 1126. Vgl. Palacky I. 394—401. 

^j Bohusudow als Pfarre genannt in libr. confirm. ad a. 1363 und 1414. Nach 
den Dezemregistern von 1384 gehörte es zum alten Dekanate von Bilin. 
Diess und der Widersprueh mit ziemlicli alten Traditionen über den 
Anfang Mariascheins lassen die Meinung Palacky's (Popis 55), dass Bohu- 
sudow das heutige Mariaschein selbst sei, zweifelhaft erscheinen. In 
diesem Falle hätte es wohl eben so, wie das anstossende Graupen zum al- 
ten Dekanate Aussig gehört. Wahrscheinlicher lag Bohusudow etwas ent- 
fernter von Graupen und näher gegen Teplitz hin. 

3) Vgl. Palacky I, 402. Contin. Gosmae ad h. a, (1128—1131.) 

4jVgl. Cosmas ad a. 1122, 1123, 1124. Contin. Cosmae ad a. 1130. 



199 

Ziiröinewes und sogar im Beisein des Bischofs sollte das Complott 
geschmiedet worden sein. Hier hätten vertraute Abgesandte des 
in Tetschen gefangenen Bfetislaw denen, die den Herzog Sobeslaw 
tödten würden, nichts geringeres als die Zupanien von Saaz oder 
Leitmeritz oder nach Belieben eines der 3 höchsten Hofämter 
des Landes verheissen. Bischof Meinhart selbst sollte den Für- 
stenmördern dieses Versprechen unter einem h. Eide geleistet 
haben. ') Solch' eine Schuld hatte man auf den noch abwesenden 
Bischof gewälzt. Obgleich die vielen Widersprüche der Verhand- 
lung und überdiess die angewandten Rechtsmittel diese Anklage 
hinlänglich verdächtigten-), so bot selbe doch so manchem Unzu- 
friedenen eine willkommene Gelegenheit, die Absetzung des von 
ihnen als fremden Eindringling angesehenen Bischofs in Anregung 
zu bringen. Sie klagten nun beim Metropoliten Adalbert in Mainz 
und ebenso beim Papste Innocenz H., der eben damals (1131) ei- 
nem Concile zu Lüttich beiwohnte. Unterdessen war Meinhart mit 
vielen Reliquien' und Geschenken des griechischen Kaisers heim- 
gekehrt. Da betheuerte er nun in Gegenwart seiner Ankläger und 
vor vielen Zeugen dem Herzoge und den versammelten Grossen 
des Landes mit einem h. Eide seine Unschuld. Ebenso reinigte er 
sich durch Abgesandte vor seinem Metropoliten und vor dem als 
Schiedsrichter beigeordneten h. Bischöfe Otto v. Bamberg von dem 
schweren Verdachte. So glaubwürdig erschien seine eidliche Be- 
theuerung, dass sofort die Bischöfe von Bamberg und Olmütz und 
sämmtliche Aebte des Landes vor Herzog und Volk gleichfalls 
seine Unschuld imter Niederlegung ihrer Stolen, deren sie fortan 
im Falle einer Unwahrheit nicht mehr würdig sein wollten, feier- 
lich beeideten. Nun reiste Meinhart selbst zum Concile nach 
Rheims und reinigte sich dort vor dem eben anwesenden Papste 
Innocentius IL durch dargebrachte Zeugnisse seines Metropoliten 
und sogar des Herzogs Soböslaw. Dennoch ruhten die Kläger, 
darunter einige Canonici von Prag, noch immer nicht. Sie brach- 
ten sofort ihre Klage nach Rom selbst. Da schickte Innocentius II 
einen Legaten zur Untersuchung nach Böhmen, der ebensowenig 
eine Schuld zu constatiren vermochte. Letztlich mag wohl der 



') Conf. Gosmae ad a. 1130. Vgl. Palacky I. 405 etc. 
'^j Palacky I. 404. 



200 

Erzbiscliof von Mainz die Klage geschlichtet haben. Me.inhart ver- 
söhnte sich mit seinen Anklägern und verzieh ihnen alles zuge- 
fügte Leid. Herzog und Bischof waren und blieben fortan in- 
nige Freunde. ') 

4. Bischof Meinhart überlebte den traurigen Prozess nicht 
lange. Er starb am 2. Juli 1134 zu Sekirkostel in Mähren, als 
er eben aus Ungarn heimkehren wollte, wohin er nach dem Wunsche 
Sobeslaws einen neugebornen Prinzen begleitet hatte, der dort in 
Gegenwart des zum Pathen gebetenen blinden Königs Bela ge- 
tauft worden war. -) Seine Zeit rühmte ihn als aufrichtigen Freund 
der Kleriker und Mönche ^) und als frommen Tröster der Armen 
und Fremdlinge.*) Die prager Kirche verdankt ihm die Stiftung 
von 5 neuen Präbenden. ^) 

§. 51. Johann I. und Silvester. 

1. Nach Meinharts Tode gab es der einheimischen Bewerber 
um die bischöfliche Würde bei Soböslaw und Kaiser Lothar gar 
viele. Freunde und Verwandte Hessen es auch an Fürbitten und 
selbst an Versprechungen nicht fehlen. Dem Allen aber gab So- 
böslaw kein Gehör, sondern er vereinigte sich mit dem eben da- 
zumal zum Feste des h. Wenzel in Prag versammelten Klerus, 
und zugleich mit dem Adel des Landes zur Wahl des dam,aligen Wy- 
äehrader Propstes Johannes. Dieser, aus einer edlen Familie des 
Landes entsprossen und von Hause aus in den nachmaligen Krei- 
sen von Königgräz und Bidzow reich begütert, ^) war bereits 50 
Jahre lang Priester und Canonicus, and seit 40 Jahren Dechant 
und später Propst des genannten Coliegiatstifts. In seiner äusse- 
ren Erscheinung ward er von keinem Andern übertroffen; untadel- 



') Contin. Cosmae ad a. 1131—1133 Dobneri annal. VI. 214. 217. 219. 225 ut 

226. — Palack^ I. 407 etc. 
^) Contin. Cosmae ad a. 1134. 
3) So gegen das Kloster Kladrau (Sulgerius in annal. Zwifalt. I. 85) und das 

Kloster in Bamberg (siehe oben). 
*) Monach. Sasav. bei Menken III. 1803. 

5) Fessina Phosphorus 532 cit. MS. Codex anniversariorum ecclesiae Pragensis. 
^) Vgl. die nachmalige Stiftung des Klosters Strahow und das Fragment der 

Stiftungsurkunde bei Tomek Gesch. Prags. 99. 



201 

haft iu seinen Sitten, gefällig in seinem Benehmen, freundlich und 
sanft gegen Jedermann war er der liebenswürdigste Greis und auch 
wirklich von Allen geliebt. Da setzte die hini-eissende Ansprache 
des Herzogs in der Versammlung des Klerus und der Edeln seine 
Erwählung zum Landesbischof e mit Leichtigkeit durch. (29. Septbr. 
1134.) ') Anfangs des neuen Jahres zog nun der Erwählte vorerst 
zum Kaiser Lothar nach Heidelberg, und empfing dort die Beleh- 
mmg mit den Regalien.'-') Am 19. April 1135 erhielt er in Mainz 
vom Erzbischofe Adalbert die bischöfliche Weihe. Heimgekehrt ins 
Vaterland ging er mit allem Eifer an die Hebung des vielfach ge- 
sunkenen kirchlichen Lebens. Ein vorzügliches Mittel hiezu ersah 
er in dem vor Kurzem erst (1120) im Thale Premontre bei Eheims 
vom h. Norbert gestifteten Orden der Praemonstratenser, der die 
Pflichten der Canoniker und der Mönche vereinigte. 

Schon im J. 1124 hatte die neue Stiftung des ehemaligen 
Caplans Heinrichs des V. und Domherrn von Köln die Bestätigung 
des päpstlichen Stuhles erhalten. Sie hatte sich seitdem in alle 
Länder ausgebreitet, obwohl der h. Stifter selbst im J. 1134 als 
Erzbischof von Magdeburg das Zeitliche gesegnet hatte. Bischof 
Johann lernte den neuen Orden im J. 1138 durch Heinrich Zdik, 
den Bischof von Olmütz kennen, der selbst ein Mitglied desselben 
geworden war. Sofort widmete er von seinem väterlichen Erbe 
bedeutende Gründe und Güter, insbesondere zwischen Königgräz 
und Hofic, zur Erbauung des ersten Praemonstratenserklosters 
Strahow, ^) dem bald ein zweites in Doxan und allmählich auch 
viele andere nachfolgten. Auch dachte er daran, den Glanz sei- 
ner alten Kathedrale zu erhöhen. In diesem Plane aber überraschte 
ihn der Tod. Er starb nach einem ömonatlichen Krankenlager als 
90j ähriger Greis am 8. August 1139, — der älteste aller Bischöfe 
in Böhmen, aufrichtig beweint vom Herzoge wie vom Klerus und 
Volke. *) 

') üont. Cosmae ad a. 1134. Crugerius ad 14. Juni, Hammer Schmidt gloria 

et majestas elccesiae Wiöehradensis. 
2; Monach. Samv. a. h. a. Dieser lässt aber die Belehnung noch durch Stab 

und Ring geschehen, offenbar unkundig des Eides, durch welchen Lothar 

diesem Rechte entsagt hatte. (Vgl, Dobner ann. VI. 238.) 
3) Hammerschmidt u. Crugerius 1. c, Palacky I. 413. Tomek Gesch. Prags I, 

99 cit. das Fragment der Stiftungsurkunde von Strahow. 
•*) Hammerschmidt 1. c. 



202 

2. Auf den Wunsch Sobeslaws wurde sofort (29. September 
1139) der Abt Silvester von Sazawa zum Bischöfe erwählt, „ein 
Mann geziert mit allen Tugenden. und mit edler Sitte, als Bewoh- 
ner dieser Erde bereits ohne Vorbehalt dem Himmel gehörig." *) 
Vor 2 Jahren erst war er mit dem Bischöfe Heinrich Zdik von 
Olmütz als demüthiger Pilger in Jerusalem gewesen. Einen fröm- 
meren Oberhirten hätte unser Vaterland nicht finden können. Da 
erkrankte plötzlich (17. Dezember 1139) der Herzog Soböslaw und 
starb am 14. Februar 1140. Er hatte geglaubt, die Thronfolge 
dadurch geordnet zu haben, dass er erst den Kaiser Conrad IH. 
auf dem Fürstentage zu Bamberg (22. Mai 1138) und dann die 
Edlen Böhmens auf einem Landtage zu Sadska (29. Juni 1138), 
letztere aber zum Theil durch strenge Befehle zur Anerkennung 
des Successionsrechtes seines kaum zwanzigjährigen Sohnes Wla- 
dislaw bewogen hatte. Jetzt aber — am 3. Tage nach Sobeslavs 
Ableben — vereinigten sich die Grossen des Landes mit Umge- 
hung des jungen Erben zur Wahl eines andern Wladislaw, des 
ältesten Sohnes Wladislaws I. (17. Februar 1140.) Da sah der 
noch nicht consecrirte Abt Silvester schwere Wolken über dem Va- 
terlande sich zusammenziehn. In seiner Bescheidenheit glaubte 
er sich zu schwach, in solcher Zeit dem bischöflichen Amte vor- 
stehen zu können. Er entsagte also seiner Wahl (17. Februar 1140) 
und zog sich in die Stille seiner friedlichen Abtei zurück.^) Hier 
starb er nachher , geliebt von seinen Brüdern und verehrt von 
allen, die ihm nahe gestanden waren, am 10. Februar 1161. ^) Weil 
er nicht zur bischöflichen Weihe gelangt war, wird er da und dort 
in der Reihe der Bischöfe nicht mitgezählt.'*) 

§.52. Bischof Otto und die Reformation. 

1. Schon wenige Tage nach der Entsagung Silvesters ward 
der neue Bischof Otto gewählt (23. Februar 1140). Angeblich 
aus dem edlen Stamme der nachmaligen Herren von Svabenic ^) 



*) MonacJi. Sazav. bei Menken III. 1806. 

2j Palacky I. 412. u. 416. Coutm. Cosmae ad h. a. Monach. Sazav. ibidem. 

3) Monach. Sazav. bei Menken III. 1806. 

4) So bei Pesina PbosphoruSj Kreibicb tria memorabilia und A. 

5) Kreibicli. MS. 



2oa 

entsprossen, Solm jenes Grafen Zderad, der am 11. Juli 1090 als 
Günstling Wratislaws IL vom Prinzen Bfetislaw ermordet worden 
war, und Bruder Letosla^YS, des Erbauers der Kirche am Zderas 
in Prag ^), war er erst Canonicus des prager Capitels und Propst 
zu Sadska, zuletzt Propst des prager Kathedralcapitels gewesen. ^) 
Er erhielt zunächst vom Kaiser Conrad III. die Belelmung mit den 
Regalien zu Mainz ^) und ebendaselbst am 25. Juni 1140 vomErz- 
bischofe Adalbert die, Bischofsweihe. *) 

Die traurige Zeit, welche Silvester geahnt hatte, liess leider 
nicht lange auf sich warten. Wohl hatte Conrad IIL keine weitern 
Schwierigkeiten gegen die Erhebung Wladislaws IL erhoben, zumal 
dieser eine Stiefschwester desselben als Gattin erwählte. Auch die 
herzoglichen Verwandten schienen im ersten Augenblicke keinen 
Kampf wagen zu wollen. Dafür aber verschworen sich schon im 
Jahre 1142 dieselben Grossen des Landes, die den neuen Herzog 
erhoben hatten. Statt des erwarteten Schwächlings hatten sie in 
diesem einen kräftigen Herrn kennen gelernt. Darum versuchten 
sie jetzt seine Entthronung und riefen desshalb die mährischen 
Fürsten ins Land. Wladislaw H. war schon nahe daran, Alles zu 
verlieren. Prag ward hart bedrängt. Feuerpfeile der Belagerer 
setzten Kirchen und Klöster in Brand. Schon lag der Dom von 
St. Veit mit seinen Schätzen in Asche, und auch das Kloster zu 
St. Georg war eine Beute der Flammen. Da brachte ein deutsches 
Heer unter der persönlichen Führung des Kaisers die ersehnte 
Hilfe. Ohne eine Schlacht zu wagen, zogen die Gegner Wladi- 
slaws nach Mähren zurück (7. Juni 1142). Erst im Jahre darauf 
zog ihnen Wladislaw nach und verheerte weit und breit das Land 
der Gegner, das seit der Verbannung des Olmützer Bischofs Hein- 
rich Zdik, des treuen Freundes Wladislaws, auch noch unter dem 
Fluche des kirchlichen Interdictes seufzte. Endlich folgte durch 
die mit seltener Umsicht und ausserordentlicher Beharrlichkeit ein- 
geleitete Vermittlung des päpstlichen Legaten Guido die Aussöh- 
nung aller Parteien und die Wiederherstellung des Friedens (1143 



') Bubna catal. cap. Prag. MS. 

") Contin, Cosmae ad h. a und Tomek Gesell. Prags I. 651. Bubna catalog. 

cap. Prag. MS. 
3) Kreibicli 1. c. MS. 
^) MonaGh. Sa^av. Menken HL 1803 ad a. 1140. 



204 

bis 1145). Iiidess war auch der zerstörte^Dom von St. Veit wie- 
der aus seinen Trümmern emporgestiegen, gleichsam als Symbol 
der nun folgenden Wiederherstellung des vielfach 
verfallenen kirchlichen Lebens im weiten Vater- 
lande. ') 

2. Spät genug — achtzig Jahre nach dem Mahnungsrufe des 
grossen Gregor — ward die geistliche Reformation Böhmens 
(und Mährens) durchgesetzt. Bischof Otto war fromm genug, sie 
ernstlich zu wollen und Herzog Wladislaw stark und willig, sie 
durchführen zu helfen. Dazu faad sich nun in Innocenz IL der eifrige 
Papst, der sie verlangte und in seinem Legaten Guido der rechte 
Mann, sie in Angriff zu nehmen. Was vor Allem Noth that, war 
die Zurückführung der Geistlichkeit unter das heilsame Gesetz des 
Cölibates. Unser Vaterland war in die Kirche Christi zu einer 
Zeit eingetreten, wo schlimme Verhältnisse vielseitig die gute Zucht 
früherer Jahrhunderte gelockert hatten: so hatte es jenen Klerus 
erhalten, der zu einem nicht unbeträchtlichen Theile bereits dem 
h. Bischöfe Adalbert gar viel zu schaffen gab. ^) Manches mochte 
durch den Feuereifer des heiligen Mannes besser geworden sein; 
aber es war ihm nicht gelungen, das Uebel mit seiner letzten Wur- 
zel zu beseitigen. So war es gekommen, dass im Jahre 1072 Papst 
Alexander IL seinen in Sachen des Bischofs Gebhard gesandten 
Legaten Rudolf zugleich anweisen musste, den Herzog Wratislaw 
zu vermögen, dass er die Geistlichkeit des Landes zur Beobach- 
tung der Cölibatgesetze anhalten wolle. ^) Damals aber hatte das 
unkirchliche Benehmen unseres Bischofs diese Bemühung fruchtlos 
gemacht. Nicht besser war es mit der Sendung der Legaten des 
grossen Papstes Gregor VII., Bernhard und Gregor, im Jahre 1073 
ergangen, obgleich diese mehrere Monate lang im Lande weilten. 
Sehen im Jahre darauf (io74) nahm der nachmalige Domdechant 
und Chronist Cosmas als Kleriker und Lehrer der prager Dom- 
schule eine edle Jungfrau Boztecha zum Weibe, und während doch 
in der Regel die verheiratheten Kleriker mit ihren Pfründen sich 
begnügten und von den höhern Weihen ferne blieben, erlangte er 



1) Vgl. Palacky I. 418-423. 

2) Vergl. §. 17. 

3) Nach Tomek Gesch. Prags T. 101. Auch geht diess aus dem Briefe Alexan- 
ders IL an Wratislaw d. d. 1071 (bei Erben p. 58) hervor. 



205 

uletzt 1099 ohne Anstand die Priesterweihe ^) — ein trauriges 
Zeichen, wie Avenig die Bemühungen der Legaten gefruchtet hat- 
ten. Seitdem aber hatten das unglückselige Schisma und die nach- 
folgenden Bürgerkriege jeden weiteren Fortschritt gehindert. 

Jetzt aber unter der kräftigen Eegierung Wladislaws und 
unter der frommen Verwaltung des Bischofs Otto sollte das grosse 
Werk gelingen. Der Cardinal Guido, selbst reich an Klugheit und 
Umsicht und von allen Seiten her kräftig unterstützt,") nöthigte 
alle verheiratheten Kleriker des Landes, entweder die Ehe zu ver- 
lassen oder ihre geistlichen Beneficien aufzugeben. Andere geist- 
liche Würdenträger, welche sich weigerten, sofort die Priesterweihe 
zu empfangen, wurden ohne Umstände ihrer Würden entsetzt. Eben 
so erging es allen denen, die der Simonie überwiesen wurden. 
Fortan sollte auch Niemand zum Priester geweiht werden ohne 
Anwartschaft auf ein bestimmtes kirchliches Beneficium. Auch 
sollte die Diöcese, in welcher die frühere Eintheilung in Plebanien 
(diese aber ohne bestimmte Begränzung) vielfach in Verfall und 
Verwirrung gekommen war, zur leichteren Vermeidung von Miss- 
bräuchen in genau begränzte Pfarrbezirke eingetheilt werden. Auf 
dem Fusse folgte die Ausführung der erlassenen Gebote nach. 
Unter Andern wurde der prager Dompropst Jurata entsetzt, weil 
er nicht Priester war und seine Ehefrau in eine Trennung nicht 
einwilligen wollte. Ebenso erging es dem Archidiacon Peter, der 
gar (nacheinander) drei Weiber geheiratet hatte und der Simonie 
schuldig war. Ein Gleiches widerfuhr dem Domherrn Sebastian, der 
die Priesterweihe nicht empfangen hatte und verehelicht war. Auch 
der Propst des Wisehrader Capitels, Hugo, verfiel als verheirate- 
ter Laie, und sein Capitular Heinrich als verehlichter Priester in die 
Strafe des Beneficienverlustes, letzterer sogar der Landesverweisung. 
Nicht minder streng verfuhr man in den Dekanien des Landes. ^) So 
musste wohl eine bessere Ordnung in die Kirche Böhmens wieder- 
kehren, wenn auch vorläufig nicht ohne manchen Eückfall, der 
späterhin eine abermalige strenge Sichtung nöthig machte. 



') Vgl. §.49. 1. illust, Chron. I. 11. 12. 

^) Insbesondere ward Wladislaws sowie seiner Gemahlin Eifer in der Refor- 
mation des Klerus dnrcli eine eigene Bulle Eugens III. belobt. — 

') Tomek Gesch. Prags I. 102 u. 103 Palacky I. 428. cit. Guidonis cardinalis 
literae in Dobrowsky: De sacerdötum in Bohemia coelibatu. 



206 

3. Eines der besten Mittel, die gute kirchliche Zucht im Lande 
zu befestigen, ersahen Bischof und Herzog und alle Freunde der 
Reformation in der Einführung eines neuen Ordens, dessen beson- 
derer Ruhm eben die strengste klösterliche Disciplin Avar. Dieser 
konnte eben so sehr durch Belehrung als durch sein Beispiel für 
die gute Sache wirken. Diess war der Orden der Cister- 
zienser. 

Schon 1098 war vom Abte Robert von Molesme ein Mönchs- 
verein zu Citeaux (Cistertium) in der Gegend von Dijon ge- 
stiftet worden, — eine neue Reformation des damals etwas er- 
schlafften Benedictiuerordens. Die Professen der neuen Regel sollten 
sich in Ausübung der strengsten Enthaltsamkeit, Verwerfung der Kir- 
chenpracbt, Unterwerfung unter den Diöcesanbischof, Entfernung von 
allen Geschäften ausserhalb des Klosters auszeichnen und äusser- 
lich durch ein weisses Kleid unterscheiden. Aber erst nach Roberts 
Tode (1108) erlangte der neue Orden eine grössere Bedeutung, als 
der h. Bernhard 1113 mit 30 Gefährten in denselben eintrat, im 
Jahre 1115 zu Clairvaux (Clara vallis) ein neues Kloster gründete 
und — erst 25 Jahre alt — Abt desselben wurde. Diese hohe 
Gestalt der Kirche, ein Friedensstifter zwischen Fürsten und Völ- 
kern, ein freimüthiger Eiferer gegen alle Missbräuche, ein weiser 
Rathgeber für Päpste und Fürsten, ein erleuchteter Lehrer der 
Kirche, ein untadelhafter Heiliger, — erwirkte 1119 die endgiltige 
Regelung der neuen Klosterordnung durch die „Carta caritatis" und 
sofort die Bestätigung des Papstes Paschalis IL, zugleich mit der 
Exemtion des Ordens von der bischöflichen Gewalt. ') So ward 
der h. Bernard der neue Stifter des Cisterzienserordens. 

Nach Böhmen kamen die neuen Ordensbrüder zunächst von 
Waldsassen, Eberach und Langheim in Franken. Sie bezogen seit 
1143 zunächst die Klöster Sedlec, Nepomuck und Plass. Wir kom- 
men auf diese Ansiedlungen, sowie auf die weitere Ausbreitung 
des neuen Ordens später wieder zurück. Unter seiner Regierung 
räumten auch die Benedictiner zu LeitomiSl ihr Ordenshaus den 
Prämonstratensern, 

4. Bischof Otto starb am 10. Juli 1148.'^) Kur acht Jahre 



') Vgl. Alzog 601 & 602. Sartori's Cistertium bistertium schreibt letzteres 

dem Papste Calixt IL zu (tom. I. 18 u. 19.) 
^) Contin. Cosmae ad h. a. Tomek G. P. I. 



207 

hatte er die bischöfli che Würde bekleidet; aber er konnte mit dem 
Bewusstsein ins Grab steigen, vollbracht zu haben, was ein ganzes 
vorangegangenes Jahrhundert nicht hatte vollbringen können. Die 
Nachwelt schuldet ihm den Ehrennamen — nicht allein des Wie- 
derherstellers der böhmischen Kathedrale, sondern auch des Refor- 
mators der böhmischen Kirche. 

§.53. Bischof Daniel I. 

Nach Otto's Tode bestieg den böhmischen Bischofssitz ein 
Mann, der die vollste Befähigung und den entschiedensten Muth 
besass, um tiefer als irgend einer seiner Vorgcänger und Nachfol- 
ger in die grossen Angelegenheiten der Kirche einzugreifen. Dazu 
seilte ihm auch ein fast zwanzigjähriges Wirken im bischöflichen 
Amte gegönnt sein. Da Hess sich wohl hoffen, dass durch einen 
solchen Nachfolger dem Reformationswerke des Vorgängers die 
Krone der schönsten Vollendung werde aufgesetzt werden. Aber 
es geschah leider das traurige Gegen theil; denn der neue Bischof 
wurde vor Allem ein eifriger Diener der weltlichen Fürsten und 
ein entschiedener und gefährlicher Gegner des römischen Stuhles. 

Es war Daniel, einer der edelsten Familien des Landes ent- 
sprossen'), Sohn des ehemaligen verheiratheten prager Canonicus 
Magnus-), ehemaliger Zögling der berühmten Hochschule zu Paris, 
bisher Propst des Domstifts zu Prag, "'j Er ward am 29. Juli 1148 
zum Nachfolger Ottos gewählt, von Kaiser Conrad III, mit den 
Regalien belehnt und am 31. Dezember desselben Jahres zu Mainz 
vom Erzbischofe Heinrich als Bischof consecrirt. *) 



') Diess beweist der Umstand, dass noch vor seiner Wahl zum Bischof, im 
J. 1146 sein Bruder Alexander als Gesandter an den die Standesunter- 
schiede so eifersüchtig beachtenden Hof von Constantinopel gesendet wurde. 
(Vincentius ad a. 1146.) 

2) Necrolog. hoem. seec. XII. in Monument. Boh. tom. II. Nach Hajek ad a. 
1148 soll er ein Sohn des Zdislaw von Lipa gewesen sein, gewiss un- 
richtig, da dieser Name erst später üblich wurde. Uiberdiess erscheint 
obige Quelle viel glaubwürdiger, obwohl Hajek vielleicht einer Tradition 
gefolgt sein mag, die unsern Daniel zu den Ahnen der spätem Herren 
von Lipa zählte. 

3j Gontin. Cosmae ad 1124 und urkundlich bei Erben reg. p. 109 ad ann. 
1144, Irrthümlich machte ihn Pelzel (I. 98) auch zum Propste von 'VVysehfad. 

■*) Bubna catal. capit. Prag u. A. Cont, Cosmae nennt das Jahr 1149. 



208 

2. Die ausgezeichnetsten Gaben und die seltensten Kenntnisse 
machten den neuen Bischof zum beständigen Eathgeber seines 
Herzogs, zum klügsten Diplomaten seiner Zeit, — nebenbei auch 
noch zu einem vorzüglichen Krieger. Vor Allen erwarb er sich 
reiche Verdienste um Herzog Wladislaw. Seit der Erhebung Fried- 
richs des Rothbarts auf den deutschen Königsthron (9. März 1152) 
erwuchsen unserem Landesherrn Verlegenheiten auf allen Seiten. 
Die täglich wachsende Spannung mit Friedrich drohte einen schlim- 
men Ausgang und ermuthigte überdiess die fehdelustigen Nach- 
barn, so dass um diese Zeit das Gebiet von Budisin für Böhmen verlo- 
ren ging. Im Lande selbst meldeten sich wieder die unzufriedenen 
Vettern und waren nahe daran, die Hilfe des deutschen Königs zu ge- 
winnen. Da gelang es der diplomatischen Kunst des Bischofs Daniel, 
einerseits die böhmischen Prinzen mit Wladislaw und anderseits 
diesen mit Friedrich Barbarossa zu befreunden (bis 1156). Höher 
als alle persönlichen Antipathien stand dem thatenlustigen Kaiser 
die Durchführung der Idee einer Universalmonarchie. Um den 
Preis einer wirksamen Unterstützung dieses Planes, zunächst in 
Polen und alsbald in Italien, erwarb Daniel sogar die kaiserliche 
Zusage der Königswürde für seinen Herzog und alle Nachfolger 
desselben (1156) und endlich unmittelbar vor dem Feldzuge nach 
Italien die wirkliche Ueberreichung der Königskrone an Wladi- 
slaw (Regensburg 18. Jänner 1158). ') 

Der italienische Krieg begann : Da -svurde unser Bischof auch 
noch der unentbehrliche Vertrauensmann des Kaisers. Noch im 
Jahre 1158 vermittelte er den Brescianern die Gnade Friedrichs. 
Von da an war er kaiserlicher Bevollmächtigter für Brescia, Man- 
tua, Verona, Cremona, Pavia, Parma, Piacenza, Reggio, Bologna, 
Modena, und betheiligte sich in hervorragender Weise an dem be- 
rühmten Reichstage auf den Roncalischen Feldern.^) 

3. Des Kaisers rücksichtslose Eigenmächtigkeit in kirchlichen 
Fragen, die nur zu sehr der ihm allezeit vorschwebenden Idee ei- 
ner kaiserlichen Universalherrschaft entsprach, hatte schon vordem 
einige Conflicte mit Rom herbeigeführt. Bei einem derselben war 
auch bereits unser Bischof Daniel betheiligt gewesen, nämlich bei 



1) Vgl Palacky I. 401—439. 

2) Dobner annal. VI 397. Cont. Cosmae ad 1159. 



209 

der auf kaiserlichen Befehl vorgenommenen eigenmächtigen Wahl 
eines neuen Erzbischofs von Magdeburg im Jahre 1152, wofür ihm 
ein strenger Verweis des Papstes Eugen zugekommen war. ') Seit- 
dem schien der Kaiser alle Vereinbarungen betreffs der geistlichen 
Investitur ignoriren und die Zeiten Heinrichs IV. zurückführen 
zu wollen, wenngleich unter der vorläufigen Garantie seines eige- 
nen biedern Charakters, Endlich im Jahre 1159 ging er gar daran, 
in Fragen der Papstwahl endgiltig entscheiden zu wollen. 

Als am 7. September 1159 Alexander III. mit absoluter Ma- 
jorität (mit 2 Dritttheilen der Stimmen) zur päpstlichen Würde er- 
wählt YForden war, erhob sich gegen ihn der Candidat der Minderheit 
(mit einem Dritttheil der Stimmen) Cardinal Octavianus als Ge- 
genpapst unter dem Namen Victor IV. Da nahm sich's der Kai- 
ser heraus, beide vor ein Concil zu laden, um zwischen ihnen eine 
Entscheidung fällen zu lassen, vor ein Concil zumal, das zumeist 
aus Freunden Victors bestand. Unser Bischof Daniel, seit langem 
schon in das Interesse Friedrichs verflochten, übernahm mit dem 
Bischof von Verden die seltsame Gesandtschaft an Alexander III. ^) 
Selbstverständlich leistete Alexander keine Folge. Diess führte 
Seitens des Kaisers und seiner Partei zur Anerkennung Victors IV. 
und so zu einem neuen fast 18jährigen Schisma, während sonst 
alle Welt Alexander III. als den rechtmässigen Papst verehrte. 
Dieser sah sich in die traurige Nothwendigkeit versetzt, auf einem 
grossen Concile zu Tours den Bann über Friedrich, und die Nich- 
tigkeit über alle kirchlichen Handlungen des Gegenpapstes und 
seiner Anbänger auszusprechen. Erst der Friede von Venedig 
(24. Juni 1177) endete die traurige Spaltung.^) Auch unser Bi- 
schof Daniel hatte sich auf der Aftersynode von Pavia (1160) für 
Victor erklärt und war somit dem Schisma verfallen. Er hatte 
sodann die Anerkennung des Gegenpapstes auch daheim im böh- 
mischen Vaterlande durchgesetzt und so auch dieses in die Kir- 
chenspaltung hineingezogen.'*) Selbst für die Schismatisirung des Kö- 



') Ebendas. VI. 341. 

') Cont. Cosmae ad 1159. 

3j Vgl. Höfler: Gesch. des Mittelalters IL 85—90. 

*) Nach Viucentii chron. Dobner I. 69. und Pulkava (III. 188.) leisteten Ca- 

pitel und Klerus 1161 und 1164 dem eben anwesenden schismatischea 

Erzbischofe Obedienz. 

14 



210 

nigs (Geisa IL) und des Landes von Ungarn war er als Legat des 
Gegenpapstes, jedoch diessmal ohne Erfolg, thätig gewesen. ') Von 
1166 an finden wir ihn wieder in Italien an Barbarossas Seite. 
Hier starb er am 9. August 1167 bei der Belagerung von Ancona 
an der Pest,*) — unausgesöhnt mit dem rechtmässigen Ober- 
haupte der Kirche. ^) Dagegen hatte das Domcapitel zu Prag 
— gewiss erst seit dem Abgange des Bischofs — sich wieder für 
Alexander III. erklärt und allmälig auch den König und mit die- 
sem das Land den Banden des Schisma's entrissen.*) Als jetzt 
die Kunde von Daniels Tode in die Heimat gelangte, wurde dem 
Abgeschiedenen auch hier die Wohlthat der kirchlichen Fürbitten 
und der üblichen Todtenofficien verweigert. Erst viele Jahre nach- 
her erklärte der Abt Gottschalk von Selau, der Abgestorbene habe 
ihn im Traume gebeten, dessen Wiederaufnahme in den Verband 
der Kirche durch seine Fürsprache zu erwirken. ^) Erst von da 
an hielt die prager Kirche sein Jahrgedächtniss. ") 

In seine Zeit fällt die Stiftung der Klöster Lunovic (1149), 
Neponmk (1153), des Johanniterpriorats in Prag (1156), ; Teplitz 
(1156) und Podlazic (11 5 6) und die Einführung der Prämonstratenser 
in Selau (1148). 

§. 54. Die Bischöfe Gotthart, Friedrich und Valentin. 

1. Nach dem Ableben Daniels gab sich die Königin Judith, 
die Tochter Ludwigs HL, Landgrafen von Thüringen, eine Frau 
von ungewöhnlichem, beinahe männlichem Geiste, alle nur mögliche 
Mühe, Männer ihres Vertrauens auf den bischöflichen Stuhl zu^ 
Prag zu befördern. Selbst der lateinischen Sprache mächtig und 
eine besondere Freundin der Gelehrsamkeit, mochte sie wohl nur 
Würdige begünstigen. So gelangte vorerst im J. 1169 nach einer 
Sedisvacanz von 6 Monaten') der Thüringer Prämonstratenser 



') Gonf. Gosmae irrig ad a. 1159. 

") Palacky I. 453. Dobn. mon. Boh. III. 38. 

3) Vgl. Pulkava bei Dobn. mon. IE. 191. 

4} Palacky I. 453. 

5) Ghron. Siloense in Monum. Boh. I. 79 & 80. Pulkava ibid. III. 191. 

") Cbronog. Süoens. 

'} Kapihorsky historia klästera Sedleckeho. 



211 

Gotthart, ein Verwandter der Königin, zur Bischofswürde. Der- 
selbe war vordem wahrscheinlich Canoniker des Klosters Strahow 
gewesen, vor Kurzem aber durch dieselbe Königin dem Kloster 
Sedlec als Abt aufgedrungen worden. Da aber die Mönche da- 
selbst die Annahme eines solchen Vorstehers standhaft verwei- 
gerten, so hatte jetzt Judith den König Wladislaw vermocht, ihm 
das erledigte Bisthum zu verschaffen. Doch kaum gewählt, starb 
Gotthart, auch Gotpold genannt, noch vor Erlangung der Bischofs- 
weihe am 10. März 1169.') 

2. Noch einmal machte Judith ihren Einlluss auf die Bischofs- 
wahl geltend, und so gelangte abermals einer ihrer Verwandten 
auf den Bischofsstuhl. Es war Friedrich, Sohn des Pfalzgrafen 
von Putelendorf, ehedem Canoniker des Prämonstratenserstifts zu 
Magdeburg, *) zuletzt aber ebenfalls Chorherr im Kloster Strahow 
zu Prag. ^) Von wem er die Bischofsweihe empfing, wird nicht er- 
wähnt. Sicher erhielt er sie nicht von seinem eigenen damals noch 
ins Schisma verwickelten Metropoliten, Christian von Mainz; denn 
Bischof Friedrich erfreute sich ausdrücklich des Ruhmes, nie durch 
das Schisma befleckt worden zu sein. *) Uibrigens aber war er 
in Böhmen als unkundig der slawischen Sprache wenig beliebt. 
Ihm zum Aerger soll sogar der Landtag des Jahres 1171 verord- 
net haben, dass fortan kein Ausländer mehr zu einer Prälatur 
des Königreichs befördert werden solle. ^) — . . 

Seit dem J. 1168 hatte die Freundschaft unseres Königs mit 
Kaiser Friedrich ziemlich aufgehört, — am meisten in Folge der 
Kränkungen, welche letzterer dem Erzstifte Salzburg und dem dor- 
tigen Erzbischofe Adalbert, einem Sohne unseres Königs (vor sei- 
ner Wahl zum Erzbischofe Propst von Melnik) zufügte. Eine Aus- 
söhnung beider Fürsten am 2. Februar 1170 erzeugte nur eine 
Freundschaft ohne Vertrauen und einen Frieden ohne Sicherheit. 
Da wurde der ohnehin durch Krankheiten geschwächte Wladislaw 



') Ohron. Siloens. et Necrolog. Doxan. Dort ist als Sterbejahr 1186 ange- 
setzt, offenbar aber das Jahr von Ostern bis Ostern gezählt. Tomek I. 650. 

-) Ohron. montis sereni et Contin. chron. Pegau. Aanales Bosovienses. 

3) Kreibich. 

*) Chron. Siloensis. 

5) Hajek ad ann. 1171. Dobner ann. VI. 469 verwirft dies als einen Lük- 
kenbüsser des Chronisten. 

14* 



212 

der Regierung müde. Er entsagte desshalb dem Throne zu Gun- 
sten seines Sohnes Friedrich (1173, der Tag ist unbekannt) und 
wollte nach einer 33jährigen Regierung den Rest seines Lebens 
in seiner Lieblingsschöpfung, im Kloster Strahow verleben. Die 
neuen Wirren aber, die seiner Entsagung folgten, vermochten den 
kranken Fürsten, auf das Landgut seiner Gattin, Merane in Thü- 
ringen zu ziehen, wo er am 18. Jäner 1174 selig im Herrn ver- 
schied. ^) 

Wladislaws Sohn Friedrich musste schon im J. 1173 dem da- 
maligen ältesten Pfemysliden Soböslaw IL, dem sogenannten Bau- 
ernfürsten, weichen. Vergeblich hatte Bischof Friedrich in Ge- 
meinschaft mit dem Grafen Witek zu wiederholten Malen persön- 
lich die kaiserliche Anerkennung für selben angesucht. Um den 
Preis treuer Hilfe in Italien gab Barbarossa die Belehnung (jetzt 
wieder mit der herzoglichen Würde) dem Sobeslaw. Nur 4 Jahre 
herrschte dieser über unser Vaterland ; aber durch die erneute Freund- 
schaft mit dem Kaiser und durch die neuerliche Theilnahme am schis- 
matischen Kampfe gegen Alexander III. wurden diese Jahre trotz aller 
Begünstigung des Landmanns Jahre kirchlicher Trauer. Es wird 
nicht erzählt, ob der neue Fürst sich irgendwie an dem Bischöfe als- 
Fürsprecher des verdrängten Friedrich gerächt habe: von einer 
Freundschaft gegen den allezeit zu Alexander III. haltenden Ober- 
hirten konnte aber gewiss keine Rede sein.^) Endlich sah sich 
Alexander gar genöthigt, über den Bauernfürsten wegen wiederhol 
ter unerhörter Verwüstung der Kirchen Niederösterreichs (gelegen- 
heitlich zweier im Interesse des Kaisers unternommener Kriegs- 
züge) die kirchliche Excommunication zu verhängen (Anfangs 1177). 
Da folgte bald darauf der Friede zu Venedig (24. Juni 1177) zwi- 
schen Alexander und Kaiser Friedrich, — und letzterer opferte 
seinen treuen Helfer. Nocii in Venedig belehnte er den 1173 ver- 
drängten Herzog Friedrich mit Böhmen, der aber erst 1179 nach 
blutigen Kämpfen Herr des böhmischen Thrones werden konnte. 
Der Bauernfürst starb bald darauf (29. Jänner 1180) als Flücht- 
ling. Bischof Friedrich aber war während des letzten Kampfes am 



ij Palacky I. 454—458. 
~) Chron. Siloeus. 



213 

31. Jänner 11T9 in die Ewigkeit hinübergegangen.') Er hatte zu- 
vor noch (1177) die Gründung eines Cisterzienserklosters zu Mün- 
chengrätz erlebt. 

3. Noch im Jahre 1179 gelangte neuerdings ein Thüringer 
und ebenfalls Chorherr ton Strahow, Valentin, auf den prager 
Bischofsstuhl, und zwar wieder durch die thätige Verwendung der 
Landesfürstin (jetzt Herzogin Elisabeth), und gegen den Willen der 
Mehrzahl des Capitels. -) Er war übrigens der hohen Würde nicht 
ganz unwerth. Man rühmte seine edle Geburt, seine sehr grosse 
Frömmigkeit und seine feine Sitte. Vor Allem aber empfahl ihn 
seine wahrhaft ehrwürdige Greisengestalt. '^) In seinem neuen Amte 
erwarb er sich wenigstens den ßuhm, keineswegs seine Verwandten 
bereichert zu haben, sondern ein grosser Wohlthäter der Kirchen, 
Hospitäler und Gefängnisse geworden zu sein. '^) Er starb bereits 
am "6. Februar 1182. ^) 

§. 55. Heinrich Bfetislaw und die Vollendung der geistlichen Refor- 
mation. 

1. Nach dem Tode des Bischofs Valentin trat der höhere 
Klerus (das Domcapitel, die Collegiatobern und Aebte) zur Wahl 
eines neuen Oberhirten zusammen. So war es seit einiger Zeit her — 
wohl nicht lange nach dem Wormser Concordate — in Böhmen Sitte 
geworden. Nunmehr erfolgte erst nachträglich die Zustimmung des 
Fürsten und die Acclamation des Volkes. Von einer Investitur durch 
den Kaiser ist nun auch keine Rede mehr: unser Landesfürst selbst 
ertheilte jetzt durch Darreichung des Scepters die Belehnung mit 
den Regalien. '^) Gewählt wurde diesmal (25. März 1182) der Prinz 
Heinrich Bfetislaw, ein Brudersohn des verstorbenen Königs 



') Vgl. Palacky I. 462—473. Tomek Gesch. Prags I. 148—150 u. 650. 

'^) Epitom. chron. Neplaclionis (mon. Boli, IV. 108.) Contin. Vincent, (mon. 
Boh. I. 92.) Bubna catal. capit. Prag. Pesina Phosph. Palacky I. 474. 

•■') Pelina Phosph. bericlitigt cUu'ch Bubna catal. cap. Prag. (Crugeriiis, Ham- 
merschmiclt.) 

*) Orugerius ad 14. Jimi. 

5) Palacky I. 474. Tomek I. 650. Dobn. mon. IH. 38. 

*") Chron. Gerlaci nennt diese Praxis; „electio cleri, principum assensus, Vo- 
tum universale" bereits eine alte Sitte. Vgl. auch Palacky I. 474. 



214 

Wladislaw IL Derselbe ^Yar damals ein nocli jugendlicher Diakon, 
aber — unter der frommen Zucht des Klosters Strahow erzogen % 
und bis vor Kurzem noch ein eifriger Schüler der pariser Univer- 
sität — war er nach der Meinung Aller der geeignetste Mann, 
um die in letzter Zeit wieder einmal recht traurig gewordenen 
Zustände der böhmischen Kirche zu heilen.^) So vertauschte er, 
durch völlig einstimmige Wahl berufen, die seit zwei Jahren von 
ihm besessene Propstei zu Wysehrad^) mit dem Bischofsstuhle. 
Die heiligen Weihen empfing er zu Mainz, und zwar vorerst die 
Priesterweihe am Samstage des Pfingstquatembers und Sonntags 
darauf die bischöfliche Consecratiou. Als Bischof erwarb er sich 
alsbald seltenen Ruhm. Gütig und gefällig gegen Jedermann ach- 
tete er Keinen gering und gab Jedem sein Eecht; selbst überaus 
massig war er die Gastfreundschaft selbst gegen die Fremden, ins- 
besondere gegen Geistliche ; er war nicht blos ein äusserlicher Be- 
kenner, sondern auch gewissenhafter Befolger eines keuschen Wan- 
dels; streng in seinen kanonischen Pflichten wagte er nicht die 
h. Messe zu lesen, ohne früher dem ersten besten Priester reu- 
müthig seine Sünden zu beichten.*) Eines so liebenswürdigen 
Oberhirten hatte sich unser Vaterland seit Langem nicht erfreut. 
2. Diesem fürstlichen Bischöfe hatte die Vorsehung auch noch 
die weltliche Herrschaft des Landes bestimmt, um durch ihn desto 
kräftiger und sicherer die Hand an das Werk der kirchli- 
chen Reformation legen zu lassen. Seit Heinrichs Wahl hatten in 
Böhmen innerhalb 10 Jahren vier Regenten den Herzogsstuhl inne 
gehabt. Herzog Friedrich, wiederholt der Entthronung nahe, war 
am 25. März 1189 in die Ewigkeit gegangen. Unter ihm hatte 
unser Bischof trotz des Wegfalls der kaiserlichen Investitur auf 
einem Reichstage zu Regensburg die förmliche Erklärung zum 
deutschen Reichsfürsten erhalten (1188). Als Herzog war 1189 
Conrad Otto von Mähren nachgefolgt; diesen aber hatte schon 
am 9. September 1191 bei der Belagerung von Neapel, wohin er 
bereitwillig den Kaiser Heinrich VI. begleitet hatte, der Tod ereilt. 



1) Kreibich. 

3) Chron. Siloensis. (Mon. Boh. I. 94.) 

3) Chron. Pulkavae, (Mon. Boh. IIL 196.) Tomek G. P. 656. Pesina phosph. 
und Andere. 

4) Chron. Siloens. (Mon. Boh. I. 94) 



215 

Nach ihm hatte sich der älteste Pfeinyslide Herzog Wenzel IL 
auf den Thron (Oktober 1191) geschwungen; aber er hatte an 
Pfemysl Otakar, dem Sohne Wladislaws IL, einen glücklichen 
Gegner gefunden, der zuletzt um den unter persönlicher Bürgschaft 
des Bischofs versprochenen Preis von 6000 Mark Silbers Anfangs 
1192 die kaiserliche Belelmung von Heinrich VI. empfangen hatte. 
Dieser Pfemysl aber, der später der Wiederhersteller der böhmi- 
schen Macht und Hoheit werden sollte, zeigte jetzt von allen sei- 
nen nachmaligen Vorzügen das gerade Gegentheil; er sollte letz- 
tere erst in der Schule des Unglückes lernen. Noch im Jahre 
1192 hatte er alles Vertrauen seines Landes durch seine gemeine 
und charakterlose Regierung eingebüsst und war überdiess den 
deutschen Fürsten und dem Kaiser selbst verhasst geworden. Er 
war schon daran, in die Reichsacht erklärt zu werden. Da wollte 
Bischof Heinrich — der nächste Pfemyslide — eben eine Wall- 
fahrt nach S. Jago in Spanien unternehmen. Der Kaiser hielt diess 
für Flucht seines Bürgen und fürchtete für die noch immer nicht 
bezahlten 6000 Mark. Darum nöthigte er den Bischof, nach Böh- 
men heimzukehren und zuletzt gar als Geisel 10 Monate lang den 
kaiserlichen Hof zu begleiten. Da wurden endlich Kaiser Und Bi- 
schof des Hinhaltens Otakars müde. Der Kaiser verzichtete auf 
seine Forderung und belehnte im August 1193 den Bischof selbst 
mit dem böhmischen Herzogthume. Heinrich Bfetislaw zog nun 
gegen Prag zurück. Bei Zdic (in der Nähe von Beraun) wollte 
ihm Pfemysl Widerstand leisten; aber schaarenweise gingen seine 
Leute zum Bischöfe über. Endlich fiel auch Prag nach einer län- 
geren Belagerung in die Hände des neuen Landesherrn (vor Weih- 
nachten 1193). ') Pfemysl soll nach Regensburg, geflohen sein, wo 
die Noth ihn gezwungen habe, unbekannt von harter Handarbeit 
zu leben. Er soll insbesondere bei einem Kirchenbaue geduldig 
den Karren mit Steinen gezogen und nur einen seiner Treuen als 
Genossen seiner Armuth und seines Schweisses um sich gehabt 
haben. ^) Jedenfalls ging er auf längere Zeit in die für ihn so 
segensreiche Schule der Trübsal. 



') Vgl. Palacky I. 475—489. Chron. Siloens. (Moa. Boli. I. 95. etc.) Gerlcaci 

chron. ^ibicl. 123.) Chron. Piükavae (Mon. Boli. III. 196. etc.) 
") Dubrav, fol. XC. 



216 

3. Heinrich Bfetislaw war nun Bischof und Herzog zugleich. 
Nachdem er zunächst seine Herrschaft gesichert hatte, wollte er 
seine Kräfte und sein Leben den beiden grossen Aufgaben jener 
Zeit weihen, — einem Kreuzzuge und der geistlichen Reformation. 
Vorerst nahm er in Gemeinschaft mit dem Kaiser und vielen Eeichs- 
fürsten auf dem Reichstage zu Worms (6. Dezember 1195) das 
Kreuz zur Befreiung Jerusalems aus der Macht der Erben Sala- 
dins. Doch die Ausführung dieses Unternehmens verzögerte sich 
erst durch die in Neapel gegen König Heinrich ausgebrochene 
Gährung und in Böhmen durch die Erkrankung des bischöflichen 
Herzogs. ') Um so entschiedener ging desshalb der letztere an 
sein zweites Werk, die eigentliche Aufgabe seines Lebens. Er 
vollendete die Reformation der böhmischen Kirche, die seit den 
Zeiten des eifrigen Bischofs Otto in Mitten neuer Welthändel und 
neuer Bürgerkriege wieder rückgängig geworden war. 

Am 11. März 1197 langte der Cardinallegat Peter a via lata 
in Prag an. In feierlicher Procession führte ihn der kranke Bi- 
schof an der Spitze der Klerisei in die Stadt ein. Er sollte zu- 
nächst im Auftrage des Papstes Cölestin JH. die Angelegenheit des 
stockenden Kreuzzugs fördern. Doch Hess er sich jetzt weit mehr 
für die Sache der Reformation gebrauchen. Am nächstfolgenden 
Quatembersamstage (22. März) fand eben im prager Dome die 
feierliche Priesterordination Statt, — diessmal durch den Bischof 
Engelbert von Olmütz. Zahlreich hatten sich die Kleriker der nie- 
dern Grade hiezu eingefunden. Wie vordem, so hatten auch jetzt 
gar viele derselben, zumal die aus den Adelsfamilien des Landes 
die besten Pfründen inne, deren etwaige seelsorgerliche Geschäfte 
sie durch arme priesterliche Vicare verrichten Hessen. Darneben 
hatten in einer Zeit, wo die Bischöfe theils ausser Landes weilten, 
theils wieder eines geringen Ansehens sich erfreuten, den kanoni- 
schen Vorschriften zum Trotze gar Manche keine Scheu getragen,. 
Ehen zu schliessen und solche in Aussicht zu stellen. Jetzt mel- 
deten sie sich ungeachtet dessen zur priesterlichen Weihe. Doch 
da forderte der anwesende Cardinallegat entschieden das Gelübde 
der Keuschheit. Darüber entstand^ ein förmlicher Aufstand der 
Ordinanden. Der Cardinal sah sich genöthigt, zu entfliehen, wollte 



') Gerlaci clirou. (Mon. I. 202.) Palacky I. 490. 



217 

er nicht unter der Wiith der mit Stüiilen und Bänken auf ihn los- 
stürmenden Kleriker eine Beute des Todes werden. Nun aberging 
der schon zum Tode erkrankte Bischof und Herzog an die Be- 
strafung der Frevler. Er sandte bewaffnete Kriegsleute in die 
ohnehin bereits entweihte Kirche und Hess die Aufrührer sämmt- 
lich verhaften. Sie büssten sofort theils im Kerker, theils im 
Exile ihre Schuld. Solche Strenge brachte alle üebrigen bald zur 
Besinnung. Nun hielt der Cardinallegat in bester Ordnung eine 
Synode, in welcher er mit hinreissender Beredsamkeit die Gesetze 
der Kirche den Anwesenden ans Herz legte. Auch wurde der kle- 
rikale Wandel einiger Angeklagten untersucht. Da folgten denn 
auch noch einige strenge Urtheile nach, unter Andern die Ab- 
setzung der Aebte von Bi'ewnow und Sazawa. Fast 8 Wochen ar- 
beitete der eifrige Legat theils im Namen des Papstes, theils in 
Vertretung des immer schwtächer werdenden Bischofs an dem Werke 
der geistlichen Erneuerung. ') Wo heiliger Eifer und entschiedene 
Kraft in solcher Weise, wie damals in unserem Vaterlande sich 
paarten, dort musste die grosse Aufgabe ihrer Vollendung zuge- 
führt werden. Böhmen hatte von nun an einen gebesserten Klerus 
und , erschwang sich leicht auf die glänzendste Höhe seiner reli- 
giösen Entwicklung. 

Da konnte der herzogliche Bischof getrost aus dem Leben 
scheiden. Als seine Krankheit sich immer mehr verschlimmerte, 
kehrte schon der verbannte Pi-emysl Otakar ins Land zurück und 
sammelte Anhänger für die Wiedererlangung der Herzogswürde. 
Um wenigstens ruhig sterben zu können, Hess sich Heinrich Bfe- 
tislaw nach Eger bringen, wo er einst als Geisel -des Kaisers ge- 
lebt hatte. Hier empfing er die heiHgen Sakramente der Sterben- 
den und entschlief unter den Gebeten und Thränen aller Anwesen- 
den am 15. Juni 1197. Un'ser Vaterland betrauerte ihn als „die 
goldene Blume Böhmens, die Zuflucht der Fürsten, die Zierde des 
Klerus, den Schützer der Orden, — als einen Bischof, Avie es nach 
dem h. Adalbert in diesem Lande keinen zweiten gab."-) Die Zeit 
dieses grossen Bischofs sah auch grossartige Ordensinstitute ins 



') Chron. Gerlaci. (mon.Boh. I. 124 et 125). Cliron. Boh. III. 202.) Diibiivius, 

Pelze! etc. 
-) Chron. Gerlaci (Mon. Boli. I. 126.) 



218 

Leben treten: das Kloster der Prämonstratenser zu Mühlliausen 
(1184), das der Grabwächter zu Zderas in Prag (1190), das Cister- 
zienserstift Ossegg (1196) und das Prämonstratenserkloster Tepl 
(1197). Am 28. September 1197 starb auch Kaiser Heinrich VI. 

§. 56. Böhmens Metropoliten in dieser Zeit. 

1. Siegfried (von Epstein), Abt zu Fulda, hatte am Feste 
der Erscheinung des Herrn 1060 den erzbischöflichen Stuhl zu 
Mainz in vollkommen rechtlicher Weise bestiegen. Er war als 
frommer, glaubenseifriger und sittenreiner Priester von jeher be- 
kannt. Aber schwach und nachgiebig wie er auch war, musste er 
in der nun folgenden höchst bewegten Zeit unaufhaltsam in die 
nächste und stärkste Strömung mit hineingerissen werden. 

Alsbald nach seiner Wahl unternahm er eine Wallfahrt nach 
Jerusalem und zwar in Gesellschaft vieler Bischöfe und Grossen 
des Reichs nnd einer Schaar von 7000 Pilgern (1064, 1065), welche 
letztere bis auf 2000 den Gewalthätigkeiten der Ungläubigen 
unterlagen. ') Siegfried selbst gründete nach seiner glücklichen 
Heimkehr ein neues ansehnliches Collegiatstift in Mainz (bei 
der Liebfrauenkirche, 1069) und das Kloster Hassuugen (1071) in 
Thüringen. Im Jahre 1066 gehörte Siegfried noch zu den in Tri- 
bur versammelten Fürsten, welche Heinrich IV. entweder zur Tren- 
nung von Adalbert v. Bremen oder zur Thronentsagung aufforder- 
ten. ~) Dagegen nahm er im Jahre 1069 keinen Anstand, auf einer 
Synode zu Mainz die ungesetzliche Ehescheidung zu Gunsten des 
Kaisers aussprechen zu wollen, was eben nur durch die unerwar- 
tete Ankunft eines päpstlichen Legaten (Petrus Damianus) hintan- 
gehalten wurde. ^) Diese Willfährigkeit und die unstatthafte Con- 
secration des simonistischen Bischofs Conrad von Constanz hatte 
eine Citation nach Rom zur Folge (1070). Im Jahre 1071 hielt er 
noch eine Synode zu Mainz (Entsetzung Conrads von Constanz) und 



'J Lambert v. Aschaffeuburg erzählt das interessante Detail dieser Pilgerfahrt. 

2) Damberger VI. 647. Lebensbeschreibung der Bisch- und Erzbischöfe 
auch Churfürsten zu Mainz, S. 20L 

3) Damberger VI 745. Lebensbeschreibung der Bisch, etc. 202. Schannat 
conc. Germ. IIL 153. etc. 



219 

pilgerte dann (1072) nach S. Jago di Compostella in Spanien. Auf 
der Rückreise hielt er sich im Kloster Clugn)'- auf und wollte dort 
als Ordensbruder eintreten, wenn ihn nicht Abgesandte von Mainz 
zur Rückkehr bewogen hätten. Indess hatte Papst Gregor YII. am 
14. März 10T4 auf einer Synode zu Rom die stiienge Verordnung 
erlassen, däss alle simonistischen Geistlichen sofort ihre Pfründen 
verlieren, alle Yerheiratheten und mit Unkeuschheit Befleckten aber 
vom Dienste des Altars entfernt werden sollten. ') Da versam- 
melte der heimgekehrte Siegfried die Diöcesansynode zu Erfurt 
und verkündete die päpstlichen Decrete. ^) Doch da zeigte sich 
schon wieder seine Schwäche. Das wilde Toben der Versammelten, 
die sich zumeist sehr viel vorzuwerfen hatten, bestimmte ihn erst 
zur^ Nachgiebigkeit, bald aber, als er sich durch die Flucht gesi- 
chert sah, zur Verhängung der schwersten kirchlichen Censuren. 
Dennoch ward zur Durchführung der Decrete so viel wie nichts 
gethan. Erst ein strenger Verweis des Papstes brachte den furcht- 
samen- Erzbischof dahin, eine neue Synode nach Mainz zu beru- 
fen (10Y5). Da erpresste das erneuerte Toben der Menge ihm so- 
gar das Versprechen, beweibte Geistliche in ihren Pfründen belas- 
sen zu wollen. Nun wurde Siegfried zum zweiten Male nach Rom 
citirt ; die Furcht vor dem Papste aber machte ihn zum Schismatiker. 
Als nämlich eben damals Kaiser Heinrich auf eine an ihn er- 
gangene Vorladung nach Rom (wegen Begünstigung der Simonie 
und Priesterehe uud wegen mauigfacher Klagen der Sachsen) durch 
eine Aftersynode zu Worms und durch die Absetzung des Papstes 
antwortete, da befand sich auch Siegfried unter den allzu willfäh- 
rigen Bischöfen und verfiel dadurch nebst andern in den Kirchen- 
bann.^) Noch dasselbe Jahr sah die Demüthigung Heinrichs zu Tri- 
bur — und auch Siegfried erflehte dort die Verzeihung des Pap- 
stes. *) Von da ab sehen wir den schwachen Mann sogar unter 
Heinrichs Gegnern. Im Jahre 1077 salbte er sogar in seiner Kathe- 
drale den Gegenkaiser Rudolf von Schwaben und blieb dessen An- 
hänger bis zur unglüklichen Schlacht bei Zeiz (15. Okt. 1080), in 
welcher Rudolph fiel, Siegfried aber in die Gefangenschaft Hein- 

1) Damberger VI. 818. Scliannat III. 184. (Encycl. Gregorii VII.) 
*) Schannat conc. Germ. III. 186. 

3) Damberger VI. 885, Lebensbesch. 207. 

4) Damberger VI. 866. etc 



220 

riclis gerietli. Er entkam (aus Worms) und krönte nun wieder auf 
der Flucht zu Goslar (1081) den neuen Gegenkaiser Hermann von 
Luxenburg. Ohne Aussicht, im Frieden wieder nach Mainz zurück- 
kehren zu können, zog er sich endlich im Jahre 1084 in das von 
ihm gestiftete Kloster Hassungen in Thüringen zurück, wo er noch 
im selben Jahre starb. ') 

2. Ihm folgte Wezilo (Wenzelinus), gelehrt und wohlberedt, 
leider aber befleckt durch simonistische Erschleichung der neuen 
Würde. So musste er vorerst ein Anhänger Heinrichs und des da- 
maligen Gegenpapstes werden. In der Osterwoche des Jahres 1185 ver- 
sammelten sich die Anhänger Gregors VII. zu einer Generalsynode in 
Quedlinburg, wo Wezilo als Eindringling erklärt und sein Anhang ex- 
communicirt, überdiess aber sehr heilsame kirchliche Anordnungen er- 
lassenwurden. ~) Wezilo antwortete darauf durch eine sogenannte Ge- 
neralsynode zu Mainz, auf welcher wieder auf kaiserlichen Befehl 
die Absetzung Gregors erneut und sein Anhang aller Pfründen und 
Würden verlustig erklärt wurde. Hier erhielt auch der Prager Bi- 
schof Gebhart die Jurisdiction über Mähren zurück.^) Auf einer 
zweiten derartigen Synode im Jahre 1086 erhielt auch Wratislaw 
von Böhmen die Königswürde. '*) Endlich ward aber auch Wezilo 
Heinrichs Gegner, angeblich in Folge der abscheulichen Laster und 
Ungerechtigkeiten, deren dieser verblendete Fürst sich schuldig machte. 
So starb er — ausgesöhnt mit der Kirche — schon im Jahre 1088. ^) 

3. Hut hart US, vordem Abt zn Erfurt, ward sofort — aber- 
mals durch kaiserliche Gunst — auf den Metropolitansitz zu Mainz 
erhoben, und verfiel so von selbst in das Schisma jener traurigen 
Zeit.^) Doch Heinrich IV. verlor um diese Zeit fast alle Freunde, 
die sich mehr und mehr seinem Sohne Heinrich V. zuwendeten. 
Auch Piuthard entsagte seinem unverbesserlichen Gönner; musste 
aber eben desshalhQ Jahre lang als Flüchtling in den Klöstern Thü- 
ringens (nach Andern im Schlosse Harzburg) sich verbergen. In 



') Damb. VI. 999. 1013. Hirschel Gesell, des Bistli. Mainz 45—50. Catalog. 

archpp. Mog. bei Menken 111. 485—489. 
'^) Scliannat cone. germ. III. 200. 
=») Ebend. 202. Damb. VI. 1065.. 

4) Damb. VII. 22. Palacky I. 318. 

5) Catal. arch. Mog. bei Menken IIT. 489. 490. 
^) Ebend. u. Herscliel etc. 



221 

seiner Abwesenheit hielt (1099) der schismatische Legat Rupert 
eine Aftersynode zu Mainz, auf welcher er Klerus und Volk vom 
Gehorsam gegen den Erzbischof entband und dem Prager Bischöfe 
Hermann die bischöfliche Consecration ertheilte. ') Dagegen hielt 
Euthart am 29. Juni 1105 eine grosse Provincialsynode zu Nord- 
hausen, welche nebst Erlassung einiger kirchlichen Anordnungen 
sich offen für den dort anwesenden Heinrich V. erklärte. ^) Letz- 
terer bemächtigte sich endlich im folgenden Jahre (1 106) der Stadt 
Mainz. Da kehrte Ruthard zu den Seinen zurück und weihte die 
noch übrige Zeit seines Lebens frommen Werken. Er starb im 
Jahre 1109 in dem von ihm selbst gestifteten Kloster S* Johann. ^) 

4. A d a 1 b e r t Graf von Saarbrück, Kaisers Heinrich V. Kanz- 
ler und vertrautester Rath, „der ruhinwürdigste aller Kanzler, die 
vor ihm am Kaiserhofe waren," *) wurde in Jahre Uli einhellig 
als Nachfolger Rutharts gewählt und sofort von seinem kaiserli- 
Gönner in der von Gregor VII. verbotenen Weise mit Ring und 
Stab investirt. Es war die Zeit, wo Heinrich V. den langen Streit 
mit dem päpstlichen Stuhle durch Gefangennehmung und zweijäh- 
rige harte Bedrängung des Papstes Paschalis beendigen wollte. Er 
hatte sich verrechnet ; denn der wieder in Freiheit gesetzte Papst 
erklärte auf Andringen einer im Lateran zu Rom gehaltenen Sy- 
node (18 — 23. März 1112) die ihm abgezwungenen Zugeständnisse 
für nichtig.^) 

Zur selben Zeit sah sich auch Erzbischof Adalbert genöthigt, 
entschieden gegen die Willkürlichkeiten des Kaisers auf kirchli- 
chem Gebiete und insbesondere im Mainzer Erzstifte selbst zu pro- 
testiren, und da er nicht gehört wurde, das kaiserliche Hoflager 
zu verlassen. Da überdiess Erzbischof Adalbert sich nun auch zur 
päpstlichen Seite hinneigte : so beschuldigte ihn Heinrich des Ein- 
verständnisses mit seinen Feinden (Dec. 1112) und setzte ihn auf 
die Reichsfestung Trifels gefangen. Drei Jahre schmachtete er dort 
in trauriger Haft, bis endlich die treuen Bürger von Mainz durch 



') Damb. VII. 414. Vgl. §. 49. 
3) Schannat IH. 248. 

3) Catal. arch. Mog. und Herschel 1. c. 

4) Annal. Sax. bei Damberger VII. 663. 

5) Damb. VII. 677. etc. 



222 



die förmliche Belagerung des eben dort anwesenden Kaisers das 
Gebot seiner Freigebiuig erzwangen. (1. Nov. 1115.) ^) 

Nun bemüMe sich Adalbert aiif das Ernsteste, den langen 
Investiturstreit zu vermitteln. An der Spitze mehrerer deutschen 
Bischöfe drang er in Zuschriften an den Papst Paschal auf eine 
Synodalentscheidung, welche auch wohl auf einem grossen Concil 
im Lateran (6—11. März) 1116 erlassen wurde. Dennoch verzö- 
gerte sich der Friede noch bis zum Jahre 1122. Das Concordat 
zu Worms (mit Calixt II. 23. Sept. 1122) stellte endlich fest: dass 
in Zukunft die Wahl und Consecration der geistlichen Würdenträ- 
ger frei vor sich gehen, die Investitur durch King und Stab hin- 
wegfallen, dagegen die Einführung des Gewählten in den Genuss der 
Regalien durch Darreichung des Scepters von Seiten des Kaisers 
geschehen sollte. ^) 

Von nun an weihte Erzbischof Adalbert seine Zeit und Kraft 
ungetheilt seinem kirchlichen Berufe. Vor allem nahm er die so 
dringend noth wendige Eeformation der Geistlichkeit in Angriff. Die 
Zeit des Kampfes hatte hier die manigfachen Gebrechen noch zahl- 
reicher und ärger gemacht. Nun galt es, dem Uebel für immer einen 
Damm zu setzen. Es igt die Zeit, wo die heiligen Bernard und Norbert 
im Klosterwesen ihre grossartigen Reformen begannen. Da versam- 
melte auch Erzbischof Adalbert seine Suffraganen und seinen Klerus 
um sich, um endlich die Gesetze über Simonie und Priesterehen zur 
Durchführung zu bringen. Es gelang ihm auch wohl auf den Synoden 
zu Mainz in den Jahren 1124, 1125, 1127, 1128 und 1131. ^) Mäch- 
tig wirkte auch hier die gleichzeitige Einführung der mustergeben- 
den Convente nach den Regeln von Cisterz und Praemonstrat (Ci- 
teaux und Premontre) in der Erzdiöcese. Erzbischof Adalbert selbst 
errichtete derartige Klöster zu Eberbach, Schwabenheim und Ringau. 
Endlich beschloss er am 22. Mai 1137 sein vielbewegtes Le- 
ben. *) Er war der erste wirkliche Churfürst von Mainz ; auf seine 
Veranstaltung hatte sich zuerst bei der Wahl des Kaisers Lothar 



') Darab. VII. 685. 763. 

2j Damb. VII. 869—871. 

^) Die speciellen Erlässe dieser Synoden (einige "Wahlstreitigkeiten ausge- 
nommen) sind nicht bekannt. 

'^) Catal. arch. Mog. Menken II. 495. etc., und Hirschel Gesch. des Bisthums 
Mainz 51 etc. 



223 

(1125) aus der Menge der deutschen Fürsten ein Churcollegium 
gebildet ') 

5. Ihm folgte im J. 1139 sein Neffe (oder Bruder?) des Na- 
mens Adalbert II. von Saarbrück, vordem Propst in Erfurt, er- 
wählt durch Klerus und Volk und mit voller Zustimmung des Kö- 
nigs Conrad III. -) Papst Innocenz IL berief ihn darauf nach Rom 
und beehrte ihn mit dem Titel eines apostolischen Legaten (1140). 
Er starb bereits am 17. Juli 1141. ^) 

6. Ihm folgte der bisherige Propst von Aschaffenburg Mar- 
culph, abermals frei von Klerus und Volk gewtählt. Er hatte kaum 
voll h, Eifers sein neues Amt angetreten, und die Herstellung des 
Friedens im Reiche (Conrad III. und die Weifen) sich zur Auf- 
gabe gemacht, da starb auch er — am '9. Juni 1142.'') 

7. Heinrich L (von Harburg), der bisherige Metropolitan- 
propst zu Mainz, wurde noch im Jahre 1142 zum Erzbischof da- 
selbst gewählt und geweiht. Schon am 19, und 20. März 1143 ver- 
sammelte er eine Provinzialsynode zu Mainz, wohl die erste wieder 
seit dem Tode Adalberts L Es galt da kirchliche Streitigkeiten 
zu schlichten, — gewiss aber auch die geistliche Reformation ernst- 
lich fortzusetzen.^) Im Jahre 1146 erhob sich in Mainz — wie auch 
in andern Städten Deutschlands — eine arge Judenverfolgung: da 
erhob sich der Erzbischof Heinrich als kräftiger Vertheidiger der 
Bedrängten. ^) Im Jahre 1147 stand er, als Kaiser Conrad mit 
einem Kreuzheere ins Morgenland gezogen war, an der Spitze 
der Vormundschaft seines unmündigen Sohnes.') Indess erhoben 
sich auch Klagen gegen ihn. Mildthätig wie er war, pflegte er mit 
Recht zu sagen: Als Domherr war ich reich, als Propst arm, als 
Bischof bin ich ein Bettler.^) War es nun wirklich die übertriebene 
Freigebigkeit, Avelche das Vermögen der Kirche zu gefährden schien, 



') Luden Gesch. des deutschen Volks X. 13. 

'-') Die Wahl soll doch nicht ganz in kanonischer Weise geschehen sein; ein 

diesfalls eingeleitete Process wurde aber aufgegeben. (Darab. VIII. 255.) 
3) Catal. Arch. Mog. Menken. 498—499. 

-1) Darab. VIII. 296. 302. Catal. Arch. Mog. Menken IIL 498 und 499. 
5) Damb. VIII. 812. Schannat III. 347. 
«) Damb. VIII. 428. Catal. Arch. ap. Menken. 
?) Damb. VIII. 439. 
8) Herschel 53, Ö4. 



224 



oder war diess nur der Vorwand, unter welchem man seine kano- 
nische Strenge vereiteln wollte: das Capitel zu Mainz klagte in 
Rom und erwirkte erst eine Citation des Erzbischofs (^1149) und 
als Heinrich dieser nicht nachkam, seine erzwungene Resignation 
(Pfingsten 1153). Er starb schon am 2. September desselben Jahres 
zu Eimbeck.') 

8. An seine Stelle ward der damalige Metropolitanpropst und 
kaiserliche Kanzler Arnold (von Seelenhofen) auf einer Versamm- 
lung zu Worms zum Erzbischof ernannt. Dieser hatte — obwohl 
als Vertheidiger nach Rom gesendet — am meisten zur Absetzung 
seines Vorgängers beigetragen. Diess und sein bekannter Geiz, so 
wie auch sein barsches Wesen gegen Untergebene machten ihn 
wohl schon im Vorhinein sehr missliebig. Dazu kam , dass er sich 
als blinder Anhänger Friedrichs gegen den neuen Papst Alexander III. 
und somit für das Schisma erklärte. Diess alles wirkte zusam- 
men, um den neuen Metropoliten in Mainz aufs Ärgste verhasst 
zu machen. Sein kaiserlicher Gönner hatte eben vollauf in Italien 
zu thun. Da kam es (1159) in Mainz zum offenen Aufrühre wider 
ihn. Der Erzbischof musste flüchten. Der Dom ward vom stürmen- 
den Pöbel der grössten Kostbarkeiten und Kunstwerke beraubt. 
Auf kaiserlichen Befehl mussten zwar die Mainzer dafür schwere 
Busse thun. Als aber der Erzbischof selbst zurückkehren wollte, 
erhob sich der Aufstand von Neuem (1160). Pöbelmassen zogen 
dem Verhassten entgegen, belagerten ihn in seinem eilig erwählten 
Zufluchtsorte, dem Kloster S. Jakob in der Nähe der Stadt, setzten 
das Haus in Flammen und ermordeten den unglücklichen Oberhir- 
ten (24. Juni 1160). ^) 

9. Als die Besinnung zurückkehrte und mit ihr die Furcht, 
wurde von den Aufrührern eine — wie sie hofften — den Kaiser be- 
sänftigende Wahl vorgenommen. Man erwählte den kaiserlichen Vetter 
Rudolph von Zähringen. Indess versammelte sich zu Er- 
furt auf Befehl des in Italien abwesenden Kaisers ein Fürsten- 
tag (25. Juli 1160), der die Bischofsmörder in Acht und Bann er- 
klärte und die Wahl Rudolphs verwarf. Dann erwählten die mainzi- 



1) Damb. VIII. 483. 539. Herschel 54. 
■■*) Vgl. Herschel. S. 54—57. Damb. VIII. 706-707. 



225 

sehen Suffragane ') auf einer Versammlung zu Franldurt (1. Nov. 
1160) den kaiserlichen Vicekanzler und Merseburger Propst Chri- 
stian von Buch zum Metropoliten,") Friedrich bestätigte aber 
weder Rudolph noch Christian, sondern verlangte die Einsetzung 
Conrads von Witteisbach, der bisher Canonicus in Salzburg 
gewesen war. Schon hatte man sich allseitig (im J. 1162) zur An- 
erkennung des vom Kaiser gewünschten Erzbischofs geeinigt. Nichts 
destoweniger zog im J. 1163 der noch immer zürnende Kaiser zur 
Bestrafung der Stadt heran. Die Schuldigsten flohen, ein einziger 
Rädelsführer erlitt die Todesstrafe; die Stadt Mainz aber musste 
ihre Mauern niederbrechen und verlor auf 37 Jahre alle ihre 
Freiheiten. ^) 

Erzbischof Conrad, obwohl durch kaiserlichen Einfluss auf den 
erzbischöflichen Stuhl erhoben, weigerte sich entschieden, ein An- 
hänger des traurigen Schismas zu werden, welches Friedrich ins 
Leben gerufen hatte. Zwar musste er, ohne noch geweiht zu sein, 
dem kaiserlichen Herrn nach Italien folgen. Hier aber mied er 
jeden Verkehr mit dem Gegenpapste und als in Folge dessen die 
Spannung mit dem Kaiser und seinen Rathgebern immer stärker 
wurde, floh er aus dem kaiserlichen Hoflager (Dec. 1163). Nach 
kurzem unsicherem Aufenthalte in Deutschland ging er (Jan. 1165) 
nach Frankreich zu dem dahin geflüchteten Papst Alexander III. 
Dieser ertheilte ihm die bischöfliche Weihe (18. Dec. 1165) und 
ernannte ihn zu seinem Legaten und zum Cardin albischof zu Sa- 
binum. Als solcher versuchte Conrad noch im selben Jahre ver- 
gebens eine Aussöhnung des Papstes mit dem Kaiser. Nun wirkte 
er bis zum Frieden von Venedig als Legat Alexanders zu Genua, 
Lombardien und Friaul. Als endlich die beiden Häupter der Chri- 
stenheit sich versöhnten (Venedig 1177), wurde ihm als Entschä- 
digung für das bereits anderweitig besetzte Erzbisthum Mainz der 
erzbischöfliche Stuhl in Salzburg zu Theil.'*) 



1) Das Mainzer Erzbistlium umfasste damals 14 SuffraganbistMimer: Worms, 
Würzburg, Eichstadt, Speier, Augsburg, Strassburg, Konstanz, Chur, Pa- 
derborn, Halberstadt, Hildesheim, Verden, Prag, Olmütz. 

2) Damb. YHI. 707 etc. 

3) Hirschel 57 etc . Damb. Vni. 753. 

4) Damb. YHI. 753. 765. 789. 848. 989. 

15 



226 

10. Nach der Flucht Conrads hatte der erzürnte Kaiser so- 
fort seinen Vicekanzler, den Merseburger Propst Christian von 
Buch, der von den Mainzer Suffraganen bereits am 1. Nov. 1160 
erwählt worden war, zum Metropoliten von Mainz ernannt. Dieser 
blieb ein treuer Anhänger Friedrichs und des schismatischen Pap- 
stes und konnte sich auch den bevorzugtesten Günstling seines kai- 
serlichen Herrn nennen. Als solcher nahm er Antheil an dessen Ge- 
waltstreichen gegen den deutschen Episkopat, sowie auch an den 
Kriegszügen in Italien. Endlich söhnte auch ihn der Friede von Vene- 
dig mit der Kirche aus. Seinen Bischofsitz aber sah er nicht wieder. 
Er starb in Italien, wo ihn sein Amt als kaiserlicher Statthalter zu- 
rückhielt, zu Tusculum am 28. August 1182'), gerühmt als Kenner 
der alten und neuen Sprachen sowie als trefflicher Schriftsteller. -) 

11. Nach dem Tode Christians bewarb sich Conrad von 
Witteisbach um die Rückkehr auf den Mainzer Stuhl. Kaiser 
Friedrich war um so weniger entgegen, als so auch der von Salz- 
burg verdrängte Erzbischof Adalbert (Sohn des Königs von Böh- 
men) seinen Metropolitansitz wieder erlangen konnte. Bald hatte 
nun Conrad das volle Vertrauen des Kaisers wieder erworben, sowie 
er auch bis zu seinem Tode ein gesuchter Rathgeber des päpst- 
lichen Stuhles blieb. Der Kaiser überliess ihm von da nicht selten 
die wichtigsten Angelegenheiten des Reiches. Dabei vergass er auch 
keineswegs eine sorgsame Regierung des eigenen Erzbisthums, in 
welchem es ihm oblag, die Anordnungen des unter seiner Theilnahme 
abgehaltenen dritten ökumenischen Lateranconcils (1179) zur Durch- 
führung zu bringen.^) Als Kaiser Friedrich im Jahre 1189 sich mit 
jugendlicher Begeisterung an die Spitze der deutschen Kreuz- 
fahrer stellte, vertraute er dem Erzbischofe Conrad die Mit-Regie- 
rung des deutschen Reiches an. Im Jahre 1196 hielt er noch eine 
Synode zu Mainz; ^) dann (1197) zog auch er als Kreuzfahrer nach 



') Damb. IX. 85. VIII. 765 etc. 

^) Catal. Archpp. Mog. Er schrieb das Leben Friedrichs I., überdiess Reden 
und Briefe. 

ß) Die Beschlüsse des Concils handelten über die Papstwahl, über die Ket - 
zerei der Albigenser, über- die Erfordernisse zur Würde eines Bischofs u. 
der übrigen geistlichen Grade, über das priesterliche Leben, über Dom- 
schulen u. a. m. 

4) Schannat III. 463. 



227 

Jerusalem und brachte 3 Jahre im Morg enlande zu. Im J. 1199 
kehrte er auf die Bitte des Papstes Innoceuz III. als das „nächst 
dem Papste ausgezeichneteste Glied der Kirche" ins Vaterland zu- 
rück, um den mittlerweile entbrannten Streit Philipps von Schwaben 
und Otto's von Braunschweig zu schlichten. Diess gelang ihm aller- 
dings nicht; dafür aber versöhnte er die damals in feindseligen 
Streit gerathenen königlichen Prinzen in Ungarn. Er starb auf der 

Rückreise von diesem Friedeuswerke in der Nähe von Passau am 

18. Okt. 1100.') 

§.58. Die Kreuzziige bis zum Ende des XII. Jahrhunderts. 

Wir setzen die allgemeine Geschichte der Kreuzzüge als be- 
kannt voraus. Nur die Art und Weise, wie unser Vaterland an 
denselben Antheil nahm, und wie das kirchliche Leben unserer 
Ahnen dadurch gefördert wurde, wollen wir an dieser Stelle etwas 
näher betrachten. 

1. Als die Stimme Peters von Amiens die abendländische 
Christenheit zum heiligen Kampfe für die Befreiuung des heiligen 
Grabes aufrief, fand sie wenig und keinen Wiederhall im Herzen 
des kirchenfeindlichen Kaisers Heinrich IV. und seiner Freunde. 
Zu letzteren zählte damals auch unser Herzog Bf etislaw und lange 
Zeit hindurch der noch ungeweihte Bischof Cosmas.^) Ueberdiess 
nahm eben in den Jahren 1095 und 1096 ein Krieg mit Polen die 
besten Kräfte unseres Vaterlandes in Anspruch.^) So kam es wohl 
dass der damalige erste Kreuzzug für Böhmen lediglich eine pas- 
sive Bedeutung gewann, — durch jene bedauernswürdigen Uiber- 
griffe, Avelche sich einige durch Prag ziehende Haufen von Kreuz- 
fahrern gegen die dortige Judenschaft erlaubten.'*) 

2. Der erste grosse Kreuzzug hatte aber die Völker und 
Fürsten Europas, die einen unmittelbar, die andern mittelbar aus 
dem Zustande eines frevelvollen unabsehlichen Gewirres zur Ein- 
heit einer grossen Idee und so zu einem neuen sittlich religiösen 
Leben erhoben; um so willigeres Gehör fand desshalb im J. 1146 



1) Catal. Archpp. Mog. u. Damb. IX. Krit. 99. 

2) Vgl. §. 48 etc. 

?) Vgl. Palacky I. 342. 
^) Erzählt in §. 48. 

15* 



228 

der neue Hilferuf Eugens III. und seines gottbegeisterten Sendbo- 
ten, des heiligen Abtes Bernhard. Die wunderbare Beredsamkeit des 
letzteren riss besonders in Frankreich und Deutschland Hundert- 
tausende hin zur Annahme des Kreuzes ; an ihrer Spitze die Kö- 
nige Ludwig Vn. und Conrad HL selbst. Auch in Böhmen ward 
ein brieflicher Aufruf des grossen Abtes vor dem Herzoge Wladi- 
slaw n. und dem Volke in der Kirche verlesen. Was etwa dem 
geschriebenen Worte an Eindringlichkeit gebrach, das ersetzte die 
feurige Rede des olmützer Bischofs Heinrich Zdik. Ein Uibriges 
thaten noch der zu gewinnende vollkommene Ablass, den Eugen 
wie einst Urban H. den Kreuzfahrern verheissen hatte, das Ver- 
sprechen kirchlichen Schutzes für alles Eigenthum und die Sehn- 
sucht vieler Hörigen, den Druck in der Heimat mit der Freiheit 
in der Ferne zu vertauschen. Grosse Heerhaufen sammelten sich 
aus allen Gauen des Vaterlandes, an ihrer Spitze die ausgezeich- 
netsten Männer des Adels. Wladislaw selbst nahm ebenfalls das 
Kreuz, ebenso sein Bruder Heinrich und der Prinz Spytihnöw. Diese 
alle schlössen sich Anfangs Juni 11 4Y dem Könige Conrad in 
Oesterreich an und theilten fortan alle Schicksale des deutschen 
Heeres, das bekanntlich zum grösseren Theile in den Gebirgen 
Kleinasiens durch widrige Elemente, Hunger, Verrath und feindli- 
ches Schwert den Tod fand. Von den Böhmen fiel insbesondere der 
edle und tapfere Marschall Jurik mit sehr vielen adeligen Genos- 
sen im erfolglosen Kampfe. Der herzogliche Kanzler Bartholomäus 
gerieth mit ebenso vielen andern in die Gefangenschaft der Un- 
gläubigen. Der Herzog selbst überliess darauf die weitere Führung 
seiner Krieger dem Könige von Frankreich und kehrte über Con- 
stantinopel nach Böhmen zurück.^) Indess endete der so glorreich 
begonnene Kreuzzug mit der fruchtlosen Belagerung von Damascus 
(Juli 1148). Am 8. September 1148 schifften sich die noch übrigen 
in ihren Hoffnungen bitter getäuschten Fürsten und Kreuzfahrer zu 
Accon nach Europa ein. ^) 

3. Dieser Ausgang kühlte, wie in Europa überhaupt, so auch in 
Böhmen, die Theilnahme für das heilige Land bedeutend ab. Zu- 
erst blieb jetzt der Vertheidigungskampf den dortigen Fürsten selbst 



J) Palacky I. 427, 428. Vincentius ed. Dobn. I. 37—40. 
2) Damberger Yni. 467 u. 468. 



229 

und den mittlerweile gestifteten geistlichen Ritterorden über- 
lassen. Was aber der Gesammtheit an Begeisterung fehlte, das bemühte 
sich die Opferwilligkeit Einzelner zu ersetzen. Allerwärts wurden 
in dieser Zeit Ordenshäuser jener geistlichen Ritter theils gegrün- 
det theils reicher dotirt als ebensoviele Werb- und Bildungsstätten 
für die stete Fortsetzung des heiligen Kampfes. Endlich, als am 
30. Oktober 1187 Jerusalem in die Hände des ägyptischen Sultans 
Saladin fiel, erwachte auf den Hilferuf des Papstes Gregor VIII. 
der heilige Eifer und die Kampflust des Abendlandes von Neuem. 
Kaiser Friedrich I. selbst und mit ihm viele Fürsten des Reiches 
nahmen schon im Februar 1188 zu Mainz das Kreuz, — mit ihnen 
auch unser Herzog Friedrich, ein vorzüglicher Verehrer des Gra- 
bes Christi, der bisher nur ungern seine Theilnahme für das heil. 
Land auf die freigebigste Unterstützung der geistlichen Ritter be- 
schränkt hatte. Der edle Herzog erlebte aber die Kreuzfahrt selbst 
nicht mehr; er starb, am 15. März 1189. Dafür rüstete sein Nach- 
folger Conrad Otto einen Heerhaufen tapferer Böhmen zum heil. 
Kampfe aus und gab diesem den tapfern Prinzen Diepold IL zum 
Führer. Mit den Schaaren des Kaisers Friedrich zogen nun auch 
unsere Landsleute über Adrianopel und Gallipoli nach Kleinasien 
und kämpften dort siegreich in den Gebirgen von Iconium. Da 
starb am 10. Juni 1190 am Kalikadnus Kaiser Friedrich, der ge- 
raeinsame Führer Aller. Das trauernde Pilgerheer, und in diesem 
auch unsere Böhmen, gelobte sofort dessen Sohne Friedrich von Schwa- 
ben treuen Gehorsam. Unter neuen Siegen rückte man weiter bis 
nach Syrien und endlich bis unter die Mauern von Accon vor. Un- 
sere Landsleute erwarben dabei den Ruhm eines seltenen kriegeri- 
schen Muthes, der Verachtung aller Gefahren und seltener Geübt- 
heit im Kampfe ; leider zogen sie sich auch . den Vorwurf besonde- 
rer Raubsucht zu. Diepold selbst fiel im tapfern Kampfe, und mit 
ihm so Mancher aus der böhmischen Schaar, die überall zu finden 
war, wo es eben galt^ die verwegensten Streiche auszuführen. Die 
Wenigsten sahen ihr Vaterland wieder. ') 

4. Noch einmal regte sich der Eifer fürs heil. Land, als im 
Jahre 1195 der Papst Cölestin III. widerholt die Völker der Chri- 



') Palacky I. 482 u. 483, Chronogr. Siloensis ed. Dobn. I. 121, Damberger 
IX. 185 etc. 



230 

Steilheit zur Befreiung des li. Grabes aufrief. Kaiser Heinrich VI. 
und mit ihm unser Herzog-Bischof H e i n r i c h B r e t i s 1 a w rüsteten 
sich zur neuen Kreuzfahrt. Da vereitelte ein Aufstand in Neapel 
das vorgenommene Werk. Noch einmal (1197) erging des heil. 
Vaters Ruf: in Böhmen verkündete selben der Cardinallegat Peter, 
der 8 Wochen lang in Prag verweilte — zugleich um hier die Ee- 
formation der Geistlichkeit zu bewirken. Wohl starb jetzt der Bi- 
schof und Herzog Heinrich (15. Juni 1197); dennoch brachen die 
Edlen, die auf des Legaten Ruf das Kreuz genommen hatten, nach 
Italien auf, um sich dort dem Kreuzheere Heinrichs VI. anzuschlies- 
sen. • Unter ihnen war der Burggraf von Prag, der edle Graf Hroz- 
iiata, den wir später als Stifter von Tepl und Chotöschau nennen 
werden. Da starb nun auch Heinrich VI. (28. September 1197.) 
Wohl zogen nichts desto weniger vereinzelte Schaaren ins heil 
Land: ob auch unsere Böhmen daran Antheil nahmen, ist unbe- 
kannt. Wenigstens kehrte der edle Hroznata sofort über Rom nach- 
Böhmen zurück. 

§. 59. Fortsetzung. Ritterliche und asketische Orden. 

Soweit ging die Betheiligung unseres Vaterlandes an dem 
grössten und herrlichsten Kampfe des zwölften Jahrhunderts. Auch 
die Folgen dieses Kampfes kamen ihm zu Statten. Der zugleich 
in Folge der klerikalen Reformation erwachte religiöse Geist trug 
herrliche Früchte, 

1. Der heilige Glaube, für den man Gut und Blut gewagt, konnte 
so leicht nicht wieder gleichgültig werden. Er drängte unwider- 
stehlich zu frommen Werken. Mau pilgert in frommer Demuth zu 
nahen und fernen heiligen Stätten, man hilft allerwärts prächtige 
Gotteshäuser und Hospitäler erbauen, man stiftet neue Klöster und 
neue Orden, man ahmt selbst im täglichen Verkehre durch die im 
<ieiste der Frömmigkeit gegründeten Bruderschaften das klösterliche 
Leben nach. Darneben ist durch die ausgedehntere Bekanntschaft 
der Völker die Wissenschaft allerwärts zur Geltung gekommen und 
die Kunst in allen Gauen Europas heimisch geworden. In vollster 
Lebens- und Kraftentfaltung' treten sofort die Völker des Abendlan- 
des und auch unser Böhmenvolk, in das neue Jahrhundert hinüber. 

2. Die schönste und für uns interessanteste Frucht des Jahr- 



231 

liimderts der ersten Kreuzzüge war die Vereinigung des regulirten 
Lebens der Klöster mit dem Ritterstande — das Institut der 
geistlichen Ritterorden. Da mit dem Lehenwesen in der 
Regel ein ungetheilter Besitz zunächst für den Erstgebornen ver- 
bunden war: so hatten zeither die Jüngern Söhne aus edlen Ge- 
schlechtern ihr Unterkommen innerhalb der klöstertichen Mauern 
und in den Domcapiteln des Landes suchen müssen, welche — zumal 
die letzteren — eben dadurch sehr viel von ihrer ursprünglichen 
Strenge verloren. Jetzt winkte dagegen im fernen heiligen Lande 
die schönste ritterliche Ehre, und die Häupter der Christenheit rie- 
fen alle Stände auf, solche zu gewinnen. Da nahm auch so man- 
cher hochgeborne Kleriker mit Freuden das lang entwöhnte Schwert 
wieder zur Hand, während ihm anderseits grade sein geistlicher 
Stand auch in der Ferne den nöthigen Unterhalt bieten konnte. 
So gab es geistliche Ritter, ehe es geistliche Orden gab. ' 

Der erste wirkliche Ritterorden war der der Johanniter. Im 
Jahre 1099 war nämlich in Jerusalem die Congregation der Hospital- 
brüder zur Pflege der Pilger ins Leben getreten. Ihr Gründer war 
der fromme Gerhard gewesen, und so mancher ritterliche Held war 
sein Genosse geworden. Güter im neuen Reiche Jerusalem sowie auch 
in Europa sorgten zur Genüge für die Bedürfnisse der geistlichen 
Brüder und ihrer Genossen. ') Schwere Bedrängnisse des neuen Reichs 
hatten wohl schon wiederholt den ritterlichen Pilgerpflegern das 
abgelegte Schwert wieder aufgenöthigt : endlich, da voraussichtlich 
die heiligen Stätten nur in stetem Kampfe zu behaupten waren, 
fügte der zweite Vorsteher des Hauses Raymund de Puy zu den 
bisherigen noch das neue förmliche Gelübde hinzu : gegen die 
Ungläubigen zu kämpfen. Die sofortige Gliederung der Ge- 
nossen in Ritter, Priester und dienende Brüder unter einem Gross- 
meister und einzelnen Hauscommandeuren (Comthuren) bestätigte 
Papst Innocenz IL So war der erste Ritterorden ausgebildet : sein 
Zeichen blieb das weisse Kreuz auf schwarzem Kleide und das 
rothe Kreuz in ihrer Fahne. 

3. Fast gleichzeitig, als die Johanniter als kämpfende geist- 



1) Schon am 15. Febr. 1113 bestätigte Papst Paschalis „dem ehrwürdigen 
Sohne Geraudus , Gründer und Vorstand des Spittels S. Johann Bapt. zu 
Jerusalem" alle Güter seiner Stiftung, wie auch die Güter der Filialspittel 
zu St. Gilles, Pisa, Bari, Ydrontum, Tarent, Messina. (Damberger VII. 731.) 



232 

liehe Ritter sich erhoben, legten 9 französische Ritter unter Hugo 
von Payens zu gleichem Zwecke das ritterliche Gelübde ab. Papst 
Honorius IL gab ihnen auf Verwendung des heil. Bernhard im Jahre 
1127 die Bestimmung, die Pilger auf dem Wege nach Jerusalem 
vor Räubern zu schützen. Die Noth des jerosolimitanischen Reichs 
führte endlich auch sie in den Kampf gegen die Sarazenen. Ihre Verfas- 
sung war der der Johanniter bis in's Einzelne nachgebildet, ihr Ordens- 
zeichen das rothe Kreuz auf weissem Kleide, ihr Name Tempelher- 
ren, entnommen von ihrer ersten Niederlassung in einem Palaste Bal- 
duinsll. in unmittelbarer Nähe des ehemaligen salomonischen Tempels. 

4. Deutsche Pilger hatten schon im Jahre 1128 ein deut- 
sches Hospital mit deutschen Hospitalbrüdern, jedoch unter der 
Aufsicht des Grossmeisters der Johanniter gegründet. Daraus und 
aus dem Zutritte zahlreicher deutscher Ritter, und durch die grosse 
Hospitalstiftung reicher lübecker und bremer Bürger vor Accon er- 
stand im Jahre 1190 der ritterliche Orden der Deutschherren 
mit dem ersten selbstständigen Grossmeister Walpot von Bässen. 
Die Regel und Verfassung war den früheren gleich; als Ordenszei- 
chen galt ein schwarzes Kreuz auf weisem Mantel. Die feierliche Bestä- 
tigung erfolgte nachmals durch Papst Clemens IL Wir übergehen hier 
die vielen nachgebildeten Ritterorden in Spanien, Portugal und andern 
Ländern, da sie für unsere Heimat keine Bedeutung haben. ') 

5. Durch die Ausscheidung der ritterlichen Elemente aus den 
Reihen des Klerus wurde die bereits angedeutete Reformation der 
übrigen Geistlichkeit in hohem Grade begünstigt. Wie nun der 
Säcularklerus zu kirchlichem Bewusstsein erwachte, wissen wir be- 
reits. Indessen nahm auch der heilige Norbert, Canonicus von 
Xanthen die Reform der Dom- und Collegiatcapitel in Angriff. In 
Premontre (Praemonstratum) versammelte er diejenigen Canonicer, 
die mit ihm nach der erneuten strengen Regel zu leben gedachten. 
Seine nachmalige Erhebung auf den erzbischöflichen Stuhl von Mag- 
deburg und alsbald au ch die nähere Bekanntschaft mit seinen re- 
formirten Capitularen gaben seinem Werke die weiteste Verbreitung. 
So war der Orden der regulirten Chorherren, auch Prämon- 
stra tens er und Norbertiner genannt, in's Leben getreten. (1120.) 

Zur selben Zeit hatte auch, wie bereits erzählt wurde, der 

•)Von einer einheimiscken Nachbildung dieser Orden — den Kreuzherren mit 
rotliem Sterne — wird später die Rede sein. 



233 

heil. Bern ard das Mönchsleben neu geregelt und so den strengen 
Orden der Cisterzienser in's Dasein gerufen, (1113 u. ^if.) — 
Vordem hatte der heil. B r u n o, Canonicus von Rh eims, in der Ein- 
öde Chartreuse (Carthusium) den Mönchsverein der Karthäuser 
gegründet, der bei dem strengsten Leben das stete Stillschweigen 
übte (1101). — Um 1156 bildete sich zunächst am Berge Karmel 
unter B e r t h o 1 d aus Calabrien der Mön chsverein der Karmeliter. 
Noch andere strenge Vereine folgten der Anregung jener Zeit; 
doch die übrigen vor dem Jahre 1200 gestifteten sind nie bis in 
unser Vaterland gedrungen. Hier aber zeigte sich am Ende dieser 
Zeit ein ganz eigenthümlicher Orden, den man sonst nur noch in 
Polen traf, unbekannt in seiner Gründung, aber wichtig genug in 
seiner Verbreitung, der Orden der Wächter des heil. Grabes 
(1190). Nach dem Muster der männlichen Vereine bildeten sich 
sofort auch weibliche Genossenschaften, welche durch Beobachtung 
derselben Regel und unter der geistlichen Leitung der refor- 
mirten Ordensbrüder der Gnaden jener neuen Stiftungen theilhaftig 
werden wollten. 



§. 60. Anfänge der nordischen Kreuzzüge. 

1. Für unser Vaterland sollte der Eifer der Kreuzfahrer alsbald 
noch eine andere , als die Richtung nach dem Oriente gewinnen, 
und hier die Zeit der orientalischen Kreuzkriege noch lange über- 
dauern. Zu gleicher Zeit, als der Hilferuf Peters von Amiens und 
des Papstes Urban IL die Aufmerksamkeit der Christenheit nach 
Palästina lenkte, machte sich auch die Idee geltend, dass es nicht 
minder verdienstlich sei, die christliche Religion gegen feindselige - 
Heidenstämme in Europa zu verth eidigen. Die Päpste säumten auch 
nicht, alle geistlichen und weltlichen Vortheile der orientalischen 
Kreuzzüge auf diese anderweitigen K ämpfe zum Schutze der Kirche 
auszudehnen. So nahmen die Kreuzfahrten gegen die heidnischen 
Nordslawen ihren Anfang, ebenso wie die eigentlichen Kreuz- 
züge theils ein stetes Ziehen Einzelner, theils eine wiederholte 
Vereinigung bedeutender Streitkräfte zum Kampfe gegen die chri- 
stenfeindlichen Nachbarn. 

2. Im 9. und 10. Jahrhunderte hatte es schon von Meissen 
und Sachsen her an Kämpfen mit den Slawen nicht gefehlt. Aber 



234 

damals hatte man nur einzelne Stämme zu bekriegen, die tlieils 
an sicli den christliclien Nachbarn nicht hold waren, theils aber 
auch gegen manche Ungebühr der Letzteren mit den Waffen sich 
erhoben/Jetzt aber drohte die grösste Gefahr, als im J. 1034 alle 
transalbinischen Slawen unter dem Obotriten Gottschalkzu 
einem grossen Wendenreiche sich vereinten. ') Dieser kühne 
Jüngling, bereits Christ, war seinen Erziehern in Lüneburg entflor 
hen, war Avieder Heide geworden, und hatte alle seine Landsleute 
zur Blutrache an den Sachsen wegen Ermordung seines Vaters auf- 
gerufen. Ein grausamer Krieg entbrannte, zugleich Vertilgungskampf 
gegen die christlichen Einrichtungen im eigenen und im nächsten 
Nachbarlande. Nur wenig nützte die Gefangennehmung des Führers 
durch Kaiser Conrad im J. 1036; denn nun stritten eine Menge 
Häuptlinge auf eigene Hand. Mehr half Gottschalk's Rückkehr zum 
Christenglauben und seine darauf folgende Heimkehr. Nun begün- 
stigte er selbst die Aufnahme des Christenthums unter den Slawen, 
und gab so auch den Nachbarn den Frieden zurück. ^) 

3. Gottschalk wurde 1066 in einem Aufstande der unzufrie- 
denen Heiden ermordet. Zwar hielt der nun folgende Kampf um 
den Wendenthron die Parteihäupter im eigenen Lande fest; aber 
der Kampf galt hier nicht weniger dem noch schwach eingewur- 
zelten Christenglauben. Eine kurze Zeit schien zwar dieser mit 
Buko, dem Sohne des gemordeten Gottschalk, wieder zu siegen. 
Da erhob sich von Rügen her ein neuer Heidenhäuptling Kruko, 
tapferer und glücklicher als irgend einer vor ihm. Bis zum J. 1075 
erkämpfte sich dieser alle Herrschaft von der Oder bis zur Elbe. 
Die Leichen der erschlagenen Christen and die Trümmer der zer- 
störten Gotteshäuser und Altäre bezeichneten die Bahn seiner Siege. 
Auch nach dem benachbarten Sachsen erstreckte sich endlich der 
Vernichtungskrieg. Herzog Adolf und sein Sohn Magnus kämpften 
vergeblich gegen den übermächtigen Feind. ^) Kaiser Heinrich ver- 
geudete des Reiches Kraft im Bürgerlo-iege. So wuchs Krukos Kühn- 



1) Damberger VI. 111. W. Menzel Gesch. der Deutschen 226. 

=^) Damberger VI. 444, 639. 

^) W. Menzel Gesch. der Deutschen 238. Damberger VI. 741, 970. 



235 

heit von Tag zu Tage, und immer lauter wurden die Klagen der 
Christen in Sachsen sowohl, als in den angränzenden dänischen 
Ländern. Endlich kam es ums J. 1095 unter dem tapferu und from- 
men Könige Erich zu einem Waffenbunde tapferer Christen. 
Wie die Gläubigen beim Concile zu Clermont, so nahmen auch 
diese das Kreuz gegen den gewaltigen Feind des Kreuzes. ') Der 
Erfolg war Krukos Unterwerfung unter die dänische Hoheit und 
sein Versprechen, das Christen thum fortan zu dulden und sogar 
selbst zu befördern. Als aber König Erich im J. 1104 mit Tode 
abging, fiel Kruko vom Dänenreiche und vom Christenglauben wie- 
der ab. Von Neuem begann die Verfolgung des Kreuzes. Aber 
schon sammelten sich neue Kreuzfahrer um Bukos jüngsten Bruder 
Heinrich. Kruko ward endlich gänzlich überwunden und fiel im 
Kampfe (II05). Der christliche Heinrich ward König der Wenden.^) 

4. Der neue Wendenfürst vergass aber sehr bald, wem er 
seine Herrschaft verdankte. Nicht lange, so hielt er es selbst mit 
den Heiden im Lande, vielleicht weil sonst seine Herrschaft stets 
gefährdet blieb. Er duldete die ärgsten Gräuel an den Christen. 
Im J. 1110 fiel er gar selbst an der Spitze der heidnischen Slawen 
im Nordalbingien ein.'') Da rief Erzbischof Adelgold von Magde- 
burg und mit ihm die Bischöfe Albuin von Merseburg, Walram 
von Naumburg, Herwig von Meissen, Hezilo von Halberstadt, Hart- 
brecht von Brandenburg, und überdiess auch weltliche Grafen des 
östlichen Sachsenlandes die benachbarte Christenheit zu einem 
neuen Kreuzzuge auf. In ihrem Ausschreiben^) schilderten sie mit 
lebhaften Farben, wie die Slawen eben die Kirchen Christi durch 
Götzendienst entweiht, die Altäre zerstört und Dinge an den Chri- 
sten verübt hätten, die ein menschliches Herz zu hören sich scheue. 
Sehr häufig seien sie ins deutsche Land eingefallen, hätten da 
Keinen geschont, geplündert, gemordet, zerstört, viele in ausge- 
suchter Weise gemartert, einige enthauptet, und die Häupter ihren 
Götzen geopfert. Am Samstage in der Bittwoche sollten die Kampf- 
lustigen in Merseburg und anderen bezeichneten Orten sich versam- 



1) Vgl. Damberger VII. 323. 

^) Vgl. Damberger VI. 741. VII. 29, 581, 582. 

3) Ebend. VII. 664. 

4) Urkunde bei Calles series episc. Misn. p. 106—109. 



236 

mein. ') Ein besonderer Erfolg dieses Zuges ist nicht bekannt. Das Wen- 
denreicli Heinrichs ward sogar immer noch grösser und furchtbarer. ^) 

Im J. 1120 sammelten sich neuerdings dänische Kreuzfahrer zum 
Kampfe gegen ihn und seinen Lehenfürsten. Gleichzeitig erhoben 
von Osten her die Polen gegen ihn die Waffen •"') — diessmal, wie 
es scheint, mit besserem Glücke. Denn weiterhin finden wir den 
König Heinrich im Frieden mit den Christen und ausgesöhnt mit der 
Kirche.^) Aber schon im J. 1 126 fand Heinrich ein trauriges Ende. 
Seine eigenen Söhne stellten sich an die Spitze eines Aufstandes 
der mit ihm unzufriedenen Heiden und ermordeten ihn. Doch die 
Blutthat strafte sich selbst. Im Kampfe um das Reich fielen auch 
diese Söhne unter Meuchlerhänden im J. 1127. Das grosse Wen- 
denland zerfiel in eine Anzahl kleinerer Gebiete, die sich selbst be- 
kämpften. Das christliche Nachbarland hatte so eine Zeit lang 
Frieden. Christliche Missionäre wagten sogar bis an die Ostsee 
vorzudringen.^) 

5. Noch einmal ward das Wendenvolk furchtbar unter Niclot, 
dem Fürsten der Obotriten. Die deutsche Nachbarschaft erlebte noch 
einmal die alten Gräuel alljähriger Raubzüge, und bis nach Pom- 
mern und Rügen hin wurden die kaum gegründeten christlichen 
Gemeinden von den Heiden gemisshandelt und mit Füssen getre- 
ten ; selbst die Reiche der Polen und der Dänen sahen sich be- 
droht. Unter solchen Umständen delegirte Papst Eugen III. unterm 
11. April 1146 den Bischof Anselm von Havelberg, einen förmlichen 
Kreuzzug gegen Niclot mit Verleihung der gewöhnlichen Indulgen- 
zen zu verkündigen. Am 29. Juni brach in Folge dessen ein be- 
deutendes Kreuzheer aus Sachsen auf. Es befanden sich dabei die 
mährischen Fürsten Otto, Swatopluk und Wratislaw, und der be- 
rühmte olmützer Bischof Heinrich Zdik. "^n der Spitze aller zog 
der sächsische Herzog Heinrich der Löwe in den Kampf. Auch von 
Dänemark her kam ein mächtiges Heer von Kreuzfahrern gegen 
Niclot heran. Gleichzeitig begannen auch die Polen den Krieg ge- 



') Ebendaselbst. 

"j Damberger VII. 922. 

•■5) Ebend. Vif. 932 etc. 

*) Ebendaselbst. 

5) Vgl. Damberger VIII. 115, VII. 933. 



23*7 

gen ihre gefährlichen Nachbarn. So rausste endlich Niclot nach ver- 
zweifelter Gegenwehr unterliegen. Die kleineren Fürsten der Sla- 
wen unterwarfen sich einer nach dem andern, zumal nun Heinrich 
der Löwe seine siegreichen Züge fast von Jahr zu Jahr erneuerte. 
Niclot selbst fand erst im J. 1161 bei einem Ausfalle aus seiner 
von Heinrich eingeschlossenen Burg den Tod. ^) Das war das Ende 
des Wendenreichs, zugleich das Ende des Widerstandes der trans- 
albinischen Slawen gegen das Christenthum, und so auch das Ende 
der Kreuzfahrten in die Gebiete der westlichen Ostsee. Desto er- 
bitterter erhoben sich nun die Slawen in Preussen gegen ihre christ- 
liche Nachbarn, und hiedurch erhalten die nordischen Kreuzzüge 
für das nächste und nachfolgende Jahrhundert eine neue Richtung. 
Diese Kreuzzüge aber werden für uns um so bedeutungsvoller sein, 
da sie zum grossen Theile von unserem Yaterlande ihren Ausgang 
nahmen. 

Die kirchlichen Institute Böhmens in der Zeit des Reformationskampfes. 

§. 61. Das Prager Domstift. 

1. Unter den geistlichen Instituten im Umkreise unseres Va- 
terlandes nahm selbstverständlich die erste Stelle nach dem Bischöfe 
das bischöfliche Domcapitel in Prag ein. Anfangs gleich 
allen ähnlichen Stiftungen ohne einen persönlichen Vorrang seiner Mit- 
glieder — blühte es in Kurzem unter den dringenden Bedürfnissen der 
Zeit zu jener hochberechtigten Körperschaft empor , welche nicht 
nur die eigenen inneren Angelegenheiten selbstständig verwaltete, son- 
dern auch dem Bischöfe mit Rath und That zur Seite stand und 
bei dessen Verhinderung oder Ableben sogar die Verwaltung der 
Diöcese in die Hände nahm. ^) Diess musste namentlich seit der 
Zeit geschehen, als das Presbyterium von St. Veit, welchem sonst 
nach alter kirchlicher Ordnung jene Rechte zustanden, zur Gänze 
mit dem Domcapitel verschmolzen war. Diess scheint bereits un- 



')Vgl. Damberger VIII. 116, 120, 121, 145, 377, 378, 445—448, 640, 665, 
795—798. 

2) Die Domcapitel führten diese Verwaltung fortan bald als Körperschaft 
(in corpore) bald nach der Reihe seiner Glieder (per turnum), bald durch 
einen oder mehrere Vertreter aus ihrer Mitte (per delegatos). 



238 

ter dem ersten Bischöfe Dietmar geschehen zu sein. Unter dem 
heiligen Adalbert weisst das Capitel bereits hechehrwürdige und ein- 
flussreiche Männer auf. Der Canonicus Prostiwoj starb bei Gele- 
genheit des feindlichen Auftretens der Wrsowecen gegen den hei- 
ligen Bischof den Martyrertod an jener Stelle in der Nähe des weis- 
sen Berges, wo nachmals Herzog Boleslaw IL eine Kirche zu Ehren 
der heil. Mutter Gottes und der heiligen Fabian und Sebastian er- 
baute. ') Der Propst Willi co (Welich) leitete während Adalberts 
erster Abwesenheit die geistliche Verwaltung der Diöcese, ^) sowie 
sein muthmasslicher Nachfolger Pokofin ein Gleiches nach dem 
zweiten Abgange des heil. Bischofs zu besorgen hatte. Darauf be- 
stiegen die Pröpste Erhard, Hyzo und Severus nach einan- 
der den bischöflichen Stuhl von Prag. Auch der nachmalige unru- 
hige Bischof Jar omir soll früher Propst des Domstifts gewesen sein.^) 
Ein Capiteldechant wird in dieser Zeit noch nicht genannt. 

2. Das Zeitalter des Reformationskampfes drängte das Dom- 
capitel noch mehr in den Vordergrund aller kirchlichen Ereignisse 
n unserem Vaterlande. Es beginnt gleichsam mit der zweiten Stif- 
tung des Capitels. Bisher hatten die Canonici ihre geistliche Regel 
fast gar nicht befolgt. Nun aber führte der neue Propst Marcus 
ein Deutscher aus edlem Geschlechte, '^) eine neue Ordnung ein. 
Er wählte aus der zahlreichen Domgeistlichkeit 25 Brüder aus, 
welche er für die würdigsten hielt und verband sie durch einen Eid 
zur Beobachtung der Regel des heil. Chrodegang, zum Tragen der 
canonischen Kleidung und zum gemeinschaftlichen Wohnen im Ca- 
pitelhause. ^). Bischof Meinhart vermehrte später die ^ Zahl dieser 



ij Pessina phosph. septic. 171. Cosmas n. A. 

^) Willico trat später als Benediktinerbruder in das Kloster Monte-Casino 
ein. Tomek G. P. I. 651. 

3) Pessina phosph. septc. — Derselbe (einst Domdecbant bei St. Veit) beruft 
sich auf ihm vorgelegene Aufzeichnungen des Capitelarchivs. Er nennt 
aber auch schon die Vorsteher der St. Veitskirche vor Errichtung des 
Bisthums als Pröpste ; — und zwar den regensburger Priester Gerhard und 
nach diesem den Hostiwod, letzteren zur Zeit der Einrichtung des Bis- 
thums. Doch ward das Capitel als solches wohl erst zur Zeit des ersten 
Bischofs ins Leben gerufen. 

4) Tomek G. P. 651. 

^ Ebendaselbst und Cosmas. 



239 

eigentlichen Canoniker auf 30.') Seitdem wird als zweiter Wür- 
denträger des Capitels ein Dekan genannt. Leider schützte diese 
Reform nicht gegen die Wirren, welche der unruhige Geist des 
Bischofs Jaromir-Gebhard der Kirche Böhmens bereitete. Wenig- 
stens hielt damals der Dechant des Capitels, der oftgenamite Chro- 
nist Cosmas , als Jugendfreund nur allzu sehr an seinem weltlich 
gesinnten Oberhirten. Aiber bald glänzte wieder im Capitel ein 
Stern erster Grösse. Nach Marcus-) und dem wenig bekannten 
W i 1 s 1 a w ^) ward der Sohn des Chronisten Cosmas *) — ^Heinrich 
Zdik — gerühmt als der grösste Mannseiner Zeit, zur Würde des 
Propstes erhoben. Von seinem geistlichen Eifer zeugte eine 
Pilgerreise, die er als Propst nach Jerusalem unternahm und auch 
sonst mögen seine Verdienste nicht gering gewesen sein ; denn im 
Jahre 1126 wurde er in Folge derselben zum Bischof Yon Olmütz 
gewählt. Noch einmal pilgerte er in's heilige Land (1137) und 
brachte diessmal von dort seine Begeisterung für den Prämonstra- 
tenserorden zurück. Fortan erscheint er als dessen eifrigster Be- 
förderer und als Mitbegründer seiner meisten Niederlassungen in 
Böhmen und Mähren. Auch unter den heidnischen Preussen treffen 
wir ihn als Kreuzfahrer und Glaubensprediger. Bei dem grossen 
Werke der geistlichen Reformationen stand er dem päpstlichen Legaten 
Guido als erste Stütze zur Seite. Er starb nach Einigen als Prämon- 
stratenserbruder —im Jahre 1151 und fand im Kloster Strahow seine 
bleibende Ruhestätte. ^) — Als seine Nachfolger in der Prager Prop- 
stei werden Hermann (von Ralsko, 11133), Otto (angeblich von Swa- 
benic), und Conrad (nach Andern Jurata) genannt. Von diesen be- 
stieg Otto den Bisehofsstuhl zu Prag und wurde der Reformator 
Böhmens. Sein Nachfolger Conrad (Jurata) war zur Zeit 
der Ankunft des Legaten Guido noch nicht einmal zum Priester 
geweiht und obendrein beweibt: desshalb wurde er nebst dem da- 
maligen Domdechant Peter, welcher nach einander sogar 3 Wei- 



') Ebencl. und Series episc. in Script. Boh. 11. 438. 
3) Marcus starb 1098. Tomek 651. Pessina phosph. 605. 
3)Witoslaw c. 111. (Pessina 605.) 

*) Vgl. Palacky 1. 400. Pessina phosph. 557 hielt ihn für den jüngsten Sohn 

des Königs Wratislaw. 
5) Vgl. Pessina 557 etc. Tomek G. Pr. 38, 99. 103. 142. Palacky 400 etc. 



240 

ber geeheligt hatte ') und dem verheirateten Canonicus Sebastian 
aller geistlichen Würden entsetzt (1143). ^) Offenbar hatten die 
Wirren der letzten Jahre die neue Ordnung des eifrigen Propstes 
Marcus wieder vergessen gemacht. 

3. Dagegen erhob sich das Capitel nach dieser neuen Eeform 
zu desto schönerem Glänze. Es erwarb den Ruhm des „allzeit ge- 
treuen", der ihm später in Folge steter Bew ährung zum privilegir- 
ten Ehrentitel wurde. Zunächst hatte es nach dem abgesetzten 
Conrad (Jurata) den gelehrtesten und gewandtesten Mann des Lan- 
des, den nachmaligen Bischof Daniel als Propst erhalten, der ohne 
Zweifel nicht wenig zur Förderung des geistigen — insbesondere 
des wissenschaftlichen Lebens in dem geistlichen Musterhause, der 
klerikalen Pflanzschule des Landes, beitrug. Er bestieg am 29. 
Juli 1148 den bischöflichen Stuhl. In der propsteilichen Würde 
folgten ihm Heinrich (angeblich von Lipa, 1 1 48 — 11 50) und H r o z- 
nata, ein besonderer Wohlthäter des Klosters Leitomischl, nach. 
(c. 1150 — c. 1159.)''') Wir haben" gehört, wie Bischof Daniel der 
treueste Anhänger seines Landesherrn und der innigste Vertraute 
des Kaisers Friedrich Barbarossa wurde. So ward er in das trau- 
rige Schisma jener bewegten Zeit ver flochten. Leider mussten eine 
Zeit lang auch das Capitel und der Klerus des Landes seinem Bei- 
spiele folgen; denn Bischof, Fürst und Kaiser hatten sich verbun- 
den, mit Censuren und weltlichen Waffen die Anerkennung des 
Gegenpapstes Victor zu erzwingen. So leistete man in den Jahren 
1162 und 1164 gezwungen dem eben in Prag anwesenden Bischöfe 
die canonische Obedienz. '*) Bald aber ermannte sich vorerst das 
Prager Capitel unter seinem Propste Ulrich (angeblich von Wal- 
dek, 1160 — 1172), und zwar auf Anrathen der Bischöfe von Re- 
gensburg (Hertwig) und Passau (Conrad) zar Anerkennung des recht- 
mässigen Oberhauptes der Kirche. Ja es gelang ihm sogar, den Kö- 
nig Wladislaw selbst von der Partei des Gegenpapstes abwendig 



'j So und nicht anders ist die Anklage wegen dreier Weiber gemeint. Es 
ist bekannt, dass selbst die orientalische Kirche dem Priester eine zweite 
Ehe als schweres Vergehen untersagt. ' 

3) Vgl. Tomek G. P. 103. 

3) Vgl. Pessina phosph. 605. Tomek 651. Letzterer nennt den Hroznata nicht. 

4) Chron. Vincentii. ad 1162, Pulkava ad 1164. 



241 

zu machen. *) Da überdiess dem Capitel damals in Abwesenheit 
des Bischofs die Administration der Diöcese zustand, so wurde 
es ihm auch möglich, unser Vaterland vom ünsegen des Schisma's 
zu erretten. ^) Auch nach dem Tode des Bischofs Daniel bewahrte 
es dieselbe Treue bis zur Beilegung des unglückseligen Streites im 
Frieden zu Venedig. In letzter Zeit führte Martin, ehedem Propst von 
Leitmeritz, die Leitung des Domstiftes (1174— c. 1180), derselbe, den 
wir später als grössten Beförderer des Johanniter-Ritterordens kennen 
lernen werden. Ihm folgte P'eregrin (1180—1182), der nachmalige 
Bischof von Olmütz. Endlich beschliessen die Pröpste Kuno (1184), 
Hermann (1184— 1190) und Florian (1194—1201) ') das kampf- 
reiche Jahrhundert. Dem letzteren war das Glück beschieden, die 
glorreiche Reformation in unserem Vaterlande zu erleben. "*) 

4. Da wir in unserer Erzählung stets auch der besonderen 
Beziehungen kirchlicher Institute auf die jetzige Diöcese von Leit- 
meritz gedenken wollen: so erübrigt noch, jener Mitglieder des Pra- 
ger Capitels uns zu erinnern, welche in dem beschriebenen Zeit- 
räume als Archidiakohe den einzelnen Archidiakonaten unseres 
Bereiches vorgesetzt waren. Leider erfahren wir aus so alter Zeit 
nur wenige Namen; erst späterhin wird in dieser Beziehung unsere 
Geschichte reicher werden. Das Archidiakonat von Bilin wurde, 
wie schon erwähnt ward, erst im Jahre 1216 errichtet. Das Leit- 
meritz er Archidiakonat verwaltete im Jahre 1177 der Canoni- 
cus Pfibislaw, vordem Archidiakon von Raudnitz, und nach 1181 
Propst zu Altbunzlau. ^) Dem Archidiakonate Bunzlau stand in 
den Jahren 1169 und 1177 der Canonicus Othmar vor. '^) Als Ar- 
chidiakone zu S a a z werden von 1181 bis 1194 der Canonicus F r i e- 
drich')und von 1195 bis 1212 ein Canonicus Witek genannt.^) 



') Pessina 177. 

'■*) Ebendaselbst. Das Capitel verordnete die Anerkennung Alexanders III. im 
ganzen Lande. Cit. Radewic Can, Frising. scriptor coaevus. 

3) Vgl. Tomek 651. 
*) Vgl. §. 55. 
5) Dobner annal. VI. 501. 

«) Tomek I. 652. Acten des Prager Oapitelarcliivs ad 1177. (A. IL I. 1.) Er- 
ben regest. 139. 
'') Bubna catal. cap. Prag. MS. 

«) Urkunde des Capitelarcbivs (B. I. I. 2). Als Archidiakone von Prag er- 

16 



242 



§. 62. Das Gollegiatstift zu Leitmeritz. 



Uns interessirt nun zunächst jenes altehrwürdige Capitel, wel- 
ches dermalen noch die bischöfliche Stadt Leit-ineritz ziert. Wir 
wollen desshalb vor Allem die Männer näher kennen lernen, die das- 
selbe in dem soeben besprochenen Zeitalter geleitet haben, — wir 
meinen dessen Pröpste. 

1. Schon die Geschichte unserer Bischöfe hat uns den ersten 
derselben genannt. ') Es war Lanzo,* der ausgezeichnetste unter 
den Hofgeistlichen Wratislaws IL Er war aus einem edlen sächsi- 
schen Geschlechte entsprossen, ^) muthmasslich ein Verwandter des 
h. Bischofs Benno von Meissen, und sonach wohl ebenfalls aus der 
Gegend von Hildesheim stammend, ^) eben so ausgezeichnet durch 
seine Gelehrsamkeit und seinen sittliclien Wandel, wie durch seine 
äussere Erscheinung. '*) Er hatte wohl lange schon vor der Errich- 
tung des Leitmeritzer Stifts in Böhmen geweilt und sich viele Ver- 
dienste um das Land erworben; auch war er gewiss der böhmi- 
schen Sprache im vorzüglichen Grade mächtig geworden. Nur so 
erklärt es sich, dass der den Deutschen nichts weniger als freund- 
lich gesinnte Herzog Spytihnew H. grade diesen Fremden zur pröpst- 
lichen Würde für sein neues Collegiatcapitel auserkor, und dass der- 
selbe ruhig im Lande verweilen durfte zu einer Zeit, wo der den 
Fremden zürnende Fürst fast- alle Deutsche des Landes verwies. ^) 



scheinen: Peter (1143), Domaslaw (1167), Zdislaw (1181), Ohwalek (1196); 
von Pilsen: Herold (1181), Zdeslaw (1172); von Königgräz: Slawon (1167— 
1181); von Becliyn: Dietleb (1167), Hermann (1184), Engelbert (1186); 
Wicemil (1191); von Kauinm: Peregrin (1167); von Raudnitz: Berthold (1167), 
Pi-ibislaw (1176); von Rokitzan: Zdislaw (1167); von Bischofteinitz : Chri- 
stoph (1186). Vgl. Tomek 652 etc. 

J) Vgl. 2. Periode §. 45. 

*) Cosmas ad ann. 1067. 

3) Crugerius ad 24, Januar. 

4) Cosmas ad ann. 1067. 

5) Jedenfalls sagt Cosmas ad ann. 1155 zuviel, wenn er dem Spytihnew das 
Gebot zuschreibt, dass alle Deutschen ohne Ausnahme hätten das Land 
meiden müssen. Dagegen spricht einfach schon die Bemerkung der leitm. 
Stiftungsurkundeyon 1057, dass peregrini, offenbar Deutsche, den leitme- 
ritzer Markt besuchen. Uiberdiess war, abgesehen von unserem Lanzo 
auch der grade damals eingesetzte Abt von Sazawa ein Deutscher. Vgl. 
auch Palacky L 293. 



243 

Nur so auch konnte ihn nachher der Herzog Wratislaw als den wür- 
digsten und geeignetsten Mann für die bischöfliche Würde bezeich- 
nen. Uibrigens hatte Lanzo gerade diesem Fürsten „in jeder Weise" 
die treuesten Dienste geleistet; insbesondere war er noch zuletzt 
sein treuer Begleiter in dem Feldzuge gegen die Polen (1167). ') 
Wohl war es die besondere Klugheit in allen Geschäften des Hofes 
und des Landes, die ihm damals beim böhmischen Volke den Beina- 
men des Fuchses (man nannte ihn Lu§ka) verschaffte. ") Wir haben be- 
reits erfahren, wie die Erhebung dieses Mannes zur bischöflichen Würde 
scheiterte. Nationale Sympathien und die Hoöhung eines bischöf- 
lichen Genossen im Widerstände gegen Wratislaw riefen damals 
lauter nach dem Prinzen Jaromir, der auch sofort unter dem Na- 
men Gebhard vom bischöflichen Stuhle Besitz nahm. ^) Fortan ge- 
schieht unseres Propstes keine weitere Erwähnung mehr. Doch ist 
es mehr als wahrscheinlich, er habe nach wie vor nach der Sitte 
jener Zeit als Hofgeistlicher bei Wratislaw gelebt, und sei dessen 
Freund und Rathgeber geblieben. Den Verfall unseres Vaterlan- 
des in den traurigen Kirchenstreit und in das noch schlimmere 
Schisma erlebte er nicht. Er starb im Jahre 1075. *) 

2. Als zweiter Propst wird Andreas genannt, entsprossen aus 
jenem edlen Geschlechte Mährens, das später den erblichen Namen 
der Herren von Dubrawic annahm. ^) Er war dodor decretonmi 



'j Cosmas ut supra. 

2) MS. Chronik des ehem. Klosters S. Georg (jetzt in der prager ümversi- 
tätsbibliothek). 

3) Vgl. §.45. 

4) So alle hanclschriftlicheu Series. Von solchen liegen uachgenanute vor: 
1. Die Bretfeldische in einer 1811 veröffentlichten völlig unkritischen Ge- 
schichte des leitm. Capitels; 2. die des Crugerius ad 3. Aug. seiner „Sacri 
pulveres"; 3. die der illustr. Chx'onik v. Böhmen IL 501; 4. die handschrift- 
liche im leitm. Capitelarchive; 5.. die handschriftliche in Rohns „antiquitates 
ecclesiarum circuli Litomericensis" 6. die handschriftliche des Valentin 
Weidner im Klosterarchive bei S. Thomas in Prag; 7. die handschriftliche 

. in Hammerschmidts „Chronica aliquot urbiuni regiarum" in der prager Uni- 
versitätsbibliothek. Diese alle sind offenbar ursprünglich aus einer Quelle 
geflossen, nämlich aus den mangelhaften Daten des leitmeritzer Capitelar- 
chivs. Die Series dieses gegenwärtigen Werkes ist nach gleiclizeitigeu Ur- 
kunden ergänzt u, berichtigt. 

5) Dubrav. IX. — Erbliche Familiennameii erscheinen auch bei dem höchsten 
Adel Böhmens und Mährens erst nach dem Ende des XJI. Jahrhundeits. 

16* 



244 

oder des kanonischen Rechts ^) und wird in den Traditionen des 
Capitels als ein sehr frommer Kleriker gerühmt. Als solcher war 
er frühe schon ein Günstling des damals bloss erst in Mähren herr- 
schenden nachmaligen Königs Wratislaw. *) Später zählte er zu 
den beliebtesten Caplänen des böhmischen Königshofes und ver- 
einigte in seiner Person die Würden eines Domherrn zu Prag, und 
Propstes der Capitel zu Leitmeritz, Olmütz und Brunn. ^) Leider 
verfiel auch er mit seinem königlichen Gönner in das traurige 
Schisma, welches von 1080 bis 1088 an dem irregeleiteten Könige 
einen so eifrigen Verfechter fand. Auch mochte ihn im Jahre 1088 
das vom Bischöfe Jaromir über den König und sein Haus allerdings 
unrechtmässig verhängte Interdict mit berühren. *) Ausgesöhnt mit 
dem rechtmässigen Papste wurde er — wahrscheinlich kurz vor 
dem Tode seines königlichen Freundes (f 14. Jänner 1092) — 
auf den bischöflichen Stuhl zu Olmütz durch die einstimmige 
Wahl des dortigen Capitels erhoben. ^) Seine bischöfliche Conse- 
cration verzog sich aber durch dieselben Umstände, wie die des neuen 
prager Bischofs Cosmas ^) bis 12. März 1094 , wo sie endlich durch 
den Erzbischof Rudhard von Mainz auf einer zu Mainz versammel- 
ten Generalsynode des deutschen Reichs zugleich mit der Weihe 
des neuen Bischofs von Prag Statt fand. Nun erst verzichtete An- 
dreas auf die seit 19 Jahren bekleidete Propsteiwürde von Leitme- 
ritz. '') Unter ihm erst soll das mährische Bisthum seinen blei- 
benden Sitz in Olmütz erhalten haben, nachdem seine beiden 
Vorgänger angeblich die Kirche des h. Petrus in Polesowic bei We- 
lehrad (nach Andern aber in Kuniowic bei Olmütz) als Kathedrale 



Wenn alle Serien diesen Propst geradezu Andreas von Dubrawic nennen, 
so soll diess wohl nur soviel sagen, dass die Herreu v. D. diesen Andreas 
späterhin zu ihren Ahnen gezählt haben. Vgl. Palacky IL 1. 29. 

') Aug. Olomuc. — 
'^) Series des leitra. Capitelarchivs. 

3) Bubna catal. capit. Prag. — Augustin. Olomuc. — Dubrav. — 
4).Vgl. §. 47. 

5) Dubrav. 1. IX. nennt ihn „electus ex corpore suo"; also war er unzweifel- 
haft Mitglied des Capitels. 

"«) Vgl. §.5. 

7) So stimmt auch die Angabe der Serien über Aratsdauer seines Nachfolgers. 



245 

inne gehabt hatten. ') Andreas starb zu Ohmitz am 22. Mai 1097, 
und ward im dortigen Dome beigesetzt.^) 

3. Nach der Eesignation des Andreas erhielt Le tos law die 
Propstei zu Leitmeritz. ^) Er war ebenfalls, wie sein Vorgänger, 
einem mährischen Adelsgeschlechte entstammt, angeblich demsel- 
ben, das sich später den erblichen Namen der Herren von Swabe- 
nic beilegte. ^) Ist dem so, so war er ein Verwandter des nachmali- 
gen Bischofs Otto von Prag, vielleicht sogar dessen Bruder und 
derselbe Letoslaw, der die Kirche am Zderas in Prag gründete und 
daselbst seinen am 11. Juli 1190 vom Prinzen Bfetislaw ermorde- 
ten Vater Zderad, den beneideten Günstling Wratislaw^s IL begrub. ^) 
Möglich, dass der zum Throne gelangte Bretislaw zur Sühne für 
die am Vater verübte Schuld ebenso im Jahre 1094 unserem Le- 
toslaw die Propstei von Leitmeritz verlieh, wie er später den Otto 
mit einem Canonicate zu Prag und der Propstei zu Sadska, nach- 
mals mit der Propstei des prager Domstifts und endlich sogar mit 
dem prager Bisthum zu versorgen bemüht war. '^) Dieser Leto- 
slaw hinterliess bei der von ihm erbauten Kirche am Zderas reiche 
Stiftungen, die überdiess auch der Bischof Otto freigebig vermehrte. ^) 
So war für die nachmalige Stiftung eines Klosters bei diesem Got- 
teshause bereits eine Fürsorge getroffen worden. ^) Unser Propst 
Letoslaw starb im J. 1125. ^) 



1) Baibin. miscell. D. I. L. 2. C. 7. — Aug. Olomuc. edit. Fr. Xav. Ricliter 

-) Eben das.. Vgl. Dobn. ann. VI. 

^) Rohn (Antiquit. eccles. MS.) deutet aus Aulass der Angabe aller Serien 
dass dieser Propst 32 Jahre lang im Genüsse dieser Pfründe gewesen sein 
solle, die Vermuthung an, dass hier -vielleicht der Name eines zAvischeu 
Andreas und Letoslaw zu setzenden Propstes fehlen könne. Positive 
Anhaltspunkte gibt es für diese Vermuthung nicht. Ein 32jähriger Pfrün- 
denbesitz ist übrigens bei dem Umstände leicht denkbar, dass erweislich 
auch der jüngste Kleriker (oft noch im ersten Jünghngsalter) solche kirch- 
liche Beneficien erhalten konnte. 

*) So alle Serien der Pröpste, die ihn geradezu einen Grafen von Swabe- 
nic nennen. 

5) Vgl. Palack^ I. 323. 

^) Bubna catal. capit. Prag. 

'^) Ebendaselbst — und Dalimil. 

^) Hundert Jahre nach der Erbauung ward hier das Kloster der Kreuzherren 
vom Grabe Gottes gestiftet, dessen wir später gedenken werden. 

'••) Nach den Serien. 



246 

§. 63. Fortsetzung. 

4. Nach Letoslaws Tode erhielt em gewisser Beiieda die 
pröpstliche Pfründe zu Leitmeritz. Ohne Zweifel gehörte derselbe 
in die Zahl der Hofcapläne des ebenfalls im J, 1125 auf den Throii 
gelangten Herzogs Sobeslaw. Die Serien der Pröpste sagen nichts 
Weiteres von ihm, als dass er ein Enkel des Grafen Thasius ge- 
wesen sei. Es ist wohl hiemit jener Graf Thaz gemeint, dessen 
beide Söhne Naöerat und Wznata im J. 1085 bei der Besitznahme 
der Mark Meissen durch König Wratislaw ihr Leben verloren und 
damals weit berühmt waren als „riesige Scäulen des Vaterlandes und 
glänzend vom Lichte der Tugenden." ') War unser Beneda der Sohn 
eines dieser edlen Helden, so wollte Herzog Soböslaw durch die 
Begünstigung desselben wahrscheinlich die Dankesschuld seines ei- 
genen Vaters (Wratislaw 11.) zum Theile abtragen. Propst Beneda 
starb nach 14jährigem Genüsse der Propstei im Jahre 1139.") 

5. Von dem darauffolgenden Propste Sebastian ist etwas 
Weiteres nicht bekannt, als dass er im Jahre 1144 die von Herzog Wla- 
dislaw IL ausgestellte Confirmationsurkunde des olmützer Bisthums 
als Zeuge unterschrieb. '^) Eben daraus geht aber hervor, dass auch 
Sebastian am Hofe des Herzogs lebte, also vielleicht bis zu seiner 
Erhebung zur propsteilichen Würde (1140) ein Anhcänger des da- 
maligen Prinzen Wladislaw, und nun nach Berufung des letztern 
auf den herzoglichen Thron dessen ergebener Capellan. Lange hat 
dieser Sebastian die leitmeritzer Pfründe nicht inne gehabt ; da im 
J. 1167 .bereits sein Nachfolger daselbst mit Tode abgegangen ist. 

6. Als Nachfolger nennen die Serien den Hroznata, einen an- 
geblichen Grafen vonMelnik und Abkömmling Slawibors des Schwieger- 
vaters Boriwojs L Dieser Hroznata war ein Mann von ausgezeichneter 
Frömmigkeit und Heiligkeit, so dass er dadurch sogar die Vor- 



1) Cosmas ad anu. 1087. Ein zweiter Graf Tliasius würde wenigstens durch 
einen Beisatz unterscMeden worden sein. 

~) So die Serien. 

^) Erben regesta p. 110. Irrig nennt der Index bei Erben (p. 749) diesen 
Sebastianus decauus Litomericensis. Dem widerspricht schon der Wort- 
laut der Unterschrift, wo Sebastianus nach den Pröpsten von Prag, Wysc- 
hrad und Melnik als Sebastianus Litomericensis angeführt ist, — mehr 
aber noch der Umstand, dass es bis zum J. 134:9 keine Capiteldekano in 
Leitmeritz gab. 



247 

Züge seiner Gebiu^t verdunkelte. Er war auch einer der vorzüg- 
lichsten Förderer des damals in Böhmen emporblühenden Ordens der 
Prämonstratenser : als solcher schenkte er dem neuen Convente zu 
Leitomysl das Dorf OlSany (20. Jan. 1167), während sein Bruder 
Nemoy zu gleicher Zeit das Dorf Rugne dem neuen Stifte übergab. ') 
Wir werden später erfahren, wie alsbald ein anderer Hroznata, eben- 
falls Graf von Melnik genannt, dem Orden der Prämonstratenser 
die Klöster zu Tepl und Chotösau erbaute, und überdiess seine sehr 
bedeutenden Güter bei Leitmeritz fast durchwegs frommen Zwecken 
weihte. Muthmasslich war dies ein Neffe unseres Propstes, dieser aber 
ein Bruder des nachmaligen prager Bischofs Andreas und Sohn je- 
nes Hroznata, der am 6. Oktober 1152 als Wallfahrer zu Jerusa- 
lem gestorben war. ^) Die Serien geben das Sterbejahr unseres 
Propstes auf 1157 an : nach dem oben Gesagten muss selbes jedoch 
erst nach dem Jahre 1167 fallen. 

7. Ihm folgte Martinus in der pröpstlichen Würde nach. ^) 
Dieser ist erweislich im Jahre 1169 Propst des leitmeritzer Capi- 
tels gewesen ; denn als solcher wird er in zwei für das mährische 
Stift ßaigern im selben Jahre ausgestellten Diplomen des olmützer 

') Erben regest. 138 u. 139. Hier wird der Schenker einfach nur Hroznata 
praepositus genannt. "Wohl nenni Pesina phosp. p. 605 einen Hroznata 
praepositus Pragensis, der aber nach ihm am 6. April 1152 gestorben ist, 
und um so weniger der Schenker von Oläany gewesen sein kann, als ebenfalls 
nach Peöina's Angabe 1161 n. 1167 u. urkundlich (Erben regest. 134. 137, 
139. 143. 145. 149) sogar vor 1160—1172 Ullrich von Waldek als prager 
Propst -genannt wird. Ebenso wenig war aber jener Hroznata der 1144 
urkundlich genannte Propst Hroznata von Melnik; denn in den Jahren 
1160—1167 war urkundlich (Erben reg. 135. 137. 139. 151. 157) bereits 
sein in obiger Urkunde ebenfalls genannter Nachfolger Jurata Propst zu 
Melnik. Auch war jener Hroznata nicht Propst auf dem Wysehrad; denn 
dort bekleidete diese Würde urkundlich v. 1146 — 1188 ein gewisser Ger- 
vasius. (Erben reg. 118—181.) Ebenso konnte er auch nicht Propst von 
Sadska sein, wo nach 1165 ein gewisser Albertus (1167 ein Paltnir) dieser 
Würde vorstand (Erben 137 u. 139;;' endlich auch nicht Propst v. Alt- 
bunzlau, wo urkundlich von 1160 ah ein Propst Petrus erscheint. (Erben 
reg. 135. 137.) Also war es ein Propst v. Leitmeritz. 

~) Weleslawin Kai. bist. Vgl. Balbin's Stammbaum der Guttenstcine. 

^) Mit einziger Ausnahme des M. S. v. Rohn (antiq. cccl.) kennt keine der 
bisherigen Serien diesen Propst, — jedenfalls irrig, wie sich zeigen wird. 
Uiberhaupt werden jene Serien hierorts mehrfach eine Vervollständigung 
u. Berichtigung finden. 



248 

Herzogs Friedrich und ebenso in einer wieder in demselben Jahre 
zu Gunsten des Johanniterordens ausgestellten Schenkungsurkunde 
des Königs Wladislaw I. ausdrücklich als Zeuge angeführt. ') Es ist 
daraus zugleich ersichtlich, dass Martin gleich seinen Vorgängern 
als Caplan und Notarius am fürstlichen Hofe lebte. Er war der 
Neffe des Propstes Gervasius vom WySehrad, des berühmten könig- 
lichen Kanzlers, der in den Jahren 1158 und 1162 auch als tap- 
ferer Krieger in Italien an der Seite seines Königs kämpfte % und 
derselbe Notarius und Unterkanzler Wladislaws I., der als ehrsa- 
mer und in der Beredsamkeit wohlgeübter Kleriker, und als beson- 
ders treuer und geliebter Diener seines Fürsten bekannt, im Jahre 
1164 an der Spitze einer nach Constantinopel bestimmten ehren- 
vollen Gesandtschaft sich befand. ^) Die Propstei zu Leitmeritz, 
die er jedenfalls der Huld seines königlichen Gönners verdankte, 
besass er nicht lange. Wahrscheinlich erst um 1168 zu derselben 
erhoben finden wir ihn im Jahre 1174 schon in der ansehnlichen 
Würde eines Propstes des prager Domstifts, ^) zu der ihn eben- 
falls die Gunst seines königlichen Herrn befördert hatte. ^) Aber 
auch in dieser Stellung, die ihm ohne Zweifel durch den im Jahre 
1179 ausgebrochenen Thronstreit und Bürgerkrieg herb verbittert 
wurde, verblieb er nicht lange. Vielleicht in derselben Zeit, sicher 
aber im Jahre 1180 trat er in den von ihm hochverehrten Orden 
der Johanniter ein, — allerdings mit Vorbehalt seines pröpstlichen 
Titels. '^) Diesen Orden hatte eigentlich Martin selbst in Böhmen 
eingeführt; denn schon im Jahre 1156 hatte er demselben in Ge- 
meinschaft mit seinem Onkel Gervasius aus eigenem Vermögen 
die Kirche und das erste Hospital bei St. Maria an der prager 
Brücke erbaut, ^) und ansehnliche Güter am Flusse Mies zum Be- 

^) Urkunde in Erben regesta. p. 143—145 u. bei Maguoald Ziegelbauer: 

Chron. mou. Brewnow. 
~) Tomek Gesch. P. I. 651. Hammerschmidt gloria eccl. Wysehrad. p. 487. 

3) Chron. Viucentii (Mon. Boh. I. 76). Chron. Pulkavae (ibid. IV. 188). Vgl. 
ürkden. bei Erben reg. 132 u. 137. 

4) Urkunden bei Erben reg. ad. 1174 etc. (p. 151, 156, 158, 166); Tomek 
Gesch. Prags L 651. ■ 

^) Diess war jedenfalls schon im J. 1173 noch vor der Thronentsagung des 

Königs geschehen. 
<^) Der neue Prager Propst Peregrin wird von 1180 an genannt. Tomek 1.651. 
^) „Duces et reges Bohemiae" in Monum. Boh. III. p. 35. u. Dobneri obser- 

vationes pracviae daselbst p. 27. 



249 

sitze geschenkt. ') Jetzt nalim er auch das Kleid dieses Ordens 
und zog als geistlicher Ritter ins heilige Land. Um das Jahr 1183 
kehrte er von dort als „P r ä c e p t o r der r d e n s ü b e r ü n g a r n, 
Böhmen und alle im Osten, Süden und Norden angrän- 
z enden Länder" zurück, und erwirkte in dieser Eigenschaft die 
namhaftesten Schenkungen für seinen Orden in unserem Vaterlande. 
Im J. 1186 ging. er neuerdings nach Jerusalem. Von 1189 anfin- 
den wir ihn abermals im Interesse seines Ordens in Böhmen thä- 
tig.^) Er soll im J, 1199 noch gelebt haben. ^} Sein Sterbejahr 
ist uns unbekannt. 

8. Nach dem Abgange Martins erlangte D o b r o m i r die Würde 
des Propstes zu Leitmeritz. Derselbe soll ein Bruder jenes Georg 
TroSicky gewesen sein, der im Jahre 1158 den König Wladislaw 
in den italienischen Krieg begleitet, und dort wegen ausgezeichneter 
Tapferkeit vom Kaiser Friedrich ein Ehrenwappen erhalten hatte. *) 
Von diesem Propste ist weiter nichts bekannt, als dass er schon um 
1170 gestorben sein soll. ^) Wahrscheinlicher ist es aber, dass er 
um diese Zeit erst zur pröpstlichen Würde gelangte, und bis um 
das Jahr 1187 dieselbe verwaltete; denn in letzterem Jahre erst wird 
sein Nachfolger urkundlich erwähnt. Da Dobromir's Name in den 
noch aufbewahrten öffentlichen Urkunden dieser Zeit nicht genannt 
wird, liesse sich vielleicht vermuthen, dass dieser Propst damals 
irgendwo ausser Landes lebte, etwa am Hofe der nach Wladislavs 
Thronentsagung zu Merane in Thüringen wohnenden Königin Judith. 

9. Vom Jahre 1187 an erscheint urkundlich der Propst Ka- 
dosta von Leitmeritz. '') Unsere Serien (sowie auch einige Wyse- 
hrader Urkunden) nennen ihn auch Gaudentius. Es ist diess ohne 
Zweifel dei^selbe Radosta, den wir in den Urkunden um 1174 als 
Caplan Soböslaws IL, des Bauernfürsten, kennen lernen, '') und wie- 



') ürkde. Erben reg. 181. 

'^iDobneri aimal. VI. 534, 570, 590; Erben regesta p. 167, 174, 183; Bubna 

Canon, cap. Pi'ag. 
^} Bubna 1. c. 
*) Illust. Chronik v. Böhmen IL 508; Crugerius,* vergl. Chron. Neplachonis, 

Pulkavae, Hajek etc. ad ann. 1059. 
^) So die Serien mit Ausnahme Rohns. 
«) Erben reg. p. 179, 180, 183. 
') ürkde. Erben reg. p. 150. * 



250 

der derselbe Eadosta, welcher iin J. 1181 als Canonicus des i)ra- 
ger Capitels erwähnt wird, ') Von 118Y au erschemt er ohne Un- 
terbrechung bis zum Jahre 1199 als Propst von Leitmeritz, ^) welche 
kirchliche Würde er wahrscheinlich dem Herzoge Friedrich zu ver- 
danken hatte. Dass auch er als Hofgeistlicher in beständiger Nähe 
seines Fürsten lebte, dafür bürgt seine wiederholte Zeugenschaft in 
landesfürstlichen Urkunden ^) ; für seine thätige Verwendung in öffent- 
lichen Angelegenheiten aber zeugt seine Theilnahme am Landtage 
zu Sadska im J. 1189, wo unterschiedliche Gesetze für die Ruhe 
und Ordnung des Landes festgesetzt wurden. "*) Sein Sterbejahr 
ist uns nicht bekannt. ^) Jedenfalls schloss er das zwölfte Jahr- 
hundert ab, und wir nehmen desshalb von ihm Uibergang auf die 
Vorsteher des andern Collegiatstifts innerhalb der jetzigen Grän- 
zen des leitmeritzer Bisthums. 

§. 64. Die Pröpste des Collegiatstifts zu Melnik. 

1. Als erster nachweisbarer Propst zu Melnik erscheint in 
den Serien ") S e v e r u s, und zwar um das Jahr 1086. Demselben wid- 
mete unser ältester Chronist Cosmas seine oft erwähnte Chro- 
nik. Er nennt ihn in seiner Widmungsschrift seinen geliebten Freund, 
und einen Mann, der mit wissenschaftlichen und geistlichen Kennt- 
nissen gleichmässig ausgerüstet sei. ') Vordem war er des Cos- 



1) Ebene], p. 166. 

2) Zuletzt noch 1199 als Zeuge in einer Urkunde des Herzogs Otto. (Dob- 
neri anual. VI, 590.) 

3) Erben reg. 179, 180, 183. 

4) Pubitschka IV. 401. 

^) Die bisherigen Serien setzten irrig sein Ableben in das Jahr 1188. Nur 
einige (Bretfeld, Weidner, illust. Chronik) sagen, — ebenfalls irrig, — 
dass sein Name 1188 zum letzten Male genannt werde. 

•^j Dem Verfasser sind folgende Serien der melniker Pröpste zur Hand: 

1. Die Series des „Extractus ex libro memorabilium decanalis ecclesiae 
Melnicensis" von Dechant Josef Ritter von Wlkanowa 1726, — geschöpft 
aus den wenigen noch übrigen Akten in Melnik u. aus dem „Extractus de 
annalibus monasterii S. Joannis sub rupe fol. 25 (Diadochus seu successio 
quox'umdam D. D. praepositorum coUeg. eccl. Melnicensis)", das M. S. im 
Icitm. bisch. Archive. — 2. Die Series in Rohns; Antiquitates ecclesiaruni 
circuli Boleslav. p. 85 et seq. — Keine dieser beideii Serien ist vollständig. 

'^> Cosmas. 



251 

mas Mitcapitiilar im prager Domstift gewesen. ') Weiteres ist von 
ihm nicht bekannt. Wahrscheinlich aber gehörte er ebensowohl 
wie seine Nachfolger zur Hofgeistlichkeit des regierenden Landes- 
fürsten. Auch sein Sterbejahr ist nirgends ausdrücklich erwähnt. 
Aus dem Umstände aber, dass Cosmas sein Werk erst kurz vor 
seinem im Oktober 1125 erfolgten Tode vollendete, und erst in die- 
ser Vollendung unserem Propste Severus weihte, lässt sich schliessen, 
dass letzterer wohl erst nach dem Jahre 1125 aus dem zeitlichen 
Leben geschieden sein muss. 

2. Als seinen Nachfolger nennen die Serien um 1 1 25 den Propst 
Gervasius. ^) Es ist diess wahrscheinlich derselbe Gervasius, dem 
Cosmas das um 1110 fertig gewordene erste Buch seiner Chronik 
gewidmet hatte. Damals war dieser Gervasius noch „Obertältester" 
(archigeron) oder Vorstand der Schule der Kleriker am prager Col- 
legiatcapitel, und anerkannt als in allen Studien der freien Künste 
vollkommen bewandert und in der Kenn tniss jedweder Wissenschaft 
ausgezeichnet. ^) Näheres ist auch von ihm nicht bekannt. Dass 
er mit dem im Jahre 11*78 abgeschiedenen obersten Kanzler und 
Propste Gervasius (Kanzler bereits 1146*) von WySehrad eine Per- 
son gewesen sei, ist wohl nicht unmöglich aber doch etwas unwahr- 
scheinlich, indem er dann mindestens ein Alter von 100 Jahren er- 
reicht haben müsste. 

3. Um 1144 wird in öffentlichen Urkunden ein melniker Propst 
Hroznata genannt. ^) Damals gehörte er unzweifelhaft zur Hof- 
geistlichkeit des Herzogs Wladislaw. Weiteres wissen wir nicht 
von ihm, falls er nicht identisch ist mit dem nachherigen Propste 
Hroznata von Leitmeritz. ^) Die Beförderung von Melnik nach Leit- 
meritz hat allerdings einige Beispiele für sich. 

4. Als nächster Propst erscheint Jurata, den mehrere lan- 
desfürstliche Urkunden aus den Jahren 1160 bis 1168 unter die- 



•") Bubna can. cap. Prag. 

~) Obige Serien. 

''j Cosmas am Anfange des 1. Buches. Vergl. Scriptor. rer. boh. Tom. !• 

praef. p. XL et X. 
4) Erben reg. 118. 
^) ürktl. bei Erben reg. 109, 110. Die oben citirten Serien Itennon diesen 

Propst niclit.' 
e)Ygl. oben §.63. 



252 

sem Titel als Zeugen aufführen. ') Dieser Propst ist doppelt in- 
teressant, einmal im Allgemeinen, indem späterhin ein rechtmässi- 
ger Sohn desselben auftritt, so dass Jurata entweder als Propst 
(wohl ohne die Priesterweihe) oder vordem verheiratet war, — und 
dann wieder insbesondere für die jetzige leitmeritzer Diöcese, in- 
dem ihm ein Theil der heutigen Stadt Grabern als Eigenthum gehörte. 
Erweislich vertauschte nämlich des Jurata Sohn Chren sein Erbgut 
in „Cravar" mit der ganzen dazu gehörigen Waldung gegen den 
Hof Radowesic an das Kloster zu Doxan. ^) Jurata scheint im J. 
1168 mit Tode abgegangen zu sein. ^) 

5. Ihm folgte bereits im Jahre 1168 der berühmteste aller 
Pröpste von Melnik, der selige Adalbert. 

Adalbert war der dritte Sohn des Königs Wladislaw, geboren 
von Gertrud von Oesterreich, der edlen Stifterin des Jungfrauen- 
klosters zu Doxan. Nachdem er als etwa achtjähriger Knabe seine 
Mutter durch den Tod verlören hatte, Avard er in das neugegrün- 
dete Prämonstratenserkloster Strahow zur Erziehung gegeben, ebenso, 
wie nachmals seine ebenfalls als seiig verehrte Schwester Agnes 
in das Kloster zu Doxan. *) Hier lernte er von Kindheit auf das 
geistliche Leben kennen und lieb gewinnen. Hier sammelte er auch 
einen reichen Schatz von Kenntnissen und erwarb jene ausgezeich- 
neten Tugenden, die ihn bald allerwärts bekannt und beliebt mach- 
ten. Er widmete sich bleibend dem geistlichen Stande und erhielt, 
kaum 24 Jahre alt die eben erledigte Propstei des Collegiatstifts 
zu Melnik (1168). Noch in demselben Jahre aber wählte ihn das 
Domcapitel zu Passau zu seinem Bischöfe, und bevor er noch Zeit 



') Erben reg. 135, 137, 139, 141. 

«) Urkunde bei Erben reg. ad ann. 1176. p. 157. Tomek I. 100 verlegt 

. irrtMmlicb dieses Ci'awar hinter LibeA bei Prag. Wir kommen darauf 
bei Besprecliung des Klosters Doxan wieder zurück. 

3) Eine Vermuthung drängt sich auf: War vielleicht der 1145 vom Cardinal 
Guido wegen seines verheirateten Standes entsetzte prager Propst nach- 
mals wieder zu einem geistlichen Amte gekommen? Wurde er in einer Zeit 
da die Reformation Guidos wieder vielfach umgangen ward, mit der Propste ' 
Melnik versorgt? (Vgl. §. 52.) 

*) Chron. Pulkavae ad ann. 1151. (Mon. Boh. III, 166). Mika „das ruhmwür- 
dige Doxan" p. 21, cit. Strahöwer Jahrbücher. Vgl Palacky I. 430. 



253 

gewonnen hatte, die Annähme dieser Würde zu erklären, erkor ihn 
auch das Capitel zu Salzburg zu seinem Metropoliten. ') 

Von da an begann die Zeit schwerer Leiden für Adalbert. 
Das Salzburger Domcapitel, bisher wegen seiner offenen Erklärung 
für den rechtmässigen Papst Alexander III. vom Kaiser Friedrich 
viel verfolgt, hatte den böhmischen Prinzen in der Hoffnung ge- 
wählt, dass dieser wenigstens als Sohn eines langjährigen Freundes 
dem gereizten Kaiser genehm sein und so die kaiserliche Bestäti- 
gung finden werde, und dass man so nicht erst genöthigt werden 
möchte, einen erklärten Schismatiker als Erzbischof anzunehmen. 
Diese Hoffnung war vergeblich. Dem Kaiser stand die Parteinahme 
für seinen schismatischen Papst höher, als die schon längere Zeit 
schwankende Freundschaft mit dem böhmischen Könige. So kam . 
es, dass Wladislaw und Adalbert auf dem Hoftage zu Bamberg statt 
der gewünschten Belelmung des letztern mit den Regalien — nicht 
einmal Zutritt erhielten. (8. Juni 1169.) Ja der Kaiser brach sogar 
noch im folgenden August mit bewaffneten Schaaren gegen Salz- 
burg auf, und strafte durch furchtbare Verwüstung des Landes das 
ihm verhasste Capitel. -) Vergeblich bemühte sich Adalbert den 
erzürnten Kaiser zu versöhnen, indem er demselben die Feste und 
Stadt Salzburg und alle Burgen, Ministerialen, Ortschaften und 
Zehnten des Erzstifts ohne Vorbehalt als einzigen Gegenstand weltli- 
chen Interesses überlieferte, ja sogar noch 5000 Mark Silbers und 
20 Pfund Goldes herauszuzahlen versprach, und selbst nichts Wei- 
teres haben wollte, als sein geistliches Amt, ^) das er durch Con- 
secration von Seiten des Patriarchen zu Aquileia und durch Em- 
pfang des erzbischöflichen Palliums von Seiten des Papstes Alexan- 
der III. bereits übernommen hatte. *) Alles war vergeblich. Fried- 
rich bedrängte das Capitel, dass es zu einer neuen Wahl schreite, ^) 
und befahl strengstens dem Klerus des erzbischöflichen Sprengeis, 
dem Erzbischof Adalbert den Gehorsam zu verweigern. ") Aber 



1) Palacky I. 453. 

3) Vgl. Ebeudcaselbst I. 454. 

3) Vgl, Urkde, Erben reg. 142. 

■*) Inthronisirt am 1. Nov. 1168, zum Priester geweiht und consecrirt zum 

Bischöfe 15—16 März 1169. Damberger synchr. Gesch. VITI. 863. 
5) Ebendas. 
«) Urkde. ebendas. 145 ad ann. 1170. Damberger VIII. 893, 894, 899. 



254 

auch dieses war vergebens. Der grössere Theil der Capitularen 
widerstand dem kaiserlichen Ansinnen aus Begeisterung für die ge- 
rechte Sache, der Klerus aber fürchtete die angedrohten kirchlichen 
Censuren mehr, als den Zorn des Kaisers. ') Adalbert selbst flüch- 
tete zu seiner persönlichen Sicherheit erst in die Gebirge von Kärn- 
then und 1170 in das obersteierische Kloster Admont. -) Ohne Er- 
folg blieb ein Versuch unseres Königs Wladislaw, durch den Bischof 
Wigmann von Magdeburg seinen Sohn mit dem Kaiser zu versöh- 
nen ^) (1171). Indess ermahnte der Papst Alexander III. unseren 
Fürsten wiederholt (1171 und 1172), seinen Sohn und die Kirche 
von Salzburg standhaft zu vertheidigen. *) Wladislaw aber fühlte 
bereits zu sehr, dass seinem durch mehrere Krankheiten geschwächten 
Leben das Ende nahe, und es war ihm viel zu viel daran gelegen, sei- 
nem ältesten Sohne die Nachfolge in Böhmen zu sichern, als dass 
er jetzt einen unabsehbaren Kampf gegen den Kaiser hätte eröff- 
nen mögen. ^) Drum begnügte er sich, noch einmal im Jahre 1172 
den Weg der Unterhandlung zu betreten. Zu diesem Zwecke be- 
suchte er deii Hoftag des Kaisers zu Salzburg, und drei Suffragane 
von Salzburg vereinten dort mit ihm ihre Bitten für Adalbert. Da 
war der Kaiser endlich bereit, den Adalbert wieder in Gnaden auf- 
zunehmen : jedoch müsse derselbe gegen anderweitige Entschädi- 
gung mit geistlichen Würden jedenfalls dem salzburger Erzbisthume 
entsagen. Solche Bedingung aber nahm Adalbert nicht an und 
floh neuerdings in die Gebirge. ^) Mehr als je zürnte nun Fried- 
rich ihm und dem salzburger Capitel, das treu an seinem Metro- 
politen hielt. Harte Drohungen eröffneten die Feindseligkeiten (11 73).^) 
Uiberdiess erhob sich jetzt im kaiserlichen Auftrage der Herzog 
Heinrich von Kärnthen, um den armen Erzbischof allerwärts zu ver- 
folgen und seine Anhänger in jeglicher Weise zu bekämpfen. ^) Auch 



>) Vgl. Urkde. Erben 142. u. 150. 

^) Henricus arcMdiac. Salisburg. item cliartae arcWepiscopales bei Hansiz II. 

288; also weilte er nicht in Mähren u. in seiner Propstei zu Melnik, wie 

Pulkawa erzählt. 
3) Urkde. bei Erben reg. 146. 
*) Urkden Erben reg. 147. 
5) Vgl. Palacky I. 455. 
«) Vgl. Urkde. Erben reg. 148. 
7j Vgl. Urkde. Erben reg. 150. 
^) Urkde. in Erben reg. 152. 



255 

die Grafen von Plauen verdienten sich in gleichem Kampfe des Kai- 
sers Lob. ') Der unglückliche Erzbischof, der nach der Thronent- 
sagung seines königlichen Vaters (1173) keine Hilfe mehr aus dem 
Vaterlande gewärtigen konnte, wurde nun sogar auf einem Reichs- 
tage zu Eegensburg (26. Mai 1174) förmlich — obwohl unrechtmässig 
— abgesetzt, und der Propst Conrad von Berchtesgaden an seine 
Stelle eingedrängt. ") Da verliess endlich das eingeschüchterte Ca- 
pitel seinen hartbedrängten Metropoliten. ^) Einzig nur der Herzog 
Heinrich Jasomirgott von Oesterreich bot ihm noch Schutz, obschon 
er desshalb vom böhmischen Bauernfürsten auf kaiserliches Geheiss 
mit Krieg überzogen ward (1175). Da machte endlich der Friede 
von Venedig (24. Juni 1177) dem Kampfe zwischen Friedrich und 
dem Papste ein Ende: hiemit musste auch Friede werden zwischen 
Ersterem und dem Erzbischole Adalbert. Der fromme, aller Eigen- 
sucht bare Kirchenfürst legte zu diesem Ende seine ganze Sache 
in die Hände des Papstes. *) Auf dessen Wunsch brachte er seine 
Person dem eben geschlossenen Frieden zwischen Kirche und Reich 
zum Opfer. Er resignirte auf das salzburger Erzbisthum. ^) 

Während des ganzen Kampfes hatte AdalKert die Prep st ei 
von Melnik sich vorbehalten. Einer Administration daselbst hatte es 
aus dem Grunde nicht bedurft, weil die wenigen damit verbundenen 
geistlichen Functionen ohnehin von jeher (da die Pröpste selten 
Priester, sondern meist nur niedere Kleriker waren) durch ange- 
stellte Vicare besorgt wurden. Aber nur, so lange sein Vater in 
Böhmen regierte, wahrte man dort des bedrängten Sohnes Recht. 
Gleich nach Wladislaws Thronentsagung . (anfangs 1173) finden wir 
dort einen — ohne Zweifel vom Herzoge Sobeslaw erwählten Propst, 
Namens Hieronymus. So sollte, das Schisma auch selbst hieher 
sich verpflanzen. ") Dieser Hieronymus wird zugleich als Magister der 
Gottesgelehrtheit aufgeführt und war ohne Zweifel einer der Hofgeist- 



') Urkde. in Erben reg. 152. 

-) Palacky I. 466. Damberger Vni. 924. 

3) Urkde. Erben reg. 154. 

4) Palacky I. 467, 

5) ürkden. reg. 160. Damberger VIII. 989. 

"; Dass Hieronymus wirklicher Propst u. nicht bloss Administrator war, 
dafür bürgt ausser Obengesagtem seine Unterschrift in öffentlichen Urkunden 
bei Erben reg. 149 ad 1172 (reete 1173). 



256 

liehen des neuen, dem Adalbert feindseligen Fürsten. Er muss 
aber bereits im Jahre 1174 gestorben sein. Denn im nächstfolgen- 
den Jahre l)efiehlt Kaiser Friedrich dem Herzoge Soböslaw, die er- 
ledigte Propstei zu Melnik einem kaiserlichen Verwandten zu ver- 
leihen, dem Soböslaw vor Kurzem die Stelle eines Hofkaplans ent- 
zogen hatte. ') Es ist kaum zu zweifeln, dass der Herzog dem Be- 
fehle des Kaisers wirklich nachkam. Doch ist uns der Käme des 
neuen Propstes nicht mit Sicherheit bekannt. Nur die Bezeich- 
nung desselben mit „ße" lässt den Namen Benedikt (Benko) ver- 
muthen. Vielleicht war es derselbe Benedikt, den wir später als 
Propst von Leitmeritz kennen lernen werden. 

Adalbert kehrte nach seiner im Jahre 1177 erfolgten Resig- 
nation auf Salzburg und nach der Vertreibung des ihm feindlichen 
Bauernfürsten Sobeslaw im Jahre 1178 nach Böhmen zurück, und 
nahm nun wieder ohne Anstand Besitz von seiner Propstei zu 
Melnik. Der Kirchenfriede musste selbstverständlich auch hier 
das Schisma enden. Er lebte nun in Melnik selbst in frommer 
Zurückgezogenheit. „Uiber seine Sanftmuth, Frömmigkeit und Hin- 
gebung war unter seinen Zeitgenossen nur eine Stimme." Sie ver- 
söhnte endlich auch den ihm feindlich gesinnten Kaiser, der ihm 
1182 die Rückerstattung seines Erzbisthums versprach, und dieses 
Versprechen im nächsten Jahre wirklich erfüllte. ^) Adalbert blieb 
nun wohl immer noch Propst von Melnik, zog aber nach Salzburg, 
um dort ganz für sein heiliges Amt zu leben. In den Jahren 1184 
und 1189 sollte er sich noch der Würde eines apostolischen Lega- 
ten erfreuen. ^) Endlich beschloss er im Rufe der Heiligkeit sein 
vielbewegtes, leidenvolles Leben am 7. April 1200. Unsere Vor- 
fahren verehrten ihn als einen Seligen. *) 

§. 65. Das neue CoIIegiatstift Wysehrad. 

1. Herzog Wratislaw II. hatte bereits um 1068 in Folge eines 
Gelübdes ^) den Grund zur Kirche des h. Petrus in der alten Für- 



') Urkde. Erben reg. 155, 156. Der neue Candiclat wh'd im jetzigen Texte 

der Urkunde nur mit Be bezeichnet. 
-) Palacky I. 475. 
3) Urkde. Erben reg. 172, 188. 
*J Bubna Canon, cap. Prag. 
^) Dass ein Gelübde der Grund war, bestätigt die Bulle Alexanders 11. ad 



257 

stenburg Wyselirad gelegt, in der Absicht, dabei ein neues Colle- 
giatstift zu gründen. ') Den Grundstein hatte auf seine Verwen- 
dung ein eigens dazu von Eom gekommener päpstliclier Legat, Jo- 
hannes Bisehof von Tusculum, gelegt und Wratislaw selbst hatte 
dabei 12 Körbe voll Erde auf eigenen Schultern zugetragen. -) Be- 
reits unterm 9. Mai 1070 konnte Papst Alexander IL dem neuen 
Gotteshause, bei welchem 12 Capitularen nebst einem Propste und 
einem Dechante den heiligen Dienst versehen sollten, auf Wrati- 
slaws Verwendung den Schutz des apostolischen Stuhles nnd den 
Ehrenrang als einer Hauptkirche des Landes verleihen, unter Einem 
die bereits erlangten Besitzungen bestätigen, und den Capitularen 
den Gebrauch der bischöflichen Mitra und Sandalien zugestehen. ^) 
2. Ausnehmend reich war die Dotation des nunmehrigen 
ersten u n d vornehmste n aller Collegiatcapitel in Böhmen und 
Mähren. Herzog Wratislaw war gegen dasselbe überaus freigebig 
in der Widmung von Ortschaften, Zinsungen und dienstbaren Leu- 
ten. Auch dnr Bischof Gebhard (Jaromir) von- Prag schenkte dazu 
200 und Bischof Johann von Olmütz 100 zinsbare Unterthanen. "^j 
Weiterhin beeiferten sich auch die Nachfolger sowohl auf dem her- 
zoglichen als bischöflichen Stuhle und nicht minder die Edlen des 
Landes, den Glanz des Wysehrader Stiftes durch neue Schenkungen 
zu vermehren. So gelangte dieses zu einem Reichthume, der als- 
bald im weiten Vaterlande seines Gleichen suchte. So wurden auch 
die Würden — nicht bloss des Propstes und Dechants, sondern 
auch der einfachen Capitularen einerseits immer mehr ein Gegen- 



1072. Gegen die Angabe des Hajek u. Dubravius, welcbe behaupten, Wra- 
tislaw habe den ganzen Plan der neuen Capitelstiftung nur seinem bischöf- 
lichen Bruder zum Possen gefasst u. ausgeführt, spricht ausser der Natur 
der Sache auch noch der Umstand, dass Bischof Gebhard (Jaromir) selbst 
bei der Dotation des neuen Stifts sich betheiligte. (Vgl. dieselbe Bulla 
Alexanders II., u. Pesina phosph. p. 266.) 

') Hammerschmidt gloria et majestas ecclesiae Wysehradensis. Ruffer: 
Historie Wysohradsliä 38 etc. 

-) Urkde. Alexanders II. in Erben reg. p. 57. Vielleicht hängt niit dieser 
Grundsteinlegung durch einen römischen Legaten die seltsame Sage zu- 
sammen: der Teufel habe bei Gelegenheit dieses Baues eine Säule von 
Rom herbeigetragen. 

•*) Dieselbe Urkunde Alexanders II. u. Tomek Gesch. Pr. I. 86. 

'*) Obige Urkunde Alexanders 11. 

17 



258 

stand der Bewerbung für die edelsten Familien, und anderseits eine 
besondere Auszeichnung für die verdientesten Kleriker des Landes. 

Als Präbenden dieses Capitels werden im J. 1384 aufgezählt, ') 
und zwar mit Ausschluss der Propstei, der Dekanie und Schola- 
sterie : Die Custodie-Präbende Kbel (2 Schock 6 G.), die einfachen 
Präbenden Modfanov (2 Seh.), Wr§owice mit Wotice (1 Seh. 12 Gr.), 
Tritec (36 Gr.), Kustoplach (Kostomlaty ?), Sitka (2 Seh. 6 Gr.), 
Snöt (1 Seh. 26 Gr.), die Präbende bei Saaz (3 Seh. 4 Gr.), 
Pfeska (42 Gr.), Blazejowice und Branice (34 Gr.), die Präbende 
in Elbogen (1 Seh. 10 Gr.), Hohenmauth (0), Hroznetice und Ho- 
fice (1 Seh. 12 Gr.), Dymice (1 Seh. 6 Gr.), Hefman (0), 2ili- 
mir (1 Seh. 12 Gr.), Jezov mit Kralowice (1 Seh. 12 Gr.), die 2 
Präbenden in Blazejowice und Branice (34 und 30 Gr.), Öesowice 
(32 Gr.), Tomice (15 Gr.), Chrystoklad (0), 2 Präbenden in Libe- 
znice (jede 2 Seh.), UrSawa (30 Gr.), — und die Obedienz in Ka- 
menny Most (30 Gr.). 

3. Im Umkreise der jetzigen Diöcese von Leitmeritz lagen 
folgende Besitzungen des Capitels: 

a. Der Gutscomplex von Schütte nitz (Sitenice). Schon bei 
der Stiftung des Capitels (1068) gelangte diese noch heute zu Wy- 
§ehrad gehörige Besitzung an das genannte Capitel, und zwar, wie 
die dem Inhalte nach verlässige sogenannte Stiftungsurkunde ^) aus- 
drücklich besagt, — das ganze Dorf mit Wein- und Obstgärten, 
angehend von der Quelle, die im Berge Lbin (jetzt Welbine) ent- 
springt, bis an die Marktstrasse herab. Ausserhalb dieser Grän- 
zen bestand — wie schon erwähnt wurde — eine Obedienz des 
leitmeritzer Collegiatstifts. Die Pfarrkirche in Schüttenitz ward um 
das Jahr 1200 von dem Propste Siegfried von Eppenstein (zugleich 
Erzbischof von Mainz, nachmals Cardinal) erbaut und feierlich con- 
secrirt. ^) Nachmals geschah unter König Wenzel I. (c. 1230J ein 
Vergleich zwischen dem Propste und Capitel betreffs der beidersei- 
tigen Rechte in Schüttenitz: hiebei wurde bestimmt, dass die Col- 



1) Regist. decim. Die beigefügten Beträge sind die Halbjahrszehente v. 1384 
und lassen auf den Reichthura des Capitels schliessen. 

*) Erben reg. 77. Diese Stiftungsurkunde ist zwar nicht authentisch, aber dem 
Inhalte nach wahrhaft. (Tomek. G. Pr, I. 86.) 

3) Anonymus Gontinuator ephemeridum Litomeric. M. S. der strahöver Stifts- 
bibliothek. 



259 

latur über die Pfarrkirche daselbst dem gesammten Capitel zuste- 
hen solle. ') Später scheint diese Bestimmung wieder abgeändert 
worden zu sein, indem erweislich in der zweiten Hälfte des 14. 
Jahrhunderts und weiterhin diese Collatur als ein ausschliessliches 
Recht der Pröpste erscheint. ^) Die Dotation der Pfründe war so 
vorzüglich, dass ihre Beisteuer zum allgemeinen Kirchenzehent im 
J. 1384 halbjärig auf 24 prager Groschen fatirt werden konnte. ^) 
Im Jahre 1408, 26. April übertrug ein Weinbergbesitzer daselbst 
noch den Zehent von seinem Weinberge aus freien Stücken an jene 
Kirche. '*) Im J. 1410, 4. Juni verpfändete König Wenzel dieses 
Dorf sammt den dazu gehörigen Ortschaften um 500 Schock böhm- 
Groschen an Hasko von Robeö, ^) von dem es nachher auf eine Zeit 
an die Herren von Raupowa gelangte. — Als dazu gehörige Orte 
werden erwähnt: Lb in (das heutige Welbine) '^), Skalice, das 
heutige Skalitz am Schüttenitzer Bach, Tynec (Teinitzl, Gut Za- 
hofan), Malego w (Maischin, ebendaselbst), Wrutice (Webrutz, 
GutEnzowan), Kojetic (Gojeditz, Gut Schwaden), ^) Aujezd (Gut 
gl. N.), ein Zehent in Leitmeritz, ^) und das Patronat der S. 
Peter scap eile in der Vorstadt daselbst. ") 



') Urkunde in Hammerschmidts: gloria et majestas eccle. Wyseh. p. 182 etc- 
-j Libri Confirm. M. S. 11 und VII. Collatoren 1370 und 1372 Propst Johann 

1416 Albik, zugleich Erzbischof von Caesarea). Beide Pröpste ßind in der 

Series bei Hammerschraidt nicht erwähnt. 

3) Codex decimarum. 

4) Lib. Erect. VIII. B. 3. 

5) Palacky Archiv IL 453. 
^) Vgl. Stiftungsurkünde. 
') Ebendaselbst. 

^) Vergleichsürkunde 1239 bei Hammerschmidt p. 182. 

") Libri Confirm. M. S. ad 1402 und 1417. Als für diese Capelle präsentirende 
Pröpste werden da genannt; 1402 Nicolaus (nebst Boöko von Kunstadt), 1417 
Albik V. Cäsarea. Auch diesen Nicolaus kennt die Series bei Hammerschmidt 
nicht. Der Standort dieser Kapelle ist jetzt unbekannt. Vielleicht lässt der 
Umstand, dass der Propst auch das Zinsrecht von einem Eibbade nebst ün- 
terthaneh in Leitmeritz besass, vermuthen, auch jene Kapelle sei nahe an 
der Elbe (etwa in der heutigen Mariahilfvorstadt) gestanden. (1177 ertheilte 
K. Ottokar dem Capitel ein Privilegium, kraft dessen die Unterthanen des 
Capitels in Leitmeritz nicht zu den städtischen Gerichten gezogen werden 
durften, und das auf Propsteigrunde erbaute Eibbad dem Propste zinsen 
sollte. Hammerschmidt p. 210. 

17* 



260 

b. Als Vermäclitniss des Nemoy von Wrsowec gediehen im J. 
1 108 (nach dem Tode seiner Gemalin) an das Wygehrader Stift die 
Dörfer öernuc und Wra§kow (G. Doxan), Skräin (bei Kosel), Ch ra- 
ber ce (bei Laun) nebst Libyn (im rak. Kreise). ') Wahrscheinlich 
verfiel diese Erbschaft anfänglich mit in die Confiscation der Wr§o- 
wecischen Güter. Sicher befanden sie sich erst 1174 im Besitze 
des Capitels. *) üiberdiess besass letzteres in dieser Gegend schon 
vom Anfange her 1 Pflugmass zinsbaren Ackers nebst l Eleider- 
wäscherim Pfarrdorfe Liböewes (Liebschhausen) ■'), 2 Pflugmasse 
derselben Eigenschaft in 2lihlic (Schichlitz bei Teplitz); undv\rei- 
terhin im saazer Kreise 1 Pflugmass und 1 Bergmann im alten Pfarr- 
dorfe Uhostany (Atschau, G. Milsau) '*), 1 Pflugmass und einen 
Töpfer in Lomasic ^) (Laraetitz G. Pohlig), 1 Pflugmass und 1 
Fischer in Trnowan (Tyrnowan G. Dobritschan), und 1 Gerber, 
1 Kelchner und 1 Eisenarbeiter in S a a z. 

c. Im bunzlauer Kreise gehörten dem Capitel das jetzt ver- 
schwundene Dorf Eymany (bei Liboch), ein Theilvon 2; e lein 
bei Melnik •'), 15 Pflugmasse Ackers in Melnik'), 7 Ansässig- 
keiten mit den betreffenden Unterthanen in Heikowice (G. Do- 
browice), 1 Pflugmass nebst einem dienstbaren Schmiede im Pfarr- 
dorfe Jesenik (G. Kiinec) *), 7 Ansässigkeiten und 4 Winzer in 



1) Urkunde Erben reg. 85. 

2) Tomek G. Pr. I. 89. 

3) Dieses Pfarräorfes ward schon unter den Besitzungen des prager Domca- 
pitels gedacht. 

4) Stiftungsurkunde Erben reg. 85. Uho§tany hatte erweislich schon vor 1 363 
eine eigene Pfarre; denn in diesem Jahre installirte der dortige Pfarrer 
den Seelsorger in Okenow (Lib. confirm.) Doch war die Pfründe ziemlich 
arm, da sie 1384 nur 3 böhm. Groschen als halbjährigen Kirchenzehent ab- 
liefern konnte. (Codex decimarura.) 

5) 1384 war die Pfarrpfründe noch so arm, dass sie keinen Zehent entrichten 
konnte. (Cod. Deci'm.) 1411 20, April schenkte Wenzel von Polak der Kirche 
eine Zinsnng von 1 Schok 6 Gr. (Erect. VIII. N. 6.) 

'') Ersteres wurde 1410 von K. Wenzel an Hasko v. Robec, letzteres von K. 

Sigmund 1420 an Jan v. Brnikova verpfändet. (Palacky Archiv I. u. IL) 
') Hammerschmidt 247. Eilf davon wurden erst 1321 v. Königin Elisabeth 

geschenkt. (Ebend. 261.) . 
^) Stiftungsurkunde Erben reg. 85. Auf dieses uralte Pfarrdorf, dessen Col- 
. laturrecht nachmals dem Johanniterorden zustand, (Lib. confirm. ad 1383) 

kommen wir später ausführlicher zu sprechen. 



261 

Badry (?) und 3 Pliugmasse Ackers im Pfarrdorle Bezno. ') Letz- 
tere Besitzung war immerhin so bedeutend, dass später drei Ca- 
nonici ihr Einkommen davon beziehen konnten. ") 

d. Von den Landeseinkünften flössen dem Capitel zu: der 
zehnte Theil der allgemeinen Friedenssteuer (mir) von 16 ^upen (da- 
runter die von Leitmeritz, Saaz, Bilin, Tetschen, Bunzlau, Kame- 
nec, Hawran), der zehnte Theil der Verkaufstaxe (venditiones, in 4 
^upen (darunter Karaenec), bestimmte Antheile an einigen Zöllen 
(ausserhalb der jetzigen leitra. Diöcese), die Einkünfte von 3 Uiber- 
fuhren (darunter eine bei Laun), verschiedene Bezüge aus den kö- 
niglichen 2upenburgen (Tisch- und Handtücher) nebst einer Menge 
Naturallieferungen von den königlichen Maiereien des Landes, end- 
lich der Zehent vom Masserträgnisse des Marktes in Budissin. ^) 

§. 6G. Das CoIIegiatstift Sadska. 

1. Dieses Stift hatte seinen ehemaligen Sitz zu Sadska un- 
weit von Nimburg, zunächst an der Gränze der gegenwärtigen Diö- 
cese Leitmeritz. Der Gründer desselben war Herzog Bofiwoj H. 
Dieser war der frommen Uiberzeugung, dass er seine Bettung aus 
dem jahrelangen Kerker vor Allem der Fürbitte des h. Apollinaris 



') Stiftungsurkuiide, wie oben. Die Pfarre Bezno war nächst der Burg Pösig 
wahrscheinlich die erste Pfründe des Dekanates Kamenec. Sie zahlte auch 
1384 nächst Pösig den höchsten Kirchenzehent im Dekanate (30 gr.). Als 
Collatoren erscheinen in den Confirmationsbüchern: 1373 Bohunek de Li- 
bis, 1899 Bohunek cliens de Bezna, 1417 Bohusek u. Ctibor de Bezna. 
(Vgl. CoIIegiatstift Altbunzlau.) 

-) Tomek G. Pr. S. 99. 

^) Tomek Gesch. Pr. 87 u. 88. resp. Ötiftuugsurkunde. Uibrige ursprüngliche 
Besitzungen: Im rak. Kr. Hostin, Wojkowic,' ein Theil Hoholic, dessglei- 
chen von Blahotic, Lobeö, Ilornin, Drahlic, Budehostic, Kamenmost, Rez, 
Podlesin, Knowiz, Libosin, Auherz, Dehnic, Knezewes, Modriluh, Tynec, 
Jinonic, Butowic, Leteii und Buben. Im kaui". Kr. Theile von den Dörfern 
Öakowic, Kaöihora, Stitar, Nesraen, Woderad, Kaui-im, Ghotis, Sluh, Psar, 
Jesenic, Wrböan, Ilradist, Klk, ßi-ezan, Ghwal, Dubeö, Cenetic, Wrsowic, 
Nusel, Bast, Zabehlic, Branik und Winof. Im her. Kr. Theile der Dörfer 
Bojeäic, ^inan, Brod, Obrin, Wrhowic, Let, Suchomast, Swinai', ^IhoAV, Mo- 
kropes, Honic, Holyii, Koraoran und der Berg Plesiwec bei Karlstein, Im 
prach. Kr. Theile von Susiö und Rastyl. Auch Unterthanen in Prag selbst. 
(Näheres Tomek Gesch. Prags I. 86—88.) 



262 

zu verdanken habe, und verehrte seitdem diesen seinen Schutzpa- 
tron mit glühender Andacht. Als er im J. 1115 neuerdings den 
Thron bestiegen hatte, gründete er aus Dankbarkeit zu Sadska eine 
prachtvolle Kirche zu Ehren des h. Apollinar, dotirte sie mit rei- 
chen Einkünften und stiftete für den heiligen Dienst bei derselben 
ein Collegiatcapitel mit einem Propste an der Spitze.') Später 
(1362) übertrug Kaiser Karl IV. die gesammte Stiftung Bofiwojs 
zu der neuen ApoUinarkirche auf dem Windberge zwischen Prag 
und Wysehrad. ^) Im J. 1503 wurde dieses in den husitischen Be- 
wegungen ganz verarmte CoUegiatstift durch den König Wladislaw 
mit dem prager Domcapitel derart vereinigt, dass die Mctropolitan- 
canoniker zugleich Capitularen bei S. Apollinar waren und einer 
derselben die Würde des Dechants bekleidete. Die Propstei war 
mittlerweile gänzlich eingegangen. ^) 

2. Eine Aufzählung aller ehemaligen Besitzungen von Sadska 
ist nicht leicht möglich, da weder eine echte noch unechte Stiftungs- 
urkunde bekannt ist. Der Umstand, dass Bofiwoj IL der Gründer 
war, selber aber das Land jenseits des rechten Elbeufers seinem 
Bruder Wladislaw überlassen hatte, lässt vermuthen, dass die ur- 
sprünglichen Dotationsgüter von Sadska durchgängig am linken 
Ufer der Elbe, — daher zumeist ausserhalb der jetzigen Diöce- 
sangränzen von I^eitmeritz, gelegen waren. Nachmals aber erfolgte 
durch Karl IV. gelegenheitlich der Uibertragung des Capitels auf 
den Windberg bei Prag ein Gütertausch mit den Besitzungen der 
an letzterem Orte vordem schon erbauten ApoUinarkirche. Hiedurch 
sowie durch manche spätere Schenkung mag Sadska die Gränzen 
seiner Besitzungen vielfach erweitert haben. Im Umkreise unserer 
Diöcese besass es erweislich die Dörfer Rudnik und Wöstany 
(die heutigen Orte Raudnik und Weschen auf dem Dominium Tür- 
mitz). Zu Raudnik bestand eine ziemlich alte Pfarrkirche, die im 
J. 1384 bereits 10 prager Groschen als halbjärigen Kirchenzehent 



') Dobner annal. VT. 138. Pubitschka lY. 194. Seltsamer "Weise haben 
einige Aeltere unter dem „Praepositus Sacensis" einen Propst von Saaz 
^verstanden, wo doch erweislich erst sehr spät, und auch da nur ein Klo- 
sterpropst existirte. 

^) Das heutige Gebärhaus. 

■■') Pubitschka VL 196. Berghauer 159, Litera Wladislai regis origin. in Ar- 
chive Gap. 



263 



zahlte. ') Hier übten die Canonici von S. Apollinar noch im J 
1413 das Collaturrecht aus. ") Im J. 1420 wurde dieser Ort zu-- 
gleich mit We§tany von K. Sigmund an Peter von Skala und seinen 
Bruder auf Sulewic um 130 Schock böhra. Groschen verpfändet. ^) 
Ausserdem wird noch eine Obedienz des Apollinarcapitels inKozly 
erwähnt.*) Es lässt sich nicht entscheiden, ob hiemit der gleich- 
namige dem prager Domcapitel gehörige Pfarrort bei Liebschhausen 
(von dem bereits gesprochen wurde), oder der Pfarrort dieses Na- 
mens zwischen Melnik und Brandeis gemeint sei, obschon die grös- 
sere Wahrscheinlichkeit für das letztere spricht. ^) 

§.67. Die Benedictinerklöster zu Opatowic, Kladrau, Leitomjsl, Wiiemow 

und Podlazice. 

1. König Wratislaw I. legte im J. 1086 den Grundstein zu 
dem angeblich reichsten aller böhmischen Klöster, zu Opatowic in 
der Einöde eines gewissen Nicolaus in der Gegend von Königgräz. 
Zuvor hatte daselbst eine „Zelle" — ein Filialklösterlein des Klo- 
sters Bfewnow bestanden. Schon Wratiskw dotirte das neue Klo- 
ster mit echt fürstlicher Freigebigkeit. Mehrere Gro sse des Reichs^ 
der erwähnte Nicolaus, der Propst Tessen von Gradi c und der Abt 
Bolebud und Wäebor folgten sofort dem Beispiele ihres Königs.") 
Später (1227) thaten noch Graf Kojata, die Edlen Casta, Caslaw, 
Zdeslaw und selbst der königliche Koch Matthäus ein üebriges, um 



') Codex decimarum. 

^) Lib. Confirm. ad h. ann, 

^) Palaoky archiv (registra zäpisüw). 

4) Lib. Erect. I. M. 7. ad ann. 1375. 

^) Dieses Kozly, obgleich am rechten Elbeufer gelegen, gehört dermalen zur 
prager Diöcese, und ist eine Filiale von Wäetaty. Einst war es eine eigene 
Pfarre unter dem Dekanate von Melnik und gehörte, da es 1 384 12 böhm. 
Groschen als halbjährigen Kirchenzehent zahlte, jedenfalls zu den älteren 
Pfründen der Gegend. (Vrgl. Codex decimarum.) Das Patronatsrecht besass 
hier das Capitel von Altbunzlau (lib. Confirm. 1371, 1407, 1418). — Noch 
werden als Besitzungen des Apollinarstiftes genannt: Satolic (lib. Erect. 
XIII, S. 3.), Kostrow (Erect. XII. A. 6.), Kfiwan (Erect. XDI. E. 10.), 
Tusce (Registra zäpisuAV 1437;, Ledöice (ebend. 1436) und Zinsungen in 
Popowic, Kocow, Chaby, Libkowic, Hradäin etc. (Erect. YII, M. 8, IV. E. 8. 
VIII. B. 9, XII. 0. 9, XIII. H. 10, 0. 1. 

") ürknd. Erben regest. 73. 



264 

den lleiditlmui des neuen Klosters zu vermehren. ') Wie König- 
Wratislaw das gleichfalls von ihm gestiftete Capitel von Wysehrad 
unabhängig von der Jurisdiction des prager Bischofs haben wollte, 
ebenso erwirkte er die Exemtion des neuen Abtes zu Opatowic von 
der Aufsicht des Erzabtes in Bfewnow. Die Brüder des, neuen Or- 
denshauses berief er überdiess unmittelbar aus dem Mutter -Kloster 
Cassino, dessen Abt fortan auch zu Opatowic als geistlicher Vater 
verehrt wurde. Ton Opatowic selbst gingen wieder neue Ordens- 
propsteien aus, vor Allem die zu Wahlstadt, Grissau und Neu- 
mark in Schlesien (1241 — 1535), zu Hohenelbe und zu Bascin 
(vermuthlich das heutige Pecin bei Senftenberg) in Böhmen. ') Im 
Umkreise der jetzigen leitmeritzer Diöcese hatte das Kloster Opa- 
towic keinen bekannten Grundbesitz. ^) 

2. Bedeutungsvoller, als die eben genannten Ordenshäuser 
des h. Benedict war für den Umkreis der jetzigen Diöcese Leitme- 
ritz das alte ehrwürdige Stift Kladrau (Cladruby). Der erste Stifter 
desselben war der Herzog Swatopluk, der leidenschaftlichste unter 
allen Regenten unseres Vaterlandes, der unglückliche Fürst, der 
seine Hände und seinen Namen mit dem Blute des Geschlechtes 
der Wrsowecen befleckt hat. Das Ordenshaus und die Kirche zu 
Kladrau wollte er theils zum Danke für den errungenen Fürsten- 
thron, theils wohl auch zur Sühne für seine traurige Blutschuld 
erbauen. Er legte hiezu im J. 1108 den Grund. Er that aber 
kaum vielmehr, als dieses; denn schon am 21. September 1109 fiel 
er als ein beklagenswerthes Opfer der Blutrache '*). Da vollendete 
sein edlerer Nachfolger Wladislaw I. im J. 1115 in Gemeinschaft 
mit seiner Gemahlin Richsa von Berg (Tochter des Grafen Heinrich 



>) ürkcin. Erben reg. 72. 87. 337. 338. 

") Magnoald Ziegelbauer Hist. mon. Brevnov. p. 209 und 210. Lib. Erect. 
Xlir. A. 9. Sommer V. 69. 

^) Genannt werden: Opatowice, Stolany, Herzen, Kopisty (für Dolany), Mezi- 
lesy (für Skalic), Matharsow, Slakowic, Police, "Wlkowyje, Öernojedy, We- 
sele, Drzicze, Hlawecko, Placimice, Lbota, Prehrad, Osiö, Ostic, Wyso- 
kä, Brezy, Drahune, Prelusce, Soperce, Makoäin, Hilna, Theile 
von Chruppy, Wtelno, Luhinice, Domasic, Oerekwice, Mylbezy, — ausser- 
dem grosse Besitzungen in Mähren. (Erben reg. 72, 78, 87, 337, 338), die 
Collatur bei S. Peter in Königgräz. (Bienenberg Gesch. v. Köriigg. S. 165.) 

4j Vgl. Palacky I. 357-366. 



265 

von Berg) ') das begonnene Werk und schuf sich durch die glän- 
zendste Dotation des neuen Klosters einen unsterblichen Namen. 
Dieses neue Ordenshaus lag der westlichen Gränze der jetzigen 
leitmeritzer Diöcese ziemlich nahe, und musste schon dadurch einigen 
Einfluss auf die religiösen Verhältnisse im Umkreise der letzteren 
gewinnen ; mehr aber noch war diess der Fall vermittelst der zahl- 
reichen Besitzungen, die es alsbald in diesen Gegenden aufzuwei- 
sen hatte. Erweislich besass Kladrau unter seinen ausgedehnten Gü- 
tern die nachgenannten Ortschaften im Bereiche der jetzigen Diöcese 
von Leitmeritz: 

a. Den Pfarrort Pnetluky (Netluk G. Neuschloss). ^J Die 
dortige Pfründe bestand jedenfalls schon ziemlich lange vor 1360. 
Im Jahre 1384 betheiligte sie sich mit 6 b. Groschen am halbjäh- 
rigen Kirchenzehent. ^) Um diese Zeit erscheinen bereits Laiencol- 
latoren daselbst, und zwar 1389 Marquard v. ßebfik auf Pnetluky, 
und 1414 Busek v. ^iwtin auf Pnetluky. *) 

&. Im bunzlauer Kreise gehörte uroprünglich zu Kladrau das 
Pfarrdorf Sezemice. ^) Die Kirche daselbst wird schon 1359 als 
eine vordem bestandene Pfarrkirche erwähnt. ^) Im J. 1384 zahlte 
sie 6 böhm. Groschen zum Kirchenzehent. ") In nächster Nähe ge- 
hörten auch Sowenice und Radowanowice und etwas weiter 
Kobyly zu demselben Kloster. ^) 

G. Bei Leitmeritz besass Kladrau die weiten Waldungen bei 
P r b s t sammt inneliegenden Dorfschaften, und zwar durch einen 
Gütertausch mit dem Johanniterorden im J. 1238 "). Eben auch 
in dieser Gebend gehörte dem Stifte ein unterthäniger Fischer in 



1) So nennt sie Grusius chron.^suev., PubitsclikalV. 158., Palacky 1.387. Da- 
gegen enthält Chronicon Pegav. (Menken III. 130) die Notiz: Hiijus (Dietpoldi 
de Vohburg, des Erbauers der Klöster Reichenbach und Waldsassen) filia Rei- 
cza ducissa Bohemiae construxit monasterium in Cladicina {?). Erben reg. 
p. 20. nennt diess Cladicina lOadruby. Richsa starb 1125, 27. September. 

-) Erben Reg. p. 89, 176—178. 

^) Codex decimarum. 

*) Lib. Confirm. 

5) Vgl. obgen. Urkunde. 

") Lib. Confirm. 

'') Codex decimarum. 

8) Urkunde Königs Wenzel 1235. — Erben reg. 416. 

«) ürkde. Erben reg. 443. 



266 

Libocliowan, und weiter entlegen eine Wirtlischaft mit einem 
Ackermasse Landes in Laun. ') 

d. Die von Kladrau aus erricliteten Propsteien /^) zu Tausko- 
wi ce (Tusclikau im pils. K., 1424 zerstört), Schloss P f i m d a (Pfraueu- 
berg, 1306 errichtet), und P f e s t i c (gestiftet 1 1 45) lagen der jetzigen 
leitmeritzer Diöcese fern. ^) 

3. Bereits im J. 1120 hatte Graf Wilhelm von Sulzbach, Haupt- 
mann des olmützer Kreises, ein Verwandter der Gemalin Wladi- 
slaws I. mit Einwilligung des letztern ein neues Benedictinerstift 



•) Urkde. bei Erben ad ann. 1186. 

3)Dobn. annal. VI. 41. 45. 

^j Anderweitige Besitzungen der ältesten Zeit: die Waldgegend zwischen 
der Mies und Msiclia bis an die baierische Gränze — mit Ausnahme von 
12 daselbst gelegenen älteren Dorfschaften. Hier entstanden durch soge- 
nannte Expositionen (vgl. Selau) eine Menge deutscher Ortschaften, ferner 
Theile von Domazlic (Tauss), Hochavic, Lescin (Laz), Bonatic (Wonetic), 
Ostrov, Midlovar (Millowa), Nahosic, Strezes (Neustadtl?), Tachov, Leschau, 
Telcna, Leny, Skapec, Metelsko, ünil, Lukov, Oharadic, Jonas, Grlinen, 
(Lihn), Drahomisl, Cocber, Camenic, Tuskov, Ilotesevic, Masovic, Bezemin, 
Gneunic (Hnewnice), Klenovic, Gonezovic (Honositz), das Dorf Bigedl, die 
Kirche in Dnesic, Theile von Rozvad, Dorf Wrakovic, die Kirche in Seztoceh, 
(vielleicht das ehemalige Swatost bei Tauss), die Dörfer Milukovo (Mili- 
kov), Zlapnic, Bzini (Werschin?),- Üejkovic, Malovic, Wsanic, Nehanic, Ce- 
liwo, Tui-an, Zbrazlav, Luben, Slawic, Ohrinosic, Unterthanen in Lagowic 
Wäekar, Drahaucic, Zabowresk, Lipan, im prager Burgflecken Lukov, 
Wranovic, Mecklov, Sytno, Lesihas (Lestkow?) und ein Weinberg in 
Uherce; später unter Wegfall mehrer vorigen die Dörfer Kladrub, Wirbic, 
Ponebuzlaz, Hlupenow, Holosti-ewi (Holezrieb), Zuralez, Boeznic, Borowen 
(Turban), MilcAvo (Mühlhöfen), Bukowa, Watenice, Mezlowe, Mukorad, 
Podehuz, Luzna, Winna, Dutlenowic, Milka, Wilkis, Podmokly, Gorky, 
Stepanowic, Mladetic, Öelewo, Kamik, Mlinoha, Cebevo (Zebau), Wladisla- 
wic, Zeseniic, Ogniskowic, Slatina, Unterthanen in Pilsen, Nezabudic, ßcp- 
ty, Tynec, Luboäin, Kosetic, Lun, die Dörfer Krasowo, Nemöic, Potok, 
Kamenahora, Zlusetin, Sdanowo, Kalise, Miroslawo, Wlkozowp, Bezdedovic, 
Ocezcice, Leskowice, Walterowo, Wratiwojovice, Plezomi, Lobzi (Lobes), 
Malkowice, Hrazd, Lomnice, Lubewice, Kokosin, Theile von Honezovic, 
Kozolup, Hozletice, Damnow, Kozzowo. (Näheres in den Urkunden in Er- 
ben's Regesta p. 89, 176 — 178). Spätere Kauf- und Tauschverträge haben 
an diesen ältesten Besitzungen viel geändert. Verpfändet wurden in der 
Husitenzeit: Kozolup (1429), Ple2on (1431), Malkowic, Pawlowice, Stare 
Sedlo (Altsattel) nebst einem Vorwerk (1420) Radejowice, Honcowice, 
Komberg. (Palacky Archiv ßesky II. 196. 199 etc. I. 199 etc.) 



267 

zu Wilemow (vom Gründer den Namen führend) in der Gegend 
von Caslau gestiftet. Auch Wilhelms Bruder Hermann hatte sich 
dabei mit grosser Aufopferung betheiligt. Später (1223) wird als 
Wohlthäter des Stiftes noch der Edle Zezema von Kostomlat ge- 
nannt. ') Die edlen Gründer hatten derartig für ihre Stiftung Sorge 
getragen, dass angeblich im J. 1278 an 180 Mönche und nahezu 
200 Kleriker daselbst leben konnten.^) Nachmals besass dieses 
Kloster auch noch als Filiale diePropstei zu Ubercic in Mähren. •"') 
Weder Mutter- noch Tochterhaus hatten Besitzungen innerhalb un- 
seres jetzigen Bisthums Leitmeritz. "*) 

4. Das Benedictinerstift S. Margareth in Podlazice (auf 
der jetzigen Domaine Chrast im chrudimer Kreise) bestand bereits 
in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als eine Propstei von 
Bf ewnow (cella in terra G-radicensi), muthmasslich vom Prinzen Theo- 
bald, dem Bruder Wladislaws H. und Besitzer jener Gegend gegrün- 
det. Im J. 1159 erhob König Wladislaw dieselbe zu einer Abtei, 
die er jedoch der Erzabtei zu Bfewnow unterstellte. ^) Da diese 
Erhebung unmittelbar auf des Königs Rückkehr aus Italien folgte, 
wo er dem Kaiser die Stadt Mailand wieder erobert und für sich 
selbst hohen Kiiegsruhm gewonnen hatte: so mochte sie wohl ein 
Opfer königlicher Dankbarkeit für den genossenen Beistand von 
Oben sein. Dieses Kloster war wohl immer nur unbedeutend; denn 
im J. 1350, wo alle Klöster Böhmens in höchster Blüthe standen, 
zählte es mit Inbegriff des Abtes nur 20 Personen "), — und in 
den Decemregistern von 1384 sowie in den Erectionsbüchern von 

1) Erben regest. 312. 

^) Ziegelbauer bist. mon. Brevnov. p. 207. 

^) Diplomat. Wilemow. (monum. Bob. VI.) 

*) In ältester Zeit werden genannt: Opocenek (Erben 312), Obeb, Wlacic, 
Baökov, Okruhlice, Chlistov (registra zäpisüw), Bucice, Wulaöice, Herma- 
nice, Malojovice, Kozojed, Kobile, Markovice, Ruzen, Opocnice, Bolice, 
Pawlow, Zmurdow, Zwosce, Watskow, §tepanov, Lubne, Bo§ichzin (Michel- 
berg,; Hnndorf, Sigbartsdorf, Lanzendorf, Scheiblsdorf, Kochansdorf, Eech- 

, cice), Lupniöka, Bojanow mit 24 Dörfchen, Mladosic, Auröic, Wilemon, 
Habern, Horeslawice, Maliöin, Priseöno, Busowna, Walec, Laraprecbtice, 
Libiß, Swetlä. (Dipl. Wilem.) 

5) Hist. diplom. Brewnow. in Dobn. mon. VI. p. 7. , Dobn. annal. VI. 403. 
Ein Abt Hugo wird 1160 genannt. (Erben reg. 134.) 

'') So sagt der Brief des Erzbischofs Ernest an Papst Clemens, cit. Dobn. 
ann. VI. 408. - 



268 

1359 bis 1420 wird es gar nie genannt. Die Besitzungen dieses 
Ordensliaiises werden nirgends aufgezäiilt. 

5. Hajek nennt uns noch eine Menge Benediktinerklöster aus 
dieser Zeit, die aber erweislich gar nicht existirten, sondern nur 
Propsteien , Pfarreien oder sonstige Besitzungen des Benediktiner- 
ordens, zuweilen selbst anderer Orden waren. Beispielsweise nen- 
nen wir S a a z (Propstei von Postelberg oder verwechselt mit Ziatön), 
Tuschkau und P i' e s t i c (Propsteien von Kladrau), M e s t e c 
B i ö k w i c e (Commende des deutschen Ordens), T e § 1 i n (Propstej 
V. Ostrow), Chorusic (zu S.Georg). 

§. 68. Das Benediktinerkloster Postelberg. 

1 . Das Kloster P o s t e 1 b e r g, dessen Name bis heute der un- 
ter seinem Schutze entstandenen Stadt geblieben ist, hiess ursprüng- 
lich Äpostolorum x^orta^ d. i. Apostelpforte, woraus sofort im Munde 
des Volkes der Name Postoloport, Postoloprty und Postolopurk sich 
gebildet hat. Die Gründung desselben fällt in den Anfang des zwölf- 
ten, wenn nicht schon in die zweite Hälfte des eilften Jahrhunder- 
tes. Nach der Meinung der Einen ') ist die Stiftung dem mächti- 
gen Geschlechte der Wrsowecen zu verdanken, welches vielleicht 
hiedurch die am heil. Adalbert und an dessen Brüdern begangene 
schwere Schuld zu sühnen gedachte. Allerdings sind bis 1108 die 
Wrsowecen Herren dieser Gegend gewesen, und die Thatsache, dass 
im Jahre 1174 schon der fünfte Abt dieses Klosters mit Tode abge- 
gangen ist, ^) lässt auf eine Stiftungszeit schliessen, wo das erwähnte 
Geschlecht noch in Blüthe stand. Dagegen nennen uns wieder An- 
dere ^) als ersten Gründer den Herzog Sobeslaw, welcher von 1 HO bis 
1113 über das saazer Gebiet, und von 1125 an über ganz Böhmen 
herrschte. Dieser Angabe zufolge wäre die von Jaroslaus in der 
ersten Fortsetzung des Cosmas a. a. 1139 erzählte Klosterstiftung 
auf Postelberg, und nicht, wie Pulkawa zuerst annahm, auf Siloe 
(Selau) zu beziehen, welches Sobeslaw schon im J. 1131 und in 
Folge eines ander\veitigen Ereignisses gestiftet hatte. *) Sonach würde 



') Weidner: Tria memorabilia MS., Cnigei'ius; Sacri pulveres ad 20. Maji. 
^) Contin. Gosmae ad ann. 1174. 
•'') Rohn: autiquitates ecclesiarum circ. Satecensis. 

*j Nachgewiesen von P. Vinzenz Pirclian. Arcana Status Siloe. Auch bei 
Dubravius XI. 87. 



269 

die Veranlassung dieser Stiftung Postelbergs die folgende gewesen 
sein. Der Herzog soll auf der Rückkehr aus Meissen, wo er von 
der-.Gemalin des Grafen Wipreclit einige Burgen eingelöst hatte, 
in eine waldige Wildniss gekommen und dort bei einem furchtba- 
ren Sturme, der die stärksten Bäume zerbrach, in drohende Lebens- 
gefahr gerathen sein, während sieben seiner Begleiter wirklich den 
Tod fanden. Bei dieser Gelegenheit habe ein Äupan in seinem Ge- 
folge das Gelübde gemacht, im Falle glücklicher Rettung Mönch zu 
werden. Nach der Zeit habe dieser sein Gelübde gehalten und der 
Herzog habe (vielleicht für ihn und seine nunmehrigen Genossen) 
jenes Kloster gebaut. Wie, wenn in letzterer Angabe eine Vermitt- 
lung mit der angeblichen Stiftung durch die Wrsowecen gesucht 
würde, so dass entweder das erzählte Ereigniss vor 1108 zu setzen, 
oder statt der Wrsowecen ihr nächster unbekannter Nachfolger im 
Zupanamte von Saaz (um 1110) anzunehmen wäre? Jedenfalls wird 
bei dem Abgange der Stiftungsdocumente und aller näheren Nach- 
richten älterer Chronisten diessfalls auf völlige historische Sicher- 
heit zu verzichten sein. 

2. Das Kloster war wohl ursprünglich den heil. Aposteln, 
insbesondere vielleicht dem heil. Andreas geweiht, dessen Kirche 
noch im codex decimarum vom Jahre 1384 als innerhalb der Kld- 
stermauer stehend („infra seiltet monasterii Portae apostolorum'-'-) 
mit einer Decemabgabe von 10 böhm. Groschen für einen Halb- 
jahrstermin erwähnt wird. So Hesse sich auch am natürlichsten 
der Name des Klosters erklären. Gewiss war später erst, als die 
Baukunst schon in Böhmen erhebliche Fortschritte gemacht hatte, 
die prachtvollere Kirche der heil. Mutter Gottes erbaut, von der 
sich seitdem das Kloster monasterium S. Mariae in Porta apostolo- 
rum nannte. So heisst es nämlich ausdrücklich in den Erections- 
büchern unterm 18. März 1405. ') Wenn dagegen Crugerius'-) die 
heil. Apostelfürsten Petrus und Paulus als Patrone von Postelberg 
nennt : so fehlt ihm hiefür offenbar jeder Anhaltspunkt. Nach der Versi- 
cherung des Historiographen von Bfewnow "') ist es für ausgemacht 
zu halten, dass dereinst im Kloster Postelberg an dreihundert Mönche 



1) Lib. Erect. VII. A. 4. 

^) Sacri pulvei-es 1. c, 

3) Magnoaklus Ziegelbauer hist. monast. Brewnow, p. 203. 



270 

lebten. Wenn dem so ist , welchen Umfang muss das Gebäude 
nicht gehabt haben! Diesem Umfang entsprach denn auch der Be- 
sitz an Land und Leuten, 

§. 69. Fortsetzung. 

Es ist nicht zu ermitteln, wie weit der ursprüngliche Besitz 
des Klosters Postelberg sich erstreckt habe ; jedenfalls aber ist der- 
selbe weit über die Gränzen der jetzigen Herrschaft gl. N. hinaus- 
gegangen. Wie alle Klöster dieser Zeit, so erhielt auch gewiss Po- 
stelberg gleich anfangs eine Menge von Maierhöfen mit Aeckern, 
Weinbergen, Wiesen und Waldungen, denen die nöthige Anzahl von 
Dienstleuten — jeder mit einem Stück Landes, wo er seine Hütte 
hatte — zur Bestellung der nöthigen Arbeiten des Feldes und des 
Hauses zugetheilt war. Dazu kamen Zinsleute im weiten^ Umkreise 
mit bestimmten Jahresleistungen an Geld , Incorporationen unter- 
schiedlicher Pfarrkirchen, deren Einkünfte gegen Anstellung eines 
Seelsorgsadministrators in die Kasse des Klosters flössen, überdiess 
von Fürsten geschenkte Antheile von Zöllen und Steuern. ^) Nach 
der Zeit fehlte es auch nicht an ausgedehnten Erwerbungen durch 
Kauf und Tausch von Seiten des Klosters selbst. Privilegien der 
Fürsten sicherten den Besitz der Stifter, befreiten dieselben von 
öffentlichen Lasten und rcäumten ihnen mancherlei kostbare Vor- 
rechte ein. Urkundlich erscheinen als Besitzungen und bez'iehungs- 
weise als Collaturen des postelberger Stiftes die nachstehenden Orte : 

a. Kozzowo (Gossau bei Haid im pilsner Kreise) und Mam- 
nowo (wohl Damnow heute noch theilweise zum Dominium Kla- 
drau gehörig), welche beiden Dörfer von Seiten Postelbergs unterm 
17. December 1239 um den Preis von 130 Mark reinen Silbers an 
das Benedictinerkloster zu Kladrau verkauft wurden.^) 

h. Wrutek, die heutige Stadt Rudig im saazer Kreise, wo 
das Kloster erweislich in den Jahren 1393 und 1418 das kirchliche 
Präsentationsrecht zur dortigen Pfarrpfründe ausübte. ^) Im Jahre 
1227 hatte Cojata von Swabenic diesen Ort dem Kloster Zderas 



') Im J. 1431 verpfändete König Sigismund die dem Kloster Postelberg gehö- 
rigen „berny a sumy" an Beneä v. Kolowrat. Palacky archiv I. 500. 

2) Urkde. Erben regesta 453. 

3) Jjib. Confirm, a. h. ann. 



271 

in Prag testirt '). Es ist unbekannt, wie selber späterhin an Postel- 
berg gelangt ist. 

c. Libocan, das heutige Pfarrdorf gl. N. ebenfalls im saazer 
Kreise, wo das Stift in den Jahren 1389, 1403 und 1410 ein glei- 
ches Recht besass. ^) 

d. Ebenso war das Patronatsrecht in der Stadt S 1 a w e t i n im 
rakonitzer Kreise, dem Kloster von der Familie Hasenburg über- 
tragen worden. Ueberhaupt erscheinen die Herren Zagic von Ha- 
senburg als vorzügliche Wohlthäter des Stiftes. ^) 

e. Dem Kloster waren auch die damaligen Pfarrorte L e n e s i c 
(1404)*), Skupic (1386, 1413) % Lipenec (1399) auch Mnichowy 
Lipefi genannt,*') und Podwofany, das heutige Podersam') auf 
den jetzigen Dominien Leneschitz, Postelberg, Neuschloss und Po- 
dersam einverleibt. Hiezu gehörten ohne Zweifel auch die dahin 
eingepfarrten Ortschaften. 

f. Auch ein Dorf Bzwany erscheint als Eigenthum von Po- 
stelberg. Als solches wurde es 1436 von Kaiser Sigmund dem Be- 
ne§ von Kolowrat (zugleich mit Skupice) gegen 500 Schock in Pfand 
gegeben. ^) Wahrscheinlieh ist damit das heutige Dorf und Gut 
Pschan gemeint. 

g. Ueberdiess besass das Kloster zerstreute Leibeigene in frem- 
den Ortschaften, wie z.B. in Grosslippen im heutigen Dominium 
Grosslippen saazer Kreises; auch bedeutende Jahreszinse, die auf 
den umliegenden Dominien radizirt waren, und Antheile an den kö- 
niglichen Landeseinkünften. ") Im Laufe der Zeit entstanden wie 
auch anderwärts, durch emphiteutische Zertheilung der Klostergrund- 



') Dobneri Monum. Boh. IV. 257. 

2) Lib. Confirm. ad h, ann. Lib. Erect. in. E. 3. 

3) Lib. confirm. 1369, 1404, 1408, 1416. Lib. Erect. VE. A. 4, 7. 
*) Lib. Confirm. ad h. ann. 

5) ebendes. Lib. Erect. VIL K. 8. Im J. 1431 wurde es vom K. Sigismund 
an Benes v. Kolowrat verpfändet. (Palacky archiv. I. 500.) 

•') Lib. Confirm. 1399. Dieses wurde 1437 um 370 Schock verpfändet, 
(Palacky archiv.) 

") Palacky : Archiv öesky II. 447. Es -^rnrde vom K. Sigismund 1426 an 
Burian und Johann von Gutenstein verpfändet, 

^} Palacky archiv I. 500. 

^) Aehnliches besassen eben alle Klöster in Böhmen. 



272 

stücke zahlreiche neue Ortschaften: so gewiss ein grosser Theil 
jener, die jetzt das Postelberger Dominiiiin bilden. — 

2. Die hervorragendsten Besitzungen des Klosters waren aber 
seine auswärtigen P r o p s t e i e n , gleichsam kleine Filialklöster, wo 
mehrere Ordensbrüder unter einem vom Abte aufgestellten Präpo- 
situs nach der Ordensregel lebten. 

a. Eine Propstei dieser Art war Cella janüae vitae d. i. Le- 
benspforten-Zelle, das heutige Web er seh an in der Nähe von Po- 
stelberg. ') Die Stelle, wo jetzt das Lokalistengebäude steht, hiess 
vordem „auf dem Kloster." Auch in den benachbarten Häusern 
sind beim Nachgraben Mauern von alten Gewölben gefunden wor- 
den. Noch jetzt heisst die Flur hinter Weberschan bis zum Milay- 
berge „die Zelle." P^iner der letzten Pröpste von hier war der im 
J. 1407 erwähnte Propst Ulliich. ") 

h. Eine zweite Propstei besass das Kloster in S a a z und zwar 
bei S. Prokop in der niederen Vorstadt, welche wie es scheint, um's 
Jahr 1384 wahrscheinlich von demselben Nicolaus (Johannes) 
Daubowec von Daupowa gestiftet wurde, der sofort selbst das Or- 
denskleid nahm und im Jahre 1407 als Propst in Saaz einen Jah- 
reszins von 13 Schock böhmischer Groschen um den Preis von 143 
Schock vom Kloster Postelberg erkaufte, mit der Bedingung, dass 
dieser Zins nach seinem Tode für ein Krankenhaus bei der Prop- 
stei zu Saaz verwendet werde. Im Jahre 1400 erhielt diese Prop- 
stei auch die pfarrliche Jurisdiction, ^) Dieselbe ist aber sehr wohl 
von der Propstei des alten Collegiatstiftes Sadska, oft auch Sacensis 
geuannt, zu unterscheiden. Dieses 1101 vom Herzog Bofiwoj IL 
gestiftete Collegiatcapitel ist das bereits besprochene in Sadska 
bei Nimburg. In Saaz dagegen hat sich zu keiner Zeit ein Colle- 
giatstift befunden und eben desshalb auch keine Säcularpropstei, 
wie zuweilen irrthümlich angenommen wurde. 

c. Auch das heutige Klösterle^) (saazer Kr,) soll vordem eine 



') Sommer: Topographie des saaz. Krs. S. 71 und 72; Ziegelbauer hist. mon. 
Brewnow. p. 203. 

2) Lib. Erect. VII. L. 6. 

3) Lib. Erect. VII. K. 8, L. 6., Rohn; Antquit. eccl. p. 116. 

^3 nach Schaller und Sommer in ihren Topographien des saaz. Kreis., — 
bei beiden auf Grnnd einer von den Ortsseelsorgern bezeugten älteren 
Tradition. 



2T3 

Propstei von Postelberg gewesen sein, \Yelche wahrscheinlich schon 
in der Mitte des dreizehnten Jahrhundertes gegründet worden sein 
dürfte. Der Name selbst (lateinisch Glmistrellum) spricht dafür. 
Angeblich hat dazu (beziehungsweise zu Postelberg) die jetzige Herr- 
schaft gleichen Namens gehört. Diese Propstei muss aber wohl 
schon vor 1358 dem 'Kloster entfremdet worden sein, da sich in den 
von 1358 anfangendem Confirmationsbüchern keine Erwähnung der- 
selben mehr findet. Im Jahre 1379 gehörte Klösterle bereits dem 
deutschen Orden, der dort eine Commende besass.^) 

Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass das Kloster Po- 
stelberg noch mehr als die erwähnten Besitzungen, Pfarreien und 
Propsteien besass; doch nur die genannten lassen sich (mit Aus- 
nahme von Klösterle) urkundlich nachweisen. 

König Pfemysl Ottokar I. verlieh dem Kloster' für alle seine 
Besitzungen die Exemtion vom Cudengerichte und unterstellte seine 
Rechtssachen unmittelbar dem Gerichte der Stadt Prag, bei dem er 
selbst in Person oder durch einen Stellvertreter den Vorsitz führte. 
König Wenzel bestätigt um 1210 dieses Recht dem Abt Theodorich.') 

3. Als Aebte des so berühmten Klosters werden genannt: 

a. Rislaw (Gislaw), der im Jahre 114Y am 12. Juni mit Tode 
abging. Er soll bereits der fünfte Vorsteher des Klosters gewesen 
sein.^) Unmittelbar auf ihn folgte: 

b. Bero, gewählt am 9. December 1148, ein Mann voll Liebe 
und Tugend, einfach und rein in seinen Sitten, ein besonderer Freund 
der freiwilligen Armuth. Derselbe war seiner besondern Verdienste 
um das Ordensleben willen zuvor im Kloster Bi'ewnow der erste 
mit der Dekanswürde beehrt worden. Als Abt des Klosters Po- 
stelberg ward er vom Bischof Otto introducirt und starb daselbst 
am 11. Mai 1156.*) 

c. Abt Friedrich war nicht allein als tüchtiger Vorsteher 
seiner Klostergemeinde, sondern auch als gewandter Staatsmann 
hoch in Ehren. ^) Im Jahre 1157 ging er im Auftrage Wladislaws 



1) Lib. Confirm. 1379. 

3) Urkunde in Prof. Dr. Höflers M. S. : Monumente des Königthums in Böhm. 

3) Contin. Cosmae ad 1147. 

4) Contin. Cosmae. 

5) Contin. Cosmae ad ann. 1157 nennt ihn einen Mann von höchster Er- 

18 



274 

mit dem als ersten Politiker damaliger Zeit berühmten prager Bi- 
schöfe Daniel an der Spitze einer Gesandtschaft nach Ungarn, um 
dort für den herzoglichen Prinzen Friedrich um die Königstochter 
Elisabeth zu werben. Da starb er auf der Rückreise am 20. Jän- 
ner 1158.0 

d. Nach dem Tode Friedrichs, des siebenten Vorstehers von 
Postelberg, folgten daselbst innerhalb 52 Jahren nicht weniger als 
neun Aebte, deren Namen uns unbekannt sind. Erst mit dem J. 
1210 werden wir die Series derselben wieder aufnehmen können. 

§. 70. Das Praemonstratenserstift Strahow. 

1. Es wurde bereits erwähnt,^) dass der prager Bischof Jo- 
hann I. den vom h. Norbert gestifteten Orden der Praemonstraten- 
ser als ein vortreffliches Mittel zur Hebung des geistlichen Lebens 
in Böhmen freudig begrüsste, indem die in diesem Orden angestrebte 
Vereinigung des Lebens der Canoniker mit jenem der Mönclie die 
frommen Zeiten eines seligen Chrodegang wiederzubringen ver- 
sprach. Dieselbe freudige Hoffnung hatte vor ihm schon der da- 
mals am böhmischen Hofe lebende olmützer Bischof, Heinrich Zdik ge- 
habt, der desshalb auf seiner Pilgerreisenach Jerusalem bereits in hei- 
liger Begeisterung für die gute Sache ein Mitglied jenes Ordens 
geworden war. Jetzt vereinigten sich beide geistlichen Oberhirten, 
um ^auch ihren Landesherrn und sein fürstliches Haus für die Be- 
rufung des neuen Ordens zu gewinnen. Es gelang ihnen in aus- 
gezeichneter Weise, und sofort sehen wir Wladislaw und seine Fa- 
milie einerseits und die beiden Bischöfe anderseits in frommen 
Spenden für die Erbauung und Dotirung des ersten Praemonstra- 
tenserklosters sich förmlich überbieten. So entstand das Kloster 
Strahow auf dem Berge Sion in Prag (1138—1143). Die ersten 
Bewohner desselben kamen schon 1138 aus dem Kloster Steinfeld 
am Rhein, dessen Abt daher lange Zeit Pater Abbas von Böhmen 
und Mähren hiess, und seine „Circaria" alljährlich visitirte, diess aber 



kenntniss in göttlichen und menschlichen Dingen, von ergebener Treue 
gegen Gott und Menschen, von inniger Herablassung gegen Jedermann. 

') Monach. Sazav. apud Menken III. 1805; Dobner ann. VI. 371. 

") Vgl. §. 51. 



275 

in Begleitung eines Convisitators aus den Aebten Böhmens oder Mäh- 
rens. ') 

2. a. Von den bedeutenden Gütern, welche vor Allen Bischof Jo- 
hann dem Kloster Strahoy einräumte, lag ein verhältnissmässig nur 
sehr geringer Theil innerhalb der heutigen Diöcesangränzen von 
Leitmeritz. Hieher gehörten die Dörfer Konice und Jenisowice 
bei Turnau im bunzlauer Kreise. Der grössere Complex lag wei- 
ter ostwärts in den Kreisen vonJiöin (Bydzow) und Königgrätz. ^) 
Von obigen beiden Dörfern war Jeniäowice einer der ältesten Pfarr- 
orte des alten Turnauer Dekanats; denn in der Höhe des Kirchen- 
zehents stand es im J. 1384 (mit 12 böhm. Groschen) nur noch 
hinter Turnau, Hrustice, Dub und Pfepefe zurück.^) 

b. Von den Schenkungen Wladislaw^s lagen innerhalb der be- 
zeichneten Gränzen einige sehr bedeutende Güter zwischen der nie- 
dern Eger und Elbe, anschliessend an andere Besitzungen jenseits 
der Eger. Namentlich werden genannt 4 Grundbesitze in Orasice, 
ein Grundbesitz in L a h o w i c e, das ganze damalige Dorf Lobosice 
sammt Waldung nebst einigen jetzt verschollenen Ortschaften.^) Ora- 
sice erscheint im J. 1384 als eine derjüngern Pfarreien des Schlauer De- 
kanates, die damals den in dortiger Gegend verhältnissmässig geringen 
Kirchenzehent von 6 böhm. Groschen steuerte.^) L o b o s ic e erscheint 
erweislichimJ. 1248 als längst bestehender Pfarrsitz. Im selben Jahre 
wird nicht mehr das Kloster Strahow, sondern Burggraf Heinrich deLipa 
von Zittau als Besitzer genannt. Dieser verkaufte 1248 Lobositz emphi- 
teutisch gegen Vorbehalt bestimmter PiCchte und Abgaben an den leit- 
meritzer Bürger Hertwik, schenkte aber bei dieser Gelegenheit „zur 
Ehre Gottes und der seligsten Jungfrau Maria sowie des h. Wenzel" 
der Kirche des Ortes eine Hufe (lan) Feldes als Eigenthum, und 
von jeder andern. Hufe des Dorfes (die alle ausdrücklich so gross 
sein sollten, wie die Hufen im nahen Dorf e Prosmyk) die bleibende 
Abgabe eines Kübels (kbelec) Korn.^) Im Jahre 1251 befand sich 



1) Vgl. Tomek G. P. 478 und 479. Palacky I. 413. 

2) Vgl. das Fragment der Stiftungsurkunde bei Erben reg. 106. Dazu To- 
mek G. P. I. 99. 

3) Codex decimarum. 

4) Fragment der Stiftungsurkunde Erben 106. Tomek G. P. 99. 
^) Codex decimarum, 

*') Urkde Erben reg. 562 d. d. Leitmeritz 6. Nov. Darin werden als Zeugen 
auch 2 Pfarrer, Absolon und Ötöpan, genannt. 

18* 



276 

dieser Ort im Besitze des Smil von Lichtemberg, welcher c::; da- 
mals sammt Zugehör an das Cisterzienserkloster Altenzell in Meissen 
verkaufte. ') Walirscheinlich gehörte das benachbarte Dorf Z e rn o- 
seky (1384 Pfarrdorf mit 9 b. Gr. Zehent) frühzeitig zum Gute Lo- 
bosice. So finden wir es namentlich 1420 ebenfalls als Eigenthum 
von Altenzeil, ward aber damals vom K. Sigismund um 20 Seh. pr. Gr. 
an einen gewissen Rüdiger für rückständigen Sold verpfändet.^) 
Zur Kirche in Lobosic machten 1385 Freimuthund sein Sohn Zdi- 
slaw vonöernuc und 1394 Peter und Erhard von Skalka Schenkun- 
gen an Jahreszinsen, die beiden letztern zur Stiftung eines Vica- 
risten, — alle aber noch mit Erlaubniss des Abtes von AltenzelL^) 
Dieser übte auch noch 1415 das Collaturrecht daselbst aus.'*) In 
demselljen Jahre aber ward Lobositz durch K. Wenzel an Wla§ek von 
Kladno theilweise verpfändet.^) — Ausser den obbenannten und 
mehreren anderweitigen Orten schenkte Wladislaw dem Kloster noch 
unterschiedliche Zins- und Arbeitsleute. 

c Frühzeitig erwarb das Kloster Strahow das Präsentations- 
recht für die Marienpfarrkirche zu Saaz. Erweislich besass es 
dasselbe schon im J. 1273, wo ein Privilegium des Papstes Gregor 
solches ausdrücklich bestätigte. ^) Es war diess die ehemalige Haupt- 
kirche des Saazer Archidiakonats, dessen Archidiakon jedoch als 
Canonicus des Domcapitels zu Prag residirte. Ebenso war jene 
Kirche zugleich die Hauptkirche des Saazer Dekanats und zahlte 
im J. 1384 als die unzweifelhaft älteste des Sprengeis darum nur 
36 böhm. Groschen zum Kirchenzehent, weil damals nur der Vica- 
rius perpetuus derselben von seinem Einkommen steuerte, der Haupt- 
betrag aber dem Kloster Strahow unmittelbar zur Last fiel. ') Ausser 



') Sommer leitm. Kr. 91. Altenzeil (bei Freiberg) war das älteste Cisterzienser- 
kloster in Meisseu, eine Colonie von Kloster Pforta bei Naumburg. Mark- 
graf Otto von Meissen stiftete es im Jahre 1166. Unter die vom Stifter 
geschenkten Besitzungen gehörte auch das Dorf Christiansdorf, welches 
nach Auffindung der dortigen Silbergruben als Bergstadt Freiberg empor- 
blühte. Annales Veterocelleuses, ed. Menken II. 378 etc. 

-) Palacky archiv I. 50. 

3) Lib. Erect. XIII. A. 10, E. 1. 

4) Lib, Confirm. VII. 

5) Palacky archiv I. 520, 521. 

6) Tomek G. P. I. 481. 
") Codex decimarura. 



27Y 

dem Pfarre/i' (oder Vicarius perpetuus) wurden damals noch ein 
Frühmessner und zwei Altarbeneficiaten derselben Kirche erwähnt, 
der Frühmessner 1380 von der Bürgerschaft, gestiftet,') der Bene- 
ficiat des S. Wenzelsaltars aus älterer Zeit stammend, und der des 
Altars der h. Stephan, Laurenz und Urban von Henslin Schadernicht 
zu Kopie und Ottiko Rys von Lowositz dotirt.*) Ausserdem arbei- 
teten zu dieser, Zeit noch besondere Pfarrer (plebani) der Vorstädte 
im Seelsorgsamte. Genannt sind : Der Pfarrer von S. Martin in 
der untern Vorstadt, der 1384. 15 böhmische Groschen zum Kir- 
chenzehent zahlte,^) der Pfarrer von S. Jakob in der obern Vor- 
stadt mit einer Zehentleistung von 18 böhm. Groschen,*) — der 
Pfarrer vom S. Nicolaus in der obern Vorstadt mit einer Decem- 
zahlung von 8 Groschen, — der Pfarrer von S. Michael ebenda- 
selbst, ohne Zehentleistung, daher wohl sehr gering dotirt, bis 1392 
Nikolaus Leonis, ein prager Bürger, 2 Schock Zinsungen im Dorfe 
Milöewes hinzufügte,^) — der Seelsorger von S. Maria Magdalena, 
ebenfalls ohne Zehentpflicht, — der von S. Johann dem Täufer in 
Mlinar, der 1390 2 Schock böhm. Gr. Zinsungen für sein Beneficium 
erwarb,^) — wenigstens nach 1384 der Seelsorger der S. Wenzels- 
kirche in der Untervorstadt,') u. seit 1400 die von zwei saazer Wit- 
wen gestiftete Spitalkaplanei zum allerh. Frohnleichnam.^) Schliess- 
lich ist auch zu erinnern, dass neben allen diesen Seelsorgen auch 
noch eine postelberger Propstei bei der Kirche und dem Hospitale 
des h. Prokop in der untern Vorstadt bestand.") — Um wieder auf 
das Kloster Strahow zurückzukommen, so kaufte selbes unter Pfe- 
mysl Ottokar I. das Dorf Stanko wie, das im J. 1384 sich als selbst- 



') Lib. Erect. II. ß. 2. 

3) Lib. Erect. IV. B. 8. 

3) Codex decimarum. Zehnten und Aecker desselben werden erwähnt Lib. 

Erect. XII. C. 2, XIII. P. 4. ad ann. 1406 und 1389. Im Jahre 1390 war 

der hiesige Pfarrer Benes Dekan des Dekanats. Lib. Erect XIL C. 18. 
*) Codex decimarum. Im Jahre 1379 verkaufte Heinrich von Bezderow auf 

Desnic sein Anrecht auf einige „ünterthancn" dieser Kirche an Jakob von 

Kolowrat. Lib. Erect. II. R. 1. 
5) Lib. Erect. XII. F. 19. 
«) Lib. Erect. XIL C. 18. 

7) Lib. Erect. XIII. E. F. 

8) Lib, Erect. VI. C. 4, IX. L. 2, P. 2. 
^) Vgl. Kloster Postelberg, oben. 



2Y8 

ständige Pfarrei unter der Collatur von Strahow') mit 4 böhm. 
Groschen am Kirchenzelient betheiligte,^) und im J. 1399 durch 
die Wolilthätigkeit einiger prager Bürger neue Kirchengründe er- 
warb,^) — und wenigstens seit 1319 den Hof Twr§ic in der 
Nähe von Saaz.^) Um 1250 erlangte Strahow auch das Pfarrdorf 
Cerniöewes (das jetzige Cernewes) an der Elbe bei Wettel, das 
aber später an das Kloster Doxan gelangte ,^) das Patronat der Adal- 
bertikirche auf dem Georgsberge (fi.ip) mit dem Eigenthumsrechte 
über das Dorf Metes (jetzt Taubendörfel bei Raudnitz)/) Auch 
eine dem Kloster zinspflichtige Mühle bei Brüx wird seit 1323 er- 
wähnt.') Unmittelbar an der Gränze des jetzigen leitmeritzer Diö- 
cesangebiets gehörten dem Kloster schon in ältester Zeit die Güter 
Patek und Radonic.^) Die übrigen ältesten Besitzungen lagen zu- 
meist in den Kreisen von Königgrätz, Bidschow und Rakonitz. ^) 

§. 71. Das Kloster der Praemonstratenserinnen zu Doxan. 

1. Nach dem Muster von Strahow gründete die zweite Gema- 
lin Wladislaws, Königin Gertrud, Tochter des h. Leopold von Öster- 
reich und Mutter des seligen Erzbischofs Adalbert, im J. 1144 das 
Kloster zu Doxan an der Eger, zu Ehren der allers eligsten Mutter 
Gottes und der Heiligen Maternus, Candidus und Laurentius.''^) Hier 



1) Lib. Confirm. ad ann. 1407. 

*) Codex decimarum. Anno 1436 wurde es durch K. Sigmund an die Stadt 
Saaz verpfändet. Palacky archiv IL 191. 

3) Lib. Erect. XIII. K. 3. Diese gingen 1437 durch Verkauf (während- der 
Pfändung) verloren. Palacky archiv. II. 203. 

^) Vgl. Sommer saaz. Kr, 

5) Von diesen verpfändete es K. Ladislaw 1454 an Zdenko v. Hasenburg. 
Urkunde im M. S. der prager Univ. Bibl. II. B. 5. Miscellanea germ. 

^) Vgl. Tomek G. P. I. 484. Urkundenfragmente. 

') Ebend. 481. 

8) Erben reg. 157. Sommer rak. Kr. 90. 

^) Genannt werden im königg. Kreise : Lohenice, Skalice, Nedeliste, Lusane 
mit dem Walde Mesny; im bidschower Kreise Welis, Öirnotic, Easin, 
Trebnausewes, Horic, Gradisch, Hudonic, Lubonic; im rakonitzer Kreise 
Eadunic, Hriwcic, Wrbne, Chyska, Lasowice, Auhonice, Holonoch; sonst 
noch ein Radowesice (dafür nachmals Ohraber), Nakonopnice, Telcice. Vgl. 
Tomek G. P. L 99 u. 100, Dobn. annal. VI. 503. Erben reg. 157. 
'0) Mika : das ruhmwürdige Doxan. 



279 

sollten nach ihrem Willen fromme Ordensschwestern nach der Re- 
gel des h. Norbert leben und ein Priester des Prämonstratenseror- 
dens (ein Canoniker von Strahow) sollte als Propst die geistliche 
Leitung der frommen Schwestern führen. In der That versammel- 
ten sich alsbald gottselige Töchter aus den edelsten Familien des 
liandes, und freigebige Glieder des herzoglichen und königlichen 
Hauses und hochherzige Verwandte der frommen Ordensschwestern 
beeilten sich, die Stiftung der edlen Königin Gertrud in der Art 
zu bereichern und zu vervollkommnen, dass sie in Kurzem als eine 
der ersten und grössten des weiten Landes da stand. Anderseits 
zollten wieder die also bedachten geistlichen Jungfrauen ihren Dank, 
indem sie neben ihren klösterlichen Uebungen die weibliche Jugend 
des Vaterlandes zu einem frommen Leben und Walten heranbildeten. 

2. Das Kloster Doxan musste schon durch seine Lage unmit- 
telbar an der heutigen Diöcesangränze einen Einfluss auf die reli- 
giösen Verhältnisse unserer jetzigen Diöcese üben: weit mehr aber 
musste diess der Fall sein durch die Besitzungen und Collaturen, 
die sich unter andern auch in den dermaligen Kreisen von Leitme- 
ritz und Saaz ausbreiteten. 

a. Am wichtigsten waren die Besitzungen des Klosters in und 
um Leitmeritz. In Leitmeritz selbst besass Doxan einen Mai- 
erhof mit einem geräumigen Wohnhause,') in welchem nachmals 
die geistlichen Jungfrauen eine sichere Zufluchtsstätte zur Zeit der 
husitischen Bürgerkriege finden konnten. Im J. 1336 war auch 
die sogenannte Egermühle an der Mündung dieses Flusses in die 
Elbe durch Kauf an Doxan gekommen.*) Ursprünglich hatte be- 
reits König Wladislaw dem Stifte die ganze heutige Herrschaft Do- 
xan geschenkt^): dabei noch das damalige Städtchen Mury auf 



') Mika: das ruhmwürdige Doxan p. 14. König Pi-emysl Ottokar hatte diesen 
Hof um 1226 zugleich mit Petipsy, Lene§ic, Lubedic, dem Hofe in Tribu- 
chic, und einigen Unterthanen in Weltrus gegen die ältere Besitzung 
Oztlow im Tauschwege an's Kloster überlassen. (Erben reg. 326.) 

'^j Ui'kunde in M. S. der kais. Univ. Bibi. in Prag: Miscellanea germ. H. B. 5. 

3) Damals mit Doksany, Mury, Wolewsko mit Bor, Rohatce, Chwalin, Libo- 
teinic, Bor, halb Dusnik, Peless (?), Kmetinewes und Öernuc kamen erst 
1336 für die entlegenen Orte Welichov, Radunfurt und Schloss Plohenstein 
durch Tausch an Doxan (Urkunde Erben 325, Mika 44). Andere Dorf- 
schaften wurden erst später angelegt, oder kamen, wie Dolanek, Wraskow, 



280 

einer Egerinsel nahe bei Brozan, mit einer uralten Pfarrkirche') 
die jetzt zum Dominium Brozan gehörigen Ortschaften C h o cl a u n k y 
und Hosten i c e, und das uralte Pfarrdorf Ch o t e § o w.'*) Von letz- 
terem, dem die geistlichen Schwestern wohl zur steten Erinnerung 
an das zweite Jungfrauenkloster ihres Ordens zu ChoteSow bei Pil- 
sen diesen Namen gegeben haben, ging die Sage, dass da die from- 
men Nonnen die Kirche schon um das Jahr 1145 erbaut und in 
selbe ein Gnadenbild der allerseligsten Jungfrau geschenkt haben, 
das sofort wirklich der Zielpunkt zahlreicher Wallfahrten geworden 
ist. Im J. 1384 gehörte die Pfarrpfründe daselbst mit einer halb- 
jährigen Zehentleistung von 12 Groschen zu den besten des Treb- 
nitzer Dekanats, ja sogar einer ziemlich weiten Umgegend. Der 
Propst zu Doxan übte hier noch 1409 und 1413 das Patronats- 
recht aus.^) In den husitischen Unruhen gedieh dieser Ort durch 
kaiserliche Verpfändung in den Besitz der Herren von Hasenburg. 
— In derselben Gegend schenkte schon Wladislaw dem Kloster das 
Dorf Zalezly an der Elbe, jedoch mit Vorbehalt des Lachsenfan- 
ges, der landesfürstlich blieb, bis endlich 1226 König Pfemysl Otto- 
kar I. auch diese Freiheit noch hinzufügte, unter Einem das Kloster von 
allen Abgaben und Diensten freisprach, demselben die Gerichtsein- 
künfte der Hlawa (Mordsteuer), Swod (Sühngeld für Misshandlungen) 
und Slawe (Zahlung von Gottesurtheilen durch Wasser und glühendes 
Eisen) schenkte und zollfreie Schiffiahrt für ein Schiff auf der Elbe 
verlieh.^) Als Eigenthum Doxan's erscheinen in dieser Gegend auch 

Kraböice, Mneles, ein Theil von Martinewes nachmals clurcli Schenkung 

hinzu. 
1) Doxan übte hier noch 1411 das Collaturrecht aus. (Lib. confirm. ad 1411, 

wie 1376, le383, 1403, 1407). Das Städtchen halte „deutsches Recht." 

Die Kirche zahlte 1384 9 böhm. Groschen als halbjährigen Kirchenzehent. 

Die hiesige Kirche war wie die K m e t i n a v e s und S r b i c dem Kloster 

incorporirt — hauptsächlich , um mit den Einkünften die Kosten der 

klösterlichen Gastfreundschaft zu decken (propter onera hospitalitatis). 

Lit. papal. in lib. Erect. V. B. 2. 
") Mika „das ruhmwürdige Doxan". 
•^) Lib. Confirm. ad h. ann. Nach Lib. Erect. XIIL B. 2. hatte der hiesige 

Pfarrer alle Samstage eine gestiftete h. Messe zu Ehren der h. Mutter 

Gottes zu feiern. 
4) Bestätigungsbrief Premysl Ottokars 122G bei Mika p. 25 etc. Erben 32G. 

Irrig setzt Mika das bei ihm p. 14 genannte Zaieky (richtig Zalesly, wie 

S. 24) in die Gegend von Leipa. 



281 

ein Theil des Pfarrdorfs Baii§owice (1226 durch Kauf von Bruno, 
dem Soline Bleks erworben) sammt der Collatnr über die sehr alte 
Pfarrkirche daselbst, ') das bereits erwähnte Pfarrdorf Cernöwes bei 
Wettl,^) das damalige Deutschkopist, das vor Erbauung der 
Festung Theresienstadt an der Stelle der jetzigen Festung stand, 
die Dörfer Brnian und Kochow, letzteres jetzt zum Dominium 
Brozan gehörig, beide durcluSchenkung eines Grafen öenkow,^) Ro- 
chow zur Hälfte von Königin Judith, endlich Pfestawlk und Wrbi- 
can. Brnian, Bausowice, Deutschkopist (1454 wird auch Böhm.- 
Kopist mit erwähnt) gelangten nebst den noch angränzenden Do- 
xaner Dörfern Du§niky, liohatce, Chwalin, Liboteinic, Kleinnuönic 
und 11 Unterthanen in Dolanek im J. 1436 durch kaiserliche Ver- 
pfändung um den Pfandpreis von 600 Schock Groschen an die Stadt 
Leitmeritz.*) Chotesow, Wrbiöan, Pi-estawlk, Öernewes (überdiess die 
Egerüberfuhr bei Chodöow) kamen 1454 durch Verpfändung von Sei- 
ten des Königs Ladislaw an Zdenko von Hasenburg. ^) 

b. Das Kloster erwarb im J. 1176 durch Vermittlung des stra- 
hower Abtes Adalbert von Chi^^en, dem Sohne des melniker Prop- 
stes Jurata vorerst einen Theil von Chrawar nebst Waldungen 
mittelst Tausch gegen 4 Mark Silber und einen Maierhof zu lia- 
du§ewic/) Dass diess der heutige Pfarrort Grabern (Krawary, Ra- 
dau§ow) gewesen sei, dafür bürgen einerseits die in der Tauschur- 
kunde bezeichneten Gränzen Tynec (Tein), Stwolenic (Drum), Straze 
(Straschitz) und der Bach- Pulsnice, — anderseits aber die That- 
sache, dass Doxan noch bis zur Husitenzeit das Collaturrecht in 
Grabern ausübte.") Einen zweiten Theil von Chrawar erkaufte das 
Kloster alsbald von Beznata für 22 Mark Silber, einen dritten von 



») Mika S. 43. — Lib. coDflm. — Im J. 1384 zahlte B. 12 böhm. Groschen 

Kirchenzehent. (Codex decimarum.) 
=) Vgl. §. 22. 
3) Mika 1. c. 
*j Palacky Archiv I. 501, 541. Ebenso kamen 1421 die doxaner Dörfer 

Kraböice an Rus von Swina um 120 Seh. , Cernuc und Kraetiuewes au 

Parcival von Prostibor um 200 Seh. (Palacky Archiv II. 193.) 
5) Urkunden im M. S. der präg. Univ. Bibl. II. ß. 5 Mise. germ. 
«) Urkunde Erben reg. 157. 328. 
7) Lib, confirm. ad 1383. Tomek G. Pr. I. 100 verlegt Chrawar irrthümlich 

in die Gegend hinter Liben. 



282 

Dionys für 25 Mark, und einen vierten von Woymir um 18 Mark : 
sämmtliche Verkäufer werden als Verwandte Chf ens angeführt. Von 
einem fünften Verwandten Chfens erwarb Doxan unter Einem das 
Dorf WitozlawiceJ) Wahrscheinlich verdankte Grabern dem Klo- 
ster die Gründung einer eigenen Pfarrkirche, die im J. 1384 bei 
einer Zehentleistung von 18 böhm. Groschen entschieden zu den 
ältesten des Leipaer Dekanats gehörte.^) Wohl erscheint 1264 
eine adelige Familie, die sich von Krawar nennt, im Besitze von 
Gräbern,^) jedenfalls aber nur in Lehensabhängigkeit vom Kloster 
Doxan, welches erwiesener Massen noch nach wie vor im Besitze 
des Collaturrechtes blieb. In derselben Gegend besass das Kloster 
bereits als Schenkung der Königin Judith das Dorf Pf eh ory (jetzt 
zum Dominium Liebeschitz gehörig),^) ferner noch vor dem J. 1226 
das Gut Brozany (das heutige Brotzen oder Kleinpriesen auf dem 
Dominium Liboch) als Geschenk eines gewissen Reinhard, des Soh- 
nes Friedrichs de Spelunca,^) der selbst den- halben Hof zu We- 
schan, sowie sein Bruder Peter seinen Antheil am Dorfe Basche 
dem Kloster zugewendet hatte/) Auch das Dorf Chudolas bei 
Liboch gehörte nachmals demselben Kloster.') 

c. Im jetzigen saazer Kreise erhielt Doxan um 1226 vom Kö- 
nige Pfemysl Ottokar im Tauschwege (gegen Oztlow) die Dörfer P e- 
tipsy (Fünfhunden), LeneSice, Libediceund Tf ebuäice, über- 
diess auch durch Kauf einen Theil von Liboöany.®) Die mei- 
sten dieser Besitzungen erscheinen später**) als Eigenthum des Klo- 
sters Postelberg, bei dessen Besprechung wir bereits die alten Pfarr- 
orte Lenesice und Liboöany kennen lernten. Auch Libödice erscheint 
als einer der ältesten Pfarrstationen des saazer Dekanats, da es 



') Urkunde Erben reg. 327. 
^) Codex decimarum. 

3) Eohn antiq. eccl. M. S. 

4) Urkunde Erben 326. 

5) Ebendas. S. 827, Dieses Gut gehörte dem Kloster bis zur Aufhebung des- 
selben. Sommer leitm. Ki-. 382. 

") Erben 327, Weschan dürfte das heutige Vestany (Weschen) auf der Domäne 
Türmitz sein. Das Dorf selbst haben wir bereits als Besitzung des Collegiat- 
stifts S. ApoUinar kennen gelernt. 

7j Sommer leitm. Kr. 382. 

8) Erben reg, 326. 

«; In der Zeit der Lib. Confirm. 1358—1419. 



283 

1384 halbjährig 12 böhm. Groschen zum allgemeinen lürchenze- 
hent beisteuerte. ') Im J. 1394 erscheint hier als Besitzer und Col- 
lator ein gewisser Slacho, Lehensmann zu Libedie, und im Jahre 
darauf ein gewisser Erhard Lehensmann zu Olmnow.^) 

3. In nächster Nähe der genannten Ortschaften schlössen sich 
die namhaften alten Besitzungen des Klosters Doxan in der alten 
Landschaft Sedlec an. Genannt werden Welichow (Welchau), Jaku- 
bow (Jokes), Petersdorf, Woykowic (Wickwitz) mit Waldungen, Lu- 
pelsdorf (Lappersdorf ?), Domonic (Damitz), Schönwald, Ledic (Liti- 
tzau), Chotenic (Kuttenitz), Permesgrün, Ledwic (?), Janesdorf (?), Hau- 
enstein. '^j Insbesondere erwarb sich das Kloster in dieser Gegend 
ein grosses Verdienst, indem es im J. 1232 die Stadt Königs- 
berg gründete.'*) 

§. 72. Die Praemonstratenserklöster Selau, Launiowic, Leitomischl und 

Mühlhausen. 

1. Um das J. 1139 entstand das neue Stift Selau (ZIeliwo, 
Siloe). Als Gründer desselben wird der Abt Reginard von Sazawa 
genannt, welcher — unterstützt vom Herzoge Soböslaw um 1139 
zunächst eine B e n e d i k t i n e r c o 1 o n i e aus Sazawa in der Wild- 
niss von Selau ansiedelte. Da der Grund und Boden der. neuen 
Niederlassung dem Prager Bischof gehörte: so übte dieser sofort 
eine Art von Patronatsrecht in dem neuen Ordenshause aus. So 
mochte es kommen, dass nachher Bischof Daniel im J. 1148 die 
Benediktiner von hier entliess und P r a e m o n s t r a t e n s e r aus dem 
Kloster Steinfeld einführte.^) Die neue Stiftung war anfangs sehr 



*) Codex decimarum. 

») Lib. Erect. XII. G. 8. Lib. Confirm. ad 1394. 

3) Mika p. 14. 

'*) Urkunde Erben reg. 370. Ueberdies werden genannt die Cöllatureu von 
Weltrus, Kmetinowes, Chodsowice (lib. confirm. 1371, 1373, 1378, 1417). 
Der Wald Otochochene, ein Theil von Perichow (bei Chotesau), Glusin, 
Dechan, Hwojnic, Öernuc, Hostiwic, Siwanic, Wrbiöan, ISfemöic, Protivis, 
Luhinic, Gachow, Peles, Klobuk, Kotwin, Sbinic, Srbic, ührec, Chenowic, 
(Erb. reg. 325 etc.) Maskros, Eadinic, Leskow, Sobechleby, Stankov, 
Tiskovic, Chudinic und mehrere andere minder verbürgte Besitzungen. 
(Mika 14 etc.) 

5) Chron. Siloens. (Mon. Bob. I. 102 etc.) 



284 

arm.') Alsbald aber gedieh auch sie namentlich durch die Frei- 
gebigkeit des grossen Protectors des Praemonstratenserordens, des 
olmützer Bischofs Heinrich Zdik zu bedeutendem Reichthume. Die 
Besitzungen lagen zumeist im Umkreise des Ordenshauses.") Da 
ihnen Anfangs bedeutende Waldstrecken an der mährischen Gränze 
zufielen: so beriefen sie deutsche Ansiedler in Menge, welche 
gegen fünfjährige Abgabenfreiheit und nachmalige Verpflichtung zu 
einem Getreidezehent und einer erst im eilften Jahre beginnenden 
Geldleistung die Wälder lichteten und eine Menge nachmals blü- 
hender deutscher Ortschaften anlegten. Diese Vorgehungsweise wird 
im J. 1252 als eine bereits übliche erwähnt^) und von da an so- 
wohl von den Landesfürsten als auch von einzelnen Grundherren 
vielfach nachgeahmt.*) Indem auch andere Ordenshäuser in Böh- 
men wohl schon seit ihrer Stiftung her und noch mehr von dieser 
Zeit an ein Gleiches thaten, so verwandelten sich allmälig die wei- 
ten Gränzwälder Böhmens (die grossentheils den Klöstern Ossegg, 
Tepl, Kladrau, Nepomuk, später Hohenfurt, Goldenkron u. s. w. 
gehörten) in blühende Niederlassungen der Deutschen. 

2. Zu gleicher Zeit mit Selau erhob sich das Jungfrauenstift 
desselben Ordens Launiowitz in der Gegend von WlaSim. Wie 
uns der sachkundige Chronist von Selau ^) erzählt, hat Heinrich, 
ein in der Arzneikunst sehr bewandter Praemonstratenser von Se- 
lau, aus manigfachen zu diesem Zwecke gesammelten Geschenken 
dieses neue Ordenshaus erbaut. Die ersten Bewohnerinnen waren 
fromme Jungfrauen aus dem Kloster Donewald in der Kölner Diö- 
cese. Ein Prior unter der Oberleitung des Abtes von Selau be- 
sorgte daselbst den geistlichen Dienst.*) Die Besitzungen des Klo- 



^) Ebendaselbst. 

=) Genannt werden in ältester Zeit: das Gut Stanimir (nachmals gegen den 

grossen Wald Borek an der mäbrisclien Gränze vertausclit), Podol, Dobro, 

Scrisowe, Bogedanz, Pustsin, und namhafte Zehente in der Gegend von 

Iglau. Vgl. Erben reg. 152, 382 etc. 
3) Erben reg. 606. 
'*) Erben 1. c. Als spätere Besitzungen Seiaus werden von K, Sigmund 

1436 verpfändet: Zbilidy.mit einem Teiche, Petrowice, Öihowice und 

Noöico. (Pal. arch. ßesk. I. 514.) 
5) Dobn. mon. Boh. I. 99. 
«) Ebend. 110 etc. 



285 

sters in ältester Zeit werden nicht genannt^): jedenfalls lagen sie 
von der jetzigen leitmeritzer Diöcese fern. Nachmals ging von hier 
eine Schwestercolonie nach Kaunitz in Mähren aus. 

3. Im Jahre 1145 räumten auch die Benediktiner zu Leito- 
mischl ihr Ordenshaus den Praemonstratensern ein. Herzog Otto 
von Ohnütz und der Bischof Heinrich Zdik dotirten es auf das frei- 
gebigste aus Dankbarkeit für eine überstandene Lebensgefahr.^) 
So bedeutend wurden die Besitzungen di'eses Klosters sowohl in 
Böhmen als in Mähren, dass es nachmals in ein Bisthum sammt ei- 
nem Domcapitel verwandelt werden konnte. Namentlich gehörten 
auch hieher bedeutende Waldstrecken an der mährischen Gränze,^) 
welche sich in Kurzem zu Wohnsitzen deutscher Ansiedler gestal- 
teten.'*) 

4. Im Jahre 1184 stiftete der edle und fromme Graf Georg 
von Mühlhausen (Jurik von Milewsko) eine neue Colonie des Prae- 
monstratenserordens, die seinen Namen verewigte. Es ist das Klo- 
ster Mühlhausen (Milewsko) in der Gegend von Pisek.^) Der 
bekannte Chronist von Selau (Fortsetzer der Chronik des Selauer 
Capitulars Jaroslaw), der eben so gelehrte als fromme Ordensbru- 
der Gerlach (Gerlacus) ward der erste Abt des neuen Stiftes. Eben- 
desslialb ist es mehr als wahrscheinlich, dass es auch die ersten 
Ordensbrüder aus Selau erhielt und auch unter der mittelbaren Lei- 
tung dieses Mutterklosters blieb. Die ältesten Besitzungen lagen 
in den Kreisen von Tabor, Prachin und Budweis.®) Als Propstei 



1) Kaiser Sigmund verpfändete 1420 zugleich mit dem Klostergebäude Lau- 
niowic die Ortschaften (also wohl Besitzungen des Klosters) : das Städtchen 
Domasin, die Dörfer Lhota, Milanowice, Zelichowice, Hrin, Skrysow, Rat- 
merice, Libun , Lazy, Predboi'ice, Hrajowice, Rajko>Yice, Lhota, Karhule, 
Krizow, ütechowice, Masejowice, Milotice und Waöice (Pal. reg. zapis. in 
Arch, cesk. I. 531). 

3) Vgl. Erben, reg. 112. 

3) Vgl. Erben reg. 112, 138, 130. 

4) Als älteste Besitzungen werden nebst grossen Waldstrecken genannt : 
Pametic, Theile von Wazane, Krekovice, Richowice, Sudic, Sekry, ünter- 
thanen in Rostok, Dubraunic, Nedosin, Gradisce, Theile von Lozic, Zaläsaz, 
Lepejowice, Tynec, Triskowic, Iwanowic, Grubowic, Domasic, Hinow, jfeepiu, 
Kolodes, Rikowice, Griuäowa, Swabenice, Bojanowice, Cerekwice , Blejow, 
Brezne. (Erben 1. c) 

5) Urkunde Erben reg. 231. 

'>) Genannt werden Öernochow, Theile von Tf eskolup und Kralup (1207 für 



286 

wird — ohne nähere urkundliche Begründung — Theusing ge- 
nannt. ') 

§.73. Die ersten Gisterzienser in Böhmen. 

1.. Es wurde bereits erwähnt, in welch' nahem Zusammenhange 
die Einführung der Ordenssöhne des h. Bernard mit der geistlichen 
Reformation in unserem Vaterlande stand. Das erste Mutterhaus 
für Böhmen War das Kloster Waldsassen im heutigen König- 
reiche Baiern. Dieses von den einstigen Besitzern Egers, den Gra- 
fen von Yohburg gestiftete und dotirte Ordenshaus hatte schon von 
allem Anfange an bedeutende Besitzungen und dadurch auch be- 
deutenden Einfluss in Böhmen erworben. Diese Besitzungen erstreck- 
ten sich namentlich über einen beträchtlichen Theil des Egerlandes 
und des ehemaligen elbogner Kreises, — hier insbesondere über 
viele Ortschaften der Dominien Chodau, Schönbach, Graslitz, Ber- 
nau, Wallhof, Katzengrün, Sandau und. Königsberg. Uiberdiess ge- 
hörten dahin 6 Höfe in Pilsen und eine Besitzung sammt dem Pfarr- 
patronate in Plan.^) Aber auch in den Umkreis der heutigen Di- 
öcese von Leitmeritz reichten die Güter dieses Klosters hinein. 
Hier besass Waldsassen vorerst durch Schenkung vom Könige 
Wladislaw I. (1165, 28. Juni) Inder saazer Provinz ein Dorf Dau- 
dlebic mit dem sehr ausgedehnten Grundbesitze Preolac (jetzt 



Tynsa vertauscht) , Belin , Pozretin , Kdesice, Dobrotesice , Mymonowic, 
Graykowic (letztere 3 für Strana, Bratrejow, Zbutko, Chratna eingetauscht), 
Bojnic, Kojetin, Horosedly (1234 gegen Hrustice vertauscht). Vgl. Erben 
reg. 231, 259, 260, 266, 275, 285, 296, 355, 399, 413. 

1) Illust. Chron. von Böhm. .1. 322. 

*) Genannt werden ; das freie Steinhaus in Eger mit den dazu gehörigen 
üuterthanen in und ausserhalb Eger, das Quellgebiet der Elster bei Asch 
(begränzt von den Bächen Znata, Tieffenbach, grosse und kleine Elster, 
Winbach, Luboc, Tonokop sammt inliegenden Ansiedlungen) , Chodau, 
Neudorf, Roztil (1196), ein Grundbesitz bei Kulm (1232), Stadt und Gut 
Schönbach (bis c. 1348), Konradsgrün und 10 Höfe in Gassnitz (1808 — 
0.1348), Lapitzfeld (1308), Gut Liebenstein, Schönwerth, Reichenau, 
Scheiben, Perglas, Nothhaftsgrün (1298 — c. 1348), Ünterlosau (1218), 
Markhausen (bis c. 1348), Oed (1289), ein Hof in- Pograt (1287), Schönlind 
(bis 1349) , Schossenreut (1279) , Treunitz (bis c. 1348), Oberkuenreut 
(1300), Gut Watzgenreut (1154). Vgl. Erben reg. 137, 166, 167. Brenner 
Gesch. des Stiftes Waldsassen 24— 91. Pröckl, Eger und das Egerland. 



287 

Dorf Pröhlig) und den Egerfluss der Ausdehnung jenes Grundbesitzes 
entlang.^) Dazu fügte Herzog Friedrich im J. 1182 noch das Dorf 
Penreit in derselben Gegend sammt Feldern und Wäldern (unter Ei- 
nem auch ein Dorf Bruwic nahe bei Prag).^) König Wenzel I. ver- 
lieh 1238 dem Kloster noch dazu 6 Höfe und das ganze confiscirte 
Erbe des gewesenen königlichen Jägermeisters Orthe in Blzany 
(Flöhau) sammt Wiesen und Feldern.^) Nachmals (1248) fügte der- 
selbe Fürst für die im Kriege mit seinem Sohne Pi-emysl Ottokar 
erlittene Verwüstung des Gutes Preolac in derselben Gegend das 
Gut Sattel mit Jagd- Fischerei- und Waldgerechtigkeit hinzu.'^) Im 
J. 1290 (9. Noy.) schenkte König Wenzel II. dem Kloster für die 
empfangenen Dienste des damaligen Abtes Theodorich die Hälfte 
des Dorfes Holedic, die dem Könige von dem Bürger Theodorich 
Brunner in Saaz anheimgefallen war.^) Im Jahre 1291 (27. April) 
kaufte das Kloster selbst in der Nähe von Saaz zwei Höfe in Strutzi 
(Dreihof) an der Eger/) Etwas später erscheinen bei Saaz die 
Ortschaften Pressern (Bfezany), Schwinau (Schinau) und Pur- 
schi c (?) nebst dem bereits erwähnten Holedic als Besitzungen von 
Waldsassen, die aber im J. 1346 durch Verkauf an Trost von Win- 
kler in Künsberg übergehen.") Im Jahre 1356 gelangte das eine 
Zeit lang entfremdete Gut Preolac als Geschenk von Johelin Jacobi 
von Neuem an Waldsassen. ^) Im J. 1332 hatte König Johann dem 
Kloster das Patronat von Laun geschenkt.^) Das oben genannte 
Pressern (Bf ezany) erscheint in der zweiten Hälfte des 14. Jahr- 
hunderts als selbstständiger Pfarrort, wo Waldsassen die Patronats- 
rechte ausübte. Die Stadt Laun dagegen ist nächst Saaz entschie- 
den die älteste und beste Pfründe des saazer Archidiakonats ge- 
wesen, indem selbe 1384 die höchst ungewöhnliche Summe von 2 
Schock b, Groschen zum halbjährigen Kirchenzehent entrichtete. ^^) 

Urkunde bei Erben reg. 137. 

2) Urkunde ebend. 167. Vielleicht ist dies Branik. 

3) Urkunde ebend. 433. 
*) Brenner S. 36. 

5) Ebend. S. 55 und 59. 

6) Ebend. S. 56 und 59. 

7) Ebend. 88. 

8) Ebend. 92. 

9) Ebend. 82. 

'^^) Codex decimarum. 



288 

Auch später noch vermehrte die Freigebigkeit der Eingebornen den 
Reichthiim ihrer Kirche.') Im Jahre 1196 bereits hatte ihnen Her- 
zog-Bischof Heinrich Bfetislaw die Zollfreiheit in Böhmen verliehen.*) 
2. Von Waldsassen zog im J. 1143 die erste Cisterzienser- 
colonie nach Böhmen herein. Hier hatte der edle Miroslaw, an- 
geblich ein Ahnherr der nachmaligen Herren von Wartenberg und 
Waldstein, für die ehrwürdigen Väter das erste Kloster zu Sedlec 
erbaut, — und zwar „mit Einwilligung des Herzogs Wladislaw und 
des Bischofs Otto und auf Zureden des Bischofs Heinrich (Zdik) 
von Mähren,"^) Als erste Besitzung schenkte der fromme Stifter 
dem neuen Kloster die Güter und Höfe Solnic, Hothowic, Podol- 
sany, Zdebudice, Poboi', Odolany, Belany, Malejowice, Lubenice, Hli- 
zow, Kacin — und namentlich auch Gradische sammt Wasser, Wie- 
sen und Waldungen, wo alsbald wieder das selbststäiidige Kloster 
Münchengrätz sich erheben sollte. Uiberdiess aber bestimmte Miro- 
slaw das Kloster Sedlec zum Erben aller seiner Güter, falls er und 
seine Neffen ohne Erben sterben möchten. Diesem Beispiele folgte 
auch . sein Schwestersohn Drislaw, wodurch dem Kloster sehr bedeu- 
tende Erwerbungen zuflössen."*) Nachmals vermehrten auch noch 
neue Schenkungen unterschiedlicher Wohlthäter den Besitzstand 
von Sedlec, — unter diesen namentlich auch der später ausführ- 
licher zu rühmende Graf Kojata von Brüx, Sohn des Grafen Hra- 



•) 1395 errichtete die verwitwete Bürgerin Gutta ein neues Altarbeneficium 
(S. Corporis et sanguinis J. Christi) mit 8 Seh. Zinsungen. (Lib. Ercct. 
XIII. F. 3.) — 1396 10. Mai schenkte der Priester Peter ^on Laun seiner 
Mutterkirche einen Allodialhof , damit ein tüchtiger Prediger daselbst an- 
gestellt werde. (Lib. Erect. XIII. G. 1.) In demselben Jahre schenkte die 
Bürgerschaft der Kirche einen anderen Allodialhof nebst einem Acker 
Landes (Lib. Erect. IV. T. 1.). 1409 schenkte ein Launer Bürger einen 
zweiten Acker dazu. (Lib. Erect, XIIL E. 8.) 1412 14. Feb. schenkt aber- 
mals ein von Laun stammender Priester der Kirche daselbst einen Allodial- 
hof mit einem Acker Landes zur Stiftung einer S. Maricn-Frilhmesse. 
(Lib. Erect. XIII. T. 16.) So war Laun bis zur Husitenzeit einer der 
hervorragendsten Pfarrorte Böhmens geworden. 

2) Urkunde Erben reg. p. 193. 

3) Stiftungsurkunde bei Erben reg. 103, Kapihorsky hyst. klästera Sedleckeho 1. 
Illust. Chron. v. Böhm. II. 161. Fälschlich schreiben Hajek und Pontanus 
diese Stiftung dem prager Bischöfe Daniel zu, 

^) Stiftungsurkunde wie oben. 



289 

bisa von Bilin. ') Auch erliebliche Antheile der in nächster Nähe 
entstandenen Silbergruben von Kuttenberg steigerten den Reich- 
thum des Klosters, welches um das Jahr 1400 sogar 300 Priester 
und 200 Laienbrüder zu erhalten vermochte.-) Die späteren Be- 
sitzungen des Klosters lagen zumeist in den Kreisen von Caslau, 
Kauf im und Chrudim.^) 

Im Antheile der jetzigen leitmeritzer Diöcese besass Sedlec 
ausser einigen Elbmühlen bei Nimburg die Stadt Hodkowice'*). 
Es ist diess um so gewisser das jetzige Liebenau im bunzlauer 
Kreise, als diese Besitzung geradezu als Stadt bezeichnet wird und 
die beiden andern gleichnamigen Orte in Böhmen (im kaufimer 



') Urkunde Erben reg. 333. 
3) Illust. Chron. II. 161. 

3) Namentlich werden ausser den bereits genannten angeführt, — urkundlich: 
Sezemice, Krastno, Pi-elozy, Zmine. Bei Kapihorsky bist. Sedl.: Zinsungen 
zu Kuttenberg und die CoUaturen zu Kuttenberg, Malin, Kolin, Weletow, 
Königgrätz und in den mährischen Orten Jemnic und Jaromir. Nach einem 
dem Könige Ferdinand überreichten Catalogus (Sartorii Cisterc. bist. 982 — 
985) noch: Pretoka, Chleby bei Nimburg, Podesheim bei Graz, Kolin, 
Caslau, Bresan, mehre Neudorf, Chrawan, Radhostic, Öelakowic, Dymokur, 
üjezd, Hofmark (in Oesterreich), Ki-iwsudow, 3 Höfe bei Kolin, Selmic, 
Öerncin, Swojciö, Borowic, zwei Lhota, Chysna, Budsic, Laz, Brezina, Öe- 
setic, Herorc, Slawnic, Pawlow, Mikulasow, Dubec, Bonowec, Wesele, Bon- 
kow, Budisow, Babice, Cerkovice, Grund, Dolany, S. Jacob, Kobylnic, 
Owöar, Morasice, Zbidlaw, Jezery, Öernice, Belusice, Zraky, Äitenice, 
Blary, Ghrßice, Chwaletice, Dubec, Dobrinice, Konkow, Konowice, Hrob 
bei Kolin, Osada, Sestary, Zdanice, Chwostan, Polkym, PaAvic, Jenkow, Barts- 
dorf, Longendorf, Hohenrein, Smilow, Bei'gmeisterdorf, Blumendorf, Pfaffen- 
dorf, Chotowic, Trebusic, Krakowan, Keöenow, Labwetin, Horsan , Postub, 
Grellenort , Pignersdorf , Merbotsdorf , Weigmannsdorf , Kojic , Zaboric, 
Whnai", Hohenredel, Malesow, Mocowic, Wilanec, Aigen, Wislowic, Sla- 
thauen, S. Nikolaus, Radhoät, Bronkowic, Michowic, Uäinec, Kresetic, Krupa 
und einige Zinsungen. Offenbar wurden da auch Besitzungen anderer 
Klöster und blosse Theil- und Zinsdörfer einbezogen. Verpfändet wurden 
von K. Sigmund: Cirkwic, S. Jakob, Kojetic, die Mühle Hroby, Hlisow, 
Kotowice , Grewer bei Kolin , Luzow , Pfaffendorf, Malesow , Zbyslaw, 
Rohozec, Kunice , Tridwori, 2 Mühlen bei Kolin, Owcary, Nowy Dwür, 
Nowawes, Hradiätko, S. Katharina, Zabor, S. Nicolaus, Dolany, Sestary, 
Belany. (Pal. Arch. öesky.) Diese also waren sichere Besitzungen von Sedlec. 

4) Vgl. Urkunden Erben reg. 103 und 333 u. das dem König Ferdinand I. 
übergebene Verzeicbniss. ^ 

19 



290 

und königgrätzer Kreise) erweislich andere Besitzer hatten. Wahr- 
scheinlich ist es eben jenes Hothowice, welches schon der fetiiter 
Miroslaw zugleich mit dem nahen Münchengrätz dem Kloster Sedlec 
übergeben hatte. Im 14. Jahrhunderte finden sich jedoch schon 
andere Besitzer dieser alten Stadt, u. z. 1363 die Herren von Dra- 
zice und 1376 ein Herr von Biberstein. Hodkowice gehörte ent- 
schieden zu den ältesten Pfarrbeneficien des Dekanates von Tur- 
nau, indem es im J. 1384 den in dieser Gegend höchsten Kirchen- 
zins von 12 böhmischen Groschen zu entrichten hatte. ^) Als Ei- 
genthum des Klosters Sedlec wird endlich auch noch das Einkom- 
men vom ^upengerichte in Turnau genannt, auf welchen Ort wir 
seiner Zeit näher zu sprechen kommen werden. 

Als Propsteien von Sedlec werden Kaufim, Chotusitz 
und Elbenteinitz genannt. Auch verlegen Hajek und Spätere 
ein von hier aus gegründetes und geleitetes Jungfrauenkloster der- 
selben Ordensregel nach Starke nbach (Jilemnice) im ehemaligen 
bydschower Kreise.^) Die Husiten sollen dasselbe zerstört haben. 
Während jedoch für das einstige Bestehen jener Propsteien zahl- 
reiche Urkunden sprechen*), findet sich für die letztere Meinung 
bis jetzt nirgends eine historische Spur.^) Wahrscheinlich hat man 
auch hier wie anderwärts das irgend einem Nonnenkloster (un- 
bekannt welchem?) gehörige Herrschaftshaus für ein Kloster ange- 
sehen.*^) Yon Sedlec gingen nachmals die neuen Ordenscolonien 
Königssaal und Skalitz aus. 

3. Um dieselbe Zeit, — nach Neplacho sogar schon im Jahre 
1 130 — wurde auch das Kloster N e p o m u k oder Pomuk gegründet. ') 



') Lib, Confirm. ad h. a. 
^) Regist. decim. 

3) Hajek. Sommer, bydsch. Kr. S. 171. 

4) Index librorum erectionum. Kapihorsky bist, Sedl. 

^) Selbst Kapihorsky bist. Kläst. Sedlec. weiss nichts davon. 

6) Vgl. S. 106. (Kl. Georg.) 

^) Pomuk beisst dieses Kloster in den von Erben (Reg. Bob. etMor.) gesammel- 
ten öffentl. Urkunden von 1188, 1234, 1246; Nepomuk dagegen 1176, 1224 
1239, 1252. Pomuk heisst es. ferner in den Libris Erectionum in d. J. 1409 
1412,1413, 1418; Nepomuk dagegen in den Urkunden des Archiv öesky (v. 
Palacky) von 1856, 1410, 1419. Es ist also offenbar, dass beide Namen 
als identisch betrachtet wurden. Der Sage nach soll ab.er Nepomuk der 



291 

Der Name des Gründers ist bis jetzt nicht bekannt.') Spätere 
Schriftsteller deuten auf die Ahnen der nachmaligen Grafen von 
Sternberg hin. Sicher ist, dass hundert Jahre nachher der Würz- 
burger Bischof Berthold von Sternberg ein grosser Wohlthäter der 
neuen Stiftung wurde. ^) Dieses Kloster ist zunächst desshalb merk- 
würdig, dass es seine ersten Ordensbrüder aus dem fränkischen 
Kloster Eberach erhielt, desshalb den Abt dieses Mutterklosters 
fortan als geistlichen Vorsteher verehrte und somit in keinem en- 
geren Verbände mit den übrigen Cisterzienser-Ordenshäusern in 
Böhmen stand. ^) Nachmals diente hier der heilige Johannes von 
Nepomuk als Knabe den Priestern am Altare. Die ältesten Be- 
sitzungen lagen wohl in nächsten Umkreise/) Als älteste Aebte wer- 
den Conrad (1176), Hermann (1188), Hartmund (1219), Heinrich 
(1240), Berthold (1250) genannt. Seit der Zerstörung durch die 
Husiten erinnern nur noch wenige Trümmer und das umliegende 
Dörfchen Kloster an das einst blühende Ordenshaus. ^) 

Von Nepomuk aus wurde schon im Jahre 1157 die Propste! 
Heiligenfeld (Sacer campus , Swate pole) nächst Königgrätz ge- 
gründet, zu welcher wieder in Königgrätz selbst eine Pfarrei mit 
einem „Klösterlein" gehörte.") 

Auf dem Grün berge bei Nepomuk soll nach Einigen noch 
ein anderes Kloster — angeblich der Cisterzienserinnen — gestan- 



ux'sprüngliche Name des Klosters, Pomuk aber der ursprüngliche Name 
der unfern davon ertstandenen Stadt gewesen sein. Dieselbe Sage führt 
die Entstehung des Namens auf den aus Rom heimkehrenden heiligen 
Adalbert zurück, der durch sein Gebet (auf dem Grünberge) das aus- 
getrocknete Land wieder mit Regen befeuchtet (pomok) habe. 

1) Auch Neplacho hat ihn nicht genannt. 

^) Jogelinus, Baibin. hist. sacromont. auct. I. c. 9. 

^) Brusch de monast. Eboracensi. Baibin. 1. c. Pubitschka IV. 260. 

'*) Genannt werden: Dnesic (1239 an Kladrau verkauft) und Snopuse (1239 
gegen Radochowice und Bertholdice vertauscht). Sicher verdankt die Stadt 
gleichen Namens ihre Entstehung dem Kloster. 

5) Vgl, Sommer VII. 33. 

^) Jogelinus, Sartorius. Die ehemalige Lage bestimmt Bieneuberg (Gesch. 
von. Königgrätz S. 273), der übrigens gleich andern diese Propstei für 
ein wirkliches Kloster h"elt. Andere suchen die ehemalige Lage bei Opocno 
und halten die Stiftung für ein Frauenkloster. Die Königgrätzer zerstör- 
ten es 1420. 

19* 



292 

den sein.') Urkunden, welche diese Annahme bestätigen möchten, 
fehlen gänzlich. Doch ist es nicht unwahrscheinlich, dass der in 
nächster Nähe von Nepomuk gelegene Grünberg sammt seiner Burg 
eine Zeit lang zu den Besitzungen des Klosters gehörte und in die- 
ser Eigenschaft eine Colonie des Mutterhauses beherbergte.^) Lange 
aberjiat diess wohl kaum gewährt; denn schon im Jahre 1247 fin- 
den wir bereits einen erblichen Herrn von Grünberg, ^) welchem Ge- 
schlechte nachmals die Herren von Sternberg im Besitze folgten."*) 

§. 74. Das Cisterzienserstift Plass. 

1. Dieses Kloster hat für die jetzige leitmeritzer Diöcese eine 
besondere Bedeutung durch den Umstand gewonnen^ dass dasselbe 
hier seit uralten Zeiten eine Propstei — u. z. zu Böhmisch-Leipa 
besass. 

Als Stifter des prachtvollen und reichen Ordenshauses wird 
der König Wladislaw I. gerühmt, der auf seinen Jagden das dor- 
tige schöne Thal kennen gelernt und liebgewonnen hatte, so dass 
er eben dort im J. 1146 den Grundstein zu einem von ihm längst 
schon projectirten Cisterzienserkloster legte. Eine Colonie des ost- 
fränkischen Klosters Langheira übersiedelte in die neue Ordens- 
stätte. Der hochherzige Gründer sorgte durch Schenkung bedeu- 
tender Grundstücke und Einkünfte für den Bedarf der frommen 
Klosterbrüder. Nachmals thaten Herzog Friedrich (1183), Helicha, 
die Gemalin des Herzogs Otto (1189), der Herzog-Bischof Bfetislaw 
(1190) König Pfemysl Otokar I. (1207), Bischof Daniel (1209) und 
alsbald auch zahlreiche Mitglieder des böhmischen Adels ein Uibri- 
ges, um den ßeichthum der heiligen Stiftung von Plass zu erhöhen 
und dadurch das segenreiche Wirken der frommen Ordensbrüder in 
Gottesdienst und Seelsorge, in Wissenschaft und Kunst, in Landcul- 
tur und Armenpflege zu erweitern. 

2. Die Besitzungen des Klosters Plass lagen fast durchgehends 
ausserhalb der Gränzen der heutigen leitmeritzer Diöcese. 



') Hajek. Nach ihm Baibin. Jogelin. Sartorius. 

2) Vgl. Sommer VII. 24. 

3) Erben regest, p. 730 ad 1247. 

4) Sommer VII. 24. Palacky Archiv öesky IV. 74. 80. 81. 138. 234. 



293 

a. Als hiesige dem Kloster gehörige Ortschaft wird nur Ziis- 
san genannt, wohl das nachmalige Pfarrdorf Suäany (Ziischa — 
dermalen zur Domaine Postelberg gehörig). Im J. 1384 gehörte 
selbes bereits zu den älteren Pfarrstationen des Dekanats und be- 
theiligte sich damals mit 9 böhm. Groschen an dem Halbjahrster- 
minen des allgemeinen Kirchenzehents. ^) Damals und auch vor- 
dem erscheinen daselbst die ritterlichen Herren von Wildenfels, 
später aber einzelne Bürger der k. Stadt Saaz als Collatoren der 
Pfarrpfründe. ~) Dieses Dorf war wohl schon sehr bald nach der 
Stiftung von Plass in den Besitz jenes Klosters gekommen, und 
zwar als Geschenk des Grafen Bolic, eines Sohnes des Nacezsse. Im 
J. 1175 kam es im Tauschwege — ohne Zweifel der weiten Entfer- 
nung wegen — gegen das Gut Ujezd an den Herzog Sobeslaw.^) 

b. Noch von der ersten Stiftung her besass das Kloster Plass 
einen Theil des Salzzolles zu Deöin (Tetschen), der damaligen 
Hauptstadt der gleichnamigen Zupe.'*) Im J. 1183 beklagten sich 
die Klosterbrüder bereits beim Herzoge Friedrich, dass es ihnen 
schwer falle das Erträgniss dieser Schenkung Wladislaws I. „we- 
gen der Länge des Weges und der Nachstellungen von Seiten der 
Käuber ohne grosse Gefahr ins Kloster zu befördern." In Folge 
dessen übernahm Herzog Friedrich jenen Zoll wieder selbst und 
schenkte dem Kloster dafür ein landesfürstliches Dorf, Namens 

Kopidl.0 

3. Die für uns interessanteste Besitzung von Plass war die 



*) Regist. decimarum. 

^j Lib. Confirm. ad 1360, 1369, 1389, — 1407, 1412, 1417. 

^) Urkunde Erben reg. 155. 

*) Vgl. S. 83 i. Urkunde Erben reg. 118. 

5) Urkunde Erben regesta 170. Anderweitige ursprüngliche Besitzungen: Obora, 
Kretkow, Babina, Lomnice, Luti, Ujezd, Krpozis (dafür Lugow und spä- 
ter Szheshin), Öellowic, Chisko (dafür IZehutic undKoöin), Kaznew, Wrasni, 
Nebrisin, §upa, ein Weinberg bei Prag, Teskoy, Loman, Gluboc , Uplevi, 
Udrascha, Zrubni, ein Gütchen bei Kralowic, Mozidlin, Hluboky, Uplewice, 
Udrazka, Srubni, ein Theil von Ninonic, Ninic, Wsehrdy, Teinic, Olsowe, 
Ujezd, Breze, Üjezdec, Korith, Bezdekow, Lasnic, Darow, Kostelec, Kozlan 
(dafür Sehela), Hodin, und der Zins von Wisoöan. (Vgl. Erben reg. 118, 
143, 170, 171, 182, 184-187, 204, 222, 230, 237, 265, 288, 347, 357, 370, 
383, 390, 415, 438-440, 457, 596, 597.) 



294 

Propstei S. Maria Magdalena in B ö h m i s c h - L e i p a. Des frühe- 
ren Unterganges dieser alten Stadt und ihrer Wiedererbauung durch 
den tetschner 2upan Jakob im Jahre 1059 haben wir bereits er- 
wähnt. ') Wie damals durch eine Wasserfluth, so musste im Jahre 
1244 die arme Stadt sammt ihrem Gotteshause ein Opfer der Flam- 
men werden. Doch auch diessmal erstand sie von Neuem aus den 
Trümmern und zwar schöner und grösser als je zuvor. Sie dankte 
diess vornehmlich den Herren von Lipa, die sich damals auch durch 
die Erbauung der neuen Peterskirche verewigten. Die neue Stadt, 
jetzt die schönste und grösste im weiten Gaue, ward nun sogar zum 
Hauptorte der 2upe erkoren, nachdem Dööin bereits in den erb- 
lichen Besitz der Herren von Wartenberg übergegangen war. Als 
neue Zupane wohnten sofort die Herren von Lipa daselbst, welche 
allmälig alles noch nicht erblich gewordene Land des weiten Um- 
kreises in ihren Besitz brachten und unter dem Namen der Berka 
von Duba nachher das mächtigste Adelgeschlecht von Böhmen wur- 
den.^) Aber auch von weiter Ferne her gewann das wieder er- 
standene Leipa neuen Glanz. "Vielleicht aufgefordert von den Her- 
ren von Lipa — zog jetzt auch eine Colonie. der Cisterzienser von 
Plass nach Leipa, und so entstand hier die Propstei und Kirche 
zu Ehren der h. Magdalena. •"') Es ist diess wohl dieselbe Magda- 
lenencapelle , welche um das Jahr 1253 der plasser Abt an einem 
nicht ausdrücklich genannten Orte erbaute."^) Der neuen Propstei 
gehörte fortan das nahe Gut Lauben nebst Ziegenhorn,^) wahrschein- 
lich dasselbe Gut Loman, welches im J. 1192 ein gewisser Ulrich, 
Sohn des Dfislaw, dem Kloster geschenkt hatte.") Ueberdies wurde 
allmälig ein bedeutender Grundbesitz in der nächsten Umgebung 



1) S. S. 30. 

2) Der Name Berka von Duba taucht erst im Anfange des 14. Jalirhunderts 
auf. Herren von Lipa treffen wir bereits um 1250. Um 1200 lernen wir 
den Stammvater dieser und jener kennen in Smil Swetlik Burggi'afen von 
Zittau und Günstlinge Ottokars I. Palacky nennt dieses Geschlecht nach 
einem weit älteren Ahnen Namens Hron den Stamm der Hronowicen. 

3) Sartorii Cisterc. bistertium 1004 u. 1005. 
'^) Sartorii Cistercium bistertium p. 266. 

^) Leiper Kirchenchronik, Illust. Chronik v. B. I. 122, Sommer Topographie 

des leitm. Kr. S. 324. 
•') Erben reg. p. 185. 



295 

der Propstei erworben, derselbe, der nachmals in den liusitisclien 
Bewegungen von der Bürgerschaft occupirt und theilweise zu Bau- 
plätzen verwendet wurde,') nachdem man die Ordensbrüder aus 
'ihrem Asyl vertrieben hatte. ^) 

4. Von Plass gingen allmälig neue Ordenscolonien aus — 
nach Münchengrätz , nach Welehrad in Mähren (1202 und von da 
wieder nach Wizowic), nach Königsthron ebendaselbst, nach Golden- 
kron in Böhmen (1263), nach Heiligenkreuz in Oesterreich. Eine 
zweite Propstei besass Plass noch überdies hinter dem Aujezder 
Thore von Prag in der Nähe des dortigen Karthäuserklosters. ^) 

§. 75. Das GisterzienserMoster Münchengrätz. 

1. Es wurde bereits erwähnt, dass schon um das Jahr 1054 
ein Hermann von Ralsko etliche Benediktiner-Brüder von Tornach 
auf seine Besitzung in Hradigte berufen haben soll.'*) Wahrschein- 
lich hatten diese um das Jahr 1143 aus Mangel am nöthigen 
Unterhalte diese Gegend wieder verlassen; denn eben in diesem 
Jahre räumte der Stifter von Sedlec diese Besitzung den Cister- 
zienserbrüdern seines neuen Klosters ein.^) Angeblich noch in 
demselben Jahre,®) wahrscheinlich aber nach 1146^ legte hier ein 
neuer Hermann von Ralsko, Oberstkämmerer des Herzogs Sobeslaw IL, 
den Grund zu einem selbstständigen, nachmals hochberühmten, 
jetzt aber fast verschollenen Ordenshause. Um so sicherer ist 
diese Gründung erst nach 1146 geschehen, als das neue Kloster 
jederzeit als ein Tochterhaus von Plass angesehen wurde, und also 
von dort her seine ersten geistlichen Brüder erhielt. '^) Das neue 



') Wir werden später die daraus eutstaudeaen langwierigen Processe zwi- 
schen Plass und Leipa zu erwähnen haben. 

*) Die Gütertausche zwischen Plass und dem Collegiatstifte Melnik haben 
wir bereits bei Erwähnung des letzteren angeführt. 

3) Sartorii Cisterc. bist. 1004, 1005, 1088. Libri Erect. IX. E. I. 

"^jPaprocky 251. Palacky über Formelbücher. I. 240. 

s) Vgl. Sedlec. 

^) Kapihorsky bist. Sedlec. 

7)Balbini lib. Erect. IX. E. 1. Palacky über Formelbücher I. 240, citirt 
dafür das Gedenkbuch von Plass, nennt aber irrig das Jahr 1177, in wel- 
chem der erste Abt Meinhard nach Grätz gekommen sei, während doch 



296 

Kloster, alsbald Mnichow-Hradiste, Münchengrätz genannt, erhob sich 
zunächst dem alten Orte Hradistö an derselben Stelle, wo jetzt 
das waldstein'sche Schloss „Kloster" die weite Umgegend beherrscht. 
Seine Besitzmigen verdankte es ohne Zweifel zum grossen Theile 
schon dem edlen Gründer, den die Wartenberger und Waldsteiner 
ebenso wie den Stifter von Sedlec zu ihren Ahnen zählten. Wahr- 
scheinlich war er der Vater jenes Hermann von Ealsko, der 1175 
bis 1197 unter den Edelsten des Landes genannt wurde, und so 
der Grossvater jenes Benes Hermanow, dessen Heldenthaten ein 
seinen Namen tragendes Lied der Königinhofer Handschrift besingt. ') 
Die Erben dieser grossen Ahnen suchten gewiss ihren Ruhm darin, 
die schöne Stiftung ihrer Väter zu noch grösserem Glänze zu 
erheben. So musste Münchengrätz im Laufe der Zeit eines der 
reichsten und berühmtesten Klöster des Landes werden. 

2. Eine Stiftungs- oder Confirmations-Urkunde , welche uns 
die ehemaligen Besitzungen des Klosters Münchengrätz erschöpfend 
aufzählen möchte, ist leider nicht mehr vorhanden. Nur aus etwas 
späteren urkundlichen Notizen lassen sich die Gebietstheile des- 
selben annähernd zusammenstellen. 

a. Es ist wohl kaum zu zweifeln, dass der ursprünglich zum 
Kloster Sedlec gehörige Ort H r a d i § t e , wo nun eben das neue 
Kloster entstand, sofort in den Besitz des letzteren überging. 
Frühzeitig schon ward hier eine Pfarrkirche gegründet, die von 
da ab die Hauptkirche des Dekanats von Hradiäte war und im 
Jahre 1384 den hohen Halbjahrszehent von 20 böhm. Groschen 
zum allgemeinen Kirchendecem beisteuerte. 

h. Die bedeutendste Erwerbung des Klosters war die P r o p s t e i 
zu Gabel. Zunächst wurde am 30. Juni 1378 die Pfarrkirche 
von Gabel dem Kloster einverleibt in der Art, dass nur ein Ad- 
ministrator die Seelsorge daselbst besorgte, das eigentliche Pfarr- 
einkommen aber in die Kasse des Klosters floss.^) Diese Kirche 



nach anderen Zeugnissen der erste Abt daselbst bereits im J. 1165 ge- 
storben ist. Wahrscbeinlicb war das Jahr 1147 das Gründungsjahr. 

') Derselbe war 1217 und 1222 Kastellan von Budisin. Vgl. Palacky in 

- einem Aufsatze der Bohemia 1858, Nr. 292. 

-) Lib. Erect. 11. A. 1. „Jablonnä." Dass wir es hier in der That mit der 

Stadt Gabel zu thun haben, dafür bürgt der Umstand, dass auch nach 

den Lib. Confirm. geradezu in der Stadt Gabel der Abt von München- 



297 

war bis dahin die Hauptkirche des Gabler Dekanates und die 
älteste der weiten Umgegend gewesen. Von hier aus war der 
christliche Glaube nach allen Richtungen hin weiter verbreitet 
worden. Als incorporirtes Pfarrbeneficium zahlte Gabel im Jahre 
1384 nur noch 15 böhmische Groschen als Halbjahrszehent, und 
ward in diesem Stücke von der benachbarten Stadt Niems bis zum 
Doppelten übertroffen.') Im Jahre 1398 hatte der von München- 
grätz aus exponirte Seelsorger die Würde eines Propstes (prae- 
'positus),^) offenbar deshalb , Aveil auch noch einige andere Ordens- 
brüder daselbst ihm zur Seite lebten und wirkten. 

c. Urkundlich sicher besass das münchengrätzer Kloster eine 
Propstei zu ^leb (Zleby im öaslauer Kreise). Stifter derselben 
waren zwei Briider von Wartenberg auf Kost, Marquard, der Ober- 
kämmerer, und Peter, der Obersthofmeister Carls IV., die auf diese 
Weise das Andenken ihrer Mutter Agnes (geb. v. Sliwno) ehren 
und das Seelenheil derselben fördern wollten. Als Dotation be- 
stimmten sie das Dorf 2ehub (wahrscheinlich 2echöw im berauner 
Kreise) und einen Maierhof von zwei Feldmassen in Trubsko (be- 
rauner Kr.) nebst allen Rechten, Einkünften, Zinsungen und 
Zugehör. Hieven sollten durch alle Zeiten 6 Ordensbrüder von 
Münchengrätz erhalten werden, deren einer mit Einverstandniss 
der wartenb ergischen Erben vom münchengrätzer Abte zum Propste 
ernannt werden sollte. Unter der Obhut der geistlichen Brüder 
sollten in dem zur Propstei gehörigen Hospitale 12 Arme ver- 
pflegt und gekleidet werden. Diese Stiftung geschah am 25. Febr. 1377.^) 

d. Mukafow, jetzt noch zum Dominium Münchengrätz ge- 



grätz das Collaturrecht ausübte (ad 1418). Jablonec dagegen , und zwar 
vorerst das heutige Gablonz gehörte damals nach denselben Lib. Confirm. 
dem Cyriacenserorden, während das zweite Jablonec (Böhmisch-Jablonec) 
als Besitzung der Wartenberger erscheint. (Lib. Confirm. ad 1362, 1369. 
1396, 1410.) 

1) Codex decimarum. 

~) Lib. Erect. XIIL T. 2, nennen nur einen praepositus von Jablonec, ohne 
des Ordens zu erwähnen, dem er angehörte. Aus demsub 2, b , entwickelten 
Grunde, dass die beiden andern Jablonec zuversichtlich nur Pfarreien 
waren, die eine unter weltlicher Collatur und die andere einem Orden 
angehörig, der keine Propsteien besass, lese ich statt Jablonec lieber 
Jablona und kann darunter nur das heutige Gabel verstehen. 

3} Lib. Erect. L F. 'q. IL K. 1. Die Urkunde ist von Schloss Sliwno datirt. 



298 

hörig, erscheint in den Confirmationsbüchern ebenfalls als CoUatur 
des obigen Klosters'). Die hiesige Pfarrei verdankte, wie die 
meisten Klostercollatur-Pfarren , ihre Entstehung wahrscheinlich 
den Aebten von Münchengrätz. Im Jahre 1384 erscheint sie mit 
einer Leistung von 9 böhmischen Groschen als eine der bessern 
und älteren des Dekanates.^) Im Jahre 1393 wird noch einer 
Schenkung von 2 Feldmassen und einer Wiese von Seiten zweier 
Lehensleute (des Klosters?) Pfecho von Sedliöek und Jaroslaw 
von Limaucek zu Gunsten der Kirche in Mukafow gedacht, und im 
Jahre 1398 einer neuen von 7a Schock jährlicher Zinsen, verliehen 
vom Lehensmanne Wenzel von Pobibuk gegen Persolvirung zweier 
Jahresgedächtnisse. ^) 

e. Eine andere Collatur des Klosters war Hlawic, ebenfalls 
noch zum Dominium von Münchengrätz gehörig. Der Abt jenes 
Klosters erschien hier in den Jahren 1359, 1364, 1369, 13*79, 
1402 und 1408 als Pfarr-Präsentator.*) Die Pfarrkirche gehörte 
im J. 1384 mit einer Zehentsteuer von 6 böhmischen Groschen 
noch zu den jüngeren des Dekanats. 

f. Bi^ezina auf der jetzigen Domäne Swijan. An der Pfarr- 
kirche daselbst, welche 1384 auf gleicher Zehentstufe mit Hlawic 
stand, ^) übte der Abt von Münchengrätz erweislich in den Jahren 
1378, 1382, 1404, 1412 und 1418 das Patronatsrecht aus.') 

g. Mohelnice, jetzt ebenfalls zu Swijan gehörig. Auch hier 
stellte derselbe Abt im Jahre 1405 einen neuen Seelsorger an.") 
Die Pfarrkirche stand in der Zehentleistung den obigen gleich.^) 

h. Rychnow oder Reichenau auf demselben Dominium. Die 
Pfarrkirche daselbst, an der das Kloster in den Jahren 1369, 13Y3, 
1374, 1389, 1395 und 1418 das Collaturrecht übte,") zahlte im 



') Lib. Confirni. ad 1363, 1408, 1415, in welchen Jahren das Collaturrecht 

ausgeübt wurde. 
") Registrum decimarum. 
3) Lib. Erect. XII. E. 6. XIII. J. 8. 
*) Lib. Confirm. ad h. ann. 
^) Registrum decimarum. 
*') Lib. Confirm. ad h. ann. 
'^) Ebendas. 
^) Regist. decimarum. 
^) Lib. Confirm. ad h. ann. 



299 

J. 1384 gar keinen Zehent, vielleicht deshalb, weil sie etwa dem 
Kloster zu dieser Zeit incorporirt war und nur durch Administrato- 
ren besorgt wurde. 

i. Lukow, eine der ältesten Kirchen des alten turnauer De- 
kanats, die im Jahre 1384 sich mit 12 böhmischen Groschen am 
Kirchenzehent betheiligte,') erscheint im Jahre 1416 ausdrücklich 
als Collatur von Münchengrätz.^) Dies war sie jedenfalls erst kurz 
vorher geworden, da unterm 20. October noch die Brüder von War- 
tenberg zu Lämberg als Collatoren genannt werden.^) 

Jv. Sany im alten Dekanate von Kolin war ebenfalls eine 
Collatur des genannten Klosters. Erweislich trat hier der Abt von 
Münchengrätz im J. 1375 als Patronatsherr auf.*) Im J. 1437 
wurde dieses Dorf als ehemalige Besitzung von Münchengrätz von 
K. Sigmund an Friedrich von Sraznic verpfändet.^) 

Z. Jezwe oder Neustadt („nova civitas") bei Leipa wird 
ebenfalls, und zwar in den J. 1360, 1376, 1378 u. 1415 als Pa- 
tronatspfründe von Münchengrätz angeführt.*^) Da sie im J. 1384 
schon 9 böhmische Groschen zum halbjährigen Kirchenzehent steu- 
erte, so war sie kaum mehr eine der Jüngern des Dekanats.") Hier 
scheint übrigens der Cisterzienserorden auch noch nach der Zer- 
störung von Münchengrätz die Verwaltung der Seelsorge inne 
gehabt zu haben — zuletzt in den traurigen Zeiten Luther's das 
Kloster Ossegg.^) 

m. Als Collatur u. Besitzung von Münchengrätz erscheint auch 
Wtelna an der Iser, ein uralter Pfarrort, der im J. 1384 den 
ungewöhnlichen hohen Zehent von 22 böhmischen Groschen zum 
allgemeinen Kirchenzehent beisteuerte.^) Im J. 1437 ward dieser 



^) Reg. decim. 
'^) Lib. Gonfirm. 
2) Ebenäas. 

4) Ebendas. 

5) Palacky Archiv (regist. zapisöv). I. 528. 

*') Libri Confirm. In älterer Zeit hatte es dem Kloster Tepl angehört. Vgl. 

die Prämonstr.-Abtei Tepl. 
') Regist, decim. 

^) Davon später an geeigneter Stelle. 
^) Regist. decimarum. 



300 

Ort ausdrücklich als ehemalige Besitzung von Münchengrätz durch 
K. Sigmund an Johann von Kunwald verpfändet. ') 

n. Auch in Prag besass das Kloster Münchengrätz eine Pa- 
tronatspfründe, und zwar S. Clemens am Poriö, wo der dortige Abt 
noch im Jahre 1407 das Collaturrecht ausübte.^) In Prag besass 
übrigens der Abt von Münchengrätz erweislich im J. 1407 gleich 
andern hervorragenden Prälaten des Landes ein eigenes Residenz- 
haus, und zwar in der Nähe der Kirche des h. Castulus.^) Kaiser 
Sigmund verkaufte dasselbe an Hroch von Udim, von dem es an 
Betka von Bi§ic gelangte, welche dasselbe im J. 1462 am 8. Fe- 
bruar dem Kloster Königsaal mit dem Bedingnisse abtrat , dass es 
im Falle der Wiedererbauung von Münchengrätz an letzteres Kloster 
zurückfallen solle.^) Offenbar war dieser Rückfall schon vordem — 
wie in andern Fällen — vom Kaiser Sigmund ausbedungen worden. 

§. 76. Fortsetzung. 

Wir haben bisher nur die PfarcoUaturen genannt, welche er- 
weislich dem Kloster Münchengrätz zugehörten, ohne eben dadurch zu 
behaupten, dass die erwähnten Orte selbst ohne Ausnahme Eigenthum 
des Klosters waren, ohne aber auch in Abrede zu stellen, dass wieder 
anderweitig nicht selten die meisten der in jene Collaturkirchen 
zugewiesenen auswärtigen Dorfschaften in den Besitz des Klosters 
gehört haben mögen. Namentlich besass das Kloster ausser jenen 
Collaturen mit urkundlicher Sicherheit einen Hof sammt einem 
Vorwerk zu Swinaf , das Dorf Badlo und 4 ünterthanen in Nu- 
dwojowic,^) welche Heinrich von Wartenberg zugleich mit dem be- 
reits genannten Pfarrdorfe Richnow sammt allem Zubehör um 500 
Schock b. Gr. vom Kloster erkauft hatte, und deren Besitz sich 



^) Palacky Archiv (regist. zäpisüv). I. 5M. 
*) Lib. Confirm. 

3) Lib. Erect. VIL L. 9. 

4) Palacky Archiv. III. 571. 

5j Nudwojowice erscheint als eine der Jüngern Pfarreien des tuniauer De- 
kanats (mit 3 Gr. Zehent im J. 1384). Als CoUatoren werden hier die 
Herren von Wartenberg auf Wselis genannt. (Lib. Confirm. ad 1362 und 
1406.) 



301 

Hynek von Waldstein im J. 1436 von König Sigmund bestätigen 
liessJ) Die genannten Orte gehörten damals zum „Gerichte von Je- 
niäowic",^) einem der ältesten Pfarrorte des turnauer Dekanats, der 
demnach sehr wahrscheinlich ebenfalls dem Kloster als Eigenthum 
gehörte. Im J. 1384 zahlte Jeni§owic den höchsten Kirchenzehent 
jener Gegend mit 12 böhmischen Groschen.^) Als ähnliche Besitzungen 
von Münchengrätz werden noch*) von der Tradition bezeichnet die 
Orte Zwifetic, Witanowic, Podol, Breha, Pentschin, Aujezd, Stri- 
zowic, Podöf awic und Girsko ; nicht minder auch die jetzt dem Do- 
minium Münchengrätz einverleibten ehemaligen Güter Bakow, We- 
sely, Mankowice, Gross- und Klein-Pteyrow. Letztere sollen sammt 
den vorhin erwähnten Dorfschaften nachmals vom Könige Georg 
von Podöbrad an Johann von Wartenberg mit der ausdrücklichen 
Bedingung verpfändt worden sein, dass die Cistercienser, falls sie nach 
Münchengrätz zurückkehren würden, diesen Besitz zu jeder Zeit ge- 
gen Erlag des Pfandpreises wieder einlösen können.^) Das dar- 
unter genannte Bakow war unzweifelhaft eines der ältesten Pfarr- 
beneficien des Münchengrätzer Dekanats und zahlte im J. 1384 be- 
reits 15 böhmische Groschen zum Kirchenzehent.^) Der wirkliche 
Besitz von Bakow ist jedoch um's J. 1379 wenigstens zweifelhaft, 
im J. 1392 aber ganz in Abrede zu stellen. Im J. 1379 werden 
die „Gebrüder von Marquartic residirend zu Bakow als Kirchen- 
patrone angeführt;") im J. 1392 aber stiftete Wilhelm von Zwii-etic 
auf Bakow vier Jahrgedächtnisse zu Bakow durch Verleihungen jähr- 
licher Zinsungen von der Burg daselbst.*) Jedenfalls irrthümlich 
wird diesen Besitzungen auch noch das Gut Laukowec beigezählt"), 
das angeblich derselbe König Georg im Jahre 1475 an Ignaz von 
Waldstein verpfändete. Dieses Laukowec war allerdings Kloster- 
gut, gehörte aber nach dem verlässigen Ausweise der Confirmations- 



1) Palacky Arcliiv (registra zäpisüv.) I. 517. 

") JEbendaselbst. 

3) Kegist. decimarum. 

*) von Sommer in seiner Topographie des bunzl. Kreises S. 194, 211. 

5) Ebendaselbst 198. 

6) Regist. decim. 
■^ Lib. Confirni. 

8) Lib, Erect. XII. E. 2. 

ö) Sommer 1. c. 198 vergl 211. 



302 

büclier dem Orden der Johanniter, deren Grossprior hier im J. 
1383 das CollatmTecM ausübte.') — Ob endlich auch noch die von 
einem „Abt Johann und dem Convente zu Hradistö" an Johann von 
Badry zu Obidowic verkauften Dörfer Badry und Lhota^) und das 
von demselben Abte am Jacob Chmelik von Ujezd und seinen Bru- 
der Hrzko verkaufte Dorf Buzow (Bygow^) eben dem Kloster Mün- 
chengrätz gehörte, ist trotz des Umstandes, dass in letzterenl in 
den Jahren 1416 wirklich ein Abt Johann regierte*); noch zweifel- 
haft, weil es zu gleicher Zeit auch noch in Mähren ein Kloster 
HradiStö gab. . 

Hier mag auch noch der angeblichen Propstei gedacht werden, 
welche Münchengrätz zu „Langenau oberhalb Hohenelbe" 
innegehabt haben und die im J. 1424 zugleich mit dem Jungfrauen- 
kloster Jilemnic von den Husiten zerstört worden sein soll.^) Wahr- 
scheinlich ist dies dieselbe Propstei, welche Baibin (in literis pu- 
blicis Bohoem.) nach Hohenelbe (Albipolis) selbst versetzt, und die 
im J. 1705 zu einem Augustinerkloster wiederhergestellt worden 
ist. Urkundliche Anhaltspunkte sind dafür nicht vorhanden. 

2. Der erste Abt von Münchengrätz soll Marquard gewesen 
sein, angeblich der Sohn eines BeneS von Michalowic. Er soll im 
J. 1165 bereits in die Ewigkeit hinüberbegangen sein.^) 

Nach ihm erscheint (ob ohne Lücke?) ein Abt Dittrich, 
genannt in den Jahren 1184, 1185 u. 1189. Derselbe wird nämlich in 
denselben Jahren als Zeuge in landesfürstlichen Urkunden genannt,'') 
was zugleich zum Beweise dient, dass die Aebte von Münchengrätz 



1) Lib. Confirm. 

*) Vergl. Palacky Archiv (regist. zäpisüv) IL 444. 

3) Ebend. 463. 

4) Lib. Confirm. 

^) Sartorii: Cistercium bistertium. 

^} Crugerius. 

^) Erben reg. 171 — 173. Derselbe zählt zwar im Index diesen Theodoricus zu 
den Aebten von Hradiste in Mähren, aber jedenfalls irrthümlich; denn 
in jenen Unterschriften nennt sich Theodorich abbas de Gradis, was in 
der Regel Münchengrätz, und nicht de Gradic, was ebenso das mährische 
Hradiste (bei Olmütz) bedeutet. Ueberdiess betreffen jene Urkunden auch 
rein böhmische Angelegenheiten, und auch die Mitzeugen sind sonst durch- 
wegs böhmische Prälaten. 



303 

eine einflussr eiche Stellung selbst in der Nähe des Thrones inue 
hatten. Im Sommer des Jahres 1189 nahm er auch an den Ver- 
handlungen des Landtags zu Sadska Antheil, ') wo er in der Keihe 
der anwesenden Aebte unmittelbar nach den Aebten von Strahow 
Bf ewnow und Sedlec und vor den Aebten von Kladrau und Selau 
genannt wird. Ausser ihm ist dermalen kein weiterer Prälat von 
Münchengrätz aus dem Zeiträume des 12. Jahrhunderts bekannnt. 

§. 77. Die Johanniter in Böhmen. 

Wir lernten bereits den edlen Mann näher kennen, welcher 
den Johannitern das erste Ordenshaus in Böhmen als Werb- 
und Bildungsplatz für einen tüchtigen Nachwuchs und als ruhiges 
Asyl der für den Kampf nicht mehr geeigneten Veteranen er- 
baute: es war Martin, Propst von Leitmeritz. Im J. 1156 hatte 
derselbe im Vereine mit seinem Onkel Gervasius aus eigenem Ver- 
mögen das Hospital bei S. Maria an der prager Brücke gegründet 
und dotirt. Im J. 1180 nahm er, damals Propst von Prag, selbst 
das Ordenskleid und wurde alsbald (1183) Praeceptor (Stellvertre- 
ter des Grossmeisters, Provinzial) für Böhmen, Ungarn und die ost- 
wärts angränzenden Länder.^) Von Prag aus legte der Orden all- 
mälig die Commenden zu Jungbunzlau, Manetin, Zittau, Hirsch- 
felde, Glatz, Böhmischaicha, Königgrätz, Kaaden, Strakohitz, Blatna,^) 
in Mähren Olmütz-, Znaim, Brümi, Hole§itz, Iglau, und einige an- 
dere an. Das Kloster in Prag blieb das Hauptordenshaus des Lan- 
des und der Sitz des Landespriors (Grandpriors) bis um das Jahr 
1272. Von da ab erscheint Strakonitz, wo der Grundherr Bawor I. 
von Strakonitz im J. 1243 einen reich dotirten Johanniterconvent 
gestiftet hatte, als Sitz des Grandpriors von Böhmen, "*) der liin- 
fort auch der Meister von Strakonitz hiess. 



1) Palacky I. 483. 

2) Das Nähere §. 61. n. 7. 

^) Aus templerischen (?) Mauerbiklern in Blatna hat man die Existenz einer 
dortigen Templercommende gefolgert (lUust. Ohr. I. 14 und 15). Da aber 
Blatna bis 1300 erweislich den Herren von Strakonitz gehörte und von 
1325 (wo Wilhelm von Strakonitz seine Güter den Johannitern übergab, 
diese letztern als Besitzer erscheinen (Heber böhm. Burgen HI. 119): so 
ist obige Annahme wohl nur eine Verwechselung. 

4) Heber böhm. Burgen HI. 118. Tomek. Gc. Prags I. 490. Not. 49. 



304 

2. Die Besitzungen der Johanniter waren weit und breit im 
Böhmenlande zerstreut. Ein beträchtlicher Theil derselben lag im 
Terrain unserer jetzigen Diöcese Leitraeritz. Zu den ältesten, 
vielleicht ursprünglichen Erwerbungen des Ordens gehörten hier 
vor Allen die Dörfer Bofislaw (Boreslau) und Hribowice 
(jetzt Herbitz bei Kulm), deren Besitz schon im J. 1169 vom Kö- 
nige Wladislaw dem Orden confirmirt wurde,') Es ist bereits er- 
wähnt worden, dass diese Besitzung schon im J. 1185 an das 
herzogliche Haus, von da im J. 1186 wieder an dem Johanniter- 
orden, und endlich an das Klostejc Teplitz gelangte.^) Dafür erhielt 
damals der Orden vom Herzoge Friedrich einige „fast verlassene 
Dörfer" im saazer Gebiete, und zwar: Stare Sedlo (Altsattel 
bei Elbogen), Zblasin (wohl das heutige Ploscha bei Laun), Ray- 
§owice (das jetzige Eeitschowes bei Saaz), Merovi krizi, Za- 
hradky, Napolene, Skirsice, Tichonin, Off retin, Wia- 
kosove, Jungmero vice. (? ?) ^) — Wir heben von diesen 
Erwerbungen Raisowice (oder Radicewes) hervor, jetzt sowie 
Ploscha ein Pfarrort der leitmeritzer Diöcese. Raiäowice besass er- 
weislich schon im 14. Jahrhunderte eine eigene Pfarrkirche, welche 
im J. 1384 als eine der älteren im saazer Dekanatssprengel einen 
Halbjahrzehent von 15 böhmischen Groschen entrichtete."*) Da- 
mals aber besass der Johanniterorden — wenigstens unmittelbar- 
schön nicht mehr die dortige Grundherrschaft. Im Jahre 1368 
schon übte der prager Bürger Nicolaus von Lipna — allerdings 
als Cliens — in Raisowice das Collaturrecht aus.^) Derselbe ver- 
schenkte im Jahre 1390 dieses Recht an einen andern Nicolaus, 
der im königlichen Dienste stand und nach dessen Ableben den 
Burggrafen in Rabstein (Hostialek) und Elbogen (Zdimir).") Im 
Jahre 1404 erscheint Berwald, Richter der prager Neustadt, und 
1406 Hrzek von Dnesic als Collator.") Im J. 1407 trat Wenzel 



1) Urkunde Erben reg. 143. 

2) S. Kl. Teplitz. 

3) Urkunde Erben reg. 168, 169, 173. 
"*) Kegist. decimarum. 

5) Lib. Confirm. 

6) Lib. Erect. XII. 0. 2. 
^) Lib. Confirm. 



305 

Wacha von Wf^etaty das Collaturreclit an Nicolaus von Ujezdab.') 
Im gleichen Besitz- und wohl auch Altersrange stand im J. 1384 
der Pfarrort Ploscha (Blazim). Damals werden aher bereits Herren 
von Blazim als Besitzer und Collatoren dieses Dorfes genannt.-) 
Für vormalige geistliche Besitzer spricht aber die in der Gegend 
erhaltene Sage, dass geistliche Eitter (Templer?) ehedem die Burg 
in Ploscha inne hatten.^) 

3. Zu den ältesten Gütern des Ordens gehörte ferner das da- 
malige Dorf und nachmalige Stadt L e w i n b e i A u s ch a."^) Diese vor- 
dem landesfürstliche Ortschaft war ein Geschenk des Königs Wla- 
dislaw, der selbe im J. 1169 zugleich mit einem Walde bei Olesnice 
dem aufblühenden Orden einräumte.^) Im J. 1184 erneuerte der 
Bischof Heinrich Bfetislaw diese Schenkung, die vielleicht sein Vater 
mittlerweile gegen eine andere vertauscht und eben seinem geistli- 
chen Sohne als Erbguts- Autheil hinterlassen hatte. Aus der be- 
treffenden Schenkungsurkunde*^) erfahren wir, dass König Wladi- 
slaw zu Jerusalem unter dem Grossmeister Assalitus in die BrudQr- 
gemeinschaft des Ordens persönlich eingetreten war. Die Schen- 
kung geschah ausdrücklich für das Seelenheil Wladislaws und 
seiner Gemahlin Margareth sowie des Geschenkgebers selbst. Als 
darauf im J. 1186 am 23. April der Herzog Friedrich zu Auscha 
seine Tochter dem Markgrafen Otto von Meissen vermählte, bestätigte 
er dem ebenfalls dahin gekommenen Ordens-Präceptor und ehe- 
maligen Propste Martin unter anderen auch diesen Besitz,') Im J. 
1384 zählte Lewin mit einer halbjährigen Kirchenzinsung von 12 
böhmischen Groschen bereits zu den ältesten Beneficien des Leit- 
meritzer Dekanats. Ein hinter dem Hochaltare aufgefundenes Or- 
denszeichen der geistlichen Ritter lässt vermuthen, dass diese die 



1) Lib. Erect. XIII. P. 8. 

2) L. Erect. VII. 0. 5. Im J. 1408 starb Litold von Blazim. Der Vormund 
seiner Kinder schloss damals einen Zehentvertrag mit dem Pfarrer in 
Hawran. 

3) Heber : Burgen III. 207. 

*)Levin. prope Usti, so wird es ausdrücldich in der ßestäligungsurkunde 

des Herzogs Friedrich bei Erben reg. 174. genannt. 
5) ürlfunde Erben reg. 143. 
ß) Urkunde ebend. 172. 
') Urkunde ebend. 175. 

20 



306 

Gründer des Gotteshauses daselbst gewesen sein dürften. Seit 1360 
waren erweislich schon die Grundherren von Auscha zugleich Be- 
sitzer Lewins, indem 1363 der dort begüterte Johann von Michels- 
berg und 1402 und 1408 Aleä von Duba auf Drazic das Collatur- 
recht in Lewin ausübten.') 

4. Im J. 1185 gestattete Herzog Friedrich dem Orden, eine 
Pfarrkirche zu Kadan zu bauen, und das Collaturrecht daselbst 
auszuüben.-) Bei dem eben erwähnten Vermähiungsfeste zu Auscha 
schenkte er dem Orden diesen Ort, der bei dieser Gelegenheit eine 
neue Stadt (burgum novum) genannt wird, zur Gänze. ^) Von da 
ab erscheint Kadan als eine Commende der Johanniter^), wo 
gewöhnlich der Commandeur zugleich pfarrliche Jurisdiction ausübte. 
Kadan war als alte landesfürstliche Burg wohl schon vordem der 
Sitz eines Priesters gewesen und war vielleicht schon bis 1185 
der Hauptort des gleichnamigen Dekanats geworden. Letzteres 
blieb Kadan nach wie vor, obwohl hinfort je ein Pfarrer der Nach- 
barschaft die Dekanatswürde bekleidete.^) Der Commandeur (Com- 
thur) von Kadan übte erweislich auch im benachbarten Brunner s- 
dorf die Pfarrcollatur.^) Diess geschah im J. 1363. Da die Pfarr- 
kirche des letzteren Orts 1384 nur 3 böhmische Groschen halb- 
jährigen Kirchenzehent entrichtete,^) so dürfte sie wohl kaum um 
vieles vor das J. 1360 zurückreichen, und es mögen wohl die geist- 
lichen Ritter von Kadan ihre ersten Erbauer gewesen sein. 

§. 78. Fortsetzung. 
1. Als weitere Besitzung des Ordens erscheint das Pfarrdorf 
P S w in Saazer Gebiete, das heutige Kreuzherrengut Schaab. Diess 



') Lib. Confirm. ad h. a. 

3) Urkunde Erben reg. 168. 

^) Ebend. 174. Die Burg blieb landesfürstlich unter eigenen Burggrafen bis 

zu ihrer Verpfändung an die Herren von Egerberg im J. 1256. 
*) Ein solcher Coraraendator wird 1363 namentlich genannt. (Lib. Confirm.) 

Noch im J. 1467. 4. Mai erliess der Administrator des Erzbisthums Hila- 

rius ein Schreiben an P. Cyriacus Commendator domus Cadauensis et ple- 

banus. (Pessina Phosph. p. 270.) 

5) So 1392 der Pfarrer zu Wilemice, 1393 der Pfarrer zu ^dar u. s. w. 
(Lib. Confirm.) 

6) Lib. Confirm. ad 1363. 
'') Registr. Decim. 



807 

hatte schon der oft erwähnte Ordenspräceptor Martin zugleich mit 
dem Orte Posirowic (wohl das jetzige Pösswic auf der Domäne 
Rothenhaus) dem Prager Domcapitel abgekauft.^) Die Pfarrkirche 
daselbst entrichtete im J. 1384 bereits einen Halbjahrsdecem von 
12 böhmischen Groschen, ohne dass einer neueren Erwerbung ir- 
gendwo gedacht wird:'-) desshalb zählte sie wohl damals zu den 
ältesten des saazer Dekanats. Von da ab erscheinen hier die Herren 
von Duba als Collatoren,^) ohne dass die Zeit des Uib erganges des Be- 
sitzes an dieses alte Adelshaus namhaft gemacht werden kann. Im 
J. 1413 am 3. Februar schenkte Henzlin, vordem Herr zu P§ow, 
nun Procurator des Kreuzherrenspitals bei S. Peter in Prag, der 
Kirche zu P^ow den Genuss einer Jahreszinsung von 1 Schock 
und 6 böhmischen Groschen.'*) Im Jahre darauf verlieh Anka "Witwe 
nach Johann von Frankowec auf Psow derselben Kirche einen Theil 
Acker.^) In den Jahren 1416 und 1418 erscheint der königliche 
Obermarischall Wr§ von Modrejowic als Collator zu Piow.") Bald 
darauf gelangte der Ort in den Privatbesitz des Kreuzherrengross- 
meisters Johann Stönic und durch diesen in das Eigenthum seines 
Ordens.') 

2. Noch vor 1186 hatten Wilhelm und Ullrich, Söhne des Gra- 
fen Hroznata — wohl Verwandte,, wenn nicht bereits ausgestattete 
Söhne des Gründers von Tepl — vom Landesherrn das Dorf 
Bfeznice (Gross-Priesen) nebst mehreren Grundstücken in der 
Nähe von Aussig gekauft und dem Orden als Geschenk verehrt. 
Im genannten Jahre bestätigte Herzog Friedrich auch diese Er- 
werbung — zugleich mit dem Eigenthumsrecht auf die dortigen 
Dörfschaften Poverl (Pömmerle), Rigici (Eyjice, Reinlitz), 
Rostoky (Rongstock), Werece (Raitza) und Ujezd (?), wel- 
che einst Mösko, ein Bruder Hroznatas dem Orden verliehen und 



1) Urkimde Erben reg. 174—174. 

2j Regist. decim. 

3_)Ira J. 1395 Ales de Düba, 1403 und 1407 Heinrich Skopek de Duba (Lib. 

Confirm. ad li. a.). 
4) Lib. Erect. VIII. R. 8. 
5; Ebend. X. B. 6. 
*^j Lib. Confirm. ad h. a. 
"j Vgl. Sommer saaz. Kr. S. 291. 

20* 



308 

Hroznata selbst gegen einen Jahreszins vom Orden als Lehen ge- 
nommen hatte.') 

3. Zur selben Zeit hatte auch der herzogliche Verwalter Ger- 
don den geistlichen Kittern das Dorf K o s m o n o s bei Jungbunzlau 
als Stiftung für sein Seelenheil übertragen.-) Nach der Zeit erwarb 
oder erbaute der Orden — vielleicht von hier aus — die Kirche 
bei S. Johann dem Täufer zu Jungbunzlau und errichtete bei 
derselben eine eigene Commende, deren Vorsteher zugleich als selbst- 
ständiger Pfarrer genannt wird.^) Im Jahre 1384 wurde diese Kirche 
und Commende beim Kirchenzehent mit keinem besondern Betrage 
angesetzt, weil der Orden bereits als solcher, von seinem Gesammt- 
besitze steuerte. 

4. Im J. 1188 bestätigte der Herzog Friedrich eine Anzahl 
neuer Erwerbungen des Ordens in der Nähe von Leitmeritz, nämlich 
die Dörfer §wa,dow (Schwaden), Kojetice (jetzt Dom. Schwaden), 
Breznec (Kl. Priesen), Zalezly, Pogorice, Proboätow 
(Salesel, Pohofic, Proboscht), Ploskowice (Ploschkowitz) und 
Tasowsko (Tasow, Gut Zahofan), und am andern Eibufer Ne Sto- 
rni ce und Bfeznice (Nestomitz und Priessnitz), die sämmtlich 
der oft genannte Graf Hroznata dem Orden geschenkt hatte."*) 

Aus diesen und den früheren Erwerbungen in dieser Gegend 
gestalteten sich sofort die grossen Ordensdomänen von Plosch- 
kowitz, Schwaden, Grosspriessen und Priessnitz. Ploschkowitz kam 
erst im Jahre 1437 durch kaiserliche Verpfändung aus dem Besitze 
des Ordens, — und zwar an Jacob von Wresowitz, der für selbes 
und einige andere anstossende kleine geistliche Güter damals den 
Pfandpreis von 5000 Schock erlegte.^) Die übrigen mögen bereits 
vordem abhanden gekommen sein. Unter den genannten Ortschaften 
erscheint zunächst Schwaden als ein alter Pfarrort, der im J. 



') Urkunde Erben reg. 174 und 175. 
2j Ebendaselbst. 

3) Im J. 1408 am 22. Juni war da ein Fr. Martin plebanus ecclesiae S. Joannis 
Bapt. ordinis cruciferorum S. Joannis Hierosolymitani. Derselbe ver- 
tauschte damals ein Feld Ackers, das seiner Kirche gehörte, gegen ein 
anderes an Swiest von Odic. (Lib. Erect. IX. A. 3.) 

4) Urkunde Erben reg. 181. 

5) Palacky Archiv II. 453. 



309 

1384 mit einem halbjährigen Kirch enzehent von 12 böhmischen 
Groschen zu den reichsten und ältesten des aussiger Dekanates 
zählte.') Urkundlich wird schon im J. 1363 ein Benes von War- 
tenberg als Collator daselbst genannt.') Nach den Wartenbergern 
gedieh dieser Besitz an die Berka von Duba.^) Auch Probe St 
wird als Pfarrsitz genannt und betheiligte sich 1384 mit 6 böhmi- 
schen Groschen am allgemeinen Kirchenzehent.*) Da dieser Ort 
bereits bei seinem Uibergange in den Besitz der Johanniter 1180 
seinen Namen (Propstort) führte: so ist anzunehmen, dass er ur- 
sprünglich schon von einem geistlichen Grundheren — wahrschein- 
scheinlich vom Wy§ehrader Propste, dem Herrn des benachbarten 
Ortes Schüttenitz, angelegt wurde. Im J. 1238 (6. August) erwarb 
hier der Johanniterorden auch noch die grosse anstossende Wal- 
dung saramt etlichen an deren Saume angelegten Dorf Schäften, 
und zwar diess durch einen Gütertausch mit den, bisherigen Be- 
sitzern, den Benedictinern von Kladrau. In den Jahren 1363 und 
1402 werden hier bereits die Herren von Wartenberg als Colla- 
toren der Pfarrpfründe genannt,^) so dass also bis dahin der Johan- 
niterorden diese Besitzung aufgegeben haben musste. Um 1400 
gedieh dieses Dorf in den Besitz des Wlasek von Kladno auf 
Schreckenstein ") und ist seitdem bei letzterer Domäne verblieben. 
5. Böhmisch-Aicha war erweislich in 14. Jahrhunderte 
eine blühende Commende der Johanniter. Als solche wurde im J. 1380 
die dortige Pfründe durch den Grandprior Semovit, Herzog von 
Teschen, vergeben.") Im J. 1412 (1. Jänner) erlangte der dortige 
Comthur Theodorich von Peter Tista von Albrechtic ein Legat 
von 3 Schock an Zinsungen.^) Auch noch im J. 1415 (1. Okt.) 



') Regist. decim. 

3) Lib. Confirm. 

3) Uir Wappen mit der Jahreszalil 1477 im Presbyterium augebracht bekun- 
det sie als Hersteller des Gotteshauses. 

"*) Regist. decim. 

5) Lib. Confirm. ad h. a. 

^) Ebendas. ad h. a. ) aj'-^., 

') Lib. Confirm. ad h. a. Hiemit erledigt sich von selbst der Wi'derspruch 
Balbins, der diese Commende an verschiedeneu Orten bald den Johannitern 
und bald den Deutschherren zutheilt. (Vgl. Lib. Erect. VIIL P.'^S und 
Erect X. H. 1.) •'; 

8) Lib. Erect. VIIL P. 3. ^7 



310 

wird dieses Ordenshauses wegen Anlegung einer Jalireszinsung 
auf den Gütern des Nicolaus von Holubi-Dwür erwähnt.') Damals 
bestand der Convent aus dem Comthur, dem Prior, dem Pietanti- 
arius (Oekonoinieverwalter), dem Hausprediger und andern Brüdern. 
Ein Grundbesitz dieser Commende ist urkundlich nicht genannt : wahr- 
scheinlich aber gehörte ihr die Domäne von Böhmisch- Aicha, deren 
frühere Besitzer gänzlich unbekannt sind.-) 

6. Noch muss auch der Commenden in Zittau u. Hirsch- 
felde gedacht werden, die namentlich für das sogenannte böhmische 
Niederland nicht ohne Bedeutung bleiben konnten. Die Stiftung 
der Zittauer Commende fällt mit der Erhebung Zittaus zur Würde 
einer befestigten Stadt zusammen. Muthmasslich war König Wenzel II. 
von Böhmen ihr Gründer, der vielleicht auf diese Weise jener 
Stadt seine Erkennthchkeit bezeugte, die ilm als Knaben gastfreund- 
lich gepflegt hatte. Im J. 1291 wird die Kirche S. Johann — den 
Johannitern gehörig — bereits als Pfarr- und Hauptkirche in Zittau 
genannt, und im J. 1303 wurde die geistliche Aufsicht über das 
Hospital zu S. Jacob durch König Wenzel IL ausdrücklich dem 
„Commendator der Kreuzritter des h. Johannes" übertragen.'^) Von 
hier aus entstand wohl bald darauf die geistliche Colonie des Or- 
dens im nahen Hirschfelde. Anfangs nur eine von Zittau ab- 
hängige Pfarrstation des Ordens erhielt sie bald nach 1300 den 
Rang einer selbstständigen Commende, welche vom Grandprior der 
Ordensprovinz verliehen wurde,'*) wenn auch immerhin an Priester 
der Mutter-Commende zu Zittau.^) In Zittau und Hirschfelde er- 
hielten sich die geistlichen Brüder bis 1570, in welchem Jahre 
beide Commenden an den Rath von Zittau käuflich übergingen.*') 



•) Lib. Erect. X. H. 1. 

-) Dieses Aicha (Dub) ist nicht zu verwechseln mit der Stammburg der 

Herren Berka von Duba. Letztere ist Duba (Dauba) bei Leipa. 
"^) Sintenis : Oberlausitz, S. 81. Vgl. Grossem : Laus. 'Merkwürdigkeiten I. 44 

Christ. Manlii rer. Lusat. Com. ed. Hofm. p. 234. — 

4) Lib. Confirm. ad ann. 1417. 

5) Knothe, Gesch. des Fleckens Hirschfelde in der Oberlausitz, p. 39. 

^) Ebendaselbst p. 42. Die anderweitigen Besitzungen gruppirten sich um die 
oben erwähnten Commenden des Ordens. Genannt werdeu : Hodowic, 
Ozoym, Plane, Cuhow bei Plass, Manetin mit Lipe, Kahow, Wesce, der 
"Wald Co2odrQ umd §in anderer bei Olesnice, die Kirche S. Johann na bo- 



311 

§. 79. Das Kloster der BenedictinerinDen in Teplitz. 

1. Im J. 1164 erhob sich in Böhmen ein neues Jungfraiien- 
stift nach der liegel des hl. Benedict, das Kloster bei S. Johann 
dem Täufer in Teplitz. Die Stifterin desselben war die Königin 
Judith, die zweite Gemahlin des Königs Wladislaw L, eine Schwe- 
ster der Landgrafen Ludwig von Thüringen.') Im J. 1164 führte 
nämlich König Wladislaw dem Könige von Ungarn gegen den grie- 
chischen Kaiser ein böhmisches Heer zu Hilfe. Während des Feld- 
zugs weilte Judith ohne Unterlass in den Klöstern des Landes und 
liess in selben fromme Gebete für die glückliche Rückkehr ihres 
Gatten verrichten.^) Bald endete der König seinen Feldzug durch 
einen glänzenden Sieg über die Griechen und kehrte dann mit 
reichen Geschenken des ungarischen Königs beladen ins Vaterland 
zurück. Da ist es denn im hohen Grade wahrscheinlich, dass einer- 
seits nach der Sitte der Zeit von den gewonnenen Schätzen irgend 
eine geistliche Stiftung gegründet wurde und anderseits wieder die 
hocherfreute Königin der Dankbarkeit für ihre erhörten Bitten 
durch irgend ein frommes Werk einen thatsächlichen Ausdruck 
gab. So Hesse sich die Erbauung des Klosters Teplitz durch die 
Königin^) und zugleich die wahrhaft fürstliche Austattung desselben 



ji§ti bei Prag, Malmin ostrow, Upolene, Wrano"w mit Waldung, die 
Kirche S. Maria ad Argentariam (?), Trebiz, ein Grundstück bei Glaz, 
Ivanowic und Belchiz und ein Besitz in Modlejovic in Mähren, Grobeniky, 
Lunechowic, Leäan, Na Zukowe an der Mies, Quastic und Plesow an der 
Mettau, Abgaben von den Silber-wei^ken an der Mies, GJawen, Statin, 
Rowni, Teinec an der Elbe , Ledec, Netribiz, Theile von Breza und Pod- 
skal, die Kapelle in Gosic in Mähren, Thusuow, Brezic, Losoav (in Schle- 
sien), eine Mühle in Erpurch. (Vgl. Erben, reg. Urkunden p. 143, 168, 
172—175, 181, 183, 188, 200, 203, 221, 224, 225, 254, 255, 257, 356, 407, 
446, 511, 523.) 

^) Der alte Chronist Vincentius von Prag (Dobueri mon. Bohem. I.), Ne- 
placho (Dobn. mon. Boh. lY.) und Pulkawa (Dobn. I.) nennen glaubwürdig 
diese zweite Gemahlin Wladislaw's als Stifterin. Minder glaubwürdig er- 
zählen diess die viel Jüngern Geschichtsschreiber Hajek und Ziegelbauer 
von der ersten Gemahlin Gertrud, einer Tochter des heiligen Leopold von 
Oesterreich. Da Judith erst 1153 nach Böhmen kam, so ist das angebliche 
Stiftungsjahr 1146 gewiss nur durch einen Schreibfehler für 1164 entstanden. 

*) Vincentius Prag. ad. 1164. 

3) Vincentius, Neplacho, Pulkawa. 



312 

durch den König') am leichtesten erklären. Das neue Ordenshaus 
erhob sieh vor der Stadt auf einem Hügel, der Sage nach über der 
Hauptquelle der teplitzer Heilbäder.") Töchter aus den edelsten 
Familien des Landes bevölkerten fortan die heiligen Eäume.^) Ein 
Priester des Benedictinerordens besorgte als Propst ( praepositus ) 
mit Beihilfe einiger geistlichen Brüder die seelsorgerliche Leitung 
des Hauses. Die Klosterkirche, zu Ehren des hl. Johannes des 
Täufers geweiht, war wohl eine der prächtigsten des Landes ; denn 
die edle Stifterin hatte zum Schnmcke und zu den Geräthen dieses 
Heiligthums angeblich nicht weniger als 1000 Mark feinen Silbers 
und 300 Mark Goldes verwendet.*) 

2. Ueber die ehemaligen Besitzungen des Klosters Teplitz 
liegen keine er?chöpfenden Quellen vor. Nur annäheruugsweise lassen 
sich selbe theils aus den Confirmationsbüchern theis aus andern alten 
Documenten zusammenstellen. Obenan stand gewiss 

a. die Burg Teplitz und das Herrschaftsrecht über die gleich- 
namige Stadt. Dafür bürgt wohl hinlänglich der Umstand, dass 
im Jahre 1417 der „ Viceburggraf von Teplitz im Namen der Aeb- 
tissin Sophie" die Besitzungen des Klosters in Brozan reclamirte.^) 
Balbinus behauptet, Königin Judith habe bereits im Jahre 1173 
„die Bäder zu Teplitz und die dazu gehörige Herrschaft," die da- 
mals bis über Brüx hinaus sich erstreckt haben soll, dem Kloster 
als Geschenk verehrt. '^) Die Klosterkirche S. Johann war zugleich 
eine der beiden Pfarrkirchen von Teplitz und war im J. 1384 
an Einkünften so reich, dass sie sich mit 18 böhmischen Gro- 
schen am halbjährigen Kirchenzehent betheiligen konnte.') Die 
Aebtissin des Klosters übte daselbst das Patronatsrecht aus. 
Doch betheiligten sich nachmals auch andere fromme Wohlthäter 
an der Bereicherung dieses Gotteshauses. Im Jahre 1386 schenkte 



•) Chronographus Siloensis, ad ann. 1175 (Dobneri mon. Boli. I.) 

*) Eohn äntiquitates eccl. circ. Litora. M. S. 

3) In den Lib. Erect. werden viele Namen solcher adeligen Klosterfrauen 

von Teplitz genannt. 
4)Hajek. 

5} Palacky Archiv. IJI. 491. 
6) Balbini epitom. III. 377 und IV. 462. 
') Regi-t. decin^. 



313 

die Familie des Johann von Swötic eine Zinsung von 23 böhni. 
Groschen.') Im Jahre 1408 hatte diese Pfarrkirche sogar eigene 
Unterthanen, die damals gegen eine fortlaufende Zinsmig von 
2 Schock und 24 Groschen an das Kloster überlassen wurden.'^) 
Ausser dem Haupt- und Pfarraltare des hl. Johannes bestanden 
damals in dieser Kirche noch 6 Seitenaltäre, deren jedes seineu 
eigenen gestifteten Altarpriester hatte. Als Stifter dieser Altäre 
und Altaristen erscheinen Nicolaus von Wsechlap (1406. Altar 
der heiligen Maria Magdalena), Albert von Koldic auf Bilin (als 
Vermehrer derselben Stiftung 1417), Peter Peutz Herr von Eisen- 
berg und Peter Miliöewes in Brüx (1406 und 1407 die Altäre 
Maria Heimsuchung und der heiligen 10.000 Märtyrer), Aebtissin 
Margareth (1411 heil. Kreuzaltar), und Aebtissin Sophie (1411 
S. Veitaltar).'') — Bei dieser Pfarrkirche gründeten die geistlichen 
Jungfrauen im J. 1370 eine AUerheiligencapelle auf ihrem eigenen 
Gottesacker*), und erwarben nachmals auch einen eigenen Altari- 
sten dafür. ^) Ueberdiess bestand in Teplitz auch noch eine zweite 
Pfarrkirche zu Ehren der h. Maria, die im J. 1384 auf gleicher 
Zehenthöhe mit der Johanneskirche stand. '^) Auch hier besass die 
Vorsteherin des Klosters das Patronatsrecht. Diess erhellt aus dem 
Umstände, dass im J. 1370 daselbst die Aebtissin Margareth eine 
gesungene Marienmesse stiftete, zu deren Abhaltung sich der 
Pfarrer mit Bewilligung derselben Aebtissin verpflichtete.') In 
derselben Kirche vermehrte im J. 1396 Borso von Riesenburg die 
Stiftung eines Allerheiligen-Altars und des betreffenden Ältar- 
priesters.^) 

h. D a u b r a w s k a H r a, der heutige Schlossberg bei Teplitz, 
wurde nachmals im J. 1467 zugleich mit allen übrigen sicherge- 



») Lib. Erect. XIII. C. 10. und 0. 10. 

3) Ebend. IX. B. 12. 

3) Erect. VII. G. 6. XL 0. s. X. k. 4. VII. M. 10. VHI. M. 2., IX. K. 10., 

X. B. 10. 
4} Erect. I. D. 6. 
5) Erect. I. F. 6. 
^) Regist. decim. 
7) Lib. Erect. XIII. B. 10. 
^) Lib. Erect. XIII. G. 5. 



314 

stellten Besitzungen des Teplitzer Klosters an die Herren von 
Wfesowic verpfändet, dürfte also wohl ebenfalls vordem dem Klo- 
ster zugehört haben. Dafür spricht auch die alte Sage, dass dort 
ehedem ein Nonnenkloster gestanden sei, unter dem aber kaum 
etwas anderes, als ein Landhaus der geistlichen Schwestern von 
Teplitz zu denken sein wird. Dagegen streitet nicht im Geringsten 
der Umstand, dass in den Confirmationsbüchern als Patrone des 
am Fusse des Berges gelegenen jetzt ganz verschollenen Pfarr- 
dorf es Dubrawice die Herren von Dubrawice genannt werden.') Möge 
dieses Dorf auch ehedem zu dem Schlosse gehört haben, so 
konnte es ja später davon verkauft worden sein; auch mögen die 
Herren von Dubrawice wohl nur Vasallen des Klosters gewesen 
sein, ebenso wie die nahen Herren von Brozan wirklich nur solche 
Vasallen gewesen sind. 

c. Eine der ältesten Besitzungen des teplitzer Klosters war 
auch der uralte Bergort Klostergrab. Hier consecrirte Slavco von 
Riesenburg, Abt von Ossegg und Missionsbischof in Preüssen, 
im J. 1212 die neuerbaute Pfarrkirche.''^) Als im J. 1278 nach König 
Pfemysl Ottokars traurigem Tode das Kloster Teplitz von den kai- 
serlichen Truppen unter grausamer Behandlung der geistlichen 
Jungfrauen geplündert und die Besitzungen rings umher ver- 
wüstet worden waren'"'), sah sich der verarmte Convent genö- 
thigt, Einiges von seinen frühern Besitzungen zu veräussern, um 
den erlittenen Schaden einigermassen wieder gut zu machen. So 
gelangte im J. 1282 Klostergrab in den Besitz des Klosters Ossegg 
und zwar zugleich mit dem bisher ebenfalls zu Teplitz gehörigen 
Dorfe Wernsdorf, beide zusammen um den Preis von 80 Mark 
feinen Silbers.*) 

§. 80. Fortsetzung. 

d. HradiSte, das heutige Dorf Ratsch auf dem Dominium 
Teplitz, erscheint als ein alter Pfarr- und Burgort des biliner De- 



') Lib. Confirm. 1363. 1364. etc. Dubrawice gehörte ^ebenso wie Teplitz noch 
zum Dekanate von Bilin. 

2) Cisterc. bistert. p. 296. 

3) Contin. Jaroslai. 
'*) Ossegger Notizen. 



315 

kanats, wo das Kloster Teplitz im J. 1416 das kirchliche Collatur- 
reclit übte,') daher in dieser Zeit wohl auch das Herrschaftsrecht 
besass. Vordem war es Eigenthum und Collaturort von Ossegg gewe- 
sen. Im J. 1384 gehörte die Pfarrkirche daselbst mit einer Halb- 
jahrszinsung von 9 böhmischen Groschen^) bereits zu den altern 
der Gegend und wurde ausser Bilin, Brüx, Dux und Teplitz nur 
noch von PeÖow (Hochpetsch), Rwenice (Seestadtl), Zlatnik (böhm. 
Scblading), AVtelno und Eadowesice in Zinsung und wahrscheinli- 
chem Alter übertroffen. 

e. Boi'islaw, das heutige Boreslau, jetzt noch zur teplitzer 
Herrschaft gehörig, wird in den Jahren 1399, 1402 und 1411 eben- 
falls als Pfarrcollatur des teplitzer Klosters genannt.^) Im J. 1384 
gehörte es zum Dekanate Aussig und steuerte daselbst unter den 
Beneticien minderen Ranges 6 böhmische Groschen zum Kirchcn- 
zehent.'^) Im J. 1169 war dieser Ort nebst einigen andern der Ge- 
gend im Besitze des Johanniterordens, und wurde damals sein Be- 
sitz diesem Orden vom Könige Wladislaw bestätigt,^} Um das J. 
1185 aber tauschte Herzog Friedrich dieses Dorf sammt Zugehör 
vom Orden ein gegen mehre „fast verlassene Ortschaften" im saazer 
Gebiete: Stare Sedlo (Altsattel), Zblaäin (vielleicht Ploscha), Eay- 
sowice (Reitschowes) und einige andere Dörfer, deren wir später 
gedenken werden.*') Aber im folgenden Jahre bereits schenkte der- 
selbe Fürst jenes Dorf dem Johaniiiterorden von Neuem.') Wahr- 
scheinlich gelangte es nachmals durch Kauf oder Tausch an das 
Kloster Teplitz, 

f. W 1 e w ö i c e, das heutige Wollepschitz auf dem Dominium 
Bilin, erscheint im J. 1391 als Collaturpfarre des teplitzer Klo- 
sters.^) Von da ab gelangte dieser Ort in das Eigenthum und un- 
ter die Collatur des Klosters Ossegg. Im Jahre 1384 steuerte das 



'j Lib. Confirm. ad 1416. 

2) Regist. decim. 

3) Lib. Confirm ad h. ann. 
*J Regist. decim. 

5) UrkuDde Erben reg. 143. 

6) Urkunde Erben reg. 168, 173. 
^) Urkunde ebenda. 174. 

^) Lib, Confirm. 



316 

hiesige Beneficium als eines der ältei^n des damaligen Dekanats 
von Saaz 12 böhm. Groschen zum halbjährigen Kirchenz ehent. 

g. ßrozan, das jetzige Prosanken bei Teplitz, war erweislich 
in den Jahren 1366 und 1405 und 1407 ein Patronats-Pfarrbene- 
ficium von Teplitz.') Auf dem Schlosse daselbst sassen Lehens- 
ritter des Klosters, die sich Herren von Brozan nannten. Dass sie 
eben nur Lehensleute waren, beweist der doppelte Umstand, dass 
sie sich selbst Ministeriales, Armigeri und Clientes nannten,-) und 
dass im Jahre 1417 der Viceburggraf von Teplitz im Namen der 
Aebtissin Sophie nach dem Ableben des letzten Kitters Johann 
von Brozan das Eigenthumsrecht des Klosters beim Gerichte in 
Aussig reclarairte.^) Als Wohlthäter der Kirche in Brozan, die im 
Jahre 1384 mit einem Halbjahrszehent von 9 böhmischen Groschen 
bereits zu den besser dotirten und altern des aussiger Dekanates 
zählte,*) erscheint im Jahre 1388 ein Johann Eozy auf Eudny mit 
einer Schenkung von einem halben Schock böhm, Gr. an jährlichen 
Zinsungen.^) Im Jahre 1408 löste die Aebtissin und der Conyent 
von Teplitz einen unterthän liehen Zehent in der Art ein, dass 
fortan die klösterliche Kammer selbst zur Zahlung von jährlichen 
2 Schock 24 '/a Groschen sich verpflichtete.") Im J. 1410 schloss 
Lewa, ein Sohn des Andreas von Brozan einen Zehentvertrag mit 
dem Pfarrer daselbst.^) 

h. Bukow, jetzt Böhmisch-Biockau bei Aussig, wird in den 
Jahren 1376, 1397, 1398 uud 1403 ausdrücklich als Patronats- 
pfarre des teplitzer Kloster^ genannt.^) Im J. 1384 zahlte die 



1) Lib. Confirm. 1366, 1405 Lib. Erect. VII. K. 10. 

2) Ebendaselbst. 

3) Palacky Archiv III. 491. Heber in seinen „Böhmens Burgen" III. 420 ver- 
wechselt dieses Brozan mit dem zur melniker Propstei gehörigen gleich- 
namigen Orte an der Eger. (Vgl. I. 166.) Für die Identität dieses teplitzer 
Brozan sprechen die Delegationen benachbarter Pfarrer um Aussig herum 
zu Installationen in diesem Brozan. (Lib. Confirm. ut supra.) 

*) ßegist. decim. 

5j Erect. XII. B. 12. 

6) Lib. Erect, IX. B. 11 und 12. 

'') Lib. Erect. VIIL L. 5. 

^) Lib. Confirm. ad h. ann. 



317 

dortige Kirche als eine der ärraern und Jüngern des Dekanats nur 
3 böhmische Groschen zum kirchlichen LandeszehentJ) 

/. Praskowice bei Leitmeritz war erweislich im J. 1416 
ebenfalls eine Collaturpfarre von Teplitz.^) Dieses Ortes wurde 
bereits bei Besprechung der ältesten Besitzungen des leitmeritzer 
Collegiatstiftes gedacht. 

Tc. Prob Ho w, wohl das heutige Probstau bei Teplitz, dem 
Namen nach zur Dotation des Klosterpropstes zu Teplitz gehörig, 
hatte im Jahre 1414 eine öffentliche Capelle unter dem Patronate 
des Klosters;^) im Jahre 1384 erscheint dieselbe noch nicht als 
an der allgemeinen Zehentzahlung betheiligt, dürfte daher wohl 
erst später erbaut worden sein. 

/. Pf eöaply, das jetzige Pritschapel bei Eidlitz im saazer 
Kreise, war erweislich in den Jahren 1364, 1407 und 1416 eine 
teplitzer Collaturpfarre^) und war im J. 1384 als eine der ältesten 
und besten Pfründen des Kadner Dekanats mit halbjährigen 15 
böhmischen Groschen zehentpflichtig. ^j Vordem schon, im J. 1378, 
hatte hier der Convent von Teplitz einen beständigen Hilfsseelsorger 
gestiftet') 

m. Ausser den genannten Ortschaften, denen ohne Zweifel 
noch viele der eingepfarrten Dörfer zugezählt werden müssen, be- 
sass das teplitzer Kloster noch bedeutende Zinsungsbezüge in der 
Nachbarschaft. So schenkte am 20. October 1410 (frühere sind 
jedenfalls vorauszusetzen, aber können nicht namhaft gemacht wer- 
den) der Ritter Johann Ohnice zunächst für die mit ihm verwandte 
geistliche Jungfrau Elisabeth von Chodzow , nach deren Ableben 
aber dem Kloster eine Zinsung von 2 Schock weniger 5 Groschen.'') 
Ebenso wandte am 1. October 1411 der edle Nicolaus Ceöwic 
von Luzice dem Convente eine Zinsung von 1 Seh. Groschen zu.*) 



1) Regist. decimar. 

*) Lib. Confirm. ad h. ann. 

3) Lib. Confirm. ad h. a. 

4) Lib. Confirm. 
') Eegist. decim. 

6) Lib. Erect. IL R. l. 
^ Lib. Erect. VIIL L. 5. 
8) Lib. Erect. VIIL 0. 10. 



318 

Dasselbe that am 14. April 1412 der Ritter Hanu§ von Rtin (Her- 
tina), -zunächst zu Gunsten seiner geistlichen Schwester Elisabeth 
V. Dla§kowice imd nach deren Ableben für den Convent.') Im sel- 
ben Jahre am 25. October testirte Dobe§ von Ki'emuz dem Kloster 
eine jährliche Zinsung von 30 Groschen.^) Die Dotation der 6 
Altaristen der Klosterkirche bestand ebenfalls aus ähnlichen Zin- 
sungen, die zum Theile auf den Gütern der benachbarten Herren 
von Sulewic, Pentz, Skalka, der Blekta von Waltii'OAV (Waltirsche), 
der Koldic von Bilin und Graupen und Anderer aushafteten, ^j 

Alle diese Besitzungen des teplitzcr Klosters verpfändete nach- 
mals, als sie herrenlos geworden waren, der König und Kaiser 
Sigismund (1437) an die Herren von AVi^esowice.^) . 

Die Aebtissinnen von Teplitz bis in die Mitte des 14. Jahr- 
hunderts sind uns namentlich nicht bekannt. Sicher aber gehörten 
sie den edelsten Geschlechtern des Landes an, deren Töchter er- 
weislich dieses Kloster zu jeder Zeit zum Asyle ihres gottgeweihten 
Lebens erwählten. 

§. 81. Das Gisterzienserkloster Ossegg. 

1- Im Jahre 1194 hatte der Graf Johann Milgost eine Ci- 
sterziensercolonie aus Waldsassen auf seine Besitzung Mastow 
(Maschau) bei Kaden berufen, und selbe bei der dortigen Mutter- 
gotteskirche angesiedelt.^) Sie bestand aus 12 Priestern unter der 
Leitung des Priors Rudhard. Als Dotation wurden ihr das Gut 
und Dorf Ma§tow mit Wald, Wiesen und Zugehör, der Marktflecken 
Putscha (?)'^), die Pfarrdörfer Tureö, Mladejow und Chotöbu- 



1) Lib. Erect. VIII. P. 9, 

2) Ebend. IX. N. 11. 

3) Ebendas. X. B. 10, VIII. M. 2, X. L 3., XI. 0. 10.—, X. 0. 5. — 

4) Palacky Archiv IL 452. 

5) Sartorii Cisterc. bistert. 1007. Urkunde des Bischofs und Herzogs Heinrich 
Bretislaw von 1196 in Erben reg. 192. Das Jahr 1193 ergibt sich aus der 
Confirmationsurlmnde des ossegger Klosters von Bischof Daniel, in welcher 
das Jahr, 1209 das 16. nach der Auswanderung aus Waldsassen heisst. 
(Erben reg. 237.) 

^) Vielleicht das spätere Buskowice oder Puschwitz , das im J. 1384 in der 
Zehentleistung allerdings weit hinter Maschau (mit 42 Groschen) zurück- 



319 

dice,') die Dorfschaften Nömßany (Nemtschau), Konice (Kunitz), Els- 
cove (?), Minow (?), Tyremow (?), ülsthene (?), Tulchow (?) , Bluwaschow 
(?), Hluboky(Lubau), Smila^Ya(?),Schebletice, nebst je einem kleinen 
Maierhofe in TrubSice (Deutscli-Trebetitscli) und in Grazt (?) zu- 
gewiesen.®) 

2. Nur 6 Jahre lang verweilte die neue Ordensfamilie in 
MaStow : dann wurde sie einerseits durch den Mangel an tauglichem 
Bauholz und anderseits durch häufige Eaubanfälle genöthigt, ob- 
wohl wider Willen des Grafen Milgost, einen andern geeigne- 
teren und ruhigeren Wohnsitz aufzusuchen. Sie fanden einen 
solchen in einem Aushaue (osek) am Fusse des Erzgebirges bei 
Dux, w^o der Grundherr Slawko von Riesenburg, Graf von Bilin 
und später Oberstlandeskämmerer von Böhmen , sie freudig auf- 
nahm und ihnen die daselbst vor Alters schon erbaute Marien- 
kirche^) willig überliess. 

In dieser hatte im Jahre 1196 Slawko's Bruder Hrabisa, 
Oberstkämmerer des Herzog-Bischofs Heinrich, seine letzte Ruhe- 
stätte gefunden an der Seite seiner ebendaselbst begrabenen Ahnen.*) 
Slawko und die Söhne des edlen Bruders, wohl dieselben, die im 



stand, selbst aber auch den erheblichen Zehent von 12 Groschen entrich- 
tete. Hienach war damals Maschau das reichste und gewiss auch älteste 
Beneiiciiim des kadner Dekanats, das noch überdiess im J. 1391 von Pe- 
ter MaScowec von Mastow eine neue Schenkung von einer Hube Ackers, 
einem Berge mit Waldung, 3 Wiesen und einem Schock Jahreszinses 
hinzu erhielt — als Dotation für einen dritten Hülfspriester. (Lib. Erect. 
II. F. 14.) Puschwitz erhielt ebenfalls eine solche Vicaristenstiftung und 
zwar im J. 1405 von Peter von Buskowic mit Einwilligung seines Onkels 
des Grundherrn Drislaw von Krasna hora (Schönberg) auf Öernoc (Lib. 
Erect. VIII. B. 10). 

^)Turec (Turtsch) war 1384 in derselben Zehenthöhe mit Puschwitz. Mla- 
dejow stand einst in der Nähe von Köttowic. Jetzt steht da noch eine 
Kapelle zu Ehren des hl. Stephan. Im J. 1384 zahlte die Pfarrkirche da- 
selbst nur 8 böhmische Groschen Zehent, eben so wie Chotebudice 
(Köttowitz). 

'j Diese Besitzungen bestätigte Bischof und Herzog Heinrich Bretislaw im 
J. 1196. (Urkunde bei Erben reg. 192.) 

^J Mehrere von Slawko dem neuen Kloster gewidmete Güter waren vordem 
„sanctificata in dotem antiquae ecclesiae." Erben reg. 230. N. 504. 

*) Urkunden in Erben reg. p. 230. N. 504, p. 192 N. 429. 



320 

Jahre 1190 die Grab wächter-Brü der in Böhmen eingeführt und mit 
reichen Schenkungen bedacht hatten'), bestellten hier die Söhne 
des h. Bernard als bleibende Fürbitter für ihre Väter imd für sich 
selbst. Im J. 1199 -) übernahmen die Ordensbrüder ihr neues 
Heiligthum und bauten sich daselbst ein hölzernes Kloster, das 
sie erst nach 1230 mit einem steinernen vertauschen konnten.^) 
Für die früheren Besitzungen um Maschau nahm der Prior und 
nunmehrige Abt Rudhard vom Grafen Milgost, der anfangs 
den abgehenden Brüdern Alles entzogen hatte, nachträglich eine 
Entschädigung an, die aber der Convent für ungenügend und nur 
durch Einschüchterung aufgedrungen erklärte. In Folge dessen 
entspann sich ein Process mit Milgost, der den Brüdern die ersten 
Jahre ihres Aufenthalts in Ossegg verbitterte und erst im J. 1207 
auf Befehl des Papste^ Innocenz III. durch ein aus den Bischöfen 
von Prag und Olmütz und dem Collegiatpropste von Leitmeritz 
zusammengesetztes Schiedsgericht beigelegt wurde.'*) Wahrschein- 
lich geschah die Beilegung durch einen theilweisen Gütertausch 
der Grafen Slawko und Milgost, und durch eine um so reichere 
Dotirung des Klosters in unmittelbarster Nähe aus Slawko's und 
seiner Verwandten eigenem Besitze.^) 

• 3. Der Marienkirche in Ossegg hatten bereits vor der An- 
kunft der Cisterzienser der Zehent vom Weine und Getreide in 
Swinsic (Schwindschitz) und ein Wocheueinkommen in Grabisin 
gehört, — ein Geschenk von Slawko's Bruder Bore§.") 

Am meisten spendete Slawko selbst zur Dotirung des neuen 
Klosters. Er schenkte demselben die Besitzung Ossegg sammt 
Waldung, Wiesen, Feldern und Hutweiden, das halbe Dorf Hain 
(Hahn bei Ossegg), Hirdloch (Hrdlowka oder Herrlich bei Ossegg) 



')Vgl.§. 83. 

2) Im Confirmations-Briefe des Bischofs Daniel (Erben 237. N. 519) heisst 
das Jahr 1209 das zehnte nach dem Auszuge von Maicow. 

3) Im J. 1230 testirte ihnen Graf Johann von Riesenburg neue Güter für den 
Fall, „cum aedificare de lapidibus coeperint." Erben reg. p. 226. 

4) Urkunde Erben reg. p. 229. 

5) Dass so auch Milgost als Mitstifter Osseggs zu gelten habe, erhellt aas 
der Ottokarischen Confirmatibnsurkunde v. 24. April 1203 bei Erben reg. 
p. 214. _ 

^) Urkunde Erben reg. p. 230. 



321 

Scoiivelt (Schön wald?), Doinaslawice (?) und Duban (Eich- 
wald?), dann das zehnte Wocheneinkommen in Zawidow (Saida 
in Sachsen), den Getreidezehent in Briechin (Bruch?), den Wein- 
und Getreidezehent in Petschow (Hochpetsch), ein Grundstück 
in Odolice (Wodolice bei Liebs chhausen) und 2 Feldstrecken in 
Friedbach (?). Ueberdiess schenkte er noch den dritten Theil 
des ganzen Weinerträgnisses in Petschow als Beitrag zu den Bau- 
kosten. — Slawko's Sohn Bohuslaw schenkte dem Kloster eine 
Mühle bei Hostemic bei Doxan und den Getreidezehent in 
Sirnchow (Cernochow im rak. Kr.),^) nebstdem das Patronats- 
recht in der entweder von seinem Vater oder diesem zu Ehren 
erbauten neuen Stadt S 1 a v c o w. e r d (Schlackenwerth) und das Dorf 
Pasengrün. 

Der Sohn des verstorbenen Hrabisa von Piiesenburg, Kojata, 
widmete dem Stifte den Weinzehent in Brüx, — und Slawko 
des Bores Sohn, ein zweiter Neffe des Stifters, schenkte hiezu auch 
den Zehent in Odolic (bei Liebschhausenr) Später (um 1230) 
gab Johann v. Piiesenburg dem Kloster noch das Dorf Nesekow 
(Neschikaa bei Tepl?) und dabei eine Zinsung von jährlichen 20 
Mark und zu jeder Mark eine Schtittung von 7 Strich Getreide. 
Nebstdem gab derselbe das urkundliche Versprechen, zum künftigen 
Steinbaue^) soviel Grundstücke anweisen zu wollen, als zu einem 
Jahreserträgniss von 30 Mark erforderlich sein würden, auch ver- 
sprach er für diesen Fa]l die Beistellung von 3 hörigen Fuhrleuten 
und anderen 3 Lehensleuten und so vielen Bauern, als zum Baue 
nöthig sein möchten. Ebenso verpflichtete er sich zur Abtretung 
eines Platzes für eine viergängige Mühle und Beischaffung der hiezu 
erforderlichen Steine und Hölzer, überdiess zu einem neuen Ge- 
schenke von 12 Aeckern fruchtbaren Bodens und zum Ankaufe 
des seinem Bruder gehörigen Dorfes Saredim (?) mit Fischteichen 



') Vgl. Palacky Archiv. T. 521. Cernochow wurde nebst Odolice, Tynec 
Smohiic, Smuc und Peöenic als osgegger Gut im J. 1421 an einen ge- 
wissen Wlasko verpfändet. 

3) Vgl. die Ottokarische Bestätigungsurkunde v. 1207 (Erben reg. 229 u. 230)' 
welche wenigstens eine constante Tradition beurkundet, wenn sie auch 
ihrer Form nach falsch sein sollte. 

•*) Demnach war das Klostor bis dahin nur von Holz erbaut. 

21 



322 

und Waldungen und zur Uiberlassung einer für Anlegung neuer 
Dörfer geeigneten Waldstrecke.') Zur Beleuchtung der Kirclie wies 
er dem Stifte 4 Zinsmühlen mit 1 Mark Zinsung zu und versprach 
überdiess, so lang er lebe, nie aufhören zu wollen, für das Kloster ' 
Sorge zu tragen.^) — Endlich schenkte noch Bohuslaw vonEiesen- 
burg, Oberstkämmerer Wenzels L, eine Waldung in S Chemnitz, 
durch deren Aushau im Jahre 1326 das Dorf Schönau entstand.^) 
— So wetteiferten zunächst die Herren v. Riesenburg, dem neuen 
Kloster reiche Besitzungen zuzuwenden. 

4. Die Fürsten des Landes thaten ein Gleiches. — Vor Allen 
nahm König Ottokar die neue Stiftung in seinen Schutz , befreite 
sie von der Zahlung der sogenannten allgemeinen Berna, bereicherte 
sie durch Schenkung des landesfürstlichen Gutes Hosnice (bei 
Skrle), verlieh dem Kloster das Einkommen der 9. Woche vom 
Zolle in Kopice (Kopitz), die Hälfte des Zolles bei Ossegg, für 
das Stift selbst die Zollfreiheit an beiden Gränzp unkten, die Markt- 
freiheit in Bilin und auf allen Märkten der Biliner Zupe, end- 
lich die unmittelbare Gerichtsbarkeit über die eigenen Unter- 
thanen.'*} 

König W enz el I. mit seinem Sohne Premysl Ottokar H. schenk- 
ten auf Verwendung des Abtes Slawko dem Kloster 1250 als Ersatz für 
den im vorhergegangenen Bürgerkriege erlittenen Schaden die 
Hälfte der Fischer in Komoran (Kommern bei Seestadt!) und 
den zugehörigen Teichantheil daselbst, Theile der Dörfer C h f e 1 i n 
(vielleicht Strahl bei Dux), Cyrnin (vielleicht Cernice bei Seestadtl), 
Polurad (wohl Polehrad bei Postelberg), Hornov (?), Nostli 



') Diese neuen Dörfer wurden alsbald und in gleicher Weise angelegt und 
bevölkere, wie diess bereits vom Kloster Selau berichtet wurde. Deutsche 
Ansiedler übernahmen gegen fünf- und theilweise zehnjährige Abgabenfrei- 
heit die Ausrodung der Wälder und den Anbau des Bodens. Solche Grund- 
überlassungen hiessen in der Rechtssprache jener Zeit „expositiones." 

2) Urkunde Erben reg. 226 und 227^. 

3) Urkunde d.. 28. Juni 1239 bei Erben reg. 449. 

^) Urkunde d. 25. Apr. 1208. Erben reg. p. 232, wenigstens dem Inhalte 
nach verlässig. — Item Sartori Cisterc. blstert. 1008 und 1009, wo diess 
irri.'i: Premysl IT. zugeschrieben Avird. 



323 

(>Yalirscheiiilicli Novosedly, Neudorf bei Ossegg)') und den Wald 
Drien bei Koblitz in der Nähe von Leitmeritz.-) 

Pfemysl Ottokar IL schenkte nach seinem Siege über die 
Ungarn dem Kloster den Zeigefinger des h. Johannes, bestätigte 
alle Immunitäten des Stiftes und nahm es neuerdings in könig- 
lichen Schutz.^) 

König Johann incorporirte dem Kloster für immerwährende 
Zeiten die Seelsorge der Stadt Pirna in Sachsen (1317) in der 
Art, dass fortan daselbst ein beständiger Vicarius die geistlichen 
Angelegenheiten verwalten sollte.'*) Derselbe Fürst ertheilte im 
Jahre 1341 dem Städtchen (oppidum)' Skyrla den Eang einer 
befestigten Stadt (civitas munita) und alle Rechte der übrigen Städte 
des Königreichs, sowie auch die Erlaubniss, alle Dienstage einen 
Wochemnarkt abhalten zu dürfen, alles auf Verlangen und Erlaub- 
niss des Klosters Ossegg.^) 

König Karl schenkte dem böhmischen Cisterzienserorden und 
somit auch Ossegg im Jahre 1325 (am 17. December) das Haus 
S. Bernard in Prag, vordem Jerusalem genannt, sammt der dazu 
gehörigen Capelle und allen Rechten, wie einst der hochberühmte 
Canonicus Johannes Militius dasselbe durch milde Gaben erworben 
und ausgebaut hatte.") 

Der Bischof Daniel von Prag schenkte dem Ordenshause bei 
-Gelegenheit seines Besuches daselbst im Jahre 1209 das Kirchen- 
patronat zu Saida in Meissen,'^) wo der Orden nachher auch den 
zehnten Theil des Zolles bezog. ^) 

5. Ausser der Familie der Stifter und den Fürsten des Landes 
vermehrten auch fromme Edle und selbst auch einfache Insassen 
die Besitzungen von Ossegg. Alsbald nach der Stiftung testirte 



') Urkunde Erben 578. 

-) Diese Besitzung nebst einer Zinsung in Drien und Kobelic wurde 1328 

von König Johann bestätigt. 
•^) Höfler MS.: Urkunden des Königtluims in Böhmen N. 135. 
*) Urkunde des Bischofs Witigo von Meissen dd. Idibus Maji 1317. 

5) Cisterc. bist. 1010 und 1011. 

6) Lib. Ercct. I. T. 7. 

'•) Erben reg. 236. Bestätigt 1280 von Markgraf Heinrich von Meissen , 1300 

von Bischof Albert und 1317 von Bischof Witigo von Meissen. 
^) So in der Bestätigung des Markgrafen Heinrich d. 1280. 

21* 



324 

Skutibor dem Convente die Dörfer Zwiiia und Wranow (bei 
Mies) mit der Beseliränlmng, dass die hinterbleibende Witwe die- 
selben auf Lebenszeit noch benützen sollte. Diese beiden Orte 
wurden vom Kloster im J. 1231 ihrer Entfernung wegen an Kladrau 
verkauft. ') Jaroslaw von Zabru§any (Sobrusan bei Dux) schenkte ge- 
meinschaftlich mit seinem Vater den Wein- und Getreidezehent in 
S w i n ö i c und ein Wocheneinkommen in G r a b i § i n (Swindschitz, 
Dom. Ossegg, Grabiäin unbekannt). Derselbe fügte später im. Ein- 
verständnisse mit seinen Söhnen die Dorfschaften B i d n e (oder 
Bilen?), Hrnöire (taborer oder kauf. Kreis?), einen Theil von 
T e 1 c e (das ein gewisser Bohuta in Mähren durch Tausch ab- 
getreten hatte), desgleichen einen Theil von Bohnice (tab. Kr.?) 
und den Zehent des Wochenmarkteinkommens in B r ü x hinzu.-) Der 
Brüxer Bürger Gereon schenkte (c. 1250) in ähnlicher Art als 
fromme Stiftung für sein Seelenheil das Dorf Hagenswerth 
(vielleicht Hagensdorf im saazer Kreise) , das er aber gegen Erlag 
weiterer 20 Mark Silbers auf Lebenszeit als Lehen des Klosters 
behielt. •■') Thymo von Rysin, Lehensmann des Albert v. Seberg schenkte 
dem Kloster im Jahre 1289 einen Bezug an Wein von Bilin, 
und 73 Mark Silber (Zinsung) von seinem Erbgute in Wiese 
(Dom, Dux). Im Jahre 1290 widmete Albert von Seberg dem 
Stifte sein GutEezel (?) bei Brüx."*) 

6. Durch Kauf kamen überdiess noch neue Erwerbungen hinzu. 
So erwarb das Kloster 1239 das Dorf Lubkowice (Liquitz)/) 
im Jahre 1282 von dem Kloster Teplitz die Orte Klostergrab 
und Wernsdorf für 80 Mark Silber. Ebenfalls im Jahre 1282 
erhielt das Kloster eine Mühle in Obernic nebst einigem Gelde 
vom Pfarrer Heinrich in Luchwitz (Lubkowitz, jetzt Liquitz). Im 
Jahre 1290 wurde eine Zinsung zu lUulelsdorf einem brüxer Bür- 
ger und eine andere einem Herrn v. Zedwic abgekauft. Hier er- 
warb das Kloster nachher (1349) auch noch einen Maierhof als 
Eigen thum. Um 1312 — 1315 kaufte das Stift von den Brüxer Mino- 



') Urkunde Erben reg. 3(33. 
«) Erben reg. 230. 

•') Urkunde in Ilöflers Ms. : Urkunden des Königthums in Böhmen. 
"*) Notizen des Dr. Sal. Mayer aus dem Klosterarchiv, 
•■^j Urkunde Erben reg. 471. 



325 

riten eine Zinsmig in Stf ibnic (StnmitzDom. Ossegg) und eben- 
daselbst noch mehrere andere von andern Besitzern. Um 1318 erwarb 
es eine Zinsung zu Radunsfurt(Rodisfurt). Im J. 1322 wurde erst 
ein Acker zu Prisan (Prinsen, Dom. Ossegg) und darauf das ganze 
Dorf Breschan (Preschen, D. Ossegg) angekauft. Im J. 1352 
gelangte durch Kauf das Gut Settelin (Zettel, Dom. Dux) und 
1363 eine Besitzimg in Pozilep in dasEigenthum des Klosters. ') 
Vor 1430 erkaufte man von dem biliuer Bürger Lustek ein neues 
Gut in Noskow (tabor. Kreis?).*) 

7. Als Besitzungen unbekannten Ursprungs werden genannt: 
Croywart (?), Naposcherad (Putscherad bei Postelberg), Wisocan 
(Gut Skrl), Kfiwatec oder Mnichow (?), der Weinzehent in Mire- 
äowic (vielleicht bei Leitmeritz), der Getreidezehent in Lubtic 
(Liptitz bei Dux).^) 

§. 82. Fortsetzung. 

1. Als Collaturen des Stiftes Ossegg werden um 1350 und 
weiterhin folgende genannt: 

a. Das Dorf Alt- Ossegg selbst (in den Confirmations- 
büchern antiquum claustrum, das alte Kloster genannt, vielleicht 
weil eben dort das erste hölzerne Kloster gestanden ist, während das 
neue erst um 1250 durch die Freigebigkeit des Grafen Johann von 
Riesenburg von Stein erbaut worden sein mag."*) Fortan blieb hier 
beständig eine Pfarrkirche, welche im J. 1384 einen halbjährigen 
Kirchenzehent von 6 prager Groschen zu entrichten hatte. ^) Ein 
Confirmationsact betreffs dieses Ortes wird im J. 1402 erwähnt.*^) 

1). Raöice, der jetzige weitbekannte Wallfahrtsort Maria- 
Eatsch, gehörte entschieden schon zu den älteren Pfarrsitzen des 
alten Dekanats von Bilin. Im J. 1384 steuerte es 6 böhm. Gr. 
als halbjährigen Kirchenzehent.^} Confirmationsacte werden in 



') Kotizen des Dr. Sales Mayer, 
»j Palacky Archiv I. 419. 

3) Vgl. Palacky, Archiv I. 521. Erben, reg. 236, 214, 735.. Lib. confirm. 

4) Vgl. §. 81. u. 1. b. 

5) Regist. decimarum. 
*^) Lib. Confirm. 

'') Regist. decimarum. 



326 

den Jahreil 1362, 1389, 1395, 1412, 1414 und 1419 genaimt.') 
Wohl damals schon war die Kirche in Racic der h. Jungfrau Maria 
geweiht und erfreute sich eines frommen Zuspruchs aus Nah und 
Ferne. Dafür spricht der Umstand, dass nachher zur Zeit Luthers 
eben in Eaöice ein Rest l^atholischer Landleute sich erliielt, die 
man mit dem Namen Marienbauern bezeichnete.^) 

c. Hradistö (Ratsch, Dom. Teplitz) erscheint ebenfalls als 
eine alte Patronatspfarre von Ossegg^), die im Jahre 1384 bereits 
den im biliner Dekanate nicht unbeträchtlichen Zehentbetrag von 
9 böhmischen Groschen entrichtete.'*) Im Jahre 1412 schenkte 
Zazema, Lehensmann daselbst, dieser Kirche einige Aecker als 
Umtausch gegen einen herkömmlichen Zehent im Dorfe Nakle 
(chrud. Kr. Dom. Hefmanmestec).''^) Von da ab scheint HradiSte 
an das Kloster Teplitz gelangt zu sein, denn im Jahre 1416 übte 
die dortige Aebtissin Sophie daselbst das Collaturrecht aus."j 

d. Libkowice (das heutige Liquitz), schon 1407 Likwic 
genannt, erscheint in eben diesem Jahre als eine Collaturpfarre 
von Ossegg. ■) Im Jahre 1384 hatte selbe bereits halbjährig 6 
böhm. Groschen als Kirchenzehent entrichtet.**) 

e. Neswetice (jetzt unbekannt) zahlte 1384 ebenfalls 6 
böhmische Groschen Zehent und wurde noch in den Jahren 1407 
und 1416 von Ossegg aus mit Seelsorgern besetzt,'') 

f. Wolewcice (Wolepschitz), eine der reichsten und ältesten 
Pfründen des saazer Dekanats, zahlte im Jahre 1384 einen Zehent 
von 12 Groschen.'") Damals und noch im Jahre 1391 übte daselbst 
die Aebtissin von Teplitz das Collaturrecht aus. In den J. 1406 u. 1417 
aber erscheint dagegen der Abt von Ossegg als Pfründenpatron.") 



') Lib. Coüfinn. 

-) Sartorü Cisterc. bistert. 732. 
3) Lib. Confirm. ad ann. 1391. 
■*) Regist. clecim. 
5) Lib. Erect. IX. 0. 11. 

•') Lib. Confirm. ad h. a. ■ 

'') Lib. Confirm. 
^) Regist. decim. 

^) Regist. decim. und Lib. Confirm. 
'°) Regist. decim. 

") Lib. Confirm. Die Meinung, dass dieses Gut 1333 von Ossegg angekauft 
wurde, dürfte somit irrig sein. 



327 

y. Wysocauy (Wiscliezalm) Avar 1384 mit einem. Zelient 
von 6 bölim. Groschen fatirt. ') Das Patronat gehörte mir theil- 
weise zu Ossegg. Im Jahre 1362 theilt es der Abt mit Arnold von 
Ceharn, 1387 mit der Witwe des Johann von Wsehrd, 1398, 1413 
und 1415 mit Stephan von Wsechlap auf Hofenic.'-^) Angeblich 
war Wisoöany im J. 1343 nebst Losan als Lehen abgegeben wor- 
den: demzufolge dürften die genannten Mitcollatoren eben nur 
Lehensleute Osseggs gewesen sein.^) 

h. Skrle war — wie bereits erwähnt wurde — bis 1341 
ein Städtchen und erhielt im selben Jahre den Kang einer be- 
festigten Stadt, Die Pfarrkirche daselbst erscheint in den Jahren 
1362 und 1370 als Collatur von Ossegg*) und betheiligte sich 1384 
mit halbjährigen 5 böhm. Groschen am kirchlichen Landeszehent,°) 

i. S watbor (Cwetbor, Swatobor, jetzt Zwetbau bei Engel- 
haus) wird in den Jahren 1359, 1383, 1391, 1401 und 1414 als 
ossegger Collaturpfarre genannt.*^) Dem Alter und Dotationsrange 
nach war Swatbor im Jahre 1384 das fünfte Beneficium des elbo- 
gener Dekanats (nächst Schlackenwerth , Radunsfurt, Lomnic und 
Falkenau), und zahlte damals 18 böhmische Groschen als Kirchen- 
zehentJ) Somit war diess die reichste Pfründe Osseggs. 

h. Lukawec (am wahrscheinlichsten das im Zehentregister 
von 1384 zum klattauer Dekanate gezählte Pfarrdorf Lukawice, 
mit einer Zehentleistung von 6 Groschen) wird im Jahre 1386 
ebenfalls als Collatur von Ossegg angeführt.^) 

l. Zu Saaz besass Ossegg eine Altaristencollatur in einer 
Vorstadtkirche, deren im J. 1400 gedacht wird.") 

m. Der Collaturrechte zu Schlackenwerth, der reichsten 



') Regist. clecira. 

') Lib. Confirm. ad h. a. 

3) Notizen des Prof. Dr. Sales Mayer. 

*)Lib. Confirm. ad h. a. 

5) Regist. decimarnm. 

'') Lib. Confirm. ad h. a. 

'^) Regist. decim. 

8) Lib. Confirm. 

») Ebendas. 



328 

und nächst Secllec ältesten Kirche des elbogener Dekanats, ') und 
zu Pirna und Saida wurde bereits gedacht.^) 

2. Bisher nicht genannte Besitzungen des ossegger Klosters 
lassen sich aus den nachmaligen Verpfändungen des Kaisers Sig- 
mund sicher stellen. 

a. Im Jahre 1420 verpfändete Kaiser Sigmund eine auf dem 
Dorfe ^elöin bei Melnik (damals dem Peter von Jeöewic gehörig) 
haftende Jahreszinsung des ossegger Klosters an Johann von Ber- 
nikow — zugleich mit dem zum wySehrader Capitel gehörigen 
Dorfantheile von ZIelöiu um den Pfandpreis von 4 Schock theils 
für „die Bewahrung dieses Gutes und theils für geleistete Dienste".^) 

h. In demselben Jahre vergab der Kaiser an Nicolaus von 
WSeboiic (Schöbritz) die ossegger Dorfschaften Swinöice und 
Obrynice um den Pfandpreis von 78 Schock Groschen.'*) Somit 
hatte sich der ursprüngliche Besitz des Wein- und Getreidezehents 
in ersterem, und einer Mühle im zweiten Dorfß^) allmälig zur 
völligen Grundherrschaft vergrössert. 

e. Im Jahre 1421 vergab derselbe Kaiser viele (ungenannte) 
Dörfer und Zinsungen an einen gewissen Nicolaus. ") 

ä. Im selben Jahre wurden die Dörfer Odolic (Wodolitz), 
Tynec Mnichow (Teinitz), Simnutec (Smuc, jetzt Synutz), 
sämmtlich jetzt zur Domäne Liebschhausen gehörig, ferner D e c e n i c e 
(Deöany, jetzt Jetschan bei Tf iblitz), C e r n o c h o w und S m o 1 n i c 
(im rakon. Kreise) als ossegger Besitzungen für 800 Schock Gr. 
an einen gewissen Wlasek verpfändet, mit der Verpflichtung, dass 
er daselbst ,100 Pferde für den Kriegsdienst halte.^) 

e. Im Jahre 1436 ging die damals schon zu einem Dorfe 
herabgesunkene ehemalige Stadt Skrle als Pfand an Hanns 
Honiger über.^) 



') Es wurde noch im J. 1408 ausgeübt. Lib. Confirm. 

-j Janek erscheint noch 1363, 1364, 1368, 1406, 1408, 1412, 1418 als Collatur 

der Grafen von Riesenhurg (Slawik 1363—1368, Bores 1408—1418). Lib. 

Confirm. Klostergrab (Hrob) wird als Pfarre noch nicht erwähnt. 
^) Palacky Archiv öesky I. 542. 
4) Ebend. I. 453. 
^)Vgl.§. 81. 
6) Ebend. I. 499. 
') Ebend. IL 521. 
^) Palacky Archiv öesky. 



329 

3. Zu den iimi'angreiclieii Besitzungen Osseggs gesellten sich 
allmälig auch sehr ausgedehnte Privilegien. 

a. Schon der König Ottokar I, gah dem Kloster (1203 oder 
1208) die Gerichtsbarkeit (den sogenannten Blutbann) über Land 
und Leute auf den erworbenen Besitzungen, befreite es von Lan- 
descollecten und der Berna, desgleichen vom Marktzolle in Bilin 
und auf den übrigen Märkten des Landes, und stellte es unter den 
unmittelbaren Schutz des böhmischen Thrones. ^) Dieselben Rechte be- 
stätigte König Ottokar IL um das J. ,1261. Er pries bei dieser 
Gelegenheit die Demuth, die Ordensstrenge, die Gastfreundschaft 
und Nächstenliebe Osseggs vor allen anderen Klöstern und nannte 
es wegen dieser Vorzüge um so würdiger der königlichen Huld 
und Freigebigkeit. Letztere bethätigte er besonders durch die 
Schenkung einer äusserst kostbaren h. Reliquie, — des Zeigefingers 
des h. Johannes.') Alle nachfolgenden Fürsten bestätigten immer 
wieder von Neuem die Freiheiten des Stiftes.^) 

Im Jahre 1330 fügte König Johann zu den alten noch das 
neue Recht hinzu, in Prag, Brüx und allen andern königlichen 
Städten des Landes Häuser und Höfe durch Kauf oder Schenkung 
ohne alle Abgabenbelastung zu erwerben. Von ihm rührt auch 
das Stadtprivilegium von Skrl her."*) Johann hatte auch besondere 
Gründe, die Brüder des Cisterzienserordens in jeder Weise aus- 
zuzeichnen ; denn eben durch Vermittlung der Aebte dies es Ordens 
hatte er die Krone Böhmens erworben. Ebendesshalb war auch 
Carl IV. ein frommer Gönner Osseggs.^) 

b. Auch von geistlicher Seite her fehlte es nicht an Freiheits- 
briefen für Ossegg. Schon im Jahre 1208 bestätigte der grosse 
Papst Innocenz III. die Besitzungen des Klosters und empfahl dem 
Metropoliten von Mainz den Schutz und die Vertheidigung der 
geistlichen Brüder gegen die Kühnheit ihrer Widersacher,^) 



') Urkunden Erben reg. 

'■^) Urkunden des Königthums in Böhmen, M. S. des Prof. Dr. Const. Höfler. 

^) Dasu gehören zwei Privilegien Wenzels I., 6 v. Ottokar IL, 1 v. Wenzel IL, 

20 V. Johann, 2 von Carl als Markgrafen von Mähren, 
4).Cisterc. bistert. 1010, 
5) Vgl. §. 81 cl 
*') Die Bullen „Solet annuere" und „Non absque dolore" Vgl.Cisterc. bist. 1011. 



330 

Im Jahre 1230 versicherte neuerdings Gregor IX. das Stift 
des päpstlichen Scliutzes. Ein Aehnliches that später Johann XXIL, 
der im 7. Jahre seines Pontificats die Domdechante von Meissen, 
Wysehrad und Naumburg zu Richtern und Schirmvögten gegen 
geistliche und weltliche Uebergriffe, das Kloster Ossegg betreffend, 
bestellte.') Honorius III. schenkte im 5. Jahre seines Pontificats 
dem Kloster Eeliquien der heiligen Cosmas, Sebastian, Fabian, 
Cyprian und der heiligen Petronilla, und die üblichen Ablässe für 
das Kirchweihfest in Ossegg.^) 

c. Andere geistliche Fürsten vermehrten ebenfalls die Frei- 
heiten des ossegger Stiftes. Noch vorhandene Urkunden nennen 
nur den Bischof Daniel von Prag, der im J. 1209 die Besitzungen 
Osseggs zu Ossegg selbst bestätigte^), und den prager Weihbischof 
Pribislaw Sathavonis (Minorit), der im Jahre 1342 dem Kloster 
neue Ablässe zu Gunsten frommer Wallfahrer verlieh.*) Das Pri- 
vilegium Wenzels IL (1287) nennt auch — freilich ohne nähere 
Andeutung — die römischen Kaiser vor ihm als Wohlthäter des 
Stiftes. 

§. 83. Die Kreuzbriider und Kreuzschwestern des h. Grabes. 

1. Aus den Schaaren der Kreuzfahrer sonderten sich wohl 
von allem Anfang her so manche fromme Ritter aus, welche die 
h. Stätte des Grabes unseres Heilands nie wieder verlassen wollten. 
So finden wir daselbst nach dem zweiten Kreuzzuge auch böhmische 
Edle, die 'sich Wächter des h. Grabes, auch Kreuzbrüder des heil. 
Grabes (Ciistodes s. sepulcri, fratres cniciferorimi dominici sepulcri) 
nannten, Sie lebten zu Jerusalem im geistlichen Vereine und be- 
trachteten den jeweiligen Patriarchen von Jerusalem als ihren 
höchsten Obern. Da sie eben nur der Bewachung des h. Grabes 
ihre Dienste weihten, so nahmen sie wohl keinen Antheil an den 
kriegerischen Kämpfen des Landes : in der That finden wir sie so- 



') Ebeud. 1012 dd. III. Mus Octob. 

-)dd. 11. Cal. Maj: Ebend. 

3; Erben reg. 236. 

*) Cisterc. bistert. 1012. 

^) Urkunden des Königthums in Böhmen M. S. Dr. Prof. Const. Höfler. 



331 

fort nur als Chorherren, welche die Regel jles h. A.ugustin befolg- 
ten (fratres cruciferorum dorn, sepulcri Hierosolomiiani ordinis 8. 
Augustini). Im Jahre 1190 erwarb dieser geistliche Verein auch 
ein Ordenshaus in Prag, das hinfort unter der Leitung eines 
Propstes stand, — offenbar als Pflanzschule, Emeritenhaus und 
Almosenstätte für das Ordenshaus und das h. Grab in Jerusalem. 
Weiterhin nahmen auch Vereine frommer Frauen die Regel und 
den Namen dieses Ordens an und stellten sich ebenfalls unter die 
geistliche Leitung eines Priors aus der Mitte der Kreuzbrüder. 
Das Ordenszeichen Aller war und blieb ein rothes Doppelkreuz 
auf schwarzem Gewände. ') Der Patriarch zu Jerusalem bestellte 
jeweilig einen Visitator der Ordenshäuser bald aus dem Regular- 
clerus des Landes bald aus den nachmals auf Pfarreien des Abend- 
landes zerstreuten Canonikern des Domcapitels von Jerusalem.-) 

2. Die Gründer des ersten böhmischen Ordenshauses der 
Kreuzbrüder waren Kojata von Brüx (de Gnevin Most) und 
sein Bruder Wsebor, beide Söhne des Grafen Hrabisa, eines 
Ahnen der Riesenburger , wahrscheinlich desselben Hrabisa, den 
wir bereits als Bruder Slawko's des Gründers von Ossegg kennen 
lernten. Diese führten im Jahre 1190 die böhmischen Kreuz- 
brüder in die Kirche des hl. Peter am Zderas zu Prag ein, und 
dotirten selbe mit ausgezeichneter Freigebigkeit. Schliesslich schenkte 
ihnen Kojata bei seinem Ableben die Stadt Brüx mit allem Zu- 
geliör, ebenso die Orte Wrutek (Rudig) und Kopist (im saazer 
Kreise), L i p e t i n (Lindau bei Dux im leitm. Kr.), das Dorf Jamnes (im 
pils. Kr.), dessgleichen Tlustowous, Lemuz, und Sestajowic (im kaur. 
Kr.). Ueberdiess testirte Kojata dem Orden einige Dörfer in Mähren,^) 
nur sollte seine Gattin Wratislawa den Nutzgenuss eines Theiles 
dieser Schenkung auf Lebenszeit beziehen.*) Der Mitgründer Wse- 



1) Vgl. Tomek ö, Pr. S. 25, 490 etc. 

■-*) 1258 war es der Abt von Postelberg (Dipl. Zderas), 1326 war es Fr. Ni- 
colaus, Canoniciis der Kirche von Jerusalem, 1334 Fr. Heinrich, Pfarrer 
in Mezii-ic, Domherr des h. Grabes und Chorherr von Zderas (Tomek 
G. Pr. r. 490). 

3j Bedekowice 5 Kojetice, Turinovice . Ostrasan. Vgl. Neplach 108, Urkunde 
Erben reg. 332. Dobn. mon. Boh. IV. 257. 

*) In Brüx sollte nach seinem Testamente die S. Laurenzkirche in Opatowic 



332 

bor folgte dem Beispiele seines edlen Bruders , indem er ebenfalls 
einen Theil seiner Besitzungen dem neuen Orden überliess. ') Leider 
ward diese Schenkung alsbald durch die Fürsten des Landes da- 
durch verkürzt, dass sie die Stadt und Burg Brüx für sich selbst 
in Anspruch nahmen. Dafür restituirte nachmals König Pfemj^sl 
Ottokar IL unterm 6. December 1287 auf Andrängen des Papstes 
einige andere Güter , und gab dem Orden für alle Zeiten das Pa- 
tronatsrecht in Brüx zurück.*) Fortan verwaltete immer ein Zderaser 
Ordensbruder die Seelsorge in Brüx,^) die so bedeutend war, dass 
sie im Jahre 1384 die grosse Summe von 42 Groschen als halb- 
jährigen Kirchenzeh ent zu entrichten hatte.'*) Wrutek (Rudig), 
im Jahre 1384 ebenfalls eine bedeutende und gewiss sehr alte 
Pfarrstation mit 21 Groschen Kirchenzehent, ^) war wenigstens nach 
1400 nicht mehr im Besitze der Zderaser; ausdrücklich erscheint 
es im Jahre 1442 als Eigenthum eines Jakob v. Bilin.^) Schon im 
Jahre 1412 bestand hier bereits ein von der Gemeinde mit Grund- 
stücken dotirter Vicarius neben dem Pfarrer.") Von Kojatas Schen- 
kuft'gen war auch das oben erwähnte Dorf Kopist bei Brüx ein 
Pfarrdorf, das 1384 einen Kirchenzehent von 9 Groschen zu ent- 
richten hatte. ^) Auch dieser Ort erscheint um 1400 Avieder in 
anderen Händen; in den Jahren 1409 und 1417 besass erweislich 
ein Wenzel von Meflic daselbst die Collatur und muthmasslich auch 
das Eigenthumsrecht.^) 



bei Prag (jetzt ein Theil der Prager Neustadt ) den neunten Theil des 

Marktgeldes beziehen. Anderwärts wies er auch den Klöstern zu Strahow 

und Sedlec erhebliche Schenkungen an, Urkunde Erben reg. p. 333. 
1) Dobn. mon. Boh. IV. 259, Erben 232. Die Orte werden nicht genannt. 

Später (1288) werden solche ausdrücklich erwähnt, wie folgen wird. 
'■^) Hammerschmidt prodromus 287. 1295 bestätigte Bonifacius VIIL dieses 

Patronatsrecht, 
^j 1296 war Henricus cruciger Zderasensis Pfarrer daselbst. 1354, 1369, 

1411, 1415, 1419 und 1447 übte der Orden noch immer das Patronatsrecht 

aus. (Ebend. u. lib. Confirm.) 
*) Regist. decimarum. 
5) Ebend. 
«) Lib. Conf. 
') Lib. Erect. X. A. 7. 
^) Regist. decim. 
9) Lib. Confirm. ad h. a. 



333 

3. Zu diesen ursprünglichen Besitzungen kamen später noch 
mehrere andere im Umkreise des jetzigen leitmeritzer Sprengeis. 
Die noch übrigen Theile von Lipetin und Kopist, das Dorf Drach-^ 
kow (DrakowabeiTürmitz), Wenzelsdorf beiBrüx undDobro- 
witz im bmizl. Kreise (?) kamen im J. 1238 durch Kojatas Bruder 
WSebor hinzu.') Im Jahre 1294 wurde eine Elb-Mühle bei Nim- 
burg gekauft.^) In derselben Zeit besassen die Zderaser bereits 
das Patronat der Klosterkirche in S w ö t e c (Schwatz) , deren wir 
alsbald weiter gedenken werden. Dazu kamen noch — namentlich 
durch die Freigebigkeit der Herren von Swabenic — mehrere aus- 
gedehnte Güter in Mähren, Schlesien und im nordöstlichen Böhmen.^) 
So wurde Zderas eines der begütertsten Klöster in Böhmen und 
übte in Folge dessen einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die 
kirchliche Entwickelung unseres Vaterlandes. 

4. Näher noch interessirt uns die einzige weibliche Colonie 
desselben Ordens in Böhmen, das Kloster der Kreuzschwestern 
in S w e t e c (Schwatz bei Teplitz). Diese Niederlassung frommer 
Chorfrauen nach der Kegel der Kreuzbrüder von Zderas wurde von 
Wratislawa, der edlen Witwe des Kojata, Stifters von Zderas, ge- 
gründet.'*) Hier lebten sofort fromme Töchter aus den edelsten 
Familien des Landes unter der unmittelbaren Regierung einer 



') Toinek G. Pr. 492. Ueberdies noch Ilorusan (kaur.). 

'■^) Ebencl. 494. 

^) Genannt werden: das Ö^Dital zu Änpa (Neu-Trautenau) sammt dessen Gü- 
tern (Lobec und Debrne nnd viele Zehnten), die Dörfer Zalsi und Slaup- 
nitz (bei liohenniaut), Theile von Morawan nnd DetkoNvic, einige Besitzungen 
bei Potworow im pilsner Kreise (Potworow, Sedlec, Bukowina, Kremesin) 
und die Benützung der dortigen Feste, die Stadt Neweklow, Bor, Draho- 
nowic, Dobrotic und 11 andere Dörfer bei Schüttenhofen, die Feste Cho- 
dow, der Zehent von Sluh (kaur. Kr.) und Chotetic (byd. Kr.), das Patro- 
nat zu Aupa, Brusnitz, Bernartic, Olesna, Walberic (kggr. Kr.), Mittel-Lhota 
bei Hohenmaut, Morawan, Swabenic, Adlerkostelec, Alt-Trautenau, Mezii-ic, 
ßuda, Zrucj Solnic, Straz, Brenn, Buben, in Prag bei S. Michael, S. Wenzel 
u. S. Lazarus. Ein Zweig des Ordens hatte seinen Sitz zu Neisse in Schle- 
sien (1334 von der polnischen Ordenprovinz getrennt) mit den Propsteien 
Ptatibor, Reichenbach und Frankenstein. Vgl. Tomek G. Pr. 492—495. 

"*) Baibin will in den uralten Docuraenten des KlostersDoxan gelesen haben: 
Ad 16. Jan.: Obiit Wratislawa fundatrix coenobii Swffücensis (antiguit. 
eccl,). Eine Jahrszahl Avi'rd nicht angeführt. Falsch ist Crugerii Behauptung, 



334 

Meisterin (magistraj und einer Priorin (priorissa). ') Im J. 1258 
stand dieses Kloster noch nicht unter der Obedienz des Propstes 
von Zderas, obwohl es von diesem seine Seelsorger erhielt. Es 
scheint damals exemt gewesen zu sein, da erweislich im genannten 
Jahre der Papst Alexander über die Visitation dieses Klosters ver- 
fügte und selbe dem Abte von Postelberg auftrug.-) Erst im J. 
1337 unterstellte es König Johann durch ein Decret vom 30. Juni 
dem zderaser Ordenshause. •'; Mittlerweile war das Kloster im J. 
1278 nach dem Tode Premysl Ottokars IL von den Truppen des 
Kaisers Rudolph hart mitgenommen worden.*) Im J. 1287 hatte es 
König Wenzel IL unter seine besondere Obhut gestellt.^) So blühte 
es fort bis zum J. 1421, wo es der Wuth der Husiten erlag, nach- 
mals aber nothdürftig wieder hergestellt wurde. 

5. Ueber die ehemaligen Besitzungen dieses Klosters liegen 
uns keine älteren tFrkunden vor. Muthmasslich gehörten ihm vom 
Anfange her alle jene Ortschaften, welche heute das Dominium 
Schwatz bilden, zumal selbe eben als damaliges Eigenthum des 
Klosters im J. 1580 dem Erzbischofe von Prag als Dotationsantheil 
übergeben wurden,") der sie auch noch heute inne hat. Ja die 
Besitzungen desselben müssen vordem sogar noch ausgedehnter 
gewesen sein. Namentlich wird ein nicht weit von Swetec gelegenes 
Pfarrdorf Z i d o w i c e erwähnt , das — verschieden von dem zu 
Zahras in Brüx gehörigen Seidowitz — in den husitischen Kämpfen 
zerstört worden sein mag. Dort übte erweislich das Kloster Swe- 
tec in den Jahren 1359, 1364, 1398, 1401 mid 1418 die Coilatur 
des Pfarrbeneficiums aus.'^) Die dortige Kirche entrichtete im Jahre 



es sei ein Kloster Crucigerorum virorum cum navicula sepulcri Domini 
gewesen. Eben so falsch Avird sich Stranskys Meinung (II. 92) erweisen, 
selbes habe wohl anfangs den rubeae crucis gerulis gehört, sei aber später 
von Clarissinen bewohnt worden. 

') Diplom. Zderas. dd. 16. Febr. 1300, Rohn antiquit. eccl. 

-) Ebend. 

3) Ebend. 

*) Contin. Jaroslai p. 126. ' 

^) Hammerschmidt prodrom. 284. 

6) Es sind dies : Swetec, Krupa, Chotejowice, Hostomnice, Kniewicky, Hud- 
cow, Aupor, Pohradice, Strbice, Chotowinky, Lyskowice, Wsechlapy, Aujezd 
cerweny und Antheile von Radowesice und Dobrcice. 

") Lib. Confirm. ad b. a. 



335 

1384 als eine der mittleren des biliner Dekanats den lialbjälirigen 
Zelient von 6 böhmischen Groschen J) Im Jahre 1405 am 6. Nov. 
schenkte Ctibor (Tiburtius) von Krsin dem Kloster auch noch die 
Collatur der Pfarrkirche von Swetec selbst, die er später im Jahre 
1409 noch mit einem Jahreszehent von 2 Schock bedachte.^) — 
Ueberdies hatte das Kloster im Jahre 1388 mit Erlaiibniss des 
Königs Wenzel IV. eine Jahreszinsung von 15 Schock b. Groschen 
angekauft.**) Späterhin im Jahre 14*71 beklagte sich die Priorin 
von Swetec, dass ihr Jakob v. Wfesowitz, damals Herr v. Teplitz, 
nicht weniger als 9 Dörfer mit Zinsungen und Wäldern wider- 
rechtlich entfremdet habe.'*) Da das Kloster nichts destoweniger 
fortbestehen konnte, so musste sein Besitz anderweitig noch ein 
ziemlich bedeutender gewesen sein. 

§. 84. Das Praemonstratenserkloster Tepl. 

1. Der selige Hroznata (von Gutenstein), ein Abkömmling der 
alten Zupane von Melnik^j (Sohn des Sezimamid der Dobroslawa),*) 
reich begütert in zahlreichen Gauen Böhmens, besonders aber in 
den Gegenden des damaligen saazer und leitmeritzer Gebietes,'^) 
ein treuer Anhänger des Königs Pfemysl Ottokar I., hatte schon 
im Jahre 1193 den CÄrnnd zum Kloster Teplä (Tepl) gelegt/) wo 



^) Regist. (lecim. Das andere Zidowice (Seidowitz) wurde damals zum saaz. 
Dekanate gezählt. (Palacky dejep. Beilage.) Das Kloster Swetec selbst 
zahlte damals 1 Schock und 15 Groschen halbj. Zehent. (Regist. decim.) 

=i) Erect. VIII. G. 9, IL 9. 

•'') Diplomatar. Zderas. 

4) Urkunde Palacky Archiv. IV. 263. 

5) Nach Baibin. Mise. V. 54. Hroznata selbst nennt sich „de primatum Boe- 
miae clariori stemmate descendens." Originaltestament im Stiftsarchiv, cit. 
in Karlik's Gründung der Prämonstratenserabtei Tepl, S. 8. Die Beweise 
der Stammverwandtschaft Hroznata's mit dem spätem Gutensteinern führt 
Karlik ebendaselbst an. 

") Choteschauer Necrologium, s. Karlik S. 9. 

■) Diess beweisen seine nachherigen Schenkungen. 

^) Baibin. Seiner zw^eiten Stiftung Choteschau wird später gedacht werden. 
Ob er kinderloser Witwer, oder aber jener Hroznata war, der 1186 seine 
Söhne CWilhelm und Ullrich) bereits ausgestattet hatte, lässt sich urkund- 
lich nicht sicher stellen. Vgl. §. 78. n. 2. 



336 

er in frommer Zurückgezogenheit und heiliger Andacht das Ende 
seines Lebens zu erwarten gedachte. Im selben Jahre aber war 
im fernen Oriente der furchtbarste Feind der Christenheit, Sultan 
Saladin von Aegypten gestorben, nachdem er zuvor sein weites 
Reich unter seine 12 Söhne getheilt hatte. Da erweckten die blu- 
tigen Zwistigkeiten der Erben von Neuem die Hoffnung des da- 
maligen Papstes Coelestin III. und dieser forderte deshalb die 
Christenheit von Neuem zu einer Kreuzfahrt auf. Leider verzögerte 
sich trotz des eindringlichen Aufrufs in Worms (6. Decemb. 1195) 
das gläubige Unternehmen — in Deutschland durch den eben aus- 
gebrochenen sicilischen Aufstand, in Böhmen durch die gefährliche 
Erkrankung des Herzog-Bischofs Heinrich Bf etislaw, der ebenfalls 
das Kreuz genommen hatte. Erst die Sendung des Cardinais Peter 
a via lata in unser Vaterland im J. 1197 erzielte — nebst der 
Reformation der Geistlichkeit — den begeisterten Aufbruch vieler 
edlen Männer Böhmens zum heiligen Kampfe. Auch Hroznata hiess 
die Gelegenheit willkommen, im Dienste des Gekreuzigten seine 
ritterliche Laufbahn zu beschliessen und nahm daher das Kreuz. 

Zuvor aber wollte er seine zeitlichen Angelegenheiten ordnen 
und namentlich den Fortbestand seines im Jahre 1196 vollendeten 
Klosters Tepl ') sichern. In einem deshalb verfassten Testamente*) 
vom J. 1197 befriedigte er daher seine nächsten Anverwandten 
durch reiche Legate, dem Kloster aber schenkte er für alle Fälle 
den Ort Tepl sammt Zugehör, eben so auch alle seine übrigen 
ausgedehnten Besitzungen für den Fall, dass er nicht mehr in's 
Vaterland zurückkehren möchte.''} Dann verliess er das Vaterland 
und zog an der Spitze einer wohlgerüsteten Schaar auf den Sam- 
melplatz nach Apulien, nachdem ein früherer Zug unter Conrad 
von Mainz bereits direct ins Morgenland abgegangen war."*) Hroz- 
nata wählte den südlichen Zug, um zuvor noch in Rom die Gnade 



'j Des Klosters Choteschau wird damals nicht erwähnt; also bestand es auch 

noch nicht. 
2) Erben reg. S. 194. 
•^) Vorher hatte Hroznata — muthmasslich derselbe — bereits Bedeutendes für 

die Collegiatstifte Leitmeritz und Melnik und für den Orden der Johanniter 

gethan. Vgl. die betreffenden §§. 
4J Vgl. Dambergor IX. 345 etc. 



337 

des h. Stuhles für seine Ironiine Stiftung zu erbitten. Hier er- 
langte er in der Tliat am 7. August 11 97, dass Coelestin III. das 
Kloster Tepl bestätigte und in päpstlichen Schutz aufnahm, dem 
Abte die Pontificalien verlieh und den Besuchern der Klosterkirche 
einen Ablass gewährte. ') Die apulische Expedition scheiterte grossen- 
theils an dem plötzlichen Tode des Kaisers Heinrichs VI. in Mes- 
sina am 28. September 1197. Was noch nicht eingeschifft war, 
zog, arge Kämpfe in Deutschland befürchtend, wieder in die Hei- 
math zurück. Unter den letzteren war nun nothgedrungen auch 
Hroznata. Doch ging er zunächst wieder nach Rom, um dort zu 
den Füssen des h. Vaters das vereitelte Gelübde der Kreuzfahrt 
mit dem Gelübde des Eintritts in den Prämonstratenserorden zu 
vertauschen.') Nach seiner Heimkehr gab es namentlich in Be- 
ziehung auf das mittlerweile auf seinen Gütern entstandene Kloster 
Choteschau Manches zu schlichten und zu ordnen. Dann nahm er 
für immer das Kleid des h. Norbert. Er lebte in Tepl anfangs 
als untergeordneter Bruder, bald aber als Propst des Hauses, dem 
es oblag, die Piechtsgescliäfte des Convents zu leiten, die Güter 
zu beaufsichtigen und die Oekonomie des Hauses zu besorgen.^) 
In dieser Eigenschaft erwirkte er persönlich am königlichen Höfe 
im J. 1213 die Bestätigung der Besitzungen und Privilegien der 
Klöster Tepl und Choteschau, die Befreiung von den 2upengerichten 
und Landescollecten und den ungestörten Besitz der (wahrschein- 
lich von Hroznata auf königlichem Lehensgrunde angelegten) Stadt 
Hroznetin oder liichtenstadt.'*) • Auch ordnete er einen Streit des 
Stiftes Tepl mit dem Prager Bischöfe bezüglich mehrerer dem 



') Urkunden Erben reg. 197 und 198. Sie fallen dem Datum nach in die 
Zeit der Hinreise, nicht der Rückkehr, wie Karlik S. 23 meint. 

-) Dass dies Gelübde in Rom erfolgte, erzählen alle Legenden. Unwahr- 
scheinlich aber ist es, dass er desshalb noch einmal geflissentlich aus 
Böhmen nach Rom reiste, zumal er schon 1201 urkundlich als Ordens- 
bruder genannt wird. (Vgl. Erben reg. 205.) Das Gelübde hinderte ihn auch 
nicht, daheim endgiltig seine Angelegenheiten zu ordnen. 

3) Urkunden in Erben reg. 259. 266. Solche Pröpste fanden sich — neben 
dem Abte — namentlich im Benedictinerorden. Die spätem Orden nahmen 
meist eine gleiche Einrichtung an. Nachher Wessen diese Pröpste richtiger 
Provisoi'en. 

■*) Urkunde Erben reg. 255. 

22 



338 

Stifte durch Schenkung zugefallenen Zehente. ') In diesem Amte 
sollte er auch seinen Tod finden. Auf einer Dienstreise wurde er 
in der Nähe von Lichtenstadt von etlichen Feinden des Klosters 
gefangen genommen und nach der Burg Kinsberg bei Eger abge- 
führt, um sofort für seine Auslieferung ein ansehnliches Lösegeld 
zu erpressen. Da war es Hroznata selbst, der jede Auslösung 
standhaft von sich wies, um nicht durch Befriedigung der unge- 
rechten Forderungen den Bestand seiner. Stiftung zu gefährden. 
Er starb endlich in der Haft zu Kinsberg nach grossen Entbehrun- 
gen und Leiden am 14. Juli 1217. Sein Leichnam fand nachher 
in Tepl ein würdiges Grab. Das Stift sowie auch die ganze Kirche 
Böhmens verehrten ihn fortan als einen Seligen Gottes.^) 

" 2. Tepl hatte gleich von seinem Ursprünge an sehr bedeu- 
tende Güter im Umkreise der jetzigen leitmeritzer Diöcese. Hieher 
gehörten : 

a. eine Besitzung in Leitmeritz selbst, die aber nicht 
näher bestimmt ist, nebst einem Zugehör in naher Nachbarschaft. 
Im J. 1228 bestätigte König Pf emysl Ottokar in einer eigenen Ur- 
kunde, dass er dem Stifte diese Besitzung entzogen habe, wofür 
er demselben das Dorf Cramolin verleihe.'"^) 

h. Die Dörfer Biökowice, Klepy, Owenec (Pischkowitz, 
Klappay und Sobenitz) in der Umgebung von Leitmeritz,'*) nebst 
den dortigen kleineren Ortschaften Nezel, Ujezdec, Perna 
(Nessel, Aiigezd, Pirnai) und einem später erworbenen Meierhofe 
in Leitmeritz selbst und mehreren Weinbergen. Diese Besitzungen 
— ausser Owenec und Klepy — wurden im J. 1233 um den Preis von 
400 M. Silbers der Königin Constantia zu Gunsten der Deutsch herren 
von Prag überlassen, für welchen Betrag und zugelegte 200 Mark 
die Königin Constantia für Tepl die Dörfer Withsin, Utheri, 01e§owice, 
Leschen, Pochovo, Dfevohrisi, Staresedlo, Dobrawoda, Nemöice, 
Hristowo, Brachomety, Ostrocin und Tisovo abliess, von den Deutsch- 
herren aber zu Gunsten der neuen Kreuzherren mit dem rothen 



') Urkunde Erben reg. 270, Karlik 54. 

^), Baibin 1. c, Heber Böhmens Burgen III. 48. Crugerius, sac. pulv. ad 14. 

Juli. Karlik, Köpl 1. c. 
3) Erben reg. 338. 
*j Urkunde Erben reg. 194 und 284. 



339 

Sterne day Peterapital in Prag nebst Hlaupetin und Ziigeliör ent- 
gegen nahm.') Von den genannten Ortschaften erscheint Bicko- 
wice fortan als Pfarrdorf und Conimende des deutschen Ordens. 
Klepy befand sich ebenfalls nach dem 13. Jahrhunderte nicht mehr 
im Besitze von Tepl. Im Jahre 1336 vergab es König Johann, 
der es nebst Libochowice, Radowesice, Lhota und Popice von der 
Familie Slewen (Sliwno) erkauft hatte, an die Herren Zajic von 
Waldek,^) seit welcher Zeit die Burg zu Klepy den Namen der 
Hasenburg erhielt. Klepy hatte damals schon eine sehr alte Pfarr- 
kirche, da selbe im Jahre 1384 die ungewöhnliche Summe von 21 
böhmischen Groschen als halbjährigen Kirchenzehent entrichtete.^) 
Fortan waren die Herren von Hasenburg die grössten Wohlthäter 
dieser Kirche.*) — Auch Owenec oder Sobenice erscheint im 
J. 1384 als Pfarrdorf mit einer Zehentleistung von 9 böhm. Gr.^) 
Dieser Ort. war im J, 1284 durch einen Gütertausch in den Besitz 
des Königs Wenzel gelangt, jedoch mit Ausnahme eines Maierhofs, 
der dem Kloster Tepl verblieben war, bis auch diesen König 'Sig- 
mund im Jahre 1437 an Heinrich von Waldstein verpfändete.^) Zu 
Ende des 14. Jahrhunderts gehörte Sobenic selbst den Herren 
Mespor von Sobönic und nach diesen den Herren von Techlowic 
und Konojed.") 

c. Auch ein Ort Jeswy im leitzmeritzer Bezirke wird als 
Besitz Tepls genannt. Es kann das nur das jetzige Neustadt bei 
Leipa sein, das aber später urkundlich als Collatur des Cisterzien- 
serstiftes Münchengrätz erscheint.^) Die Art des Besitzwechsels 
ist nicht zu ermitteln. — Bei Petersburg im saazer Kreise erhielt 
das Kloster die Burgen und Orte Psowlky (Pschoblik) und Soseii 
(Sossen). Endlich wird noch ohne nähere Bestimmung ein Hof 



') Urkunde cid. 6. Feb. 1233 bei Erben reg. 376. 

-) Weidner M. S.: Tria memorabilia. dto. Kaufurkiinde von Klepy in Eohns M. 

S. Antiquitates eccl. — 
•^) Regist. decimarum. Lib. Confirm. ad 1365 etc. 
*) Paprocky de statu dominorum p. 74 und 75. 
5j Regist. decim. 
«) Köpl, Stift Choteschau, 9, 13. 
7) Lib. Confirm. ad 1363, 1385, 1416, 1418. 
^j Siehe den betreffenden §. 

22* 



340 

N e II b e r g nebst Zubehör an der Elbe als Schenkung Hroznatas ge- 
nannt. ') Muthraasslich lag diese Besitzung in der Nähe von Mel- 
nik, wo das Kloster noch jetzt einen ausgebreiteten Weinberg 
besitzt. 

3. Die anderweitigen Besitzungen Tepls lagen meist im Um- 
kreise des Stiftes. Am Avichtigsten war hier das sandauer Gebiet 
bis Plan und an den Gränzwald, als Geschenk vom Bischof Hein- 
rich Bfetislaw, Hier entstanden alsbald durch zahlreiche Exposi- 
tionen eine Menge deutscher Gränzorte.-) Ausserdem werden ge- 
nannt — im tepler Bezirke: der Hof des Adold, Babice (Powitz), 
Beranowo (Borau), Berun (Bern), Bezwerow (Weserau), Cihana, 
Dekowic (Schafhof), Holowin, Hostee (Hursk), Chutnow, Jankowice 
(Enkengrün), Kladruby habrowe, Kladruby (Kladales), Kramolin 
(Kraraling), Kriwce (Krips), Martinow, Milhostinow (Milestau), 
Mnichow (Einsiedl),- Mrasowo (Prosau), Nezdice (Nesnitz), Pekowice 
(Pocken), Popowice (Pfaffengrün), Rajow (Rojau), Rankowice, Sta- 
nowice, Tepl, Trepkowice (Schrikowitz), Uswice (Auschowitz), Wi§- 
kowice, Wysocany, Zahrada, Zadub (Hohendorf), Zäwiäin (Ha,baschin), 
Zluzetin (Lusading). Im Umkreise von Krukanice : Budec (Wutsch), 
Öernewice (Scherlowitz) , Hwozdan (Woschana), Krukanice, Lnky 
(Lischka), Bernarce, Pitel (Pichel), Roznewice (Roslowitz), Stipoklasy 
(Stipokl), Ujezd, Uncici (Hundschütz). Auch gehörte hieher Lich- 
tenstadt mit den anstossenden Waldstrecken , in welchen sofort 
durch Expositionen ebenfalls deutsche Orte in Menge entstanden; 
so namentlich Dittrichsgrün , Tiefenbach, Rinolsgrün, Wernharts- 
grün, Voitsgrün, Ullrichsgrün, Merklinsgrün, Kammersgrün, Oders- 
grün, Heinrichsgrün, Dippoldsgrün , Ruprechtsgrün , Spitersgrün, 
Vitikesgrün. Endlich in unbekannter Gegend die Orte Tirnow, 
Gradsko, Rochow, ünil (v. König Wenzel), Luschemposk, Neschow, 
Nesjekow, Branisow.^) 

§. 85. Das Praemonstratenserinnenkloster Ghoteschau. 

1. Graf Hroznata hatte bei seinem Abgange nach Apulien 



') Erben reg. 284. 

^j Dieses Gebiet kam 1242 vom Kloster weg, jeclocli mit Vorbehalt bedeu- 
tender Zinsungen. 

3) Vgl. Urkunden Erben reg. 194, 195, 197, 214, 255, 259, 284, 338, 369, 
376, 392, 426. Palacky Archiv T. 529, IT. 189. Karlik S. 34-36. 



341 

zwei Schwestern zurückgelassen, die iiocli iinvereheliclite Juditli 
und die in Polen verheirathete Woyslawa. ') Der letzteren hatte 
er Choteschau sammt allem Zubehör auf Lebenszeit testirt, falls 
sie als Witwe in die Heimath zurückkehre und keine zweite Ehe 
eingehe. Die erstere sollte von den Einkünften des tepler Klosters 
bis zu ihrem Tode erhalten werden.^) Glaublich war \vohl der 
Gemahl der Woyslawa während Hroznatas Pilgerzuge gestorben.^) 
Da mag sie nun ihren Witwensitz Choteschau unter der Aegide 
von Tepl zu einem Klösterlein umgestaltet und auch ihre zweite 
Schwester Judith nebst anderen frommen Frauen da aufgenommen 
haben;'*) Thatsache ist, dass eine eigentliche Errichtung- des 
Klosters Chotöschau nirgends nachgewiesen ist/) Sie war aber 
schon geschehen, als Hroznata in die Heimath zurückkehrte. Da 
war es nun seine Aufgabe, durch einige Abänderungen seines ersten 
Testamentes den Fortlsestand der frommen Frauencolonie zu sichern 
und so der eigentliche Stifter derselben zu werden. 

Die geistliche Leitung des neuen Ordenshauses führte aller- 
zeit das Stift Tepl und zwar durch einen Propst, der dahin nebst 
einigen anderen Priestern exponirt war.**) In Bezug der ersten 
wirklichen Ordensschwestern wurde Choteschau eine Colonie von 
Doxän.^) 



') So die ürkd. Erben reg. 194. Köpl, (Stift Choteschau) Hess sich durch die 
verschiedene Schreibweise verleiten, 4 solche Schwestern anzunehmen, nebst 
obigen noch Ida nnd Wiceslawa, Hätte Hroznata mehr Schwestern gehabt, 
so hätte er sie gewiss im Testamente erwähnt. 

^) Dieselbe Urkunde. 

3) Nach Karlik ist er JZupan zu Krakau gewesen. 

'*) Köpl erzählt die Aufnahme aller von ihm angenommenen 4 Schwestern. 

5) Die Meinung, Hroznata selbst habe es errichtet, ist jedenfalls irrig. Er 
errichtete es nicht vor seiner. Abreise, diess beweist sein Testament; er 
errichtete es aber auch nicht nach seiner Heimkehr, weil ihn diess seinem 
ersten Testamente untreu gemacht hätte. Dagegen konnte und musste er 
sich einer bereits fertigen Thatsache fügen. Uebl-igeus steht der Fall, dass 
Frauenklöster unter der Obhut eines Männerklosters ohne eigentliche Er- 
richtung entstehen, gar nicht vereinzelt da; er war fast die Regel. 

^) Baibin meint, Hroznata selbst sei der erste Propst gewesen, — irrig, wie 
bereits bei Tepl nachgewiesen wird. 

^) Köpl, Stift Choteschau. 



342 



2. Clioteschaii erhielt schon vom seligen Hroznata einige Be- 
sitzungen in der Gegend von Leitmeritz, die nachmals sich noch 
beträchtlich vermehrten. 

a. Hier wird zunächst wieder das Dorf Owenec erwähnt, 
dessen wir bereits bei Tepl gedachten; wahrscheinlich gehörte es 
längere Zeit beiden Klöstern gemeinsam. Dazu schenkte nachmals 
im Jahre 1271 König Pfemysl Ottokar IL das Dorf Hrusowany 
(jetzt Expositur von Gastorf) — damals schon mit Einschluss der 
Collatur über die dortige Kapelle des h. Gotthart, ') die sonach 
eines der ältesten Gotteshäuser der Gegend war ; ausserdem noch 
die Dörfer P r a c h o w a mit einer Kirche des h. Nicolaus, T r n o w a, 
Wrutice, Zwai^-enice und Lutochowice (Prachowa, Terno- 
wey, Webrutz, Schwarzenitz , sämmtlich zur Domaine Enzowan ge- 
hörig, und vielleicht "Lukowitz). Von diesen blieb IIru§owany 
der Sitz des geistlichen Administrators der umliegenden Besitzun- 
gen, sowie eines Pfarrers, der aus dem tepler Kloster dahin ge- 
geben wardp) auch bestand daselbst ein Herrschaftshaus, in wel- 
chem zu Zeiten die Aebtissin von Choteschau mit einigen geist- 
lichen Schwestern Einkehr nahm.'') So entstand nachmals die 
irrige Tradition , dass zu Hruschowan in alter Zeit ein Frauen- 
kloster bestanden habe, das die Husiten zerstört hätten. Im J. 
1384 entrichtete die Pfarrkirche zu PIruschowan, als eine der 
ältesten im weiten Umkreise, einen Halbjahrszehent von 24 böhm- 
Groschen.^) Auch Prachowa — jetzt nur noch eine mit Wein- 
reben und Obstbäumen bepflanzte Anhöhe mit einer Kapelle des 
h. Wenzel, '/4 Stunde von Hruschowan^) — war urkundlich, wie 
auch jetzt noch die Sage erzählt, ein Pfarrort und blieb als solcher 
ebenso wie Hruschowan bis zur Husitenzeit unter der Collatur von 



') Köpl S. 11. Bestätigungsui-kunde Gregors X. cUI. 23. Mai 1272 in Palacky 
Archiv IV. 34. 

") Als solcher Avircl 1312 ein P. Jacob genannt. Köpl S. 14. 

^) Vgl. Kl. S. Georg und das Dorf Chorusice, Im J. 1543 machte die kön. 
-Kammer die weite Entfernung als angebliche Gelegenheit eines die Sitten 
der Klosterfrauen gefährdenden Ausflugs und als Ursache häuslichen Un- 
friedens geltend und zwang deöshalb das Kloster Choteschau zum Verkaufe 
des Gutes Enzowan und Hruschowan. (Köpl S. 38.) 

'^) Regist. decim. 

^) Die Ortschaft wurde in der Husitenzeit zerstört. 



343 

Chotescliaii. ') Im J. 1384 zahlte Pracliowa nur 6 bölim. Groschen 
zum allgemeinen halbjährigen Kirchenzehent. 

1). Später kaufte das Kloster Choteschau noch einige weitere 
Ortschaften in derselben Gegend, und zwar vor Allen im J. 1335 
Encowany, angeblich soviel als Vinicowany d. i. Weinanpflan- 
zung, hinfür die Schutzburg der umliegenden Güter, woselbst das 
Kloster einen wehrhaften Lehensmann unterhielt. Im J. 1337 kam 
dazu, ebenfalls durch Kauf, das nahe Dorf Kotholice (Kautlitz).-) 
Im Jahre 1437 werden noch als Besitzungen von Choteschau einige 
andere vielleicht seither neuangelegte oder zugekaufte Orte genannt 
und zwar Sedlec (Selz), Lhota (Welhota), Hlupice (Luppitz) 
und Hribojedy(?). Diesse letztern wurden damals nebst dem Hofe 
in Sobenic und vielen anderweitigen geistlichen Besitzungen der 
Gegend (des Capitels Leitmeritz, des deutschen Ordens und des 
Kl. S. Georg) von Kaiser Sigismund um 500 Schock b. Gr. an 
Heinrich von Waldstein verpfändet.^) — 

3. Als anderweitige Besitzungen des Klosters Choteschau 
werden in jener Zeit genannt : Mantow, W^use mit der Waldstrecke 
Rozkogin, Pretino, S wiche w, Jucharec, Holygowo, Hi-idowice, Stod 
(Staab), Lysowo, Witowo, Zaluzy, Kotowici, Disina, Hrast, Sedlece bei 
Choteschau, Tynec (Teinitzl), Aujezdec (Steinaujezdec), Lyen, halb 
Oypernitz, Geznowe, Nyfany, Hofekowice, Turnow, Cernotin, Wra- 
bina, ein Theil von Koäetic, Lelow, Sti-elic, Lazan, Pfey§ow, Bra- 
welne, Welkanowo, Zamilic, Lesina, Sekirana, Piothaujezd, Zboch, 
Luho, Mlinec, Wsahlaw, Lubakowice, Wodokrt, Dudlebec, Malic, 
Dolan, Popowic, Aucowa, Stankow, Dobfan, Podole, Tuskow, Wa- 
tow, Marktgeldantheile von Pilsen, Mies und Taus.*) 

§. 86. Die meissnischen Bischöfe des 11. und 12. Jahrhunderts. 

Wir können diesen Abschnitt nicht schliessen, ohne noch der 
nächstbenachbarten Kirchenfürsten zu Meissen zu gedenken, deren 



1) Letzte Präsentation für Hruschowan 1408 durcli Propst Siilek (Lib. Con- 
firm. ad h. a.) Letzte Präsentation für Pracliowa 1398 (ebend.). 

2) Köpl S. 16. 

3) Palacky Archiv I. 505. 

4) Vgl. Köpl 4 etc. Erben reg. 251, 410, 419, 435, 505, 564, 584; Palacky 
Archiv IL 469, 199, 451. 



344 

Sprengel — wie bereits erwäliiit wurde — auch den nördlichsten 
Theil unseres Vaterlandes umfasste. 

1. Hier haben wir zuletzt den h. Benno genannt als den 
hochverdienten Mann, der die letzte lland an die Bekehrung seiner 
äussersten Gränzgaiie legte. Wir müssen seiner an dieser Stelle 
noch einmal als treuen Anhängers Gregors VII. im traurigen In- 
vestiturkampfe gedenken. 

Benno durfte sich in früheren Jahren der Gunst Heinrichs IV. 
rühmen: Beweis derselben waren einige bedeutende Schenkungen 
dieses Kaisers an die meissner Kirche.') Als aber angeblich der 
h. Bischof und seine Verwandten unterlassen hatten, dem Kaiser 
Hilfe gegen die Sachsen zu leisten (10Y5),^) wurde er nebst einigen 
andern Bischöfen des nördlichen Deutschlands gefangen gesetzt. 
Zwar erhielt er schon im folgenden Jahre seine Freiheit wieder; 
aber nun suchten die kaiserlichen Vögte eine Ehre darin, den hei- 
ligen Mann in jeder Weise zu kränken. Diess ward nicht besser, als 
der Kaiser nach des Markgrafen Dedo Tode^) die Marken Meissen 
und Lausitz seinem treuen Freunde Wratislaw von Böhmen schenkte 
(1076), der aber das neue Land erst erobern musste. Schon 
die gewaltsame Besitznahme des Landes musste dem fried- 
liebenden Bischöfe Verlegenheiten bereiten. Als aber auch noch 
der unglückselige Streit -Heinrich's und Wratislaw's mit Gre- 
gor VII. entbrannte, und zuletzt beide Fürsten in die Excommuni- 
cation verfielen, musste Benno als treuer Anhänger des Papstes 
sein Heil ausser Landes suchen. Er eilte nach Rom. Indess setzte 
man an seine Stelle in Meissen schismatische Bischöfe ein, erst 
einen gewissen Theodorich, der aber bald mit Tode abging, und 
nach diesem einen gewissen Felix. Erst im J. 1088 gelang es 
Benno, den König Wratislaw für den rechtmässigen Papst wieder- 
zugewinnen, worauf er selbst in sein Bisthum zurückkehren konnte. 



^) Diese Scheiikungeü (Borelitsj und Rothiboresdorf) talleu in die Jahre 1071 
und 1074. (Calles series episc. Misn. p. 79 etc.) 

2) Nach Lambertus p. 225 hielt Benno überhaupt keire bewaffnete Mann- 
schaft. Vgl. Ritter, meissn. Gesch. 191. 

3) Nach Ritters meissn. Gesch. p. 183 und ff. war Dedo nur Verweser der 
meissnischen Mark für den jungen PJgbert. Dedo's eigene Mark sei die 
Ostmark (Lausitz) gewesen. 



845 

Hier \Yidmete er die letzten Jalire seines Lebens der Vollendung 
des grossen Bekehrung werkes im Norden und Osten seiner Diöcese. ') 
Er starb am 16. Juni 1106 im 90. Jahre seines Alters nach vierzig- 
jähriger Verwaltung des bischöflichen Amtes im allgemeinen Paife 
der Heiligkeit.') Schon sein Wirken im apostolischen Predigtamte 
hatte Gott diu'ch Wunder verherrlicht:'^) noch mehr geschah diess 
mit ihm im Grabe. In Folge dessen ward sein heiliger Leib im. 
Jahre 1270 feierlich erhoben und in der Mitte des Meissner Doms 
in einer Tumba beigesetzt. Im Jahre 1523 erfolgte endlich seine 
Heiligsprechung durch Papst Hadrian VI. und zwar auf die ge- 
meinschaftlichen Bitten Carls V., Ferdinands L, Georgs von Sachsen 
und der Bischöfe des deutschen Reichs.'*) 

Aus der Zeit des h, Benno rührt ehie bedeutende Klosterstif- 
tung an den Gränzen des meissner Bisthums her, die sowohl durch 
ihren Gründer als durch die verw^endeten Mittel einiges Interesse 
auch für Böhmen hat. Es ist das Benedictinerstift Pegau, im J. 
1092 von Wiprecht Groitsch mit Hilfe seines königlichen Schwie- 
gervaters Wratislaw von Böhmen erbaut.^) Derselbe Wiprecht grün- 
dete auch im J. 1105 das Kloster Luczke in der Diöcese Merse- 
burg, und im J. 1110 das Kloster Reinerdorf an der Unstrutt als 
Colonie von Pegau. Enjilich nahm er in Pegau selbst das Ordens- 
kleid und starb daselbst am 22. April 1124.*^) 

2. Bennos Nachfolg er war Hartwig (Herwig), welcher am 30. 
Mai 1108 zu Merseburg die Investitur von Kaiser Heinrich V. er- 
langte.') Er verewigte seinen Namen durch die Gründung eines 
Collegiatstifts in der seinem bischöflichen Stuhle gehörigen Stadt 



') Dessen ward bereits §. 21. Nr. 3 ausführlich gedacht. Vgl. Damberger 
VII. 520. 

^) Calles series episc. Misii. 87 etc. Palacky I. 321. Ritter meissii. Gesch. 216. 

^) Solche leben heute noch im Munde des Volkes um Meissen fort. So er- 
zählen sich die protestantischen Bewohner daselbst, die Frösche eines 
Teiches gegenüber von Meissen seien bis heute noch stumm , da ihnen 
S. Benno einst bei einer dort abgehaltenen Predigt das Schreien verbot* 

"*) Vita S. Bennonis bei Menken II. 

5) Fund, coenobii Bigaug. Script. Lusat. ed. Hotfmann IV. 121. Vita Vi- 
perti Grroic. I. 17. ed. Hofmanu. 

«) Fund. coen. Bigaug 121, 122, 124. 

") Damberger synchr. G. VII. 569. 



346 

Würzen,') welche fortan eine gewöhnliche Residenz seiner Nach- 
folger wurde, die zu Meissen ziemlich ungern sowohl die Mark- 
ais die Burggrafen als Rivalen ihres Ansehens neben sich sahen. 
In seiner Zeit veranstalteten die norddeutschen Bischöfe einen 
Kreuzzug gegen die heidnischen Nordslaven, welche bei ihren oft 
wiederholten feindlichen Einfällen die Christen mordeten und die 
Kirchen zerstörten : der diessfällige Aufruf an die Christenheit 
trägt auch Hartwigs Namen an der Spitze.^) Er starb am 27. Juni 
1118.=^) 

3. Als Nachfolger wurde Grambert gewählt und vom Magde- 
burger Metropoliten geweiht im J. 1119. Er erlebte die Beendigung des 
langwierigen Investiturstreites im J. 1122. Auch gründete Kaiser 
Lothar im J. 1125 das Benedictinerkloster S. Johann in Chem- 
nitz, von welchem nachmals die Filiale Neukersdorf Inder Mer- 
seburger Diöcese ausging. "^j Zu gleicher Zeit entstand auch das Kloster 
Lauterberg (raons serenus) bei Halle durch die Frömmigkeit des 
Grafen Dedo, des Schwiegersohns Wiprechts von Groitsch.^) Bischof 
Grambert starb bereits am 31. Mai 1129.") 

4. Der neue Bischof Gottbold w^ar ein inniger Freund des 
heiligen Erzbischofs Norbert zu Magdeburg und somit wohl auch 
selbst dem heiligen Freunde nicht unähnlich. Er benützte die neue 
Zeit des Friedens, um Hand an die Reformation seines Clerus zu 
legen. Zu diesem Zwecke hielt er eine „Generalsynode" zu Meissen 
im J. 1129. Doch soll damals der Erfolg ein geringer gewesen sein. 
Zu seiner Zeit gründete Heinrich, der Sohn Wiprechts v. Groitsch, 
das Kloster Bürgein bei Naumberg.') Auch verlegte damals Bi- 
schof Udo von Naumburg das vom Pleissner Burggrafen Bruno 
1132 gestiftete Cisterzienser-Kloster Schmollen im Altenburgischen 



') Oalles p. 111. 

'■^) Ebendaselbst lOG— 110. 

3) Ebendaselbst 112. 

■*) Monach. Pirnens. bei Menken IL 1572. Mantissa bist. com. Leisnic, Men- 

ke2i II. 1108. 
5) Ritter meissn. Gesch. 238. 
«) Calles 116, 117. 
^) Calles 118 etc. 



347 

wegen liäufiger BeiinruliigiiDgen durch die beuachbartcu Sla^Yell 
nach Pforta. ') Gottbold starb am 31. August 1140.^) 

5. In der bischöfl. Würde zu Meissen folgten nun schnell nach- 
einander Reinwart, Propst zu Meissen (| 24. Juli 1146), Berthold 
(t 20. Juli 1149) und Albert (fllöl).') Von Reinwart ist nur be- 
kannt, dass er mit dem Markgrafen Conrad in Streit wegen eini- 
ger bischöflicher Güter bei Budisin gerieth, die dieser an sich ge- 
zogen hatte. Diesen Streit schlichtete Kaiser Conrad im J. 1144 
durch einen Vergleich zu Merseburg.^) Von Berthold wissen wir 
nur den Todestag. Albert starb als Gesandter des Kaisers auf einer 
Reise nach Griechenland."'') 

6. Allmälig wird es immer lichter in der Geschiebe der Bi- 
schöfe Meissens. Dei' 18. derselben und Nachfolger Alberts war 
Gerung, ehedem Abt des Benedictinerklosters Bosan. Bekanntals 
überaus fromm und verehrungswerth , bestieg er im J. 1154 dem 
Wunsche des gesammten Clerus gemäss den bischöflichen Stuhl. '^j Auf 
sein und des magdeburger Erzbischofs Wigmanns Am'athen -vollen- 
dete 1055 der meissnische Markgraf Conrad das Kloster Lauter- 
berg bei Halle,") wo er im nächsten Jahre selbst das Ordens- 
kleid nahm und schon nach 2 Monaten daselbst starb. ^) Ebenso er- 
baute 1162 Conrads Sohn Otto der Reiche das Cisterzieuserkloster 
A 1 1 e n z e 1 1 e und führte daselbst eine Colonie des Klosters Pforta 
bei Naumburg ein. Auf dem Grunde des Klosters Altenzelle erhob 
sich schon nach 6 Jahren an der Stelle des bisherigen Dorfes 
Christiansdorf die neue Bergstadt Freiberg, welche das Kloster so- 
fort wieder gegen das Städtchen Rosswein an seinen Stifter Otto 
vertauschte.-') 



'j Ritter 248, 394 etc. 

'} Oalles 119. Maiitissa hist. com. Leisn. Vita Viperti. (Menken L u. III.) 

3) Calles 121 — 126. 

4) Ritter 250. - 

5) Calles 124—126. 

^) Cum votivo totiiis cleri assensu. Cliron. Citicense. — Ritter, meissn. G. 
p. 213. 

') „Mons serenus" Lauterberg, später Petersberg, war ein Prämonstratenser- 
stift; daneben bestand ein Stift der Benedictinerinnen S. Johannis bapt., 
das 1218 nach Gerbstadt übertragen wurde. (Monacb. Pirn. 1591.) 

8) Fabric. cit. Calles 129. 

«) Annales Vcterocell. ed. Menken. Ritter 386 etc. 



348 

Es wurde schon erwähnt, dass dieses Stift bedeutende Be- 
sitzungen in der Nähe von Leitmeritz besass. ') 

Derselbe Otto stiftete auch die Propstei Kloster- Au bei 
Leissnig als Colonie des Klosters S. Mauritz bei Naumburg.^) 
Bischof Gerung erwarb vom böhmischen Könige Wladislaw neuer- 
dings die Besitzung Prisnitz (bei Dresden) und erbaute die bi- 
schöfliche Burg Mügeln. So lange er lebte, zeigte er sich als vor- 
züglichen Wohlthäter des Stiftes Lauterberg : dafür fand er dort 
nach seinem Tode (20. November 1170) sein Grab. ^) 

7. Ihm folgte ein Regularcanoniker von Lauterberg, Martin, auf 
dem bischöfl. Stuhle nach, ein Mann des Friedens, von dem aus- 
drücklich gerühmt wird, dass er mit den Fürsten und seiner 
Priesterschaft stets in Eintracht lebte.'*) Unter ihm erbaute Mark- 
graf Dietrich das Kloster S. Thomas in Leipzig für Piegularca- 
noniker (1161), ebenso das Kloster und die Stadt Schiida (bei 
Eulenburg), und (1184) noch als Mutterhaus für die Missionen un- 
ter den Wenden das Cisterzienserkloster Dobrilug in der Lausitz, 
letzteres, aber gemeinschaftlich mit seinem Bruder, dem Markgrafen 
Otto.^) Zur selben Zeit entstand auch das Cisterzienser-Kloster 
Bucha im Osterland durch den Burggrafen Heinrich v. Leisnig") 
und das Frauenkloster Brene bei Halle durch die Grafen Otto 
und Friedrich von Brene (1181).') Damals führte auch Graf Dedo 
von Rochlitz die Regularcanoniker in sein (1184) neuerbautes Klo- 
sterTschille ein.^) Bischof Martin selbst zeigte sich wieder als be- 



') Vgl- §. 69. 

'■^) Annal. Veterocell. 388 (ed. Menken). — Monach. Pirn. 1457 ebend. 

3) Galles 129, 133, 134. 

'^) Calles 137. 

5) Monach. Piru. ed. Menkeu p. 1461. Hist. com. Leisnic. ed. Menken III. 
1028. — Calles 144 n. 145. Dieses Kloster war in der Niederlausitz reich 
begütert. 1431 wurde es von den Husiten zerstört, sein Besitz 1540 von 
Ferdinand I. säcularisirt. (Grossem III. 37.) 

^) Yallis S. Aegidii oder Ilgenthal, Kolonie von Sittichenbach im Mansfeld- 
scheu. Thammii chron. Coldic. 678. 

7) Annal. Veterocel]. p. 399. 

^) Annal. Veterocell. p. 396. Es war eine Colonie von Lauterberg. Später er- 
hielt es den Namen Wechselburg. (Petri Albini geneal. Leisnic. ed. Men- 
ken ni. 923.) 



349 

sondern Wohlthäter des Klosters Gottes g na d (Gratia Dei) bei 
Magdeburg J) Im Jahre 1179 befand er sich in Rom bei der da- 
maligen ökumenischen Synode im Lateran.^) Im Jahre 1188 nahm 
er mit Kaiser Friedrich Barbarossa das Kreuz und fand auf dem 
Zuge gleich dem Kaiser den Tod (1190).^) 

8. Nach ihm wurde der bisherige Propst von Meissen zum 
Bischöfe gewählt als Theodorich 11.(1191). Er wird als ein vor- 
züglicher Beförderer des Klosters S. Afra in Meissen gerühmt, wo 
er eine Erziehungsanstalt für 12 Knaben einrichtete — die ersten 
Anfänge der künftigen Fürstenschule. Auf seine Anordnung ward 
das Fest des h. Augustinus in der meissner Diöcese alljährlich 
feierlich begangen.'^) Er starb am 30. August 1207.^) — 

§. 87. Fortsetzung. Bischof Bruno II. und das neue Collegiatstift 

zu Budisin. 

1. Nach Theodorich II Tode konnte sich das Meissner Ca- 
pitel ein ganzes Jahr lang über die Person des Nachfolgers nicht 
einigen. Endlich wählte man den bisherigen Propst zu Meissen un- 
ter dem Namen Bruno IL Er soll ein Graf von Baruth und 
reich begütert gewesen sein.*^) Nächst dem heil. Benno wurde 
Bruno II. für unser böhm. Niederland der unvergesslichste Ober- 
hirt. Obgleich er im J. 1209 den bischöflichen Stuhl bestieg und 
erst 1229 aus dem Leben schied: so schliesst doch erst sein Wir- 
ken das Aufsteigen unseres Vaterlandes in die goldene Zeit voll- 
ständig ab. 

Er stiftete nämlich 1213 aus seinen eigenen Mitteln das Colle- 
giatstift B u d i s i n , das schon von da ab unmittelbaren Einfluss auf 
die kirchlichen Verhältnisse des böhmischen Niederlandes nahm, 
insbesondere aber im Reformations - Zeitalter die Stütze des 
katholischen Glaubens in der Lausitz und im nördlichen Böhmen 



') Urkunde Calles 144. 

2) Calles 141. 

3) Fabric. u. Monach. Erford. bei Calles 145. 
^) Monach. Oellens. u. Fabric. 

5) Calles 150. 

^) Leuber, Beschreibung des Schlosses Ortenburg. S, 82. 



350 

wiirdü imd bis heute selbst das Bistliuiii Meisseii überlebte. 
Seit 807 stand bereits die Stadt Budisin, fortan der Hauptort 
eines eigenen Gaues, der frühzeitig an Böhmen gedieht) Dort stand 
nun seit alten Zeiten schon die alte S. Petersldrche als Haupt- 
kirche der Umgegend, noch berühmter in letzter Zeit durch den 
Arm des h. Petrus, den der böhmische König Premysl vom Papste 
als Geschenk erhalten und hieher verehrt hatte. 

Bruno stiftete bei dieser Kirche einen Propst, als welcher 
immer ein Canonicus von Meissen fungiren sollte, einen Domde- 
chant^) und anfänglich 5, später aber 12 Canoniker. Der Propst 
sollte zugleich das Archidiakonat über die gesammte nachmalige 
Oberlausitz verwalten, und in dieser Würde im Namen des Bi- 
schofs die Geistlichen seines Sprengeis confirmiren und kirchliche 
Streitigkeiten entscheiden.^) Bischof Bruno Hess auch die mit weiten 
Kirchhofmauern umgebene alte Peterskirche abbrechen itnd im J. 
1215 den jetzigen grossen Petersdom erbauen. 

Von da ab unterstanden dem Dompropste zunächst einige 
Pfarreien der Umgegend unmittelbar,*) im Uebrigen aber die De- 
canate Budisin, Bischofswerda, Kamentz, Löbau, Görlitz, Sorau, 
Stolpen, Lauban, Keichenbach, Seidenberg und Hohenstein-Sebnitz. 
Das Decanat Budisin unterstand wieder unmittelbar dem Domde- 
chant in Budisin: hieher gehörten die nachmals böhmischen Pfarr- 
orte Hainspach, Zeidler und Schirgiswalde.^) 

Das Dekanat Hohenstein-Sebnitz erstreckte sich ebenso über 
die nachmals böhmischen Orte Schluckenau, Nixdorf (Nikelsdorf), 

') Vgl. §. 11. 

'■^) Als solche werden genannt: 1221 Hermann, 1226 Hugo, 1281 Gottfried, 
1314 Theodorich, 1317 Friedrich, 1343 Heinrich, 1348 Nikolaus, 1375 Ru- 
dolf, 1399 Johann, 1400 Johann v. Kittlitz, 1402 Otto, 1410 Heinrich von 
Freiberg, 1426 Ernst, 1434 Franz Münzmeister, 1434 Peter aus Koliu, 
1440 Georg von Planitz, 1456 Dr. Johann Schwofheim, 1465 Joh. Pfoel, 
1500 Christoph Pfoel. Die übrigen worden später genannt werden. 

3) Sintenis Oberlausitz S. 54 u. 55. 

'^) Gedau, Muskau, Baruth, Neschwitz, Sohr, Gausig, Laske, Gablentz und 
Schleif. (Matric. jurisd. episc. Misn. M. S. von 1346 im budisiner Archive.) 

^) Ausser diesen noch Gutta, Hochkirch , Steinichtwolframsdorf (Wolmsdorf) 
Taubenheim, Ratibor, Postewitz, Kunewalde, Klüx, Wilten , Neukirch, 
Milekal, Kottwitz, Soland und Gröditz. (Matric. episc. Misn. von 1346.) 
In einem anderen Verzeichnisse werden Hainspach und Zeidler zum De- 
kanate Sebnitz gerechnet. 



851 

Lobendaii und Schöiiaii. 'j Zum Dekanate Löbau gehörte im jetzi- 
gen Böhmen Georgswalde. ~) Das Dekanat Seidenberg umschloss die 
jetzt böhmischen Pfarr- Ortschaften: Friedland, Wiese, Schönwald, 
Lusdorf (Ludwigsdorf), Raspenau, Ullersdorf (TJllrichsdorfj, Arnsdorf, 
Berzdorf (Berthelsdorf) mit der Filiale Bullnedorf, Kunersdorf 
(Conradsdorf), Hennersdorf ( Heinrichsdorf) , Bullendorf, Bernsdorf, 
und die alten Altaristenstationen Heindorf und Ringenhain.'"') 

Im J. 1217 kaufte Bischof Bruno an der Gränze Böhmens 
auch noch das Schloss Stolpen, das von da ab häufig die Residenz 
seiner Nachfolger wurde.*) Es ist begreiflich, das letzteres nicht 
ohne alle Rückwirkung auf die Nachbarschaft bleiben konnte. 

Im J. 1218 zogen die Franzis caner-Brüder in Budisin ein 
und erbauten sich daselbst ein Kloster, dessen Ueberreste heute 
noch übrig sind.^) Auch von hier aus musste das kirchliche Leben 
der Nachbarschaft Avohlthätig angeregt werden. 

Bruno selbst ward überdiess ein grosser Wohlthäter des Klo- 
sters Dobrilug.") Zu seiner Zeit erbaute Adela, Tochter des Mark- 
grafen Otto, das Kloster Wasserburg") in Meissen. 

Denkwürdig bleibt auch ein Vertrag, den dieser Bischof mit 
König PfemysI von Böhmen abschloss, durch welchen die Gränzen 
zwischen den Gauen Budisin und Zagost, beziehungs\Yeise den 
Besitzungen des Königs von Böhmen und des Bischofs von Meissen, 
festgestellt wurden. Im Jahre 1241 wurde derselbe vom Könige 
Wenzel zu Königstein erneuert.^) Aus demselben geht hervor, dass 
damals schon deutsche Orte längs der Gränze bestanden neben 



1) Ausser diesen noch Höllenstein, Sebnitz, Lichtenliaiu (auch Lichtenau ge- 
genannt), Neustadt, Olbersdorf, Schandau. (In Schlucken au bestanden 
schon 1346 3 Altaristen, welche täglich die Hören zu Ehren der h. Mutter 
Gottes zu singen hatten, und dafür ein jeder Vs Mark Einkommen hatten.) 

^) Ausserdem Kotmarsdorf, Lawalde, Kittlitz, Hermannsdorf, Berthelsdorf, 
Strahwalde, Ebersbach, Spremberg, Oppach, Schönbach und Hennersdorf. 

•'') Ausserdem noch Seidenberg, Friedeberg, Wiese bei Greifenberg, Schwed, 
Maffersdorf, Gerlachsheim, Wigandtsdorf, Kupra, Rengersdorf. 

4) Monach. Pirn. ed. Menken H. 1583. 

5) Sintenis Oberlausitz. 
«) Calles 161. 

7) Ebend. 154. 

^) Siehe Beilagen und Erben reg. p. 482. 



352 

der überwiegenden Mehrheit slawischer Orts-, Fhiss- und Berg- 
namen. Genannt werden: Neukirch, Radolphsseifen und „locus ad 
Sebenizam ubi antiquitus mansit heremita". d. i. das heutige Ein- 
siedeln bei Sebnitz ; ferner Güntersdorf bei Budisin, Eisenberg, Fisch- 
bach, Frankenthal u. a. m. Da diese Urkunde etliche Pfarrorte 
von 1345, die gerade an der Gränze liegen nmssten, wie Lobendau, 
Hainspach , Georgswalde, noch nicht erwähnt, so scheinen diese 
letzteren erst im weitern Verlaufe des 13. Jahrhunderts entstanden 
zu sein. 

Der so hochverdiente Bischof Bruno IL starb am 4. Dezem- 
ber 1229.') . . 

§. 88. Die kirchlichen Verhältnisse des Egerlandes bis ans Ende 

des 12. Jahrhunderts. 

1. Bei der Errichtung des Prager Bisthums (973) verblieb das 
heutige Eg erfand'"^) bei der Regensburger Diöcese, gewiss aus 
keinem anderen Grunde, als weil es eben nicht zu Böhmen gehörte. 
Wurden doch selbst die entlegensten Gebiete, welche damals unter 
der Herrschaft des böhmischen Herzogs standen — die heutige 
Slowakei , Kleinpolen — in die Umgränzungsurkunde des neuen 
Bisthums aufgenommen: warum hätte das Egerland gerade allein 
eine Ausnahme machen sollen, die noch obendrein ganz unerwähnt 
blieb ?^) In der That gehörte es seit langem schon zum bairischen 



') Calles 163. 

'■^) Gegenwärtig macht es mit Inbegriff" des ursprünglich egerländischen Ge- 
biets von Asch das Vicariat Eger aus — mit den Seelsorgsorten: Eger, 
Frauenreut, Haslau, Kinsberg, Klinghart, Liebenstein, Lohma, Mühlbach, 
Nebanitz , Niklasberg (dem kath. Theil von Asch), Palitz, Trebendorfv 
Treunitz, Wies, Wildstein. Im Umkreise desselben liegen die protestan- 
tischen Pfarreien: Asch, Rossbach, Fleissen. Bis vor Kurzem gehörten 
auch die jetzt bairischen Stationen Albenreut und Ottengrün hieher. 

3} Vgl. Cosmas und die Urkunde im Anhange. Palacky sagt (I. 95.) ohne 
weitere Gründe, dass das Gebiet von Eger, Wunsiedel u. s. w. bis ins 
11. Jahrhundert bei Böhmen verblieb. Ebenso Safarik (slaw. Alterth. II. 
426). Im II. Bande S. 6 sagt Palacky dagegen: „Das Gebiet von Eger 
scheine schon im 10. Jahrhundert von Böhmen getrennt gewesen zu sein." 
Im I. Bande S. 229 sagt er ausdrücklich: „Die prager Diöcese erstreckte 
sich bei ihrer Gründung über alle die weiten Ländergebiete, die Boleslaw IL 



353 

Nordgau und insbesondere zu jenem Gränzgebiete, welches als Mark 
im Nordgau oder böhm. Nordmark unter der Verwaltung 
eigener Markgrafen stand.') Von dieser Nordmark (marca norica) 
hiessen die Egcrländer im lateinischen Kanzleistyl selbst noch zu 
Anfang des laufenden Jahrhunderts Norici Egrenses.^) Zur Zeit der 
Errichtung des Prager Bisthums treffen wir bereits erbliche Mark- 
grafen in der böhmischen Nordmark, — zunächst aus dem Hause 
der Babenberger^) und weiterhin aus dem Geschlechte der Grafen 
von Vohburg.*) Letztere namentlich nennt die dankbare üeberlie- 
ferung als vorzügliche Förderer des Egerlandes, welches unter 
ihnen zu einem besonderen Gau (pagus Egire, regio und pro- 
vincia Egrensis) erblühte,^) und in dieser Eigenschaft nebst dem 
heutigen Egeriande und dem Ascher Gebiete auch noch die bai- 



beherrschte;''— und S. 227: „Für Kenner des Alterthums ist die Bemer- 
kung überflüssig, dass diese Gränzen der Kirche auch die des Staates 
waren." 

') Eine Marca Vinidorum erwähnt schon der fränkische Chronist Fredegar 
(um 658), und selbst §afaHk (slaw. Alterthümer IL 437, Note 2) versetzt 
diese in die Gegend von Eger, Wunsiedel, Tirschenreut, Bernau. Weiter- 
hin werden genannt: Audulf, Graf der böhmischen Mark, 799 (vgl 
Dümmler, Marken des ostfränk. Reichs), Ernst, . Markgraf im Nordgau, 840 
und 848. (Damberger III. 248, 269.) Die Mark im Nordgau wurde im J 
976 neu gegründet für Graf Berthold von Babenberg (Giesebrecht Gesch. 
der deutschen Kaiserzeit I. 547), nachdem sie vorher eine Zeit lang mit 
dem bairischen Herzogthume verschmolzen war. (Vgl. ebendas. 1. 170, 251.) 

*) Ganz irrig ist die Ableitung Anderer von der alten römischen Provinz 
Noricum, die sicher niemals bis in diese Gegend reichte, — oder von dem 
sehr fraglichen Volke der Narisci, das wenigstens seit c. 400 aus dieser 
Gegend verschwunden sein müsste. 

•'') Genannt werden Berthold , der Bruder des österreichischen Markgrafen 
Leopold (966—982), sein Sohn Heinrich oder Hezilo, zugleich ostfränkischer 
Markgraf (f 1017), Hermann, Otto, genannt der Markgraf von Schwein- 
furt (1048—1057). Vgl. Damberger V. 194, 339, 305; — V. 265, 310, 570» 
819; — V. 775; VI. 342, 518. 

^) Die Erbtochter Otto's von S chweinfurt (Beatrix) soll 1057 ihrem Gemahl 
Heinrich von Vohburg die Allode im Nordgau bis Eger und Culmbach u. 
zugleich die Markgrafenwürde zugebracht haben. (Lang : Baierns alte 
Grafschaften S. 194. Damberger VL 518.) 

5) Erben reg. 54, 100, 281. Hagen, Archiv für Gesch. und Alterthumskunde 
Ostfranken YI./I. S. 2. Ried codex diplom. Ratisbonensis 156, 258. 

23 



354 

risclien Landgerichte von Selb, Kirch eiilamitz, Wuiisiedel, Wakl- 
sassen, den östlichen Theil des Landgerichts Berneck, den grössten 
Theil des Landgerichts Tirschenreiit und noch üherdiess jene säch- 
sischen Ortschaften umfasste, die dermalen eine Landzunge zwi- 
schen Asch und Schönbach bilden.') 

Im J. 1149 eheligte die Erbin von Eger (Gräfin von Cheb 
oder Eger genannt) Adelhaid von Vohbiirg den Hohenstaufen Frie- 
drich, der alsbald (1152) als Friedrich I. Barbarossa den deutschen 
Kaiserthron bestieg.^) Zwar trennte sich Friedrich bereits im J. 
1153 von dieser seiner Gemahlin,^) jedoch nicht, ohne zuvor einen 
Theil ihrer Erbgüter käuflich erworben zu haben.*) Damals gedieh 
wohl auch das Egerland an die Familie der Hohenstaufen, denn 
schon seit 1163 erscheint des Kaisers Vetter, Friedrich von Schwa- 
ben (der s. g. Herzog von Rothenburg) durch kaiserliche Belehnung 
als Herr in der alten Nordmark ; Eger, Weissenburg und Wilzburg 
galten hier als die Gränzen seines Gebietes.^) 

Bei dem Sturze der Weifen endlich (1180) ward es überdiess 
als unmittelbares Hei chsland erklärt") 

2. Die alte Burg Eger war wohl ein karolingischer Bau, auf- 
geführt zum Schutze gegen die cechischen Nachbarn ; diess bezeugt 



') Hagen, Archiv VI./I. S. 5. — Noch bis 1500 hiessen die Ortschaften des 
bezeichneten Gebietes ,,im Egerlande." Die Gegenden von Asch, Selb, 
Schönberg-, Brambach kamen von 1232 an durch Pfandschaft und Kauf an 
die Vögte von Plauen; die Gebiete von Hochberg, Wunsiedel, Rudolph- 
stein, Epprechtstein, Thierstein, Arzberg wurden von 1282 bis 1414 in 
gleicher Weise von den nürnberger Burggrafen erworben. Andere Strecken 
kamen schon seit 1135 an die Klöster Waldsassen und Reichenbach. (Vgl. 
Scherber baireuth. Vaterlandsgeschichte I. 36—189. Brenner Gesch. des 
Kl. Waldsachsen, Lang bairische Jahrbücher, Pröckl Eger und das Eger- 
land.) 

^) Lang alte Grafsch. und Gebiete Baierns S. 200. Damberger VHL 537, 
Buchner Gesch. Baierns 190 u. a. 0. 

-3) Vgl. Damb. VET. 537. cit. Sigbert. Gemblac. 

'*) Im Jahre 1212 schenkt Friedrich H. an K. Ottokar die Besitzung Floss bei 
Weiden (einst vohburgisch), „prout avus noster Fridericus emit a Domina 
Adlaida comitissa de Clewen." (Erben regest. 248.) Offenbar steht 
irrig Clewen für Chewen. . 

^} Vgl. Damberger VIH. 884 etc. Lang, Baierns Gaue 16, 87. 

'') Vgl. Gemeiner, regensburger Chronik 271. Vordem unterstanden die Mark- 
grafen den Herzogen von Baiern. 



355 

die franko -romanische Bauart des noch erhaltenen ;, schwarzen 
Thurmes." ') 

Wahrscheinlich bestand schon damals in nächster Nähe ein 
slawischer Ort, von der Windung des Egerflusses Cheb genannt, 
welcher Name nachher auch der slawische Name der Burg und 
des sich erweiternden Burgfleckens "svurde. Die Burg selbst war 
als fränkischer Waffenplatz unstreitig von allem Anfang an christ- 
lich und übernahm die Mission, auch den Burgflecken und den 
weiteren Umkreis dem Christenthume zuzuführen. . Als das neue 
Bisthum Bamberg ins Leben trat (1006), muss wohl diese Mission 
zum Theile schon vollbracht gewesen sein; denn eine noch völlig 
unbekehrte Gegend hätte man damals unzweifelhaft der näher 
gelegenen neuen Stiftung zugewiesen, deren Bestimmung es war, 
„das noch übrige Heidenthum der Slawen (in regione Slavorum) zu 
zerstören und den christlichen Namen unter ihnen zu Ehren zu 
bringen/^^) Uebrigens liegt es nahe, dass das fromme Geschlecht 
der Voliburger, das selbst die grossen Abteien der Benedictiner 
zu Reichenbach (1118) und der Cisterzienser in nächster Nähe von 
Eger zu Waldsassen (c. 1132) stiftete,'*) auch redlich das Ihre thaten, 



') Vgl, Grueber, in den Mittlieilvingen des Vereins für Gesch. der Deutschen 
4. Heft. Fast übereinstimmend setzen Limnaeus und AVurfbein die 
Gründung Egers c, 915. Sicher erstreckten sich die Burgbauten der säch- 
sischen Kaiser nur über Sachsen und Thüringen. Noch später aber ist 
Eger gewiss nicht erbaut worden, da es 1061 bereits als ansehnliche Stadt 
erwähnt wird. (Urkunde Erben reg. 54.) 

-} Ussermann episc. Bamberg, annal. p. 13. cit. in Hagen's Archiv für Gesch. 
und Alterthumskunde in Oberfranken V./3. S. 67, 

3) Der Gründer beider war Diepold IV. von Vohburg, der Vater der ge- 
nannten Gräfin Adelhaid. 

Stammtafel der Vohburger: 

Arniilpit I. 

t 970. Enkel Herzogs Arnulph von Baiern. 

Bei'thold, 
c. 1010, der erste Markgraf von Vohburg. 

Arnulph, Poppo, 

c. 1027, mit Adelhaid v. Am- Pfalzgraf zu Rotenburg. 

merthal. 

BerthoM II. Heinrich, Arnulph, 

t c. 1037, mit Beatrix Abt v. S. Emraeram, 
von Schweinfurt. f 1050. 

23* 



356 

um in ihrem Gebiete und zumal in ihrer Burg Eger das Christenthum 
zur Blüthe zu bringen. Seit der Gründung der genannten Klöster 
von denen Waldsassen sogar in Mitten des Egerlandes sich erhob, 
musste diess um so sicherer gelingen, da beide Stifter die an- 
sehnlichsten Besitzungen im Umkreise dieses Gebietes erhielten/) 
mid nun ihre Bemühungen mit dem Eifer der Markgrafen ver- 
einten. Das beliebteste Mittel war die Ansiedlung deutscher Co- 



Otto I., 

t c. 1075. 

Diepold I., Arnulph, Hermann, Heinrich. 

Dlepold II. 

mit Mathilde. 

Diepold III. 

mit Luitgard von Villingen. 

Diepold IV. 

mit Adelhaid von Baiern, f c. 1147. 



Bei'thold HI. 


Dlepold V. 


Adelhaid 


RIchsa, 


c. 1190. 


t c. 1224. 


mit Friedr. I. 


angeblich 

mit 
"VVladi- 
slaw I. 

von 
Böhmen. 



Sophie. Judith. 



Berthold IV. 

fc. 1209. 

(Nach Angaben Aventin's, Damberger's und Lang's.) 

') Reichenbach erhielt vom Stifter die Orte Diepoltsreut , Frauenreut und 
Chunreut „in regione Egire" (Erben reg. 100). Die Besitzungen V^ald- 
sassens im heutigen Egerlande wurden schon §. 73 erwähnt. Im bairischen 
Theile des alten Egergaues kamen eine Menge Ortschaften hinzu, welche 
folgende Gerichte bildeten: Waldsassen, Tirschenreut , Mitterteich, Fal- 
kenberg, Waltershof, Neuhaus (am Berge), Konnersreut, Wisau, Beidl, 
Wondreb, Poppenreut, Mähring, Liebenstein, Schönficht, Hardek. In der 
Stadt Eger selbst besass Waldsassen ein Prälatenhaus (Steinhaus), zu 
dessen Gerichtsbarkeit die Besitzungen in Eger (unter dem Schlosse) und 
im Egerlande gehörten. (Brenner Gesch. des Kl. Waldsassen 259 etc., 
Pröckl Eger und Egerland 11. 354.) Das Steinhaus im Eger wird schon c. 
1201 von König Philipp als Freisitz privilegirt. Erben reg. p. 265. 



357 

lonisten, ') wodurch zugleich das slavische Element der alten 
Regio Slavorum immer mehr in Abnahme kam. Letzteres und 
zugleich ein Kest des alten Heidenthiims erhielten sich wohl am 
längsten im tieferen Fichtelgehirge , erlagen aber endlich den 
Bemühungen der benachbarten Vögte von Plauen, von denen Hein- 
rich der Aeltere 1232 vom Kaiser Friedrich IL die Gerichte 
von Asch und Selb erhielt, und zwar aus dem ausdrücklichen 
Grunde, weil er mit Gefahr von Gut und Blut im eigenen Ge- 
biete und an den Gränzen der Regensburger Diöcese dem Heiden- 
thume ein Ende gemacht hatte. ^) 

3. In der Egerer Burg befand sich gewiss vom ersten An- 
fange an die erste christliche Capelle des Egerlandes. In dieser 
urkundete noch 1213 der Kaiser Friedrich 11.*^) Nachdem im J. 
1295 die alten Burggebäude ziemlich verfallen waren, wurde auch 
die Capelle neu erbaut und erst um 1470 vollendet.'^) Diese 
Capelle war dem regensburger Diöcesanpatrone S. Erhard geweiht.^) 

Im Burgflecken, der sich schon bis 1061 zur ansehnlichen 
Stadt erweiterte, ist ebenfalls schon früh, muthmasslich sogar schon 



^) Diess zeigen die vielen Ortschaften des Beinamens Reut meist mit Vor- 
setzung des Namens der Gründer; ausser obigen die waldsassischen Orte: 
Albenreut, Münchenreut, Pechtnersreut, Mannersreut, Zirkenreut, Werners- 
reut, Matzersreut, Hatzenreut, Pfaffenreut, Metzlersreut, Iglersreut, Ham- 
mersreut, Pilmersreut, Seidlersreut, üttenreut, Streissenreut, Rodenzenreut, 
Wolfenreut, Walbenreut, Bernreut, üeberdies die Orte auf Hof, Brühl, 
Teich , Berg, Bach u. s. w. Als slawische Orte erscheinen hier; Bernau, 
(Brno), Mugl, Wondreb, Myla, Lamitz, Oschewitz, Redwitz u. a. 

~) Urkunde Erben reg. 368. Vgl. Scherber baireuth. Vaterlandsgeschichte I. 36. 

3) Urkunde Bzovii annal. eccl. n. 3. u. a. Pröckl 11. 78. 

4j Pröckl II. 78, 79. 

^) Ob auch die frühere Capelle diesen Titel hatte, ist nicht zu erweisen, 
zumal die Heiligsprechung des S. Erdhard erst 1051 geschah, Dies 
schliesst allerdings seine frühere Verehrung in der Diöcese nicht aus. 
Der ältere Diöcesanpatron war S. E mm er am, Regionarbischof und Mar- 
tyr zu Regensburg c. 650. Es ist sehr beachtenswerth, dass ein uraltes 
Prager Homilienbuch (wahrscheinlich des Bischofs Hermann, f 1122) auch 
das Fest des h. Emmeram als des grossen Patrons von Böhmen ent- 
hält, während erweislich ein Fe st der h. h. Cyrill und Methud selbst in 
Mähi'en erst im J. 1380 durch Bischof Johann IX. eingeführt wurde. (Dr. 

Ferdinand Hecht in Prag wird das interessante Homilienbuch veröffent- 
lichen.) 



358 

im 10. Jahiiiuiiclerle eine christliche Kirche erbaut gewesen. ') 
Ohne Zweifel war diess die ehemalige S. Johanneskirche in Mitten 
des jetzigen Johannesplatzes.^)^ Selbst einer Schule wird schon um 
das J. 1000 gedacht.^) Um 1149 hatte sich die Stadt derart ver- 
grössert, dass man ein neues Eathhaus bereits auf dem jetzigen 
ausserhalb der alten Stadt gelegenen Ringplatze erbaute.*) Auch 
eine neue grössere Stadtkirche wurde nicht viel später zu Ehren 
des h. Nicolaus erbaut/) diese ohne Zweifel von den damaligen 
Besitzern der Stadt und des Patronats — den Hohenstaufen. 

Die Seelsorge in Eger und der Umgegend wurde bis zum J. 
1258 von Weltpriestern der regensburger Diöcese verwaltet. Erst 
im April des erwähnten Jahres verlieh der letzte hohenstauf'sche 
Besitzer,^) der unglückliche Conradin von Schw^aben,^) unter aus- 
drücklicher Zustimmung seiner Mutter Elisabeth und seines Vor- 
munds Ludwig von Baiern ,, das ihm eigenthümlich zustehende 
Patronat über die Kirche in Eger dem deutscheh Orden"/) der 



') Hagen Archiv V, Oberfranken V./3 S. 76. sagt: Im bisch. Archiv, zu Regens- 
burg finden sich Spuren, dass bereits im 10. Jahrhunderte zu Mühlbach 
eine Kirche gewesen ist. Auch Eger wird schon in diesem Jahrliundert 
eine Kirche gehabt haben. 

') Die Egerer Chronik des K. Hus setzt deren Einweihung schon auf 840^ 
und den Anfang der Erbauung auf 731. (Pröckl II. 112.) 

^) Nach den Egerer Chroniken brannte im J. 1000 die Gasse „hinter den 
Schulen" nieder. 

4) Pröckl II. 90. 

^) Prof. Grueber {Mittheil. d. k. k. Centralanstalt zur Erhaltung der Baudenk- 
male, 1857) setzt das Alter der vom Brande des J. 1270 übrig gebliebenen 
Thürme der jetzigen Dekanalkirche auf das Jahr 1230. Die abgebrannte 
Kirche selbst war unzweifelhaft etwas älter. 

") Die hohenstaufischenBesitzer von Eger waren nach vorhandenen Urkunden : 
Friedrich Barbarossa (c. 1150—1163), sein Vetter Conrad von Rothenburg 
(1163—1167), abermals Friedrich Barbarossa (1167 — 1184), sein dritter 
Sohn Conrad (1184 — 1197), K. Philipp (1197 — 1208), K. Friedrich IL 
(1208 — 1223 resp. bis 1250), seine Söhne K. Heinrich (1223 — 1234), und 
K. Conrad IV. (1234—1254), endlich Couradin (1254—1268). Alle diese 
Hohenstaufen residirten und urkundeten oft „in ihrer Stadt E g e r." 
Da sie mit Ausnahme dreier auch deutsche Könige waren, so wurde Eger 
durch sie damals schon factisch reichsunmittelbar, sowie es auch von ihnen 
die meisten Privilegien reichsunmittelbarer Städte erhielt. 

') Conradin starb 1268 zu Neapel auf dem Blutgerüste. 

^j Urkunde dd. Dachove (bei München) April 1258. So behebt sich die bis- 



359 

fortan bis zur Kirclienspaltuug des 16. Jahrliimderts alle Pfründen 
des heutigen Egerlandes zu besetzen hatte. ') 

An der Spitze des Cierus in Eger erscheint im J. 1232 ein 
Propst zu Eger (Conradus capellanus ecclesiae nostrae (Hen- 
rici regis), praepositus in Egra). Derselbe war als königlicher Hof- 
caplan und Gesandter^) um so gewisser ein Weltpriester ansehn- 
lichsten Ranges, als die Stadt Eger damals noch gar kein Kloster 
besass und auch das waldsassener Steinhaus (Prälatenhaus) erst 
im J. 1339 eine Capelle erhielt.'') Da es aber in jener Zeit nur 
Pröpste von Klosterfilialen und von Collegiat- oder Domcapiteln 
gah, so führt diess zu der nothwendigen Annahme, dass Eger im 
J. 1232 ein Collegiatstift besessen habe. Entweder hatten also die 
Geistlichen zu Eger seit Langem schon ohne besondere Stiftung als 
Capitularen nach der Ptegel des h. Chrodegang gelebt, oder aber — 
und diess ist das Wahrscheinlichere — hatten die Hohenstaufen, 
welche erwiesener Massen die neue S. Nicolauskirche um das J. 
1230 erbauten,'*) gleich andern ^ hohen Geschlechtern als Familien- 
stiftung bei der neuen Kirche ein Collegiatcapitel erst gegründet, 
welches jedoch schon im J. 1258, muthmasslich wegen der Unfälle 
des hohenstaufischen Hauses noch unvollendet, dem deutschen Or- 
den weichen musste, dem Conradin nunmehr das Patronat der neuen 
Kirche übergab.^) 



herige Meinung, der Brand Egers im J. 1270 habe das Patronat an den 
deutschen Orden gebracht, da die Commune selbst nicht im Stande gewe- 
sen sei, den Neubau der Kirche zu bestreiten. 

') Die Comthurei in Eger besetzte nebst der Stadtkirche und den städtischen 
Filialen die Pfründen: Asch, Arzberg, Albenreut, Frauenreut, Haslau, 
Kinsberg (erst im späterer Zeit), Schönberg, Scliönbach, Mühlbach, Wild- 
stein, und die Landfilialen Mühlessen, Nebauitz, Lohma, Treunitz und 
Trebendorf, (Pröckl IL 103 cit. Acten des deutschen Hauses in Eger.) 
Urkunde Erben regesta 371. dd. 29. Juni 1282 apud Egram. 

*) Zugleich mit dem königl. Kämmerer Heinrich von Nürnberg sollte er ein 
Bündniss mit Ludwig VH. von Frankreich im Namen des Königs beschwören. 

3) Vgl. diesfalls Pröckl H. 88. 

'^) Dies beweist die Vergleichung des Jahres der Erbauung, mit urkundlicher 
Vergebung des Patronats im J. 1258. 

5) Vgl. die oben citirte Urkunde von 1258. Nähere Nachrichten fehlen. Im 
J. 1270 ist die Stadt Eger mit allen ihren Urkunden ein Opfer der 
Flammen geworden. 



360 

Die Aufsicht über den Clerus des grossen Egerer Dekanats, 
welches sich ausser dem jetzigen Egerer Vicariate und einigen 
anstossenden sächsischen Orten bis über Redwitz und Bernau im 
heutigen Baiern erstreckte, führte ein durch das Vertrauen des 
Regensburger Bischofs aus der Reihe der Seelsorger erwählter 
Dekan. 

In der Regensburger Matrikel von 1433 werden folgende 
Pfründen des Egerer Dekanats aufgeführt : Albenreut, Asch, Bernau, 
Beydel, Egra, Frauenreut, Griespach, Haslach, Hohenthan, Klinkhart, 
Müllpach, Münchsreut, Radwitz, Schampach (Schönbach), Schwar- 
zenpach, Stain, Tursenreut, Wildstein und Wundreb.^) 

§. 89. Die geistlichen Oberhirten der Egerlandes bis ans Ende des 

12. Jahrhunderts. 

Da das Egerland auch nach der Errichtung des prager Bis- 
thums bei Regensburg verblieb: so haben wir auch der dortigen 
Bischöfe zu gedenken, deren oberhirtliche Sorgfallt sich noch fer- 
nerhin auf einen Theil des jetzigen Böhmenlandes erstreckte. 

1. Der heilige Wolfgang war am 31. October 994 auf einer 
Reise zu Puppingen in Oestereich in den Armen seines liebsten 
Zöglings Tagino, Propstes der s. g. alten Capelle zu Regensburg, 
verschieden. Eben diesen hatte er dem Domcapitel dringend als 
Nachfolger empfohlen.^) Doch Tagino war dem Könige Otto II. minder 
genehm, vielleicht eben desshalb, weil er ein Günstling des miss- 
liebigen Herzogs Heinrich des Zänkers war, und zugleich Erzieher 
des Sohnes desselben, des nachmaligen Kaisers Heinrich IL'"') Dafür 
erhielt nun Gebhard I., ein Vetter des Herzog Hermann IL von 
Alemannien, die bischöfliche Infel von Regensburg.^) Dagegen bestieg 



') Ried, Matrikel des Bisth. Regensburg y. 1433. Das 2. Dekanat des Egergaus 
war damals Wunsiedl mit den Pfarreien : Arzberg, Bischofsgrün, Kirchen- 
lamitzj Landwüst, Leuthen, Neukirchen, Röslau, Schirnding, Schönberg, 
Selb, Thiersheim, Weissenstadt und Wunsiedel. Diese Dechantei wurde 
1528 durch die Einführung des Lutherthums von Regensburg losgerissen. 

^) Damberger V. 454. 

•^) Gemeiner, regensb. Chronik" 139. Vgl. Damberger V. 595 u, Giesebrecht 
Gesch. der Kaiserzeit I. 581. 

*) Damberger V. Stammtafel des fränkisch-salischen Hauses. Gemeiner nennt 
ihn einen Grafen von Hohenwart. 



361 

Tagiiio einige Jahre später durch die Gunst seines Zöglings Hein- 
rich IL den ef-zbischöflichen Stuhl von Magdeburg.') 

Unter Gebhard I. war die goldene Zeit Regensburgs. Der h. 
König Heinrich erwählte diese Stadt zu seinem gewöhnlichen Sitze, 
wie er auch schon als Herzog dort residirt hatte. Soviel er auch 
sonst für die Kirche Deutschlands wirkte : so vergass er doch am 
wenigsten seiner Lieblingsstadt und des dahin gehörigen bischöfli- 
chen Sprengeis. Viele Klöster und Bischöfe erhielten von ihm Hof- 
stätten in der geliebten Residenz.") Andere geistliche Institute 
wurden von ihm neu gegründet und noch andere reicher dotirt. 
Endlich vereinigten sich König und Bischof, Gelehrte und Künstler 
in ihre immer mehr aufblühende Stadt zu ziehen und das geistige 
Leben daselbst in jeder Weise zu heben, so dass man Regensburg 
in jenen Tagen das deutsche Athen nannte.^) 

Am meisten interessirt uns der Anfang des Einsiedlerklosters 
Rinchnach*) im böhmischen Nordwalde — unfern vom jetzigen 
bairischen Orte Zwiesel. Sein Gründer war der für Böhmen so 
merkwürdige heilige Einsiedler Günther. Ein thüringischer Edler 
und mit dem Kaiserhause nahe verwandt,^) berühmt als einer der 
besten Heerführer jener Zeit, wollte dieser bereits fünfzigjährige 
Mann") den Rest seiner Tage und sein reiches Erbgut dazu ver- 
wenden, um in dem Von allen Reisenden damals so sehr gefürch- 
teten Böhmerwalde ein Klösterlein sammt Hospital gleich dem auf 
S. Bernhard zu gründen. Er zog zu diesem Ende vorerst nach 
Rom, um sich dort den Segen des heiligen Vaters zu seinem from- 
men Werke zu holen. Im J. 1008 kehrte er zurück und vertauschte 
im Kloster Nieder-Alteich seinen Waffenschmuck mit dem Gewände 
eines Laienbruders des Benedictinerordens. Darauf zog er in die 
von ihm auserwählte Wildniss und baute dort für sich und drei 



') Damberger V. 595. Gemeiner 143. 

3) Vgl. Geraeiner 146. 

3j Vgl. Damberger V. 665. Gemeiner 137. Vgl. ebentl. schon des h. Wolf- 

gang epist. ad Eeginwardum abbatem. 
^) Dies war der Name des Baches, an welchem die geistliche Colonie sich 

ansiedelte. (Vgl. Erben reg. p. 39.) 
^) Kaiser Heinrich IL heisst ihn stest seinen „famüiaris". 
«j Damberger V. 228. 



362 

andere Büsser zunächst drei Zellen und em Kirchlein, das sein 
Freund, der Bischof Berengar von Passau, im J. 1019 zu Ehren 
des h. Johannes des Täufers einweihte.') Von nun an ward das 
bescheidene Klösterlein eine Pflanzschule von eifrigen Missionären 
für Böhmen und Ungarn und eine sichere Zuflucht der bedrängten 
Reisenden. Nachmals sollte Günther daselbst auch auf den Lauf 
der politischen Ereignisse einen wichtigen Einfluss nehmen.^) 

Doch die Zeit Gebhards I. sah auch bewegte Tage, welche 
namentlich auch für den Egergau von grosser Bedeutung sein 
mussten. Der Markgraf der bairischen und fränkischen Nordmarken 
stand im J. 1003 im Bunde mit Boleslaw Chrobry, dem Ero- 
berer Böhmens und mit andern Unzufriedenen des Reiches, um 
für sich selbst das Herzogthum Baiern zu ertrotzen. Da erstürmte 
der König seine festen Burgen. Kronach am Fichtelgebirge setzte 
dann der Markgraf nach vergeblicher Gegenwehr selbst in Brand 
und floh nach Böhmen. Als im J. 1004 auch hier die Gegner 
des deutschen Königs unterlagen und Herzog Jaromir den Fürsten- 
stuhl bestieg : da unterwarf sich endlich der Markgraf und gelangte 
nach kurzer Haft wieder zu Gnaden und zur Wiedereinsetzung in 
seine Besitzungen. Herzog von Baiern aber ward des Königs Schwa- 
ger Siegfried von Luxenburg.'^) 

Im J. 1012 wurde der neue Dom zu Bamberg geweiht, nach- 
dem das gleichnamige Bisthum bereits im J. 1006 von dem hei- 
ligen Königspaare (S. Heinrich und S. Kunigund) — zumeist zur 
Bekehrung der noch übrigen Heiden im alten Slawenlande — ge- 
stiftet worden war.'^j Bei dieser Gelegenheit gab es für unsern 
Bischof Gebhard eine unerfreuliche Scene. Nicht als ob er sich gleich 
dem Bischöfe von Würzburg geweigert hätte, die auch seiner Di- 
öcese abträgliche Stiftung anzuerkennen , vielmehr gab es auf der 
damals abgehaltenen Synode so manche Klage von Laien und Mön- 



') Urkunde Erben reg. 

-) Damberger V. Bd. 228. 

3j Giesebrecht IL 32- 37, 41—42, Palacky I. 257—261, Gemeiner 147 etc. 
Man meint irrtliümlicli, dass damals das Egerland definitiv von Böhmen 
getrennt Avurde. Giesebrecht II. 49. Palacky I. 262 Vgl. mit I. 95 und 
iafai-ik slaw. Alterth. II. 426. Siehe §. 89. 

4j S. §. 89. 2. 



363 

clien, insbesondere vom Kloster S. Emmeram über das schwere 
Joch, das er ihnen auferlege/) Einerseits war es wohl die Be- 
günstigung fremder Gelehrten und Künstler, die vielfach verletzte : 
anderseits wieder gab es Streit uiri die Besitzungen des Klosters 
S. Emmeram, das vordem den Bischöfen gehört und erst vom heil. 
Wolfgang einen eigenen Abt erhalten hatte. 

Erst im J. 1021 ward da völliger Friede, indem eine förm- 
liche Ausscheidung der Klostergüter erfolgte .und die kaiserliche 
Bestätigung gewann.^) Bischof Gebhard I. starb am 2*7. März 1023.^) 

2. Ihm folgte Gebhard IL, Sohn des Grafen Friedrich von 
Sundergau, vordem Domherr der bischöflichen Kirche zu Augsburg.*) 
Schon im ersten Jahre nach seiner Erwählung starb Eegensburgs 
grösster Wohlthäter, König Heinrich IL, und der ostfränkische Sa- 
lier Conrad IL bestieg den deutschen Thron. Herzog in Baiern 
ward dessen Sohn Heinrich, der nachmalige Kaiser Heinrich III. 
Ein interessantes kirchliches Ereigniss bezeichnet die Regierung 
des neuen Bischofs. 

Schon im J. 1024 lebte im Regensburger Capitel als der- 
malen noch weltlicher Capitular ein Bruder des neuen Kaisers, der 
nachmalige Bischof Gebhard III. Dieser pilgerte im selben Jahre 
mit seinem Mitcapitular, dem Priester Paulus, nach Italien, um 
da die Schriften des h. Ambrosius kennen zu lernen. Gewonnen 
durch die Feierlichkeit der ambrosianischen Liturgie im Dome zu 
Mailand fassten sie da den Entschluss, diesen Ritus in ihre Hei- 
matskirche zu verpflanzen. In der That erlangten sie die nöthigen 
Bücher;^) doch mag es wohl beim blossen Versuche ihrer Einfüh- 
rung in der regensburger Diöcese geblieben sein.") 



') Gemeiner, 152. Damberger V. 676 cit. Dietmar. Vgl. auch Damb. V. 6G5. 

2) Damberger V. 665. 

3) Ebendaselbst V. 879. 

■*) Ebendaselbst. Gemeiner 154. Andere nennen ihn einen Grafen von 
Hohenwart. 

^) Genannt werden: das „ Sacramentarium " (raissale), „ Antiphonarium," 
„initia et fines evangeliorum, apostolicarum et propheticarum lectionum." 
Eines derselben, das „ömne officium et cantus absque notulis" enthielt, 
kostete 45 Goldgulden. (Urkunde in ßied codex dipl. Ratisbon. I. 145.) 

^) Nach verlässigen Mittheilungen hat sich in Regensbui'g weder ein Docu- 
ment noch eine Tradition erhalten, welche die wirkliche Einführun«; des 



364 



§. 90. Fortsetzung. 

3. Als Gebliard IL mit Tode abging, ') folgte ihm der eben er- 
wähnte Bruder des Kaisers als Gebhard IIL in der bischöflichen 
Würde nach. Er war schon als Knabe für den geistlichen Stand 
bestimmt mid der Würzburger Kirche übergeben worden. Um 1024 
besass er, ohne noch die Tonsur erhalten zu haben, eine Canoni- 
catspräbende in Regensburg.') Bald darauf (1027) hatte er den 
geistlichen Beruf eigenmächtig mit den Waffen vertauscht und einer 
Verschwörung gegen den kaiserlichen Bruder sich angeschlossen. 
Besiegt musste er nun die Tonsur und die Weihen sich ertheilen 
lassen.^) Von da an hielt er wohl treu an seinem gekrönten Bruder, 
diess beweist eben seine Erhebung auf den bischöflichen Stuhl von 
Regensburg. Ebenso blieb er ein eifriger Anhänger seines nach 
Conrads Tode (1039) erhobenen Neffen Heinrich III. Leider aber 
sah man diesen Bischof mehr auf dem Schlachtfelde, als am Al- 
tare figuriren. Namentlich betheiligte er sich als Führer an den 
Kriegszügen gegen Ungarn und Böhmen.*) 

In diese Zeit fallen die letzten Lebensjahre des heiligen 
Günther. Seit der Gründung vonRinchnach war derselbe ein Se- 
gen des weiten Gebirges in Baiern und Böhmen geworden. So arm- 
selig er selbst mit seinen Brüdern lebte: so fanden doch alle Rei- 
senden in seinem Klösterlein die rückhaltlose Gastfreundschaft 
und williges Geleite.^) Er drang immer tiefer in's Gebirge ein und 
stiftete dort manche geistliche Zelle, in die er sich zu Zeiten 
zurückzog. 

So weilte er auch zu Gutwasser (auch S. Günther) in Böhmen, 
wo man noch heute sein heiliges Andenken feiert. '') Den einzelnen 
Ansiedlern im dichten Gebirgswalde war er der eifrigste Seelen- 



ambrosianisclien Ritus bestätigen könnten. Demnach, erscheint Rieds diess- 
fällige Behauptung ([I. 1074 u. 1115) als wenig begründet. 

1) Damberger VI. 121. 

^) Siehe oben 2. 

3; Giesebrecht, IL 240. 

4)- Gemeiner 162, 165. - 

^) „Fratribus in mensura, hospitibus ad satietatem" — lautete sein Spruch. 
Damb. VI. 344. 

6) Sommer prach. Kr. S. 261. Pubitschka III. 334. 



365 

liirt und wie es scheint aucli ein Lehrmeister im weltlichen Erwerbe. ') 
Er baute mit unsäglicher Mühe den sogenannten goldenen Steg 
durch das unwegsame Gebirge gegen Prachatic, der alsbald ein viel- 
besuchter Handelsweg wurde.') Dabei fand er noch Zeit, wieder- 
holt nach Ungarn als Glaubensbote zu ziehen, wohin der heilige 
König Stephan ihn berief.^) üeberdiess war er ein vielgesuchter 
Freund und Rathgeber der Fürsten und wiederholt ein Vermittler 
des Friedens in jener kampflustigen Zeit. Mit unserem Herzoge Udal- 
rich w^ar er schon damals Freund gewesen, als dieser in Baiern 
in der Verbannung lebte ; bei dieser Gelegenheit hatte er auch den 
jungen Bfetislaw aus der h. Taufe gehoben.'*) Als üdalrich nach- 
her im J. 1034 als Gefangener des Kaisers in Regensburg schmach- 
tete, da w^ar es - unser hl. Günther, der seine Bitten mit denen der 
Kaiserin und anderer Grossen vereinte und dadurch dem Freunde 
die Freiheit wieder verschaffte.^) Im J. 1040 erbat er wieder an- 
derseits vom Herzoge Bfetislaw die Entlassung eines gefangenen 
bairischen Heeres, das er wohlbehalten durch das Waldgebirge in 
die Heimat zurückführte,*') und vermittelte einen Waffenstillstand 
der streitenden Mächte.") Auch im J. 1041 trug er das Seine zur 
völligen Aussöhnung Bfetislaw's mit Kaiser Heinrich HI. bei.^) Dar- 
auf zog sich glaublich der fast neunzigjährige Eremit in eine 
Zelle bei Gutwasser zurück, wo er am 9. October 1045 in den Ar- 
men des Herzogs Bfetislaw und des Bischofs Severus, die ihn 



') Es scheint, dass die Glashütten des Böhmerwaldes dem h. Günther ihren 

Ursprung verdanken. Daraberger VI. 345. 
3) Damberger VI. 344. Sommer prach. Kr. S. 362. 

3) Damberger VI. 344. 

4) lieber diese Pathenschaft s. Urkunde in Erben reg. S. 45. Trotz der ge- 
gegentheiligen Ansicht Palacky's hält auch Tomek selbe für echt (Vgl. I. 
37) und jedenfalls ist sie es ihrem Inhalte nach. Da Günther als Mönch 
nach kirchlichen Gesetzen nicht Pathe sein konnte, so war er es vor 1008. 
Hiemit stimmt auch das Alter Bretislaws überein, welcher 1055 nahe fünf- 
zigjährig starb. 

5) Aunales Altahenses (des Mutterklosters von Richnang) edit. Gisebrecht 45. 
Damberger VI. 109. 

•'j Hermann Contract. s. Pubitschka III, 317. 

7) Damberger VI. 228. 

8) Ebendaselbst 344. 



366 

bei Gelegeiilieit einer Jagd aufgefunden hatten, eines seligen Todes 
verschied.') 

Der Herzog bestattete seinen väterlichen Freund im Kloster 
Bi-ewnow, das er eben desshalb mit ansehnlichen Gütern berei- 
cherte.^) Später machte auch König Pfemysl Ottokar (1260) eine 
bedeutende Schenkung an dieses Stift „zur Verehrung des seligen 
Günther, durch dessen Verdienste Gott viele Wunder wirkt".'') 

Unter Bischof Gebhard III. verkündete der Synodalreichstag 
zu Constanz (9. October 104H) einen allgemeinen Gottesfrieden. 
Der Friede sollte gesichert sein allen heiligen Zeiten,*) allen geweih- 
ten Orten, allen Gütern und Personen der Kirche, insofern letz- 
tere keine Waffen tragen, allen wehrlosen Landleuten mit Ausnahme 
der Verbrecher, allen friedlichen Werkzeugen, Gebäuden, Frucht- 
bäumen, Kleidern und dlg. m. Wer immer diesen Frieden brechen 
würde, sollte dem Interdicte und der Kirchenbusse verfallen.'^) 

Im J. 1051 erfolgte auch auf die Fürbitte des Kaisers durch 
den glorreichen deutschen Papst Leo IX. (Bruno von Toul) die 
feierliche Heiligsprechung der Regensburger Patrone Erdhard und 
Wolfgang, nachdem diese schon seit ihrem Abscheiden in der gan- 
zen Diöcese als selig verehrt worden waren. *^) 

Bis in die letzten Jahre seines Lebens hatte Gebhard III. im 
besten Einvernehmen mit seinem kaiserlichen Neffen gelebt, zumal 
dieser dem ehrgeizigen Onkel wiederholt die Anführung im Kriege 



•) Pubitsclika III. 332—834. 

-) Urkunde Erben reg. p.'45. Dobner mon. VI. 6. Ziegelbauer bist. Brewnow 241- 

3j Urkunde Ziegelbauer p. 140. Dobner mon. VI. 28. Die Verdienste des h. 
Günther für Böhmen sind bis jetzt von den böhm. Historikern wenig ge- 
würdigt worden. 

^) Das Beispiel des Gottesfriedens (treugaDei) ging von Frankreich ans, wo ihn 
die Bischöfe Aquitaniens zur Abwendung der entsetzlichen Hungersnoth der 
Jahre 1028 — 1032 anordneten. Dort bestimmte man 1041 die hl. Zeit auf 
die Zeit von Sonnenuntergang des Mittwoch bis Sonnenaufgang des Mon- 
tags. Die Synode von Clermont (1095) zog auch die Zeit vom Advent bis 
Epiphaniae und die Fastenzeit bis 8 Tage nach Pfingsten hinein. Andere 
Erweiterungen folgten bald nach. 

5) Damberger VI. 271. Schannat concilia Germ. III. 110. — 

•'} Geraeiner, 166. 



367 

und einen guten Tlieil der Pvegierung im Frieden überliess. ') Als 
aber nach der Entsetzung des aufrührerischen Herzogs Conrad mit 
dem Herzogthume Baiern gegen den Wunsch des Bischofs verfahren 
wurde,') verliess dieser den Kaiser, der eben auf einem Eömer- 
zuge begriffen war und stellte sich an die Spitze einer Verschwö- 
rung der Fürsten. Da nahm der heimeilende Kaiser den abtrünnigen 
Oheim in Regensburg gefangen und verwahrte ihn erst im Schlosse 
Wülflingen in Thüringen und nachher in der Feste Stofeln im Hegau. 
Wohl gab des Kaisers Tod (1156) dem Bischöfe die Freiheit wieder; 
aber schon im J. 1160 ereilte auch diesen der Tod.^) Er hatte 
in seiner Stadt Oehringen ein neues Collegiatstift gegründet.*) 

§.91 Fortsetzung. 

4. Nach dem Ableben Gebharts bestieg der bamberger Cano- 
nicus Otto V. R i e d e n b u r g , ^) ein Bruder des regensburger Stadt- 
Yogts Heinrich,*^) nicht ohne schweren Verdacht der Simonie,') den 
bischöflichen Stuhl. Seine Regierung zog die regensburger Diöcese 
in den schweren Unsegen eines Schismas hinein. Anfangs der 
Verbündete Hanno's von Cöln in der Entführung des unmündigen 
Königs,^} dann (1064) a'if kurze Zeit Theilnehmer eines bewaffne- 
ten Zuges nach Jerusalem, wurde er endlich einer der rücksichts- 
losesten Parteigänger und vertrautesten Rathgeber Heinrichs IV. im 
traurigen Kampfe gegen den apostolischen Stuhl.'') Als solcher in 
den Kirchenbann verfallen (1075), sprach er am 23. Jänner 1076 



^) In einem Streite mit Herzog Conrad von Baiern wird ihm sogar vorgeworfen, 
er regiere mehr als der Kaiser. Damberger VI. 411. 

~) Heinrich gab es erst seinem Söhnlein Conrad und nach dessen Ableben 
(1055) seiner eigenen Gattin als Privatbesitz. (Damberger VI. 466.) 

3) Gemeiner 167—169. Giesebrecht IL 410 etc. Damberger VI. 467 etc. 

■*) Ried, cod. dipl. Ratisb. L 150. Der Bischof heisst da Herr von Oehringen 
jure hereditatis a comitibus Hohenlohe. 

Sj Damberger VI. 592. 

^) S. Urkd. in Ried's cod. dipl. Ratisb. I. 162. Er war der Sohn des Stadtvogts 
Rudpert. S. Urkunde ebend. 159. 

') So Waltram cit. von Gemeiner 170. Die spätere Parteistellung Otto's be- 
kräftigt Waltrams Meinung. 

s) Gemeiner, 172. 

9) Ebendaselbst 184, 189.' 



368 

zu Worms mit 23 anderen Biscliöfen die Absetzung Gregors VII. 
aus und betheiligte sich auch am 25. Juni 1080 auf der After- 
synode zu Brixen an der Wahl des Gegenpapstes Clemens III.') 
Für Baiern und den Nordgau war der unglückselige Kampf um so 
verderblicher, da sowohl der neue Herzog Weif als auch der Mark- 
graf Heinrich von Vohburg unter den Gegnern des Kaisers und 
Bischofs standen.*) Bischof Otto war in allen diesen Wirren auch 
mit den kriegerischen Waffen sehr wohl vertraut. Das Jahr 1081 
nennt ihn gar als Führer eines Heeres gegen den Markgrafen Leo- 
pold von Österreich.^) Er starb unausgesöhnt mit dem recht- 
mässigen Oberhaupte der Kirche im J. 1088.*) 

5. Fast noch grösser war die kirchliche Verwirrung, die nun 
erst folgte. Gebhard IV. v. Hohenlohe ward von Heinrich IV. 
auf den bischöflichen Stuhl erhoben. Unentschieden und vor Allem 
für die Beibehaltung seiner Pfründe besorgt, vermied er Anfangs 
Alles, was ihn kirchlich blossstellen konnte^) und verschob wohl 
deshalb auch die eigene Consecration. Als aber die schismatische 
Partei desshalb einen Gegenbischof in der Person des einäugigen 
Hermann, Sohnes Ullrichs IL von Kärnthen, eindrängen wollte, '^) und 
noch mehr, als Heinrich IV. selbst (1095) mit Kriegsmacht nach 
Baiern kam: schloss sich Gebhard sofort der Partei des Gegen- 
papstes an,') ohne indess durch Annahme der Weihe den Kück- 
schritt sich zu verlegen. In der That fiel er wieder von Heinrich IV. 
ab, als dessen Sohn, insbesondere durch Berthold von Vohburg 
und etliche bairische Grosse bewogen, im Jahre 1104 eine neue 
Gegenpartei zu organisiren begann. Da ereilte den noch Unge- 
weihten auf der Flucht vor den aufständischen Regensburgern im 
Jahre 1105 zu Pechlarn in Oesterreich der Tod^) — muthmasslich 
durch Mörderhand. **) 



1) Damberger 71. 846, 873, 874, 1001. Gemeiner 187. 
3) Damberger VI. 809, 992. YII. 27.. 

3) Gemeiner, 187. 

4) Ebend. 189. 

5) Damberger VIT. 70. 94. 

•^} Heinrich IV. verlieh, diesem später durch Kauf das Bisthum Augsburg. 

Damberger VII. 198, 303. 
')Ebendas. 302. 
8) Ebendas. 490. 
") Gemeiner 204 cit. Annalista Saxo ad a. 1105. Letzterer sagt: Gebhardus, 



369 

6. Eben war Gebhard IV. verschieden, als Heinrich IV. sich 
der Stadt Regensburg bemächtigte. Dies hatte zur Folge, dass er 
alsog'Ieich einen neuen Bischof in der Person eines gewissen 
Ullrich bestellte. ^ Aber schon nach wenigen Tagen musste der 
Kaiser die Stadt an seinen aufrührerischen Sohn räumen; da be- 
stieg Hartwig V. Orten bürg, Sohn des Markgrafen Engelbert 
von Istrien, durch Wahl den Bischofsstuhl und erlangte auch so- 
fort in Mainz die bischöfliche Weihe.') Schon im J. 1106' ver- 
zichtete Heinrich IV. auf den Thron und so schien endlich der 
lange Zwist mit dem apostolischen Stuhle zu Ende gebracht. 
Leider aber erneuerte ihn Heinrich V. alsbald wieder. Bischof 
Hartwig, selbst ein Gegner aller Simonie,-) gab sich alle Mühe, 
nicht nur sich selbst, sondern auch seinen König vom Banne zu 
bewahren,^) jedoch beides vergebens, da der Bischof endlich ent- 
schieden mit dem Könige ging.*) Erst das Concordat von Worms 
(1122) machte dem langen Kampfe ein Ende, indem es die freie 
Erwählung der kirchlichen Vorsteher gewährte. 

Unter Hartwig erwachte der kirchliche Sinn in der regens- 
burger Diöcese in erfreulichster Weise und zeigte sich insbeson- 
dere durch so zahlreiche fromme Stiftungen, dass der Bischof fast 
nur von einer Weihe zur andern reisen musste.^) Uns interessirt am 
meisten die Gründung des Klosters Reichenbach durch den Mark- 
grafen Diepold von Vohburg und Herrn zu Eger im J. 1118.*^) Der 
fromme Stifter verlieh dem neuen Institute unter andern auch 
mehrere Besitzungen im Egergau.'^) Bischof Hartwig war ohne Zweifel 
auch ein kräftiger Beförderer der kirchlichen Reformation. 



qui sedem Ratisbonensem per anoos 16 miserabiliter occupaverat, eodem 

anno a quo dam, quem intolerabiliter iujuriaverat, proprio milite^trucidatus 

duplo plaugendus discesserat. 
') Daraberger YII. 492, 500. Gemeiner 193, 201. 
'j Er entsetzte desshalb 1110 den Abt Babo von S. Emmeram. (Damberger 

VII. 692.) 
^) Henrici V. epistola ad Hartvicum. Ried cod. dipl. Ratisb. I. 174. 

4) Gemeiner 212. 

5) Gemeiner 213. Genannt werden an Klöstern: Mallersdorf, Prüfeniug, Rei- 
chenbach, Ensdorf, Weltenburg. 

^) Urkunde bei Ried cod. dipl. Ratisb. I. 177, 178. 

") Urkunde bei Ried cod. dipl, Ratisb. I. 196. Erben regesta 100. Genannt 

24 



370 

Er starb am dritten März 1126, naclidem er noch das Jahr 
zuvor durch sem persönliches Ansehen die Erwählung des neuen 
Kaisers Lothar bewirkt und so das Vaterland vor einem drohen- 
den Thronstreite bewahrt hatte.') 

7. Es folgte ihm durch freie canonische Wahl der ehemalige 
Abt von Siegberg, Conrad (Cuno), der eben (1125) das Lehramt 
an der hohen Schule zu Paris der Berufung als Dompropst in 
Regensburg vorgezogen hatte.') Zu seiner Zeit demüthigte Herzog 
Heinrich der Stolze aus dem Stamme der Weifen den üebermuth 
vieler bairischen Edlen, der sich nicht selten in schwerem Miss- 
brauch der kirchlichen Vogteirechte gezeigt hatte. Unter andern ent- 
setzte er den Domvogt zu Regensburg, Friedrich von Bogen und über- 
nahm nun diese Vogtei selbst^). Auch dem neuen Bischöfe fehlte 
es nicht an kriegerischem Geschick; wir finden ihn nämlich im J. 1127 
an der Spitze einer Kriegsmacht in Steiermark. Doch starb er schon 
am 19. ai 1132.^) Unter ihm entstand 1128—1132 das Cisterzienser- 
stift Waldsassen im Egergau, angelegt vom Einsiedler Gerwik 
von Wollmundstein und bestiftet von dem edlen Dietpold von Voh- 
burg, den wir bereits als den Gründer von Reichenbach kennen 
gelernt haben. Letzterer legte den Grund zu den bedeutenden 
Besitzungen, welche dieses Kloster alsbald im Egergau erwarb.^) 
Die ersten geistlichen Bewohner desselben kamen aus Volkenrode 
in Thüringen. Dieses und ähnliche Institute") förderten nicht wenig 
die allgemeine kirchliche Reform jener Zeit. 



werden: Diepoklsreut, Frauenreut und Chunreiit in pago Egire. Eine spä- 
tere Bestätigung Friedrichs I. nennt dazu : in pago Egire Prunn, Pern- 
reut, Godefriedsgrune, — apud Thierscheim S. Mariawiler, Rahwinesreut, 
Chunriut. (Ried cod. dipl. Rat. I. 258.) 

') Dambex'ger VIII. 5. cit. Anselra Gemblac. Gemeiner 217. cit. Chronogr. 
Gotvic. 

-) Gemeiner 218. Brenner), Gesch. des Kl. Waldsassen S, 7. 

3) Ebendaselbst 219, 220. 

■*) Brenner Gesch. des Kl. Waldsasson S. 1—15. 

5) Vgl. §.89. 2. Note r. Dietpold selbst verlieh: den Walddistrikt von Wald- 
sassen Schloppach, Frauenreut, Bertholdsreut, Netzstall, Pfaffenreut, Bischof 
Conrad verlieh die Kirche in Tirschenreut. (Brenner 10 und 15.) 

") Genannt werden die Klöster : Seh amhaupten, etwas später Mang, Rohr, 
Münchmünster, Windberg, Paring, Walcrerbach, Speinshart, Altmühlmünster. 



371 

. 8. Der abgesetzte Domvogt benützte nach Conrads Ableben 
die Abwesenheit des Herzogs, sein altes Amt wieder an sich zu 
reissen und so die Wahl Heinrichs von Wolfratshausen, 
eines sonst tadellosen Domhen-n von Bamberg, durchzusetzend) 
Darüber brach eine arge Fehde des Herzogs gegen den neuen 
Bischof aus. Regensburg ging im Flammen auf. Die Besitzungen 
des Domstifts wurden verwüstet. Der Herzog bewarb sich bei Kaiser 
und Papst, dass der Erwählte nicht bestätigt werde.~) Indess hatte 
dieser bereits von seinem Erzbischofe die Consecration erlangt. 
Auch vereinigten sich seine mächtigen Verw^andten und selbst der 
Markgraf Leopold von Oesterreich mit dem Domvogte von Bogen 
zu seinem Schutze. Endlich vermittelte Otto von Witteisbach als 
kaiserlicher Bevollmächtigter den Frieden im J. 1133.^) Leider sollte 
er nicht lange währen. Am 3. Dezember 1137 war Kaiser Lothar 
auf der Rückreise aus Italien zu Breitenwang gestorben. Mit Zu- 
thun unseres Bischofs wurde schon am 7. März 1138 der neue König 
Conrad III. gewählt, zwar nicht ohne einige Formgebrechen, die 
aber ein nachfolgender Wahllandtag zu Bamberg alsbald wieder 
gut machte. Herzog Hehnich aber verweigerte jede Anerkennung 
dieser Wahl und veranlasste so die Vergebung Baierns an das Haus 
Oesterreich und den traurigen Bürgerkrieg der Weifen gegen die 
Hohenstaufen. Die Regensburger Diöcese litt darunter ungemein. Der 
Bischof stand auf des Königs, die Stadt Regensburg und viele bairi- 
sclie Grosse auf der Weifen Seite.*) Darüber ging Regensburg neuer- 
dings in Flammen auf. Im J. 1144 entzweite sich der Bischof auch noch 
mit Heinrich Jasomirgott von Oesterreich, der vom König nach Leo- 
polds Tode Baiern erhalten und bei dieser Gelegenheit auch Stifts- 
güter an sich genommen hatte. Vergeblich suchte eine Synode zu 
Passau den Streit zu schlichten. Die offene Fehde begann,^) Kirchen 
wurden zerstört, Klöster beraubt. Endlich führte des Königs Vermitt- 



1) Gemeiner 223 cit. anonym. Weingart c. 12. Er war ein Sohn Otto's von 
Andeclis und Bruder des Grafen Otto von Wolfratshausen. (Damberger 
VIII. 127,141.) 

-) Gemeiner 223, 224. 

3) Damberger VIII. 142. 

4) Gemeiner 229—232. Damberger VIII. 256, 257, 259, 295, 299. 

5) Damberger VIIT. 356. 

24* 



3*72 



lung im J. 1145 den Frieden herbei.^) Auch im Uebrigen war Bischof 
Hartwig nicht eben ein Mann der Milde und des Friedens. Auf 
Erweiterung seiner Gerechtsame bedacht, verletzte er die Exemtio- 
nen der Klöster und achtete selbst nicht auf wiederholte abmah- 
nende Schreiben des Papstes ; es kam soweit, dass eine Provinzial- 
synode zu Begensburg (1141) den Auftrag hatte, den Bischof ent- 
weder zum Gehorsam zu bringen oder zu entsetzen.") Im J. 1146 
belegte er die ganze Stadt Regensburg init dem Interdicte, weil 
einige Bürger das Asylrecht wenig geachtet hatten.^) — Im J. 1147 
nahm auch er mit andern deutschen Fürsten das Kreuz und zog 
auch noch ein zweitesmal im J. 1150 in den Orient, kam aber 
diessmal nur bis Constantinopel, angeblich mit geheimen Aufträgen 
des Königs.'') Hartwig erlebte noch die Zeiten Friedrichs Barbarossa, 
von dem er sich für die Erneuung des alten Investiturstreits ge- 
winnen liess. Er starb endlich iin J. 1155 alt und lebenssatt, seine 
Fehler bereuend, im Benedictinerkleide. '^) In seine Regierungszeit 
fällt die Einführung der Octaven der Marienfeste durch die Pro- 
vinzialsynode zu Regensburg im J. 1150.®) 



§. 92. Fortsetzung. 

9. Noch im Todesjahre Heinrichs bestieg Hartwig IL Mark- 
graf von Kraiburg aus dem Geschlechte der Ortenburger, vordem 
Domherr zu Salzburg, den bischöflichen Stuhl.") Zu gleicher Zeit 
geschah die Belehnung Heinrichs des Löwen mit der Anwartschaft 
auf das Herzogthum Baiern, die sofort nach erfolgter Ausgleichung 
mit Heinrich Jasomirgott (1156) in wirklichen Besitz überging. 
So schien der langersehnte Friede auch für die regensburger Diö- 
cese wieder hergestellt zu sein.^) Doch nur zu bald sollten neue 



') Gemeiner 237 cit. Chron. Cremifan. 

") Gemeiner 234, 235. Dalbamer coneilia Salisburg. 67. 

3j Gemeiner 238. Urkunde Ried cod. Ratisb. I. 215. Der Abt von Pruvening 

erhält damals den Auftrag, den Bischof zu versöhnen. 
4) Damberger VIII. 440, 442, 450. 504. 
5j Gemeiner 247—251. 
«) Ebendaselbst 245. cit. Eccard I. 2077. 
') Damberger VIII. 708. 
8) Gemeiner 251—253. 



373 

Kämpfe und neue Verlegenheiten folgen. Zunächst betheiligte sich 
der mehr um das Weltliche, als um's Geistliche bekümmerte Bischof 
Hartwig') an den italienischen Kriegen und stand 1158 persönlich 
mit seinen Kriegsleuten vor Mailand. Im J. 1159 verwickelte er 
sich als Anhänger des Kaisers in das unselige Schisma Victors V. 
und gerieth dadurch auch sammt den übrigen bairischen Bischöfen 
in Zwiespalt mit dem Metropoliten zu Salzburg.-) In demselben J. 
gerieth er auch in Hader mit der Bürgerschaft zu Regensburg, 
und als sofort Herzog Heinrich der Löwe durch Wegnahme des 
Schlosses und der Herrschaft Stauf dazwischen trat, auch in blutige 
Fehde mit diesem.'^) Die Besitzungen des Bisthums wurden ver- 
heert, die ganze DiÖcese in Schrecken gesetzt. Endlich gelang im 
J. 1161 durch Vermittlung des Metropoliten ein gütlicher Aus- 
gleich.'*) Von da an hielt eine andauernde Kränklichkeit den Bi- 
schof von der w^eitern Theilnahme an den italienischen Kriegen 
zurück. Er starb, ohne dem Schisma entsagt zu haben, am 22. 
August 1164.^) 

10. Als Nachfolger wurde der Augsburger Canonicus Eber- 
hard gewählt, der eben am Hofe des österreichischen Herzogs 
Heinrich Jasomirgott sich aufhielt.") Vielleicht war es der W^unsch, 
dem Schisma fern zu bleiben, was diesen seinen Aufenthalt ver- 
längerte. Wenigstens entging er so dem berüchtigten Eide ' auf dem 
Reichstage zu Würzburg (Pfingsten 1165), wo 40 meist ungeweihte 
Prälaten nebst den anwesenden Fürsten sich dem Kaiser verpflich-^ 
teten, nie den Papst Alexander III. anzuerkennen und auch Sorge 
tragen zu wollen, dass kein Nachfolger des Kaisers ihn je aner- 
kenne. Jeden dawider handelnden Laien sollte Verlust des Lehens 
und Eigenthums , jeden Geistlichen Verlust der weltlichen Güter 
und seiner Würde treffen.^) Da Kaiser Friedrich die Execution 



') Daraberger VIII. 708. 
-) Gemeiner 257. 

3) Damberger VIII. 708. 

4) Gemeiner 257, 258. 

5) Gemeiner 259. Damberger VIII. 773. Dem Afterpapst , Victor war mittler- 
weile (22, April 1164) Paschalis III. nachgefolgt. 

6) Damberger VIII. 829. 

7) Baumer Gesch. der Hohenstaufen I. 135. Damberger VIII. 773 — 777. 



374 

dieses Beschlusses sofort in die Hände nahm,') so fügte sich end- 
lich auch der schwache Eberhard in Wien dem persönlichen Ver- 
langen des Kaisers*) und trat darauf zu Worms (19. September 
1165) mit mehreren Prälaten dem Würzburger Eide bei.^) 

Darauf zog er an der Spitze seiner Kriegsleute mit dem 
Kaiser nach Italien, — um dort den elendesten Tod zu finden. 
Nach der gewaltsamen Einführung des Afterpapstes in Rom und 
der nun erfolgten Kaiserkrönung Barbarossas (1. August 116T) 
ergriff plötzlich eine pestartige Krankheit die deutschen Sieger. 
„So furchtbar und entsetzlich wirkte das Gift, dass diejenigen, 
welche eben noch zu Pferdesteigen wollten, todt niederfielen und 
die, welche andere begruben, plötzlich mit in die Grube stürzten. 
Ehe man sich besinnen, entschliessen , Rath schaffen konnte, war 
binnen 8 Tagen der grösste Theil des schönen Heeres vertilgt.""*) 
Da starb auch der Bischof von Picgensbui-g und mit ihm die ein- 
flussreichsten Beförderer der langen Kirchenspaltung. Der Kaiser 
rettete nur durch eilige Flucht sein Leben. ^) 

11. In Regensburg wurde sofort (1*7. October 1167) der dor- 
tige Domherr C o n r a d v o n R ai t en b a c h") einhellig zum Bischöfe 
gewählt. Traurig war eben der Zustand der Diöcese in Folge 
der schismatischen Wirren, das Bisthum selbst war bis aufsAeusserste 
herabgekommen. Diesen Zustand zu verbessern, hielt man den 
Neuerwählten für den geeignetesten Mann.") Diess musste auch 
der Kaiser anerkennen und darum übersah er gern, dass man ohne 
sein Zutlum zur Wahl geschritten war und bestätigte sofort den 
Gewählten.^) Nur forderte er, dass der schismatische Metropolit 
von Mainz den Weiheact vollziehe.") Dessen aber weigerte sich 
Conrad und hatte dabei den Clerus seiner Diöcese auf seiner Seite. 



'j Raumer I. 136. 

-) Damb erger VIII. 829. 

^j Damberger VIII. 829. Gemeiner 260. cifc. Clu-on. Reichersberg. 

"^i Raumer I. 146. 

5j Ebendaselbst 146, 147, 148. Gemeiner 261. Damberger VIII. 848—850. 

*^j Diess sein urkundlicher Name (Ried. I. 142.). Damberger VIII. 868 nennt 

ihn Conrad (Cuno) von Falkenstein. 
') Urkunde Ried. cod. dipl. Ratisb. I. 242. 
^) Dieselbe Urkunde. 
") Gemeiner, 263. 



375 

Desshalb sprach der Kaiser seine Absetzung aus (1169) und eilte 
persönlich nach Baiern (llVO), um jede Widerspänstigkeit der 
Geistlichkeit sofort mit Gewalt zu unterdrücken. Da liess sich€on- 
rad einschüchtern und trat zur Partei des Gegenpapstes über. ') Nun 
sass er (24. Juni 1174) mit auf dem glänzenden Reichstage zu Re- 
gensburg, welcher die Absetzung des dem Schisma fern gebliebenen 
Erzbischofs Adalbert von .Salzburg aussprach.') Gleich darauf be- 
gleitete er den Kaiser auf dem Kriegszuge gegen das feste Alessan- 
dria (1174) und theilte mit ihm das schwere Unglück vor Legnano 
(29. Mai 1176).') Der Friede von Venedig (25. Juli 1177) söhnte 
endlich auch den Bischof von Regensburg wieder mit der Kirche 
aus. Conrad nahm Theil an der bairischen Provincial - Synode zu 
Hoheuau (1178), wo man dem Papste Alexander IIL Treue gelobte, 
an die Verbesserung der durch den langen Kampf erschlafften 
Kirch endisciplin kräftig Hand anlegte, und der Kirchenprovinz 
eine neue Zeit des Friedens verkündete.'*) Die folgende Ent- 
setzung Heinrichs des Löwen (25. December 1179 resp. 12. Juli 
1180) brachte dem bairischen Herzogthume eine neue kirchen- 
freundliche Dynastie und änderte auch sonst gar vieles in den 
öffentlichen Verhältnissen des Landes. Manches Gebiet — unter an- 
dern auch die alte Nordmark, die längst ein hohenstaufischer Haus- 
besitz geworden war, und mit dieser das Egerland — wurden reichs- 
unmittelbar. ^) Die Bischöfe und viele grössere Städte des Landes 
gelangten durch neue Privilegien ebenfalls um ein Namhaftes dem- 
selben Ziele näher. Zum grossen Glücke ging dies Alles in Baiern 
ohne Krieg und Blutvergiessen vorüber.") Bischof Conrad starb 
am 11. Juni 1185. 

12. Nach Conrad IL wird ein gewisser Gottfried als 
vom Kaiser ernannter Bischof von Regensburg angeführt, der aber 
die ihm zugedachte Würde sofort abgelehnt haben soll.") Dass 



') Ebend. 265. Cit. Vita S. Eberliavdi (Basiiage III, 306), Annal. Garstenses, 

Chi-on. Austr. (Petz I. 562.) 
») Darabea-ger VIII. 924. 
3) Gemeiner 267; 268. 
^) Schannat Concilia Germ. IIL 419. 
5) Gemeiner 271. cit. Chron. August, bei Freher I. 510. 
♦*) Vgl. Lang bair. Jahrbücher 4 — 16. 
7) Wetzer Kirchenlez. IX. 105. 



376 

dies der kaiserliche Caplau irad Notar Gottfried von Viterbo ge- 
wesen sei, ist darum nicht wohl denkbar, weil dieser hochgelehrte ') 
Mann bereits 1184, — also noch vor Conrads Tode — schon Bischof 
in Viterbo war,-) 

So folgte denn durch Wahl des Capitels Conrad 111. von 
L a i c h 1 i n g auf dem bischöüichen Stuhle von Regensburg, der letzte 
dieses Jahrhunderts. Vordem war er Domherr in üegensburg ge- 
wesen. Seine Weihe geschah bei Gelegenheit des Reichstags in 
Regensburg am 3. März 1187 durch den Erzbischof Conrad von 
Salzburg unter Assistenz von 18 anwesenden Bischöfen.^) Noch im 
selben Monate geschah auf dem „Hoftage Christi" zu Mainz"*) der 
feierliche Ausruf zu einem neuen Kreuzzuge, um Jerusalem aus 
den Händen des gewaltigen Saladin zu befreien Lie drei mäch- 
tigsten Fürsten des Abendlandes, die Beherrscher von Deutschland, 
Frankreich und England entschlossen sich zum heil. Zuge, gefolgt 
von ihren Grossen ohne Zahl. Auch der neue Bischof von Regens- 
burg nahm bei dieser Gelegenheit das Kreuz.") Leider wm der 
Erfolg ein kläglicher. Der alte Kaiser starb am 16. Juni 1190 bei 
Seleucia. 

Nach der Einnahme von Ptolomais (12. Juli 1191) kehrten viele 
deutsche Kreuzfahrer in die Heimat zurück, — unter ihnen auch Bi- 
schof Conrad.") Im J. 11 92 erhielt er von Rom das Recht, Brandleger 
zu absolviren, doch unter der Bedingung, dass der Schuldige in 
Jahresfrist nach Rom pilgere ; — ein Zeichen, wie sehr in den ver- 
gangenen Kriegszeiten dieses reservirte Verbrechen überhand genom- 
men hatte.") Im J. 1195 (6. Dez.) rief auf Veranlassung des Papstes 
Cölestin III. der greise Primas Conrad von Mainz auf einer Ver- 
sammlung zu Worms die Christenheit neuerdings zu einer Kreuz- 
fahrt auf. Da zog Bischof Conrad zum zweitenmale ins heilige 



') Er war iii den alten und onentalischea Sprachen sehr bewandert und ist 
Verfasser einer Chronicon universale. 

2) Wetzer IV. 625. 

3) Gemeiner 277. 

4) Damberger IX. 160. 

5) Gemeiner 279. 

'^) Er urkundet am 27. Jänner 1192 in Regensburg. Damberger IX. 254. 
~) Urkunde Ried T. 474, 2326. 



377 

Land') und sah abermals nach genngen Erfolgen erst in der Mitte 
des J. 1198 die Heimat wieder.') Hier erwarteten ihn bereits einige 
Misshelligkeiten mit Herzog Ludwig, dem Sohne des schon 1183 
verstorbenen Otto. Auf der einen Seite klagte man wegen Anmas- 
sung der Gerichte und anderer Gerechtsame in Regensburg und 
Einziehung erledigter Kirchenvogteien. Auf der andern berief man 
sich auf mannigfache Privilegien und auf die gehäuften Beschwer- 
den wegen Missbrauchs der Vogteirechte. Es kam darüber zur 
Fehde (1203), in welche auch der Erzbischof von Salzburg und 
der Bischof von Freising verwickelt wurden. Noch war diese nicht 
vollendet, als Bischof Conrad am 23. April 1204 mit Tode abging.^) 
Erst sein Nachfolger schloss Frieden, im welchem der Herzog dem 
Bischöfe auf Lebenszeit die volle Landesherrlichkeit und für den 
Fall unbeerbten Ablebens sogar die Nachfolge im Herzogthum ge- 
lobte. Gegenseitiger Friede und Beistand wurden bedungen. In 
Kegensburg aber sollten Gericht, Zoll, Münze, Steuer und Obrig- 
keit fortan dem Bischof und Herzog gemeinsam sein.*) 

§. 93. Rückblick. 

Wieder ist ein bedeutungsvoller Zeitabschnitt zurückgelegt. 
Unser Vaterland, anfangs noch in die mannigfachen Gebrechen der 
barbarischen Hälfte des Mittelalters verflochten, hat seinen Refor- 
matiousprocess glücklich durchgemacht. Die Priesterschaft ist im hö- 
heren Grade ehrwürdig geworden vor Fürsten und Volk durch ein 
echt geistliches Leben, Aller Orten sind geistliche Ordenshäuser 
entstanden als ebensoviele Musterschulen der klericalen Zucht 
und als ebensoviele Pflanzstätten der Wissenschaft. Der bessere 
Geist und die höhere Bildung werden ein Gemeingut des weiten 
Landes. Die goldene Zeit Böhmens ist herangekommen. 

2. Die Kreuzzüge haben dem Leben der Christenheit eine 
ideale Richtung gegeben. Alle Stände, alle Lebensalter und alle 
Geschlechter wollen Antheil nehmen an der Vertheidigung und 



') Gemeiner 289. Damberger IX. 320. 

^) Damberger IX. 360. 

•*) Gemeiner 291, 292. Lang bair. Jahrbücher, 43. 

4J Gemeiner 298. Wetzer IX. 105. 



378 

Emporbringung der Kirche Gottes. Hier drängt man sich in die 
Reihen der Streiter gegen die Feinde der Kirche; dort nehmen 
die edelsten des Landes, Männer und Frauen das geistliche Kleid 
und wollen alle Kräfte dem geistlichen Dienste weihen; allerwärts 
baut die christliche Freigebigkeit neue und prächtige Stätten der 
Andacht und der christlichen Liebe; die grosse Menge veredelt 
das Alltagsleben durch die Aufnahme des kirchlichen Genossen- 
schaftsgeistes in Zünften und Brüderschaften. So beginnt Alles 
mit vollem Bewustsein in der Kirche und für die Kirche zu 
leben. Auch in diesem Stücke tritt unser Vaterland in seine 
goldene Zeit, 

3. Böhmen hat hohe Ehre unter den Völkern Europas errungen. 
Zwei seiner Fürsten haben den Königstitel als Ehrensold gewonnen, 
zugleich aber auch dem Namen ihres Volkes Ehrerbietung vor der 
ganzen christlichen Welt gesichert. Nun steht Böhmen an der 
Stelle des erblichen Königthums, — und hiemit wieder am Anfange 
seiner goldenen Zeit. Doch dem erhöhten weltlichen Glänze soll 
auch eine grössere Selbstständigkeit in geistlichen Dingen entspre- 
chen. Bisher geschahen nur einzelne Versuche, den bischöflichen 
Stuhl von Prag zur Würde eines Erzbisthums zu erheben und hiemit 
von der Unterordnung unter die Mainzer Metropole loszuzählen. 
Die erblichen Könige unseres Vaterlandes werden hinfort jene Ver- 
suche mit aller Kraft erneuen und schliesslich mit dem gewünsch- 
ten Erfolge gekrönt sehen. So naht also auch für die Hierarchie 
Böhmens die goldene Zeit. 



Anhang. 



Nr. i. 

Yerzeieliiiiss der seit Eiiifiihruiig des Clirisleiilluims l)is zum Jahre 
1384 crrielilctcn Scclsorgspfrimden Bölimcns (mit Ausnalime der in 
§§. 23 11. 24 aiifgcfülirtcn Decanale) sammt Beigalie der Iialbjiilirigen 

Decemleislung im J. 1384. 

(Die Klosterkirchen sind liier als solche nicht angeführt.) 

I. ArchifUaeoiiat Prag. 

I. Decanat der Stadt Prag. 

a. Auf dem llradschiu: Der Dom St. Veit mit 65 Altaristenstellen, — 
St. Benedict (9 Gr.) 

b. In der Altstadt: St. Maria am Teyn (3 Seh.) mit den Altaristen- 
stellen der Altäre St. Peter & Paul , SS. Bartliolomaeus, Lazarus und Martha, des 
h. Frohnleichnams und St. Wenzel, St. Maria, St. Nikolaus, St. Johann haptista 
St. Bartholomaeus Nr. 2, St. Lazarus & Martha ; — St. N i c o 1 a u s am Hühnerniarkt 
(3 Seh.) mit den Altaristenstellen der Altäre St. Maria Nr. 1, St. Maria Nr. 2, 
St. Maria Nr. 3, der hh. Märtyrer, der lih. Landespatrone, St. Prokop Nr. 1, St. 
Prokop Nr. 2, h. Kreuz, St. Laurenz, St. Wenzel, St. Maria Nr. 4, St. Maria Nr. 5, 
zugleich auch mit einer Kaplanei ; — St. Michael am Ring (1 Seh.) mit den 
Altaristenstellen der Altäre der hh. Apostel, St. Maria, des h. Frohnleichnams, 
St. Dorothea, St. Katharina ; — St. A e g i d i u s , die jetzige Dominikanerkirche, 
(54 Gr.) mit der Altaristenstelle des Altars St. Agnes; — St. L e o n h a r d (54 Gr.) 
in der Leonhardigasse, mit den Altaristenstellen der Altäre SS. Wenzel und Prokop, 
SS. Erasnnis und Blasius, St. Wenzel, SS. Felix und Adauktus, St. Maria (seit 
1298 unter dem Patronat des St. Anuaklosters) ; — - die K r e u z ki r c h e der Cy- 
riaken oder weissen Kreuzkerren mit dem rothen Herzen (45 Gr.) ; St. Martin 
an der Stadtmauer in der jetzigen Martinsgasse (36 Gr.); — St. Castulus 
(30 Gr.) mit den Altaristenstellen der Altäre St. Katharina, St. Maria, Allerhci- 



380 

ligeu ; — St. Maria in der Wiege (ad cuaas) auch an der Pfütze genannt (ad 
lacum, na lozi) a.n der Stelle des jetzigen Marienplatzes (28 Gr.); — ■ S. Stephan 
am altstädter Stephansplatze (24 Gr.); — St. Philipp und Jacob (15 Gr.); 
St. Johann an der altstädter Ueberfuhr (12 Seh.); — die kleine runde Kreuz- 
kirche in der Postgasse (G Gr.); — St. Andreas im Hofe des Klosters König- 
saal, in der Postgasse, (0); — AUerheiligencapelle (0); - — ■ St. Benedict im 
deutschen Hause in der Zeltnergasse (0); — St. Valentin in d. gleichuani. Gasse (0). 
C. In der JVcustadt: St. Adalbert (18 Gr.); — St. Peter am Poric 
(15 Gr.); — St. Clemens am Pofic (5 Gr.); —- St. Wenzel unter dem Zde- 
ras (12 Gr.); — ■ St. Stephan im ehemaligen dem deutschen Orden gehörigen Dorfe 
Kybnicek (0); — St. Heinrich (0) mit dem Altaristen des xVltars St, Procop. 

d. Auf der KlchlSCite: St. Nicolaus (2 Seh.) mit den Altaristeustellen 
der Altäre SS. Peter und Paul; — St. Peter auf der Insel (36 Seh.); — • St. Johann 
am Augezd neben dern Melniker Propsteigarten, (24 Gr.); — St. Michael unter 
dem Schlosse, (15 Gr.); — St. Michael in den Melonengärten (Jesuitengarten) 

(12 Gr.); St. Martin in der Spornergasse (6 Gr.); ■ — St. Wenzel (6 Gr.); 

St. Laurenz am Augezd (0) mit den Altaristeustellen der Altäre der hh. Landes- 
patrone, SS. Simon und Juda,. SS. Katharina und Dorothea, St. Maria, St. Anna 
Nr. 1, St. Anua Nr. 2; — St. Johann am Augezd, zur Dompropstei gehörig (0). 

e. Nebstdem noch: St. Michael unterm Wysehrad (2 Seh.); — ^ St. Pan- 
kraz in Krusina (21 Gr.); — St. Maria am Spitale unterm Wj^sehrad (21 Gr); 
die Kirche in Ovenec (15 Gr.); — St. Johann in Obora (12 Gr.) ; — St. 
Jacoh bei der Karthause (6 Gr.); — St. Nikolaus in Podskal (3 Gr.); — 
St. Johann in Podskal (3 Gr.); — die Kirche in Psary unterm Wysehrad, 
)2 Gr.) ;— St. Adalbert in Podskal (0); — die Kirche in Buben (0). — 

2. Decanat Beneschau. 

Benesow (1 Seh. 24 Gr.), Pofici (45 Gr.), Netwofice (38 Gr.), Neweldow 
(28 Gr.), Tynec (24 Gr.), Janowice (24 Gr.), Bystrice (24 Gr.), Ledec (21 Gr.), 
Marsowice (18 Gr.), Bolice (18 Gr.), üjezd (15 Gr.), Olbramowice (15 Gr.), Ziwhost 
(15 Gr.), Martinice (15 Gr,), Chwojenec (12 Gr.), Chrast (9 Gr.), Tozice (9 Gr.), 
Ujezdec (9 Gr.), Wladislawice (9 Gr.), Kostelec, Balkowice. 

3. Decanat Rican. 

Jilowe (45 Gr.), Ricany (30 Gr.), Zlatniky (30 Gr.), Slu.stice (30 Gr.), 
Oleska (25 Gr.), Sestlice (24 Gr.), Otice (18 Gr.), Pruhonice (18 Gr.), Tehow (18 Gr.), 
Popowice (18 Gr.), Hostiwaf (18 Gr.), Bfeza (15 Gr.), Dubec (15 Gr.), Kralowice, 
(15 Gr.), Zabehlice (15 Gr.), Kostelec am Kreuze (15 Gr.), Modfany (12 Gr.), 
Hrncife (12 Gr.), Lybef (12 Gr.), Jercany (12 Gr.), Kamenec (12 Gr.), Petrowice, 
(12 Gr.), Adamowice (9 Gr.) Uhfinöwes (9 Gr.), Kolowat (9 Gr.), Popowicky (9 Gr.), 
Wrany (9 Gr.), Kunice (8 Gr.), Wrsowice (7 Gr.), Kuntratice (6 Gr.), Lipany (6 Gr.), 
Zezlowice (6 Gr.). 

4. Decanat Ofechow. 

Dobnchowice (60 Gr.). Unhost (45 Gr.), Hostoun (30 Gr.), Hadotin (30 Gr.), 
Slapy (24 Gr.), Horelice (24 Gr.), St. Gallus bei Königsaal (24 Gr.), Stodolky 



381 

(24 Gr.), Tachlowice (21 Gr.), (18 Gr.), Uhonice (18 Gr.), TuchomöHce (15 Gr.), 
Krten (15 Gr.), Sliwenec (15 Gr.), Mokropsy (12 Gr.) Orci'll (12 Gr.), Liboc (12 
Gr.), Reporyje (10 Gr.), Chuchle (9 Gr.), Tfebotow (9 Gr.), Cernesice (9 Gr.), 
Kopanina (9 Gr.), Ceriiomice (9 Gr.), Swarow (9 Gr.),. Stfedokluky (8 Gr.), Zelezna 
(7 Gr.), Butowice (7 Gr.), Zlecliow (6 Gr.), Lodenice (G Gr.), Lestuice (4 Gr.), Ji- 
]owistö (2 Gr.), Trnowa (2 Gr.), St. Kilian auf der In.se], St. Iwan (Spelunca), Karl- 
stein, Mofiny, Ujezdec (Sarka), Zepy. 

5. Deeanat Podbrdy (unter dem Brdywalde). 

BerouH (2 Soh.), Zdic (36 Gr.), Tetin (36 Gr.), Praskoles (35 Gr.), Bez- 
dödice (38 Gr.), Knin (32 Gr.), Neumetely (30 Gr.), Welis (Propstei, 28 Gr.), 
Zebrak (24 Gr.), Hofewice (24 Gr.), Zbirop (24 Gr.), Cerbowice (24 Gr.), Heiligen- 
feld (18 Gr.), Mrfcniky (18 Gr.), Llteü (18 Gr.). Tman (18 Gr.), SMipel (17 Gr.) 
Rewnice (15 Gr.), Lochowice (12 Gr.) Pocaply (12 Gr.), Wseradlce (12 Gr.), 
Jince (12 Gr.), Borek (8 Gr.), Mnisek (6 Gr.), Rebfik (2 Gr.), Picina, Kytin, 
Lbota dlouha. 



Siehe §. 24. 
Siehe §. 24. 



6. Decanat Bakownik (Rakonitz). 
7. Deoanat Slan^ (Schlan). 



8. Decanat Rip (Georgsberg.) 

Kaudllitz f, Kmetinewes (1 Seh.), Charwatec (1 Seh.), Welwary (48 Gr.), 
Luzec (42 Gr.), Nehahozewes (Mühlhausen, 36 Gr.) Hospozin, (36 Gr.), Minie (27 Gr.), 
Unetice (24 Gr.), Holubice (21 Gr.), Malowary (21 Gr.), Citow (21 Gr.), Wlinewes 
(21 Gr.), Cernucec (18 Gr.), Neutornice (18 Gr.), Chrziu (18 Gr.), R i p (18 Gr.), Budec 
(16 Gr.), Libcice (16 Gr.), Wrbna (15 Gr.), Wepirec (15 Gr.), Hradec (15 Gr.), 
Citow Joannis (? 15 Gr.), Pocaply (12 Gr.), Strazkow (12 Gr.), Slatina (12 Gr.), 
Wskury (12 Gr.), Hobsowice (12 Gr.), Ledcice (12 Gr.), Zemeeby (9 Gr.), Cernuc 
(Tursko, 9 Gr.), Nabdin (9 Gr;), Bechlin (9 Gr.), Swrkyne (8 Gr.), Nizebohy (8 Gr.), 
Kostomlaty, Racinewes. 

9. Decanat Chlumin. 

Klecany (32 Gr.), Odolena woda (30 Gr.), Chwateruby (24 Gr.), Kojetice 
(18 Gr.), Welika wes (Grossdorf 16 Gr.), Libeznice (16 Gr.), Pakomilice (16 Gr.), 
Weltrusy (15 Gr.), Obnstwl (15 Gr.), Chllllllill (15 Gr.), Hostin 14 Gr.), Donicka 
(längst von der Moldau überfluthet, (12 Gr.), Lobkowice (12 Gr.), Chabry (10 Gr.), 
Bojmice (9 Gr.), Libis (9 Gr.), Semilkowice (9 Gr.), Bukol (9 Gr.), Zdiby (9 Gr.). 

10. Decanat Brandeis. 

Braiideis (1 Seh. 15. Gr.), Kostelec (1 Seh. 8 Gr.),Kyje f (1 Seh.), Winof 
(45 Gr.), Prosek (30 Gr.), Cakowice (26 Gr.), Litoznice (26 Gr.), Mochow (24 Gr.), 
Pocernice (24 Gr.), Dfewcice (21 Gr.), Swemyslice (21 Gr.), Sluhy (21 Gr.), Cela- 
kovice (18 Gr.), Zapy (18 Gr.), Wysehorewice (17 Gr.), Jirny (15 Gr..), Nelwizdy 



382 

(12 Gr.), Ujezd? (12 Gr.), Swrcowice (12 Gr.), Tfeboratice (12 Gr.), Howorcewes 
(11 Gr.), Hlaupetin (9 Gr.), Hradek (6 Gr.). 

IL Arehidlacoiiat Kauriiii. 

1. Decanat Kaiifim. 

Kaili-im (2 Seh.), Dobrichow (48 Gr.), Planany (46 Gr.), Bühmisclibrod (40 Gr.), 
Zasmuky (36 Gr.), Woderady (33 Gr.), Chwatlina (33 Gr.), Kaunice (30 Gr.), WyticG 
(30 Gr!), Pfistaiipim (SO Gr.), Wrbican (30 Gr.), Zabonosy (30 Gr.), Pysely (24 Gr.). 
Seraice (24 Gr.), Chrustoklaty (24 Gr.), Uzice (24 Gr.), Malejowice (24 Gr.), Skraminky 
(24 Gr.), Horka (21 Gr.), Radesin (21 Gr.), Hvusice (21 Gr.), Stfimelice (21 Gr.), 
Drahobudice (21 Gr.), Maletice (18 Gr.), Tfebowle (Tribulatio, 18 Gr.), Solopisk 
(18 Gr.), Kruty(18 Gr.), Konojedy (18 Gr.^, Mnicliowice (18 Gr.), Poficany (18 Gr.), 
Skwrnejow (18 Gr.), Kowanice (18 Gr,), Cliotaun (15 Gr.), Kosice (15 Gr.), Bylany 
(15 Gr.), Befice (13 Gr.), Tukleky (12 Gr.), Zitimif (12 Gr.), Krsowice (12 Gr.), 
Lstibof (12 Gr.), Eataje (12 Gr.), Podweky (12 Gr.), Chocerady (12 Gr.), Kohljano- 
wic (12 Gr.), Mukafow (12 Gr.), Wawfenice (12 Gr.), Lliota (12 Gr.), Rateuice 
(10 Gr.), Tismice (10 Gr.), Dobren (9 Gr.), Swoysice (9 Gr.), Welinky (9 Gr.), 
Udasin (9 Gr.), Zisow (9 Gr.), Schwarzkostelec (9 Gr.), Kozojedy (9 Gr.), Oleska 
(9 Gr.), llowny (9 Gr.), Zdanice (6 Gr.), Jindice (6 Gr.), Ondfejow (5), Kfi (3), 
Bfistwy, Skalice, Stojmiry (Stolmire). 

2. Decanat Koliu. 

Neukolin (2 Seh.), Altkolin (36 Gr.), Kbel (36 Gr.), Zehaun (21 Gr.), Zizelice 
(21 Gr.), No-wäwes (18 Gr.), Pnew (18 Gr.), Zibohlawy (18 Gr.), Owcary (15 Gr.), 
Kfec stara (15 Gr.), Welyne (15 Gr., ebenda auch St. Peter, St. Martin und St. 
Prokop), Losany (12 Gr.), Pfedhradi (12 Gr.), Pecky (12 Gr.), Chotenice (12 Gr.), 
Koncice (12 Gr.), Zabofi (12 Gr.) Ratinice (18 Gr.), Mechowice (9 Gr.), Jezefany 
(? 9 Gr.), Sany (9 Gr.), Rosochy (8 Gr.), Bychory (6 Gr.), Ratibof (6 Gr.), Kona- 
i-owice (6 Gr.), Sehuice (6 Gr.), Kladruby (6 Gr.), Weletov (6 Gr.), Kolesow (5 Gr.), 
Chotojowice. 

3. Decanat Deutsclibrod. 

Pohia (1 Seh.), Slapanice (45 Gr.), Swotla (36 Gr.), Deiltsclibrod (36 Gr.), 
Nizkow (36 Gr.), Nebowidy (36 Gr.), Chotebof (30 Gr.), BoLi (30 Gr.), Smrdow 
(21 Gr.), Libec (21 Gr.), Krucenburg (18 Gr,), Krupa (15 Gr.), Pfibislaw (15 Gr.), 
Borowa (15 Gr.), Ciliost (12 Gr.), Losenice (12 Gr.), Habry (9 Gr.), Studenec (de 
fönte 9 Gr.), Lucice (9 Gr.), Stoky (de truncis, 9 Gr.), Dhauha wes (8 Gr.), Polom 
(6 Gr.), Skuhrow (6 Gr.), Dobronice (6 Gr.), Minichsberg (5 Gr.), Radonow (4 Gr.), 
Cachotin (3 Gr.), Schönfeld (3 Gr.), Soboty (3 Gr.), Bunaw (Zwojenow), Bucliberg 
(mens fagi ?), Brunislaw?, Knez, Sw. Kfiz, Prawnow ?, Ronow. 

4. Decanat Recic (Bischof-ßeöic). 

Pilgram (Pelhfimow 1 Seh.), Horepnik (1 Seh.), Cerekwice nowa biskupowa 
(15 Gr.), Lipnice (18 Gr.), Humpolec (36 Gr.), Gross Bischof - Äecic (30 Gr.), 



383 

Glwojnow (27 Gr.), St. Peter bei Selau (24 Gr.), Wyskytna biskupowa (22 Gr.), 
Snöt (21 Gr.), Jezow (21 Gr.), Bozejow (49 Gr.), Klein Recic (18 Gr.), Kfesin 
(18 Gr.), Senozaty (18 Gr.), Lipnice (Filiale, 16 Gr.), Schönberg (15 Gr.), Jifice 15 Gr.), 
Bynarec (15 Gr.), Briste (15 Gr.), Gishibel (15 Gr.), Wojislawice, (15 Gr.), Rich- 
now (15 Gr.), Lukawec (Branko-wice, 15 Gr.), Zahradka (15 Gr.), Branizo-w (12 Gr.), 
Cerekwice Dobeso-wa (Tobiae 12 Gr.), Onsow, 2 Pfarren (je 11 Gr.), Mezilesi (9 Gr.), 
Skala (9 Gr.), Usobi (6 Gr.), Libkowa woda (6 Gr.), Kosetice (6 Gr.), Luke (6 Gr.), 
Bufenice (6 Gr.), Rowne (6 Gr.), Ustrasin (6 Gr.), Dusendorf (Dusejo-w 4 Gr.), 
Schönfeld (3 Gr.), Simonsdorf (Simmersdorf, Smrcna 3 Gr.), Cerekwice mensi (3 Gr.), 
Kalistö (2 Gr.), Lidman, Heralec, Luznice (?), Neustift. 

5. Decanat Caslau. 

Malin mit Kuttenberg (4 Scb,), Ciislail (2 Seh.), Pnewic (1 Seh. 12 Gr.), 
Elbteinitz (1 Seh, 9 Gr.), Libeznice (Grund, in valle b.M. V. 52 Gr.), Markowice (38 Gr.), 
Hoch-Wysoka (35 Gr.), S. Jacobsberg (34 Gr.), S. Sigmund in Caslau (30 Gr.), 
Starkoc (30 Gr.), Suchdol (30 Gr.), Ronow (Protiwenice 30 Gr.), Hefman (27 Gr.), 
Lipoltice (27 Gr.), Bykaü (27 Gr.), Trebonin (24), Jenikow(24 Gr.), Okfesanec (24 Gr.), 
Wilemow (24 Gr.), Bora (21.), Pribram uhelna (21 Gr.), Chotusice (18 Gr.), Kluky 
(18 Gr.), Bucice (18 Gr.), Bracice (18 Gr.), Zbislaw (18 Gr.), Kfesetice (15 Gr.), 
Tchofowy (15 Gr ), Horka (12 Gr.), Kojice (12 Gr.), Lochy (12 Gr.), Zelmsice 12 Gr.), 
Zdechowice(12 Gr.), Janowice (cervene), (12 Gr.), Bestwina (12 Gr.), Hradek (?10 Gr.), 
Cirkwice (9 Gr.), Widice (9 Gr.), Wicemilice (9 Gr.), Potehy (9 Gr.), Stusyne (bei 
Knezic (9 Gr.), Dobrotiwow [9 Gr.), Hefmanice (9 Gr.), Kozohledy (nova plantatio, 
9 Gr.), Bojmany (9 Gr.), Wlkanec (9 Gr.), Recenany (6 Gr.), Krchleby (6 Gr.), 
Wilemowice (6 Gr.), Petrowice (6 Gr.), Michalowice (6 Gr.), Turkowice (6 Gr.), 
Zbysow (Probstei), Pribislawice. 

6. Decanat §tepanow. 

Nacerac (42 Gr.), Stepauow (36 Gr.), Kfiwsudow (36 Gr.), Zdislawice 
36 Gr.), Wlasim (36 Gr.), Neustupow (34 Gr.), Ledec (34 Gr.), Neu Kralowice (82 
Gr.), Diwisow 32 Gr.), Keblow (30 Gr.), Zbraslawice (27. Gr.), Zruce (27 Gr.), 
Chotysany (24 Gr.) Cestinkostel (24 Gr.), Okruhlice (24 Gr.). Kacow (24 Gr.). 
Pertoltice (21 Gr.), Radosowice (18 Gr.), Wranow (18 Gr.), Soutice (18 Gr.), 
Hnöwkowice (18 Gr.), Popowice (18 Gr.), Neswacily (18 Gr.), Kondratce (18 Gr.), 
Tehow (18 Gr.), Albenice (15 Gr.), Borowsko (15 Gr.), Borownice (15 Gr.) Kozmice 
(15 Gr.), Chwojno (15 Gr.), Slapanow (15 Gr.), Postupice (15 Gr.), Rehutowice (12 Gr.), 
Chfenowice (12 Gr.), Pobipsy (12 Gr.), Bohdanec (12 Gr.), Zdebuzewe.s (12 Gr.), Pet- 
rowice (12 Gr.), Zhof (12 Gr.), Mechn<!Jow (11 Gr.), Hodkow(ll Gr.), Ratmefice (10 Gr.), 
Cechtice (9 Gr.), Slawosow (9 Gr.), Teplisowice (9 Gr.), Otryby (9 Gr.), Kozly (9 Gr.), 
Wseborice (9 Gr.), Mnichowice (9 Gr.), Lstoni (9 Gr.); Hradek (9 Gr.), Debrnik (9 Gr.), 
Libauii (9 Gr.), Domasin (9 Gr.), Hradiste bei Hradek (9 Gr.), Jankow (6 Gr.), 
Welis (6 Gr.), Psafe (6 Gr.), Sobesin (6 Gr.), Tfebötin (6 Gr.), Bedfichowice (6 Gr.), 
Sacany (6 Gr.), Prawonin (3 Gr.), Kloster Lunowic, Hradiste, Odi-anec, 
Solopisky. 



384 



III. Arehidiacoiiat Bcchin. 

1. Decanat Bechin. 

Netolice (3. Scli. 6 Gr.), Biulweis (2 Scli. 6 Gr.), Pisek (2 Scli.), Wodimu (1 Seh.), 
Gross-Horka (40 Gr.), Zimutice (35 Gr.), Pistin (33 Gr.), Mydlowary (Wawfince30Gr.), 
Bosilce(OGr.),Hodusin (30 Gr.), Klein Horka (30 Gr.), Hosip (30 Gr.), Bernartice (26 Gr.), 
Sepekow (24 Gr.), Dobroliost (24 Gr.), Dnbne (24 Gr.), Zaliofi (22 Gr.), Sudo- 
mefice (21 Gr.), Malsice (21 Gr.), Clirastauy (20 Gr.), Lisow (20 Gr.), Becliin 
(18 Gr.), Drazice (18 Gr.), Clielcice (18 Gr.), Nüincice (18 Gr.), Ober-JBukowsko^ 
(18 Gr.), Ledenice (18 Gr.), Sewetin (18 Gr.) Oslow (18 Gr.), Hlawatce (18 Gr.), 
Putim (18 Gr.), Cerwena (Rotlikirclieu, rufa ecclesia 18 Gr.), Nakfi (16 Gr.), Kftenow 
(15 Gr.), Albreclitice (12 Gr.), Cakow (12 Gr.), Kostelec (9 Gr.), Mysenec (9 Gr.), 
Strycice(6 Gr.), Hataje (6 Gr.), Stadt Unter-Bukowsko (4 Gr.), Hefraan (Propstei), 
Bylow, Krce, Dobronice, Driteii, Karlsliaus (?), Kloster Milewsko (Mülilhausen), No- 
wosedly, Purkarec, Moldauteiu, Zaliaji. 

2, Moldauer Decanat. 

Miiicin (2 Scli.), Jistebnice (1 Seh. 10 Gr.), Kostelec (bei Jistebnic, 46 Gr.), 
Nechwalice (vicarius perpetuus, 46 Gr.), Prcice (38 Gr.), Kosowa hora (30 Gr.), Jese- 
nice (30 Gr.), Sedlec (30 Gr.), Karemberg (Kamberg 26 Gr.), Sedlcaiiy (24 Gr.), 
Pocepice (24 Gr.), Lazice ( ? 24 Gr.), Chyska (24 Gr.), Sebifow (24 Gr.), Choto- 
winy (24 Gr.), Gross-Oldfichow (21 Gr.), Äruostowice (21 Gr.), Lasowice (21 Gr.), 
Wozice (21 Gr.), Kfecowice (20 Gr.), Schüuberg (18 Gr.), Wojkow (15 Gr.), 
Hodetice (15 Gr.), Otice (15 Gr.), Hostice (15 Gr.), Petrowice (15 Gr.), Janow (15 
Gr.), Sti-ezimfi (15 Gr.), Kowafow (15 Cli), Grhun, (12 Gr.), Hory (Smilowy, 9 Gr.). 
Preboi-ice (9 Gr.), Obidenice (9 Gr.), Klucenice (9 Gr.), HIasiwo (9 Gr.), Klein-01- 
dfichow (alias Meudicus = Zebrak, 5 Gr.), Blanice (3 Gr.), Nechwalice (1 Gr.), 
Dublewice Borotin, Nowa wes. 

Anmerkung. Die Propstei Kostelec liegt nach Palackys Nachweisung: 
Casop. cesk. Mus. 1850 II. 15 und 16 im Pilsner Decanate. 

3. Deeanat Chynow. 

Neuliaus (Deutschherren, 8 Seh.), Recice (Kardasowa, 1 Seh. 10 Gr.), Austi 
(Sezimowo 1 Seh. 5 Gr.), Destna (45 Gr.), Techobuz (40 Gr.), Plana (40 Gr.), Ka- 
menice (34 Gr.), Pocatky (40 Gr.), Jarosow (30 Gr.), Stepanowice (30 Gr.), Straz (30 Gr.) 
Sobeslaw (SO Gr.), Pacow (28 Gr.), Wesely (24 Gr.), Drahow (24 Gr.), CliyilOW 
(21 Gr.), Klokoty (20 Gr.), Nedwedice (18 Gr.), Cetoraz (18 Gr.), Posna (18 Gr.), 
Tucapy (15 Gr.), Ratibofice (15 Gr.), Töchobuzi (15 Gr.), Radaun (15 Gr.), Lomnice 
(15 Gr.) Skalice (12 Gr.) Mnich (12 Gr.), Obratany (12 Gr.), Dobesow (12 Gr.), 
Nowosedly (12 Gr.), Cetoraz (10 Gr.), Zhof (11 Gr.), Kfec (9 Gr.), Radenin (9 Gr.), 
Hroby (9 Gr.), Pohnany (9 Gr.), AVezne (9 Gr.), Pöna horny (Pomerium, 7 Gr.), 
Blazejow (Blasiislag 7 Gr.), Chustnik (7 Gr.), Budislaw (6 Gr.), Stramia (6 Gr.), 
Prasiw£i (6 Gr.), Hertwikow (6 Gr.), Castrow (4 Gr.), Tömina Kamenice (3 Gr.), 
Slowcnice (3 Gr.), Tfebon (Wittingau, Kloster), Cernetiee (Filiale von Dobesow), 



385 



Mladosowice, Cachoiuoi- (Ciiner), Ziro'wnice, Draliow, Dirne, Kamonice, Lodhevo-w, 
Lutowa. 

4, Decanat Dudleby. 

Swiiiy (trhowe, 1 Scli. 6 Gr.). Kriimau (Krumlow, 50 Gr.), Kaplice (48 Gr.), 
Ujezd (kamenny, 39 Gr.), Kajow (34 Gr.), Stropnice (30 Gr.), Boletice (30 Gr.), 
Rosenberg (24 Gr.), Welcsin (24 Gr.), Dudleby (21 Gr.), Hofice (21 Gr.), Cer- 
nice (21 Gr.), Rosentlial (Roznaital 21 Gr.), Malsiny (Myslany 21 Gr.), Sweraz (21 G.), 
Eorowany (21 Gr.), Pfidoli (21 Gr.), Deutsch- Reichenau (18 Gr.), Böhmiscli-Rei- 
clienau (18 Gr.), Sobenow (18 Gr.). Holienfurtli (Kloster, 18 Gr), Stfizow (18 Gr.), 
Clilum (Rfemze, 15 Gr.), Borsow (15 Gr.), Chwalsiny (15 Gr.), Blanske (15 Gr.), 
Benesow (15 Gr.), Swetlik (Kirchslag, 6 Gr.), Zumberk (6 Gr.), Menoslaw (?, 6 Gr.), 
Ktis (6 Gr.), Frimburg (6 Gr.), Greczen (Nove Hrady, 5 Gr.), Dwofiste horni (Bor, 
Merica Rinoldi), Zaton (Propstei von Ostrow), Cetwina, Dwofiste dolni (Merica), 
Plana (de monte Vitconis), Hersow, FreudenthaJ, Chroboly, Kugelweit, Malonty, 
Slawkow, Witigenliausen (S. Thomas), "VVltawice dolni, Zbitiny. 

5. Decanat Wolyn. 

Prachatice (1 Seh. 12 Gr.), Wolyiie (1 Seh.), Cestice (42 Gr.), Baworow 
(mit der Filiale Blanice 35 Gr.), Jenin (32 Gr.), Piracow (30 Gr.), Pfedslawice (30 Gr.), 
Bilskö (24 Gr.), Bfezi Wlachowo (24 Gr.), Bohumilice (mit Winterberg 21 Gr.), 
Laziste (18 Gr.), Malenice (15 Gr.), Laz (S. Maria, 15 Gr.), Zablati (12 Gr.), Ste- 
ken (9 Gr.), Kraselow (9 Gr.), Zdikow (9 Gr.), Dobrs (6 Gr.), Strunkowice (6 Gr.), 
S. Adalbert (Lstöni 6 Gr.), WacQW (6 Gr.), Cejetice (5 Gr.), Hostice (5 Gr.), Ckyne 
(5 Gr.), Lhenice, Nicow, Witejo-wice. 

6. Decanat Bozen. 

Mitrowice (38 Gr.), Bubowice (36 Gr.), Chrastice (SO Gr.), Mirotice (30 Gr.), 
Radomysl (30 Gr,),Kasejowice (30 Gr.), Rosenthal (Rozmital, 30 Gr.), Blatna (24 Gr.), 
Tochowice (21 Gr.), Stare Sedlo (Antiqua Sella, 21 Gr.), Radobytce (21 Gr.), Hwoz- 
d'any (19 Gr.), Strazistö (18 Gr.), Pohofi (18 Gr.), Pasteky (18 Gr.), Lnafe (18 Gr.), 
Chauowice (18 Gr,), Sedlec (17 Gr.), Rakowice (15 Gr.), Kocelowice (15 Gr.), Böl- 
cice (15 Gr.), Borotice (12 Gr.), Cerniwsko (12 Gr.), Pfibram (12 Gr.), Bezde- 
kow (12 Gr.), Kamyk (12 Gr.), Budislavrice (9 Gr.), Tfebsko (8 Gr.), Kadow (7 Gr.), 
Tbity (6 Gr.), Zasanice (Resanice, 6 Gr.), Pecice (6 Gr.), Chotaun (6 Gr.), Ujezdec 
(6 Gr.), Töchnic (6 Gr.), Wisnowa (6 Gr.), Sliwice, Bohutin, Zaluzany. 

7. Decanat Praeliin. 

Berg-Reichenstein (Kasperskc hory, 1 Seh. 42 Gr.), Nezamyslice (alba eccle- 
sia, 30 Gr.), Wolonice (30 Gr.), Bor wetsf (27 Gr.), Bor mens! (24 Gr.), Zabof 
(18 Gr.), Kwasenowice (18 Gr.), Nowe Mesto (Neustadt 18 Gr.), Albrechtice (18 Gr.), 
Bukownik (18 Gr.), Zaweklow (18 Gr.), Wzduny (18 Gr.), Weihartice (16 Gr.), 
Su.sice (Sicca, 15 Gr.), Petrowice (15 Gr.), Zbj'nice (15 Gr.), Zboro-wice (15 Gr.), 
Hostice (15 Gr.), Praclicn (12 Gr.), Radesice (12 Gr.), Repice (12 Gr.), Dlouha- 
Aves (Longa A-illa, 12 Gr.), Katowice (11 Gr.), Budetice (9 Gr.), Zihobce (8 Gr.), 

25 



386 

Mlazow (G Gr.), Strasiii ((3 Gr.), Swojsice ((> Gr.), Kolincc (6 Gr.), Horazdowice, 
Rajsko, Strakonice, Teclionice. 

IV. Archidiacoiiat Pilsen. 

Decanat Pilsen. 

Neu-l'ilseu (2 Seh.), Wseruby (1 Seh. 15 Gr), Lestany (30 Gr.), Litice 
(30 Gr.), Jezdna (30 Gr.), Sekyfany (30 Gr.), Oprnice (30 Gr.), Ledce (30 Gr.), 
Tuskow (Propstei von Kladrau , 30 Gr.), Kostelec (S. Georg bei Pilsen, Propstei, 
von Brewnow, 30 Gr.), Chwalenice (21 Gr.), Krasowice (21 Gr.), Malesice (18 Gr.) 
Dobfany (18 Gr.), Böla (15 Gr.), Alt-Pilsen (15 Gr.), Chotikow (15 Gr.), Unesow 
(15 Gr.), Kozolupy (12 Gr.), Bfezi (12 Gr.), Sulislaw (12 Gr.), Loza (6 Gr.), 
Tis (? G Gr.), Drustowa. 

2. Decanat Eokyean. 

Rokycany, Dysina (1 Seh.), Radnice (36 Gr.), Drahonüw Ujezd (36 Gr.), 
Myto (Miita, 30 Gr.), Zwikowec (24 Gr.), Baecice (21 Gr.), Stupno (horni 18 Gr.), 
Osek (18 Gr.), Ojeuice (15 Gr.), Cijewice (15 Gr.), Plana (15 Gr.), Obora (15 Gr.), 
Mesuo (15 Gr.), Chemie (15 Gr.), Kozöjedy (15 Gr.), Nezv('stice (12 Gr.), Zaka- 
wa (12 Gr.), Kostelec (12 Gr.), Zdemyslice (12 Gr.), Setec (12 Gr.), Ujezdec 
(S,Kfize.9 Gr.), Pfiwötec (9 Gr.), Pofice (9 Gr.), Cicow (8 Gr.), Chylice? (8 Gr.), 
Tenowice (6 Gr.), Skofice (6 Gr.), Strasetice (2 Gr.), Lhota (dlouha 2 Gr.) 

3. Decanat Klattan. 

Kl'attau (2 Seh. 15 Gr.), Pfestice (Propstei von Kladrau, 1 Seh.), BIo- 
wice (36 Gr.), Pomuk (30 Gr.), Strazow (24 Gr.), Swihow (24 Gr.), Mecin (21 Gr.), 
Planice (21 Gr.), Chudenice (21 Gr.), Zinkowy (21 Gr.), Wfeskowiee (21 Gr.), 
, Nyrsko (18 Gr.), Dne.sice (18 Gr.), Janowiee (18 Gr.), Myslewo (15 Gr.), Wrcany 
(15 Gr.), Polen (15 Gr.), Predslaw (15 Gr.), Zd'ar (15 Gr.), Prusiny (15 Gr.), Le- 
tiny (15 Gr.), Tynec (12 Gr.), Kydlyni (12 Gr.), Milec (12 Gr.), Cizkow (12 Gr.), 
Desenice (12 Gr.), Dolany (12 Gr.), Nemcice (12 Gr.), Horsice (12 Gr.), Zdebofice 
(9 Gr.), Bechafow (9 Gr.), Buznowice (? 9 Gr.), Kbely (6 Gr.), Lukawice (6 Gr.), 
Cachrow (6 Gr)., Stepanowice (6 Gr.), üloh (Prusiny 6 Gr.), Luby (6 Gr.), Nezdiee 
(4 Gr.), Wicow (3 G.), Chlistow (3 Gr.), Krcin, Habartice, Zborow. 

V. Archidiacoiiat Ilorsow. 

Decanat Horsow. 

Domazüee (Tusta, Tauss, 1 Seh. 24 Gr.), Swatost bei Tauss (40 Gr.), 
Chotesow (40 Gr.), lIor.sow (34 Gr.), Stahkow (26 Gr.), Straz (26 Gr.), Tauskow 

(Hartmanuw (24 Gr.), Skapee (19 Gr.), Kdyne (19 Gr.), Meinice (19 Gr.), Bu- 

kowee (19 Gr.), Srbiee (19 Gr.)-, Stitary (18 Gr.), Ujezd sw. Kfize (17 Gr.), 

Meclow (16 Gr.), Hlohowa (16 Gr.), Laucim (16 Gr.), Uboc dolni (16 Gr.), 

Merklin (IG Gr.), Holisow (15 Gr.), Bukowa (15 Gr.), Hostouii (15 Gr.), 

Pfestavlky (14 Gr.), Blizejow (14 Gr.), Stanetice (14 Gr.), Lstöni (14 Gr.), 



387 

Hora sw. Waclawa (U Cn:), OsAvracin (14 Gr.), Mii-kow (14 Gr.), Sitbof (11 Gr.), 
Stare sedlo (Antiqua sella, Altsattel, 11 Gr.), Bernartice (11 Gr.), Pfimda (11 Gr.), 
Semöwice (9 Gr.), Mutenin (8 Gr.), Eacow (8 Gr.), Cecowice (8 Gr.), Bijedly (8 Gr.), 
Krakow (8 Gr.), Dubec (8 Gr.), Hradce (8 Gr.), Tfebnice (7 Gr.), Uboc horni 
(6 Gr.) , Rokosin (S. Georgen, 6 Gr.) , Tyn (bei Hofo-w , erzbiscli. Scliloss) , S. 
Catbarina (Kapelle '!) , S. Laurenz (auf dem Schlosse Bor) , Kolowce , Kostelec 
(bei Cliotösow), Prostibof, Waltifow, Zdaniily (?). 

VI. Arcliidiacoiiat Köiiiggrätz. 

1. Decanat Königgrätz (Hradec). 

Königg'i'iifz (Hradec Kralowe, li. Geist 2 Scb.), Altarist bei S. Leonard da- 
selbst (21 Gr..), Libcany (38 Gr.), Miletin (30 Gr.), Slakendorf (Cernilow 
(27 Gr.), Dohalice (21 Gr.), Petrowice (21 Gr.), Osice (18 Gr.), KiJnigswald 
(Mezii-ici 18 Gr.), Hohenbruck ( Tfebecbowice 18-Gr. ), Neclianice (18 Gr.), 
Chwojno (18 Gr.), Dfitec (15 Gr.), Kunetice (15 Gr.), Skalice (15 Gr.), Lo- 
cbynice (15 Gr.), Milewice (15 Gr.), Zdanice (15 Gr.), Wsestary (15 Gr.), Bela 
(15 Gr.), S. Peter in Königgrätz (12 Gr.), Ziwanice (12 Gr.), Rosice (12 Gr.), 
Dobi-enice (12 Gr.), Hefmanice (12 Gr.), Chlum (12 Gr.), Bolidanec (12 Gr.), 
Kratonohy (12 Gr.), Dubenec (12 Gr.), Hofinewes (12 Gr.), Hnevcewes (12 Gr.), 
Zwole (12 Gr.), Hofice (10 Gr.), Swety (10 Gr.), Rossberg (Jasena, 9 Gr.), 
Sedrazice (9 Gr.), S. Martin in Königgrätz (Vorstadt 9 Gr.), S. Jacob in Kö- 
niggrätz (9 Gr.), Probluz (9 Gr.), Holohlawy (9 Gr.), Nedeliste (9 Gr.), 
Ples (9 Gr.), Policany (9 Gr.), Jefice (9 Gr.), Chotebofice (9 Gr.), Hrädek (6 Gr.), 
Stözery (6 Gr.), Semonice (6 Gr.) , Ujezd -wysoky (6 Gr.) , Zizelewes (6 Gr.), 
Strakotiu (6 Gr.), Albrechtice (5 Gr.), Habfina (4 Gr.), Byste (4 Gr.), Brusnice horni 
(4 Gr.) , Sucha (4 Gr.) , Jaromif (Kloster der Regularkanoniker von S. Au- 
gustin), Libcice (0), Krnejowice (0), Semin (0), Bystre (Waltersdorf, 0), Cerek- 
vice, Cebuz, Lanzow, Lochynice, Rohenice, Tfemesna bilä, Tfemesna cerwenä, Wi- 
donice , Wfestow, Zaluiiov. 

2. Deeanat Jiein. 

Siehe §. 24. 

3. Decanat Bydzow. 

Smidary (48 Gr.) , Chlumec (36 Gr.) , Zlunice (21 Gr.) , Luhy (21 Gr.), 
•Luice (21 Gr.), Bydzow (18 Gr.), Kozojedy (15 Gr.), Hradystko (15 Gr.), 
Wäpno (15 Gr.), Altwasser (Stara woda, 15 Gr.), Lowcice (15 Gr.), Welezice (15 Gr.), 
Wesele (Wysoke, 15 Gr.), Chraustow (15 Gr.), Knözice (12 Gr.), Wlkow (12 Gr.), 
Slatiny (12 Gr.), Chomutice (12 Gr.), Lucina hora (12 Gr.), Wysocany (12 Gr.), 
Chodowice (12 Gr.), Sobcice (12 Gr.), SLatinky (9 Gr.), Mestce (kralowe, 9 Gr.), Ohni- 
stany (9 Gr.), Liskowice (9 Gr.), Babice (9 Gr.), Zahornice (6 Gr.), BohaTyne 
(6 G.), Wrsce (6 Gr.), Slowec (6 Gr.), Ujezd (6 Gr.), Metlicany (4 Gr.), Luzice 
(3 Gr.), Blizkow (3 Gr,), Berunice, Kfivany, Mstihnew (Stihnow), Ujezd svatojansky. 

4. Decanat Glatz. 

fi\atz f, Habeischwert (42 Gr.), Reingersdorf (Rengersdorf 39 Gr.), Hen- 
nigsdorf (Hansdorf? 30 Gr.), Wiinschelburg (Radkow, 30 Gr.), Schweidlersdorf 

25* 



388 

(Sclwedddorf, 24 Gr.), Niedersteine (18 Gr.), Obersteine (Mittelsteine, 18 Gr.), 
Ulrichsdorf (Ullersdorf, 18 Gr.), Gebhardsdorf (Gabersdorf, 18 Gr.), Wolflinsdorf 
(Wölfelsdorf, 18 Gr.), Neuenrode (16 Gr.), Biskupice (Pischkowitz, 14 Gr.), Lan- 
dek (12 Gr.), Kunzendorf (12 Gr.) , Wolpersdorf (11 Gr.), Waltersdorf (11 Gr.), 
Wilhelmsdorf (Alt-Wilmsdorf, 11 Gr.), Arnoldsdorf (Grafenort ? 11 Gr.), Loniuiz 
(10 Gr.), Tolmessendorf (Tunscliendorf, 9 Gr.), Eberhardsdorf (Ebersdorf bei Neu- 
rode, 9 Gr.), Reinharz (Dusniky, lleinerz, 9 Gr.), Eberhardsdorf (Ebersdorf, 9 Gr.), 
Eckardsdorf (Ecker&dorf, 9 Gr.), Langenau (9 Gr.), Kislingswald (8 Gr.), Wal- 
tersdorf (7 Gr.), Schlüge Isdorf (7 Gr.), Schreckersdorf (Schreckensdorf 5 G.), Kon- 
radswald (5 Gr.), Heinzendorf (3 Gr.), Mittelwald (3 Gr.), Königsheim (3 Gr.), 
Bertholdsdosf (Altz-Batzdorf, 3 Gr.), Reichenau (3 Gr.), Litwimvalde (Lichten- 
wald, 2 Gr), Winklersdorf (Winkeldorf, 2 Gr.), Sigfriedsdorf (Seifersdorf, 2 Gr.), 
Lauterbach, Schönwald. 

5. Deeanat Dobruska. 

Dobriiska (30 Gr.), Nachod (15 Gr.), Krcin (12 Gr.), Skalice ceskd (12 Gr.), 
Opocno (11 Gr.), Bohuslawice (9 Gr.), Solnice (9 Gr.), Cerncice (6 Gr.) , Pfe- 
pycliy (6 Gr.), Upice (6 Gr.), Chwalkowice (6 Gr.), Kostelec (5 Gr.), Cermna 
(in Glatz 6 Gr.), Grünau (Cernikowice, 4 Gr.) , Levin (in Glatz, 3 Gr.) , Sku- 
hrow (3 Gr.), Wodörady (3 Gr.), Dobenin (3 Gr.), Tfebesow (3 Gr.), Ujezd 
(bily, 3 Gr.), Starkow (3 Gr.), Hronow (3 Gr.), Hoficky (3 Gr.), Zalezly (3 Gr.), 
Dobr6 (3 Gr.), Slawonow (3 Gr.), Zakravi (2 Gr.), Hradek (2 Gr.), Bolmsin 
(2 Gr.), Wernefowice (ceske, horni 2 Gr.), Olesnice (0), Dobrany (0), Machov (0), 
Rtyne (0), Destna, Chwalec, ühriuow (veliky), 

6. Deeanat Königinhof. 

Dwui* krälowe (Königinhof, mit Hradiste Chustnikowo = Gradlitz 45 Gr.), 
Trutnow ( Trautenau, 30 Gr. ) , Wrchlabi ( Propstei von Opatowice 30 Gr. ), 
Arnau (Hostinne, 27 Gr.), Hermannseifen (18 Gr.), Trutnow (Spital 15 Gr.), 
Altenbucli (Antiqua Fagus, Stare Buky, 15 Gr.), Lanow (dolni 15 Gr.), Chotewice 
(15 Gr.), Trutnow (Dorf 12 Gr.), Brusnice (nemecka,'9 Gr.), Wikersdorf (? 8 Gr.), Jung- 
buch (Juvenis Fagus, mladö Buky, 8 Gr.), Pillungsdorf (Pilnikow, 7 Gr.), Olesna 
(6 Gr.), Bornflos (? wahrscheinlich Schatzlar, 5 Gr.), Kotziersdorf (Koclefow, 4 Gr.), 
Wlcice (4 Gr.), Zarow (dolejni 3 Gr.), Schönberg (in Schlesien 3 Gr.) , Hertwigsdorf 
(? 3 Gr.), Albertsdorf (Albendorf in Schlesien, Walbcfice, 3 Gr.), Rokytnik stary 
(3 Gr.), Bernartice mit Deutsqh-Olesna (3 Gr,), Bertholdsdorf (Bärtelsdorf in Schlesien), 
Cermua (0). 

7. Deeanat Kostelec. 

Ko.stelcc (33 Gr.), Castalowice (15 Gr.), Choceü (12 Gr.), Chleny (12 Gr.), 
Huatnice (12 Gr.), Deutsch-Libchawa (6 Gr.), Tynistii (G Gr.), Täcno (G Gr.)> 
Reichenau (5 Gr.), Böhmiscli-Libchiiva (5 Gr.), AValdonborg (Wamberg, 4 Gr.), 
Sachow (3 Gr.), Seuftenberg (Zamberg, 3 Gr.), Orlice (Pratum, 3 Gr.), Brandys 
(3 Gr.), Sudislaw (3 Gr), Skrownice (3 Gr.), Pisecna (3 Gr.), Reichenberg (2 Gr.), 
Henice (2 Gr.), Potenstein (2 Gr.), Kunwald (2 Gr.), Rybnä (2 Gr.), Slatina 
(2 Gr.), Peciu (2 Gr.), Rokytuice (2 Gr.), Lukawec (liorejni 2 Gr.) , Jawornice 
(2 Gr.), Nekoi- (2 Gr.), Sopotnice (2 Gr.). 



389 



8. Decanat Braunau. 

Brauiiau (f), Friedland (8 Gr.), Rupertsclorf (Rupreclitice, 6 Gr.), Scliö- 
nau (6 Gr.), Bertlaoldsdorf (Bözano-w, 6 Gr.), Martinsdorf (Martinkowice, 6 Gr.), 
Waltersdorf (in Schlesien, 4 Gr.), Wiclimannsdorf (Teplice hofejsi, 4 Gr.), Her- 
maiinsdorf (Hefmanlco-wice, 3 Gr.), Merklinsdorf (Zdoiiow, 2 Gr.), Trautliebersdorf 
(in Schlesien 0), Wieseuau (Pratum desertuni 0), Ober-Abersbach. 

9. Deeanat Ohrudim (später zur Leitomy§ler Diöcese gehörig). 

Chrudim, Rozliowice, Choltice, Lepejowice, Tfebosice, Chlaumek, Nove mesto, 
Pardubice, Timochody, Hostowice, Sezemice, Dasice, Morawauy, Slepotice, Chrausto- 
wice, Tyuec (Hrochüw), Ewanowice, Trojowice, Zestoky, Kaplice, Houbice, Rosice, 
Podlazice, Chrastice, Kostelec, Kamenice (trhowa), Sw. Mikulas, Nasewrky, Bito- 
wany, See, Zumberk, Slatinany, Swidnice, Luciborice, Bojanow, Komyrk, Chrbokow, 
P.;ucliobrady, Stolany, Morasic;;, Kostelec, Hefmanmv mestec, Micow, Hostalowice, 
Stojico, Switaw.!, Sw. Wrbata. 

10. Deeanat Hohenmaut (später zur Leitomysler Diöcese). 

WysokÖ MytO (Hohenmaut), Wratislaw, Radhost, Uhersko, Platenice , Re- 
dice, Holice, Rybna pusta, Ostfetiu, Zämrsk, Polotic (?), Hefmaaiee ceskii, Helota ( ? ), 
Sloupuice, Wratisowice (?), MIadocow, Knii-ow, Bucina, Makow, Chotowice, Bo- 
zidum (Nowy hrad), Prosec, Repniky, Peralec, Krauna, Lazany, Hliusko, Rauna, 
Skutce, Stöpanow, Janowicky, Liize, Woletice, .Teuisowice, Kamenicka, S-wratka. 

11. Decanat Policka (spater zur Leitomysler Diöcese). 

Pollcka, Tfemesna ( Sebranice) , Öiroky dül ,. Aujezd dolnf, Cerekwice , 
Lauterbach, Trstenice, Abstdort" (Opatow) , Ditrichsdorf (Jeti-ichowa wes), Witejo 
wice (Heinzendorf ?) , Bystro, T/pin, Jedlowa , Korouhew ('?), Borowa , Morasice, 
Jansdorf, Karle, Kvetna, Limberg, Banin, Rohoznä, Albrechtice (?). 

12. Decanat Landskron (später zur Leitomysler Diöcese). 

Laudskroil, Tfebowa cesk;i, Lukowa, Danuiikow, Künigswald, Tfebowice, 
Retowä welkä , Wilhelmsworde (Wildenschwert, Ousti uad Orlici), Knapowec, 
Dobrouc dolni, Kunzendorf ('.'), Ostrow (Mjchelsdorf), Cermna (Rufa aqua), Dobrouc 
horni, Rudoltice, Jablonne, 

YII. Im 8aazer Archidiacoiiat. 

1, Dec. Saaz, 2. Dec. Caaden, 3. Dee. Luditz. (Seite 91 — 95.) 

4. Deeanat Tepl. 

Bor (Merica, Haid 1 Seh. 15 Gr.), Tachow (1 Seh.), Leskow (39 Gr.), Kla- 
druby (36 Gr.), Swojsin horni (30 Gr.), Holostfeby (30 Gr.), Plana (30 Gr.), 
Bernartice (80 Gr.) , Brod ( Brück, Cihana, 24 Gr. ) , Hradiste (24 Gr.) , Celiwo 
(24 Gr.), Brtna (24 Gr.), Svojsin (dolni 24 Gr.), Tepla (19 Gr.), Tauzim (18 Gr.), 
Jamne (18 Gr.), Utery (Neumark 18 Gr.), Kozolup (18 Gr.), Krsy (18 Gr.), 



390 

Wiclziu (18 Gr.), Ceniosiu (15 Gr.), Erpu.sice (15 Gr.), Otin (15 Gr.), Utwina (15 Gr.), 
Pistow (15 Gr.), Landek (Ostrociii 15 Gr.), Ksice (12 Gr.), Daubrawa (12 Gr.), 
Haberkladrau (Avenatica Cladruba, 12 Gr.) , Tisowa (12 Gr.) , Sedliste stare 
(Altzetlisch, 12 Gr.), Domaslaw (9 Gr.), Cliody (9 Gr.), Kfiwce (9 Gr.), Sla- 
•wice (9 Gr.) , Scliönwald (9 Gr.) , Zacliluiny (9 Gr.) , Sedlec vysokö (Hochzed- 
lisch, 7 Gr.), Skwirin (6 Gr.), Bohuslaw (G Gr.), Einsiedeln (6 Gr.), Trnowä (6 Gr.), 
Lechow, 6 Gr.) , Bofejow (6 Gr.) , Chodowa Plana (Kuttenplan, 6 Gr.), Trste- 
nice (l^^eudorf (6 Gr.), öipiu (6 Gr.), Krasikow (3 Gr.), Stfibro (Mies f)/ Sam- 
berg, Heiligeukreuz. 

5. Decanat Elbogen. 

Die Kreuzherrenpfründen: Elbogen, Wrano-w (Frolmau), Espentlior, Tliier- 
garten (Obora, S. Leonard bei Carlsbad) und Sedlec (Zettlitz), zusammen 2 Seh. 
Decem zahlend für '/g Jahr. Dann: Slawkenwerd (Ostrow, 52 Gr.), ßadunsfurt 
(Rodisfurt) mit Haid (?, 24 Gr.), Lomnice (Lanz, 21 Gr.), Falkenau (21 Gr.), Swa- 
tobor 'Zwetbau, 18 Gr.), Saudau (Zandow, 15 Gr.), Welichow (14 Gr.), Schlackenwald 
(12 Gr.), Lichtenstadt (Hroznetin, 12 Gr.), Künigswart (9 Gr.), Königsberg (9 Gr.), 
Kocengrun (Gossengrün, 6 Gr.), Tocow (3 Gr.), Schünficht (3 Gr.), Neudek (2 Gr.), Cho- 
dow(2Gr.), Neudorf (2 Gr.), Zalmanow (Solmus, 2 Gr.), Stanowice (2 Gr.), Tatrwice. 

(Balbini Mise. dec. I. Üb. V. Palacky : dejiny ceske I. pfiloha D. Palacky : 
Popis kraloYStvi cesk. — Original — das Zehentregister von 1384 in der F. E. 
Bibliothek in Prag.) 

Mr. ^. 

Altslawische Ueberlieferung , dass Böhmen das Ghristeiilhum zuerst 

aus Deutschland empfing. 

Die berühmte und von den Cechen als echt vertheidigte Küniginhofer Hand- 
schrift erzählt unter Ändern den Heldenkampf des ZäboJ gegen einen fremden 
„K ü n i g" der im 9. Jahrhunderte in Böhmen das Heidenthum bedrängte. Zäboj 
rief da die Böhmen zum Kampfe auf : 

„Sieh', da kommt ein Fremder mit Gewalt in's Erbgut, 

Und gebietet drin mit fremden Worten, — 

Und wie's Brauch im fremden Land von Früh bis Abend, 

So zu thuu hier, herrschet Kindern er und Weibern, 

Und uns selbst mit Einem Weib su zoandeln ; 

Aus den Hainen (der Götter) scheucht er alle Sperber, 

Und den Göttern, die des fremden Lands sind, 

Heisst er uns sich neigen, ihnen Opfer darzubringen. 

Vor den Göttern an die Stirn sollen wir uns nicht mehr schlagen, 

Lr der Dämm'rung ihnen Speise nicht mehr reichen. 

Wo der Vater dargebracht Kost den Göttern, 

Wo er hinging, um sie anzurufen. 

Schlug er nieder alle Bäume 

Und zerstört' er alle Götter. 



3&1 

Das durcli diesen Anruf versammelte Heer der Ceclieu zog unter Zäboj aus, 

„Durch der Wälder Grund dem blauen Berg zu ... . 

Und ersahn mit fuchsesscharfem Blick des Königs Kriegsmacht." 

Anführer der feindlichen Macht ist Llldjok „mir ein Knecht oh Künigs- 
knechten" gehorchend „seinem Zwiugherrn." 

Ein fürchterlicher Zweikampf Zaboj's und Ludjek's entscheidet zu Gunsten 
der Cechen. Die Fremden -werden aus dem Lande verdrängt. 

Es liegt auf der Hand, dass jenfer „Zwingherr" im 9. Jahrhunderte nur ein 
König des Westens sein konnte, — ofienbar nur Carl der Grosse oder Ludwig der 
Deutsche, deren Kämpfe gegen die Cechen auch anderweitig erwiesen sind. Der 
Name des Anführers Ludjek mahnt sogar an König Ludwig selbst. Was aber 
anderwärts nicht ausdrücklich gesagt wird, das bekennt hiemit die alte Handschrift 
ganz unzweideutig : die fremden Eroberer legten auch ihre Hand 
an die Ausrottung des Heide nthums in Böhmen. Bemerkens- 
werth ist es auch, dass die cechische Sprache aus dieser Zeit das Wort Jcväl als 
Bezeichnung des ihr, fremden Künigstitels überkommen hat. 

Nr. S. 

Gränzen des Prager Bislliums bei seiner Erriclilnng. 

(Bestätigungsurkunde des Kaisers Heinrich IV. 1086.) 

In nomine sanctae et individuae Trinitatis Henricus IV., divina favente 
dementia Romanorum Imperator, Augustus. 

Regio nomiui et imperatoriae dignitati congruere novimus, ut ecclesiarum 
Dei utilitatibus ubique opitulantes damna vel injurias earum, quacunque necesse 
fuerit, propulsemus. Quapropter universis nostrique regni fidelibus tarn futuris 
quam praesentibus notum esse volumus, qualiter fidelis noster Pragensis episcopus 
Gebhardus saepe confratribus suis et coepiscopis caeterisque pontificibus nostris ac 
novissime nobis conquestus est, quod Pragensis episcopatus, qui ab initio Bohe- 
miae ac Moraviae ducatuum unus et integer constitutus, et tani a Papa Benedicto 
quam a primo Ottone imperatore sie confirmatus est, postea autecessorum suorum 
consensu sola dominantium potestate subinthronizato intra terminos ejus novo 
episcopo divisus esset es imminutus. 

Qui cum Moguntiae coram legatis apostolicae sedis praeseutibus nobis ac 
plerisque regni nostri optimatibus eandem quaerimouiam intulisset, ab archiepiscopis 
Wenzloue Moguntino, Sigewino Coloniensi, Egilberto Trevirensi, Liemaro Bremens!, 
ab episcopis quoque Tiederico Virduuensi, Conrado Trajectensi, Odalrico Eistetensi, 
Ottone Ratisponensi, cum assensu laicorum ducis Boemiae Wratislai et - fratris 
ejus Conradi, ducis Friderici, ducis Lutoldi, palatini comitis Eapotonis et omnium, 
qui ibidem convenerant, primitiva üla pciwclda cum Omni terminorum suorwn 
ambitu Pragensi sedi est adjudicata. 

Termini autem ejus occidentem versus lii sunt: Tugosc qime tenäit ad 
medium fluminis Chtih, Zedlicane, Lucsane, Daciane, Liitomirici, Lemuzi us(iue 
ad mediam silvam, qua JSoJiemia limitatur. 



392 

Deinde ad aquilonalem lii sunt termini: Psouane, Crouati ei altera 
Chrouati, Zlasane, Trebouane, Boborane, Dedosesi vsqiie ad mediam silvam, 
qua Milcianorum occurfunt termini. 

Inde ad orientem hos fluvios habet terminos: Bug scilicet et Ztir cum 
KraJcova civitate provinciaque, cui Wag nomen est, cum omnibus regionibus 
ad praedictam urbem pertinentlbus , quae Kräkova est. Inde JJngarorum limi- 
tibus additis usque ad montes, quibus nomen est Tatri, dilatata procedit. 

Deinde in ea parte, quae meridiem respicit, addita regione Moravia 
usque ad flivoimn, cui nomen est Wag, et ad mediam siliiam, cui nomen est 
Muore, et ejusdem montis, eadem parochia tendit, qua Bavaria limitatur. 

Mediantibus itaque nobis et communi principum aspirante suifragio peractum 
est, ut dux Boliemiae Wratislaus et frater ejus Conradus supradicto Pragensi epi- 
scopo fratri suo parochiam judiciario ordine requisitani ex integro reprofiterentur 
et redderent. Proinde nos rogatu ejusdem episcopi rationabiliter inducti Prngensis 
episcopatus reintegratioiiem nostrae imperialis dignitatis edicfco illi et successoribus 
ejus confirmamus et stabilimus, in-violabiliter decernentes, ne ulLi posthac cujus- 
libet conditionis persona vel ulla societas homiuuin Pragensi ecclesiae quicquam 
sui juris in praenotatis terminis alienare praesmnat. 

Data III. Cal. Maji ab ine. dorn, MLXXXVI indict. IX. anno autem dorn. 
Henrici regni quidem XXXII. iinperii vero III. 

Cosmae Prag. Chron. in script. rer. Boli. I. 168. Erben regest. 73 und 74. 

Mr. 4« 

Confirmations-Urknmle te^Ieissiier Bistlmiiis. 

Joaimes Episcopus, servus servorum Dei. Si semper sunt concedenda, quae 
piis desideriis congruunt : quanto potissimum ea, quae divini cultüs praerogativa 
noscuntur, non sunt omnino abneganda , quae sunt a largitoribus non solum poscen- 
da, sed vi charitatis procul dubio exigenda. Habita igitur synodo et multorum ve- 
nerabilium fratrum coepiscoporunique nostroruni conventu Romae in ecclesia beati 
Petri principis Apostolorum , assidentibus augustissimis Imperatoribus Othonibus 
utrisque, anno scilicet imperii majoris sexto, minoris primo, iidem gloriosissinii Im- 
peratores postularunt a nobis, quateuus monasterimn, quod pro remedio animarum 
suarum primitus construi, et in honorem beati Joauuis Evangelistae consecrari fe- 
cerunt, super ripam fluminis, cui nomen est Albea, in civitate Misna sita, videlicet 
in provincia, quae dicitur Dalemincia, cui etiam monasterio virum venerabilem, no- 
mine Burcliardum lionorifice praefecerunt, privilegiis sedis Apostolicae decorati, ut 
sub jurisdictione sanctae Ecclesiae nostrae, cui auctoritate Dei praesidemus, consti- 
tutum, nullius alterius Ecclesiae ditionibus submittatur. Pro qua re piis disideriis 
faventes, laac nostra auctoritate, id quod exposcitur, effectui mancipamus, interponen- 
tes tarnen ea, quae et ipsi principes in nostris privilegiis eupiuut expoui, et cunctis 
in Christo fidelibus manifesta fieri, more antiquorum Imperatorum., Hi duo Impera- 
tores pater et filius nobis assidentes, Misnensi Episcopatui terminum imposuerunt, no- 
minando etiam terminationes locorum, sicut infra continetur. 

Ubi Caput et fons est aquae, quae dicitur Odera, inde quasi recta via 
usque ad caput Albeae. Inde deorsum ad occidentalem partem,ubi divisio dua- 



393 

rum regionum est, BeJiem et Msen: Ibidem ultra Älbeam, et ])er silvcmi in 
occidentalem partem usque ad caput Müdae, et sie deorsum per amhas piagas 
ejusdem fluminis, usqtie dum Milda intrat in Albeam et sie siirsiim ultra pro- 
vinciain Nisiei, ad ipsimi terminum : nee non in altera parte Lmyd et Sei- 
poli, et sie usque ad civitatem Sulpize, illam videlicet infra eundem sursum 
usque ad caput ejus. 

Homines vero, quemadmodum hi praeseutes Imperatores statuisse fateutuv, qui 
iufra terminum istum habitant, in omui fertilitate terrae, frugum et peciidum, iu 
argento, et vestimento : nee noti quod Teutonici dicuiit Ouarcapunca et Calunga 
familiarum. Iiisuper tota utilitate, et iu omnibus rebus, quibus mortales utmitur in 
diversis modis decimationes, quas Deo cuucta gubernanti debent, ad Misnensem 
Ecclesiam, primum Deo, deinde Sancto Joauni Evaugelistae universa dubietate procul 
reniota persolvant , referaiit, et reddant. Et ideo in Cliristo sanximns, firmiterque 
concessimus, ut nuUus Metropolitanus, nnllus Episcopus, nulla etiani magna vel 
parva alterius ordiuis et gradus persona, praeter sedis Apostolicae Antistitem infra 
terniinos Misxiensis Ecclesiaaej cui venerabilis EpiscoiJUS Burcbardus praeesse dig- 
noscitur, quemque ordinäre, dijudicare, excomnmuicare, vel aliquid temere exercere 
ullo modo, praesumat. — 

(Ex Georgii Fabricii Chemnicensis rerum Misniacarum libris p. 78 et 79.) 

Scelsorgspfi'iiiitlcn des Meissner Bisllmms, nach dem MS. Matricnla 
.jurisdiclioüis Eiuscopatus Misiiensis 134G. (Budisiiier Domarcliiv.) 

I. Praepositura Misnensis. 

1. Sedes Dobelyn. 2. Sedes Loinatzscli. 

Monasterium ibid. Eccl. ibid. 

Stregus. Mostewitz (Blostewitz). 

Knobeisdorf. Stregeuitz. 

Otzelsdorf. Lewben. 

Zergraw. Pausewitz. 

Technitz. Rausclielytz. 

Hoenweyschen. Zscboebaw. 

Mogkcritz. Henitz. 

ßittenitz. Zeygenheim. 

Kywitz. Kregig. 

Sclirewitz. Nycasenitz. 

Zschawitz. Gana apud S. Gotbardum. 

Mochaw. Hoef. 

"Waltheim. Zceren. 

Simselwitz. Mascbewitz. 

Gruneubergk. Derssenitz. 

Pycbaw. Boris. 

Altare in hosp. Altaria villarum : iu Moke- Praus. 

ritz, Ponien, Kywitz, Techenitz, Schrewitz. 



394 



3. Sedes Freibergk, 

NB. Capitulum eccl. Freiberg. de bene- 

ficiis incorporatis singulis bienniis nomine 

biennalis subsidii 4 Sexag. et 20 Gr. 

„exsolvant." 

Tütendorf. 

Conradisdorf. 

Superior Boberiscb. 

Colbenitz. 

Prescliendorf. 

Frauenstein. 

Hainau. 

Lichtenbergk. 

Weissenborn. 

Bertelsdorff. 

Galentz. 

Seyda. 

Flew. 

Frankenbergk. 

Frankenstein. 

Sclionau superior. 

Oderau. 

Boberitz inferior. 

Hartmansdorf major. 

M u 1 d a u. 

Waltersdorf. 

Langenfeit. 

Schellenbergk antiqua. 

Czeta. 

Wust Waltersdorf. 

Forcheim. 

Nauendorf. 

Hartmansdorf minor. 

Lauterbacb. 

Langenau. 

Eppendorf. 

Dittersbacb. 

Waltkyrche. 

Borkersdorf. 

Kyrclibach. 

DorfF Kempnitz. 

Erbigisdorf. 

Capeila b. V. M. in Greiuitz sub parocb. 
Hartmansdorf. 



4. Sedes Oschatz. 

Ecc. ibid. 

Leuben. 

Schweth. 

Lympach. 

Mogelyu. 

Nauendorf. 

Colmen. 

Loppe. 

Lampreclitsdorf. 

Kaiewitz. 

Below. 

Lamprechtswalde 

Waldericbswalde. 

Merkewitz. 

Treptytz. 

Schmorkaw. 

Laes. 

Paustenitz. 

Lesnitz desolatum. 

Strele. 

Czausewitz. 

Borne. 

Gantzig. 

Monasterium Sornizcygk. 

Zsclieschaw. 

Aide Oschatz. 

5. Sedes Roswen. 

Ecc. ibid. 

Ezcelsdorf. ^ 

Langenheinersdorf. 

Pappendorf. 

Heinchen. 

Bockendorf. 

Grunaw. 

Stregus. 

GreiffendorfF. 

Ringentall. 

Rossaw. 

Nossen. 

Windeschebore. 

Schirme. 

Rossain. 

Martbach. 

Deutzschenbore. 



395 



Seyflersdorf. 




Borkerswalde. 


Gleisbergk. 




Tubenheim. 


Sibenlehen. 




Sorau. 


Ecc. S. Nicolai prope 


Misnam. 


Rudigersdorf. 


Capella. in Arnsdorf. 




Nauenstatli. 


II. Byessaw Praepositura. 


Borktytz alias Brocktitz. 


1. 




III. Decanatus Misneni 


Monasterim ibid. 

Hey de. 

Lewthewitz. 

Glaubatz. 

Grobe. 

Czitau. 

Canytz. 

Wayda. 




1. Sedes Hertzbergk. 

Ecc. ibid. 

Laben. 

Bockaw. 

Rossen. 

Beiern. 

Refelt. 

Dobuchau. 


2. Sedes Si 

Ecc. ibid. 


ayda. 


2. Sedes Molbergk. 


Dorentael. 




Monasterium ibid. 


Vontzdorf (Voutzdorf ?) 
Nassau. 




Werdenheim. 
Schmerckendorf. 


Pfaffenrode. 




•Sachsdorf. 


Clausenitz. 




Boragk. 


Commersdorf. 




Blombergk. 


Albernau. 




Costdorf. 


Borssenstein oder Neuenliaus. 


Antiqua Belgerin. 


3. Sedes Wilaiidtsdorff. 


Fichtenbergk. 
Tristewitz. 


Ecc. ibid. 




Beigern. 


Grumpach. 




Arnsbergk. 


Geiersdorf. 




Schremsewitz (Schremlewitz ?) 


Hertigiswalde. 




Neifen. 


Ohorn. 




Katewitz. 


Schönaw inferior. 




Sernewitz. 


Dytmansdorf. 




Obegaw. 


Reinsbergk. 




Stavitz. 


Kromenlieinersdorf. 




Krobelin. 


Byberstein. 




Kawertiz. 


Hirssfelt. 




Warttenbrugk. 


Neukirclie. 




Libenwerden. 


Blankenstein. 




Lausen. 


Tannenbergk. 
Lympacli. 




3. Sedes Pretio. 


Schonbergk. 




Ecc. ibid. 


Myltitz. 




Axiir. 



396 



Plotli (Plotz). 

Zcwisclikaw. 

Betaw. 

Dreben. 

Lochaw. 

Lebben. 

Dantzsclieu. 

IV. Praepositura Cloden. 

1. 

Ecc. ibid. 
Rade. 
Gürsdorf. 
Batyn. 

2. Sedes Selimiedbergk. 

Ecc. ibid. 

Trebatzscli. 

Pretatszcli. 

Murow. 

Blediu. 

Globock. 

Reuritz 

Ockelu. 

Altare in Castro Prelatzscli sep. 

3. Sedes Torgaw. 

Ece. ibid. 

Odenhain. 

Reichenbach. 

Witzwitz. 

CJitzschen 

Wildenliain. 

Suptitz cum amiexa „Groswiglc". 

Eisnick. 

Cynnaw. 

Neyden. 

Schwete. 

Krysliaw. 

Wesenigk. 

Zcackow. 

Dolaen. 

Schamnewitz. 

Tura. 

Buch. 

Beckewitz. 



Trossein. 
Falckenbergk. 
Schildaw. 
Weidenliain. 
Kobersliaiu. 
Dommatzscli. 
Sitzeneade monasteriuni. 
Altare in castro Torgaw et in hospitali 
ibid. 

V. Archidiaeonatus Nisieensis. 
1. Sedes Dipolswalde« 

Ecc. ibid. 

Bollendorf (Bossendorf ?) 

Reinoldsgriun. 

Habendorf, Hockendorf. 

Reiclistadt. 

Lybenaw. 

Bernstein. 

Jansbach. 

Chrischaw. 

Rabenaw. 

Sommersdorf. 

Heinersdorf. 

Dittersdorf. 

Seiffersdorf. 

Maxen. 

Seidensdorf. 

Lauenstein. 

Mons Geusing. 

Vallis Geusing. 

Oppidum die Glashütte. 

NB. Folgende Pfarren unter dem Ge- 

stifte Marienthal gehörten unter die 

Meissnische geistl. Jurisdiction. 
Jauernigk. 
Leibe. 

Nieder Seifersdorf. 
Melaun. 
Meyselwitz. 

(Dies NB. auf einem angehefteten Zettel in 
mat. Misu.) 

2. Sedes Dresden. 

Ecc. ibid. 
Unkersdorf. 



397 



Besterwitz. 




Loraenitz. 


Leubenitz, 




Sclionfelt. 


Plauen. 




Langenbrugk. 


Bresenitz et jam 


demissa perpetua in 


Lansse. 


Cossebucle. 




Eschmansdorf. 


Doelen. 




Ottendorf. 


Keiclienberg. 




Waldenrote. 


Kesselsdorf. 




Dittersbach. 


Weistrop. 




Medegaw. 


Constapel. 




Seiffersdorf. 


Bernsdorf. 






Kotzscliebrode. 




VI. Praepositura Worzcij 


Lewben. 

Clotzchaw. 

Wilsdorf. 

Ecc. in antiqua Dresden. 

Roswyk. 


1. Sedes Dyeben. 

Ecc. ibid. 
Grunaw. 
Utliusens. 
Preskwelig. 


3. Scdes Pyrii. 


Resin. 


Ecc. ibid. 




Cryn. 


"Welen sup. 




Jessenitz, alias Gessenitz. 


Lbonien. 




Presser. 


Borstendorf. 




Selchaw. 


Hoserwitz. 




Tornaw. 


Borckerswalde. 




Swemsen. 


Cottaw. 




Kemnitz. 


Ottendorf. 




Skogen. 


Friderichswalde. 




Torquine. 


Borne. 




Fredersdorf. 


Lybenstatli. 




Lausk. 


Donen. 
Dobraw. 




2. Sedes Wortzei 


Breytenaw. 




Deben. 


Rudigersdorf. 




Motzsclien. 


Welen oppidum. 




Luptitz sup. 


Altare in Castro 


Wesseustein. 


Males. 
Wermsdorf. 


4. Sedes 


R.ideberg'k. 


Fremdiswalde. 


Ecc. ibid. 




Nercliaw. 


Wolflrangsdorf. 




Neiclieu. 


Wassagk. 




Nytzschaw. 


Wilsdorf. 




Nenuitli. 


lludigorsdorf minor. 


Borckartzliaiu. 


Erckoniarsdorf. 




Kosen (Koreu). 


Grunenbergk. 




Berlin. 


Wacliaw. 




Falkeuhain. 



398 



Mogelentz 

Kinitzsch. 

Taalewitze. 

Mortytz. 

Rockenitz. 

Doberswitz. 

Saclisendorf. 

Nyczscliwitz. 

Zschelpe. 

Pathun. 

Stielen. 

Zscliornow. 

Sprottaw. 

Tammenhaj'^n. 

Hobergk. 

Wortzen. 

Reiclienbacli. 

Lubtitz inf. 

Korlitz. 

Ragewitz. 

3. Sedes Leysnigk. 

Colditz. 

Leisnig. 

Harte. 

Applas. 

Colinen. 

Zschirlen. 

Schornerstadt. 

Gernigswalde (monast). 

Reinersdorf. 

Gyrsdorf. 

"Windishayn. 

Aide Leisnigk. 

Hofgen. 

Leipenitz. 

Weischen. 

Zschopach. 

Sytten. 

Bockelwitz. 

Bertewitz, monasterium. 

Altare in Gerichenwalde. 

VII. Praepositura Haynensis. 

Ecc. ibid. 
Hirschfelt, 



Streleu. 

Aw sup. 

Aw inf. 

Groben. 

Zcadel. 

Reimersdorf. 

Stragen filia Zcabeltytz. 

Tymenitz. 

Wildenheiu. 

Steinbacli incorporata. 

Neuenhofe. 

Frauenhain. 

"Walda-w. 

Kmelen. 

Ebersbach sup. 

Lentz. 

Doberwitz gen. 

Golus. 

Skassaw. 

Peritzsch. 

Gertz. 

Schonfeit. 

Radebergk. 

Elsterwerdl. 

Orttrant. 

Lamperechtswalde. 

Spansprugk. 

Sathan. 

TieflPenaw desolatum. 

Lyntz. 

Sagk. 

Collen. 

Zchylew. 

Redern. 

Streumaw. 

Baudaw. 

Olsnitz. 

Lorentkyrche. 

Zcabetytz. 

Skwesgen. 

(Sckeschen.) 

Nesenitz. 

Tausch. 

Dobroci. 

Lichtenselie [monast. nionialium). 



399 



Altaria in Radeborgk. 
dto. in Gweden. 

VIII. AreMdiac. Kempnitzensis. 

1. Sedes Kempiiitz. 

Ecc. ibid. & extra muros. 

Rudigersdorf. 

Rabenstein. 

Erthniansdorf. 

Witgendorf. 

Glese. 

Einsidel. 

Pleisse. 

Reichenbrandt. 

Hermsdorf. 

2. Sedes 8toIberg. 

Ecc. ibid. 

Neukircb. 

Borkersdorf. 

Erlebacli. 

Reichenhain. 

Jansdorf. 

Dorf Sch"weinmitz. 

Hornisdorf. 

Dorf Kemnitz. 

Thalheim. 

Harte. 

Altare in Castro Stolberg. 

Cap. Meinersdorf sub par. Jansdorf. 

3. Sedes Waldeiibiirgk. 

Ecc. ibid. 

Lunckewitz. 

Konradisdorf. 

Wustenbi'ande. 

Sup. Winckel. 

Braunsdorf. 

Fröna Inf. 

Kauffungen. 

Calenbergk. 

Lympach. 

Inf. Winckel. 

4. Sedes Wolkenstein. 

Mons S. Annae. 
Ecc. Wolkenstein. 



Mildenaw. 

Hermsansdorf prope Zscope. 

Tretebach. 

Thum. 

Geyer. 

Ernfriederdorf. 

Arnsfelt. 

Hermansdorf prope Grunhein. 

Gelnaw. 

Ruckerswalde prope Wolkenst. 

Schönborn. 

IX. Archidiac. Zschillensis. 
Praepositura in Zschilien. 

Praepositura (ord. teut.). 

Zschobe. 

Erlaw. 

Bernwalde. 

Ottendorf. 

Alt Mit-weide. 

Rosbergk. 

Wedra. 

Auerswalde. 

Zcettewitz. 

Milckau. 

Selitz. 

Franckenaw. 

Hartmansdorf. 

Malen. 

Hoenkirche. 

Ebersdorf. 

Lichtenau. 

Glausenitz. 

Borkersdorf. 

Schweikersheim. 

Wesse. 

Eyben. 

Seifersdorf. 

Crossen. 

Olbirsdorf. 

Tawra. 

X. Lusatia Superior. 
1. Sedes Biscliofwerde. 

Ecc. ibid. 
Potczkaw. 



400 



Ottendorf. 
Haus-walde. 
Ruckersdorf. 
Ugyst. 
Porcliaw. 
Polen. 

Frankenthal. 
Scliannollen. 
Hartlia. 
Rampna. 
Drebenitz. 
Rugkersdorf. 
Keyserwalde. 
Rosenhein. 
Königswalde. 
Rorschdorf. 
Magna Rorschdorf. 

2. Praepositura Biidissiiiensis. 

Gedaw. 

Musko-w (Mülkaw). 

Schleyf. 

Baruth. 

Neschwitz. 

Soer. 

Königswarthe. 

Läse. 

Glausk. 

Gabelenz. 

3. Dccancitiis Budissineiisis. 

Gottaw. 

Hoenkirche. 

Steinichtwolframsdorf , Hayusbach 

s i m u 1 Z e i d 1 e r. 
Schergiswalde. 
Tubenlieim. 
Radewor. 
Bostwitz. 
Kunewalde, 
Clux. 
Cletin. 
Wiltiu. 
Neukirche. 
Graedis. 
Porsycz. 



Millekal. 

Cottewitz. 

Solandt. 

Cap. in Rade-wor. 

4. Sedes Camentz. 

Ecc. ibid. 

Schweppeuitz. 

Lichtenberg. 

Ponikaw. 

Kroppen. 

Ruland. 

Lindenaw. 

Biscliofslieim. 

Heiierswerde. 

Nebelschitz. 

Gerlachsdorf. 

Witgenaw. 

Oseling. 

Krostitz. 

Künigsbrugk. 

Crockaw. 

Sehmorka'w. 

Nawkirche. 

Polsnitz. 

Elstraw. 

Reichenbach. 

Grebaw. 

Nauendorf. 

Hockendorf. 

Colmen. 

Linkenaw. 

Wokaw. 

Lawte. 

Reichenaw prope Reilenbergk. 

Hosp. in Camentz. 

5. Sedcs Soraw. 

Ecc. ibid. 

Druskaw. 

Lubnitz. 

Belensdorf. 

Benen. 

Renyswalde. 

Kunitzdorf. 

Hartmansdorf. 



401 



Conen. 


Deutzschossig. 


Ulrichsdorf. 


Jaweringk. 


Albreclitsdorf. 


Leschwitz. 


Solenthal alias Selten. 


Ebersbach. 


Prebus. 


Horcke. 


Reichenaw. 


Windischossig. 


Petersdorf. 


Ringersdorf. 


Greifenhain. 


Czadell. 


■ Ezebele. 


Lodewigsdorf. 


Linderode. 


Rottenberg. 


Schonewalde. 


Schonberg. 


Welersdorf. 


Droschendorf. 


Freienwalde. 


Lewbe. 


Hosp. Soraw. 


Rausche. 


6. Sedes Loebau. 


Heynchen. 

Deutschschule prope Görlitz. 


Ecc. ibid. filiae Kottmarsdf. et Lawalde. 


Hosp. ibid. 


Kyttelitz. 
Hermansdorf. 


8. Sedes Hoensteiu et Sabenitz. 


Berteisdorf. 


Hoenstein. 


Strauenwalde. 


Sebenitz. 


Ebersbach. 


S c h 1 c k e n a w. 


Jergiswalde. 


Lichtenaw vere Lichtenhain. 


Spremberg. 


Nikelsdorf. 


Oppach. 


Nawstadt. 


Schünebach. 


L b e d a w. 


Heinrichsdorf. 


S c h n a w. 


7. 8edes Görlitz. 


Olbersdorf. 
Sehende. 


Ibid. 

Hermansdorf. 
Lewtelhain. 
Heinrichsdorf. 


Altaria in Schluckau : altaristae 3 can- 
tantes horas B.V. M. quilibet unam '/o 
Marcam. 


Lese. 


9. Sedes Stolpeu. 


Benzig. 


Ecc. ibid. et in Castro. 


Soer. 


Stirtze. 


Langenow. 


Fischbach. 


Melingdorf. 


Lauterbach. 


Keselingswalde. 


Wolframsdorf 


Grunaw. 


Schmiedefeld 


Lichtenberg. 




Pfaffendorf. 


10. Sedes Lawben. 


Baidarmsdorf. 


Ibid. 


Schönborn. 


Holtzkirche. 


Nedaw. 


Lyssaw. 


Teuchenitz. 


Lindenaw. 



26 



402 



Lichtenaw. 

Geiselbrechtsdorf. 

Schreibersdorf. 

Güntersdorf. 

Heinrichsdorf. 

Waldaw. 

Thommendorf. 

Segeharsdorf. 

Schirnaw. 

Olrichsdorf. 

Hawgisdorf. 

Girschdorf. 

11. Sedes Reichenbach. 

Ibid. 

Markersdorf. 
Girschdorf. 
Fridersdorf. 
Bartelsdorf. 
Schonaw. 
. Bernsdorf. 
Mawschwitz. 
Dittersdorf. 
Kempnitz. 
Reinersdorf. 
Krischaw. 
Tettaw. 
Bischdorf. 
Soland. 

Ebersbach olim filiale ad Soland. 
"Waissenberg. 
Gebeizig. 
Radischaw. 
Colman. 
Sehe. 

Jankendorf. 
Bisse. 
Seifersdorf. 
Arnsdorf. 
Königishain. 

12. Sedes Seidenbergk. 

Friedebergk. 

Friedeland. 

W e s e prope Saidenb. 

Schwete. 



Schonewalde. 
Logwigsdorf. 
Meffersdorf. 
Gerlachsheim. 
Raspena-w. 
Olrichsdorf. 
Arn s d orf. 
Conradisdorf. 
Bullendorf. 
Seidenberg. 
"Wigantsdorf. 
Heinrichdorf. 
Wese prope Greifenberg. 
Cupra. 
Rengersdorf. 

Bernsdorf filia ad Schonwald. 
Bartelsdorf filia ad Bullendorf. 
Altare in Haynsdorf. 
Cap. in Ringenhain. 
„ in Castro Friedland. 

XI. Lusatia inferior. 

1. Sedes Beskaw. 

Ibid. 

Lubrasse. 

Mocho. 

Niwichsch. 

Fridelandt. 

Rudenitz. 

Cossinblath. 

Tuchow. 

Wilmesdorf. 

Pfaffendorf. 

Sawen. 

Mockor. 

Czaw. 

Crügersdorf. 

Trebatzsch. 

Bokaw. 

Bergholz. 

Lindenberg. 

Arnsdorf. 

Wulfersdorf. 

Stremmen. 

Falkenberg. 

Byctz. 



403 



2. Sedes 


Calo. 


Schönaw. 


Ibid. 




Rosentael. 


Iheser. 




Kempnitz. 


Messaw. 




Tzagelsdorf. 


Drenaw. 




Girsdorf. 


Czinnitz. 




Wilda-w. 


Tornaw. 




Pitzen. 


Schönfeld. 




Drainsdorf, 


Beicha-w (Reicha-w ?). 




Crossen. 


Lobenaw. 




Golsen. 


Colkwitz. 




Selienkendorf. 


Saslen. 
Wetzschaw. 




5. Sedes Forst. 


Missen. 




Ibid. 


Laes. 




Nosselsdorf. 


Galyn. 
Ogrosse. 




Czechsdorf. 
Stregaw. 


Redern. 




Breseim. 


Döber. 




Bodemoczil. 


Pritzschen. 




Ihesar. 
Ylaw (YIo). 


3. Sedes 


Cotbiis. 


Sairo. 


Ibid. 




Sercligen. 


Papitz. 




Tribel. 


Caran. 




Czochelin. 


Madalae. 




Rolzig (Kofctzig ?). 


Peitz. 




Dewplitz. 


Werben. 




"Weissagk (Forst). 


Lysko. 
Colkewitz. 




6. Sedes Guben 


Cagelaw. 




Ibid. monasterium. 


Brissen. 




Budichaw. 


Dyssen. 




Bobersberg. 


Lewthen. 




Ihensdorf. 


Schorbisoh. 




Niwerlde. 


Magna Doebrin. 




Nymtzsch. 


Parva Dübrin. 




Stargrod. 


Sylo. 




Fünfeichen. 


Gentzschwalde. 




"Welmenitz. 
Mebiskeugk. 


4. Sedes 


Dhame. 


Bresin. 


Ibid. 




Bemsdorf. 


Meysedorf. 




Geran. 


Elmersdorf. 




Marchersdorf. 


Rythdorf. 




Starzelen. 


Buka^v. 




Gelaw, 



26^ 



404 



Doltziglc. 

Alterwascb. 

Forstenbergk. 

Grcanaw. 

Sclienkendovf. 

Colo. 

Sommerfeld. 

Neymaschyleba. 

Horvin. 

MertensAvese oder Merzwiese. 

Schildelaw. 

Beytzech. 

7. Sedes Kyrchhayii. 

Ibid. 

Scliönborn. 

Fridrichsdort'. 

Lugk. 

Bugkewitz. 

Negisdorf. 

rinsterwalde. 

Bettyn. 

Lysk. 

Dolencken. 

Franckenaw. 

Sornaw. 

Gelnitz. 
Wormelaw. 

Solgast. 

Sonnewalde. 

Gossin. 

Weissagk. 

Crusnigk. 

Czagkerin. 

Sclionewald. 

Trebus. 

Stechaw. 

Hornlubiscli. 

8. Sedes Lobben. 

Ibid. 

Crugk. 

Czauch. 

Wittesdorf. 

Terptdt. 

Lein. 



Straupgk. 

"Waldaw. 

Alt. in Lawbechael. 

9. Sedes Luekaw. 

Ibid. 

Gerin. 

"VValter.sdorf. 

GosmaT. 

Pasern. 

Gzicko. 

Gismersdorf. 

Besdo. 

Grassaw. 

Sclilaberndorf. 

Stoberitz. 

Gerlachsdorf. 

Caselaw. 

Gzuchin. 

10. Sedes Schlibeii. 

Ibid. 

Scliwinitz. 

Antiqua Hertzberg. 

Widra. 

Wildenaw. 

Malzendorf. 

Locliaw. 

Sclionewalde. 

Lebusse. 

Wrcbenaw. 

BurgheAvin, 

HohenbockaAv. 

Dubro, 

Arntsclie. 

Holzdorf 

Nauendorf. 

Knoppeldorf. 

11. Sedes Sprembergk. 

Ibid. 

Drepkaw. 

GreifFenhain. 

Petershain. 

Jessen. 

Hern. 



405 



Stradow. 

Biosdarf. 

Bukaw. 

Loyow. 

Grauenstein. 

Senftenberg. 

Lawte ad praepos, Budiss. 

12. Sedes Storckaw. 

Ibid. 

Selchaw. 

Golmeii. 

Reichenwalde. 

Bucholz. 

Momtzenhoffe. 

Rawen. 

Domsdorf. 

Schwarn. 

Pieske. 

Fridrichsdorf. 



Glinick. 
Hertzberg. 

13. Sedes Zcosscn. 

Ibid. 

Teuptz sive Teupzcygk. 

Schime. 

Kerclieudorf. 

Thure. 

Kerstendorf. 

Lawenbrugk. 

Wylstnck. 

Gluck. 

Mossen. 

Spremberg. 

Wilmersdorf. 

Wustdorf. 

Schultendorf. 

Jamslagen. 

Sehoneweide. 

Werben (capella). 



Nr. @. 

Das Sliftniigsdiploni des Lcitmeritzer Collegiatcapilels — augeblicli 

von Spytilinew II. 1057. 



Cum secundum Job vita hominis sit militia super tevram, et secundum Apo- 
stolum non coronabitur, nisi qui legitime certavit : nos tanquam milites in hoc solo 
mundi et in valle lacrimarum de victoria pugnae ancipites, utramque auctoritatem 
juxta posse sequi cupientes, legitime certare et pellem pro pelle, si parvitas vitae 
non impediret, cuncta, quae in praesenti vita habebamus, pro anima dare dispone- 
bamus, ut in coelis coronari mereamur. Inde est, quod pro modulo nostro et tem- 
poris ac nostri aevi parvitate ego Spitigneus, dux Boemorum, cum consorte 
thori pro remedio animarum nostrarum cogitantes , in nomine sanctae individuae 
Trinitatis ac victoriosissimae crucis et venerabilis virginis Dei genitricis Mariae et 
beati protomartyris Stephan! omniumque Sanctorum, basilicam in Luthomiric con- 
struentes tali dote studuimus insignire. Conferimus itaque firmo et stabili perpetuo- 
que jure possidendum, quidquid ad praesens haec pagina notabit eidem. 

Igitur imprimis damus ei XIIII Tillas censualibus hospitibus ordinatas et 
ornatas servientibus ac araturis et bubulcis cum omnibus necessariis, silvis videli- 
cet et pratis. Nomina autem villarum sunt haec : Cresici, Prrna, Ponovi, Zasade, 
Trebessici, Bepcici, Tince, Malsov, ßreza, Pracici, Dubessevici, Huesci, Bussovici, 
Hocsov. 

Praeterea de omni arte a castris nostris et oppidis , ut ad principis decet mi- 



406 

nisterium, virum cum uxore, filiis et filiabus, usibus deputamus ecclesiae. Vineas 
quoque duas cum vinitoribus, qui sufficerent ad ipsas excolendas. Similiter confe- 
rimus puellas operatrices XXX., jumenta centum cum pascuis, totidem otcs, vaccas 
XXX., sues LXX. Haec omnia praedictae tribuimus ecclesiae. In viis etiam duabus 
una per Klumec, altera in Ustlii octavam liebdomadam nobis debitam praenomina- 
tae tradimus ecclesiae. 

In oppido autem, quo ipsa fundata est ecclesia, decimum forum, decimam 
tabernam et totius nostrl census decimam tarn in judicio, quam in coUecta generali 
eidem conferimus ecclesiae. Mediam quoque partem de omni theloneo nobis debi- 
tam tarn a desceudentibus quam ab ascendentibus perAlbeam saepe dictae tribuimus 
ecclesiae, videlicet quod dicitur Homutone, Othodne, Otroce, Gostine, Gernecne, Sitne. 
De forensi etiam theloneo tempore brumali, dum aqua est congelata, in sale quocunque 
modo adportato et in piscibus tlieloneum solvendum statuimus. De vino etiam, quod du- 
citur superius sive inferius, vel quibuscunque rebus emptis sive vendendis idem fieri sta- 
tuimus. Quicunque autem nobilis sive ignobilis, servus et ingenuus, graecus aut judaeus 
sal sive alia quaecunque adduxerit, de theloneo duas partes praeposito, tertiam au- 
tem canonicis dandam decernimus. De magna igitur nave tarn liospitum quam indi- 
genarum duas magnas mensuras, de mediocri unam, de parva vero quotquot sunt 
mensurae totidem denarii persolvantur nominatae ecclesiae. Pro minima autem navicula 
XVdenariipersolvantur. Porro quicunque homines nobis debent sal solvere, medietatem 
thelonei solvant. Addicimus adhuc XII rusticos in Luthomiric, totidem in Beiina 
doti ecclesiae. Insuper VI rusticos, qui nobis singulis annis mel solvere consueverunt, 
ecclesiae assignamus. Primam vero clausuram sub Lutliomeric toties dictae concedimus 
ecclesiae. Jungimus praeterea omnibus supradictis coUectas geuerales, venditioues, 
ssvod, glave, narok, nedoperne, grrdost, quidquid ex bis et talibus ad usum nostrura 
debet provenire, totum libere et hilariter nostrae concedimus ecclesiae. Per praesen- 
tem igitur paginam cunctis praesentibus innotescat et futuris, quod quaecunque 
sunt nominata et subscripta, nuUus in liis excepto praeposito et canonicis dominari 
permittatur. Insuper etiam de grege jumeutorum singulis annis poledrus pro tunica 
unicuique canonico sit deputatus, annualis quoque decimatio ab hominibus ecclesiae 
nostrae pertinentibus non alii nisi praeposito persolvatur. Fratribus autem in prae- 
dicta ecclesia commorantibus addimus circuitum silvae ante urbem cum agris 
eidem silvae adjacentibus et Podvine. De villa Secrrpi damus liominem Zlaton 
nomine cum filiis et fratris ejus ad usum ecclesiae. 

Placuit etiam nobis minist eralium omnium nomina, in quibus villis commoren- 
tur, subnotare, ut posteri discant, quos et quare memoratae tradidimus ecclesiae. 
Igitur sive mellis solutores sive campanarii aut sutores albi et nigri seu ceteri qua- 
liscunque artificii homines ad usum saepe dictae ecclesiae sunt per nos maucipati, 
cunctis praesentibus innotescat et futuris. W. Zasadi est campanarius datus cum 
terra, Kozel vinitor cum terra, Ssvan vinitor cum terra ; sutoresquOi ut supra dic- 
tum est, albi et nigri, fabri, carpentarii, stubaecalefactores, ibidem etiam sunt hospites 
quam plures. Pocraticich Dalesse vinitor cum terra, Cecen vinitor cum terra,- Dräs 
vinitor cum terra, Sytenicich Bacuka vinitor cum terra. Na Bosti Mal carpentarius 
cum terra. Trebucicich rustici duo, Kozroy et frater ejus Hostas cum terra. Trrnovass 
terra fabri, cui nomen Cis. Nu.cnicih Mali cum terra et aliam habens Luchove. Ko- 



407 

pistech terra liospitalis ad aratrum. Radvine Gotesse rusticus cum terra. Usti Cean ru- 
sticus cum terra. Gastranem Ceacuka rusticus cum terrci. Pelceass Bikut rusticus cum 
terra. Et alia Sernossiecli terra rusticalis. LutbohoTass Jurata piscator cum terra, Za- 
lezzlecli Osstrass, rusticus cum terra, et aliam liabens Prossmicich. Nadiem hospitalis 
terra ad aratrum. Na Wilkonine rusticus cum terra ad aratrum. Lucovicili Plativoy su- 
tor niger cum terra, et aliam habens Radvine. DlaskovicicJb Kozroy rusticus cum terra 
ad duo aratra. Hotissowe liospitalis terra ad aratrum. Bremass Jacub nutritor equo- 
rum cum terra ad aratrum. In üsti Krisan cum campo , qui dicitur Bresnik , ibi- 
dem terram babens ad aratrum. Peruc Pissk cum terra; Trrnowass Tesek custos 
apum cum terra ad aratrum. Kopisteb rusticus cum terra. Kostelec, Konogedi, 
Tribrussko, Dubrawici ea dimidia villa. 

In provincia Boleslawiensi : Hotetowe : Zikac faber cum terra ad aratrum. 
Bozni cocus cum terra, Damianus cum terra ad aratrum. In proTincia Satcensi Hot- 
sowe Prestan campanarius cum terra ad aratrum. Lesskab Deton custos apum cum 
terra ad aratrum. Lubne Prauec carpentarius cum terra. In provincia Boizienensi Draso- 
wicih Radeh custos apum cum filio Zvoytenet cum terra et omnibus apenditiis. Si- 
gossici Kveteli cocus cum terra. Ad ipsum vero castrum Lutomiric pistores molen- 
dinarii, quorum nomiua sunt haec : Stromata, Nerad et alii quam plures. Ex bis om- 
nibus quicunque diabolo suadente aliquid minoraverit, poenas aeternas cum ipso in 
perpetuum patiatur. Amen. 

Quae autem hie articulantur, per vires catholicos eidem ecclesiae sunt attri- 
buta. Groznata dedit circuitum Cesslaw Lagevicib Heinricus dux terram, quam 
Zdeslaus dederat ei. Vilelmus Pocodicih dedit terram. Pavel dal jest Plosskovicib 
zemu. Wlah dal jest Doleass zemu Bogu Steppanu se dwema dusnicoma Bogucea 
a Sedleav. 

Ex Facsimili Dobneri (annal. V.) comparato cum copiis Atlianasü a S. Jo- 
sepbo (M. S. bibl. episc. Litom.), Erben (regesta p. 51 etc.), bibliotbecae M. S. uni- 
versitatis Prag. (I. D. 2.) et Plattneri (in areh. capit. Litom.) 



Mr. ^. 

Die Confirmatiousurkimde des leitmeritzer Collegiatcapitels von 

Pi'emysl OUokar I. 1218. 

In nomine sanctae et individuae Trinitatis Ottacarus, qui et Pfemysl, Dei 
gratia Boemorum rex, Dei omnipotentis ecclesiarum, quae pro remediis animarum 
antecessorum nostrorum fundatae dinoscuntur, et omnium aliarum utilitatibus pro- 
videntes, et quae ab iis sunt malitiose deperdita cupientes accuratius revocare, et 
ne ea, quae in locis plurimis per nostros parentes antiquitus et per alios bonos viros 
minutim iis sunt collata, possent deperire, quae omuia pro testimonio scriptis per 
bonos provisores fuere redacta, quibus jam omnium deest testimoniam et scriptor 
tum vetustas pertineas demolita, cum dictum Privilegium Lutomericensis ecclesiae, 
quod ex sui vetustate jam putridum nobis fuit praesentatum, ne per oblivionem 
bona eidem ecclesiae quoquomodo alienarentur, quae piae reeordationis serenissimus 



408 

dux contulit eidem, fecimus renovari et sigillorum nostroruin impressione coufir- 
mari in miUo antiqui privilegii, qiiod tale est, tenore mutato. Cum doniino volente 
Spitigneus clarissimus ac religiosissimus dux ecclesiam venerabilem in Christi no- 
mine felicissimaeque virginis Mariae ac Stephani protomartyris aliorumque sancto- 
rum construxisset, familiam hanc ad eandem praedictam ecclesiam pro remedio 
animae suae tali tenore est largitus, ut ab omnibus terrenis negotiis libera exi- 
steret, nisi tantum praeposito fratribusque ejusdem ecclesiae faceret cuncta neces- 
saria. Igitur de omni arte a quibusdam provinciis sicut principis decet ministerium, 
de ministerialibus destinavit Tirum cum uxore et filiis filiabusque ad unam quam- 
que pertinentem artem. 

Villis XIV hospitibus integris: sex vero aratoribus cum omnibus necessariis 
scilicet filiis ac aratris, ecclesiam ditavit. 

Vineas quoque duas cum vinitoribus, quanti sufFicerent ad excolendas eas, dedit. 
Puellas XXX operatrices. Equas quoque centum cum campo iis destinato, totidem- 
que oves. Vaccas autem XXX et LXX sues. Vias verro duas, unam per silvam 
Hulmez (decimam) hebdomadam acciepinndam praedictae concessit ecclesiae, alteram 
quoque per aquam Usty, quae duci pertinuit, addidit. In ipsa vero civitate, in qua 
praefata collocata est ecclesia, quicunque hujus patriae incolae sal (alec) sive alia 
quaeque per aquam advehunt, II partes praeposito, tertiamque fratribus accomoda- 
vit, de parva navicula XV denarios, cujuscunque sint, serri aut liberi, dari praecepit; 
de magna aiitem duas mensuras praeter illos, qui sal duci debent, et ipsos etiam 
medietatem persolvere jussit. Hospituni autem naves et naviculas sie ordinavit, ut 
de maxinia nave duas magnas mensuras, de mediocre unam, de parva, quot mensu- 
rae tot denarii persolverentur. Rusticos vero de lutomericensi provincia XII, de 
belinensi totidem ordinavit. Illos autem, qui proinde omni anno mel ex hortis solvere 
debent, VI constituit. Ex iis igitur, quae praediximus, videlicet venditione hospitura 
et de tributis, nee non de viis et de apiariis, tertia pars sine offensione fratribus 
decreta est. 

Insuper etiam de grege equarum uno quoque anno poledrus pro tunica uni- 
cuique eorum destinatus est. Legalis autem decimatio ab honiinibus ecclesiae huic 
pertinentibus nulli alii nisi praeposito cum fratribus persolvatur. Haec sunt nomina 
villarum, quas supra diximus : Cresicj, Pirne, Zasade, Trebesici, Repcicj, Tiner, Ze- 
dlze, Dubeeh, Popovo, Ptacliichi, Zlatina, Huclii, Lubesso-wiclii. Nomina villarum, 
in quibus rustici, qui mel solvunt, atque ministeriales, qyä ministeria unaquaque 
hebdomada exhibent, notati sunt, in lutomericensi provincia : V Zasady. Hoc cam- 
panarius cum terra, Zwan vinitor cum terra, praeter hos .sutores, pellifices albi et 
nigri, fabri, carpentarii, calefactores stubae. Sunt etiam in eadem villa hospites 
quam plures. Pokraticih Dalese vinitor eum terra, Cecen vinitor cum terra, Dras 
vinitor cum terra. Sitinichih Bachulia vinitor cum terra. Naboschi Mach carpenta- 
rius cum terra. Trebutichih rustici duo, Rozroy et frater ejus cum. terra. Terno- 
vas terra fabri nomine Cis. Nuclmicih Malic cum terra et aliam habens Lucove. 
-Copisteh terra hospitalis ad aratrum. Radnyne Hotese rusticus cum terra. Vscri Cen ru- 
sticus cum terra. Naztranem Cacuca rusticus cum terra. Peschaz Bikut rusticus cum 
terra, et alia Zernozecheh terra rusticalis. Lubohovaz Jurata piscator cum terra. Zalezleli 
Ostas rusticus cum terra et aliam habens Prosmiceh. Natlem hospitalis terra ad ara- 



409 

trum. Nauulconine rusticus cum terra ad aratrum. Lucoucili Platiuoy sutor niger, et 
aliam habet Raduyne. Dlascouicih rusticus Rozroy cum terra ad II aratra. Hotesoue 
hospitalis terra ad duo aratra. Bremiaz Jacob mitritor equorum cum terra. In provin- 
cia belinensi : na Uzy Crisan, cui campus, qui dicitur Breznik, datus fuit, quem pro 
remotiore dux praefatus sibi adoptavit praedicto ministeriali in TÜla eadem terram 
rusticalem ad aratrum mutavit ; Poruc piscator cum terra in eadem rilla. Teruovaz 
Tesci custos apum cum terra ad aratrum. Costelech, Conoiedi, Tribrusco, Dubrauiz, 
dimidia villa. Copist rusticus cum terra. lu proYincia bolezlaAiensi : Kotetoue Zikac 
faber habens terram ad aratrum. Brizak Iztbezza minister habens terram ad aratrum. 
Bozni Damianus cocus habens terram ad aratrum. In satcensi prouincia : Hotsoue 
Preztan campanarius habens terram ad aratrum. Lescah Deton custos apum habens 
terram ad aratrum. Tubne Prauez carpentarius habens terram ad aratrum. In provin- 
cia boyzenensi : Drazouicili ßadek custos apum cum filio Zuoyen et cum terra 
omnibusque appenditiis. Siuohoschi Quetek cocus cum terra. Ad ipsum verum castrura 
lutommericense sunt pistores et molendinarii, quorum nomiua sunt haec : Aromata, 
Nerad. Ex his omnibus, quicunque diabolo suadente aliquid minoraTerit, poenas cum 
eodem aeternas in perpetuum patiatur. AMEN. Actum in Budin Anno ab iu- 
carnatione Domini millesimo CCXXIII. Indictione sexta, 

(Ex originali iu archivo capit. Litom.) 



Mr. 8. 
a) Beispiel einer Praesenlatioii. 

Reverendo in Christo Patri Domino Tobiae venerabili Pragensis Ecclesiae 
episcopo Wenceslaus D. S. Rex Boemiae , Dux Cracoviae , Marchio Moraviae et 
Dominus Sandomiriae Salutem et paratam ad ipsius beueplacita voluntatem. Pater- 
nitati vestrae ad vacantem Nobis Ecclesiam in Werningerode, in qua Jus Patrona- 
tus habemus, ut dicitur, Wernherum Clericum exhibitorem praesentium praesenta- 
mus, potentes affectuose, quatenus ipsum in praefata Ecclesia confirmare dignemini, 
et in eadem iuvestire de Spiritualibus propter Deum. 

Datum Clingenberch 14. calendas Novembris et indictione tertia. 

b) Beispiel der Confirmalioii eines Pfiirrers. 

Tobias Dei gratia pragensis episcopus omnibus praesentes litteras inspectuvis 
salutem in Domino. Cum a nobis petitur, quod justum tam vigor juris quam ordo 
postulat rationis, ut id ad exauditionis (?) gratiam favorabiliter admittamus ; eapropter 
Universität! vestrae tenore praesentium volumus esse notum, quod nos adpetitionem 
et praesentationem nobilis viri N. N. presbyterum exhibitorem praesentium rectorem 
instituimus legitimum et plebanum ipsum cum omnibus pertinentiis auctoritate, qua 
fungimur, confirmantes et animarum ei lucrum et regimen, prout ad nostrum spectat 
officium, committentes. In cujus rei testimonium etc. 

Historische Monumente des Königthums in Böhmen. 
MS. V. Dr. Prof. Höfler. 



410 

Mr. ö. 

Ottocarische Confirmationsiirkunde des Stiftes Ossegg. 

Otaker, qui et Primuzl, Boemorum rex, confirmat fundationem mo- 
nasterii OssecCMsis per ZlaTCoiiem et Milgostum factam. — „Primates niulti 
regni nostri miserunt multa in G-azopliylatium domini, de quorum numero fuere non 
infimi Zlaiico comes illustris, et Milgostus Milgosti filius, qui revera bonorum me- 
moria digni, scientes, quae sunt regis, regi reddere, Deoque, quae Dei sunt, more 
patriae praedia sua per manus nostras domino assignarunt. Cujus negotii seriem 
paulo altius retexentes populo , qui nascitur, natoque significanius, quam Milgoztus 
primo divini cultus amore a notis nobis fratribus in Waltsassen conventum petiit, 
accepit, terrae nöstrae iuduxit, ac praediis, quibus potuit, illustravit. Cumque lo- 
cus , quo coenobium fundaretur , aptus deesset, multorum egit consilio, ut supra- 
dictus Zlauco couTentum illum in praedium suum Ozzech dictum transferret , locum 
scilicet ad omnem monasticae constructionis situm ut dies ipsa loquitur peramoenum. 
Quam illico transponendi claustri oblationem vir ille pius pie satis amplexatus, apta- 
tum praedium aliaque praesentis paginae flne seriatim nominata, Milgosto ideni de 
suis infra notatis faciente, uxoribus quoque amborum ac liberis et universis haeredibus 
rata astipulatione consentientibus in manus nostras deposuit sicut jam diximus. Igi- 
tur — bene coeptis illorum ex animo occurentes, praesentibus suppanis atque faven- 
tibus supscripta praedia, scilicet : s s e cli cum terminis suis, Hirdloc, Dam- 
z 1 a V i z et Villam H a g n dictam, et Hirnszer, Biln,Hosniz, Croyvart 
cum parte villae quae dicitur Bochniz et alia parte villae d o 1 i t z dictae Deo 
sanctaeque deigenitrici Mariae libera solemni ac legitima donatione contulimus, prae- 
sentis abbatis Rutbardi fratrumque praesentium ac futurorum Cisterciensis ordinis usi- 
bus cum uniTerso terrenae utilitatis fructu etc. perpetuo mancipanda. Sciendum prae- 
terea, quod ipsum coenobium Ossek sub defensionem protectionis nostrae suscipientes 
— statuimus, ne quis judex, ne quis offlciatus, ne qua plane sublimis humilisve persona 
in villis ant curiis, quas ipsi habitant, aliquam potestatein exerceat vel tyrannidem, non 
de excessibus rusticorum se judicem interponat, scilicet, sive se mutuo vulnerent vel 
occidant, seu qualibet arte conturbent ; ipsi cum consilio fidelium suorum, prout sibi 
viderint expedire, ordinent atque disponant. Eemittimus quoque eis communes terrae 
collectas, cum jure vectigalium, quae solent dare exeuntes in C o p v i z , et ne quis con- 
provincialium liminarem silvam praedio eorum contiguam ad aliquos usus praesumat 
succidere, quia ipsis tautum in usus posteritatis suae habendam concessimus. — Hujus 
rei teste« sunt : Otliaker, qui et Primuzl, rex tertius Boemiae, Wladislaj^fS marcliio Mo- 
viae, Cristanus cancellarius et praepositus Wissegradensis, Grabissa et Boguslaus filii 
Zlauconis, Hageno et Petrus, filii Milgozti. Ad hujus igitur rei confirmationeni sigilli 
iiostri, episcopi quoque Danielis, nee non et ecclesiae Pragensis impressione munivimus 
liaec et confirmavimus. Hujus quoque rei testes sunt : Daniel secundus ecclesiae Pra. 
gensis episcopus, Pribizlaus decanus, Wezemilus arcbidiaconus Bechinensis, Waltinus 
Johannes, Vitalis cellerarius, Laurentius, Mirozlaus, Fridericus, Matheus, Witigo archi- 
diaconus. Acta sunt haec anno ine. dom. MCCIII. ep. VI. conc. IL ind. VII. Data 



411 



Pragae per manus Cristani caneellarii et Benedict! scriptoris sigillata aiitem per mauus 
Anshelmi, VIII. Kai. Maji." 

Cod. diplomat. arcliiv. Ossec. sec. XIV. fol. 1 et 2 Copia in Mus. Boli. Erben 
regest. 214. 



Mr. lOe 

Bestellung des papsUiclien Scliiedsgerichts für Ossegg 1207 

9. Junii Viterbii. 

I n n c e n t i u s III. papa „Pragensiet.. Olomucensi epi- 
scopiset..praeposito de LutlimeritZj Prägen sis dioecesis 
committit causam inter monasterium Ossecense etMilgostuni 
nobilem decernendam. — „Suani ad nos dilecti filii . . abbas et couveutus 
de Ozzich Cisterciensis ordinis, querimoniam destinarunt, quod eum nobilis vir M 
(ilgast), Pragensis dioecesis, quasdam possessiones eis liberaliter duxerit concedendas, 
in qnibus ideni abbas et monachi monasterium postmodum construxerunt : quia propter 
latronum instantiam et incommoditates alias compulsi sunt ad locum alium se transferre, 
eos idem miles, bonis omnibus, quae ipsis coutulerat, spoliavit, fratres suos exinde 
violenter expellens. Propter quod bonae memoriae . . ipsius monasterii abbas, timore 
perterritus, sine sui capituli conniventia super bonis ipsis cum milite composuit memora- 
to in ejusdem monasterii praejudicium et gravamen. Quia vero nobis coaititit de prae- 
missis discretioni vestrae per apostolica scripta mandamus, quatenus partibus convo- 
catis et auditis liinc inde propositis, quod justum fuerit, appellatione postposita, decerna- 
tis, facientes, quod decreveritis per censuram ecclesiasticam observari" etc. Datum Vi- 
terbii V. idus Junii, pontif. an. X. Dobner annal. VI. pag. 614. Erben regest. 229. 



Mre tt. 

Confirmationsurkimde des Biscüofs Daniel füi« Ossegg. 

1209. 3. September Ozzek. 

Daniel episcopus Prageusis monasterii Ozzecensis pos- 
sessiones et privilegia confirmat. — „Dum Zlawkone nobili viro nos 
invitante venissemus in Ozzek, dilectam sibi et bonae spei norellam fundatiouis suae 
plantationem, cum ad benedicendum cimiterium et altare apostolorum Petri et Pauli 
rite accederemus, interrogatus a nobis ipse et alii , de quorum beneficiis ecclesia 
memorata fundari coeperat, invenimus subscriptos reditus ac possessiones Deo et omnibus 
sanctis, specialiter autem sanctae Mariae ac beatis apostolis Petro et Paulo ab ipsis esse 
oblatas, quas etiam confirmatione domini Innocentii papae tertii, neo non et privilegio 
Otliocari regis Boemiae perspeximus fuisse munitas. Quia vero bis duobus uostra quoque 



412 

auctoritas accedere fieret debuit, ut indissolubilis quodanunodo triplex funiculus, id- 
circo et nos reditus atque praedia, quibus eo tempore memorata gaudebat ecclesia, prae- 
senti pagina commemoramus, et sub protectionem patronorum nostrorum S. Viti, Adal- 
berti et Wencezlai colligimus : locum ipsum z z e k, cum silvis, pratis, campis et pa- 
scuis suis , Hagin, Domazlavitz, Hirdlouc, Sconuelt^, Brezan, 
B g n i t z partem, Hirn seh er, Bilen, Hosnic partem , N a p o s c h e r a d , 
d 1 i t z aratrum unum, Grivatez vel Mnicliov, Telciad tria aratra, in 
Fridba ch unum mansum, Lasan, W i s s o c z a n ; in decimis autem haec possidebant: 
in Odolitz decimam frumenti vini et caseorum, in S v i n s i t z similiter, in B e t h s- 
c V e Yini et caseorum, in M e r o s o v i t z vini, in Lubtitz frumenti, in G r e b i s s i n 
duplicem decimam fori, in P o n t e vini et fori, in Z a v i d o v telonei et judicii deci- 
mam. Praeterea fundator supra dictus ecclessiae suae favens in omnibus, de villis, quas 
cunque locare posset in silva ultra claustrum, taliter ordinavit, ut de expensa sua 
rura extirparentur, et omnes reditus eorum dimidii forent ecclesiae. Eex quoque memo- 
ratus bene coeptis ipsius manum ingenitae liberalitatis apponens, dedit praedictis 
fratribus nonam septimanam de teloneo in C o p i t z et de semita claustro pro- 
xima totum dimidium, insuper et communem terrae collectam , quam berne vo- 
camus per omnes villas ipsorum eis remisit, atque ut per omnes Belinensis provinciae 
semitas sine teloneo exeant et merces suas libere transferant clementer indul- 
sit. Nos etiam saepedicti fundatoris inducti precibus jus patronatus Zavidoensis 
parocliiae eisdem fratribus habendum statuimus, ita tamen ut non mercenarium ibi 
sed legitimum locando vicarium ecclesiae suae commodis illa non destituta pro- 
yideant, et ne jura vel utilitates dioecesani ibi aliquam patiantur jacturam omnimo- 
dis elaborent. Denique Bogilaus Zlaukonis filius, patris juvando propositum, de- 
dit ecclesiae suae molendinumjuxtaHozstemiz et decimam frumenti in 
Syrncliov — Hujus rei testes sunt : Zlauco fundator et filius ejus Bogzlaus. 
Zlauko filius fratris ipsius Börse ; Milliozt , qui primo conventum de Waltsassen 
adductum in Maschow locaverat , Vnecs et Johannes frater ejus, Johannes etiam 
filius, Vnecs, Shutbor de Jamni, Heinricus de Wira, Scauzau Luthognevitz, Ja- 
rozlau de Zabrussan, Martin frater Petri Eos, Vbischest et privigni sui Bogzlau 
et Wilscli, Martin de Medwedic, Johannes de Lun, Pil Bogzlawitz , Martin de 
Bressan et frater ejus Waurenz , Wsebor dapifer Zlauconis , Predvorez pincerna 
ejus , Johannes telonearius ejus , Beneda et filius ejus Thirsech de Grussovan , 
Scyrnech villicus Zlaukonis, Budchor de Cirdow, Nerad de Rohozne , "Wittas 
villicus de Zvetiz et alii multi. Data Ozzek IH. nonas Septembris , die bene- 
dictionis cimiterii et consecrationis altaris apostolorum Petri et Pauli , anno 
dominicae incarnationis MCCIX. , sub rege Boemiae Othecaro , tempore, quo rex 
Otto de ßrunswich Romae in caesarem ungebatur , anno XVI. egressionis con- 
ventus de Waltsassen in Mascov, translationis autem eorum in Ozzek anno X. 
positi fundameuti anno III. sub abbate Hermanne. 

E cod. diplomat. monasterii Ozzec copia in Mus Boh. Erben regest. 236. 



413 

Nr. f ^. 

Fundalion für den Steinbau iu Ossegg 

c. 1230—1240. 

Fundatio coenobii ordinis Cisterciensis de Ozzek. — 
^,Ego Joannes comes, fundans coenobium dei et sanctae Marias ordinis Cisterciensis de 
Ozzek, fratres assumens et illi domui maucipans haec ad ipsam fundationem alFero : 
Nesekove villam forensem et circa ipsam villani de bonis meis tantiun confero, quod 
annuatim solvet viginti marcas et post quamlibet marcam sedecim strichones annonae, 
VIII siliginis et octo avenae. Praeterea cum aedificare de lapidibus coeperint, af- 
feram tanta bona, quae annuatim solvant XXX marcas ad aedificationem, ad claustrum 
perpetuo pertinenda. Ad claustrum construendum dabo tres carpentarios appreciatos, 
et alios tres beneficiatos ; praeterea rusticos ad eorum in aediiicando adjutorium, quot- 
quot fuerint necessarii, carpentariis alimoniam praebiturus. Bona omnia, quae ipsi 
contuleram fundationi, quae ab episcopo Olomucensi dicunt esse impetitoria, recipio, et 
totidem bona de patrimonio meo hereditario ipsi fundationi in praesenti restituo, prio- 
ribus utiliora. Locum , claustrali mansioni in ipsis bonis habilissimum atque 
convenientissimum habentem fluvium nobilibus piscibus piscosum , molendinum in 
claustro futurum quatuor rotarum de subtus vertibilium , lapides , cemen- 
tum prope locum ligna super locum et circa locum ad aedificia congruentia 
sufficientia, ortuni circa locum, duos fontes ductiles super locum nobiles, et haec 
bona XX. marcarum in fertili terra, duodecim araturas cultae terrae de pecunia 
mea instruam. Insuper villam fratris mei Pribizlai nomine Sarred im am ei 
claustro conferram, iibi sunt prata nobilis foeni infinita, piscationes bonae, nemora 
bona. Praeterea silvam ad fundandas villas fertilis fundi copiosam. Insuper 
quoad visero, a dando nunquam cessabo. ') Quatuor molendina marcam annuatim 
solventia ad luminaria ecclesiae perpetuo confero. Aedificiorum succisa ligna 
super locum praesentare faciam." 

Orig. in arch. ejusdem monasterii. — Boczek IL pag. 37. Erben reg. 226. 



Nr. 13. 

Oi'änzYertrag über die Gränzen zwischen Zagost und Budisin.^; 

In nomine sanctae et individuae Trinitatis, amen. 

Nos Wenzeslaus, Dei gratia rex Boemorum quartus, omnibus in perpetuum. 

Cum clarae memoriae carissimus pater noster Ottacarus rex illustris cum 

venerabili Domino Brunone Misnensis ecclesiae episcopo bona fide limites inter 



') Quae sequuntur, serius alia manu addita sunt. Erben regest. 226 conf. 624. 
'■^) Die eigentliche Urkunde datirt vor 1228 und wurde zwischen Pi-omysl Ottocar I. 
und dem Bischof Bruno IL vereinbart. Sie beginnt mit den W .rten „A Niza" 



414 

terras Zagost ') et Budisin") viris houestis Burchardo de Gnasviz^), Bernardo 
de Camenz^), Reguardo de Wicliowe, Heidenrico de Dobrus^), Friderico Wertes^), 
Synekero de Trelen^) , Christanno et Gerlacho de Landescrone^), Rudolfe de 
Godow^), Hermanuo de Lubchow, Florino de Zgorlitzif), Henrico Woysic") sub 
debito praestiti sacramenti commiserat distinguendos, quia viri iideni burquardos^^), 
terrarum ipsarum uuiformiter distinxerunt, nos factum idem gratum habentes 
et ratum praesentis scripti et sigilli nostri munimine roboramus auctoritate 
nostra regia districte maudantes, ut eadem distinctio inviolabiliter observetur 
in cultis et colendis'^) et universis pertinentiis subnotatis. 

A Niza'"*) contra Poloniam'S) per directum usque ad montem Geswiuche;^'') 
abiude in cumulos Kameni copky dwa^'') ; inde in angulum Nakuthi pozehaki'^) inde 
in montem Tyzow,^") abinde in Mpstechj-'^) inde in sepulcrum Winicopez,'i) inde 
in rivum Qwiz.*^) Ibi distinctio suspensa est propter distinctionem inter Zahost 
et Polouiam uondum factam.'^^^ 

Item contra Boemiam a montibus Snezniclie'*) in Biskowe majorem.^^^ Inde 



etc. Eigentlich werden auch nicht die Gränzen ZAvischen Zagost und Budisin darin 

bestimmt, sondern die der königlichen und bischöflichen Besitzungen in Z ag o s t 

VI n d B u d i s i n. 
') Zagost = hinter dem Walde, d. i. hinter den böhmischen Gränzgebirgen, hier 

insbesondere hinter dem sogenannten lausitzer Gebirge. 
-) Der Gau Budisin oder Bauzen. 
3) Wahrscheinlich das jetzige Neschwitz. 

^) Andere Lesarten Camenech und Kamentze, das heutige Camenz. 
5) Wird später als Burgwarte genannt, wahrscheinlich das jetzige Doberschau bei 

Bauzen. 
'^) Andere Lesart Wirtes. 
') Andere Lesart Swickero de Ztraele. 
^) Landskron, Berg und Burg bei Görlitz. 
^) Das heutige Godau bei Budissin. 

10) a. L. Gorliz und Görlitz = Görlitz. 

11) a. L. Woysich und Woysitz. 

i~) Die Burgwarteien = Aemter, deren ein Gau mehrere z<ählte. 

'3) Es waren also noch weite Strecken jener Gebiete unbebaut. In der That vermisst 

man im Folgenden viele Ortsnamen , die nicht ungenannt bleiben konnten , wenn 

die Orte schon bestanden hätten. 
1*) Fluss Neisse in der Lausitz. 

15) Das anstossende Schlesien, das in alter Zeit ein Theil von Polen war. 
i*") d. Dachsberg. 
1'^) d. i. zwei kleine Steinhaufen. Es ist hier eine alte heidnische Grabstätte gemeint, 

wahrscheinlich bei Weigsdorf, 
18) a. L.Nakuchipozkaki und Nakuthipozcaki, die Venussteine bei Neudörfl und 

Kunnersdorf unweit Friedland. 
1") a. L. Tizove d. i, Eibenwald, unbekannt. Die Gränze geht hier nach Südosten, — 

wahrscheinlich ist es die sonst bekannte Gränze des Meissner Bisthums. 
2f) a, L. Mozlich und Moztet, mostek, Brücklein , vielleicht über die Wittig , so dass 

nun die Gränze wieder nordöstlich läuft. 
21) a. L. Winichopez und Winithopiz ; es ist da wieder eine alte Grabstätte gemeint. 
~-) a. L. Quizt, d. i. der Fluss Queiss in Schlesien. 
^^) Das angedeutete Gebiet von Zagost umschloss also gegen Süden die Gegend von 

Friedland (das alte Decanat Seidenberg). 
24) a. L. Snesnice , Schweznizo , Schwedinzo = der Schweidnitzer Berg bei Löbau. 
~°) i\. h. Bischowe = Gross-Bischdorf (Sanddorf). 



415 

in parvam Biskowe'), inde in Suchidol ;~) abinde in Eokjtowj koren,^) abinde in 
sepulcrum Oroszow coph^^) inde in rivum Koren^} abinde in Mzam, Nisam sursum 
usque dum influit Kameniza^) et iisque ad ortum ejus. 

Omnia limitibus bis inclusa episcopi sunt Misnensis.'^) 
Item de burquardo Dolgawiz^) ab eo loco , ubi confluunt Lubotna^) 
et Ostruzniza^o^ ad defluentem in Ostnyzam") rivum Peztaw^^), et ortum ejus, 
abinde im semitam Betozca ziza^^) et in montem Zelenye gora'*) , abinde in ortum 
Camenize et per decursum ejus usque ad distinctionem Zagost et Budisin ; 
abinde in rivum qui Sprewa^^) dicitur et defluit per Gerartisdorf^'^) et decursum 
ejus usque ad antiquam stratam contra Jaworik^'^). Ab ipsa strata contra Bude- 
sin et Sprevara, quae defluit per villam Zalomi^), et per dectirsum ejus in rivum 
Jedlee^^) et quendam cumulum ex directo. Inde in semitam, qua itur de Glussina^O) 
in vallem et per eandem vallem in Lubotnam"'). Omnis fundus termiiiis bis in- 
clusus ad Misnensem pertinet episcopatum.'^) 

De burquardo D o b r u s^S) ' ab antiquo campo trans Sprevam Daniborow 
brod.'*) Abinde in antiquam semitam, qua itur Welityn-^) et sie per eam usque 
in Sebnizam'**) in locum, ubi mansit antiquitus heremita-'). Item ex alio latere a 



') Klein-Bischdorf. 

2) a. L. Zucbidol (trockenes Thal). 

3) d. i. Weidengestrüpp, a. L. Nothikowiker und Nokichowiker. (Unbekannt.) 

'*) a, L. Droszow coph, Droszowi coph und Dwszaunipz (?) Wieder ein alter Begräb- 
nissplatz. 

^) a. L. Rohnow. 

*')Steinbach bei Leuba mündend. 

'') Diess ist das Gebiet von Bernstadt an der nördlichen Gräuze des zittauer Deca- 
nats, — wohl ein Familienbesitz des Bischofs Bruno von Meissen. War er, dessen 
Familie man nicht sicher kennt, vielleicht ein Graf von Bernstadt? Das Zittauer 
Decanat erscheint hier bereits als Theil Böhmens. 

^) a. L. Dalgawiz , Dolgowitz am Rothstein in der Nähe von Sohland , bei Rei- 
chendach. 

^) a. L. Lubana, Löbauer Wasser. 

''^') a. L. Ostrosniza, Ostroniza d. i. der rosenhainer Bach , nördlich von Löbau, 
derselbe, der gleich darauf Oztnyza heisst. 

") a. L. Ostniza. 

'-) a. L. Peztowe, ein Nebenbach des Rosenhainer Baches. 

'3) Wohl der Weg von Schweinitz nach Löbau. 

'*) a. L. Jelenagqra , Jelenigora , Wlenagora , d. i. Hirschberg, südlich von Herwigs- 
dorf bei Bernstadt. 

'5) Spree, zu unterscheiden von der Budissiner Spree = der jetzige Schöpsfluss. 

1") Gersdorf bei Eeichenbach. 

''') Jauernik. 

'^) Sonland bei Reichenbach. 

1") Jedle = Tanne, Tannbach? 

'^^) Glossen zwischen Löbau und Weissenberg. 

^•) Löbau. 

'-) Hiemit ist offenbar das Gebiet zwischen Löbau und Reichenbach gemeint. 

-3) a. L. Dobros d. i. Doberschau an der Budissiner Spree. 

-'*) a. L. Damboronbrod = Spreeübergang, — wahrscheinlich bei Gurkau. 

35^ Wilthen bei Schirgswalde. 

2ö) Stadt Sebnitz ; hier ist nur die Richtung dahin gemeint. 

*') d. i. Einsiedeln an der Gränze bei Sebnitz. 



416 

cumulo qui est iuter Kosscliiz') et Novosedlich') in aquam, quae dicitur Zechozerce^) 
usque Oimin^). Inda in majorem stratam contra Neuenkirchen 5) usque in Rattol- 
phessiplie'') et per decursum ejus in Wazoimizam.") Abinde in Tyzow^) et in 
montem Bukouva gora.^) 

Abinde ad summitatem montis, mide oritur rivus Welewiza'O) etZlatynaH). Abinde 
in Sebenizam et per ascensum ejus usque ad locum heremitae praedicti.^*) Ad 
Misnensem episcopatum pertinent, quae bis terminis includuntur. '3) 

Item de burgwardo Syzen'*) per semitam de Syzen in Godo-wizam'S). 
Inde in cumulum Cossow"^). Abinde in cumulum prope viam , qua itur de Bu- 
dysyn ZocoAve.''') Ab eaderii via donec prope viam Guntersdorf. '^) Inde in rivum 
Gusty'^) et in majorem rivulum de Guscli'") in Radel.'-^') De Radel in Camena 
hora—). Abinde ad summitatem montis inter Bozen*'') et Lypowa hora*^). Abinde 
in Bely potoch'^) et sie usque in Wazownizam. Abinde usq^ue in Isinbercli.-*') 
Abinde ubi Lavau'') et Poliza,^^) confiuunt, per decursum Polizae usque dum 
confluat cum Lozna'^) a Lozna in Sabnizam et ita usque ad locum , ubi limites 



') Kobritz. 

~) Neuzodliz bei Gnaschwitz und Weissnauslitz. 

3) a. L. Zehoherze ■ — das lange Wasser. 

'*) a. L. Dimin= Diemen. 

^) Neukircli am Hocli'walde. 

**) a. L. Ratolfis Siffen, jedenfalls Nebenbacli der Wesenitz. 

') a. L. Wazownizam u, Wazowenizam = Wesenitzfluss. 

^) d. i. Eibenwald, die Lage unbekannt. 

^) Buchberg im Hochwalde. 

'") a. L. Weseniza ? Die Wesenitz entspringt auf dem Valtenberge (Valentinberg) im 

Hochwalde. 
") a. L. Zlatwina, Zalatwina. 
'-) Einsiedeln. 

■3) Es ist offenbar das Gebiet zwischen Sebnitz, Schirgiswalde, Bauzen, Gurkau, Gna- 
schwitz, - — eine von Süden nach Norden laufende Landstrecke südwestlich von 
Bauzen. 
'^) Seitschen, ein Dorf südwestlich von Bauzen. 
'5) Göda bei Bautzen, 
i**) a. L. Cossove, Kossau bei Ratibor. 
'') a. L. Locowe. Logau bei Kossau. 
1^) Unbekannt. 
^^) a. L. Guzci, Gusk, Guze d. i. Gaussiger Bach, Schwarzwasser. 

20) a. L. Guze, Guzk. 

21) a. L. Rattel. 

32) Steinberg, die Lage unbekannt. 

23) a. L. Poren. 

24) Lindenberg, vielleicht bei Liben östlich von Marienstern. 

25) Weissbach, jetzt Fischbach. 

26) a. L. Isenberc. 

27) Elbe. 

28) Polenzbach. 

29) d. i. der jetzige Sebnitzbach, der sich westlich von Schandau mit dem Polenzbache 
vereinigt. Ein Arm der Sebnitzbaches (wohl auch Lozina genannt, jetzt Schwarz- 
bach) kommt vom Hohensteinschen Dorfe Losdorf her ; der andere bildet sich bei 
Sebnitz durch den Zusammenfluss mehrerer böhmischen Bäche, deren grösster 
im Hochwalde entspringt. 



417 

Tyzow^), Bukowa hora,-) Welewiza in Sebenizam protenduntur. Omnia limitibus 
his inclusa pertinent domino regi.^) 

Item hi sunt limites, qui distinguunt Godow'*) et terram regis. A loco, 
ubi a semita de Syzen per limites Radel, Camena gora, Bely potok et decursum 
Lozinae in Sabenizam pervenitur^). Inda in ortum Lozinae.*^) Abinde in ortum 
Lezsnae"^) per decursum ejus, douec defluat in Wazo'wnizam,^) per decursum "We- 
szonisae^) ad rubum Erlinum^f*). Abinde supra montem Scutkow usque in Visbacli. ") 
De Visbach usque ad Eederam^^), quae fiuit per Seligenstat et usque ad ortum 
ejus. Abinde in rivum, qui fluit inter Vrankeudale'^) et Hart. Exinde in me- 
diam paludem, quae est . inter Bamnow'^) et Gieselbreclitesdorf. Exinde in Album 
Lapidem^^) et usque in fontem prope Tutizc.^^) Abinde in reram Zrebernizam.^'^) 
Omnia infra limites hos contenta ad episcopatum pertinent. 

Item inter Priszes'^) et Camenz per antiquam stfatam, qua itur de Bu- 
desin contra Albiam'^) in antiquum Yadum trans Alestram'^O) et sie usque in Di- 
fiudal. Abinde in Polsnizam.^^) De Polsniza ad locumj ubi in eam defluit Lozna,^-) 
et usque ad ortum Loznae."^) Abinde in pedem montis KadbizC''*) et usque ad 
semitam Pribislay.^^) Inde per descensum montis et semitae contra Budisin in 
majorem Polsnizani''^) Abinde in rivum Tossin^") usque ad ortum ejus. Inde in 
Jawor-8) et per decursum Jawor et agros antiquitus excultos.-^) 



1) Unbekannter Berg (Eibenwald). 

^) Buchberg im Hochwalde. 

3) Das angedeutete Gebiet ist das spätere Amt Hohenstein (damals böhm. 

Lehen) nebst der nördlicheren Strecke von Seitschen bis Ratibor. 
*) Gödau, die alte bischöfliche Barg des h. Benno. 
5) Hier ist die Richtung von Seitschen gegen Wolmsdorf angedeutet. 
<') Hier ist die Losdorfer Lozina gemeint. 
') Andere Lesart Leznae, Waldbach, Nebenbach der "Wesenitz. 
^) Wesenitzfluss. 

^) a. Lesart Wazounice, die "Wesenitz. 
10) Erlbusch. 
1') Fischbach, a. L. Vischpach. 

12) Rüderfluss. 

13) a. Lesart Frankinthal. 
1*) Ramenau. 

15) Hundstein? 

KS) a. L. Tutize, Tutisk (Uhist?) 

1') Die Gränze lauft hier nach Göda zurück. Es ist offenbar das Gebiet r. Bischofswerda. 

18) Prieditz bei Camenz. 

1^) Es ist hier der Weg nach der Stadt Meissen gemeint. 

*0) Elsterfluss; der Uebergang war wohl bei der Stadt Elstra. 

31) Pulsnitzfluss, muthmasslich das bei Reichenbach mündende Nebenflüsschen, 

da später eine Polsniza major genannt wird. 
"-) Wohl ein südlicher Nebenbach. 

23) Andere Lesart Lusne. 

24) a. Lesart Radebizk u. Radewitz. Dies wäre dann der Berg bei Weissbach. 

25) Andere Lesart Privizla. 

2C) Hier ist wohl die eigentliche Pulsnitz bei der Stadt gl. Namens anzunehmen. 
27) a. Lesart Tessin, Tussin, muthmasslich die weisse Elster, welche bei Marien- 
stern vorüber fliesst. 
2^) Jauer bei Marienstern. 
2") Nach Obigem ist hier das Gebiet von Pulsnitz und Elstra gemeint. 

27 



418 



In quibusdam autem locis , ubi limites contra terram Budisin se exten- 
dunt, distinctionis mentio necessaria non fuit, quia ea antiquitus obtinebat. 

Extremitates vero propter novalia, quae dubium generant, sunt distiuctae. 

Testes hujus rei sunt : Albertus dux illustris Saxoniae. 

Tediricus comes de Brenen,') burcliravius de Starclienber'k,^) Heyrieus de 
Baruth, Hogerus de Wridebericli,^) Guntherus et Bodolfus fratres de Biberstene^), 
Henricus de Lyfendal^), Bernliardus de Camenec'^), Wilricus de Landescrone 
et aliiquam plures. 

Datum in Lapide regis'), anno dorn. ine. MCCXLI. nonas Maji , iudic- 
tione XI. proximo die post festum beati Jobannis ante portam latinam. 

(Erben regesta 482 etc. ; Gercken Historie der Stadt und Festung Stol- 
pen, Scliöttgen annal. de burg-wardiis Saxon., Kocliler cod. dipl. Lusat. sup.) 



') a. Lesart Theodoricus comes de Bren. 

2) a. L. Starkenbircli. 

3) a. L. Frodeberch. 
^) a. L. Biberstein. 
5) a. L. Liebenthal. 

**) a. L. Camenz, Kamentze. 

') Königstein an der Elbe. 



^11^^/^^ 



Inhalt. 



Erste Periode. 
Die Christianisiruiig Bülmiens. 

I. Zeitraum. Die Einführung des Christenthums in Böhmen 

Seite 

§. 1. Die ersten Beicehrungsversuche . 1 

§. 2. Die Cecheutaufe in Regensburg 3 

§. 3. Die Taufe des Herzogs Bofi-woj und ihre nächsten Folgen . 6 

§. 4. Der selige Iwan 12 

§. 5. Die Sühne Bofiwojs. Die h. Ludniila. Verfolgung der Christen .14 

§. 6. Der h. Wenzel 16 

§. 7. Die beiden Boleslawe 19 

§. 8. Gedeihen des Christenthums im Bereiche der jetzigen Diücese von Leitmeritz 21 

§. 9. Fortsetzung 27 

§. 10. Fortsetzung 31 

§. 11. Fortsetzung ' 35 

§. 12. Die geistliche Jurisdiction in Böhmen . 39 

§. 13. Fortsetzung 43 

§. 14. Ritus in Böhmen 46 

II. Zeitraum. Die jugendliche Kirche Böhmens 

im siegreichen Kampfe mit den Ueberresten 

des alten H e i d e n t h u m s. 

§. 15. Die Errichtung des Bisthums in Prag 51 

§. 16. Die Einsetzung des Bischofs Dietmar 59 

§. 17. Der heilige Adalbert 61 

§. 18. Thiddag. Ekbard und Hyzo 68 

§. 19 Bischof Severus 72 



Seite 

§. 20. Fortsetzung 77 

§. 21. Theilnalime der meissnischen Bischöfe am siegreiclien Kampfe gegen das 

Heidentlium im Norden Böhmens 81 

III. Die kirchlichen Verhältnisse und Institutionen in der 
Zeit des Kampfes der Kirche mit dem unterliegenden 

Heidenthume. 

§. 22. Der Säcularclerus der Diöcese 85 

§. 23. Die alten Seelsorgspfründen der jetzigen Diöcese von Leitmeritz 88 

§. 24. Fortsetzung 93 

§. 25. Die Hofgeistlichkeit 97 

§. 26. Die Klöster und Capitel aus dieser Zeit 99 

§. 27. Das CoUegiatstift u. das Kloster der Benedictinerinnen zu S. Georg in Prag 103 

§. 28. Das Benedictinerkloster Bfewnow oder S. Margareth 108 

§. 29. Das Kloster Ostrow. Das Kloster Sazawa und der h. Procop. Die Anfänge 

des Klosters Müncheagrätz 111 

§. 30. Das Domstift St. Veit in Prag 114 

§. 31. Fortsetzung 120 

§. 82. Das CoUegiatstift S. Cosmas und Damian zu Altbunzlau 124 

§. 33. CoUegiatstift S. Stephan in Leitmeritz 128 

§. 34. Fortsetzung 132 

§. 35. Fortsetzung 137 

§. 36. Fortsetzung 145 

§. 37. Das CoUegiatstift S. Peter in Melnik 149 

§. 38. Fortsetzung 152 

§. 39. Fortsetzung 157 

§. 40. Die Metropolitangewalt über Böhmen 159 

§. 41. Die Metropoliten dieser Zeit und ihre nähere Wirksamkeit für Böhmen . . 161 

§. 42. Die Diöcesansynoden dieser Zeit 167 

§. 43. Die Schulen 173 

Zweite Periode. 
Die Blüthczeif der böhmischen Kirche. 

I. Die Theilnahme des christlichen Böhmens an der kirch- 
lichen Reformation. 

§. 44. Der Geist der neuen Zeit 177 

§. 45. Bischof Gebhard (Jaromir) 180 

§. 46. Die Theilnahme am Inrestiturstreite 183 

§. 47. Fortsetzung : 187 

§. 48. Bischof Cosmas 190 

§. 49. Bischof Hermann , , , 193 



Seite 

§. 50. Biscliof Meinliart 196 

§. 51. Joliann I. und Silrester «... 200 

§. 52. Bischof Otto und die Eeformation 202 

§. 53. Biscliof Daniel 1 207 

§. 54. Die Bischöfe Gotthart, Friedrich und Valentin 210 

§. 55. Heinrich Bfetislaw und die Vollendung der geistlichen Reformation . , . 213 

§. 56. Böhmens Metropoliten in dieser Zeit 218 

§. 57. Fortsetzung 223 

§. 58. Die Kreuzzüge bis zum Ende des 12. Jahrhunderts 227 

§. 59. Fortsetzung. Eitterliche und asketische Orden 230 

§. 60. Anfänge der nordischen Kreuzzüge 233 

IL D i e kirchlichen Institute Böhmens in der Zeit des 

Reform ations kämpfe s. 

§. 61. Das Prager Domstift .237 

§. 62. Das Collegiatstift zu Leitmeritz 242 

§. 63. Fortsetzung 246 

§. 64. Die Pröpste des Collegiatstifts zu Me Inik 250 

§. 65. Das neue Collegiatstift Wysehrad 256 

§. 66. Das Collegiatstift Sadska , 261 

§. 67. Die Benedictinerklüster zu Opatowic, Kladrau, Leitomysl, Wilemow und 

Podlazice , 263 

§. 68. Das Benedictinerkloster Postelberg 268 

§. 69. Fortsetzung 270 

§. 70. Das Prämonstratenserstift Strahow 274 

§. 71. Das Kloster der Prämonstratenserinnen zu Doxan 278 

§. 72. Die Prämonstratenserklöster Selau, Launiowic, Leitomysl und Mühlhausen 283 
§. 73. Die ersten Cisterzienser in Böhmen (Waldsassen, Sedlec, Nepomuk) . . . 286 

§. 74. Das Cisterzienserstift Plass 292 

§. 75. Das Cisterzienserkloster Münchengrätz 295 

§. 76. Fortsetzung 300 

§. 77. Die Johanniter in Böhmen . 303 

§. 78. Fortsetzung 306 

§. 79. Das Kloster der Benedictinerinnen in Teplitz 311 

§. 80. Fortsetzung 314 

§. 81. Das Cisterzienserkloster Ossegg 318 

§. 82. Fortsetzung •..,.. 325 

§. 83. Die Kreuzbrüder und Kreuzschwestern des heiligen Grabes 330 

§. 84. Das Prämonstratenserklöster Tepl 335 

§, 85. Das Prämonstratenserinnenkloster Chotesohau 340 

§. 86. Die meissnischen Bischöfe des 11. und 12. Jahrhunderts 343 

§. 87. Fortsetzung. Bischof Bruno IL und das neue Collegiatstift in Budisin . . 349 
§. 88- Die kirchl. Verhältnisse des Egerlandes bis ans Ende des 12. Jahrhunder ts . 352 
§, 89. Die geistl. Oberhirten des Egerlandes bis ans Ende des 12. Jahrhunderts . . 360 



Seite 

§. 90. Fortsetzung 364 

§. 91. Fortsetzung 367 

§. 92. Fortsetzung 372 

§. 93. RüciWiclc ••••... .377 

1. Anhang. Verzeichniss der seit Einführung des Cliristenthums bis 1384 

errichteten Seelsorgspfründen Bühmens 379 

2- Anhang. Einige wichtige Urkunden , 390 



Berichtigungen. 

Seite 113 Z. 21 von Ob. statt Severin lies Severus 
„ 132 Z. 1 „ „ fehlt: §. 34. Fortsetzung. 
„ 223 nach Z. 13 v. Ob. fehlt: §. 57. Fortsetzung. 
„ 319 Z. 2 von Ob. nach Tyremow 1. (Dürrmaul). 

„ 3 „ „ statt Lnban 1. (Tiefenbach biei Zdar.) 
„ „ „ „ nach Smilava 1. (Schmiedles). 



Druck von C. Schreyer & Ignaz Fuclis in Prag.